Steuergutscheine belasten die Haushaltjahre 1934 bis 1933 mit jährlich 3JJ bis 500 Millionen Mark. Aus den Schatzanweisungen werden die Jahre 1933 bis 1938 mit 125 bis 200 Millionen jährlich belastet. Die Dorausbelastung der kommenden Jahre ist hiernach jedenfalls weniger als eine Milliarde Mark. Der Minister gibt der Erwartung Ausdruck, daß eine solche Belebung eintritt, die es ermöglicht, die Voraus- belastungen zu tragen, die jetzt übernommen werden muhten, um überhaupt aus dem verhängnisvollen Kreislauf herauszukommen.
Ole Heiligkeit -er Verträge.
Warum Herriol zahlen wollte.- Tahiti als Kaufobjekt?
Paris, 22. Dez. (WTB. Funkfpruch.) Auf einer Veranstaltung der engistch-arnerikanischen Pressevereinigung in Paris erklärte Herriot, er freue sich aufrichtig über die Vorgänge, die sich im Zusammenhang mit der Erörterung der Schuldenrate an Amerika in der Kammer zugetragen und zum Sturz seiner Regierung geführt hätten, legten sie doch Zeugnis dafür ab, wie ernst cs i h m mit der Heiligkeit der Verträge sei. Zu einer Lösung der dringendsten weltpolitischen Probleme könne man nur dann gelangen, wenn sich die drei großen Demokratien Frankreich, England und die Vereinigten Staaten einigten. Die augenblicklichen Mißverständnisse zwischen Frankreich und Amerika rührten aus der auf beiden Seiten bestehenden Unkenntnis der Schwierigkeiten mit denen der Partner zu kämpfen habe
3m Zusammenhang mit dem Schuldenproblem ist eine Veröffentlichung eines französischen Diplomaten von Interesse, die darauf hinausläuft, daß die Amerikaner im Jahre 1 9 2 6 über ihn an Poincarö den Vorschlag gerichtet haben, Tahiti und die benachbarten Inseln im Stillen Ozean an die Vereinigten Staaten zu verkaufen. Als Preis sollte eine „enorme Summe" gezahlt werden. Poincare habe aber geantwortet, daß der Vorschlag ungeachtet seines materiellen Dortells aus moralischen Gründen abzulehnen sei. Der französische Diplomat — es handelt sich um den Botschaftsrat Allerd de Chateauneuf — erwiderte darauf, daß er in Voraussicht großer Schwierigkeiten, die Frankreich durch finanzielle Forderungen der Vereinigten Staaten entstehen könnten, später auf diesen Plan zurückkommen werde. Ein Pariser Watt, das diese Angelegenheit aufgreift, fragt, ob die Stunde nun gekommen sei, Ernst damit zu machen.
Oer hessische Staatspräsident beim Reichskanzler.
D armff ab t, 21. Dez. (2DS3L) Reichskanzler von Schleicher empfing Mittwoch mittag den hessischen Staatspräsidenten Dr. Adelung, der von dem hessischen Gesandten Ruh begleitet war, zu einer längeren Unterredung. Gegenstand der Aussprache war eine Reihe von Fragen, die das Land Hessen besonders berühren.
Aus aller Welt
Späte Sühne für einen Giftmord.
Das Schwurgericht in Passau verurteilte die Landwirtsehefrau Therese Strahl von Wühr in_Niederbayern wegen Ermordung ihres früheren Ehegatten Josef Schöftenhuberzum Tode und ihren Ehemann und früheren Geliebten Karl Strahl wegen Beihilfe zum Mord zu sieben Jahren Zuchthaus. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden der Frau auf Lebensdauer, dem Mann auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt. Der wegen Beihilfe mitan» geklagte Gastwirt Hochwimmer von Glonn wurde freigesorochen. Das Verbrechen liegt I schon 12 Jahre zurück. Am 10. Juli 1920 war der *
damalig? Ehemann Josef Schöftenhuber unter Krämpfen verschieden. Eine auf Betreiben der Brüder des Verstorbenen vorgenommene Leichenöffnung wurde damals etwas mangelhaft durchg-führt und blieb ergebnislos. Trotzdem wollte das Gerücht nicht verstummen, daß Schöftenhuber aus dem Wege geräumt worden fei. Seine Frau Therese hatte wahrend des Krieges ein Liebesverhältnis mit ihrem jetzigen Ehemann Karl Straßl angefangen und mit dessen Hilfe Schöftenhuber noch seiner Rückkehr aus dem Felde durch Gift beseitigt.
Schweres vrandunglück in Chikago.
Infolge einer Explosion brach in einem Mietshaus in Chikago ein Brand aus, von dem man befürchtet, daß er mehrere Todesopfer gefordert hat. Eine Leiche wurde bereits geborgen. Mehrere Personen erlitten durch Sprünge aus den Fenstern des zweiten und dritten Stockes Verletzungen. 16 Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei kleine Kinder konnten dadurch ge- I rettet werden, daß sie von ihren Eltern aus dem zweiten Stock in die Arme auf der Straße stehender Personen geworfen wurden.
Explosion in einem römischen Fori. — Drei Soldaten getötet
Im Fort Appio im Südosten des alten römischen Befestigungsgürtels ist ein Signalraketcnlager i n Brand geraten. Das Feuer tonnte erst nach größten Anstrengungen zahlreicher Feuerwehrabteilungen gelöscht werden. Wie verlautet, wurden drei Soldaten getötet und ein weiterer schwer verletzt.
Drei ostpreuhische Schüler
auf dem Eise eingebauten und ertrunken.
Auf der noch schwachen Eisdecke des Sees bei Kirchlainen im Landkreis AUenstein sind drei Schüler eingebrochen und ertrunken. Die Leichen konnten geborgen werden.
wüste Schlägerei. Ein Toter, zwei Schwerverlehte.
In den Gemeindebaracken in Rikultschütz (O.-S.) kam es zwischen den dort wohnenden Brüdern Wolfgang und Richard M i r o s i z, die angetrunken waren, und dem gleichfalls dort wohnenden Invaliden Franz Czapla un>d seinen Söhnen Paul, Richard und Raimund zu einer schweren Schlägerei. Wolfgang Mirosiz, der Vater von seck)s unmündigen Kindern ist, wurde durch Dolchstiche getötet; sein Bruder Richard wurde durch einen Stich in die Herzgegend lebensgefährlich verletzt. Raimund Czapla erlitt durch einen Schlag mit einer Kartoffelhacke einen Schädelbruch. Der Schlag gegen Raimund war von seinem eigenen Vater geführt worden, der in der Dunkelheit seinen Sohn für den Wolfgang Mirosiz angesehen hatte. Franz Czapla und sein Sohn Paul wurden verhaftet. Paul Czapla hat gestanden, die tödlichen Stiche gegen Wolfgang Mirosiz abgegeben zu haben. Die Schlägerei ist nicht auf politische De- weggründe zurückzuführen.
„Als wir jüngst in Regensburg waren ..."
In einer der letzten Nächte wollten etwa 20 Regensburger Pfadfinder in einer Waldhütte im Naabtal eine Weihnachtsfeier veranstalten. Um zum Ziel zu gelangen, wollten sie sich mit der Fähre in Mariaort bei Regensburg durch ein Fischermädchen übersetzen lassen. Als die kleine Fähre mit den vielen jungen Menschen in der Mitte der Naab angelangt war, schlug die Fähre um und sämtliche Insassen fielen ins Wasser. Zum Glück waren alle, auch das Fischermädchen, des Schwimmens kundig und konnten sich dadurch ans Land retten. Als die Beteiligten, die außer einem kalten Bad keinen weiteren Schaden genommen hatten, noch zitternd vor Frost am Ufer bei» fammenftanben und abzählten, ob auch keiner fehie, fragte die resolute Fischermaid, die sich zuerst von dem ausgestondenen Schrecken erholt hatte: „Hat jeder von Enk 's Fahrgeld scho zahlt?"
warme Weihnachtstage in Rom.
In Florenz herrscht feit einigen Tagen dichter Nebel mit ständig sinkender Temperatur, die am
Mittwochmorgen kaum einen Grad über Null betrug. Auf den nahen Höhen bei Pistoja hingegen, wie auch in Rom, ist die Weihnachtcwoche durch strahlenden Sonnenschein bei Mittagctemperatur bis gegen, ja teilweise über 20 Grad Celsius gekennzeichnet. Die Nächte allerdings sind kalt, und der Temperaturunterschied innerhalb der letzten 24 Stunden,in Rom betrug nicht weniger als 15 Grad.
Autounglück bei Berlin.
Nach einer Berliner Blättermeldung ereignete sich auf der Straße bei Müncheberg (Mark) ein Autounglück. Bei dem Versuch, einem entgegenkommen
den Lastwagen auszuweichen, geriet das Auto des Gutsbesitzers Friedrich v. W a l d o w aus Sophien- walde, Kreis Oststernberg, ins Schleudern und überschlug sich. Die 21jährige Gattin des Guts» besitzers, Frau Dibmara o. W a l d o w, eine Tochter des früheren Rsichswirtschastsm'mister Neuhaus, erl tt schwere Verletzungen, denen sie kurze Zeit später erlag. Der Mann wurde nur leicht verletzt. Das Ehepaar, das erst seit einem Vierteljahr verheiratet ist, war auf dem Wege nach Berlin zur Weihnachtsfeier bei den Schwiegereltern.
Aus der Provinzialhauplsiadi.
Das Weihnachtsgeschenk als juristisches Prob ern.
Die Frage, ob ein Schenker das Recht hat, sein Geschenk zurückzuverlangen bzw. ein Schenkungs- ' versprechen nicht einzuhalten, wird vom Bürgerlichen Gesetzbuch in fest umrissener Weise beantwortet. Zunächst ist zu bemerken, daß im juristischen Sinne ein Schenkungsversprechen nur dann Gültigkeit hat, wenn es notariell oder gerichtlich beurkundet worden ist. Ein gewöhnliches Versprechen, selbst wenn es vor Zeugen oder Schwarz auf Weiß gegeben werden sollte, hat keine rechtliche Bedeutung.
Was das Zurückverlangen eines Geschenkes betrifft bzw. die Nichteinhaltung einet rechtswirksamen Schenkungsversprechung, so ist diese Möglichkeit dann gegeben, wenn sich der Beschenkte gegen den Schenker, oder einen nahen Angehörigen von ihm groben Undanks schuldig macht. Darunter versteht das Gesetz y D. eine schwere Beleidigung, eine tätliche Mißhandlung usw. Ein dadurch bedingter Widerruf der Schenkung ist aber nur bann möglich, wenn weniger ccks ein Jahr verstrichen ist, seit der Schenker von der Verfehlung des Beschenkten Kenntnis erhielt. Ungültig ist ein Widerruf dann, wenn inzwischen eine Aussöhnung stattgefunden hat, wenn also etwa ein Schenker eine Beleidigung verziehen hatte, die ihm von dem Beschenkten zugefügt worden war.
Die Zurückziehung eines Schenkungsversprechens ist dann möglich, wenn seine Erfüllung mit der Vermögenslage des Schenkers nicht vereinbar ist, wenn also die Erfüllung seinen eigenen Unterhalt gefährdet, oder auch die Unterhaltspflicht gegenüber seinen nächsten Angehörigen. Hat z. D. ein Geschäftsmann einem Freunde ein rechtswirksames Schenkungsversprechen gemacht, so braucht er es nicht einzuhalten, wenn sich seine Vermögenslage inzwischen so verschlechtert hat, daß die Erfüllung ihm die Weiterführung seines eigenen standesgemäßen Unterhalts unmöglich machen würde.
Bei Weihnachtsgeschenken und ebenso bei Geburtstagsgeschenken usw. liegt insofern noch eine besondere Sachlage vor, als nach dem Gesetz Schenkungen nicht zurückgezogen werden können, wenn die Schenkung der Erfüllung einer sittlichen ober Anstandspflicht biente. In diesem Falle kann selbst grober Undank seitens des Beschenkten an der einmal vollzogenen Tatsache nichts ändern. Im Falle eines Verlöbnisses bestimmt das Gesetz, daß beiden Verlobten uneingeschränkt ein Rück- forderungsrecht zu steht, wenn die Verlobung wieder aufgehoben wird.
Das Sparbuch als Weihnachtsgeschenk.
Das Weihnachtssest mit all seinen Wünschen und Hoffnungen steht vor der Tür. Wohl jeder hat den Wunsch seine Familienangehörigen und Bekannten am Weihnachtsfest zu erfreuen.
Wo die wirtschaftlichen Verhältnisse es zulassen, sollte man den Kindern und den erwachsenen Haushaltsangehörigen auch ein Sparbuch unter den Weihnachtsbaum legen. Und sei der Betrag
auch scheinbar noch so klein, zum Sparen ist er nie zu gering. Aus einem Däumchen wird ein Daum, und Pfennig auf Pfennig dem Sparbuch gutgeschrieben gibt im Laufe der Zeit ein hübsches Sümmchen, oas in Zeiten der Not sehr viel wert sein kann. Außerdem hat der Beschenkte nicht nur einmal am Weihnachtsfest Freude an dem Sparbuch, sondern bei jeder neuen Einlage wächst mit dem Betrag die Freude und die Genugtuung, für Notzeiten gesorgt zu haben.
Die Kinder sollen durch ein geschenktes Sparbuch auch darauf hingewiesen werden, daß sie nicht nur für sich sparen, sondern daß ihre Sparpfennige, und wenn es noch so wenige sind, mithelsen am Aufbau unserer deutschen Wirtschaft und damit unseres lieben Vaterlandes.
Sorgt für die Hofhunde!
Der Gießener Tierschutzverein, Hen° selstraße 10, schreibt uns:
Die tierfreundliche Gesinnung vieler Tierhalter macht Halt vor solchen Tieren, die weiter keinen Geldwert für ihn darstellen. Darunter hoben vor allem Kettenhunbe, Katzen und Kaninchen zu leiden. Währerch das Großvieh sachgemäß gepflegt wird, ist manchmal der Hofhund auf jammervolle Weise untergebracht. Ein wirklich guter Tierbesitzer verhilft allen Tieren, die von ihm abhängig sind, zu ihrem Recht. Deshalb bittet der Tierschutz-Verein die Besitzer von Kettenhunden, die Hundehütten gründlich auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Näsie, Kälte uiti) Wind zu prüfen, wenn es noch nicht geschehen ist, und die kleinen Mühen nicht zu scheuen, die nötig sind, um dem Hund die Zeit des Frostes und der kalten Winde zu erleichtern: z. B. müssen Trinkwasser und Futterrefte im Laufe des Tages aufgewärmt werden, der Hund muß morgens etwas Warmes in den Leib bekommen und Gelegenheit haben, sich warm zu laufen. Bei stärkerer Kä'te gehört der Hund in den Stall oder in das Haus.
Weihnachten bietet schöne Gelegenheit, den Kindern klar zu machen, daß Tiere als lebende Wefen und nicht nach ihrem Geldwert zu behandeln sind-. Wo die Tiere mißachtet, oder der Liebe nicht wert befunden werden, fehlt ein Stück am Weihnachtsverständnis. Welche Freude bereitet es Kindern, wenn sie am Weihnachtsabend auch den Haustieren etwas Liebes antun dürfen, was gar nichts zu kosten und keines Menschen Glück zu schmälern braucht! Sie lernen dadurch, daß der Reichtum der Liebe keine Grenzen kennt, sondern für alles da ist, was lebt und leidet. Den meisten Kindern ist das etwas Selbstverständliches. Weich falsches Beisp'el gibt man seinen Kindern, wenn die Tiere andern Tage ganz unbeachtet bleiben oder schlechter versorgt werden, an dem die ganze Familie sich gegen» festig Freude macht!
Gießener Wochenmarktpreise.
Gießen, 22. Dez. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25-30 Pf. das Pfund, Käse 5—10, Eier, ausländische, 12—14, inländische 14 Pf. das Stück, Wirsing, gelb, 8—10, grün 12, Weißkraut 6—8, Rotkraut 8—10, Gelbe
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-man von Margarete Antelmann.
rigbt by Martin Feuchtwcmger, Halle (Saale)
12 (tortleRung Nachdruck verboten
3d> hab' richtig Angst um Sie, Leuchen! Ist es denn so schön, sich auzumalen und aufzuputzen und immer in den Hotels und auf den Gesellschaften herumzuschwänzeln? Erst haben Sie mir viel besser gefallen, als wir noch zu Hause waren und Sie ihr natürliches Gesicht zeigten."
„Aber Hähnchen, ich hab' doch noch dasselbe Gesicht! Nur Eie verstehen nicht, was schick und modern ist...!"
„Nein, das verstehe ich nicht, und ich will's auch nicht verstehen! Zu meiner Zeit machte ein anständiges Mädchen solche Dummheiten nicht mit!"
Frau Hahn war froh, sich endlich einmal allen Groll von der Leber herunterreden zu können. Sonst hatte Magdalene nie Zeit für sie, heute endlich war die Gelegenheit da. Zu viel hatte sie die ganzen Wochen über in sich hineinfressen müssen.
Es hatte damit angefangen, daß Mutter Hahn stundenlang in dem feinen Modesalon hatte weilen, Anprobe über Anprobe über sich ergehen lassen müssen. Man hatte ihr zugemutet, auf ihre alten Tage mit einem ärmellosen Kleid herumzulaufen. Na, da hatte sie einfach nicht mitgemacht. Sie hatte die hochgeschlossenen Kleider durchgesetzt, die ihr schicklich erschienen waren.
Tann tarn diese entsetzliche Autosahrerei, bei der man seines Lebens mcht froh und nicht sicher war. Auf die Rennplätze fuhr man, in die Kaffeehäuser ... Sie war ja nicht ganz weltfremd gewesen, hatte früher mit ihrem Manne auch manch schöne Reise gemacht. Aber sowas — nein, damit konnte sie sich nicht befreunden!
Und im Hotel war abends ein Betrieb, daß man sich nicht zurecht fand und in die Zimmer hrnausgehen mußte, wenn man seine Ruhe haben wollte.
3n Stmmer mit den feinen, zierlichen Jill beleben, mit denen man einfach nichts an- Mangen wußte. Nein, das war nichts für sie. Sie wollte nach Hause, kein Geld der Welt würde ste hier festhalten.
r®® ^erte lange, bis Frau Hahn mit ihrer Rede zu Ende war. Magdalene hatte Mühe, sie gu beruhigen unb endlich das Versprechen zu bekommen, daß Mutter Hahn bis zur Ankunft einer Gesellschafterin bleiben wolle. °
Dünn sollte sie nach Hause zurückkebren und kJ? Pension aufmachen, zu der Magdalene das Geld spenden würde. Mutter Hahn hatte
"utztS davon wissen wollen, hatte sich aber endlich Magdalenes lleberreöung gefügt.
»Ich selbst will für längere Zeit verreisen, Mutter Hahn, sobald ich die richtige Gesellschafterin gefunden habe. Ich muß mir endlich die Welt ansehen, das Leben genießen..
„Ach Gott, Fräulein Lenchen, ich habe wirklich Angst für Sie. Es wäre mir fast lieber, Sie hätten das Große Los nicht getoonnen. Ich werde den Gedanken nicht los, daß das kein Glück für Sie war."
«Nun hören Sie aber auf mit Ihrer Schwarzmalerei, Mutter Hahn! Das ist doch alles Unsinn! Ich weiß, was ich tue, und habe mein Schicksal fest in der Hand, tzie brauchen keine Angst um mich haben. Und daß ich mein Leben genießen will, das können Sie doch einsehen — nicht wahr?
Dazu gehört vor allem, daß ich reise, weit, weit fort. Passen Sie auf, Hähnchen, eines Tages bekommen Sie eine Ansichtskarte aus Honolulu!"
»Um Gottes willen, Lenchen, zu den Wilden wollen Sie reisen?"
»Ja, ja, zu den Wilden! Und heirate dort einen Schwarzen, und zur Hochzeit und Kindtaufe werden Sie eingeladen.. .r
»Die sollen mich nicht auslachen, Lenchen!"
»Ich lache Sie ja nicht aus, Mutter Hahn! Ich weiß ja, was ich an Ihnen habe, und daß Sie der einzige Mensch sind, auf den ich mich verlassen kann. Aber — zunächst muß ich hinaus, muß mich austoben, dagegen komme ich nicht an. Später, wenn ich älter und ruhiger geworden bin und mich erst an das viele Geld gewöhnt habe, werde ich schon wieder vernünftig werden."
„Ich gönne Ihnen ja alles Gute, Kind! Wenn Sie nur immer den Kopf beisammen halten und nicht zu toll draufloS wirtschaften. Denn — auch bas viele Geld kann einmal zu Ende sein, wenn man es zum Fenster hinauswirft."
»Sie kennen mich doch, Hähnchen! Ich war zeitlebens vernünftig genug und hab' gewußt, was ich zu tun hatte. Ich werde auch jetzt 6en Kops nicht verlieren.
Doch jetzt wollen wir Schluß machen mit dem Gerede. Es ist so'schön draußen, die Sonne lacht. Wir wollen uns fertigmachen und nach Potsdam hinausfahren. Dort ist jetzt alles in voller Blüte Sanssouci muß herrlich sein..."
Bald sahen die beiden zusammen in dem schonen, offenen Auto, das sie durch die belebten Straßen Berlins hinausführte — nach Potsdam zu dem schönen Lustschloß Friedrichs des Großen.
•
»Elegante junge Dame als Gesellschafterin und Reisebegleiterin gesucht. Bedingung: gewandtes Auftreten und Svrachkenntnisse. Zu melden: Portier, Hotel .Adlon'."
3oe Nowakowska hatte diese Zeilen schon einige Male gelesen, und ihre Augen hatten einen fett- Tarnen Glanz bekommen.
Hier schien wieder einmal eine Möglichkeit
aufzutauchen, hier konnte sie ihre Fähigkeiten ausnutzen.
Das schien eine reiche Frau zu sein — eine Frau, die selbst wohl nicht ganz auf der Höhe war, da sie eine gewandte Gesellschafterin suchte? Ein Feld wie geschaffen für Joe Nowakowska.
Sie fuhr erst auf aus ihren Betrachtungen, als die Zimmertür aufging. Ein Mann trat in das mit geringsten Mitteln eingerichtete schäbige Hotelzimmer.
Joe sprang auf, gab dem Manne einen Kuß, reichte ihm das ZeitungSblatt:
»Sieh her, Titus, das ist vielleicht etwas für uns?"
Der Mann las die Anzeige und sagte dann mit rohem Lachen:
..Da wird doch nur eine Dame gesucht, Joe! Was soll ich dabei?"
»Laß mich nur machen. Du kennst mich ja. Daß wir hier fort müssen, steht fest. Man wird schon auf uns aufmerksam. Es steht auch fest, daß etwas geschehen muh. Dieses Leben halte ich nicht mehr aus! Du hast keine Möglichleit, etwas zu erreichen. Also muß ich wieder arbeiten..." hab' dich nicht so!" sagte der Mann gleichmütig, indem er sich seine schönen, schmalen Hände besah.
"Bitte, hab' ich nicht Immer den Hauptteil KU tragen? Du hast nicht viel anderes zu tun, als von meiner Beute zu leben und den noblen Herrn zu spielen. Ich hab' es bald satt, immer weiterzuarbeiten und mich ausbeuten zu lassen."
„Ich halte dich ja nicht, meine Teuerste! Ein Wann wie ich wird überall eine neue und tüchtige Freundin finden."
„Du, untersteh dich!"
Dicht war sie vor ihn hingetreten, ihn mit ihren großen schwarzen Augen wild anfunkelnd. Man sah ihr die Eifersucht an, die aus diesen Augen hervorblihie. Ihre Nasenflügel bebten.
„Warum quälst du mich so, Titus? Tue ich nicht alles für dich? Hm immer wieder Angst zu haben, dich zu verlieren?"
Schmerzlich sagte sie eS, während ihr schönes Gesicht einen wehen Zug erhielt.
„Torheit, Joe! Ich Hebe dich, du weißt es. Aber — ich bin nicht zärtlich, nicht so weich, wie du es gern haben möchtest."
„211x1 ich sehe doch, daß du zu anderen Frauen weich und zärtlich sein kannst. Und ich will nicht, daß du mit anderen Frauen herumflirtest. Du sollst nur mir gehören, nur mich ansehen. Und ich kratze dir die Augen aus, wenn es mxb einmal so geht wie neulich abends..."
»H«xe!"
Er beugte sich Über Jie und küßte sie. Ueberall hin: auf den Mund, Die Augen, das Haar, die Ohren.
Dis sie sich seinen Armen brüsk entwand.
„Laß mich jetzt. Ich habe keine Lust und keine
Zmt zu einem Schäferstündchen. Cs ist gleich elf Uhr. Ich muß ins Hotel .Adlon', mich bei der ~-ame vorstecken. Vielleicht habe ich Glück. Daß wir hier verschwinden können. Einen neuen Weg finden."
Sie war schon dabei, Toilette zu machen.
Joe Nowakowska war eine Polin, aus dem westrussischen Gouvernement Podolien. Ihr Vater war ein reicher Mann gewesen, der außer seiner Branntweinbrennerei noch eine ansehnliche Viehzucht betrieb, in einem kleinen Dorfe an der Dnjestr.
Weit und breit kannte man Iwan Nowakowska. Nicht nur seines Reichtums wegen, sondern auch deshalb, weil er immer besoffen war.
Trotzdem liebte er sein Töchtercyen abgöttisch. Joes Mutter war kurz nach deren Geburt gestorben. Vielleicht, daß die zarte Frau die brutale Liebe ihres Mannes nicht hatte ertragen können, daß sie an den seelischen Kämpfen zugrunde gegangen war.
Joe erhielt die sorgfältigste Erziehung. Die Liebe au seinem Kinde war das einzige, was Jwai Nowakowska außer dem Alkohol noch interessierte. Deutsche, englische und französische Er- zieherinnen weilten auf dem großen polnischen Gutshofe.
Mit vierzehn Jahren schon war Joe zu einem bili schönen 2Rädchen erblüht, das die Blicke der Männer auf sich zog. Um diese Zeit war es auch, als man von den Geldnöten Iwans zu munkeln begann.
Einige Jahre noch hielt er sich über Wasser, bis das schreckliche Ende tarn. Man fand ihn eines Morgens tot vor seinem Schreibtisch« liegen. Ein Schlaganfall hatte seinem Leben zur rechten Zeit ein Ende gemacht. Wenige Tage später hätte er seinen Hof verlassen müssen.
Erst jetzt, nach dem Tode Iwan Nowakowskas, erfuhr Joe, daß sie bettelarm war. Ihr Vater hatte noch den Schein des Reichtums um sie verbreitet, hatte sie bis zu feinem letzten Atemzug verwöhnt wie eine kleine Prinzessin.
3ctjt auf einmal stand sie allein und dem Nichts gegenüber.
Sie sah es als Glückszufall an, daß in diesen Tagrn der alte Fürst Nikolai Potapow austauchte, der in Kamenez-Podolsk residierte und der viel von der Schönheit Joes gehört hatte.
Er hatte nur darauf gelauert, bis ihm diese junge und rassige Schönheit als Beute in den Achvh fallen würde. Er hatte die Verhältnisse Nowakowskas gekannt: er hatte seine Wechsel ausgekauft, um sich die schöne Deute zu sichern.
Dann, als der Branntweinbrenner tot war, kam er, sich Joe zu holen. Und er muhte sehen, baß daS schöne Mädchen gern und freiwillig mit ihm ging, daß es gar nicht der Einkreisung bedurft hätte, sie zu erringen.
l Fortsetzung folgt.)


