Ur. M Erstes Blaff
182. Jahrgang
Samstag, 25. Zuli 1952
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Zu neuen Usern.
Reichskanzler von P a p e n hat das Eingreifen des Reichs in Preußen, die Enthebung des preußischen Staatsministeriums von seinen Aemtern und die Einsetzung eines Reichskommissars in seiner Rundfunkansprache mit der Notwendigkeit entschiedenen Vorgehens gegen die k o mm unistische Wühlarbeit begründet, das eine Zusammenfassung der staatlichen Machtmittel unter straffer, einheitlicher Führung bedinge. Der Reichskanzler hat dabei dem nunmehr seines Amtes entsetzten Preußenkabinett den Vorwurf gemacht, daß es sein Dasein unter den im neugewählten Preußischen Landtag gegebenen parlamentarischen Verhältnissen lediglich der Kommunistischen Partei verdanke. Da diese jedoch offen eine staatsfeindliche Tendenz verfolge, sei es mit der Autorität des Staates unvereinbar, wenn die Regierung des größten Landes im Grunde von einer Partei abhänge, die den gewaltsamen Umsturz auf ihre Fahne geschrieben habe. Damit hat sich der Reichskanzler bewußt frei gemacht von der rein demokratischen Auffassung einer Regierungsautorität, die sich auf eine parlamentarische Mehrheit stützt, gleichgültig, wie diese beschaffen ist, und er hat scharfe Grenzen gezogen zwischen staatstreuen Parteien, die ihre politischen Ziele auf legalem Wege im Rahmen der Verfassung zu verwirklichen erstreben, und solchen revolutionären Parteien, die mit gewaltsamen Mitteln und terroristischen Methode auf den Umsturz hinarbeiten. Die Sozialdemokratie, gegen deren Vertreter in dem seines Amtes enthobenen preußischen Kabinett und in der preußischen Verwaltung der Reichskanzler den schweren Vorwurf richtete, ihre innere Unabhängigkeit von den kommunistischen Feinden des Staates nicht hinreichend gewahrt zu haben und dadurch mitschuldig geworden zu sein an der ungenügenden Bekämpfung der zu offenem Bürgerkrieg hintreibenden innerpolitischen Auseinandersetzungen in Preußen, dieselbe Sozialdemokratie hat einst unter der Führung Eberts und Rostes sich zu dem staatspolitischen Grundsatz be- kannt, daß neben der Autorität des Staates keine Partei geduldet werden dürfe, die sich staatliche Funktionen auinaßt oder durch blutigen Terror und zersetzende Wühlarbeit versucht, die Macht an sich zu reißen. Damals wurde von den sozialdemokratischen Inhabern der Staatsgewalt zur Unter- brürtung der kommunistischen Revolution das Standrecht und über Berlin der Belagerungs- zustand verhängt. Heute wirft der Reichskanzler sozialdemokratischen Funktionären, die hohe Beamten- stellen in der preußischen Verwaltung bekleideten, vor. Querverbindungen zur Kommunistischen Partei zu unterhalten und sie in ihrem Widerstand gegen die Staatsgewalt geradezu ermuntert zu haben.
Es ist kein Zweifel, daß die betonte Zurückhaltung und dann offene Feindseligkeit, mit der das bislang geschäftsführende preußische Kabinett und vor allem der bisherige preußische Innenminister Severing der nach dem Sturz Brünings berufenen Reichsregierung begegneten, erst die Atmosphäre schuf, in der der kommunistische Terror die letzten Hemmungen fallen ließ und zu offenem Kampf gegen Polizei und politisch Andersdenkende schritt. Es mußte in allen staatsbürgerlich denkenden Kreisen als ein Hohn auf die Staatsautorität empfunden werden, wenn Leute wie S e v e r i n g und Grzesinski, die als Innenminister und Polizeipräsident auf Verlangen der Retchsregterung das vom Reichsgericht bestätigte Verbot des ^vorwärts" aussprechen mußten, beim Wiedererscher- nen des Blattes diesem herzliche Degrüßungs- artikel widmeten. Richts kann besser als dieses gänzliche Fallenlassen jeglicher Rücksichtnahme auf den Gedanken der Staatsautorität die untragbaren Verhältnisse beleuchten, die sich aus dieser Zwiespältigkeit zwischen der für die Gesamtpolittk verantwortlichen Reichsregierung und der die float» lichen Machtmittel der Polizei und der Verwaltung in drei Fünfteln des Reiches in Händen haltenden preußischen Regierung entwickeln muhten, wenn der Reichspräsident sich nicht entschloß diesem Zustand mit energischem Zupacken ein Ende zu machen. Das ist mit der Amtsenthebung des Seschäftsführenden preußischen Kabinetts und der
Ernennung des Reichskanzlers zum Reichskommissar geschehen, nachdem die Verhandlungen des Reichskanzlers mit den beiden, den Schlüssel zur Lösung der parlamentarischen Schwierigkeiten in Händcm haltenden Fraktionen des preußischen Landtags keine Aussicht auf eine baldige Bildung einer ordnungsmäßigen parlamentarischen Regierung eröffnet hatten. Die Aufrufe der Gewerkschaften, der sozialdemokratischen Partei und des Reichsbanners zur Besonnenheit und Fortführung des ihnen gewiß nicht verwehrten politischen Kampfes gegen die amtierende Reichsregierung mit dem verfassungsmäßig allein erlaubten Mittel des Stimmzettels sind vielleicht der beste Beweis dafür, daß die Reichsregierung mit ihrem schlagartigen energischen Zupacken auf dem rechten Wege war, wenn sie den bei der kritischen Zuspitzung der innerpolitischen Lage doppelt untragbar gewordenen Mißstand des Gegeneinanderregierens zwischen Preußen und dem Reich ausräumen wollte.
And es ist nur zu begrüßen, daß sie nicht nach dem ersten Schritt stehen blieb, sondern auch gleich daranging, die Ministerien und die Verwaltung von den sog. politischen Beamten zu säubern, die ohne die für ihre Posten vorgeschriebene Vorbildung lediglich aus Grund ihrer Zugehörigkeit zur herrschenden Partei leitende Stellen in der inneren Verwaltung Preußens erhalten hatten. Der ständige Stellvertreter des Reichskommissars. Dr. Bracht, hat in seiner gestrigen Rundfunkansprache sich zu dem Grundsatz bekannt, die betreffenden Beamten, die entfernt werden muhten, weil sie vielfach in entscheidenden Fällen es an Objektivität hatten fehlen lassen und ihre Partei-
Der Lleberwachungsausschuß fordert in Abwesenheit der Rechten Anfhebnng der Notverordnungen.
zugehörigkeit nicht von ihrem Staatsamt zu trennen wußten, durch solche Beamte zu ersetzen, die durch ihre Laufbahn und ihre Persönlichkeit die feste Gewähr dafür bieten, daß in allen Kreisen der Bevölkerung wieder das Vertrauen in die überparteiliche Staatsautorität Einkehr hält. Das ist ein gesunder Grundsatz, den man billigen muh. Wir möchten nur hoffen, daß mit seiner Anwendung gleichzeitig auch eine Flurbereinigung verbunden wird insofern, als bei dieser Gelegenheit nun endlich mit der schon seit Jahren überfälligen und immer wieder verschleppten Derwal- tungsreform ein praktischer Anfang gemacht wird. Es scheint dies in der Absicht Brachts zu liegen, da an Orten, die Sitz eines Oberpräsidenten und eines Regierungspräsidenten waren, einer । biefer Posten künftig nicht wieder besetzt werden soll. Vielleicht kann von hier aus auch weiter nach unten die Dehördenorganisation vereinfacht und verbilligt werden. Gerade die Gießen zunächst, liegenden preußischen Gebietsteile bieten ein krasses Beispiel für die im Interesse der Bevölkerung dringende Rotwendigkeit einer durchgreifenden Derwaltungsreform. Würde hier ein Anfang ge- macht so konnte aus dem aus den politischen Verwicklungen des Augenblicks geborenen Rotstand öcr wie auch Bracht wiederum betonte, nur als Heber gang gedachten kommissarischen Verwaltung eine für die Dauer wohltätige Reform sich entwickeln. r , _ , „
Die Rechtsfrage nach der Derfassungs- mähigkeit der durch den Reichspräsidenten und den Reichskanzler als Reichskommissar getroffenen Maßnahmen hat heute der Staatsgerichtshof in Leipzig zu entscheiden, der durch die ihres Amtes enthobene preußische Regierung, aber auch durch die Länder Bayern und Baden angerufen worden ist. Rach der bisherigen Epruchpraxis ! des Staatsg«ichtshofs ist es mehr als unwahrscheinlich, dah er die von dem verflossenen Ka- 1
binett Braun beantragte einstweilige Verfügung erlassen wird. Auch ist es kaum anzunehmen, daß sein ja erst später zu erwartendes endgültiges Urteil im Sinne der klagenden süd- deutschen Länder liegen wird. Diese Klagen aus München und Karlsruhe machen leider ganz den Eindruck, als ob die Parteipolitik bei ihnen Pate gestanden hätte. Die ausdrücklichen Erklärungen des Reichskanzlers v. Popen — sein Bevollmächtigter Dr. Bracht hat sie gestern im Rundfunk wiederholt und unterstrichen — besagen, daß das Reich gar nicht daran denkt, die Selbständigkeit des Freistaates Preußen irgendwie anzutasten oder zu schmälern. Das hätte den süddeutschen Ländern genügen müssen. Wenn sie trotzdem vorgeben. aus Sorge um den Bestand der söderalisti- schen Verfassung beim Staatsgerichtshof gegen das Reich eine Feststellungsklage erheben zu müssen, so muß das bei Unbefangenen den Eindruck erwecken, als ob man dem Reich absichtlich Schwierigkeiten machen möchte, weil den regierenden Herren in München und Karlsruhe die politische Rase des gegentoärtigert Reichskabinetts nicht behagt. IPir halten diese Politik für ebenso töricht wie kurzsichtig, denn gerade den süddeutschen Ländern könnte unseres Erachtens nichts besseres geschehen, als wenn sich aus dem Rotstand der kommissarischen Verwaltung Preußens der Keim zu der In früheren Iahren fast totgeschriebenen Reichsreform entwickelte, die mit dem Dualismus zwischen Reich und Preußen eirrs der schwierigsten und wie gerade der eben aktuelle Konflikt gezeigt hat — gefährlichsten Hindernisse für einen gesunden Staatsaufbau und ein reibungsloses Funktionieren der einzelnen Glieder und Organe des Reichskörpers beseitigte.
In Weiterführung der gestern an dieser Stelle schon bargelegten Gedanken über eine teilweise
Reichskanzler von papen sagt sein Erscheinen für Montag zu.
Berlin, 22. Juli. (Vdz.) Die Sitzung des Ueberwachungsausschusses des Reichstags wurde am Freitagnachmittag vom Abgeordneten Heil mann (Soz.) eröffnet. Zu der Sitzung waren außer den Nationalsozialisten auch Vertreter der Deutschnationalen, des Landvolks und der DVP. nicht erschienen. Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses wurde der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. H ö g n e r - München gewählt, der die weitere Leitung des Ausschusses übernahm.
Die Frage der rechtmäßigen Einberufung des Ausschusses wurde von dem oolkskon- servatioen Abgeordneten v. Lindeiner-Wildau aufgeworfen, der die Fraktion des Christlich- Sozialen Volksdienstes im Ausschuß vertrat. Reichstagspräsident Lobe erwiderte, daß der Ausschuß auf Ersuchen der Mehrheit der Mitglieder einberufen worden sei, da es feststand, daß der Vorsitzende aus politischen Gründen die Arbeiten des Ausschusses sabotiere. Die Abgeordneten Weg mann (Z.) und Dr. Breitscheid (Soz.) stimmten der Auffassung des Präsidenten zu. Abgeordneter v. Lindeiner-Wildau erklärte demgegenüber, daß er nicht einsehe, welchen Sinn die Tagung des Ueberwachungsausschusses neun Tage vor der Wahl haben sollte, da der Ausschuß Beschlüsse mit Gesetz es Wirkung nicht fassen könne. In der Abstimmung erklärten sich sämtliche Anwesende für die Rechtmäßigkeit der Einberufung mit Ausnahme des Abg. von Lindeiner-Wildau, der sich der Stimme enthielt.
Der Ausschuß trat dann in die sachliche Beratung ein und nahm zunächst mit allen Stimmen gegen die des Abg. v. Lindeiner-Wildau einen Antrag des Abg. Dr. Pfleger (Bayr. Vp.) an, durch den d e r Vorsitzende des Ausschusses Abg. Straßer (Rats.) abberufen wird. Zur Beratung des dem Ausschuß vorliegenden zahlreichen Antraasmaterials wurde von der Ausschußmehrheit die Anwesenheit des Reichskanzlers und des Reichsinnenmini ft ers verlangt. Ein Antrag auf Herbeizitierung der beiden Vertreter der Reichsregierung wurde gegen die Stimme des Abg. v. Lindeiner-Wildau angenommen. Die Sitzung wurde für kurze Zeit unterbrach c n, um der Regierung von dem Beschluß Kenntnis zu geben.
Sozialdemokraten und Zentrum haben inzwischen übereinstimmende Anträge eingebracht, wonach der Ausschuß von der Reichsregierung die Außerkraftsetzung der Notverordnung über die Einsetzung des R e i ch s k o m m i s s a r s in Preußen und über die Verhängung des Ausnahmezustandes für Berlin und Brandenburg verlangt. Sozialdemokraten und Zentrum fordern darüber hinaus die Aufhebung der beiden Notverordnungen gegen politisch e A u s f ch r e i t u n g e n und die Sozialdemokraten auch die Aufhebung der Notverordnung über dieArbeitlosenhilfeundRechtspflege. Ein Antrag der Bayrischen Volkspartei verlangt tue Aufhebung der zweiten politischen Notverordnung, die das Uniformverbot aufgehoben hat. Ferner liegt dem Ausschuß ein Zentrumsantrag vor, der die Reichsregierung ersucht, angesichts der zunehmenden Verrohung und Verwilderung des politischen Kampfes die Wahlfreiheit unbedingt zu sichern. Um das zu erreichen, wird die Reichsregierung aufgefordert, ein allgemeines Verbot der Parteiuniformen zu erlassen.
Bei Wiedereröffnung der Sitzung verlas der Reichstagspräsident Löbe einen Brief des StaatssekretärsDr. Planck. Darin wird mitgeteilt, die Reichsregierung sei bereit, sich an den Beratungen des Ausschusses zu beteiligen, soweit der Gegenstand der Beratungen sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Zuständigkeit des Ausschusses halte. Der Staatssekretär bittet um Zuleitung der Ausschußanträge und um rechtzeitige Einladung der Reichsminister zu der nächsten Sitzung des Ausschusses.
In Abwesenheit des Abg. von Lindeiner- Wildau wurde ein Antrag des Vorsitzenden Dr. Högner angenommen, wonach der Ausschuß es ablehnt, dah die Reichsregicrung ihr Erscheinen von Bedingungen abhängig macht. Vom Zentrum wurde noch erklärt, der Antrag auf Aufhebung von Rotverordnungen stelle nur eine Aufforderung an die Reichs reg ierung dar. Die Sozialdemokraten hielten jedoch an ihrer Auffassung fest, daß die Regierung sich mit der Verfassung in Widerspruch sehe, wenn sie dem Verlangen des Ausschusses, eine Rotverordnung aufzuheben, nicht nachkomme. Der Beschluß des Ausschusses und der Termin der nächsten Sitzung, Montagnachmittag, wurden dem Reichskanzler mitgeteilt, der telephonisch für die neue Sitzung sein Erscheinen zusagen ließ.
Gegenüber den durchgreifenden und schnellen Entscheidungen der Reichsregierung wirkt der Versuch
Hitlers Wahlfeldzug für die NSDAP.
Ter nationalsozialistische Führer spricht in Schlesien.
Adolf Hitler hat in nationalsozialistischen Kundgebungen in Liegnitz, Waldenburg und Gleiwih gesprochen. Er erklärte u. a., Zentrum, Sozialdemokraten und Kommunisten hätten das deutsche Volk moralisch zugrunde gerichtet und in den Augen der Welt degradiert. Durch den Rationalsozialismus werde das deutsche Volk so erzogen werden, daß es in den großen lebenswichtigen Fragen eines Willens sei. Dieses politische Ziel habe die nationalsozialistische Bewegung sich gesetzt und dabei bleibe sie. Deshalb könne man nicht verlangen, daß sich die Nationalsozialisten nun in die Koalition drängten. 13 Iahre lang haben die Führer der alten Regierungsparteien Milliarden um Milliarden für Tributzahlungen bewilligt, jetzt nennen sie sich plötzlich Fürsprecher der deutschen Freiheit, jetzt sagen sie sogar, sie seien gegen die Belastung von 3 Milliarden, die das Lausanner Abkommen vorsieht. Wir Rationalsozialisten sind Gegner des Lausanner Abkommens. Der Grund des deutschen Zerfalls liegt tief inderganzenPar- teiwirtschaft. Wie wollen die alten Par-
kläglich, ein parlamentarisches Zwischenspiel in der (Einberufung des lieber- wachungsausschusses des Reichstags einzuschalten. Aus dem Artikel 35 der Reichsoerfaffung, der diesen Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gegenüber der Reichsregierung auch nach der Auflösung des Reichstags bis zum Zusammen- tritt des neuen Reichstags ermächtigt, leitet eine Mehrheit auch das Recht zur Aufhebung von Notverordnungen ab. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Reichsregierung um derartige Beschlüsse des Ueberwachungsausschusses kümmern wird. Ganz abgesehen von der zweifelhaften Rechtslage könnte sie sich auch noch darauf berufen, daß der Ausschuß nicht ordnungsmäßig einberufen wurde. Mit diesem Hinweis haben auch die Nationalsozialisten die Teilnahme an den Beratungen a b g e l e h n t. Sie sagen, daß nur der Vorsitzende das Recht habe, diesen Ausschuß ein- zuberufen. Dieser Vorsitzende, der Abgeordnete Straßer, hat die Abberufung jedoch abgelehnt. Daraufhin wurde bekanntlich das älteste Ausschuß- Mitglied von dem Präsidenten Löbe gebeten, den Ausschuß einzuberufen. Während auf der einen Seite Männer mit fester Entschlossenheit eine durchgreifende Handlung an die andere setzen, schickt sich ein Torso von Ausschuß, dessen Rechte und dessen Legitimation dazu noch bestritten sind, dazu an, papierene Proteste zu verfassen. Selbstverständlich, daß das Bild seines Wirkens von einem Hintergrund von vielleicht weltgeschichtlicher Bedeutung völlig erdrückt werden muß.
teien jetzt etwas besser machen können, da doch ihre eigene Existenz die Voraussehustg für das war, was gekommen ist? Am 1. August, da die Rationalsozialisten viele Millionen zählen werden, wird man sagen, die Partei ist jetzt tot. Aber mit unserer Entschlossenheit und unserer Zähigkeit werden wir das Ziel erreichen.
Das Wirtschastsprogramm der NSDAP.
In Hamburg erklärte der Wirtschaftstheore- tiker der NSDAP., Gottfried Feder, Steucruber- lajtung, Verschuldung und Irrwege des Außenhandels bezeichneten den heurigen Zustand. Maßvolle Autarkie sei eines der Hauptmittel. Autarkie bedeute nicht Isolierung. Im Dritten Reich werde nichts eingeführt werden, was im Lande wachse oder produziert werde. Das schließe nicht aus, daß eine Lebensmitteleinfuhr in gewissen Grenzen und naturgemäß die unerläßliche Rohstoffeinfuhr erhalten blieben. Man dürfe behaupten, daß drei Millionen Arbeitslose das Ergebnis einer irre- gehenden Außenhandelspolitik feien und diese drei Millionen durch eine maßvole Autarkie wieder in Lohn und Brot gesetzt werden könnten. Die Erkenntnis, daß die Welt am Ende des technischen Zeitalters stehe, das eine Einmaligkeit gewesen fei, führe die NSDAP, zu ihrer Hauptforderung, nach Reagrarisierung und intenfioer Siedlungspolitik.
Der Wahlkampf gehl weiter.
R ü ck w ä r t s r e v i d ie r u n g der Weimarer Verfassung zur Bismarckschen Reichsverfassung wäre die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß nach den Reichstagswahlen, die vermutlich ein ähnliches Bild ergeben werden, wie die Preußen-Wahlen vom 24. April 1932, der preußische Landtag, um sich nicht auf lange Zeit von der Mitwirkung ausschalten zu lassen, den jehigenReichskvm» m i s s a r für Preußen, den Reichskanzler v. Pa- pen, zum preußischen Ministerpräsidenten wählt und damit der jetzt durch Rot- Verordnung des Reichspräsidenten als Hebergang geschaffenen Perfonalunion zwischen dem Amt des Reichskanzlers und dem des preußischen Ministerpräsidenten gleichsam die parlamentarische Weihe geben würde. Der Reichskanzler wird es sich auf der nach Stuttgart einberufenen Länderkon- ferenz sicher angelegen sein lassen, die verfassungsrechtlichen Bedenken der süddeutschen Regierungen zu zerstreuen und ihnen hauptsächlich jeden Grund zu ihrer gewiß unberechtigten Angst zu nehmen, als ob die Einsetzung des Reichskanzlers als Reichstommissar in Preußen der erste Schritt zu einer weiteren Hnitarificrung des Reiches etwa im Sinne der Erzbergerschen Steuerreform fein solle. Die Befürchtung, daß in Preußen ein Präzedenzfall geschaffen würde, dessen Folgen gegebenenfalls auch einmal die süddeutschen Länder spüren könnten, muß in Stuttgart restlos aufgeräumt werden. Erst dann könnte aus der als Hebergang gedachten Rotmahnahme in der oben angebeuteten Weise ohne erhebliche politische oder verfassungsrechtliche Schwierigkeiten ein Dauerzustand werden als erster, aber auch größter und schwerwiegendster Schritt zu einer den föderalistischen Charakter des Reichs wahrendem aber die Schäden eines Gegeneinanderregierens und eines überkomplizierten, unübersichtlichen und unklaren Instanzenaufbaus vermeidenden Reichsreform,


