Damit ohne weiteres für Die Dauer seiner Abwesenheit Das Recht, Die notwendigen Erziehungsmaßnahmen zu ergreifen und damit auch das Recht einer im Einzelfall angemessenen Züchtigung. Für den Stiefvater wird dieser Gesichtspunkt zwar weniger in Frage kommen. Es ist hier aber zu beachten, daß die leibliche Mutter, insbesondere in den Fällen, in denen es sich um schwer erziehbare Kinder handelt, den Stiefvater mit seiner in dem gemeinschaftlichen Familienleben wurzelnden stärkeren Autorität zur Unterstützung in der Erziehung heranziehen wird. Der Stiefvater handelt Dann — gegebenenfalls im stillschweigenden — Auftrag der Mutter.
| Zum Schluß sei kurz noch erwähnt, daß zu * der Erziehung nicht die Sorge für den Unterhalt des Kindes geholt. Eine Unterhaltspflicht des Stiefvaters, wie auch der Stiefmutter gegenüber den Stiefkindern gibt es nicht. Diese Regelung ist zwar vielfach angegriffen worden, eine Aenderung ist b'd e_- jedoch nicht erfolgt. Sin schwacher Trost bleiot immerhin, daß bei der engen Lebensgemeinschaft, die eine wirkliche Ehe im Gefolge hat, die Frage nach der Unterhaltsregelung dem Stiefkinds gegenüber kaum jemals in krasser Form in Erscheinung tritt.
Was sie werden wollen.
Oie Berufswünsche der Volksschüler und -schülerinnen OberheffenS.
Das Arbeitsamt Gießen hat wiederum, wie alljährlich, auf Grund der von den Volksschulen für die öffentliche Berufsberatung ausge,üllten Schülerkarten die Berufswünfche der an Ostern 1932 zurEntlasfung kommenden Knaben und Mädchen zusammengestellt. Wenn auch auf die Frage: „Was willst du werden?" die genannten Berufswünsche nicht immer ernst und endgültig gemeint sind, so dürfte ihre Zusammenstellung doch ein gewisses berufspolitisches Interesse beanspruchen.
1084 Knaben äußerten folgende 70 verschiedene Berufswünsche:
Unbestimmt 182; Landwirt 102; Metzger 70; Bäcker 68; Schuhmacher 60; Maler und Weißbinder 55; Kunst- und Bauschlosser 49; Autoschlosser 45; Kaufmann 39; Friseur 38; Schreiner 33; Maurer 31; Gärtner 30; Landwirtschaftlicher Taglöhner 22; Maschinenschlosser, Schmied, je 18; Spengler und Installateur 17; Schneider 14; Sattler 13; Buchdrucker und Schriftsetzer, Bureau (Schreiber), je 12; Elektrotechniker, Elektroinstallateur, je 11; Mechaniker, Wagner, je 10; Fabrikarbeiter 9; Zimmermann, Dachdecker, Koch, Uhrmacher, Elektro-Mechaniker, Steinmetz, je 7; Förster 6; Bleibe zuhause, Melker, Musiker, je 4; Feinmechaniker, Postjungbote, Optiker, je 3; Verkäufer, Konditor, Schornsteinfeger, Dreher, je 2; Dentist, Küfer, Dolksschullehrer, weiterer Schulbesuch, Musikschule, Handelsschule, Ausbauschule, Techn. Beruf. Hühnerzüchter, Glaser, Töpfer, Iockey, Müller, Matrose, Brauer, Obstbautechniker, Schutzpolizei, Hirte, Pflasterer, Dekorationsmaler, Kürschner, Gerber, Händler, Meier, Drechsler, Ingenieur, Zuschneider, Diamantschleifer, je 1.
An erster Stelle steht wieder die große Schar der „Unbestimmten", 182 -= 17 Prozent. In Wirklichkeit, nach den Erfahrungen der Berussbera- tungspraxis, sind ihrer noch viel mehr, die keinen bestimmten, oder einen sehr schwankenden, unsicheren Derufswunsch haben.
102 Knaben wollen Landwirt werden. Wie aus den übrigen Angaben aus den Schülerkarten her- voraeht, sind dies meist im elterlichen Betrieb verbleibende Söhne von Landwirten.
Der immer stärkere Zug zum Metzger- und Bäckerberus scheint ein integrierender Teil unserer zunehmenden Rotzustände zu sein, was auch ein Blick auf die vorjährigen gleichen Zusammenstellungen bestätigt. 1930 waren es 6,7 Prozent, 1931 9,4 Prozent der Schulabgänger, die Metzger oder Bäcker werden wollten, 1932 sind es 12,7 Prozent geworden. Richt selten werden Iungen von den Eltern zu diesen Lebensmittelberufen gedrängt, damit sie wenigstens während der Lehrzeit beköstigt sind und der häufig arbeitslosen Familie nicht so schwer zur Last fallen.
Die verhältnismäßig vielbegehrten Berufe des Schuhmachers und des Weißbinders gelten vornehmlich, ebenso wie der des Maurers, als Ergänzungsberuf neben der die Familie nicht mehr VMAWMMM
Roman von 3 Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.
10. Fortsetzung. Rachdruck verboten!
Rach fünf Minuten traf er sie. Sie hatte sich zu einer Bank geschleppt. Das Taschentuch, welches sie gegen die Lippen drückte, war. blutbefleckt. Als sie seinen Schritt hörte, sah sie auf. 2hre Wangen standen plötzlich in Purpur getaucht und verblaßten ebenso rasch wieder. Sie hielt Swensens Kommen für einen Zufall und lieh das Gesicht tief auf die Brust herabsinken. Vielleicht hatte er sie nicht erkannt. Aber seine Stimme schreckte ihren Kopf hoch, daß er hilflos gegen die Lehne im Rücken glitt.
„Lenore!" sagte er leise. „Ich habe dich gesucht." Dabei faßte er zögernd nach ihren Händen und führte sie an seine Lippen. „Es war mein Wagen, der dich anfuhr! Du muht erlauben, dah ich dich rn ein Hotel bringe. Ich wollte nicht, daß meine Frau mit dir zusammentrifft. Sie ist nicht feinfühlig und hätte dich vielleicht beleidigt."
„Ihre Frau?" zuckte es von dem blutleeren Mund. „Wie sollte mich Ihre Frau beleidigen dürfen?"
„Lenore, nicht so! — Ich bitte dich. Lenore", beschwor er sie, als sie sich ganz schmal machte, um eine größere Spanne zwischen sich und ihm zu schaffen. „Ich konnte dir damals nicht sagen, weshalb ich die Verlobung löste. Du hättest mich verachtet. — Du hättest--“
®r sing sie gerade noch rechtzeitig mit den Armen auf und ließ ihren Körper gegen seine Brust gleiten. Ein feiner dünner Strom Blutes riefelte über das Tuch seines Rockes und färbte rhm die weißen Manschetten.
lieber ihnen sang ein Vogel sein Rachtlied. Die Trauerweiden, unter welchen die Dank stand enittetten leise, als der Abendwind durch ihr Blattwerk fuhr. Swensen hielt mit beiden Armen das Mädchen an sich gedrückt, dessen hingebende Liebe einmal das größte Glück seines Lebens ac- toefen war.
®id)t 8U ihrem Ohr herabgeneigt, rief er sie beim Ramen. Sie hörte ihn nicht. Die Angst hämmerte von seinem Herzen zur Kehle empor und preßte einen eisernen Reifen um seine schweißbefeuchtete Stirne. Als er sich in die Knie heben wollte, versagten die Fühe. Er auf die Bank zurück und ließ das Lenores Scheitel fallen.
Das Blut hatte zu riefeln aufgehört. Weiß, wie der Kies, der auf den Wegen glitzerte lag ihre Wange gegen das dunkle Tuch, welches seine Schultern umspannte. Wohin sollte er sie bringen? In welche« Hotel? Würde es nicht Aufsehen er-
glitt wieder Gesicht auf
voll ernährenden, einst zu übernehmenden elterlichen Landwirtschaft.
Das Metallgewerbe, darunter der Schlosserberuf, rangiert seiner wichtigen Bedeutung entsprechend. Daß 45 Cntlaßschüler sich von vornherein als Autoschlosser spezialisieren möchten, ist begreiflich, wenn auch nicht immer gutzuheihen. Im ganzen Landesarbeitsbezirk Hessen mit seinen 18 Arbeitsämtern kamen im Geschäftsjahr !L3i 31 auf 100 bei den DerufsberatungLabteilungen angemeldeten offenen Autoschlosserlehrste.len 653 Bewerber.
Zu Den 54 Dolksschülern, die kaufm ännische und Bureauberufe angegeben hab:n, gesellen sich noch sehr viele Schulabgänger der 16 höheren Lehranstalten Oberhessens mit gleichen Derufs- wünschen.
Sehr begehrt ist immer noch der Friseurberuf. Der Bund Deutscher Friseure, Der 95 Prozent Der selbständigen Friseure umfaßt, hat festgestellt daß 1930 auf 100 erwachsene Arbeitnehmer 84,66 Lehrlinge kommen. Infolge der n:uen Dersügu"g betr. Einschränkung Der Lehrlin^shaltu.-g im hessischen Friseurgeweroe toerDen manche dahingehende Berufswünsche nicht mehr in Erfüllung gehen können.
Die Zahl derjenigen, Die in ungelernte Arbeit wollen oder muffen, ist erfahrungsgemäß großer als den Angaben entspricht.
Wichtige Berufe finden immer noch zu wenig Berücksichtigung.
Don 1109 zur Schulentlassung kommenden Mädchen wurden folgende 24 Derufswünsche geäußert:
Unbestimmt 360; Schneiderin 269; Hausangestellte 176; in Der eigenen Landwirtschaft 78; im eigenen Haushalt 71; Verkäuferin 49; ungelernte und angelernte Arbeit 20; Bureauangestellte 17; Kindergärtnerin 12; Köchin 11; Friseurin 10; weiterer Schulbesuch 7; Gärtnerin, Kinderpflege- rin, Kindermädchen ^ungelernt). je 4; Weißnäherin Krankenschwester, Büglerin, je 3; Modistin 2; Strickerin, Weberin. Säuglin'spfleierin, Handarbeitslehrerin, Dlumenbinderin, Photographin, je 1.
■S^ic größte Zahl nehmen wiederum die „Unbestimmten" ein, was sich in erster Linie mit den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen und Den unsicheren Berufsverhältn.ssen erklären läßt.
Unter den handwerklichen Berufen tritt vor allem der Derufswunsch „Schneiderin" hervor, den beinahe der vierte Teil aller Schulentlassenen äußert. Wenn die Aussichten in diesem Beruf auch nicht günstig sind, so beharren doch viele Mädchen und auch Deren Eltern auf diesen Wunsch, da ihnen dieses Handwerk Die Möglichkeit Der- schafft, Die in Der Lehre erworbenen Kenntnisse auch in Der eigenen Familie zu verwerten.
Bei Den kaufmännischen Berufen (Verkauf und Bureau) ist gegenüber den vergangenen Iahren ein Rückgang zu verzeichnen. Die große Arbeitslosigkeit in Den Angestelltenberufen bedeutet wohl für viele eine Warnung, sich diesen Berufen zuzu
regen? Die Geliebte in ein Krankenhaus zu schaffen, dagegen sträubte sich fein ganzes Fühlen. Rach Hause zu mir? — Er sah InegardS stolz^ höhnisches Gesicht und wie sie Lenore schmähte, nur um ihm wehe zu tun.
®r wußte keinen Ausweg. Daß er sie am besten gleich nach Recklinhausen brachte, auf das verkiek er mit keinem Gedanken. Er trug Die noch immer Bewußtlose mit schleppenden Füßen nach dem Wagen und setzte sich, nachdem er sie mit Mühe in die Kissen gebettet hatte, an das Steuer. OKit Ieifern Fauchen sprang Der Motor an. Swensen warf noch einen besorgten Blick nach Der Geliebten. Dann schoß Der Wagen auf Der asphaltierten Straße mit leichtem Wiegen dahin.
*
„Menschenkind, was machst Du für Sachen" schalt Dr. Wander, als Swensen. nachdem er ihm die halbe Klingel herabgerissen hatte, mit Lenore in den Flur seines Iunggesellenheims getaumelt tarn. „Angefahren hast du das Mädel? Mit deinem Wagen? So! Ra, tot ist sie nicht! Also Kopf hoch! Es wird schon wieder werden'"
„Ich knalle mich glattweg nieder!" klagte Swensen. y
„Schon wieder einmal!" erwiderte Der Freund nut mildem Sarkasmus. „Sei aber zuerst so gut und hilf nur die Kleine in eine bequeme Lage betten. Er selbst griff, während er Lenores Haupt stutzte, nach einem Kissen, das unweit auf einem Korbstuhle lag. „Drüben in Dec Kredenz meines Wohnzimmers findest du einen Kognak — Rein, nicht für die Dame! Für dich!" rief er ©toenfen nach, als dieser zur Türe hinausschoh .c5n^xer^lDCl Minuten später zurückkam, winkte ihm Dr. Wander ab. „Bleib vorerst ein bißchen draußen, ich rufe dann schon nach dir. — Gefahr ist keine!" fügte er noch rasch hinzu, als er das verstörte Gesicht des Freundes gewahrte Er begann jetzt mit nachdenklichem Ernst und behutsamen Fingern Lenores Kleid zu offnen. Was er vermutet hatte, war vollkommen richtig Eine leichte Prellung. Die Blutung war durch Die Sprengung einer kleinen Ader hervorgerufen worden und längst wieder zum Stillstand qe- kommen.
2lls er ihr etwas belebende Essenz zwischen die Lippen träufelte, erwachte sie. „Bleiben Sie ganz ruhig, bitte", mahnte er befehlend. „Wissen Sie. daß Herr Swensen Sie hierhergebracht hat?"
Sie bejahte und Wander sah. wie ihr dabei ein Helles Rot vom Halse nach Den Wangen zu hinaufstieg. Dann ein jähes Erinnern: War das nicht Freds ehemalige Braut, Die schöne Aecklin- hausen?
daß Ihre Angehörigen verständigt werden?" sondierte er vorsichtig.
Sie verneinte erschrocken. „Richt, bitte!" sagte fie hastig, „die Mama würde sich über die Maßen ängstigen. Aber wenn Sie vielleicht meiner
wenden. Die Derufswünsche: „Hausangestellte, Kindermädchen, ungelernte oder angelernte Arbeit" entstehen meist aus dem Streben nach baldigem Verdienst, um das geringe E.n.ommen Der Familie zu erhöhen. Es ist deshalb ohne weiteres verständlich, daß d.eje Derufswünsche heute bei den Mädchen eine relativ hohe Zahl erreichen. Von Den in der StaDt Gießen zur Schulentlassung Kommenden sind es allein 11 Prozent, welche Hausangestellte werden wollen, und es ist außerordentlich bedauerlich, daß sich nur wenige Hausfrauen bereit erklären, solche jungen M Dchen anzustellen. Es wäre wünschenswert, daß sich mehr gute Hausfrauen finden würden, welche die Schulentlassenen ausnehmen und damit den jungen Mädchen auch zugleich die Möglichkeit geben, hauswirtschaftliche Arbeiten zu erlernen. Die Mädchen, die im eigenen Haushalt bzw. in der eigenen Landwirtschaft verb e ben wo lcn e tstam- men fast durchweg ländlichen Gegenden. Ihre Arbeitskraft wird im allgemeinen im elterlichen Haushalt benötigt. Ein kleinerer Teil von ihnen ist auch aus verkehrstechnischen Gründen verhindert, eine regelrechte Lehre mitzumachen, da eine evtl. Lehrstelle zu weit vom Wohnort entfernt ist. Lehrstellen mit Kost und Wohnung sind für die Mädchen beinahe überhaupt nicht zu finden.
Tagung der Industrie- und Handelskammer Friedberg in Laubach.
Die Industrie- und Handelskammer Friedberg hielt dieser Tage eine Sitzung in Laubach ab. Der Vorsitzende der Kammer, Herr Hirsch- Friedberg, konnte insbesondere Bürgermeister H ö g t), als Vertreter der Stadt Laubach begrüßen und widmete Dem verstorbenen lang- jährigen Vorsitzenden, Kommerzienrat Langsdorf, einen herzlichen Rachruf.
Rachdem die Beeidigung eines Sachverständigen für Bauwesen vorgenommen worden war, berichtete Der SynDikus Der Kammer, Dr. Göbel- Friedberg, eingehend über die Tätigkeit Der Kammer in Der jetzigen Wirtschaftskrise. Bei Besprechung Der gegenwärtigen Lage, Die sich leider auch im Kammerbezirk noch ver
schärft hat, konnte festgestellt werden, daß der Schrumpfungsprozeß 'weiter fort- geschritten ist. Die Knappheit des Geldes und des Kredits, der große Mangel an Vertrauen, der lastende Druck der Steuern und Abgaben, die schwierige Veränderlichkeit des immobilen Besitzes, die unbefriedigende Preisgestaltung, die Höhe der Zinsen, Die große Kaufzurückhaltung und die nicht weniger allgemeine Sorge um Die Zukunft haben das Wirtschaftsleben des Kammergebietes besonders nachteilig beeinflußt.
Bei Beratung der Phasenpauschalierung Der Umsatzsteuer kam Die Vollversammlung zu Dem Ergebnis, dah anges chts der schwerwiegenden Bedenken, die von allen Seiten Der Beteiligten gegen Die Phasenpauschalierung geäußert wurden, das bisherige System so lange beibehalten werden muß, bis sich die TeMwirt- schaft über die Uebernahme des Pauschals du-ch eine Produktionsstufe geeinigt hat. Festgeste lt wurde, dah eine Abwälzung auf den Einzelhandel untragbar ist.
Rach einem Vortrag von Hotelier Krauß- Bad-Rauheim beschäftigte sich die Kammer mit Fragen des Fremdenverkehrs und Hotelgewerbes und würdigte eingehend die Bedeutung des Fremdenverkehrs "für-unser gesamtes Wirtschaftsleben. 11. a. wurden besondere Tarifmahnahmen der Reichsbahn gefordert und vor allem auf einen Abbau der Schnellzugszuschläge und die Zurückführung Der Eilzug- zuschläge auf eine mäßige Schuhgebühr hin- gewiesen. Entsprechend dem allgemeinen Preisrückgang erscheint eine baldige Senkung Der Personentarife Der Reichsb ahn dringend erforderlich. Während die private Wirtschaft die Preise in Den verschiedensten Branchen gesenkt hat, häufen sich die Beschwerden über die Starrheit, mit der Die öffentlichen Stellen an ihren bisher gültigen Gebührenordnungen feschalten. Es ist ein volkswirtschaftlicher Irrtum, den Preisabbau törDern zu wollen, während die Kostenbelastung nahezu die gleiche geblieben und sogar noch die Ilmsatzsteuer erheblich erhöht worden ist. Es ist Aufgabe der Wirtschaftsvertretungen, auf diese Zusammenhänge immer wieder hinzuweisen.
Gpielvereinigung 1900 Gießen.
1900a Liga erste Riederlage 1932.
Mit großem Aufgebot fuhren Die 1900er nach Wetzlar, um die sieggewohnte Liga erfolgreich zu sehen. Die Aussichten fielen aber beträchtlich, als Torwart Schmidt und Zeiler ersetzt werden mußten.
Es sei vorweg gesagt, die Gießener hatten keinen guten Tag. Wohl begann das Spiel vielversprechend für die Dlauweitzen und gute Zusammenarbeit im Sturm ließ Angriff auf Angriff gegen das Wetzlarer Tor rollen, jedoch nur ein Treffer, ein Prachtschuh von Schlarb, war die Ausbeute. Weitere Chancen wurden ausgelassen. Der Gastgeber spielte mit unverminderter Kraft weiter. Die Gießener liehen sich durch das harte Spiel der Wetzlarer aus dem Konzept bringen und fielen ziemlich auseinander. Eine Drangp.eriode Der Wetzlarer setzte ein. Unaufmerksamkeit der Schußleute rächte sich bitter, denn Wetzlar kam zu Drei Toren, Die Den Sieg sicher stellten. Durch Strafstoße kamen Die Dlauweißen wieder auf, aber alle Bemühungen scheiterten. Mit 3:1 für Wetzlar änderte sich bis zum Seitenwechsel nichts mehr.
Rach Wiederbeginn griff Gießen ungestüm an. Es kam nun mehr Harmonie ins Spiel der Blau- weißen. Der Ball wanderte von Mann zu Mann.
Wetzlar schien mit seinen Kräften zu Ende. 1900 verlegte das Spiel in Wetzlars Spielhälfte und ließ sich daraus nicht mehr verdrängen. Der Platz- Verein wurde nur noch durch vereinzelte schnelle Durchbrüche gefährlich. Bei aller Heberlegenheit kamen Die Gießener nicht zu Erfolgen. Die Stürmerreihe ließ es an Dem beherzten Torschuß fehlen und vergab auch durch zu langes Zögern und krasse Fehlschüsse die besten Gelegenheiten. Durch eine bielbeinige massive Abwehr verhinderie der Gastgeber jeden Erfolg der Gießener. Lediglich einen Handelfmeter setzte Arnold (1900) zum zweiten Gegentreffer ins Reh. Zahlreiche Eckbälle blieben unausgenuht. Das Spiel erlitt gegen Den Schluß zu mehrmals Unterbrechungen, Da Wetzlar viel über Den Zaun austrat und sichtlich auf Zeit spielte. Vier Minuten Verlängerung dafür gegeben, sahen wohl gewaltige Anstrengungen der Gießener, aber Arnold vergaß den entscheidenden direkten Schuß in letzter Minute. 1900 erlitt eine unverdiente Rieder^nge. Die große aufopfernde Feldspielleistung in der zweiten Spielhälfte hätte mindestens ein Unentschieden verdient. Schiedsrichter Abel (VfB. Kurhessen- Marburg) leitete vorzüglich.
Die Ligareserve hatte wohl am linken Flügel Awei neue Spieler eingesetzt, war aber sonst durch Fehlen zahlreicher anderer guten Kräfte wesent- lich geschwächt. Rur unter Aufbietung aller Kraft
Schwester telephonieren wollten, sie ist zur Zeit Afsistenzärztin bei Goldschmidt. Sie könnte mich Dann holen, damit ich Sie nicht weiter bemühen muh."
„Wird besorgt", versprach er freundlich. „Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Fräulein von Recklinhausen?"
Sie schüttelte verwirrt Den Kopf und wandte Die Augen von ihm ab. Im selben Moment erfolgte ein leises Klopfen an Der Türe. „Du kannst schon kommen!" ermunterte Wander und ehe Lenore etwas zu sagen vermochte, hatte Der Doktor das Zimmer verlassen, während Swensen eintrat.
Sie wollte sich aufrichten, aber er drängte sie ängstlich wieder auf den Diwan zurück. „Du mußt dich ruhig halten", sorgte er sich und ließ sich neben ihr auf einem Stuhle nieder. „Hast du Schmerzen? — Rein? Wirklich nicht? Mein Kops ist am Zerspringen." Er hielt mit beiden Fäusten Die Schläfen zusammen und lehnte das Gesicht gegen ihre Schulter.
»Ich bitte dich, Fred, wenn der Arzt kommt und findet uns fo!"
„Betrachtest du das schon als Entehrung, wenn ich mein Gesicht gegen dich lege?“ stöhnte er unD grub den Kopf wiederum in Die eigenen HänDe. „Mein Weib könntest Du sein! Bei Tag und Rächt Dürfte ich Die Arme um dich legen, und — um alles das hat sie mich betrogen!“
Lenores Schläfen hämmerten. Ihre Augen schrien ihn an. Hab Doch Erbarmen! Warum reißt Du mich aus dem Frieden, den ich mir fo schwer erkämpft habe! Aber er sah es nicht! Ging über ihre große Rot hinweg und dachte nur an Die, welche über ihn hereingebrochen war.
Vom Stuhle glitt er nieder und grub das Gesicht neben ihr in die gestickten Kissen. „Sag, daß du mir vergeben hast! — Daß du mich nicht verachtest! — An Dem Heiligsten, das es für ein Weib gibt, hat sie sich versündigt — Mutter wollte sie sich fühlen und es war nichts — als eine Lüge, um mich gefügig zu machen!"
Lenores Blick verschwamm in weißen Rebeln, die von der Decke herab in schweren Wolken auf sie zukamen. Durch Die offenen Fenster rann letztes Gold Der Herbstsonne und spielte mit Dem dunklen DlonD Der Haare, das ihr in wirrer Strähne über Die Schulter fiel. „Laß mich allein", wollte sie bitten und fühlte Die Zunge gelähmt am Gaumen Heben. Die Lippen schmerzten sie, so wunD und rissig machten sie seine Küsse, Die über sie dahinströmten.
Sie lag mit zurückgelehntem Kopf und hielt Die Augen in halber Dewuhtlosigkelt geschlossen.
„Vergib mir!" schluchzte Der verzweifelte Mann an ihrem Ohr Und als kein Ton von ihr kam, flutete die große Qual, die er mit sich trug, an ihr bonx^r: „Was soll ich tun? — Sag, Lenore? Dah Ich frei werde für dich?"
2hre Finger zitterten in der Furcht, daß es Sünde war, wenn sie seinen Scheitel liebkose. Hatte er nicht ein Weib, und war er nicht Eigentum einer anderen, und nahm sie dieser anderen nicht ein Teil ihres Rechtes, wenn sie ihre Liebe über ihn verströmen ließ, und war es auch nur in einem Streicheln seines dunklen Haares.
„Du mußt jetzt gehen!" mahnte sie angstvoll. „Wenn deine Frau erfährt, daß Du bei mir bi ft! — Es wäre entsetzlich, Fred."
Sein Gesicht war blaß: „Wenn Du einmal horst, dah---"
Sie Deckte ihm Die Hände über Die Lippen und beschwor ihn mit Dcft Augen, still zu fein. Rach Worten suchenD, vernahm sie ihr eigenes, unverständliches Lallen: „Willst du, daß ich verzeihe? Daß ich Dich liebe und Dir treu bin, so lange ich Atem in mir trage?"
Er streckte Die Hände nach ihr und lieh sie wieder fallen. Ihr Blick war so voll erschütternder Qual und stummer Bitte gewesen, daß er es nicht wagte, noch einmal nach ihr zu greifen. „Was muh ich tun, daß ich mir das verdiene?" fragte er tonlos.
Sie legte ihre Hand in die seine und zwang den Blick seiner Augen auf sich: „Ich verlange nichts, als daß du Den Frieden deiner Ehe, so gut es geht, aufrecht zu erhalten suchst. Daß Du gut bist zu Der Frau, die Du nun doch einmal zu der Deinen gemacht hast."
«Sie hat sich das Recht, meine Frau zu sein, erschwindelt", stöhnte er in ihre Worte hinein.
„Das mag bitter für dich sein, Fred. Aber es ist nicht mehr zu ändern. Du wirst es leichter ertragen, wenn Du Dir sagst, sie hat mich so über alles geliebt, daß sie mich um jeden Preis zu bc.kommen suchte."
„Ein Weib, das sich einen Mann durch Betrug erschleicht, ist nur Der Verachtung inert“, stieß er zornig hervor. „Ich werde ihr Dreiviertel meines Vermögens anbieten, wenn sie in eine ScheiDung willigt."
„Und Dann?“ fragte Lenore wehmütig.
„Hole ich dich mir!“ Es sollte jauchzend klingen, aber Lenores Blick nahm seinen Worten Den Iubel.
„Du würdest eine Enttäuschung erleben, Fred", sagte sie emft. «Ich weiß, es ist altmodisch. Tausend andere Frauen lachen Darüber. Wenn ich es öffentlich bekennen würbe, hätte ich nichts, als mitleidigen Spott zu ernten. Die jetzige Zeit hat kein Verständnis mehr, was man früher als Recht und Gesetz erachtete. Aber Ich bin nun einmal nicht wie die anderen. Ich könnte nie und nimmer Die Frau eines geschiedenen Mannes werden, selbst wenn ich Darüber zugrunde gehen mühte.
„Und du behauptest, mich zu lieben!" sagte er schmerzlich berührt.
(Fortsetzung folgt,)


