WlMltkNMWMl
Vornan von 3- Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag D. Meister, Werdau.
35. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Gott, wie das schön war, einmal so ohne alle Pflicht in die Welt fahren zu können! Früher hatte sie dos gar nicht so empfunden! Da war jeder Lag ein Nichtstun gewesen. Jetzt aber fühlte sie es als eine Art Belohnung, so unbeschwert von jeder Verantwortung durch den Herbsttag kutschieren zu dürfen.
Lind es ging immer durch eigenen Wold, der nur über ihr sein Geäst zusammenschlug. Es war eigener Boden, über welchen die Hufe des Pferdes dahinflogen. Wonnesam war's, auf dem mit Tannennadeln bestreuten Wege vom Gezweig gestreichelt äu werden, das ihr um Schultern und Wangen koste.
„Ich bin doch sehr, sehr glücklich!" meinte sie und sah mit verträumten Augen in die Runde.
„Na, ich will's glauben!" stimmte Dettermann zu und blickte sie etwas von der Seite an. Ihren Worten war nämlich ein tiefer Seufzer gefolgt, der dieselben ordentlich abgeschwächt hatte. Aber man durfte beileibe nicht die Meinung aufkommen lassen, als hätte man an diesem Seufzer etwas gefunden.
„Dettermannchen, schau doch!" Das Gefährt stand jetzt auf dem Scheitel der Anhöhe und man sah die kleine Stadt unter sich, die im Schein der Nachmittagssonne hingebettet lag.
Er nahm ihr die -Zügel aus den Händen, weil sie ihr willenlos entglitten waren und betrachtete mit ihr das Bild. Sein altes Herz klopfte im Takt der Erinnerung. Seine Augen waren noch wie die eines Falken und sahen ungemein scharf.
Lieber einem großen freien Platz hoben sich graue Zeltdächer. Ein hohes, mit buntem Flitter und lustigen Fähnchen verziertes Rad drehte sich in der flimmernden Helle. Türme reckten sich hoch. Verlorene Klänge von Musik, Jauchzen und Schreien drangen herauf. Die Wagen der Schau» budenbesiher nahmen sich wie gelbe und grüne Flecke aus, in deren Mitte leuchtende Spiegel tanzten. Es war die Sonne, die sich in deren Fenstern brach.
Im Städtchen war Jahrmarkt, der einzige während der langen, vergnügungsarmen zwölf Monate. Da wußte man solch ein Ereignis zu schätzen und es gebührend auszukosten, daß jeder auf seine Rechnung kam.
Dettermann lenkte nun das Gefährt selbst. Er hielt die Zügel straff und setzte die Bremse ein. daß der Gaul den Berg hinab nicht in die Knie glitt.
Je näher man dem Platz kam. desto stärker brausten die Töne auf. Das schrie und jodelte, quietschte und bellte, läutete und klingelte, Fanfaren schmetterten in die Luft und wurden von dem Murren durchschnitten, das von den Raubtierkäfigen kam. Das ganze Städtchen, einschließlich der Bevölkerung von zehn Kilometer Um» kreis, war auf den Beinen, und deren Lachen, Sprechen und Schreien erfüllte den weiten Platz mit einem Gesumme, daß man des Glaubens war, man sei mitten in ein schwärmendes Immen» Volk geraten.
„Wollen Sie nicht gleich hier absteigen, Fräulein Suse?" riet Dettermann, als man jetzt dicht an dem Trubel vorüberfuhr. „Ich bring den Gaul in die „Eiserne Rose", daß er ein bißchen Hafer und was zu Trinken kriegt, dann komm ich auch!"
„Aber sicher, Dettermannchen! So allein macht es mir kein Vergnügen!"
„Totsicher!" versprach er.
„Wir müssen vereinbaren, wo tpir uns treffen, sonst finden wir uns hernach nicht.1" mahnte sie, und stand schon im Staub der Straße, den der herrschende Westwind in dicken Wolken aufwirbelte.
Er dachte einen Augenblick nach. „Der Jung» knecht hat gesagt, es wäre die „schönste Frau der Welt" zu sehen! — — Wo Die gezeigt wird, da treffen wir uns!"
„Dettermannchen?" drohte Suse.
Er mußte selber lachen. „So was sieht man immer gern", beharrte er. „Also, wenn Sie mal so alle halbe Stunde dorthin schauen, finden wir uns schon."
Sie nickte und er fuhr mit der Peitsche leicht über den Rücken des Pferdes. Dann hatte Suse ihn auch schon aus den Augen verloren. Beinahe bereute sie es, hergefahren zu sein. Das Lärmen war so ohrenbetäubend, und auf die Stille zu Hause wirkte es wie ein Negerfest im Dusch.
„Hier sehen Sie, meine verehrten Herrschaften, das größte Wahrsagegenie der Welt! — Vom Zaren von Rußland selbst noch empfangen und mit Diamanten beschenkt! — Kommen Sie etwas näher, meine Damen! — Ditte, meine Herren! Das müssen Sie selbst erfahren! Das müssen Sie erprobt haben. Das---"
Suse flüchtete aus dem Bannkreis der durchdringenden Stimme des Ausschreiers zu dem Karussell, in welchem die kleinsten Pferdchen der Welt kreisten. Die Menge drängte, stieß, war sich gegenseitig im Wege, ließ sich schieben, stoßen und drücken und hatte für alles ein Lachen und eine glückstrahlende Miene.
Aus den Duden, wo Bier verzapft wurde, kam das Dröhnen der Musik und die Lieder der angeheiterten Marktbesucher. Es stampfte, schrie und lachte in allen Skalen gegen die weihrotgestreiften Zeltwände.
Lind wieder bereute Suse, hierhergekommen zu sein. Man war nichts mehr gewohnt! Gar nichts mehr! Wie weh der Lärm dem Öhr tat, das nur mehr für Stille empfänglich war.
Sie hörte eine Glocke in das Kreischen und Trompeten bimmeln und ging dem Klang nach. Menschen drängten sich um eine große Hütte, in welcher hunderte von Gegenständen zur Schau gestellt waren. „Glückshafen", las sie auf dem mächtigen Schild des Einganges.
Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht. Sollte sie? — Was lag daran, auch wenn sie leer ausgingI
Links und rechts stand eine lange Reihe, die von beiden Seiten kommend, ihre Hände in die mächtige ilrne streckten, in welcher die Lose verborgen waren. Sie hob den Arm und griff mit zaghaften Fingern hinein, sah auf und erblaßte. Neben ihr stand Malnow und hielt ebenfalls eine Anzahl blauer und gelber Röllchen in der leichtgeballten Rechten. Als er nach dem Hut griff, um zu grüßen, entfielen ihm dieselben und lagen nun zu ihrer beiden Füßen.
Sie bückten sich fast gleichzeitig. Ihre Hände berührten sich. „Verzeihung", stammelte sie, als ihr weiter Hut unsanft in sein Gesicht streifte.
„Bemühen Sie sich nicht, gnädiges Fräulein!" dankte Dieter. „Es ist wirklich nicht wert, daß Sie sich um die Dinger die Hand beschmutzen."
Dann drängte die Menge sie auseinander. Ihr* war so schwach, daß sie sich an den Pfosten eines Limonadenzeltes lehnen muhte. Mit zitternden Händen riß sie die Röllchen auf. „Nichts!" Aus jedem derselben grinste ihr ein lachender Clown, das Zeichen einer Niete, entgegen.
Dann vernahm sie ein lautes, anhaltendes Schellen, das einen Gewinn verkündete. Mit halb- geschlossenen Augen blickte sie nach der Hütte hinüber und sah Malnow, wie er eben mit lachendem Gesicht einen riesigen Teddybären in Empfang nahm. Er preßte das struppige Spielzeug zärtlich in den Arm und verschwand in Dem Trubel.
Sie muhte sich mit dem Taschentuch erst die Tropfen von der Stirn wischen, ehe sie weiterzugehen vermochte. Sie hatte nicht im geringsten mit der Möglichkeit gerechnet, ihn hier zu treffen. Nun war ihr der ganze Nachmittag verdorben. Alle Lust an dem Treiben war ihr vergällt. Sie konnte jetzt an nichts anderes mehr denken, als an ihn.
Ihr impulsivster Wunsch war, Dettermann zu suchen und nach Hause zu fahren. Dann überwog das Verlangen, Malnow noch einmal zu sehen, alles andere. Vielleicht war er auch dorthin gegangen, wo es die „schönste Frau der Welt" zu schauen gab. Aber er stand nicht dort. Von Bude zu Bude zog sie, immer von dem geheimen Hoffen erfüllt, ihn bei der einen oder anderen ,
zu finden. Vielleicht war das Glück ihr günstig. Aber nirgends bekam sie ihn zu Gesicht.
Ihr Kopf war ein einziger dröhnender Wirbel. Möglich, daß sie auf dem Riesenrad, von wo aus man die große Fläche übersehen konnte, fein Gesicht noch.einmal erspähte. Es kostete sie eine fürchterliche Lleberwindung, in eine der Gondeln zu steigen und sich in die Höhe winden zu lassen. Sie fühlte ein Liebelfein, das an Brechreiz grenzte. „Du — nur Du!“ spielte die etwas ausgeleierte Karussellorgel, während ihre Hände unbewußt hilfesuchend nach denen des Mädchens griffen, das ihr mit strahlenden Augen und fliegenden Locken gegenüberfaß.
„Sie müssen sich nicht graueln!“ lachte eine helle Glockenstimme. „Es ist doch wundervoll! Nehmen Sie auch meine andere Hand und halten , sich an mir fest! — Ist es denn nicht herrlich?"
Suse wußte nicht, wie ihr geschah! Sie klammerte sich an die weichen Finger und hielt die Augen geschlossen, riß sie aber plötzlich schreckhast auf, als die Stimme neben ihr mit einem Jauchzen in die Menge hinabrief:
„Dieter!--Diiiieter!--Hallo, Sieter»
chen!"
Suses falte Hände gaben die jungen, lebens» warmen frei. Das Kino winkte jetzt mit jubelnder Geste zu dem Mann hinab, der mit dem Teddy» Bären im Arm zu ihnen heraufsah.
Ihr Blick streifte das Gesichtchen gegenüber. Das fürchterliche Llebelsein, welches' sie- gepackt hatte, war schuld daran, daß sie erst jetzt ge» wahrte, wie sich die beiden ähnlich waren. Daß sie ihn Dieter nannte, war selbstverständlich. Cs war ihm Wohl peinlich, sich Vater rufen zu hören. Eigentlich empfand sie etwas Zorn gegen ihn. Das war feige!
Die Tränen stürzten ihr plötzlich aus den Augen. Dazu dieses fürchterliche Gefühl des Schwebens. Dann verlangsamte sich dieDewegung. Irgend etwas an den Schrauben mußte wohl nicht in Ordnung sein, denn sie vernahm ein Hämmern und dann hingen sie wohl fünf Minuten zwischen Himmel und Erde. Lind unten stand „er“ und sah unverwandt zu ihr herauf.
Nahmen diese Minuten kein Ende mehr? Immer wieder riß sich ihr Blick von ihm los und kehrte in der nächsten Sekunde wieder zu ihm zurück. Sie befand sich wie unter einer Hypnose.
„Ist es nun besser?" fragte daS Kind und streichelte ihre eisigen Hände, die regungslos im Schoße ruhten. „Nehmen Sie ein bißchen von meiner Schokolade. Dann wird es sicher gut! — — Ditte!" — Die Kleine hielt ihr eine Tafel Milchschokolade entgegen und nickte ermunternd, als Suse zaghaft davon her^nterbrach und den Würfel zwischen die Zähne schob.
(Schluß folgt.)
Bettstellen "ssr?-« c. Rohr* c<>.
fBad Leiters
Statt cTCarten/
SJfjve °Uerlo6ung ge6en Gebannt
das zeitgemäße Bad
heilt
Leber, Galle, Magen,Darm, Gicht,Rheuma
ERÖFFNUNG AM 1. MAI 1932
SttavGurger Str. 24
2)ammstraße 45
gießen, den 23. Stpril 1932
02545
Statt Karten!
Ihre Vermählung geben bekannt
Gießen, den 23. April 1932
Kokosstricke; Edel-Ratfiabast; Baumwachs usw.
3212 A
Verlangen Sie kostenlos illustrierten Hauptkatalog
Nationalsozialislisclie falsche Arbeiterpartei
31100
iefien im »Caf£ Leib« ein
1. Wen-
whiä Tapeten
Zirka 17 000 Rollen
DEUTSCHER ABEND
02567
statt.
WII IE SIE OK
3225 D
bei Gastwirt Wilh. Dorfeld.
3Ylia Scfjmitt ZKarl 'Wellfjöfer
Reste in allen Rollcnzablen von 15 Pf• an
Tapefenhans
Nennstiel
Jetzt Goethestraße 7 neben der Handels- u. Ojciöerbcbnnf.1,2876
Unkostenbeitrag 30 Pf, Erwerbslose und Kriegsbeschädigte 10 Pf
NSDAP. / ORTSGRUPPE GIESSEN
Kurt Thon Erna Thon, geb. Größer
Stark herabgesetzte Preise, insbesondere für die beliebten Pauschalkuren. Das Kurhaus steht unter neuer Leitung eines erstklassigen Hotel- und insbesondere Küchenfachmannes. Beste Verpflegung, Diätküche, Prospekte durch die Kurverwaltung Bad Selters (Oberhessen). Anmeldungen frühzeitig erbeten 29’10 D
Sonntag, den 24. April, abends 8.30 Uhr, findet in G:
Redner: Pg. Dr. Blank — Pg. H. Bartholomäus
Unterhaltung-Musik
öttWenetlntneffion am 24. April 1932 itt dev Volksballe Beginn: nachm. 4 Uhr
Elnttittsor.:50vs, Schüler u.Mellsivse 20 Vs.
Ausgeführt von dem Musikkorps des 1. (Hess.) Gren.-Batls. Int-Regts. 15 Leitg.: Obermusikmeister E. Krauße Anfang 4V4 nachm. Eintritt 50 Pf.
„Vurg Staufenberg." Sonntag, den 24.Avril, nachm. z'/, Hbr, findet int großen Saale der Burg ein ^omevt
statt, ausaefützrt von einer erstkl. Musik- kavelle.Gcsangseinlagcn unter Mitwirkung des Gesangv. Staufenberg und dessen Fraueuchöre. — (Eintritt 40 Pf. Anschließend Tanzkränzchen.
Freunde von Gesang und Musik sind freundlichst eingeladen. 318,d
Morgen Sonntag
TAX'N
Samenhaus Heinrich Hahn
Bahnhofstraße / Ecke Wolkengasse Telephon 3403
empfiehlt in bekannter, zuverlässiger Qualität zu zeitgemäßen Preisen
alle Blumen-, Gemüse- und landwirtschaftliche Sämereien;
Blumenknollen verschiedener Art; Dahlien aller Klassen;
Saatkartptfeln; Düngemittel; Gartenwerkzeuge; Rosenpfähle;
Züchte r-H
das bcroäbrte Kraft- Futtermittel füralle Tiere zu baben im Vogelhaus
K. Hüncrmund, Wolkengasse. 5175 V
......... 02540.....
Philosäphenwäld
Am SONNTAG, dem 24. April 1932
Großes Militär-Konzert
Volkshochschule Dun Hursveraeichnie ist erschienen und in allen Buchhandlungen und auf der Geschäftsstelle Wolfstr. 20 p. cEing. Kaiserallee) kostenlos erhall lieh.
Patentierte eiserne 3190A waschvkSble per Stück RM. 6.— empfiehlt
Edgar Sorrmann, Stsenhandlung
Verkaufsabteilnng Süddeutschland: Frankfurt am Main, Goethestraße 34 12555
PUR ERSTIINGSKUKEN; .
HAGUT-KUkENFUTTERFEIN- KÖRMIG UND IM MEHLFORM- , FÜR3UMGHEMNEN:_____
NAGUT-KÜKENFUTTERGROB
. KÖRNIG U.NACUT-3UNGHEN- NENFUTTER IN MEklFODM ■
«'WV
X*
'Von/ :
Tanz-Turnier
Samstag, den 30. April, abends 8 Uhr, im Saale des „Gesellschaftsvereins“ (Klub), Sonnenstraße
Austragung der
Meisterschaft des Maingaues
Sonder-A-Klasse, B-Klasse, C-Klasse Turnierleitung Herr A. P. Hartmann- Emersen. In den Turnierpausen und nach dem Turnier Ball Gäste willkommen!
Klasse für Gästepaare
Meldungen hierfür an Herrn Theo
Bäulke, Gießen, Wolfstraße Nr. 31
Eintritt im Vorverkauf.....RM. 1.80
Abendkasse.................RM.2.30
Vorverk.: Hapag-Reisebüro, Seltersweg 89 u. Ernst Challier, Neuenweg
TANZKLUB „ROT-WEISS“ E.V., GIESSEN
31850
Männer- u. Frauenvereinigung derMatthäusgemeinde, Giefeen Zu der am Dienstag, 26. April 1932. abends um 87« Uhr, im Gemeindesaal, Kirchstraßc 9, statttindenden 3167D
Hauptversammlung
werden alle Mitglieder freundlichst eingeladen.
Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Verhältnis von Männer- una Frauenvereini^ung zur „Hilfe im Sterbefair, 3. Rechnungsablage, 4. A oranschlag für 1932, 5. Vorstandswahl, 6. Verschiedenes.Der Vorstand»
Famitien-Drucksachen Verlobungsanzelgen . Ä Vermählungsanzeigen
bei Brühl, Schulstraße Geburtsanzeigen


