Ausgabe 
22.12.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. Zlll Srftes Via«

182. Jahrgang

Donnerstag, 22. Dezember 1952

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Dolitih Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyr>ot; für den übrigen Teil Ernst Blumlchein und ür >e"An- zeigenteil i.B.Th.Kümmel lämtlich in löie jen.

Auch Deutschland braucht Gchuldenrevtsion.

Hugenberg spricht vor der amerikanischen presse über Deutschlands Auslandsverschuldung.

Berlin. 21. Dez. (TU.) Dr. Hugenberg gab Beriretern der amerikanischen Presse in Berlin mit dein Reichstagsadgoordncten Dr. Quaatz Ge­legenheit zu einer Aussprache über die Frage der wirtschaftlichen Beziehungen Zwi­schen Deutschland und denBereiniaten Staaten. Dr. Hugenberg wies u. a. daraus hin, daß die Schuldenfrage eine Weltfcage sei. für Deutschland aber habe sie eine ganz besondere Bedeutung. Zahlungen von einem Land ins andere könnten nur in Gold ober in Waren ge­leistet werden. Es müsse also entweder ein über­schüssiger Goldvorrat vorhanden sein oder ein Ueberschuß der Warenausfuhr über ine Wareneinfuhr.

Die französische Politik habe 14 Jahre lang von der Heiligkeit dervertrage gesprochen, und zwar solange, als Frankreich als Gläubiger dem deutschen Schuldner gegen­überstand. Jetzt nehme Frankreich dem ame­rikanischen Gläubiger gegenüber die entgegengesetzte Haltung ein. Daß Frankreich zur Zeit zahlungsfähig sei. stehe außer Zweifel, denn es verfüge über einen fabelhaften Goldschatz. Auch seine gewaltigen Rüstungsausgaben könnten stark vermindert werden und es sei im Interesse des europäischen Friedens zu begrüßen, daß der amerikanische Gläubiger auf Abrüstung dränge.

Deutschland sei ein Land ohne Gold. Da­gegen verfüge es zur Zeit über einen Waren- Überschuß. Allerdings komme dieser nicht aus dem Verkehr mit den Vereinigten Staaten, denn die deutsche Handelsbilanz mit den Verein gten Staaten sei stark passiv. Wir verwenden die Ueberschüsse aus dem Handelsverkehr mit anderen Ländern zur Bezahlung unserer Schulden an die Vereinigten Staaten. Aber diese Ueberschüsse reichen nicht mehr hin. Der Ausfuhrüberschuß sinkt und beträgt heute schon roeit weniger als die Hälfte des Ausfuhrüberschusses vom Jahre 1930.

Februar 1932 betrugen die deutschen Außen­schulden etwa 26 Milliarden Mark. Hiervon waren wieder etwa 5 Milliarden Mark in Deutsch­land angelegt. (Grundbesitz, Effektenbesitz usw.) Das waren also Werte, deren Erträge auch in das Gläubigerland herüberfl'.eßen müßten. Kre­dite waren beinahe 21 Milliarden vorhanden. Allein aus den Krediten ergaben sich Zah­lungsverpflichtungen für Deutschland imDetragevon 1 438 Mill. Zurückgezahlt hat Deutschland in den Jahren 1933/32 etwa 8,5 Mill arden Mart. Um diese Ziffer war die ur­sprüngliche Verschuldung größer.

Bisher Hal also Deutschland nicht nur feine Verpflichtungen in vollem Maße erfüllt, sondern auch gewaltige Ka­pitalzahlungen geleistet. Weitere fia- pitalrückzahlungen sind jetzt vollkommen aus­geschlossen. denn der Absluß dieser gewaltigen Summen hat die deutsche Wirtschaftskatastrophe hecbeigeführt. Ls fehlt in Deutschland vollkommen an Betriebskapital, viele Fabriken können lohnende Aufträge nicht hereinnehmen, weil es ihnen einfach an Geld fehlt. Der Kreditverkehr stockt. Alles ist ein­gefroren.

Rachdem so gewaltige Anstrengungen gemacht worden sind, haben wir das Recht, aber auch die Pflicht, als loyale Schuldner unsere Gläu­biger darauf aufmerksam zu machen, daß w i r nicht weiter können. Müssen die Zinsen in der bisherigen Höhe weiter gezahlt werden oder werden etwa weitere Rückzahlungen an Kapital gefordert, so wird Deutschland zusam­menbrechen und das Kapital wird für Gläubiger und Schuldner verloren sein. Wan darf auch nicht vergessen, daß Deutschland Überhohe Zinsen gezahlt hat. Man hnt vom deutschen Schuldner Risiko- zinsen verlangt, deren Weiterzahlung unsere Kräfte übersteigt.

Dr. Q u a a tz ergänzte diese Ausführungen u. a. durch folgende Hinweise: Frankreich verfüge über reiche Kolonien und große Auslandguthaben von seinem Goldschatz abgesehen. England habe ein gewaltiges Auslandvermögen und be­herrsche ein Mertel des Erdballs. Beide hätten bereits von den Vereinigten Staaten bedeu­tende Kapitalnachlässe erhalten, zahlten auch einen sehr bescheidenen Zinssatz.

Ls fei nicht richtig, wenn man sage, die fran­zösischen und "nglischen Schulden seien poli­tische Schulden, während die deutschen Schul­den Privat schulden seien, wenn man einem Esel einen Zentner mehr auflabe, )o sei es für die Frage, ob der Esel die Last tragen könne, gänzlich ohne Bedeutung, welche Auf­schrift die Last trage. Deutschland habe, wie Schacht und Luther nachgewiesen hätten, aus den Krediten 10 Milliarden Tribute gezahlt.

Etwa 4,5 Milliarden seien zudem auch unmittelbar und formell öffentliche Schulden. Im übrigen sei der größte Teil der Kredite in Gestalt von fremden Lebensmitteln hincingeflossen und habe den Markt für den deutschen Bauern

zerstört. Die Rationalisierung der In­dustrie mit fremdem Geld habe sich als völliger Fehlschlag herausgestellt. Tlmge- kehrt habe Frankreich Milliarden an ame­rikanischen Heeresbe ständen, die in Frankreich zurückblieben, zu einem billigen Preise auf Kredit bekommen. Hiervon seien dann noch Rachlässe gewährt worüe.u Den Schulden ständen also zwci.ellos dort Gegenwerte gegenüber. Deutschland wäre sehr zufrieden, wenn es das

gleiche Maß von Rach sicht erfahren würde, das der amerikanische Gläubiger den französischen und englischen Schuldner bereits praktisch bewiesen hätte. Die Deutschnationalen hielten es für ihre Aufgabe, rechtzeitig auf diese Lage hinzuweisen, damit man nicht in den Der- einigten Staaten überrascht werde und dann den Eindruck bekomme, einem böswilligen Schuldner gegenüberzustehen.

Gleiches Recht für alle.

Oer Reichsaußenminister über die Bedeutung des Zünfmächteabkommens und das Ziel der bevorstehenden Kämpfe.

Berlin, 21.Dez. (WTD.) Der Reichsmini­ster des Auswärtigen Freiherr v. Reurath veröffeni.icht imHeimatdienst" einen Aufsatz überDie Anerkennung von Deutschlands Gleich­berechtigung in der Wehrfrage". Er führt darin aus: Die als Abschluß der Fünfmächte-Bespre- chungen in Genf am 11. d. M. unterzeichnete Erklä­rung bedeutet einen entschiedenen Erfolg der bis­herigen deutschen Abrüstungspolitik. Die deutsche Gleichberechtigung ist in ihr daran kann keine Auslegungskunst etwas ändern unzweideutig anerkannt. Sie 'st nicht, wie die erste Formel Herriots wollte, als Ziel, sondern als einer der leitenden Grundsätze der Abrüstungskonferenz bezeichnet und soll in der Konvention praktisch verwirklicht werden. Die Sicherheit für alle Staaten, von der tn der Erklärung die Rede ist, fordern a u ch w i r , da wir das Mindest­maß nationaler Sicherheit nach Artikel 8 der Böl- kerbundssahung nicht besitzen, sondern gerade durch die praktische Durchführung der Gleichbercck- tigung im Rahmen der allgemeinen Abrüstung erreichen wollen.

Als die Abrüstungskonferenz am 2. Februar d. I. begann, lag hier der ausgearbeitete Äon» ventionsentwur f der Bo.beredenden Ab- rüstungskommission vor, dessen Artikel 53 Deutsch­land und den anderen abgrrüsteten Staaten die Gleichberechtigung aberkannte. Die Entwaff- nungsbestimmuiigen der Friedens'oerträge sollten, ganz unabhängig vom Ergebnis der Abrüstungs­konferenz, in Kraft bleiben. Dieser Art.53 des Konventionsentwurfes i st jetzt tot. Es

wird künftig nicht, wie es dieser Artikel wollte, zweierlei Recht in der Wehrfrage, sondern nur noch gleiches Recht für alle geben. Die Abrüstungskonvention, die von der Konferenz ausgearbeitet werden soll, wird für uns ge­nau so gelten wie für die anderen und den SeilV des Versailler Vertrages er­setzen.

Es märe jedoch verkehrt, zu glauben, daß die Schacht bereits gewonnen sei. Die Erklärung vom 11. Dezemder sieht vor, daß die Art und Weise der Anwendung der Gleichberech.i- t)ung auf der Abrüstungskonferenz e r - örtert werden soll. Gewiß entspricht dies dem Standpunkt, den wir von vornherein eingenommen haben. Es bedeutet aber natürlich auch, daß die Auseinandersetzung über bte praktische Durchführung unserer Gleichberechtigung, über den Umbau unserer Landesverteidi­gung, über die praktische Herstellung jenes Mindestmaßes oon nationaler Sicherheit, das mir brauchen, noch vor uns liegt. Ich verhehle mir nicht die großen Schwierigkeiten, die wir dabei noch werden überwinden müssen. Die Anerkennung unserer Gleichberechtigung in der Wehrfrage war eine Forderung des gan­zen deutschen Vo'kes. Die Geschlossenheit des deutschen Wollens hat wesent ich zum bisheri­gen Erfolg beigetragen. Sie wird auch für die Verhandlungen über die praktische Durchsetzung der Gleichberechtigung im einzelnen notwendig sein. Ich zweifle nicht daran, daß wir auch in Zukunft auf sie rechnen können.

Mussolini erobert eine Provinz.

Oie pontinischen Sümpfe besiegt. -3m Frieden eine Schlacht gewonnen.

Von unserem römischen D.-Korrespondenten.

Rom, Dezember 1932.

Wenn man Pose und Pathetik abzieht, die übri­gens auf italienischem Boden überzeugender und echter wirken als auf deutschem, wenn man Reklame und Propaganda nicht beachtet und nur nach den Tatsachen sieht, so bleibt im neuen Italien Musso­linis ein Heber maß von Leistungen, die neidlos anerkannt werden müssen. Denn sie gehören der Geschichte an, und es ist gar keine Frage, daß das ,/brüte Rom" nach dem Rom der Cäsaren und der Päpste draus und dran ist, die Weltmachtstel­lung Italiens aus einer jahrhundertelangen Ohn­macht wieder ans Licht der Geschichte zu bringen. Das sind die Schlachten, die ich liebe! Sie kosten keinen Tropfen Blut, aber sie bringen uns ganze Provinzen ein!" Friedrich der Große hat die Kulti- oiermig des Warthe- und Netzebruches schweigender und unpathetischer vollzogen, in der Sache selbst aber übertrifft Die Besiegung der Pontini­schen Sümpfe alle Urbarmachungen auf deut­schem Boden, ja sie dürste selbst schwieriger gewesen sein, als die Entsumpfung und (Entfieberung der Panamakanalzone durch die Amerikaner.

Am 18 Dezember fand die feierliche Einweihung der neugegründeten Stadt Li ttor l a in den trocken­gelegten Pontinischen Sümpfen statt. Vier neue Ge­meinden sind einstweilen entstanden. 6000 Bauern wurden auf neugewonnenem Boden angesiedelt. Aber der Kamps geht weiter. Im April er­halten weitere 2000 Familien Land und Hof, im Herbst 1933 wird Mussolini die Stadt Sa bau da einwechen, im Frühling 1934 wird das neue Italien neben diesen beiden neuen Städten auch noch um die Stadt Pontinia reicher fein. 40 000 bis 50 000 Bauern werden ihr Brot künftighin auf einem Gelände finden, das bis unmittelbar ans Tor der ewigen Stadt reicht und durch Jahrtausende ein Hort des Fiebers war. Mussolini hat eine Schlacht gewonnen, eine Schlacht der Tech­niker, Ingenieure, Maschinen und Bauern gegen einen Boden, auf dem der Fluch der Jahrtausende lag. Ein rührender Zug Menschlichkeit verlieh dem Sieg über dem Sumpf ein kleines, aber bezeichnen­des Ornament: am Tag der Einweihung von Lit- foria erklärte Mussolini die Insel Capri und die großen Strecken, durch die im Herbst und Früh­ling der Flug der Zugvögel geht, z u Na­tu r s ch u tz g e b i e t e n. In Zukunft unterbleibt also der Singoogelfantj. Die Begründung des Er­lasses ift eine solche, wie sie nur ein Diktator geben Fann. Mussolini bekennt, daß ihn ein Kapitel in dem BuchDer Arzt oon San-Michele" des Schwe­

den Axel Munthe tief ergriffen habe, es sei die Stelle, die von dem Massenmord der Italiener an den Singvögeln berichtet.

DieBonificia dell'Agro Pontino", die Ent­sumpfung und Urbarmachung der Pontinischen Sümpfe, ist die große Gipfelleistung des großen italienischen Gesamtplanes, die Halbinsel zu kulti­vieren. Am 5. April 1932 hat Mussolini den ersten Besuch dem Arbeitsgelände abgestattet. Am 18. De­zember stand die erste Stadt fix und fertig, und Mussolini pries vom Rathaus des neuen Littoria den Swg. Littoria, Sabauda und Pontinia werden neue Städte sein, aber der Boden, auf dem sie stehen, ist getränkt mit Geschichte. Ehe derlatei­nische Bund" mit der Unterwerfung Italiens die Grundlage der römischen Weltmacht schuf, brauchte er zuerst einmal 206 Jahre, um die Ureinwohner Italiens, die sich in die Pontinischen Sümpfe zurück­gezogen hatten, unter das ramifdje Joch zu zwin­gen. Furius C a m i 11 u s, Diktator der Republik, blieb Sieger über die Vols-ker, aber dieser Sieg brachte für Rom gleichzeitig eine Bedrohung. Denn mit den Städten und Niederlassungen der Volsker wurden auch die Entwässerungsanla­gen zerstört, durch die das Urvolk vor Jahr­tausenden die Pontinischen Sümpfe immerhin fie­berfrei und anbaureif gemacht hatte. Während Gal­lien und (Bermanien unterworfen wurden, während die Partherschlachten tobten, versumpfte die Heimat der Volsker völlig und rückte langsam mit Malaria und gelbem Fieber gegen Rom vor. Rom brauchte Getreide. Vor seinen Toren lag Ackerland, das einstmals ein ganzes Volk ernährt hatte. Cäsar beschloß, den Tiber abzulenken und ihn bei Terra- zina ins Meer zu führen, damit er auf dem Wege dorthin die fieberbrütenden Gewässer der Pontini­schen Ebene mitnehme. Cäsar wurde ermordet. An­tonius und Augustus eroberten Germanien, aber sie scheiterten an Pontinien. Nero, Domitian, Nervo, Trajan bauen mühsam Straßen durch den Sumpf, aber die Fahrt geht auf Leben und Tod. Von Hadrian bis zur Gotenzeit rangt sich niemand mehr an die Pontinischen Sümpfe heran. Daserste Rom" der Cäsaren brach zusammen. Der Sumps war Sieger geblieben.

Das ..zweite Rom" der Päpste und römischen Kailer deutscher Ration hat keine Zeit, den An­griff gegen den Sumpf zu beginnen. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts versucht Pius VI., einen großen Entwästerungskanal zu bauen. Ra ° Poleon. voller Pläne, gibt im Jahre 1810 den Befehl, den Sumpf zu besiegen, so wie

Oesterreich, Preußen und Rußland besiegt wur­den. Zwei Jahre später findet Rapoleons ..große Armee" auf den russischen Eisfeldern ihr Ende. Wieder vergeht ein Jahrhundert, ohne daß durch­greifende Schritte getan werden, um Roms Um­gebung bewohnbar und fieberfrei zu machen. Erst mit dem Sieg des Faschismus wird es anders. 1923 setzt Mussolini fest, daß jähr­lich eine Milliarde Lire zum Kampf gegen den Sumpf bereitgestellt werden. Es wird eine ob?re und untere Hälfte der Angriffszone eingeteilt, die Dergwälser der oberen Zone werden direkt abgeleitet, die Unterzone wird durch Drainage- anlagen entwässert. Im August 1931 sind 25 Kilometer Straßen erbaut, 130 Kolonenhärller errichtet, 4 Millionen Kubikmeter Erdverschie­bung b:werkstelligt. Im April 1932 endlich kann Mussolini den Befehl zur Besiedlung erteilen. Das gesamte Sumpfgebiet im Umfang von 18 000 Hektar wird dem Kriegsteilnehmer- Verband überschrieben. Und jetzt strömen die Bauernsöhne aus Rord-Jialien, deren Väter den Weltkrieg mitgemacht haben, zusammen, sie finden ihre Häuser schlüsielfertig vor, sie werden mit der Bearbeitung des Bodens beginnen, gleich­zeitig wird der Kampf gegen die Ma­laria-Fliege zu Ende geführt. Korn wird sprießen, glückliche Bauern werden das Land besitzen, in der Rähe Roms wird ein frucht­bares Paradies entstehen: Dank der rast­losen Eenergie Mussolinis, der endlich den Pon­tinischen Sumpf besiegte.

Oer Löwe von Tran.

Scharfe Antwort a- s Südstawien an Mussolini.

Budapest, 21. Dez. (TU.) Rach einer Mel­dung des2h Est" aus Belgrad hielt der Mini­ster des Aeußeren, I e s t i t s ch, im südlawischen Parlament heute eine Rede, die eine s eh r scharfe Entgegnung auf die jüngste Aeuhe- rung Mussolinis über die Ereignisse in Trau darstellt, wo bekanntlich ein venetianischer Marmorlöwe heruntergestürzt war, was in Ita­lien als nationale Beschimpfung aufgefaht wor­den war. Der südslawische Minister stellte vor allem fest, daß der italienische Staatsbürger, der angeblich ermordet worden sei, eines natürlichen Todes gestorben sei. So­dann erklärte der Minister, drnrch die Beschädi­gung der Löwen in Trau habe Italien weder einen nationalen, noch einen mate­riellen Schaden erlitten. Die Geschehnisse dort böten keine genügende Grundlage für einen diplomatischen Schritt. Südslawien verstehe nicht, wie man wegen dieser Zwischenfälle in Italien eine förmliche Hetze gegen Südslawien hervor- gerufen habe und wie man deretwegen im Senat leichtfertig eine so scharfe Rede halten könne. Die Würde Südslawiens gestatte es nicht, von dieser Stelle aus sich in eine Auseinander­setzung einzulassen. Süd.lawien verfolge auch wei­ter eine Friedenspolitik. Jedoch müsse betont werden, daß dies nicht eine Politik des h er unterhängenden Kopfes und der gefalteten Hände sein werde.

Finanzen und Wirtschaft.

Ohne Wirtschaftsbelebung keine Finanz­sanierung.

Berlin, 22. Dez. (ERB.) Reichsfinanzmini­ster Graf Schwerin v. Krosigk beschäftigt sich in einem Artikel imHeimatdienst" mit der Entwicklung der öffentlichen Finanzen und den Möglichkeiten einer Entlastung der Wirtschaft. 3n den letzten Jahren sei trotz zahlreicher Steuererhöhungen das Steuer­aufkommen immer mehr zurückgegan­gen. Der Gesamtbetrag der öffentlichen. Haus­halte habe 1929 noch 23,8 Milliarden betragen, 1932 nur noch 14,8 Milliarden. Reich. Länder und Gemeinden seien bei Beginn der Krise ohne jegliche Reserven gewesen. Die einschnei­dende Drosselung der sächlichen Ausgaben habe der Wirtschaft Aufträge entzogen und eine wei­tere CBergröficrung der Arbeitslosigkeit bewirkt. Die Steuererhöhungen entkräfteten, d i e W i r t f d> a f t. Es sei ein verhängnisvoller Kreislauf gewesen, der niemals zu einer Gesun­dung führen konnte.

Beim ersten Anzeichen einer Wirtschaftsbetebung konnte und mußte das Steuer herum­geworfen werden. Wie die öffentlichen haushalte durch den Niedergang der Wirt­schaft zerrüttet sind, so können sie nur durch eine Lnttastung der wirtschaft und die daraus folgende Belebung endgültig saniert werden. Diese Entlastung ist sofort nötig, da der Zeitraum überbrückt werden muß, bis die neubelebte Wirtschaft größere Erträge ab­wirft und aus diesen Erträgen weni­ger drückende, aber doch ertragreiche Steuern liefern kann.

Diesem Ziele dienen die Steuergutscheine, die eine Vorweggenom meneSteuersen- fung sind. Daneben hat die Reichsregierung einen äußeren Anstoß für die wirtschaftliche Be­lebung durch ein Arbeitsbeschaffungs- Programm im Ausmaß von 0,75 Milliarden gegeben. Für Stühungszwecke, insbesondere Banken st ühung, wurden etwa für eine Mil­liarde Mark Reichs!chahanweisungen ausgegeben. Bürgschaften wurden für einen Betrag von 2,1 Milliarden übernommen. Wenn, wie zu erwarten ist, eine weitere Verschlechterung der Wirtschafts­lage nicht eintritt, ist das Verlustrisiko aus den Bürgschaften verhältnismäßig gering. Die