der Macht des lebendigen Blutes über papierene Hindernisse Hinwegschreiten wird, wenn seine Zeit gekommen ist — wenn wir wissen, daß wir nichts mehr zu verlieren und alles zu gewinnen haben.
Dann muß der Aufstieg kommen. Denn es ist schon so, wie Werner Beumelburg sagt: „Alles ist Werden und Vergehen. Ein Mann folgt dem Gebot in seiner Brust, und das Werk gehorcht dem Gesetz. In der Tiefe ruhen die Wurzeln, der Stamm steigt empor, Sturm und Wetter rütteln in seiner Krone. Kampf, überall Kampf, wohin der Blick geht. Alles ist Anfang und Ende zugleich, und wir sind nur Glieder in einer Kette, lieber uns breitet das Schicksal dunkel die Flügel." Lausanne war Ende und ist ein Anfang zugleich. Versailles und St. Germain — das waren Werke, die dem Gesetz des Todes gehorchten. Ihr Gesetz ist erfüllt — ein neues Werk, aufspringend aus dem Gebot des Blutes, getragen vom Gesetze des Lebens, mag beginnen.
Das Gängerbundesfest in Frankfurt.
Gestern abend wurde mit dem Begrüßungskonzert die Reihe der großen Konzerte des XI. Deutschen Sängerbundesfestes eingeleitet. Ausführender war der Sängerbund A a s s a u unter Leitung des Bundeschormeisters Dr. Rudolf Werner, Frankfurt a. M. Die Festhalle war sehr gut gefüllt, als die Programm-
fvlge mit der Ouvertüre zu Goethes „Egmont durch das verstärkte Städtische Orchester Frankfurt a. M. eröffnet wurde. Die stilrein zum Vortrag gebrachte Ouvertüre leitete gut zum ersten Teil des Sangesprogrammes über, das dem Gedächtnis Goethes gewidmet war. Sechs Gesänge, von denen die machtvoll getragenen „Talismane", vertont von Heinr. Zöllner, das wundersame Lied vom alten Zecher „Der König in Thule" (Karl Friedrich Zelter), und das Freibeuterlied besonders hervorstachen, hatten Goethe als Dichter. Der Chor, der eine anfängliche Ansicherheit sehr bald überwunden hatte, fand sich mit den verschiedenen Schwierigkeiten der Partituren sicher ab und konnte, ebenso wie sein verdienstvoller Leiter, reichen Beifall ernten.
Der zweite Teil des Programms begann mit zwei Liedern von Armin Knab: „Wach' auf du deutsches Land" und „Frisch auf zum Streit". Besondere Wirkung hatte das dann folgende deutsche Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde", für dessen Vortrag die Zuhörer stürmisch dankten. Einen Höhepunkt des Abends bildete die W e i h e der Bundes st andarte des Sängerbundes R a s s a u durch den Bundespräsidenten Geheimrat Dr. Karl Ha m m e rsch m i d t, der nach tiefempfundenen Worten die Standarte dem Rassauischen Bund zur treuen Haltung und Ehrung übergab.
Den Abschluß des Konzerts bildete ein „Festlicher Hymnus" für Männerchor und großes Orchester von Otto Siegl.
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Internationales Reitturnier in Aachen.
Reichswebroffiziere wieder in Front
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Links: Major von Walden fels, der Führer der deutschen Offiziersmannschast und Oberleutnant Nagel, der einen fehlerlosen Ritt auf „Benno" zurücklegte. — Zu Pferde: Oberleutnant o o n M o m m, der ebenfalls der siegreichen deutschen Mannschaft angehörte, und rechts unten: Oberleutnant von S a h l a, dem auf „Wotan" ein fehlerloser Ritt gelang. — Die deutschen Reiteroffiziere vermachen auf dem Internationalen Turnier in Aachen in dem wichtigsten Mannschaftspreis, dem „Großen Preis der Nationen", den Sieg für ihr Land gegen die Mannschaft Italiens und der Schweiz zu gewinnen.
Im Zeichen der fünf Ringe.
Curtis eröffnet die Olympischen Spiele.
Der wegen der bevorstehenden Präsidentenwahlen stark beschäftigte Präsident der Vereinigten Staaten, Herbert Hoover, hat als seinen Vertreter für die Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles am 30. Juli den Vizepräsidenten Charles^C u r t i s ernannt.
Die elektrische Zeitmessung, die bei den amerikanischen Ausscheidungskämpfen verwandt wurde, hat bestätigt, daß die amerikanischen Kampfrichter mit den von ihnen gehandhabten Stoppuhren sogenannte „bestellte" Weltrekorde gemessen haben. Vergleiche zwischen Stoppuhr und elektrischer Zeihnessung haben ergeben, daß C a r r über 400 Meter nicht 46,9, sondern nur 47,1 Sekunden gelaufen ist. Auch Keller schaffte über 110 Meter Hürden nur 14,6 und war damit um 0,2 Sekunden schlechter. Interessante Feststellungen kann man an Hand des Filmes machen. Graber schwebte bei seinem Weltrekordsprung, der übrigens offiziell genau mit 4,367 Meter nachgemessen wurde, mindestens 0,25 Meter über der Latte.
Während man für die weiblichen Teilnehmer bekanntlich eine besondere Hotelunterkunft geschaffen hat, wohnt die Mehrzahl der männlichen Olympiakämpfer im „Olympischen Dorf". Das Dorf ist ausschließlich nur für Männer vorgesehen.
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Die deutschen Olympiaboxer bilden in Chicago seit ihrer Ankunft das Tagesgespräch. Von den
von allen Seiten eingehenden Einladungen konnten nur „zwei Dutzend" angenommen werden, da sonst die Zeit nicht ausreichen würde. Am Dienstagabend veranstaltete der Rotary-Club ein Essen, an dem 1000 Personen teilnahmen und bei dem die Deutschen wieder stark gefeiert wurden. Geradezu glänzend hat der Germania- Club für die Troiningsmöglichkeiten der deutschen Staffel vorgesorgt. Der größte deutsche Verein in Amerika hat in seinem riesigen Clubheim eigens für die deutschen Boxer einen besonderen Ring bauen lassen, wo täglich trainiert wird. Die Oeffentlichkeit bleibt jedoch während der Aebungszeiten der Deutschen ausgeschlossen. — Wie riesengroß das Interesse für den Länderkampf am kommenden Dienstag ist, beweist die Tatsache, daß die Zuschauerräume im S >ldiers Field-Stadion ausgebaut wurden, so daß 30 000 Personen Sichtmöglichkeiten erhalten
Der finanzielle Erfolg der Olympischen Spiele steht schon jetzt außer Frage. Bereits im Vorverkauf wurden bisher 1300 000 Karten umgesetzt, eine ^tzahl, die noch bei keiner früheren Olympischen Veranstaltung erreicht wurde.
12. Etappe ohne Kampf.
Die zwölfte Etappe der „Tour de France" führte am Freitag von Cap nach Grenoble über nur 99 Kilometer. Es gab dabei keine Kämpfe, so daß das ganze Feld geschlossen am Ziel eintraf. Sieger wurde der Franzose Lapebie in 3:31,52 Stunden. Im Gesamtklassement gab es keine Aenderung.
Kronfeld stürzt ab —
und rettet sich im Fallschirm.
Die „Austria" von Robert K r o n f e I ö (vorn am Flugzeug), mit der der Rekordslieger bei einem Höhenflug über der bayrischen Rhön abstürzte. Das schöne Flugzeug ging völlig in Trümmer. Schade.. U
prämiierungsmarkt in Lich.
J) ß i d), 22. Juli. Wie schon kurz berichtet, brachte der gestrige Licher Sommermarkt, begünstigt durch gutes Wetter, unserer Stadt recht lebhaften Verkehr Mit dem Markt war Zuchtvieh-, Handelsvieh-, Schweine- und Krämermarkt, Prämiierung von hessischem Fleckvieh und Vogelsberger Vieh, Bullen-, Eber- und Schafbockoersteigerungen verbunden. Zur gleichen Zeit sand
die Prämiierung des Rindviehs statt. Als Preisrichter für hessisches Fleckvieh fungierten die Herren Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d, A l t v a t e r und Bopp, für Vogelsberger Vieh die Herren Trautmann und Velten. Sie fanden reichliche Arbeit vor und entledigten sich in anerkennenswerter Weise ihrer schwierigen Aufgabe. Die bereitgestellten Prämiierungsgelder konnten restlos zur Verteilung gelangen. Weiterhin wurden an die preisgekrönten Tiere Prämiierungsschilder ausgegeben. Das Ergebnis der Prämiierung war folgendes:
Hessisches Fleckvieh (A. = Anerkennung): Klasse 1: Bullen über 2 Jahre: Stadt Lich 2. Preis. — Klasse 2: Bullen von 16 bis 24 Monate: Stadt Lich 2. Preis; Wilhelm Bausch, Reichelsheim, 3. Pr. — Klasse 3: Kühe mit 3 und mehr Kälbern, erkennbar tragend: Karl Ludwig Hch. Schäfer 1. Preis; Gustav Krausch, Birklar, 1. Pr. Karl Hch. Albohn, Lich, 2. Pr.; Karl Zimmer, Lich, 2. Pr.; Hch. Müller II., Birklar, 3. Pr.; Hch Uhrhan IV., Lich, 3. Pr.. Karl Kleinkurt I., Langsdorf, A.; Wilhelm Weisel, Birklar, A.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 21.; Christian Ludwig Fischer, Lich, 21.; Georg Rühl, Langsdorf, 21.; Heinrich Schiel I., Langsdorf, A. — Kl. 4: Kühe mit 3 und mehr Kälbern in Milch: Karl Scheid I., Langsdorf, 1. Preis; Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Pr.; Wilhelm Roth, Langsdorf, 2. Pr.; Christian Ludwig Fischer, Lich, 3. Pr.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 21.; Heinrich Märle, Lich, A. — Klasse 5: Kühe mit 1 bis 2 Kälber, erkennbar tragend: Heinrich Müller II., Birklar, 2. Preis; Karl- Christian Wolf, Lich, 2. Preis; Philipp Keck, Lich, 2. Pr.; Hch. K. Ludwig Schäfer 2. Preis; Karl Hch. Albohn, Lich, 3. Pr.; Phlipp Keck, Lich, 3. Pr.; Karl Walz V., Lich, 3. Pr.; Karl Nathes, Lich, 3. Preis; Heinrich Köhler IV., Langsdorf, 21.; Karl Vogt I., Lich, 21. — Klasse 6: Kühe mit 1 bis 2 Kälbern in Milch: Heinrich Steuernagel III., Nied.-B., 1. Preis; Karl Chr. Wolf, Lich, 2. Pr.; Hch. Schiel I., Langs
dorf, 2. Pr.; Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Preis; Hch. Schmidt I., Langsdorf, 3. Preis; Joh. Peter Dietz I., Lich, 3. Pr.; Karl Nathes Lich, 3. Pr., Gustav Krausch, Birklav 3. Preis. — Klasse 7: Rinder, erkennbar tragend: Karl Nathes, Lich, 2. Pr., Heinrich Schöck, Birklar, 2. Pr.; Georg Rühl, Langsdorf, 3. Pr., Hch. K. Ludwig Schäfer, Lich, 3. Pr.; Heinrich Schiel I., Langsdorf, 21.; Karl Hch. Albohn, Lich, 21. — Klaffe 8: Rinder über 18 Monate, a): Fr Bommersheim, Langsdorf, 2. Pr.. Ludwig Weber, Langsdorf, 2. Pr.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 3. Pr.; Hermann Wedemann, Eberstadt, 3. Preis; b): Rinder bis 18 Monate: Karl Zimmer, Lich, 1 Preis; derselbe 2. Preis; derselbe 2. Preis Karl Nathes, Lich, 2. Preis; Karl Christian Wolf, Lich, 3. Preis; Adam Hofmann, Langsdorf, 3. Preis; Karl Zimmer, Lich, 3. Preis; Hch. Brück III., Nieder-Bes- fmgen, A., Joh. Peter Dietz I., Lich, 21.; K. Friedr. Fischer II., Lich, 21.; Karl Vogt I., Lich, 21. — Kl. 9: Familien: Hch. K. Ldg, Schäfer, Lich, 1. Preis; Hch. Müller, Birklar, 2. Preis; Karl Hch. Albohn, Lich, 2. Preis; Karl Ldg. Albach II, -ich, 3. Preis; Karl Christian Wolf, Lich, 3. Pr.. Heinrich Rühl, Langsdorf, 3. Pr.; Gustav Krausch, Birklar, 21.; Heinrich Schiel, Langsdorf, A.
Vogelsberger Vieh.
Klaffe 2: Heinrich Rau 4., Hattenrod, 2. Preis.— Klasse 3: Karl Fr. Märle, Lich, 1. Preis; Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Heinrich Weiß, Oppenrod, 2. Preis; Konrad Schöne, Lich, 3. Preis. — Klasse 4: Hch. Münster, Hattenrod, 3. Preis; Heinrich Botz, Bersrod,'3. Preis; derselbe A. — Klasse 5: Karl Keblowsky, Nieder-Bes- singen, 1. Preis; Wilhelm Fach, Nieder-Bessingen, 2. Preis; Leopold Alles 2„ 21. — Klasse 6: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 2. Preis. — Klasse 7: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Heinrich Münster, Hattenrod, 3. Preis. — Klasse 8: Konrad Schöne, Lich, 3. Preis; Leopold Alles 2., Lich, A. — Klasse 9: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Konrad Schöne, Lich, A.
Sodann wurde die von dem Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Obevhessen geleitete
Butten-, Eber- und Schafbockversieigerung
Dorgenommen, nachdem zuvor eine Sichtung der Bullen erfolgt war, die folgendes Ergebnis hatte: 2. Preis Moritz Müller, Ober-Hörgern, 3. Preis Georg Wilhelm Vissel, Griedel.
Wirtschaft.
Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Großviehmarkt war mit 1633 Stück um nahezu 200 Stück stärker beschickt als in der vorhergehenden Woche. Rach ruhigem Handel verblieb Aeberstand. besonders Kühe und Bullen, während Ochsen und Färsen etwas besser beachtet waren. Trotzdem ergab sich für letztere ein Preis, rückgang von 2—3 Mark. Dullen büßten 1—2 Mk., Ochsen und Kühe je 1 Mk. ein.
Verhältnismäßig groß war auch der Zutrieb von Kälbern, der mit 1867 Stück beinahe um ein Drittel des Gesamtauftriebs stärker war als in der Vorwoche. Rach anfangs ruhigem Ge. schäft und bis zu 2 Mark zurückgehenden Rotte» rungen setzte sich später, trotz der nochmals starken Beschickung am Rebenmarkt, eine Erholung der Preise durch, wobei noch ein Gewinn von 1 Mark gegenüber der Vorwoche verzeichnet werden formte. Rach mittelmäßigem bis regem Geschäftsgang formte der Markt geräumt werden. Für beste nord- deutsche Kälber wurden Preise über Rotiz erzielt.
Der S ch a f m a r k t wurde nach ruhigem, später mittelmäßigem Handel ausverkauft, obgleich auch hier der Austrieb mit 188 Stück um rund 100 Tiere größer war. Die Rotierungen der Vorwoche blieben unverändert.
Der Schweinemarkt verzeichnete in dieser Woche mit 6302 Stück nahezu einen Rekordauftrieb, wenn man die jetzige Iahreszeit berücksichtigt. Bei normalen Verhältnissen wäre zweifellos auch eine merkliche Abschwächung der Preise erfolgt, die Preise blieben indessen (Auswirkung des Sängerfestes I) gut behauptet. Das Geschäft war anfangs ruhig, später etwas reger, so daß der Markt ausverkauft wurde.
Im einzelnen notierten per Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 31—34, a2) 27-30, bl) 24—26. Dullen a) 26—29, b) 22—25. Kühe a) 23 bis 27, b) 18-22, c) 14-17. Färsen a) 31-34, b) 26—30, c) 21-25. Kälber a) —, b) 36—40, c) 31—35, d) 25-30. Schafe al) Weidemast 26-30, b) 20—25, c) 13—19. Schweine a) —, b) 41—44, c) 41—44, d) 38—43, e) 36—42, f) und g) nicht notiert.
Berlin freundlich und zuversichtlich.
Berlin, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nachdem in Preußen eine weitere innerpolitische Beruhigung eingetreten ist und schon Erleichterungen zum Demonstrationsverbot verbucht werden konnten, hofft man stark auf eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustandes, um wenigstens in der letzten Woche vor der Wahl in der Propaganda nicht beengt zu sein. Auch daß seitens der Reichsregierung nunmehr ein Anfang mit dem A r - beitsbeschaffungsprogramm, wenn auch vorläufig nur in Höhe von 162 Millionen, gemacht wird, befriedigte ebenso wie die festeren Meldungen von den Auslandsbörsen. Allerdings waren die ersten Notierungen nicht immer ganz so fest, wie die höher gesprochenen Vorbörsentaxen, die Stimmung war aber durchaus z u v e r si ch t l i ch. Es lagen auch einige kleine Publrkumsausträge vor, die, verbunden mit Wochenschlußdeckungen der Kulisse, bei der Mehrzahl der Papiere 0,5- bis Ipro- zentige Kursbesserungen zur Folge hatten. Im ganzen gesehen war das Geschäft aber weiter sehr klein.
Das Interesse erstreckte sich heute mehr auf einige Nebenmärkte. So konnten AEG. auf eine Derwal- tungserklärung, die von einer gewissen Saisonbelebung spricht und die Liquidität dieser Gesellschaft als recht gut bezeichnet, auf 25,65 v. H. anziehen, Chadeaktien setzten ihre Erholung um 2,5 Mk. fort, Schubert u. Salzer gewannen 2,75 v. H. und Daimler Motorenwerke, denen es nach einer Pressemeldung gelungen sei, im laufenden Ge- sä)äftsjahr ihre gesamten Bankschulden zu beseitigen, 2,65 v. H. Montan waren fast ganz uneinheitlich. Von Braunkohlenwerten gewannen Eintracht und Niederlausitzer je 1 v. H., Rheinische Braunkohle 1,5 v. H.
Auch am R entenmarkt war die Tendenz eher freundlicher, wenn auch nur für Neubesitzanleihe und Reichsschuldbücher zunächst etwas größeres Interesse bestand. Letztere konnten um 0,5
o. H. anziehen. Für Goldpfandbriefe liegen nur wenige Aufträge vor, doch werden auch hier die Kurse fester taxiert. Obwohl das Geschäft auch im Verlauf keine Belebung erfuhr, konnte man bei einigen Werten doch Besserungen um Bruchteile eines Prozentes feststellen. Reicksbankanteile zogen um 0,75 o. H. an. Auch Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen biteben im Verlaufe gefragt, die Altbesitzanleihe konnte 0,5 v. H. gewinnen.' Von Auslandsrenten waren Oesterreicher leicht gebessert, während Ungarn etwas abbröckelten.
Frankfurt ruhig und zurückhaltend.
Frankfurt a. M., 23. Juli. (WTB. Drahtmel- düng.) Die Wochenschlußbörse verkehrte bei freundlicher Grund st immung in sehr ruhiger Haltung. Die Spekulation und auch das Publikum bekundeten wegen der innerpolitischen Lage weiterhin stärkste Zurückhaltung, insbesondere im Hinblick auf die heutige Entscheidung des Staatsgerichtshofes in der Klage Preußens gegen das Reich. Die Umsatztätigkeit hielt sich in engen Grenzen, und die ersten Kurse wiesen gegenüber der Abendbörse nur unwesentliche Veränderungen auf.
Durch feste Haltung zeichneten sich AEG. aus, die 1,40 v. H. gewannen. Am Chemiemarkt lagen IG. 0,13 v. H. niedriger, Scheideanstalt blieben unverändert. Von Bergwerksaktien konnten sich Buderus um 0,25 v. H. befestigen, Stahloerein waren behauptet. Der Elektromarkt laa sehr vernachlässigt, Gesfürel zogen um 0,5 v. H. an. Am Schiffahrtsmarkt gingen Hapag um Bruchteile eines Prozents zurück.
Am Re n t e n m a r k t war die Tendenz überwiegend befestigt, wobei die feste Veranlagung an den Auslandbörsen stimulierte. Besonders Reichsschuldbuchforderungen und zerttfizierte Dollarbonds lagen 0,5 bis 1 v. H. fester. Aber auch Deutsche Anleihen wiesen Erhöhungen bis zu 0,5 v. H. auf. Goldpfandbriefe blieben bei kleinen Umsätzen meist unverändert. Mur Rheinische Hypotheken-Bank zogen 0,5 v. H. an. Liquidationspfandbriefe waren nur unwesentlich verändert. Auslandrenten waren geschäftslos. Im Verlaufe stagnierte der Verkehr vollkommen, und die Kurse bröckelten meist leicht ab. Die Grundstimmung war aber nicht unfreundlich. Tagesgeld war zu 4,5 v. H. unverändert.
Amtsgericht Gießen.
Am 9. Mai 1932, nachts gegen 1 Uhr, verursachte ein Motorradfahrer in der Wagengasse übermäßig lauten Lärm, der geeignet war, die Anwohner erheblich zu belästigen und in ihrer nächtlichen Ruhe zu stören. Zwei Beamten der Polizei, die gewiß bei Feststellung von derartigen Motorgeräuschen Unterschiede zu machen versteht und nicht gleich rigoros aufzutreten pflegt, war der Lärm, zumal sie ihn schon in weiter Entfernung hörten, doch zu arg, um Rachsicht zu üben und zunächst zu warnen. Sie erhoben Anzeige und erklärten in der Gerichtsverhandlung, es seien „dauernd Explosionen" erfolgt, die wie Schüsse anzuhören gewesen seien und einen gewaltigen Lärm hervorgerufen hätten. Der nächtliche Ruhestörer erhielt die übliche Strafe von 6 Mark.
Im Mai fuhr ein Radfahrer von den „Bleichen" nach der Lahnbrücke den durch Sperrtafeln für den Radfahrverkehr verbotenen Fußweg. Ein Feldschühe stellte ihn auf der Drücke, wies sich als Feldpolizeibeamter aus und frag, nachdem er ihn auf das Verbot aufmerksam gemacht hatte, nach seinen Personalien. Statt sie anzugeben, erging er sich gegen den Beamten in gänzlich unveran- lahter Weise in einer ganzen Serie von Schimpfwörtern, von denen „Lump" und „Schuft" noch die gelindesten gewesen sind. Der Feldschütz nahm ihn bann fest, doch er riß sich unter Drohungen wieder los. Der Vorgang spielte sich öffentlich in Anwesenheit einer großen Reihe von Passanten ab, mit deren Hilfe es dem Beamten erst gelang, die Personalien des renitenten Radfahrers festzustellen. Wegen schwerer Deamtenbeleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt erhielt dieser eine Gefängnisstrafe von drei Wochen. Auch darf der beleidigte Feldschüh das Urteil an der Dürgermeistereitafel aushängen lassen.


