Erlaß der Hauszins st euer gegen Reparaturnachweis werde sofort eine ungeahnte Ankurbelung bedeuten. Hierzu komme die A r - beitsdien st pflicht. Die Finanzierungsfrage regele die produktive Kreditschöpfung. Hugenberg über das WirtschastS- programm der Deutschnationalen
Dr. Hugenberg sprach in Stuttgart über das Thema „Privatwirtschaft statt Sozialisierung". Die Befassung des Staates mit der Leitung und dem Betrieb der Wirtschaft hat Staat und Wirtschaft korrumpiert. Zwecks Wiedergenesung muh derStaatvondiesen Gift gewordenen Wassern befreit werden. Einen Reichs- und Staatsbetrieb darf es in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland nicht geben. Die wirkliche Rechte wolle keinen spekulativen Staat und keine auf Spekulation aufgebaute Wirtschaft. Sie wolle nicht, daß die Herrschaft über die Wirtschaft oder gar über den Stand in den Händen eines unfaßbaren, unverantwortlichen anorrhmen Großkapitals liege. Die Rechte müsse auch bei den größeren Werken zunächst diejenigen Betriebsformen begünstigen, durch die der einzelne verantwortlicheMepsch, die einzelne sich verantwortlich fühlende Familie eine dauernde Kontrolle des Unternehmens in Händen hat. Dr. Hugenberg schloß, es sei kein Anlaß, sich vor dem Reuen zu fürchten, nur vor dem Chaos, das aus Massenwahn und Unklarheit entstehe, könne nicht eindringlich genug gewarnt werden. Hugenberg gab dann 19 Thesen über das Wirtschaftsprogramm der Deutschnationalen Bolkspartei bekannt. Hervorzuheben sind Punkt 18 und 19, die folgenden Wortlaut haben: 18. Richt nur die Tribute und Kriegsschulden müssen verschwinden, sondern auch die aus den Tributen entstan- denen unerfüllbaren privaten Verpflichtungen, besonders die privaten 20 Milliarden Schulden Deutschlands. Hierüber muh mit dem Ausland folgender Akkord abgeschlossen werden: 1. Aufrechterhaltung des Nennbetrags des Kapitals! 2. Herabsetzung der Zinsen auf 2 Prozent; 3. Unkündbarkeit des Kapitals und 4. Iahrestilgung von etwa 3 Prozent. — 19. Ein solcher Akkord ist nur durchführbar, wenn er analog auch auf die fest gefrorenen inländischen Kredite angewandt wird.
Weitere Wahlreden.
In einer Wahlkundgebung der D D P. in H a r- bürg erklärte der Parteiführer Dingeldeh u. a., die Ereignisse der letzten Tage, die aus Fehlern der Vergangenheit entstanden seien, wären zu vermeiden gewesen. Der Reichspräsident habe schon seit Monaten von Brüning eine Aenderung der Politik verlangt. Brüning habe dies zwar in Aussicht gestellt, aber immer wieder zurückgeschoben, bis schließlich der großzügige Plan der Kommunisten, das Gefüge des Staates aus den Angeln zu heben, nicht aber die Einführung der Uniform die politischen Toten im ganzen Reich gefordert habe.
In einer Wahlversammlung der Zentrumspartei in Hannover betonte Reichskanzler a. D. Dr. Wirth, den schwärzesten Tag in der politischen Geschichte der letzten 100 Jahre habe das deutsche Volk jetzt erlebt, als man die alte preußische Regierung auseinandergejagt und die Gefahr heraufbeschworen habe, daß die große Masse der radikalen Arbeiter dem Ueberradi- kalismus in die Arme getrieben würden.
In einer Wahlkundgebung der Deutschen Staatspartei in Hannover bezeichnete Minister a. D. Dr. H ö p k e r - A s ch o f f die Konferenz von Lausanne als eine bittere Enttäuschung für das deutsche Volk. Papen sei dort mit seiner von ihm zugestandenen Abschluhzahlung von drei Milliarden von der Linie der Drüningschen Politik abgewichen.
Der Reichskanzler in Stuttgart.
Beginn der Ländcrkonferenz.
Stuttgart, 23.Juli. (WTB. Funkspruch.) Die württembergische Landeshauptstadt steht heute im Mittelpunkt des Besuchs des Reichskanzlers. Am Bahnhof hatten sich zckm Empfang u. a. der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz und Reichsinnenminister Freiherr von Gayl, der gestern abend schon von Frankfurt a. M. hier eingetroffen war, eingefunden. Als der Reichskanzler, in dessen Begleitung sich Reichsarbeitsminister Dr. Schaeffer, der württembergische Gesandte in Berlin, Staatsrat Dr. Basier und Baron von Lersner befanden, dem Wagen entstiegen, ertönten aus nächster Nähe, wo sich Publikum angesammelt hatte, stürmische Hoch- und Heilrufe, die sich, als der Reichskanzler in Begleitung des Staatspräsidenten den Bahnhof verlieh, mehrfach wiederholten. Die Ministerpräsidenten der Länder, die zum Teil schon gestern hier eingetroffen sind, begaben sich unmittelbar in das Staatsmini- st e r i u m.
Bayern und der Artikel 48.
München, 22. Juli. (ERD.) Der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat Schäffer, beschäftigt sich in der Bayerischen - Volks- partei-Corresponkxmz mit den Rotmahnahmen des Reichs in Preußen und erklärt u. a., man dürfe die bayerische Protestaktion keineswegs so auffassen, als ob Bayern für das bisherige parteipolitische System in Preußen Hilfe st ellung lei st en wolle. Das Vorgehen Bayerns liege durchaus im Sinne der bisherigen bayerischen Bemühungen, die Anwendbarkeit des Artikels 48 in der Frage der Reichsreform festzustellen, der die Bayerische Volkspartei als bayerische und zugleich großdeutsche förderalistifche Partei gegenüberstehe. Schon mit der überspannten Anwendung des Artikels 48 unter der Regierung Brüning sei Bayern nicht einverstanden gewesen. Bayern, so wird in dem Artikel immer wieder betont, handele also keineswegs aus parteipolitischer Befangenheit gegenüber der neuen Reichsregierung. Cs klammere sich nicht an die Verfassung von Weimar, deren Zeit zu Ende gehe, sondern wolle nur ein Deutschland, in dem Bayern leben könne.
Oer Deutsche Postverband zu der Gewerkschastöerklärung.
'Berlin, 22.Juli. (CUD.) Der Deutsche Post- verband bat sich in einer Sondervorstandssitzung mit der Unterzeichnung der bekannten Erklärung der Gewerkschaften durch den Deutschen
Raubmord in Berlin.
Die 53 Jahre alte Wirtschafterin Margarete Vierhuth wurde in der Wohnung ihrer Arbeitgeberin Frau Auguste Ziem in der Schönhauser Allee in Berlin tot aufgefunden. Die Leiche lag auf dem Fußboden und wies mehrere Verletzungen auf. Allem Anschein nach liegt ein Kapitalverbrechen vor, das bereits vor acht Tagen begangen worden sein dürfte. Frau Ziem ist seit längerer Zeit verreist. Auf einen Raubmord läßt die Durchwühlung sämtlicher Behältnisse in der Wohnung schließen.
Beamtenbund befaßt. In der Unterzeichnung der Erklärung durch den Deutschen Beamtenbund wird vom Deutschen Postverband eine unzulässige parteipolitische Stellungnahme zu den letzten staatspolitischen Dorgän- gen erblickt, dieaufdas schärf st emißbil- l i g t wird und von der der Deutsche Postverband entschieden abrückt.
Annahme der Entschließung auf der Abrüstungskonferenz.
in vielen Ortschaften großen Schaden anrichtete. Bei Kaliß schlug ein Blitz in eine Abteilung vom Uebungsplahe heimkehrender Soldaten ein. Ein Infanterist wurde auf der Stelle getötet, zwei andere trugen schwere Verletzungen davon. Außerdem sind noch in anderen Ortschaften durch Blitzschläge vier Personen tödlich getroffen worden.
Sech» Todesopfer bei einem Unwetter in Südserbien.
Wie die „Prawda" aus Tetovo in Südserbien berichtete, forderte dort ein Unwetter sechs Todes- o p f e r.
Aus der Proviuzialhaupistadt.
Genf. 23.Juli. (WTB. Funkspruch.) Der erste Tagungsabschnitl der Abrüstungskonferenz wurde heule vormittag vom Hauptausschuh m i t d e r Annahme der bekannten Lntschlie- zung abgeschlossen. Gegen die Resolution st i m m t e n zwei Staaten, nämlich Deutsch- landundSowjetruhland. Ls enthielten i ch der Stimme acht Staaten. Für die Resolution wurden 41 Stimmen abgegeben. Zahlreiche Delegationen, die für die Resolution stimmten, erklärten, daß sie sie nur unter Vorbehalt onnehmen.
^eichsfinanzminister v. Schrieben f.
Der frühere Reichsfinanzminister v. Schlieben ist nach einer Operation gestorben. Schlieben wurde 1875 in Schlesien als Sohn eines Rittergutsbesitzers geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und trat in den preußischen Verwaltungsdienst ein, wo er zuletzt Landrat in Heilsberg (Ostpr.) war. 1916 kam er als Vortragender Rat In die Reichskanzlei, wo er unter den Reichskanzlern Graf von Hertling, Prinz Max von Baden und unter den Dolksbeauf- tragten als einziger Vortragender Rat der Reichskanzlei bis zum 1. Januar 1919 verblieb. Von dort kam er zum Reichsschahamt. 1920 erfolgte seine Ernennung zum Ministerialdirektor und ßeiter der Ctatsabteilung und 1925 zum Reichsf inanz- minister im Kabinett Luther. In seine Ministerzeit fällt die Durchführung der grundlegenden Steuerreform, die eine erstmalige ordnungsgemäße Veranlagung wieder einführte, sowie die Verabschiedung der Zollvorlage ufw. Am 25. Oktober 1925 schied er mit den übrigen Deutschnationalen infolge des Locarnovertrages aus der Regierung aus. Don 1926—1929 war er in Magdeburg Präsident des Landesfinanzamtes, feit Januar 1930 Vorsitzender des Direktoriums des Vereins der Deutschen Zuckerindustrie.
Aus aller Welt.
Wolfgang von Gronaus dritter Amerikaflug.
Der bekannte deutsche Flieger Wolfgang von Gronau ist am Freitagvormittag 11 Uhr — nach langem Warten auf günstigeres Wetter — mit seinem „Grönlandwal" zum Fernflug nach Nordamerika ge st artet. Neben seinem Bordmonteur Franz Hack und seinem Bordfunker Albrecht, die ihn beide schon bei seinen Transatlantikflügen 1930 und 1931 begleitet haben, befindet sich noch als zweiter Flugzeugführer Gert von Roth an Bord.
Gronau hat die Nordsee überquert, ,befand sich um 14.30 Uhr etwa 25 Meilen östlich von John O'Groat's Head, dem nördlichsten Ort Großbritanniens, und hat um 15.30 Uhr die Shetland-Inseln passiert. Wetterlage und Windrichtung sind sehr g ü n st i g. Gronau gibt stündlich mit seinem Kurzwellensender eine Standortmeldung und teilt mit, daß die Windrichtung Nord-Nordost (Rückenwind) Aussichten ergebe, die 2000 Kilometer lange Strecke von List bis Island in etwa 10 Stunden zurückzulegen.
Um 16.30 Uhr MEZ. funkte v. Gronau an den Dampfer „Cap Norte"' für Elli Beinhorn folgenden Funkspruch: „Der eine kommt, der andere geht. Du hast es geschafft, alles Gute, Gronau und Besatzung Grönlandwal."
Nach einer Meldung aus Reykjavik (Island) ist Gronau am Freitag kurz vor 19 Uhr glatt in Seydisfjord gelandet.
Auch in diesem Jahre Verfassungsfeiern.
Die am 11. August übliche Bersassungsfeier der Reichsregierung wird, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, auch in diesem Jahre stattfinden. Aus Ersparnisgründen bleibt es jedoch in diesem Jahre bei der üblichen Mittags- feier im Reichstage, während die große Abendveranstaltung fortfällt. Bekanntlich ist a u ch i m v o r i ge n I a h r e aus Ersparnismöglichkeiten die große Feier im Stadion ausgefallen. Schweres Verkehrsunglück in München. — 4 Tote.
Ein schweres Verkehrsunglück ereignete sich im Westen von München. An einer abschüssigen Stelle riß von einem mit Kies beladenen Lastkraftwagen einer Münchener Baufirma der Anhänger ab und fuhr nach rückwärts die abfallende Straße hinab. Ein Mann, der auf einem Fahrad ein Kind mit sich führte, wurde erfaßt und ebenso wie das Kind .auf der Stelle getötet. Dann geriet das Gefährt auf den Bürgersteig und überrannte mehrere Passanten. Eine Frau und ein Mann erlitten tödliche Verletzungen. Ein weiterer Passant wurde schwer verletzt.
Autounfall bei Rüdesheim.
Bei Rüdesheim ereignete sich auf der Straße nach dem Niederwald an der Kurve Kreuzberg— Engerweg ein schwerer Autounfall. Die Führerin eines Personenwagens aus Lampertheim verlor an der abschüssigen Stelle die Herrschaft über den Wagen. Bei dem plötzlichen Herumwerfen des Wagens überschlug sich dieser, stürzte in den zwei Meter tiefen Straßengraben und begrub die Führerin und weitere vier Insassen unter sich. Die Ehefrau Katharina I e k e l aus Lampertheim erlitt einen komplizierten Obssr - und Unterarm- bruch und schwere innere Verletzungen. Die Führerin des Wagens und die drei anderen Insassen erlitten mehr oder weniger schwere Schnittwunden und Quetschungen. Alle fünf Verunglückte wurden in das Rüdesheimer Krankenhaus gebracht.
Schweres Autounglück. — Lin Toter und fünf Schwerverletzte.
Am Stadtausgang von Sinzig (Rheinprovinz) stieß in einer als gefährlich bekannten Kurve eine mit sechs Personen und einem Kind besetzte Kraft- droschke aus Godesberg mit einem Essener Lieferwagen zusammen. Eine Insassin war sofort t o t. Fünf weitere Insassen wurden schwer verletzt. Kurz nach dem Unglück fuhr ein schwerer Personenwagen auf den Trümmerhaufen auf. Zwei Insassen dieses Wagens wurden durch Glassplitter verletzt.
Blitzschlag in einen Trupp Soldaten.
Der nordwestliche Teil Kongreßpolens wurde von einem heftigen Gewitter hÄrngesucht. das
Gießen, den 23. Juli 1932.
Strom des Lebens.
Don Reinhold Braun.
... Soweit in diesem Reich des Lebens die Wasser wandern, hat noch nie ein Quell, noch nie ein Strom den Weg zurückgenommen, So glaube: auch der Strom des Lebens nicht. Vorwärts zum Licht! Das ist der Sinn der Quellen. Vorwärts zum Lickt! Das ist der Ströme Sinn, die deine Seele, deinen Leib durchrinnen ...
Otto Ernst.
Sie gehören nun schon lange zum Bestände der Wanderer, die immer an meinem Hause bergauf und weiterhin zum Walde schreiten: die Tochter und die Mutter. Jene, stattlich und nicht mehr ganz jung, und diese, alt, wehvoll gekrümmt, auch wenn sie aufrecht ginge, viel kleiner als die Tochter und ihr immer förmlich am Arme hängend und von ihr sanft nach vorn gezogen. Die Krummheit der Mutter wechselt seltsam! Bald ist sie arg wie ein Haken, bald scheinen Kopf und Rucken wie von einer geheimnisvollen Macht gehoben; besonders bei der Rückkehr von den Hängen ist dies der Fall. Eines Tages nun sah ich die beiden an einer einsamen Waldstelle mit ausgebreiteten Armen stehen, anscheinend Atemübungen machend. Ein sonderbares Bild war es, das sich mir in der schönen Herrgottsfrühe bot; besonders die Bewegungen der alten, gefrümm- ten Frau wirkten beinahe komisch. Dann schritten die beiden weiter in die Sonne yinein, heiter plaudernd, wie ich es an ihnen immer gewahrte, wenn ich sie traf.
In ihnen erkenne ich zwei Menschen, die in wundervoller Eintracht und mit einer staunenswerten Zähigkeit sich immer wieder bewußt in den herrlichen Strom des Ledens stellen, um von ihm durchflutet neue Kraft zu gewinnen.
Es braucht nicht immer der Wald oder die Weite da draußen zu fein: ein offenes Morgenfenster und ein paar helle, liebe Gedanken dazu tun's auch. Oder auch das Fenster am Abend mit dem Blick in die Sterne. Wenn wir überhaupt erst dahinkommen, den heiligen, ewig wunderbaren Strom als ein göttliches Geschenk dankbar au empfinden!
Wenn wir mit Herder wirklich ganz aus beglückter Brust sprechen töfmen:
„Leben ist Ledens Lohn, Gefühl sein ewiger sKampfpreis.
Fließe, wogiger Strom! nirgend ein stehen- sder Sumpf." Leid und Seele müssen ganz zusammen klingen, beider Atem rein und tief sein.
Wir lassen zu wenig den mystischen Strom durch uns durchfluten, ob er sich nun dartut im Sonnen- ödem eines jungen Tages, ober in der Beschwingtheit eines Gedankens, eines Gedichtes, eines Ge- janges, eines tiefen Gespräches. Wir sind in uns zuviel Stauung und Hemmnis, schleppen zuviel Ad- gestandenheit mit uns umher.
Empfinden wir es nickt zuweilen,- daß unser Inneres einem trägen, sumpfhaft dunklen Wasser gleicht? Und die andern fühlen es, daß keine gute Seelenluft von uns ausgeht, feine reine Strahlung!
Das Schlimmste, das ein Mensch gegen sich und seine Nächsten tun kann, ist, daß er sich gegen den Strom des Lebens abkapselt, daß er sich leidlich und seelisch willenlos der Verdumpfung hingidt.
Nein, wir müssen Stunden Haden, da wir alle Trägheit wie ein Gift aus uns tjeraustun, da wir bewußt und voller Andacht voll dem Strom des Lebens uns hingeben, wie er sich in den offenen Her- zen und den wahrhaft Daseins- und Gott-Willigen auch heute noch offenbart immer mit dem Ziele: Vorwärts zum Licht! Bewegung ins Licht allein ist Heil. Trägheit ist beginnender Tod.
Wir verbrauchen uns alle zu schnell, weil wir nicht mehr genügend ins Unverbrauchte und in seiner Lebens- und Gotteskraft Nie-zu-verbrauchende vorstoßen, bewußt in diesem Elemente einmal fröhlich schwimmen.
Wir haben uns selbst in eine tragische Ferne von den großen Dingen verbannt. Das Nicht-mehr-recht- ergriffen.werden ist ein Hauptgrund des Leidens am Leben. Das Grenzenlose, Ewige muß wieder einschwingen in unsere arme Grenzenhaftigkeit. Oder ...
Gießener Wochenmarktpreise.
• Gießen, 23. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, Spinat 15, Römischkohl 8, Bohnen (grüne) 15 bis 20, (gelbe) 20, Erbsen 15, Tomaten 20 bis 30, Zwiebeln 12, Kartoffeln (neue) 4,5 (Pro Zentner 3,50 bis 4 Mk.) Pilze 25, Aepfel (ausl.) 55, Dirnen 35 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 35 bis 45, Heidelbeeren 28 bis 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 25 bis 30, Honig 40 bis 45, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 50 bis 60, Eier 8, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 30, Einmachgurken 2 bis 5, Oberkohlrabi 8 bis 10, Rettich 10 bis 12, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10 Pfennig pro Bund.
Bornotizen.
— TageskalenderfürSamst a g: Verein Rudersport und Akademische Ruderabteilung, 20.30 Uhr, Bootshaus, Monats-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rasputin".
— Tageskalender für Sonntag: Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Bezirk Oberhessen, 10.30 Ahr, „Liebigshöhe", Protest-Kundgebung. — Gesellschaft Liebig-Museum, 11.15 Uhr, Liebig-Museum, öffentlicher Vortrag von Geh. Med.-Rat Sommer über „Die Entwicklung des Liebig-Museums von 1924 bis 1932". — Spielvereinigung 1900, Sportplatz Nationale Wettkämpfe; Vorkämpfe ab 10.14 Uhr, Entschei
dungen ab 15 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rasputin".
— Die Eiserne Front in Gießen ver- anstaltet am heutigen Samstag, 20 Uhr, in der Liebigshöhe eine öffentliche Wahl'undgebung, in der Reicystagsabgeordneter Fritz Tarnow (Berlin) über das Thema „Die Reichspolitik im Zeichen des Rechtskurses" sprechen wird.
— Wählerversammlung derDeutsch- nationalenBolkspartei. Die Ortsgruppe Gießen der DNVP. beruft in unserem heutigen Anzeigenteil auf nächsten Mittwochabend eins Wählerversammlung in das Cafe Leib ein. Redner: Studienrat Kauer -Wetzlar und Landwirt Dr. Lahr -Ober-Hilbersheim. (Siehe Anzeige.)
Daten für Sonntag, 24. Julr.
1783: Simon Bolivar, der Befreier Südameri- ka-s, in Caracas geboren. 1864: der Dichter Frank Wedekind in Hannover geboren. 1908: der Maler Walter Leistikow in Berlin gestorben. 1920: der Schriftsteller Ludwig Ganghofer in Tegernsee gestorben.
• * Prüfungskommission f ü r Nah - rungsmittelchemiker. Degierungsrat Grein beim Kreisamt Gießen wurde vom Mi- nister für Kultus und Dildungswesen zum Mitglied der Prüfungskommission für Nahrungsmittelchemiker ernannt.
"PersonalienderRfA. Versetzt wurden die Revisoren bei der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte Verwaltungsoberinspektor Busse von Gießen nach Nürnberg und Verwaltungsinspektor Höhle von Berlin nach Gießen.
• • Gendarmeriepersonalie. Ernannt wurde der Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Heinrich Beier zu Homberg an der Ohm unter Berufung in das Beamtenverhältnis, mit Wirkung' vom l.Iuli 1932.
**GewerkschaftlicheUnt erst ützungen ür Hilfsbedürftige bleiben unberuck- i ch t i g t. Vom Deutschnationalen Handlungsgehil- en-Veroand wirb uns mitgeteilt: Die Regierungen von Preußen, Sachsen, Anhalt, Hessen, Mecklen- burg-Strelitz, Oldenburg, Hamburg und Lübeck haben erklärt, daß sie den Standpunkt des Reichsarbeitsministers teilen, nach welchem die gewerkschaftlichen Unterstützungen bei der Prüfung der Hilfsbedürftigkeit und der Bemessung der Leistungen außer Ansatz bleiben sollen. Von den anderen Regierungen stehen die Antworten auf die Eingabe des Deutschen Gewerkschaftsbundes (christlich-nationale Richtung) noch aus.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Bureaukralismus in der Stabtpoff.
Seit dem Umzug der Stadtpost in das Gebäude des früheren Cafe Ernst Ludwig fordern Aufschriften an den Schaltern für Ein- und Auszahlungen die Kundschaft dazu auf, die Freimarken auf die Zahlkarten selbst aufzukleben. Ich stelle zunächst fest, daß diese Vorschrift in der alten Stadtpost nicht bestand und auch in der Hauptpost bis heute nicht vorhanden ist. Liegt so ohne weiteres der Verdacht nahe, daß diese Vorschrift nicht einem wirklichen Bedürfnis ihren Ursprung verdankt, sondern der Meinung, daß zu einer neuen Post auch neue Vorschriften gehören, selbst auf die Gefahr hin, daß die durch die Neueinrichtung gewonnenen Bequemlichkeiten auf diese Weise wieder quitt gemacht werden, so verlangt andererseits die Gerechtigkeit, daß man die Vorschrift vorurteilslos auf ihre Berechtigung hin untersucht.
Offenbar verfolgt sie den Zweck, die Arbeit der Postbeamten zu erleichtern. Den besten Beweis dafür, daß das Gegenteil der Fall ist, bietet die Tatsache, daß die einsichtigeren Beamten die Vorschrift selbst ignorieren. Da aber andere um so fester auf ihrem papierenen Recht bestehen und sich persönlichen Einwendungen gegen ihr zeitraubendes Verfahren verschlossen zeigten, halte ich es für nötig, ihnen unter Hinzuziehung der Oefsentlichkeit folgendes zur Erwägung zu geben:
Durch Befolgung ihrer Vorschrift machen sich öu Beamten das Vergnügen, jeden Kunden statt einmal zweimal zu bedienen, indem sie ihm zuerst die Freimarken verkaufen und dann die Zahlung entgegennehmen. Denn — und darin zeigt sich erst das Groteske der Vorschrift — die Freimarken werden nach wie vor an demselben Schalter verkauft! Wer von diesem Recht Gebrauch macht, wird jetzt freilich damit bestraft, daß er zur eigentlichen Einzahlung erst als Uebernächster zugelassen wird.
Die eigentliche Pointe dieses Verfahrens offenbarte sich mir freilich erst heute, wo ich «für zwei Zahlungen und das dazugehörige Porto einen Hundertmarkschein mitgebracht hatte und mir, während ich gehorsamst die Marken aufklebte, 99,60 Mark zurückgezahlt wurden, die ich dann meinerseits wieder gnädigst zurückreichen durfte. Ich konnte während dieser Zeremonie die Frage nicht loswerden, was man wohl zu einem Kaufmann sagen würde, bei dem man ein Hemd und ein Paar Kragenknöpfchen erstanden hat, und der einem zunächst auf die Kragenknöpfchen herausgeben wollte, um dann erst die Bezahlung des Hemdes zu verlangen.
Man weiß nicht, wen man mehr bedauern soll: das Publikum, das seine Zeit verliert, weil es in unserem „fortgeschrittenen Jahrhundert" den Geschäftsverkehr erschweren würde, wenn man einem Postbeamten zumuten wollte, zu dem Betrag einer Einzahlung noch 15 oder 20 Pf. Porto zu- zuzählen, oder den Geist, der solche Anordnungen treffen und durchführen läßt und den man seit alters Dureaukrattsmus heißt. E. Sch.


