Ausgabe 
22.12.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die Verwendung der hessischen Ruhrgelder

Handwerker-Untersuchungsausschuß des Hessischen Landtags.

WSÄ. Darmstadt. 21.D«z. Schlossermeister QDilfclm SchulmeyerV.. Mörfelden, war am 14. Dezember 1932 als Zeuge vor dem Unter» suchungsausschutz des Landtages über die Ver­waltung und Verwendung der Rhein-Ruhr-Httfe- gelber geladen, konnte jeooch seine Aussagen in­folge des Einspruches des Ausschußvorfitzenden nicht beenden. Er veröffentlicht jetzt in der Presse eine Erklärung, in der es u. a. heißt:

»Der größte Teil der Mör.'eldener Handwerker steht auf dem Standpunkt, daß der Kampf gegen Handwerkskammer und HZG. nur von zwei bis drei Herren aus besonderen Gründen geführt und von der Mehrzahl des Handwerkes abgelehnt wird. Die Aussagen eines Vorstandsmitgliedes des Dezirksverbandes Groß-Gerau bestätigen diese Auffassung. Dieser Herr erklärte in Ingel­heim auf der Handwerkertagung unter Zeugen, daß sie den Kampf nur führten auf Veranlassung des Direktors der Groß-Gerauer Volksbank, Reiß, und des früheren Landtagsabgeordneten Apotheker Senat (Goddelau). Aus diesen Zu­sammenhängen läßt sich das Mör.eldener Hand­werk nicht als Merkzeug gebrauchen, um einen Herrn Dvnat wieder zu einem Landtagsmandat

zu verhelfen, noch um einem Herrn Reiß bei einem Racheakt gegen die HZG. behilflich zu sein. Wie bereit- im Juni Z>. 3. mitgeteilt, hat die Volksbank Groß-Gerau von der HZG. einen Kredit von über 100 000 Mark erhalten, wofür die Volksbank Groß-Gerau 17 003 Mark HZG.- Aktien übernahm. Die Hälfte dieser HZG.-Aktien ist durch die Kapitalzusammenlegung der HZG. verloren. Dieser Aktienverlust ist eine der Ur­sachen des Kampfes gegen die HZG., eine andere, daß die Groß-Gerauer Volksbank kein »Sachsen- geld" erhalten hat. Aus den bisherigen Zeugen­aussagen vor dem Untersuchungsausschuß ergibt sich, daß fast alle Behauptungen in der Agitation gegen HK. und HZG. aufgebauscht waren oder sich nicht mehr aufrecht erhalten lassen, nachdem die früheren Erklärungen einiger Angegriffener auch unter Eid wiederholt wurden. Die Mörfelde« ner Handwerker werden sich deshalb nicht dazu her- geben, für andere Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wie ich hörte, hat das Mitglied des Untersuchungsausschusses, Abg. A n t h e s, bei der Staatsanwal schäft die strafrechtliche Unter­suchung einiger Zeugenaussagen beantragt."

Obecheffen.

Wiedereinweihung der Stadtkirche zu Homberg

-er. Homberg, 21. Dez. Ein Tag hoher, fest­licher Freude mar der vergangene Sonntag für un­ser Städtchen. Die über 6Ö0 Jahre alte Slcrdttirche wurde wieder eingeweiht. Die Stadt prangte in reichem Fahnenschmuck. Vom Kirchturm wehte die Kirchenfahne. Die Feier begann mit einem F e st - zug vom Amtsgericht und der Friedhofskapell« nach der Kirche. Die Schulen, die Feuerwehrkapell«, die Geistlichkeit, Vertreter der Behörden, die Ver­eine und zahlreiche Gemeindemitglieder nahmen daran teil. Orgelklänge (Lehrer Allendörser) emp­fingen die Festocrsainmlung in der Stadt.irche. Superintendent Dr. Wagner hielt die Altar- litur-gie. Der Mannergesangverein sang einen Cho­ral. Sodann hielt der Superintendent die Weihe- rede und weihte im Anschluß daran das Gottes­haus. Die Festpredigt hielt der Ortsgeistliche, Pfar­rer Prätorius, der er das alte Kcrchweihevange- lium von Jesu Einkehr bei Zachäus zu Grunde legte. Nach einem weiteren Chorliod des Gesang­vereinsFrauenlob" sprach der Prälat der hessi­schen Landeskirche, D. Dr. Diehl, zur Gemeinde und erinnerte dabei an den Pfarrer und Super­intendenten N i g r i n u s (Schwarz), der um 1555 in Homberg amtierte. Mit der Mahnung:Wapp­net Euch ihr Christenleute mit Bekennermut" schloß der Prälat seine Ausführungen. Einem Lied der Gemeinde folgte Gebet und Vaterunser durch Dekan Schmidt und der Segen durch Oberlirchenrat D. Wagner. Unmittelbar an den Festgottesdienst schloß sich eine weitere Feier an, in deren Mittel­punkt die Verleidung des EhrentiOlsDoktor der Theologie" an Herrn Geheimen Oberbaurat und Professor an der Technischen Hochschule zu Darm­stadt, Heinrich Walde, durch den derzeitigen De­kan der theoloaischen Fakultät an der Universität Gießen, Professor der Theologie Rudolf, stand. Geheimrat Walde dankte mit herzlichen Worten für die überraschende Ehre, die ihm aus Amaß sei­ner 30jährigen Tätigkeit als Denk­malpfleger für Oberhessen zuteil wurde. Er hat in dieser Zeit etwa 100 Kirchen in. Oberhessen wiederhergestellt.

In einer Nachversammlung am Nachmit­tag begrüßte der Ortsgeistliche die Festversamm­lung. Sodann sprach Geheimrat Walde über die hiesige Stadtkirche, gab eine Erklärung ihrer Ge­schichte und schilderte die jetzt erfolgten Wiederher- stellungsarbeiten. In einem dreiviertelstündigen Vortrag sprach dann noch Prälat Lr. Dr. Diehl über Hombergs geschichtliche und kirchengeschichtliche Vergangenheit. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Dekan Schmidt überbrachte

die Grüße des Dekanats Grünberg für den Orts- geisllichen, der mit seinen 28 Amtsjahren in Hom­berg und früheren zwei Jahren in Ober-Osleiiden nunmehr 30 Jahre lang zum Dekanat Grünberg gehört. In einem Schlußwort dankte der Ortsaeistliche allen Rednern, der Musik­kapelle, den Gesangvereinen für ihre Mitwirkung, ferner der ganzen Gemeinde und besonders der Bauleitung. Er erwähnte besonders die Namen der Herren Baurat Vogt, Regierungsbauführer Hof. mann und Dauinspektor Essel- Homberg, die sich durch ihre Arbeit große Verdienste um die Hornberger Stadtkirche erwarben. Die neu wieder­her gestellte Kirche ist zu einer Sehenswürdigkeit ge­worden.

Landkreis Gießen.

* Großen-Duseck, 23. Dez. Am SamStag veranstaltete der Fußballklub 1 9 2 6 G r. - Buseck in der WirtschaftZum Dufecker Tal" eine Weihnachtsfeier. Der Vorsitzende, Reichsbahnangestellter Ludwig Drück, hielt eine Ansprache. Der Posaunenchor Großen-Buseck, unter Stabführung von Herrn R i c o l a i, trug durch Weihnachts- und Adventslieder viel zur Verschönerung des Abends bei. Die von Mit­gliedern aufgeführten Theaterstücke ernteten ver­dienten Beifall.

# Lich, 21. Dez. Dank der gemeinsamen Be- mühungen des Verkehrsvereins Lich, der Stadtver- waltung und des Gewerbevereins ist seit heute durch die Oberpostdirektion Darmstadt wieder eine zweite Ortszustellung der Postsachen eingeführt worden. Damit ist einem dringenden Bedürfnis der hiesigen Geschäftswelt Rechnung ge­tragen. Dankbar anerkannt sei, daß das hiesige Post­amt die Notwendigkeit der zweiten Postzustellung befürwortete und die jetzt entstandene Mehrarbeit im Interesse der Einwohnerschaft leisten will.

Kreis Lauterbach.

Schlitz, 21. Dez. Heute gegen 16 Uhr brach im Anwesen der Metzgerei und Gastwirtschaft Weber an der Ecke Bahnhofstraße und Güntergasse (einer der verkehrsreichsten Stellen der Stadt) Feuer aus, das sehr rasch um sich griff. Der Dachstuhl eines Nebengebäudes und eine Remis«, in ter Heu und Stroh untergebracht waren, wur­den ein Raub der Flammen. Die Schützer Feuerwehr griff das Feuer mit der Motorspritze energisch an und konnte nach dreistündiger ange- strengter Arbeit den Brandherd zu lokalisieren. Die Einrichtungsgegenstände konnten fast sämtlich in Sicherheit gebracht werden. Der Schaden ist nicht unbeträchtlich, jedoch durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.

Rüben 810, Roke Rüben 810, Spinat 20, Unter-Kohlrabi 68, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 3550, Schwarzwurzeln 2530, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 30, Dörrobst 3540, Honig 4045, Rüsse 35 bis 40, Junge Hähne 7090, Suppenhühner 60 bis 80, Gänse 75-90, Enten 80-90 Pf. das Pfd., Tauben 4050, Blumenkohl 4050, Endivien 10 bis 15, Lauch 510, Rettich 1015, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück; Kartoffeln 2,53 Mk. per Zentner.

Äornotrzcn.

Tageskalender für Donnerstag Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Die oder keine". Astoria-Lichtspiele (Settersweg):Gentlemen für einen Tag" undSOS Schiff in Not".

Das Po 1 izeiamt am 27. Dezember geschlossen. Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Wegen Vornahme von Kesselreinigung bleibt dos Polizeiamt am Dienstag, 27. Ifd. Mts., für den Publikumsverkehr geschlossen. Um dringende, kei­nen Aufschub duldende Fälle zur Erledigung bringen zu können, haben wir jedoch an diesem Tage in der Zeit von 11 bis 12 Uhr vormittags für den Derlehr mit dem Publikum einen Cil- dtenst eingerichtet.

"Das Volksbad amHeiligenAbend und an Silvester. Das Volksbad bleibt am Heiligen Abend und an Silvester in der Mit­tagszeit zwischen 13 und 14.33 Uhr geöffnet, es wird allerdings an beiden Tagen schon um 15 chlhr geschloßen. Auf die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil sei hingewiesen.

Vorbe st eilte Theaterkarten z u den Weihnachtstagen. Die Intendanz des Stadttheaters macht darauf aufmcrlfam, daß für die Weihnachtstage vorbestellte Karten wegen dec großen Rachfrage bis spätestens Samstag­mittag 13 Uhr ab geholt sein müssen, da die Kaste sonst anderweitig darüber verfügen muh. Für auswärtige Besucher bis eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung.

* * Der Alicefrauenverein vom Ro­ten Kreuz hatte am Dienstag 153 junge Müt­ter zur Weihnachtsfeier eingeladen. Das Fest, unterstützt von den Fürsorgeschwestern und Freun­den des Vereins, verlief in schönster Weise. Sn kurzen Begrüßungswortcn wurden die jungen Frauen auf die Aufgaben ihres Mutlerberuses hingewiesen und ermahnt, ihre Kinder zielbewuht, d. h. deutsch und fromm zum Besten unseres Va­terlandes zu erziehen. Cs schlossen sich Dankes- worte an die Schwestern an für ihre unermüd­liche, aufopfernde Betreuung der Mütter. Die Kaffeepause fehlte natürlich nicht. Die ganze Feier wurde überstrahlt von den graziösen Tanz­vorführungen unserer heimischen jungen Künst­lerin Frl. Ange D a ch, verständnisinnig von Fräulein Dock (Klavier) und Herrn Schu­mann (Violine) begleitet. Sogar ein kleiner Engel war vom Himmel gefallen. Die Bescherung, als Schlußakt, erregte große Freude, uub gern nahm jede Mutter ihrem Liebling ein ,Christ­kindchen", ein Kleidchen, in dankenswerter Weise in der Rähstube desAllgemeinen Frauenver­eins gearbeitet, mit nach Hause. Allen denen, die dazu beigettagen haben, das Fest harmonisch zu gestalten, gebührt wärmster Dank.

* Weihnachtsfeier der Heimat- vereinigung Schiffenberg. Dem Be­richt über die Weihnachtsfeier der Heimatver­einigung Schifsenberg tragen wir, einem Wunsche entsprechend, nach, daß sich auch der Schreiner- meister Stumpf- Garbrnteich um die Vorberei­tung deL Festes verdient gemacht hat.

* Kellerbrond. Heute gegen 12 Uhr ent­stand im Hause Marktstrahe 2 ein Kellerbrand. Die im Keller untergebrachten Brennstoffvorräte, Kisten und Papier usw. waren von den Flam­men ergriffen und brannten unter großer Rauche entwicklung. Die Feuerwehr, die sofort herbei­gerufen wurde, konnte des Brandes bald Herr werden und nach etwa Vzstündiger Tätigkeit wie­der abrüden. Auf welche Mei e das Feuer ent­stand, konnte bisher nicht einwandfrei festgestellt werden.

Vezittsschöffengerichi Gießen.

* Gießen, 21. Dez. Auf übte Art hat ein Handelsmann aus Treis a. d. L. Leute geprellt. Ein im Besitz von mäßigem Grundvermögen und nicht viel größeren Geisteskräften befindlicher Landwirt suchte ein Darlehen von 203 Mk. und wurde von einem Bekannten an den heute wegen Urkundenfälschung und Betrugs unter Anklage stehenden Händler verwiesen. Dieser ließ sich einen Wechsel akzeptieren und verlangte ferner die Querschrift auf einen Wechsel ein Gefällig­keitsakzept, den er nicht über 503 Mk. auszu- stellen versprach. Die Unterschrift bezeichnete er als so schlecht, daß ihm kein Mensch den Wechsel abnehme. Der ahnungslose Landwirt lieh sich her­bei, einen neuen Wechsel mit seiner schönsten Un­terschrift zu versehen; den schlecht unterschriebe­nen, erklärte ihm der Händler, werde er ver- nichtew Tatsächlich füllte er den einen vertrags­widrig mit einem viel höheren, und den andern ebenfalls mit einem namhaften Betrag aus und setzte sie in Umlauf. Einen anderen Landwirt schädigte er ebenfalls um einen beträchtlichen Be­trag, indem er ein Derlängerungsakzept nicht an die vertraglich bestimmte, sondern an eine andere Person weitergab. Ferner lieferte er eine Summe, die er bei einem Diehverkaus für einen Landwirt eingenommen hatte, entgegen seinem Versprechen nur zum Teil ab. Der Angeklagte leugnete mit bemerkenswertem Gesckick und suchte die Ange­legenheit nach Möglichkeit zu verwirren und zu verdunkeln. Er wurde indessen durch die umfang­reiche Beweisaufnahme einwandfrei überführt und erhielt wegen Urkundenfälschung, Betrugs und Unterschlagung eine Gesamtgefäng­nisstrafe von sieben Monaten.

Wegen dreier Einbruchsdiebstähte erhielt ein junger Mann eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten, wegen Untreue und Urkun­denfälschung der Rechner einer Kohlenkasse eine solche von a ch t Monaten. Beide waren in vollem Umfang geständig. Bei dem Rechner wirkte strafmildernd, daß er sich bis in sein vorgerücktes Alter tadellos geführt hatte, durch eine gewisse Rot zu seinen Verfehlungen gekommen war und den Schaden in vollem Umfang wieder gutge­macht hat.

Wirtschaft.

* Metallgesellschaft 21(3., Frankfurt am Main. Die Bilanz per 30. Septernöer schließt mit einem Gewinnooiteag von 45 614,55 RM. ab, der auf neue Rechnung oorgetragen wird (im Vor­jahr 24,5 Millionen Reichsmark Verlust und Sanie­rung 5:3). Die ca. 5 000 000 RM. Stammaktien, die die Gesellschaft mit Rücksicht auf eine den Anleihe­zeichnern zugesagte Option noch im eigenen Besitz halten mußte, sollen eingezogen werden. Die Ge­neralversammlung soll am 21. Februar abgehalten werden.

* Di e Beschäftigungslage im Kon­zern der Vereinigte Stahlwerke. Seit dem 1. 10. 32 sind bei der Vereinigte Stahlwerke AG., Düsseldorf, wie WTB.'Handelsdier.st erfährt, auf Grund der Notverordnung rd. 6000 Arbeiter und Angestellte neu eingestellt worden. Der Absatz an Jndustriekohle ist lebhafter geworden, bei den Eifen- betrieben ist, trotzdem die Russenaufträge im wesent- llche-n aufgeardeitet sind, anhaltende Jiad)frage zv bemerken. Am Auslandmarkt sind infolge der wei­teren Pfundentwertung und neuerlichen internatio­nalen Preisrückgänge Geschäfte kaum abzuschlie­ßen. Don der Arbeitsbeschaffung erroartet man neue Bestellungen.

Hoesch-Köln-Neuesfen AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb, Dort­mund. Die Generalversammlung genehmigte ein« ft mmig den Abschluß für 1931/32 sowie die Herab- setzung des Stammkapitals auf 102,10 Millionen Reichsmark durch Einziehung von 40 Millionen Reichsmark eigenen Stammaktien. Generaldirektor Dr. Fritz Spnngorum führte u. a. aus, die ersten fünf Monate des neuen Geschäftsjahres hätten ge­zeigt, daß mit der Bilanz 1931/32 die Grundlage dafür geschaffen sei, daß die Auswirkungen der Wirtschaftsbelebung auch in den künftigen Ergeb- niffen in Erscheinung treten werden.

Frankfurt still, aber etwas freundlicher.

Frankfurt, 22. Dez. (WTB.-DrabtmeiLung.) Die Börse eröffnete wegen der bevorstehenden Un­terbrechung des Geschäfts durch die Weihnachtsfeier­tage zwar in stiller Haltung, doch war die Stimmung durch günstiae Nachrichten aus dem In­dustrie-Revier und nach dem gestrigen Rückschlag etwas freundlicher. Bei der Kulisse bestand nach den Glattstellungen der letzten Tage Deckungs­bedürfnis, doch bestand diese Neigung nur in klei­nerem Ausmaß, da die steigenden Arbeitslosen­ziffern zur Zurückhaltung mahnten.

Die ersten Notierungen lagen überwiegend um 0,50 bis 1 o. H. fester, wobei Montanwerke bevor­zugt waren und lebhafte Umsätze verzeichneten. Gelsenlirchen, Buderus, Mannesmann, Rheinstahl und Rheinische BraunkoPen lagen bis zu 1,25 v. H. höher. Stahlvereins-Bonds setzten zunächst unver­ändert ein, waren aber dann 1 o. H. höher, ebenso wie Phönix-Bergbau, die anfangs etwas nachgaben. Am Chemie-Markt lagen IG.-Farben 0,40 v. H. freundlicher, das Geschäft war aber sehr klein. . Rütgers-Werke gewannen 1,25, Scheideanstalt 0,50 o. H. Metallgesellschaft waren knapp geha'ten. Von Elektroattien eröffneten AEG. 0,40 o H., Lech- Werke Augsburg 0,75 v. H. und Schuckert 0,50 o. H. fester, während Rheinische Elektro-Mannheim und Siemens 0 50 v. H. verloren. Schiffahrtspapiere und ReichsbankanteUe lagert um Bruchteile eines Pro­zentes gebessert. Matt waren nach der gestrigen Erholung Deutsche Linoleum, die 2 v. H. einbüßten.

Deutsche Anleihen und späte Reichsschuldbuch­forderungen setzten unverändert ein. Don Industrie- Obligationen gaben Stahlverein-Bonds etwas nach, Mittelstahl-Bonds lagen 0,75 v. H. niedriger. Am Pfandbriefmarkt traten nur unwesentliche Verän­derungen ein. Am Auslandsrentenmarkt zeigte sich

erhöhte Nachfrage nach österreichischen und ungari­schen Anleihen, die 0,75 o. H. hicher lagen. Auch Türken waren leicht befestigt. Die Umfafctätigteit blieb aber weiter schleppend. Deutsche Linoleum und Siemens und Halske notierten später 1 v. H. höher. Tagesgeld lag unverändett und war etwas gesucht.

Berlin freundlich und nicht ganz einheitlich.

Berlin, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) Die Stimmung war, rote schon an der Vorbörse, so auch zum offiziellen Beginn als freundlich zu be .zeichnen, wenn auch die Kursgestaltung wieder nicht einheitlich war. Die vorliegenden Momente waren überwiegend günstiger Natur, doch mahnte die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage im Reiche zur Zurückhaltung. Bei den Banken lagen verschie- tentliA Kauforders vor, die sich in der Hauptsache auf Montanpapiere erstreckten, und auch für ver­schiedene Elektropapiere zeigte sich Interesse. Doch konnte man anderseits auch Realisationen vor den Feiertagen beobachten. Die Perfektuierung des Ar boitsbeschaffungsprogramms mit einem Betrage von 500 Millionen Mark wurde mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Einen recht guten Eindruck machte der Bericht tyr Vereinigten Stahlwerke, der von einem lebhafteren Absatz spricht und recht opti rnistisch gehalten ist. Durch das Arbeitsbeschaffungs- Programm sind bei den Werken bis jetzt 6000 Mann neu eingestellt worden. Auch die in der gestrigen Generalversammlung bei Hösch, Köln-Neuessen, ge­äußerte Geschäftsbelebung und besseren Zukunfts- aussichten haben natürlich befriedigt. Mit Interesse nahm man einen Artikel des Reichsfinanzministers zur Kenntnis, der gleichfalls in einen optimistischen Ton ausklingt. Don der gestrigen Reuyorker Börse tonnte eine Anregung nicht ausgehen, auch nicht von der Bewegung der deutschen Bonds dort, doch regte die weitere Erholung des englischen Pfun­des an.

Am Farbenmarkt lag wieder Material vor, so daß der Kurs um % Prozent zurückging. Am Montan­markt lagen nur Phönix, Rheinstahl und Schlesischer Bergbau etwas schwächer, alle anderen Werte bes­serten sich. Deutsch-Linoleum waren bis 2 Prozent abgeschwächt. Deutsche Anleihen waren etwas fester, auch Pfandbriefe zeigten freundliche Grund­stimmung. Im Verlaufe ergaben sich zunächst bei etwas belebterem Geschäft überwiegend Kurs- bessern n gen bis % Prozent. Am Geld­markt war die Situation fast unverändert. Tagesgeld stellte sich an der unteren Grenze auf 4V*bzw. 4% und auch 4 Prozent. Monategeld Miet» unverändert. Privatdiskonten waren weiter ange­boten, während Re'chswechsel per 20. März und Reichsschatzanweisungen per 18. April weiter fast umsatzlos blieben.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt <l M, 22. Dez. Ruftrieb: 82 Rinder, 901 Kälber, 113 Schafe, 695 Schweine (darunter 270 Litauer). Es notierten: Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 35 bis 38, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 34, geringe Kälber 25 bis 30. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 24 bis 26, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut ge­nährte Schafe 20 bis 23. M a r 11 b e c 1 a u f : Un allen Gattungen rege, ausverkauft.

Das Verfahren gegen Pfarrer probst eingestellt.

WSN. Frankfurt a. M., 21. Dez. Das von der Staatsanwaltschaft gegen Pfarrer P r o b st wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten ein­geleitete Ermittlungsverfahren ist eingestellt wor­den. lieber die Gründe läßt sich die Staatsanwalt­schaft nicht aus.

Großbeirüger wird abgeurieili.

Die Schwindeleien

desWestdeutschen verfandgefchäfts".

WER. Limburg, 21. Dez. Die hiesige Große Strafkammer verhandelte gegen einen Großbe- trüger auf dem Gebiete des Warenschwin­dels. Jahrelang hat er durch betrügerische Preis­rätselinserate in ganz Europa Kunden angelockt und sie nach erfolgter Zahlung mit wertlosem Zeug versorgt. Der Mann kann von sich behaupten, daß er alle deutschen Konsulate Europas besLäs- tigte, an die sich die Bettogenen beschwerdefüh­rend wandten. Seine Tätigkeit bedeutete somit auch eine schwere Schädigung deutscher Export- int.reffen. Als ihm in Berlin der Boden zu heiß wurde, siedelte er nach Eisemroth (Dill- kreis) über und gründete dort das West- deutscheDersandgeschäst, das nach.er­probten Grundsätzen" weiterarbeitete. 3n kurzer Jett ging bei der kleinen Postanstalt des Orte» so viel Post für die Schwindelfirma aus ganz Europa ein, daß man einen weiteren Beamten einstellen mußte. Bald aber kam auch der Staats­anwalt hinter die Geheimnisse der Firma und schloß den Laden. Der Inhaber, A. Gräb, er­hielt wegen Betrugs und unlauteren Wettbewerbs ein Llahr dreiMonate Gefängnis die jetzt mit anderen Strafen gleicher Art zu zwei Jahren Gefängnis zusammengezogen wur­den.

Wettervoraussage.

Der hohe Druck über den Balkanläntern, der stch nun auch weiter nordwärts bis nach Sfantenaoien aufgebaut hat, beeinflußt immer noch unsere Wei­ter.age. Allerdings gelangt durch den neuen kräf­tigen Island wirbel maritime Luft nach dem Fest­lande vor, die bereits auf unseren Bergen durch Umdrehen der Winde auf Westen zum Ausdruck kommt. Sie dürste sich vermutlich auch nach der Tiefe durchsetzen und den schon tagelang festliegen, den Kaltherd mildern. Außerdem wird es zu Nebel- und Dunsttnldungen kommen, wobei auch später vereinzelt etwas Sprühregen wahrscheinlich ist.

Vorhersage für Freitag: Abschwächung des Nachtfrostes, neblig, wolkig, trocken.

Vorhersage für Samstag: Langsam« weitere Milderung und wechselnd wolkig, bei nächt­lichem Aufklaren geringer Frost, meistens trocken.

Lufttemperaturen am 21. Dezember: mittags 1,1 Grad Celsius, abends2,9 Grad; am 22. Dezember: morgens2,9 Grad. Maximum 0,6 Grad, Minimum 5,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 21. Dezember: abends 2,4 Grad; am 22. Dezember: morgens2,9 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 5% Stunden.

CCREME MOUSONj

__ ___j«

Schon für 25 Pfg

Creme Mouson brauchen Sie nun nie mehr missen, denn die Tube hot in der kleinsten Tasche Platz. Ob in Gesellschaft - im Restaurant - oder im Theater, eine Minute Alleinsein genügt, um durch Einreiben mit Creme Mouson dem Teint ein reines, mattes Aus­sehen zu geben.