die Entwicklung der Golbaus- und -einfuhren in diesen beiden Ländern: bereits im ersten Vierteljahr 1931 stand die Bank von England unter deni Druck französischer Kreditkündigungen und damit von Goldabzügen: im Juli und August erreichten die Goldabzüge einen derartigen Umfang, daß die Grundlagen der englischen Währung ernstlich ge- fährdet erschienen. Um nicht noch weiter Gold zu verlieren, loste England seine Währung von dem Go ldstandard, und die Goldausfuhren gingen auch beträchtlich zurück Tiit Hilfe überseeischer Goldzufuhren (vor allem Indien) konnte die Bank von England ihre stark gesunkenen Goldreserven wieder etwas auffüllen.
Die Goldabzüge der deutschen Reichsbank setzten besonders im Juli ein; im Oktober und November mußte die Reichsbank auf Grund der Verpflichtungen aus dem Stillhalteabkommen noch einmal große Goldbeträge an das Ausland abgeben. Ein recht großer Teil (etwa 30 Prozent) floß an die Bank von England. Außer Deutschland und England haben auch Oesterreich, Ungarn, Dänemark, Schweden und Norwegen ihren Goldbestand verringert.
Der Goldbestand anderer Länder aber wuchs zum Teil ganz enorm, den größten Zuwachs hatte die Bank von Frankreich aufzuweisen: ihre Goldreserve ist in einem einzigen Jahre, 1931, um 2,5 Milliarden auf gegenwärtig 11,3 Milliarden RM. gestiegen. Damit stellt sich der Anteil des französischen Goldfonds an den monetären Goldvorräten der Welt auf mehr als ein Fünftel, auf 21,9 Prozent, bei einer Einwohnerzahl von rund 40 Millionen. Gemessen am Goldbestand Europas (26,6 Milliarden) kontrolliert Frankreich fast die Hälfte dieses Bestandes.
Auch die Notenbanken der kleineren Kapi- talüberschußländer Westeuropas: Hol- land, Schweiz, Belgien haben, insbesondere im zweiten Halbjahr 1931, ihre Goldreserven beträchtlich er- höhen können. Mit 2 Milliarden Mark statt 577 Millionen ist die Schweiz an die vierte Stelle unter den Gold besitzenden Ländern vorgerückt. Auch Hol. land hat seine Goldreserven stark erhöhen können; die Niederländische Bank hat 1931 ihren Goldbestand mehr als verdoppelt (von 719 Millionen auf 1,5 Milliarden). Fast ebenso stark hat Belgien seine Goldreserven erhöhen können (von 800 Millionen auf 1,5 Milliarden).
Wieder anders war die Entwicklung des Goldstocks der Bank der Vereinigten Staaten von Amerika. Infolge des jid) immer mehr verstärkenden Mißtrauens gegen Devisen, besonders nach der Pfundentwertung, wandelten die europäischen Notenbanken im zunehmenden Maße ihre Dollardevisen in Effektivgold um, da man auch für den Bestand der Dollarwährung fürchtete. Die Folge war der Verlust an Gold. Bis Oktober 1931 verloren auf diese Weise die amerikanischen Zentralstellen rd. 3 Milliarden Mark, konnten in den folgenden Wochen allerdings ihre Bestände wieder etwas auffüllen. Ende 1931 lag der Goldbestand der Vereinigten Staaten von Amerika aber mit 18,7 Milliarden um über Vt Milliarden unter dem Bestand von Dezember 1930.
Recht interessant ist auch eine Gegenüberstellung der Entwicklung des Goldbestandes in den sechs Gläubigerländern (Vereinigte Staaten von Amerika, Frankreich, Belgien, England, Holland und der Schweiz) mit allen übrigen Schvldnerländern (mit Ausnahme Rußlands). Hier zeigt sich geradezu eine Scherenbewe- gvng: dis 1929/30 laufen beide Linien etwa parallel, dann aber steigt die Kurve der Gläubigerländer stark an, während die der Schuldnerländer ebenso stark abfällt. Denn von Ende 1929 bis 1931 ist der Goldbestand der Gläubigerländer von 29 Milliarden Mark auf 36 Milliarden Mark gestiegen, die der Schuldner- länbcr dagegen von 18 Milliarden auf 13 Milliarden abgesunken.
Welche Folgerungen ergeben sich hieraus? — Einmal die Notwendigkeit der weltwirtschaftlichen Zu- fammenarbeit. Die Gesundung der Weltwirtschaft, die Ueberwindung der schweren Weltkrise ist nicht eher zu erwarten, bis die Länder mit Kapital- Überfluß dieUnzweckmäßigkeitundSinn. lofigkeitderfortgesetztenGoldanhäu. f u n g eingesehen haben. Denn dadurch wird nur
der natürliche Austausch der Produkte der Weltwirtschaft verhindert, der Welthandel und Weltverkehr lahmgelegt, da die einen Länder infolge ihrer Armut und Kapitalentblößung weder etwas kaufen noch genügend produzieren können, während die anderen Länder in ihrem Kapitalüberfluß ersticken.
Für uns Deutsche ergibt sich aber noch eine andere Lehre: Da zunächst mit einer solchen Einsicht, vor allem leider bei unserem nächsten Nachbar, noch nicht gerechnet werden kann, müssen wir versuchen, auch kapitalwirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen. Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit sind daher heute erste Erfordernisse. Und ebenso wie weltwirtschaftlich die Gold- Hamsterei einiger Länder verkehrt ist, so ist volkswirtschaftlich die Hamsterei von Geld- scheinen verderblich. Alles verfügbare Geld gehört auf die Banken und Sparkassen, damit diese es der deutschen Wirtschaft zuleiten.
München und dasttnisornwerbot ’-Sci der Bayrischen Bolksparter keine Weitung zum Nachgcben.
München, 22. Juni. (CNB.) Die Bayerische Volksparteikorrespondenz erklärt zu dem Ergebnis der Berliner Konferenz. Die Reichsregierung hat sich gegenüber den Nationalsozialisten in eine Situation begeben, die sie dazu zwingt, die angeblichen politischen Gesichtspunkte, die in diesem Falle stark parteipolitisch nationalsozialistisch untermauert sind, vor die rechtlichen Erwägungen und Tatsachen zu stellen. Sie will oder sie darf die Gefahren nicht sehen, die allein schon im Wesen der Parteiuniform liegen. Die Reichsregierung will es also aus politischen Gründen den Länderregierungen nicht mehr überlassen, in der Uniformfrage sich so zu verhalten, wie es ihnen Pflicht und Perantwortlichkeit für den anvertrauten Staat vorschreiben. Die Reichsregierung glaubt sich für befugt, die Landesrechte und die Landesgesetzgebung auf diesem wichtigen Gebiet einzuschränken, und sie scheint gesonnen zu sein, mit Hilfe des Artikels 48 sich ein Reicbsrecht zu schaffen, das das Länderrecht außer rast fetzt. Wir müssen uns nach dem Ergebnis der Länderkonferenz also auf einen schweren Eingriff der Reichsgewalt in die ßänöerrecbte gefaßt machen. Wir lägen es offen heraus, daß es eigentlich unverantwortlich ist, in diesen Zeiten den Ländern, die bewußt antirevolutionär und im -guten Sinne des Wortes konservativ eingestellt sind, die Möglichkeit zu nehmen, Zellen der Ordnung und der politischen Vernunft in Deutschland zu bleiben.
planmäßige kommunistische Ueberfälk in Breslau.
Breslau, 23. Juni. (TU.) Anluwlch einer Versammlung der NSDAP, in der Jahrhund er tyalle kam es bei dem Zuzug zur Jahrhunderthalle an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen von Angehörigen der NSDAP., der KPD. und der SPD. Dabei wurden im Westen der Stadt auch mehrere Schüsse abgegeben, durch die zwei Nationalsozialisten und ein Reichsbannermann durch Brustschüsse schwer verletzt wurden. Außerdem' wurden noch drei Personen leichter verletzt. Nach den polizeilichen Feststellungen werden die Ueberfälle von der KPD. planmäßig vorbereitet. Auch im Nordosten der Stadt kam es zu schweren Zusammenstößen, wobei von Kommunisten die Straßenlaternen ausgelöscht wurden. Als die Polizei einschritt, wurde aus den Fen- stern geschossen und die Polizei mit Blumentöpfen beworfen.
18 Millionen Franken für Gasschutz in der Schweiz.
Basel, 23. Juni. (TU.) Nach mehrtägiger Aussprache hat der Schweizerische Nationalrat am Mittwochabend mit 213 gegen 53 Stimmen entsprechend dem Antrag des Bundesrats zur Beschaffung von Gasmasken einen Kredit von insgesamt 16 bis 18 Millionen Franken bewilligt. Die Aus-
• Kolonne Nr. 6.
Von Hatpfi Urbon.
Am 17. September 1919 sollte die neue Wasserleitung der Stadt Portland in Oregon (Nordamerika) in Betrieb gesetzt werden. Es hatte eineinhalb Jahre harter Arbeit bedurft, um die fünfzig Kilometer lange Leitung von dem im Caseaden- gebirge gelegenen Sammelbecken, das von mehreren ÖueUen gespeist wurde, bis zum neuerbauten Wasserturm vor der Stadt Portland fertigzustellen. Die Leitung war beendet, die Arbeitskolonnen hatten nur noch die Aufgabe, die Aquädukte auszu- gestalten und die Holzbölzungen in den Tunnels, durch welche die mannshohen Rohre führten, durch Zementmauern zu ersetzen.
Punkt zwölf Uhr mittags an jenem Tage sollte das erste Wasser vorn Sammelbecken in die Rohre ielassen werden. Entlang der ganzen Baustrecke errschte Feiertagsstimmung, denn die Arbeiter ielten Ruhetag und bekamen Doppellöhnung. Die vierzig Mann der Kolonne Nr. 6 hatten mit ihren Ingenieuren das Lager beim Kilometer 22, von Portland gerechnet, aufgeschlagen. Die Leute saßen vor ihrer Holzbaracke und freuten sich auf das Mittagessen, das der schwarze Koch mit Beihilfe des jungen Frank zubereitete. Frank war der Jüngste der Kolonne und mußte es sich daher gefallen lassen, daß man ihn als Boy betrachtete. Er hätte viel lieber draußen mitgearbeitet, als Kartoffeln geschält und den Vorarbeitern die Pfeife gestopft.
Um zehn Uhr vormittags kam ein Wächter von der Baustrecke herein und meldete dem Ingenieur der Kolonne Nr. 6, daß beim zwanzigsten Kilometer ein Erdrutsch stattgefunden hatte. Der Ingenieur brach sofort auf, um nacknusehen, ob für die Leitung Gefahr bestand. An der Stelle fand er durch den Erdrutsch einen Röhrentunnel verschüttet, so daß die Möglichkeit bestand, daß dieser sich mit dem Berghang gesenkt und die Leitung geknickt hatte. Der Ingenieur eilte ins Lager zurück und alarmierte die Kolonne, die unter dem Beseht eines Gruppenführers dem Fortschreiten des Abrutsches vorbeugen sollte, während er selbst mit vier Mann in die Rohrleitung einsteigen roollte, um von innen nawzusehen, ob Schaden entstanden sei. Im Lager blieben nur ein Vorarbeiter bei dem Telefon zurück, das die verschiedenen Kolonnen mit der Bauleitung verband, und der junge Frank, der die Küche zu besorgen hatte. Ilm keine Zeit zu verlieren, gab der Ingenieur dem Vorarbeiter Wei- jung, den Chefingenieur beim Sammelbecken anzurufen, damit man mit dem Einlassen des Wassers in die uwhre bis auf weitere Nachricht warte. Der Einsteigschacht In die Rohrleitung befand sich auf
dem Aquädukt, der das Tal, in dem die Kolonne das Lager hatte, im mächtigen Bogen überbrückte. Oben angelangt, zündeten die fünf Männer ihre Lampen an, fliegen die Leiter hinunter und gingen gebückt durch die Rohre dem zwanzigsten' Kilometer zu.
Beim Sammelbecken hatte sich eine große Gesellschaft eingefunden, um der Einweihung des Werkes beizuwohnen. Der Regierunasvertreter, der Chefingenieur und der Bürgermeister hielten Ansprachen. Rundum standen festlich gekleidete Menschen. Ueberall flatterten Fahnen mit den Sternen und Streifen.
Der zuiunftige Wärter der Anlage, der auch das Feldtelefon zu betreuen hatte, stand, bei einer Gruppe von Arbeitern und lauschte andächtig den Reden, so daß er die verzweifelten Summsignale des Telefons nicht hören konnte. Punkt zwölf Uhr griff der Bürgermeister nach dem Hebel, der die elektrische Hochziehvorrichtung der Schleuse auslöste. Während die Wassermengen donnernd in die Rohrleitung stürzten, schickten sich die Herren in festlicher Stimmung an, das übliche Frühstück im Freien zu beginnen. Nun ging auch der Wärter gemächlich nach seinem Dienstraum; als er aber die Zeichen des Telefons hörte, beeilte er feine Schritte. Kaum hatte er sich gemeldet, ließ er schon den Hörer fallen, stürzte schreckensbleich zum Schleusenhebel und riß ihn auf „stop". Dann rannte er hinaus zu den ahnungslos schmausenden Herren und erstattete dem Chefingenieur die schlimme Meldung. Ein Blick auf den Wassermesser belehrte den Bauleiter, daß bereits breitaujenb Kubikmeter Wasser in die Leitung gegen Portland rasten und daß es für die fünf Leute beim zwan- Zigsten Kilometer keine Hoffnung mehr gab, wenn es auch noch gelingen sollte, sie zu warnen, so wurden sie doch nicht mehr den zwei Kilometer entfernten Einsteigschacht erreichen, denn die Wassermassen stürzten mit einer Geschwindigkeit von fünfzig Stundenkilometern durch die Rohre ...
Der Vorarbeiter am Telefon „er Kolonne Nr. 6 hatte der Bauleitung nach dem Abgang des Ingenieurs ununterbrochen Anrufzeichen gegeben, und feine Besorgnis war von Minute zu Minute gestiegen. Er hoffte noch immer, es würde sich drüben jemand melden, und ließ so die Zeit verstreichen, in der er den Ingenieur und seine Leute noch hätte warnen können. Kalter Schweiß trat ihm auf die Stirne, als er erkannte, daß es zu spät war. Endlich ließ sich die Stimme des Wärters vernehmen, und der Vorarbeiter erstattete feine Meldung, aber er bekam keine Antwort. Erst nach einigen Minuten hörte er von drüben, daß das Wasser schon in den Rohren sei und in zwanzig Minuten den Kilometer zwanzig erreicht haben würde. Es war, als fchlüge ihn jemand mit der
gäbe wird auf etwa acht bis zehn Jahre verteilt. In diesem Jahr werden 1,350 Millionen für die Anschaffung und Unterbringung von Gasmasken auf- geroenbet. Der Ständerat hieß den zweiten Bericht des Bundesrats über die weiteren Einfuhrbeschränkungen gut. Bundesrat Schulthes hob die Notwendigkeit eines Schutzes der Aus - fuhrindustrie hervor. Gegenwärtig werde ver- sucht, einen Kompensationsoerkehr mit Rußland einzurichten; dabei könne aber von einer Wiederaufnahme der politischen Beziehungen nicht die Rede sein.
Aus oder Welt.
Auf den Spuren Bertram«.
Aus Wyndham (Westaustralien) berichtet der Kapitän des Schiffes, das Nachforschungen nach dem vermißten Flieger Bertram vornahm, aus dem Buch, das man gefunden habe, gehe hervor, daß Bertram am 15. Mai in Australien gelandet sei. Am Fenster des Flugzeuges waren mit Oel die Worte geschrieben: „25. Mai. Wir verlassen das Flugzeug auf dem Schwimmer, den wir als Boot verwenden. Wir treiben nach Westen."
Die Fischwirtschaft fordert einen Fischtag.
Die Industrie- und Handelskammer in Weser- münde hat beim Reichsernährungsminister angeregt, der Fischwirtschaft eine wirksame Hilfe dadurch zu bieten, daß ein Tag in der Woche zu einem „öffentlichen Fischtag" erklärt wird. Es wird vorgeschlagen, daß aue in Betracht kommenden Stellen des Heeres, der Marine und der Polizei, ferner Wohlfahrtseinrichtunqen aller Art sowie Gefängnisse und öffentliche Anstalten an dem „Fischtag" mittags nur Fischgerichte verabreichen dürfen. Die Handelskammer ist der Ansicht, daß auf diese Weise das Schicksal dieses wichtigen Gewerbezweiges gebessert werden könne.
Walker soll sich rechtfertigen.
Der Gouverneur des Staates Newyork, Franklin Roosevelt, forderte den Bürgermeister von Newyork, James Walker, auf, sich zu den ihn belastenden Anschuldigungen des Aus- f ch u f f e s zu äußern, der mit einer Untersuchung der Korruption in der Stadtverwaltung von Newyork beauftragt ist. Der Vorsitzende dieses Ausschusses hatte erklärt, daß Walker unwürdig sei, jein Amt weiter zu bekleiden.
Erdbeben in Mexiko.
Die Stadt C u y u t h a m an der Südwestküste von Mexiko ist von einem Erdbeben und einer Sturmflut heimgesucht worden. Man befürchtet, daß viele Menschen ihr Leben eingebüßt haben. Ein großer Teil her Stadt ist von den Wassermassen zertrümmert und ins Meer gespült worden. Bisher wurden 30 Leichen geborgen. Längs der mexikanischen Küste, besonders in Manzanillo und Colima, die bereits während der letzten drei Wochen zwei schwere Erdstöße erlitten haben, ist erheblicher Schaden angerichtet worden.
Beraubung
des Aschaffenburger Kupferstichkabinetts.
Ein sensationeller Einbruch wurde in das erst kürzlich wieder eröffnete Aschastenburger Kupker- stichkabinett im Schloß verübt. Es ist anzu- nehrnen, daß der oder die Einbrecher die Schloh- sasjade von dem längs des Mains liegenden Teil des Schloßgartens aus erstiegen haben. 3m ersten Stock erbrachen sie dann das Fenster eines Zimmers, das zu dem Kupfcrstichkabinett führt. Die mit schweren Asbesttüren verschlossenen Bäume, in denen die wertvollen Kupferstichblätter aufbewahrt wurden, waren fast ausnahmslos gewaltsam geöffnet. Es ist anzunchmen, daß eine große Anzahl der wertvollsten Blätter gestohlen wurde. 3m Augenblick ist man mit der genauen Bestandsaufnahme beschäftigt. Die Vermutung liegt nahe, daß es sich um die gleichen Einbrecher handelt, die vor kurzem das Schloß Mespelbrunn im Spessart
Faust zu Boden. Er vergaß, den Hörer aufzulegen lind wankte aus der Baracke. Hilflos lief er im Lager umher, er konnte die Kameraden in der Leitung nicht mehr retten. Da sah er den jungen Frank und machte ihm Mitteilung von der schrecklichen Gefahr. Vom Aquädukt kam plötzlich ein merkwürdiges Heulen, das von Sekunde zu Sekunde lauter wurde. Es rührte von der Luft her, die von den oorstürzenben Waffermaffen in den Rohren xufammengepreßt wurde und durch den Einsteigschacht entwich, daß dieser wie ein Pfeife wirkte: ein schauerliches Signal für das Nahen eines Unheils, und dem jungen Frank lief es kalt über den Rücken. Er starrte seinen Vorgesetzten einen Augenblick entsetzt an, dann erfaßte er die Lage und fühlte nichts als den Willen, zu helfen. Es schoß ihm durch den Kopf, daß die einzige Möglichkeit der Rettung darin bestand, ein Mittel zu finden, die Leitung zu unterbrechen. Sein Blick richtete sich immer wieder zum Aquädukt empor. Wenn man ihn zerstören könnte, würden fünf Menschen weiterleben. Doch was konnte ein kleiner, schwacher Mensch dem Werk anhaben? Dynamit fiel ihm ein. Da lief der Junge, derselbe, von dem Kameraden sich die Schuhe putzen ließen. Er lief um ihr Leben.
Einige hundert Schritte abseits vom Aquädukt befand sich ein Magazin für Sprengmunition. Als Oranf dort angelangt, raffte er an Dynamit- und Ekrasitsprengkörpern zusammen, was er tragen konnte und schnürte sie zu einem Bündel. Dann steckte er ein Stück Zündschnur in die Deffnung einer Sprengkapsel und diese in eine der Sprengpatronen in der Mitte des Packs. Hierauf keuchte er mit feiner Last bergan der Einsteigstelle zu. Er mußte dort früher ankommen als das Wasser. Schon war es, als höre er ein fernes Brausen, unb mit aufgeschwollenen Abern nahm er bie letzte etretfe. Jetzt ging es um Sekunben. Im Lauf chnitt er noch ein Stück von ber 3u„u|O)nur ab, 1° daß nur noch fünf Zentimeter davon übrig blieben was einer Brenndauer von fünf Sekunben gleichkam. Am Einsteigschacht entflammte er ein Streichholz, bann zischte bie Zündschnur, unb gleich Darauf fiel die Sprenglabung auf ben Boben bes •Wes. 3eöt lief ber junge Frank um sein eigenes Leben, benn fünf Sekunben sind eine kurze •spanne, um sich von einer schrecklichen Explosion 3u retten. Er rannte, sprang, jagte wie noch nie in seinem Leben. Er hatte schon ben Berqhanq erreicht, da fing der Boden unter ihm zu wanken an, und im Fallen sah er hinter sich, wie der letzte Bogen des Aquädukts zerbarst, als würde er von einer riesigen Axt gespalten. Dann spürte er einen Schlag gegen den Kopf, es flimmerte vor seinen 'lluaen, ber Lustbruck erstickte ihn fast. Dann würbe es dunkel um Frank; die Welt zerrann.
beraubten. Auch im Rhein-Main-Gebiet wurden dieser Tage verschiedene wertvolle Kunstgegenstände gestohlen; vielleicht stehen auch diese Dieb- jtähle im Zusammenhang mit dem Einbruch in daö Kupferstichkabinett.
Drama in der Tierwelt.
In der Nahe der Dettinger Mainfähre stieß ein Raubvogel auf einen Star, bekam ihn aber allem Anschein nach nur mangelhaft zu fassen. Der Star schrie und suchte sich aus den Fängen loszureißen. Da ging der Räuber auf den Fluß nieder und brückte,seinen Gefangenen unter Wasser, um ihn zu ersäufen. Durch Steinwürfe zuschauenber Ortseinwohner beunruhigt, floh der Vogel vom nahen Ufer des Flusses, sich nur wenig über den Wasserspiegel erhebend und seine Beute durch das Wasser schleifend. In der Mitte tauchte er sie erneut kräf- tig unter Wasser und man sah, wie der Star verzweifelt um sein Leben rang. Mehrere Steinwürfe, die ben Raubvogel — ber Beschreibung nach scheint es sich um einen Sperber gehanbelt zu Haden — selbst bebrohten, zwangen ihn schließlich boch, sich zu erheben. In einiger Höhe ließ er ben Geschun- benen fahren. Da ber Star zu fliegen nicht mehr fähig war, fiel er ins Wasser unb-ertranf nach erfolglosem Kampf mit ber unbarmherzigen Flut.
Starte (Erbberoegungen im TTliftelrfjeTngebid.
Nachdem die Landwirtschaft in Mülheim (Mosel) erst Pfingstmontag durch eine Unwetter- katastrophe heimgejucht wurde, ist die Gemeinde jetzt erneut von einem schweren Unglück betroffen worden. 3n der Rächt zum Dienstag sind im Gebiet „am Wald" große Erdmass en zu Tal gerutscht. Diele Felder sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Gesamtschaden läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Auch am Dienstag dauerten die Erdbewegungen noch an. Ein etwa 12 Morgen großes Gelände ist in ständiger Bewegung. Als Ursache des Bergrutsches wird die Unwetterkatastrophe am Pfingstmontag angesehen, wo durch die niedergehenden Wassermassen das ganze Gelände unterspült wurde.
(Eröffnung des Eucharistischen Kongresse«.
3n Dublin wurde der 3ntcmationalc Eucharistische Kongreß feierlich von dem päpstlichen Legaten Kardinal Lauri in der Kathedrale eröffnet. Tausende von Menschen erlebten ein Schauspiel, das all' die Tradition und Pracht der Katholischen Kirche darbot. 3n jeder Kirche der Stadt und ihrer Dororte wird das Heilige Sakrament bis Mitternacht gezeigt. Scheinwerfer schrieben auf den nächtlichen Himmel Worte wie „adore- *mus“ und „laudamus“. Pilger aus allen Teilen der Welt fluten weit her nach der irischen Hauptstadt. Ein deutsches Schiff hat mit zahlreichen deutschen Pilgern den Bijchof von Os- n a b r ü ck jowie andere deutsche kirchliche Würdenträger nach Dublin geführt. Unter den Hunderten von Pilgern aus Holland befinden sich der Erzbischof von Utrecht und eine Zahl holländischer Prälaten. Kardinal L a v i t r a n o , Erzbischof von Palermo Kardinal D e r d i e r . Erzbischof von'Paris, Kardinal Hayes, Erzbischof von Reuhork, Kardinal Dougherth, Erzbischof von Philadelphia, Kardinal H l o n d , Erzbischof von Gnesen und Posen, der Erzbischof von Boston O'Connell und der Erzbischof von Mecheln van R o e h , nehinen an dem Kongreß teil, so daß Dublin die ansehnlichste Dersammlung kirchlicher Würdenträger, die seit 3ahrhunderten außerhalb Roms stattgefunden hat, beherbergt.
Der Tod be« deutschen pater« Kapp in ber IHanbfdjurei.
„Times" meldet aus Peking: Der deutsche Generalkonsul in Mukden ist nach T s ch i e n t a o in der Provinz Kirin abgereist, um die näheren Umstände zu untersuchen, unter denen am 15.3uni der deutsche Pater Rapp ermordet wurde. Koreanische Zeugen haben erklärt, daß Pater Rapp von japanischen Soldaten ermordet worden sei. Er sei, als er sich zu einem an Typhus sterbenden Kollegen begab, von japanischen Wachtposten ange -
Der Ingenieur im Schacht hatte dem Luftzug zuerst keine Bedeutung zugemessen, als er mit seinen Leuten im Innern der Leitung Nachschau hielt. Da aber bie Luftströmung unb ber Druck stärker würben, sahen sich die Männer betroffen an, aber noch wagte keiner bas schreckliche Wort auszusprechen. Ein Dröhnen Hub an, als wäre bie Hölle los, unb nun gab es keinen Zweifel mehr: es kam bas Wasser. Reben war überflüssig. Zurück war unmöglich, es blieb nur ber Weg in Richtung Portlanb, wo sich ber nächste Schacht fünf Kilometer weiter befanb. Es war aussichtslos, mit bem Wasser um bie Wette zu laufen, aber bie Männer würben von ber gewaltigen Luftströmung mitgerissen. Sie wußten, baß es zu Ende.ging. Plötzlich würben sie burcheinanber geworfen, ein schrecklicher Druck, ber ihnen bie Kleiber in Fetzen vom Leibe riß, ein bläulicher, greller Schein, bann verloren sie bie Besinnung. — Das Wasser aber kam nicht, es ergoß sich von bem gesprengten Aquäbukt herunter unb überschwemmte bas Tal.
Der Rettungsmannschaft gelang es, die fünf bewußtlosen Männer zu bergen und sie ins Leben Aurücfjurufen. Später fand man am Berghang ben schwerverletzten Frank.
Die Männer der Kolonne Nr. 6 haben den jungen Frank, ber zwei Monate l"äter geheilt war, in ihrem Leben nicht vergessen. Aber auch bie Stabt Portland wußte Helbenmut zu schätzen. Ein gewisser Frank Tailor ist heute Leiter des stäbtischen Wasserwerkes von Portlanb. Wenn alte Freunbe ihn besuchen, wird davon gesprochen, wie seine Geistesgegenwart fünf Männern das ~coen rettete, obgleich er selbst kein Wesen davon machte.
Hochschulnachrichten.
Die außerordentlichen Professoren an der Technischen Hochschule in Braunschweig, Dr. Bernhard Herwig (Psychologie und'Psychotechnik), Dr. K. Hoppe (Deutsche Sprache und Literatur) und Dr. August R o l o f f (Deutsche Geschichte und Staatsbürgerkunde) sind unter Ueberlassung persönlicher Ordinariate zu ordentlichen Professoren ernannt worden.
Anläßlich der Gustav-Adols-Feier ernannte die theologische Fakultät der Universität Halle den Professor der Religionswissenschaft der schwedischen Universität Upsala, Tor Andrae, den Rachsolger Soederbloms auf dem Katheder, und den um die Arbeit des Gustap-Adolf-Vereins in der Provinz Sachsen verdienten Pastor Ernst W o l l e n s e n in Zeih, zu Ehrendoktoren der Theologie.
Die Ernennung des Berliner Privatdozenten Dr. R. Alewhn zum ao. Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg steht bevor.


