Ausgabe 
23.7.1932 Erstes Blatt
 
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der Macht des lebendigen Blutes über papierene Hindernisse Hinwegschreiten wird, wenn seine Zeit gekommen ist wenn wir wissen, daß wir nichts mehr zu verlieren und alles zu gewinnen haben.

Dann muß der Aufstieg kommen. Denn es ist schon so, wie Werner Beumelburg sagt:Alles ist Werden und Vergehen. Ein Mann folgt dem Gebot in seiner Brust, und das Werk gehorcht dem Gesetz. In der Tiefe ruhen die Wurzeln, der Stamm steigt empor, Sturm und Wetter rütteln in seiner Krone. Kampf, überall Kampf, wohin der Blick geht. Alles ist Anfang und Ende zugleich, und wir sind nur Glieder in einer Kette, lieber uns breitet das Schicksal dunkel die Flügel." Lausanne war Ende und ist ein Anfang zugleich. Versailles und St. Ger­main das waren Werke, die dem Gesetz des Todes gehorchten. Ihr Gesetz ist erfüllt ein neues Werk, aufspringend aus dem Gebot des Blutes, getragen vom Gesetze des Lebens, mag be­ginnen.

Das Gängerbundesfest in Frankfurt.

Gestern abend wurde mit dem Begrüßungs­konzert die Reihe der großen Konzerte des XI. Deutschen Sängerbundesfestes eingeleitet. Ausführender war der Sängerbund A a s s a u unter Leitung des Bundeschormeisters Dr. Rudolf Werner, Frankfurt a. M. Die Fest­halle war sehr gut gefüllt, als die Programm-

fvlge mit der Ouvertüre zu GoethesEgmont durch das verstärkte Städtische Orchester Frank­furt a. M. eröffnet wurde. Die stilrein zum Vor­trag gebrachte Ouvertüre leitete gut zum ersten Teil des Sangesprogrammes über, das dem Ge­dächtnis Goethes gewidmet war. Sechs Gesänge, von denen die machtvoll getragenenTalismane", vertont von Heinr. Zöllner, das wundersame Lied vom alten ZecherDer König in Thule" (Karl Friedrich Zelter), und das Freibeuterlied beson­ders hervorstachen, hatten Goethe als Dichter. Der Chor, der eine anfängliche Ansicherheit sehr bald überwunden hatte, fand sich mit den ver­schiedenen Schwierigkeiten der Partituren sicher ab und konnte, ebenso wie sein verdienstvoller Leiter, reichen Beifall ernten.

Der zweite Teil des Programms begann mit zwei Liedern von Armin Knab:Wach' auf du deutsches Land" undFrisch auf zum Streit". Be­sondere Wirkung hatte das dann folgende deut­sche VolksliedIm schönsten Wiesengrunde", für dessen Vortrag die Zuhörer stürmisch dankten. Einen Höhepunkt des Abends bildete die W e i h e der Bundes st andarte des Sängerbun­des R a s s a u durch den Bundespräsidenten Ge­heimrat Dr. Karl Ha m m e rsch m i d t, der nach tiefempfundenen Worten die Standarte dem Rassauischen Bund zur treuen Haltung und Eh­rung übergab.

Den Abschluß des Konzerts bildete ein Festlicher Hymnus" für Männerchor und großes Orchester von Otto Siegl.

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Internationales Reitturnier in Aachen.

Reichswebroffiziere wieder in Front

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Links: Major von Walden fels, der Führer der deutschen Offiziersmannschast und Oberleutnant Nagel, der einen fehlerlosen Ritt aufBenno" zurücklegte. Zu Pferde: Oberleutnant o o n M o m m, der ebenfalls der siegreichen deutschen Mannschaft angehörte, und rechts unten: Oberleutnant von S a h l a, dem aufWotan" ein fehlerloser Ritt gelang. Die deutschen Reiteroffiziere vermachen auf dem Internationalen Turnier in Aachen in dem wichtigsten Mannschaftspreis, demGroßen Preis der Nationen", den Sieg für ihr Land gegen die Mannschaft Italiens und der Schweiz zu gewinnen.

Im Zeichen der fünf Ringe.

Curtis eröffnet die Olympischen Spiele.

Der wegen der bevorstehenden Präsidenten­wahlen stark beschäftigte Präsident der Vereinig­ten Staaten, Herbert Hoover, hat als seinen Vertreter für die Eröffnung der Olympischen Spiele in Los Angeles am 30. Juli den Vize­präsidenten Charles^C u r t i s ernannt.

Die elektrische Zeitmessung, die bei den amerikanischen Ausscheidungskämpfen verwandt wurde, hat bestätigt, daß die ameri­kanischen Kampfrichter mit den von ihnen ge­handhabten Stoppuhren sogenanntebestellte" Weltrekorde gemessen haben. Vergleiche zwischen Stoppuhr und elektrischer Zeihnessung haben ergeben, daß C a r r über 400 Meter nicht 46,9, sondern nur 47,1 Sekunden gelaufen ist. Auch Keller schaffte über 110 Meter Hürden nur 14,6 und war damit um 0,2 Sekunden schlechter. Interessante Feststellungen kann man an Hand des Filmes machen. Graber schwebte bei seinem Weltrekordsprung, der übrigens offi­ziell genau mit 4,367 Meter nachgemessen wurde, mindestens 0,25 Meter über der Latte.

Während man für die weiblichen Teilnehmer bekanntlich eine besondere Hotelunterkunft ge­schaffen hat, wohnt die Mehrzahl der männ­lichen Olympiakämpfer imOlympischen Dorf". Das Dorf ist ausschließlich nur für Männer vorgesehen.

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Die deutschen Olympiaboxer bilden in Chicago seit ihrer Ankunft das Tagesgespräch. Von den

von allen Seiten eingehenden Einladungen konn­ten nurzwei Dutzend" angenommen werden, da sonst die Zeit nicht ausreichen würde. Am Dienstagabend veranstaltete der Rotary-Club ein Essen, an dem 1000 Personen teilnahmen und bei dem die Deutschen wieder stark gefeiert wurden. Geradezu glänzend hat der Germania- Club für die Troiningsmöglichkeiten der deut­schen Staffel vorgesorgt. Der größte deutsche Verein in Amerika hat in seinem riesigen Club­heim eigens für die deutschen Boxer einen be­sonderen Ring bauen lassen, wo täglich trainiert wird. Die Oeffentlichkeit bleibt jedoch während der Aebungszeiten der Deutschen ausgeschlossen. Wie riesengroß das Interesse für den Länder­kampf am kommenden Dienstag ist, beweist die Tatsache, daß die Zuschauerräume im S >ldiers Field-Stadion ausgebaut wurden, so daß 30 000 Personen Sichtmöglichkeiten erhalten

Der finanzielle Erfolg der Olympi­schen Spiele steht schon jetzt außer Frage. Be­reits im Vorverkauf wurden bisher 1300 000 Karten umgesetzt, eine ^tzahl, die noch bei keiner früheren Olympischen Veranstaltung er­reicht wurde.

12. Etappe ohne Kampf.

Die zwölfte Etappe derTour de France" führte am Freitag von Cap nach Grenoble über nur 99 Kilometer. Es gab dabei keine Kämpfe, so daß das ganze Feld geschlossen am Ziel ein­traf. Sieger wurde der Franzose Lapebie in 3:31,52 Stunden. Im Gesamtklassement gab es keine Aenderung.

Kronfeld stürzt ab

und rettet sich im Fallschirm.

DieAustria" von Robert K r o n f e I ö (vorn am Flugzeug), mit der der Rekordslieger bei einem Höhenflug über der bayrischen Rhön abstürzte. Das schöne Flugzeug ging völlig in Trümmer. Schade.. U

prämiierungsmarkt in Lich.

J) ß i d), 22. Juli. Wie schon kurz berichtet, brachte der gestrige Licher Sommermarkt, be­günstigt durch gutes Wetter, unserer Stadt recht lebhaften Verkehr Mit dem Markt war Zuchtvieh-, Handelsvieh-, Schweine- und Krämermarkt, Prämi­ierung von hessischem Fleckvieh und Vogelsberger Vieh, Bullen-, Eber- und Schafbockoersteigerungen verbunden. Zur gleichen Zeit sand

die Prämiierung des Rindviehs statt. Als Preisrichter für hessisches Fleckvieh fungier­ten die Herren Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d, A l t v a t e r und Bopp, für Vogelsberger Vieh die Herren Trautmann und Velten. Sie fanden reichliche Arbeit vor und entledigten sich in aner­kennenswerter Weise ihrer schwierigen Aufgabe. Die bereitgestellten Prämiierungsgelder konnten restlos zur Verteilung gelangen. Weiterhin wurden an die preisgekrönten Tiere Prämiierungsschilder ausge­geben. Das Ergebnis der Prämiierung war folgendes:

Hessisches Fleckvieh (A. = Anerkennung): Klasse 1: Bullen über 2 Jahre: Stadt Lich 2. Preis. Klasse 2: Bullen von 16 bis 24 Monate: Stadt Lich 2. Preis; Wilhelm Bausch, Reichelsheim, 3. Pr. Klasse 3: Kühe mit 3 und mehr Kälbern, erkenn­bar tragend: Karl Ludwig Hch. Schäfer 1. Preis; Gustav Krausch, Birklar, 1. Pr. Karl Hch. Albohn, Lich, 2. Pr.; Karl Zimmer, Lich, 2. Pr.; Hch. Mül­ler II., Birklar, 3. Pr.; Hch Uhrhan IV., Lich, 3. Pr.. Karl Kleinkurt I., Langsdorf, A.; Wilhelm Weisel, Birklar, A.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 21.; Chri­stian Ludwig Fischer, Lich, 21.; Georg Rühl, Langs­dorf, 21.; Heinrich Schiel I., Langsdorf, A. Kl. 4: Kühe mit 3 und mehr Kälbern in Milch: Karl Scheid I., Langsdorf, 1. Preis; Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Pr.; Wilhelm Roth, Langsdorf, 2. Pr.; Christian Ludwig Fischer, Lich, 3. Pr.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 21.; Heinrich Märle, Lich, A. Klasse 5: Kühe mit 1 bis 2 Kälber, erkennbar tra­gend: Heinrich Müller II., Birklar, 2. Preis; Karl- Christian Wolf, Lich, 2. Preis; Philipp Keck, Lich, 2. Pr.; Hch. K. Ludwig Schäfer 2. Preis; Karl Hch. Albohn, Lich, 3. Pr.; Phlipp Keck, Lich, 3. Pr.; Karl Walz V., Lich, 3. Pr.; Karl Nathes, Lich, 3. Preis; Heinrich Köhler IV., Langsdorf, 21.; Karl Vogt I., Lich, 21. Klasse 6: Kühe mit 1 bis 2 Kälbern in Milch: Heinrich Steuernagel III., Nied.-B., 1. Preis; Karl Chr. Wolf, Lich, 2. Pr.; Hch. Schiel I., Langs­

dorf, 2. Pr.; Adam Hofmann, Langsdorf, 2. Preis; Hch. Schmidt I., Langsdorf, 3. Preis; Joh. Peter Dietz I., Lich, 3. Pr.; Karl Nathes Lich, 3. Pr., Gu­stav Krausch, Birklav 3. Preis. Klasse 7: Rinder, erkennbar tragend: Karl Nathes, Lich, 2. Pr., Hein­rich Schöck, Birklar, 2. Pr.; Georg Rühl, Langsdorf, 3. Pr., Hch. K. Ludwig Schäfer, Lich, 3. Pr.; Hein­rich Schiel I., Langsdorf, 21.; Karl Hch. Albohn, Lich, 21. Klaffe 8: Rinder über 18 Monate, a): Fr Bommersheim, Langsdorf, 2. Pr.. Ludwig We­ber, Langsdorf, 2. Pr.; Karl Ludwig Albach II., Lich, 3. Pr.; Hermann Wedemann, Eberstadt, 3. Preis; b): Rinder bis 18 Monate: Karl Zimmer, Lich, 1 Preis; derselbe 2. Preis; derselbe 2. Preis Karl Nathes, Lich, 2. Preis; Karl Christian Wolf, Lich, 3. Preis; Adam Hofmann, Langsdorf, 3. Preis; Karl Zimmer, Lich, 3. Preis; Hch. Brück III., Nieder-Bes- fmgen, A., Joh. Peter Dietz I., Lich, 21.; K. Friedr. Fischer II., Lich, 21.; Karl Vogt I., Lich, 21. Kl. 9: Familien: Hch. K. Ldg, Schäfer, Lich, 1. Preis; Hch. Müller, Birklar, 2. Preis; Karl Hch. Albohn, Lich, 2. Preis; Karl Ldg. Albach II, -ich, 3. Preis; Karl Christian Wolf, Lich, 3. Pr.. Heinrich Rühl, Langs­dorf, 3. Pr.; Gustav Krausch, Birklar, 21.; Heinrich Schiel, Langsdorf, A.

Vogelsberger Vieh.

Klaffe 2: Heinrich Rau 4., Hattenrod, 2. Preis. Klasse 3: Karl Fr. Märle, Lich, 1. Preis; Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Heinrich Weiß, Oppenrod, 2. Preis; Konrad Schöne, Lich, 3. Preis. Klasse 4: Hch. Münster, Hattenrod, 3. Preis; Heinrich Botz, Bersrod,'3. Preis; der­selbe A. Klasse 5: Karl Keblowsky, Nieder-Bes- singen, 1. Preis; Wilhelm Fach, Nieder-Bessingen, 2. Preis; Leopold Alles 2 21. Klasse 6: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 2. Preis. Klasse 7: Karl Keblowsky, Nieder-Bessingen, 1. Preis; Hein­rich Münster, Hattenrod, 3. Preis. Klasse 8: Konrad Schöne, Lich, 3. Preis; Leopold Alles 2., Lich, A. Klasse 9: Karl Keblowsky, Nieder-Bes­singen, 1. Preis; Konrad Schöne, Lich, A.

Sodann wurde die von dem Landwirtschaftskam­merausschuß für die Provinz Obevhessen geleitete

Butten-, Eber- und Schafbockversieigerung

Dorgenommen, nachdem zuvor eine Sichtung der Bullen erfolgt war, die folgendes Ergebnis hatte: 2. Preis Moritz Müller, Ober-Hörgern, 3. Preis Georg Wilhelm Vissel, Griedel.

Wirtschaft.

Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Großviehmarkt war mit 1633 Stück um nahezu 200 Stück stärker beschickt als in der vorhergehenden Woche. Rach ruhigem Handel ver­blieb Aeberstand. besonders Kühe und Bullen, während Ochsen und Färsen etwas besser beachtet waren. Trotzdem ergab sich für letztere ein Preis, rückgang von 23 Mark. Dullen büßten 12 Mk., Ochsen und Kühe je 1 Mk. ein.

Verhältnismäßig groß war auch der Zutrieb von Kälbern, der mit 1867 Stück beinahe um ein Drittel des Gesamtauftriebs stärker war als in der Vorwoche. Rach anfangs ruhigem Ge. schäft und bis zu 2 Mark zurückgehenden Rotte» rungen setzte sich später, trotz der nochmals starken Beschickung am Rebenmarkt, eine Erholung der Preise durch, wobei noch ein Gewinn von 1 Mark gegenüber der Vorwoche verzeichnet werden formte. Rach mittelmäßigem bis regem Geschäftsgang formte der Markt geräumt werden. Für beste nord- deutsche Kälber wurden Preise über Rotiz erzielt.

Der S ch a f m a r k t wurde nach ruhigem, später mittelmäßigem Handel ausverkauft, obgleich auch hier der Austrieb mit 188 Stück um rund 100 Tiere größer war. Die Rotierungen der Vorwoche blie­ben unverändert.

Der Schweinemarkt verzeichnete in dieser Woche mit 6302 Stück nahezu einen Rekordauf­trieb, wenn man die jetzige Iahreszeit berücksich­tigt. Bei normalen Verhältnissen wäre zweifellos auch eine merkliche Abschwächung der Preise er­folgt, die Preise blieben indessen (Auswirkung des Sängerfestes I) gut behauptet. Das Geschäft war anfangs ruhig, später etwas reger, so daß der Markt ausverkauft wurde.

Im einzelnen notierten per Zentner Lebendge­wicht in Mark: Ochsen al) 3134, a2) 27-30, bl) 2426. Dullen a) 2629, b) 2225. Kühe a) 23 bis 27, b) 18-22, c) 14-17. Färsen a) 31-34, b) 2630, c) 21-25. Kälber a), b) 3640, c) 3135, d) 25-30. Schafe al) Weidemast 26-30, b) 2025, c) 1319. Schweine a), b) 4144, c) 4144, d) 3843, e) 3642, f) und g) nicht notiert.

Berlin freundlich und zuversichtlich.

Berlin, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) Nach­dem in Preußen eine weitere innerpolitische Be­ruhigung eingetreten ist und schon Erleichterungen zum Demonstrationsverbot verbucht werden konn­ten, hofft man stark auf eine baldige Aufhebung des Ausnahmezustandes, um wenigstens in der letz­ten Woche vor der Wahl in der Propaganda nicht beengt zu sein. Auch daß seitens der Reichsregie­rung nunmehr ein Anfang mit dem A r - beitsbeschaffungsprogramm, wenn auch vorläufig nur in Höhe von 162 Millionen, gemacht wird, befriedigte ebenso wie die festeren Meldun­gen von den Auslandsbörsen. Allerdings waren die ersten Notierungen nicht immer ganz so fest, wie die höher gesprochenen Vorbörsentaxen, die Stim­mung war aber durchaus z u v e r si ch t l i ch. Es lagen auch einige kleine Publrkumsausträge vor, die, verbunden mit Wochenschlußdeckungen der Ku­lisse, bei der Mehrzahl der Papiere 0,5- bis Ipro- zentige Kursbesserungen zur Folge hatten. Im gan­zen gesehen war das Geschäft aber weiter sehr klein.

Das Interesse erstreckte sich heute mehr auf einige Nebenmärkte. So konnten AEG. auf eine Derwal- tungserklärung, die von einer gewissen Saison­belebung spricht und die Liquidität dieser Gesell­schaft als recht gut bezeichnet, auf 25,65 v. H. an­ziehen, Chadeaktien setzten ihre Erholung um 2,5 Mk. fort, Schubert u. Salzer gewannen 2,75 v. H. und Daimler Motorenwerke, denen es nach einer Pressemeldung gelungen sei, im laufenden Ge- )äftsjahr ihre gesamten Bankschulden zu beseiti­gen, 2,65 v. H. Montan waren fast ganz uneinheitlich. Von Braunkohlenwerten gewannen Eintracht und Niederlausitzer je 1 v. H., Rheinische Braunkohle 1,5 v. H.

Auch am R entenmarkt war die Tendenz eher freundlicher, wenn auch nur für Neubesitz­anleihe und Reichsschuldbücher zunächst etwas grö­ßeres Interesse bestand. Letztere konnten um 0,5

o. H. anziehen. Für Goldpfandbriefe liegen nur wenige Aufträge vor, doch werden auch hier die Kurse fester taxiert. Obwohl das Geschäft auch im Verlauf keine Belebung erfuhr, konnte man bei einigen Werten doch Besserungen um Bruchteile eines Prozentes feststellen. Reicksbankanteile zogen um 0,75 o. H. an. Auch Deutsche Anleihen und Reichsschuldbuchforderungen biteben im Verlaufe ge­fragt, die Altbesitzanleihe konnte 0,5 v. H. gewinnen.' Von Auslandsrenten waren Oesterreicher leicht ge­bessert, während Ungarn etwas abbröckelten.

Frankfurt ruhig und zurückhaltend.

Frankfurt a. M., 23. Juli. (WTB. Drahtmel- düng.) Die Wochenschlußbörse verkehrte bei freundlicher Grund st immung in sehr ruhiger Haltung. Die Spekulation und auch das Publikum bekundeten wegen der innerpolitischen Lage weiterhin stärkste Zurückhaltung, ins­besondere im Hinblick auf die heutige Entscheidung des Staatsgerichtshofes in der Klage Preußens gegen das Reich. Die Umsatztätigkeit hielt sich in engen Grenzen, und die ersten Kurse wiesen gegenüber der Abendbörse nur unwesentliche Veränderungen auf.

Durch feste Haltung zeichneten sich AEG. aus, die 1,40 v. H. gewannen. Am Chemiemarkt lagen IG. 0,13 v. H. niedriger, Scheideanstalt blieben unver­ändert. Von Bergwerksaktien konnten sich Buderus um 0,25 v. H. befestigen, Stahloerein waren behaup­tet. Der Elektromarkt laa sehr vernachlässigt, Gesfürel zogen um 0,5 v. H. an. Am Schiffahrtsmarkt gingen Hapag um Bruchteile eines Prozents zurück.

Am Re n t e n m a r k t war die Tendenz über­wiegend befestigt, wobei die feste Veranlagung an den Auslandbörsen stimulierte. Besonders Reichs­schuldbuchforderungen und zerttfizierte Dollarbonds lagen 0,5 bis 1 v. H. fester. Aber auch Deutsche An­leihen wiesen Erhöhungen bis zu 0,5 v. H. auf. Gold­pfandbriefe blieben bei kleinen Umsätzen meist un­verändert. Mur Rheinische Hypotheken-Bank zogen 0,5 v. H. an. Liquidationspfandbriefe waren nur un­wesentlich verändert. Auslandrenten waren geschäfts­los. Im Verlaufe stagnierte der Verkehr vollkommen, und die Kurse bröckelten meist leicht ab. Die Grundstimmung war aber nicht un­freundlich. Tagesgeld war zu 4,5 v. H. unverändert.

Amtsgericht Gießen.

Am 9. Mai 1932, nachts gegen 1 Uhr, verur­sachte ein Motorradfahrer in der Wagengasse übermäßig lauten Lärm, der geeignet war, die Anwohner erheblich zu belästigen und in ihrer nächtlichen Ruhe zu stören. Zwei Beamten der Polizei, die gewiß bei Feststellung von derarti­gen Motorgeräuschen Unterschiede zu machen ver­steht und nicht gleich rigoros aufzutreten pflegt, war der Lärm, zumal sie ihn schon in weiter Ent­fernung hörten, doch zu arg, um Rachsicht zu üben und zunächst zu warnen. Sie erhoben An­zeige und erklärten in der Gerichtsverhandlung, es seiendauernd Explosionen" erfolgt, die wie Schüsse anzuhören gewesen seien und einen gewal­tigen Lärm hervorgerufen hätten. Der nächtliche Ruhestörer erhielt die übliche Strafe von 6 Mark.

Im Mai fuhr ein Radfahrer von denBleichen" nach der Lahnbrücke den durch Sperrtafeln für den Radfahrverkehr verbotenen Fußweg. Ein Feldschühe stellte ihn auf der Drücke, wies sich als Feldpolizeibeamter aus und frag, nachdem er ihn auf das Verbot aufmerksam gemacht hatte, nach seinen Personalien. Statt sie anzugeben, erging er sich gegen den Beamten in gänzlich unveran- lahter Weise in einer ganzen Serie von Schimpf­wörtern, von denenLump" undSchuft" noch die gelindesten gewesen sind. Der Feldschütz nahm ihn bann fest, doch er riß sich unter Drohungen wieder los. Der Vorgang spielte sich öffentlich in Anwesenheit einer großen Reihe von Passan­ten ab, mit deren Hilfe es dem Beamten erst ge­lang, die Personalien des renitenten Radfahrers festzustellen. Wegen schwerer Deamtenbeleidigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt erhielt dieser eine Gefängnisstrafe von drei Wochen. Auch darf der beleidigte Feldschüh das Urteil an der Dürgermeistereitafel aushängen lassen.