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gen bot auf richten werbe, dleSozialistenzu einer wohlwollenden Unter ft üt)ung bzw. Neutralität zu bewegen. Auch am Sonntag haben mehrere Provinztaltagungen der Sozia­listischen Partei stattgefunden, auf denen man sich mit der Frage der Beteiligung an der Verant­wortung befaßte. Fast überall sprach sich die Mehrheit grundsätzlich für den Eintritt in die Regierung aus, doch wurden in allen Fällen die obengenannten weitgehenden Bedin­gungen formuliert. Es hat den Anschein, daß die Sozialisten es unbedingt vermeiden wollen, ver- antwortungsscheu zu erscheinen, während sie tat­sächlich nicht mit festen Bindungen rechnen.

Kritische Lage in Griechenland.

Rücktritt der Regierung Benizclos.

Athen, 21. Mai. (TU. Funkspruch.) Minister­präsident V e n i z e l o s kündigte am Samstag in der Kammer den Rücktritt der Regierung an. Er empfahl, ausderdemokratischenOppo- sition eine neue Regierung zu bilden, um Unruhen vorzubeugen, die für den Fall der Ueber- nahme der Regierung durch die Partei der Monarchisten nach seiner Auffassung sicher ent­stehen wurden. Rach der Kammersitzung fuhr Veni- zelos zum Staatspräsidenten Zaimis, um das Rücktrittsgesuch zu unterbreiten. Die abdankende Re­gierung ist entschlossen, den Kampf gegen die streikenden Beamten unerbittlich durchzu- führen. Der StreikderPost- undTelegra- p h e n b e a m t e n , die sich gegen die Sparmaß­nahmen des nunmehr zurückgetretenen Minister­präsidenten Benizelos aufgelehnt hatten, ist a b ge­flaut. Dagegen ist die S t i m m u n g f ü r e i n e n allgemeinen Streik lebhafter geworden, zu­mal dieEisenbahnerundBäcker sehr streik- lustig geworden sind. Da eine weitere Ausdehnung des Streiks erwartet wird, wird sowohl in Athen wie auch in der Provinz das Militär in Be­reitschaft gehalten. Es sind strengste Befehle ausgegeben worden, jeden nur geringsten Versuch der Ruhestörung im Lande während der Dauer der Re­gierungskrise sofort zu unterdrücken.

Wer ist Gorguloff?

Noch immer kein klares Bild über die Persönlichkeit des Präsidentenmörders.

Paris, 21. Mai. (WTB.) Wie die Untersu­chung des Falles Gorguloff ergeben hat, befindet sich unter den in Monaco beschlagnahmten Schrift­stücken eine Broschüre über den 1920 in Sibirien von den Bolschewisten erschossenen Admiral Koltschak. Unter dem Bilde Koltschaks hat Gorguloff in der einen Ecke den Todestag des Ad­mirals und in der anderen Ecke das Datum des 6. Mai 1 9 3 2 verzeichnet, an dem er Doumer ermordet hat. Diese Rotiz dürfte den V o r s.a tz Gorguloffs zu seiner Tat erweisen. Unter der Photographie Koltschaks steht ferner folgende Bemerkung Gorguloffs:Lieber Freund, Du großer russischer Patriot, ich, der Füh­rer der russischen Faschisten, st erbe für das gleiche Ideal wie Du.

Dem Untersuchungsrichter ist die von drei Sach­verständigen besorgte Ucbersehung der in russischer Sprache verfaßten Aufzeichnungen Gorguloffs zugegangen. Gorguloff erklärt darin u. a., daß Frankreich seine Ret­tung Rußland verdanke, daß Frankreich dabei aber die größte Verantwortung für das Elend in Rußland" trage. Der letzte Teil der Aufzeichnungen, überschriebenDas Geheimnis meiner Herkunft", ist ohne jeden Zusammenhang und ohne jeden Zweifel da­zu bestimmt, die Auffassung zu unterstützen, daß Gorguloff nicht im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten sei.

DerMatin" veröffentlicht Aussagen des ehe­maligen Kosaken Lazare ff, von dem schon kürzlich die Rede war. Lazareff, der jetzt in den französischen Pyrenäen wohnt, behauptet, daß Gorguloff Ende 1920 unter dem Rainen Alexander Mangol Leiter des von der Tscheka eingerichteten Gefangenenlagers in Rostow gewesen sei, wo er, Lazareff, sich da­mals befunden habe. Lazareff hat ausführlich geschildert, welche Qualen und Torturen Alexander Mangol, der mit Gorguloff identisch sein soll, die Gefangenen erdulden ließ. So habe er nicht weniger a l s 200 Ge­fangene niedergeschossen. Lazareff habe

Oberhessischer Kunstverein.

Turmhelme in Lahngebiet und Wetterau.

Die gestern eröffnete neue Ausstellung des Ober- hessischen Kunstvereins bringt unter dem Titel Turmhelme in Lahngebiet und Wet­te r a u" in 80 Zeichnungen und großen Photo­graphien ein eigenartiges und nicht häufig behan­deltes Gebiet anschaulich,zur Darstellung, das zwar an sich in seiner kunstgeschichtlichen Themenwahl ziemlich speziell und ein wenig abseitig erscheint zumal ja ohnehin Architektur-Ausstellungen vom Publikum unverdientermaßen weniger geschätzt werden als Malerei, Graphik oder Plastik. Aber wen das baugeschichtliche Thema nicht ohne weiteres zu reizen vermag, der wird sich durch den landschaft- lichen Charakter und die enge heimatliche Verbun­denheit dieser Schau angezogen und angeregt fühlen und wird versuchen woraus es hier ankommt, von dem sehr schönen, plastisch-klaren Photo­material (in erfreulich großem Maßstabe) zu den konstruktiven Zeichnungen, vom malerischen Außen­bild zum inneren Kern vorzudringen und nicht nur eine rein baugeschichtliche, sondern auch eine kultur­historische Entwicklung mit Interesse verfolgen.

Das hier ausgestellte Material ist auf eine archi­tekturgeschichtliche Doktorschrift von Dr.-Ing. Fried­rich Stolberg in Kassel gegründet, die 1923 unter dem TitelDas Turmdachwerk vom Mittel- alter bis zur Barockzeit, dargestellt an Landkirchen aus dem Lahngebiet" der Technischen Hochschule in Karlsruhe oorgelegt wurde; die Untersuchung liefert einen schätzenswerten Beitrag zur Geschichte deut­scher Zimmermannskunst und befaßt sich mit der Entwicklung und stilmäßigen Ausgestaltung der Turmhelme an Landkirchen im Lahngebiet und in der Wetterau. Das bearbeitete Gebiet ist auf einer ausgehängten Ortskarte übersichtlich abgegrenzt.

Die Linie führt in großem Zuge von den frühen gotischen Formen über die Renaissance zum Barock und dessen Ausläufern; sie ist hier an ausgewählten, charakteristischen Beispielen markiert und fügt sich einer größeren kunstgeschichtlichen Entwicklung sehr reizvoll ein. Den Ausgangspunkt bildet das roma* nisch-frühgotische Zimmerwerk (um 1250) in ein­fachen und gradlinigen Helmformen, wie sie etwa die Türme von Caldern (Kreis Marburg) und Kirch-

Silier und Straßer im Wahlkampf in Oldenburg.

Oldenburg, 22. Mai. (TU.) Am Sonntag sprach Mols Hitler im Oldeirburger Wahl- kampf auf dem Flugplatz Ohmstede. Etwa 30 000 bis 40 000 Menschen hatten sich eingefunden, um den nationalsozialistischen Führer zu hören. Zu­nächst erklärte Gregor Straßer u. a.: Brüning habe gesagt, er sei hundert Meter vor dem Ziel und das Ziel sei die Konferenz von Lausanne. Es sei aber wenig wahrscheinlich, daß dort eine Entscheidung fallen werde, zumal, wenn man bedenke, daß die Regierung nicht mehr das Vertrauen des deutschen Volkes besitze. Freiheit, Selbstbehauptung, nationale Ehre und Lösung des Sozialproblems seien die Grund­pfeiler des nationalsozialistischen Bekenntnisses. Das Hauptproblem sei die Arbeitsbeschaf­fung für sechs Millionen, das nicht zu lösen sei ohne das Führerproblem. Die Regierung habe das Vertrauen verloren und müsse abtreten. Die Rationalsozialisten beanspruchten das Recht auf Führung, weil sie zum erstenmal seit zwölf Jahren prachtvolle Energien und neue Ideen herauskristallisiert hätten, weiter, weil ihre Beurteilung der politischen Lage stets richtig, die der anderen aber falsch gewesen sei. Sobald das Führungsproblem gelöst sei, gelte cs, an die Fragen heranzugehen, die durch die schweren Wunden der Tribute, die Arbeits­losigkeit von sechs Millionen hervor- gerufen seien. Die liberalistisch-kapitalistische Welt habe dabei versagt und große Wirtschaftsfüh­rer hätten zugelassen, daß die Schlote nicht mehr rauchen, und die Bankführer hätten überhohe Zinsen genommen für die Vermittlung von Kre­diten, um sich schließlich aus den Steuergroschen der anderen sanieren zu lassen. Der Redner ent­wickelte dann in großen Zügen die Gedanken und Forderungen der Arbeitsbeschaffung und der Ar­beitsdienstpflicht, wie sie aus seiner Reichstags­rede bekannt sind. Es müsse nicht heißen:Kapital schafft Arbeit, sondern Arbeit schafft Kap i- t a l". Erst wenn es gelinge, die Erwerbslosen wieder in den Produktionsprozeß einzugliedern, werde das Problem der politischen Führung und des Vertrauens gelöst sein. Versailles sei auf der Grundlage von 1918 geschaffen. 3n dem Augenblick, wo sich die Grundlagen im neuen1

nach achtmonatiger Gefangenschaft, während er schon zum Tode verurteilt war, ent­fliehen können.

Gegen Abwanderung deutscherBeiriebeinsAusland

Berlin. 21. Mai. <WTB. Amtlich.) Die Tatsache, daß in der letzten Zeit verschiedentlich inländische Firmen entweder unter Still­legung ihres Betriebes in Deutschland nach dem Ausland abgewandert sind oder einen Teil der Produktion dorthin verlegt haben, hat das Reichswirtschafts­ministerium neuerdings zu besonderen Maß­nahmen veranlaßt. Da im Zusammenhang mit der Gründung einer Produktionsstätte im Aus­land regelmäßig Zahlungsmittel ins Ausland versandt, ausländische Gut­haben verwendet, Wertpapiere erworben oder Sacheinlagen eingebracht werden, ist bei der Durchführung solcher Betriebsverlegungen nach den Devisenbestimmungen eine besondere Ge­nehmigung erforderlich. Der Reichswirtschafts­minister hat nunmehr angeordnct. daß Anträge auf Erteilung solcher Genehmigungen künftighin ihm selbst zur Entscheidung vorzu­legen sind. Ferner werden die Devisenbewirt­schaftungsstellen in Fällen, in denen bekannt geworden ist. daß eine inländische Firma eine Riederlassung im Ausland gegründet hat. als­bald festzustellen, ob die Firma aus Anlaß dieser Gründung gegen die Devisenbestimmungen verstoßen hat.

Einspruch des Deutschen Beamten­bundes gegen eine Sonderbelastung.

Berlin, 22. Mai. (ERB.) Gegen eine Son- derbelastüng der Beamten im Rahmen der B e s ch ä f t i g t e n ftc ue r hat Der Deutsche Be­amtenbund beim Reichskanzler durch ein Tele­gramm Einspruch erhoben, in dem es heißt: Wie

Deutschland änderten, werde sich auch der Ver­sailler Vertrag ändern.

Adolf Hitler

erklärte sodann u. a.: Wenn die Rationalsozialisten sich anmahten, die heutigen schweren Probleme in Deutschland lösen und das deutsche Leben an­kurbeln zu können, so könne man fragen, woher sie denn das Recht dazu herleiteten. Das bis­herige Deutschland habe wenig von dem,, was die RSDAP. aufzuweisen habe: den fanatischen Glauben, die Hoffnung und die trotzige Selbstbe­hauptung. Heute ständen sich zwei Ideen ge­genüber: eine materielle und eine geistige, die Idee des Sozialismus und die Idee des Ratio­nalismus. Beiden hätten sich Millionen verschrie­ben. Beide Ideen könnten nicht innerhalb eines Volkes neben ei nanber be­stehen.

Es gehe darum, sich entweder zu einer von beiden zu bekennen, oder sie miteinander zu verschmelzen. Dies Letztere sei die Ausgabe gewesen, die er sich bei der Gründung der Par­tei gestellt und die zu einem großen Er­folg geführt habe. Rach der Revolution habe er den Entschluß gefaßt, die widerstandsfähigen Kräfte des Volkes 'aufzurufen und beide Gedanken dem Volk einzugeben, um es vom Abgrund fort- zureißen. Daß diese Gedanken richtig seien, be­weise die ungeheuere Entwicklung der Bewegung. Richt die vielen Mandate seien das Wichtigste, sondern daß Millionen von Deutschen einen neuen Lebensinhalt, neuen Gedanken, eine unbändige Zuversicht und einen unbändigen Glauben erhalten hätten. Menschen aus allen Ständen seien- in der großen Bewegung vereint, das sei die Voraus­setzung für die neue Größe der Ratipn. Die Be­wegung werde die Kraft finden, durchzu­halten bis zum Siege. Die Rationalsozia­listen kämpften nicht um Mandate oder Minister- sihe, daher hätten sie sich auch nicht sofort nach der Wahl in eine Koalition gestürzt, denn sie hätten nicht den Kampf geführt, um einen Ministerstuhl zu bekommen, sondern Deutschland. Einmal werde oer Tag kommen, an dem jeder sich zum Rational­sozialismus bekennen werde. Die Zeit werde ver­gehen, aber die Bewegung werde bleiben!

zuverlässig verlautet, soll die Beamtenschaft i n Die Freigrenze f ü r die Beschäftig­tensteuer nicht einbezogen werden. Un­ter Hinweis auf den unsozialen Charakter, einer solchen Maßnahme erheben wir schärfsten Ein­spruch gegen jede Sonderbelastung und ersuchen erneut um eine Rücksprache vor der Entschei­dung des Reichskabinetts.

Oer Deutsche Landgemeindetag zu der Äot der Gemeinden.

Weimar, 21. Mai. (TU.) Der Gesamtvorstand des Deutschen Landgemeindetages nahm eine Ent­schließung an, die auf die große Not der Gemeinden und Gemeindeverbände hinweist. Darin wird die Beseitigung der ungerechten Dreitei­lung in der Arbeitslosenfürsorge in Versicherte, Unterstützte und Wohlfahrtserwerbslose gefordert, an deren Stelle eine allgemeine Erwerbs­losenfürsorge zu treten hat, mit deren Durch­führung die Gemeinden beauftragt werden. Da den Erwerbslosen nur.durch Arbeit geholfen werden kann, müsse die Reichsregierung alle Vor­kehrungen treffen, ein großzügiges Arbeits beschaffungs Programm zu ermöglichen. Dazu scheine die geplante Prämienanleihe jedoch nicht ausreichend. Die Reichsregie­rung müsse endlich dafür Sorge tragen, daß die Finanznot der Gemeinden und Gemeindeverbände beendet, die gemeindliche Steuerkraft durch Belebung der Wirtschaft wieder­her g e st e l l t werde.

Deutschnationale und Stahlhelm.

Berlin, 21. Mai. Zu den Erklärungen auf der Führertagung des Stahlhelms nehmen die Mitteilun­gen der DNVP. wie folgt Stellung:Die letzte Num­mer derStahlhelmzeitung" vom 15. Mai steht unter dem Titel:Der klare Kurs des Stahlhelm: lieber den Parteie n." Sie bringt, über die Magde­burger Führertagung berichtend, eine Reihe von Ausführungen, die alle diejenigen, die bisher gleichzeitig in der Deutschnationalen Partei,

göns ausweisen. Hessisches Quirlgebälk, eine sehr eigenartige und wohl landschaftlich begrenzte Holz konstruktionsform, aus dem 14. Iahrhundet findet man im. Turm der Kirche aus dem Christenberge bei Marburg. Interessant ist der Ausbau der An­lage zu Wehrtürmen (Niederzwehren bei Kassel; Bürgeln). Gelegentlich finden sich sogar Schieß­scharten und Pechnasen (Mardorf bei Marburg). Schöne gotische Formen zeigen 'z. B. die Türme und Dachreiter von Stausebach und Klein-Seelheim in Hessen. Die Renaissance (hier etwa 1500 bis 1600) bringt die charakteristische konstruktive Auf­lösung in mehrere Geschosse, wie das z. B. am Längsschnitt der Kirche in Leun (Kreis Wetzlar) zu beobachten ist. Renaissancekuppeln sind in maleri­schen Exemplaren vertreten. Das Barock und die Folgezeit (etwa 1600 bis 1800) führt im Laufe dieser Entwicklung zur Ausbildung der einfachen und mehrgeschossigen, in verschiedenen Konstruk­tionsformen durchgebildeten sog.welschen Hauben". Charakteristische Belege aus unserer nahen und nächsten Umgebung bieten z. B. Oberndorf bei Wetzlar, Amöneburg, Lang-Göns und Leihgestern. Den Abschluß der hier vorgesührten Entwicklungs­reihe bilden Konstruktionsformen des späten acht­zehnten Jahrhunderts, wie sie etwa am Dachreiter der Kirche zu Roßdorf bei Marburg zu bemerken sind.

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Den hessischen Heimatfreunden und Kunstlieb­habern sei der Besuch der vielfach anregenden Aus­stellung (Sonntags 11 bis 13, Mittwoch, Freitags 15 bis 17 Uhr) empfohlen. . hth.

Der junge Goethe.

Der zweite Tag des vom Stadttheater gemein- fam mit dem Goethe-Bund veranstalteten Kam- merspiel-Zyklus brachte unter dein MottoDer junge Goethe" eine Wiederholung der von uns bereits besprochenen Morgenfeier, die zunächst als geschlossene Schülervorstellung gegeben wor­den war. In die Reihe der Mitwirkenden war diesmal der Gießener Orchesterverein getreten, der unter der feinsinnigen Leitung seines Diri­genten, Universitätsmusikdirektors Dr. Stefan Temesvary die Veranstaltung mit dem ersten Satz der ks-Dur-Symphonie von Haydn festlich eintet tote und außerdem als Auftakt zum zweiten

Teil des Programms die ..Egmont"-Ouvertüre von Beethoven vortrefflich zu Gehör brachte. Intendant Dr. P rasch rezitierte diesmal an Stelle der Gedichte Goethes Fragment über die Ratur. Den Abschluß der Morgenfeier bildete wiederum die Aufführung des ..Prometheus" unter der Spielleitung von Wolfgang Kühne mit Hauer in der Titelrolle.

Die älteste Zeitung.

Die außerordentliche Bedeutung, die die Zei­tung in unfern Tagen errungen hat, ließ auch eine neue Wissenschaft entstehen, die sich mit der Entstehung und Entwicklung dieser modernen Großmacht beschäftigt. So ist die Frage nach der Herkunft der Zeitung in letzter Zeit öfters behan­delt worden, und man hat darüber gestritten, welches wohl die älteste Zeitung war. Daß dieser Urahne der heutigen Presse in Deutschland zu suchen ist, darüber besteht kein Zweifel. Aber wann waren bei einer Veröffentlichung zum ersten Male die Wesensmerkmale vereinigt, die den Begriff der Zeitung ausmachen, nämlich die des regelmäßigen Erscheinens, der allgemeinen Oeffentlichkeit und der Behandlung aktueller Fra­gen? Die Antwort hat nun Dr. Walter Heide in seinem WerkDie älteste gedruckte Zeitung" gegeben über das Prof. Kapp in derDeut­schen Literaturzeitung" berichtet. Bevor die ge­druckte Zeitung in unferm Sinne ins Leben trat, gab es viele Vorläufer, die das wachsende Be­dürfnis zu befriedigen suchten, so die Kauf­mannsbriefe, in denen die Vertreter großer Ge­schäfte in den verschiedenen Ländern Reuigkeiten mitteilten, die fliegenden Blätter, die sensationelle Ereignisse verbreiteten, die Briefzeitungen, Meß- relationen usw. Aber ihnen allen fehlte das eine ober andere Merkmal, das sie zu einer richtigen Zeitung gemacht hätte, und so kann man während des ganzen 16. Jahrhunderts nur von zeitungs­ähnlichen Erscheinungen sprechen. Am ehesten wird der Zeitungsbegriff noch erfüllt in den Briefzeitungen, in denen von berufsmäßigen Journalisten, den sog.Zei-kungern" oberRv- vellanten" Rachrichten zusammengestellt und in handschriftlichen Abschriften an Interessenten ver­kauft wurden. Rach der Einrichtung der all-

wie im Stahlhelm gearbeitet haben, nur mft Bee dauern lesen werden. Wir versagen es uns, näher darauf einzugehen. Der teilweise recht eigenartigen und gewaltsamen Absetzung von der harten und undankbaren Arbeit der Parteien, die alsver­laustes Gebiet" bezeichnet wird,in dem jeder, der darin Stellung bezieht, mehr oder weni­ger mitverlaus e", und den Beteuerungen, daß der Stahlhelm allen Parteien kiihlbisans Herz hinan gegenüberstehe, widersprechen zahl­reiche Aeußerungen prominenter Stahlhelmführer. So wurde noch vor kurzem der DNVP. erklärt: Wir werden uns bemühen, die ganze Kraft und Geschlossenheit unseres Bundes für unser ge­meinsames großes Ziel zum Einsatz zu bringen und in enger Verbundenheit mit der DNVP. den Sieg zu erkämpfen." Solche Aeußerungen dürften weder mit den jetzt in der Stahlhelmzeitung" vertretenen Parolen, noch mit dem BegriffKlarer Kurs" irgendwie in Ein­klang zu bringen sein!

Meine politische Nachrichten.

Der Wahlkreisvorstand der Deutschen Volkspartei in Hessen trat am Samstag in Frankfurt a. M. zusammen, um -zünden kom­menden Landtagswahlen Stellung zu^nehmen. Er bekannte sich zu einer bürgerlichen S a m m lu n g s p ol i t i k auf breitester Grundlage und billigte die bereits in dieser Hinsicht im Gange befindlichen und weiterzufüh- renden Verhandlungen.

Der Reichskanzler empfing den Prinzen Feissal von Hedschas und Nedschd, Vizekönig von Mekka, zur Entgegennahme des an den Herrn Reichs- Präsidenten gerichteten Handschreibens sei­nes Vaters, des Königs Ibn Saud. Der Prinz war von dem Unterstaatssekretär für auswärtige An­gelegenheiten, Exzellenz Fuad Hamsa begleitet. An dem Empfang nahmen der Ches des Protokolls Graf T a t t e n b a ch sowie der stellvertretende Leiter der Orientabteilung des Auswärtigen Amts, Gesandter Prüfer, teil.

In der Samstagsihung des Anhaltischen Landtags wurde der Regierungsrat a. D. Freyberg aus Quedlinburg z u m Minister­präsidenten und Ministerpräsident a. D. Dr. Knorr- Dessau zum S t a a t s m i n i st e r ge­wählt. Freyberg ist Rationalsozialist, Dr. Knorr Deutschnationaler. ,

Die deutschen Robelpreisträger für Chemie. Prof. Bosch und Generaldirektor De r gi u s, hielten in der Technischen Hochschule von Stock­holm ihre Robelvorlesungen. Studen­ten und Professoren der Hochschule und viele andere prominente Wissenschaftler waren an­wesend. Pros. Bosch schilderte seine Arbeiten über Ammoniak-Synthesen, und Prof. Bergius berich­tete über seine erfolgreichen Bemühungen, Oel und flüssige Brennstoffe aus Kohle zu gewinnen.

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Der ehemalige Reichsaußenminister Dr. C u r - tius ist in Moskau eingetroffen. Er wurde von dem deutschen Botschafter v. Dirksen und von Beauftragten der Sowjetregierung empfan­gen. Am Montag sind Empfänge bei Litwinow und Krestinski vorgesehen. Die Reise Curtius' trägt keinen politischen Charakter.

Der litauische Untersuchungsrichter hat angeordnet', daß der Reichsdeutsche Beckers gegen Stellung von 3000 Lit Kaution bis zum Beginn des Pro­zesses auf freien Fuß zu setzen sei. Beckers hat sich jedoch verpflichten müssen, Litauen bis zum Verhandlungsbeginn nicht zu verlassen.

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In der Domkirche zu LI p s a l a fand am Sonn­tag die feierliche Einweisung des neuen Erzbischofs von Schweden, Erling Eidern, statt, des Rachfolgers von Erzbischof Rathan Söderblom. K öm i g Gustaf und alle Mitglieder des königlichen Hauses sowie die Regierung nahmen in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche an der Feier teil. Unter den ausländischen Gästen befand sich als Vertre­ter der evangelischen Kirche Deutschlands der Bischof von Holstein, Mordhorst.

wöchentlichen Postkurse drängte sich die Heraus­gabe dieser Rachrichten in regelmäßigen Zeit­folgen auf, und daher wurden die Post und Botenmeister für diese ersten periodisch erschei­nendenZeitungen" so wichtig. Aber die all­gemeine Oeffentlichkeit- war noch immer aus­geschlossen, bis man zu Anfang des 17. Jahr­hunderts daran ging, die regelmäßig erscheinen­den, bis dahin handschriftlich hergestellten Drief- zeitungen zu drucken. Von diesen ältesten gedruck­ten Zeitungen streiten sich zwei um den Ruhm, die frühste erhaltene Zeitung zu sein. Das sind die Wochenzeitung des Johann Carolus in Straß­burg, von der ein vollständiger Jahrgang von 1609 in der Heidelberger Universitätsbibliothek erhalten ist und die ebenfalls aus dem Jahre 1609 stammende WochenzeitungAvisa", die keine Angaben über den Druckort und Herausgeber enthält, aber wahrscheinlich in Augsburg erschien und sich auf der Provinzialbibliothek in Han­nover befindet. Das Straßburger Blatt wird durch ein langes Vorwort eingeleitet, in dem der Verleger sagt, daß die Ausfertigung derOrdi- narij avisanun etlich Jahr geschehen". Man nimmt nun an, daß diese Worte nicht den Sinn haben können, als ob die Zeitung schon vor 1609 erschienen ist, sondern daß damit nur die Um­stellung vom geschriebenen zum gedruckten Blatt angedeutet wird. Die Straßburger Zeitung wäre also danach zum erstenmal 1609 gedruckt worden. Da der Jahrgang von 1609 des Augsburger Blattes ohne jede Vorrede herausgegeben wird, so schließt man daraus, daß sie schon vor 1609 erschienen ist; sie würde also dann die älteste gedruckte Zeitung darstellen. Wie umfassend der Rachrichtendienst dieser ältesten Zeitungen be­reits war, geht daraus hervor, daß die Straß­burger aus 17 Städten Europas von 355 Korre­spondenten versorgt wurde und die Augsburger aus 22 Orten 379 Rachrichtenbriefe brachte. Es sind nur einfache Tatsachenmeldungen, die auf eine hohe Zuverlässigkeit und Glaubwürdig­keit Anspruch machen können. Der geschichtlichen Bedeutung entsprechend spielen die Meldungen aus Wien und aus Prag die Hauptrolle; sie sind in ihrer Mehrheit politisch-religiösen Inhaltes, der damals am meisten interessierte, und stellen nicht zu unterschätzende historische Quellen bau.