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Gestern morgen 9 Uhr entschlief sanft nach einem arbeitsreichen Leben mein lieber Gatte, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel
Herr Jakob Gerhard, Schuhmachermstr.
im 81. Lebensjahre.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Gerhard, geb. Köhler.
Gießen (Lindengasse 1), den 22. November 1932.
Die Beerdigung findet statt: Donnerstag, 24. Nov., nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. sroM
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Herrn Wilhelm Bernhardt
zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus.
Charlotte Bernhardt
im Namen aller Hinterbliebenen.
Gießen, den 21. November 1932.
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Gegen Abend hatte sich ein Schneesturm auf- gemacht. Als der Materialverwalter Schmitt um 21 Ulyr noch einmal die Runde durch den Hof machte, pfiff der Wind vom Fluß her in harten 'Stößen und warf ganze Ladungen Schnee in das Gesicht des alten Mannes. Die Futztapfen, die er im Schnee zurücklieh, waren sofort wieder ver- weht von neuem Schnee, der, halb mit Regen
Durch den stiebenden Schnee der Rächt und den sausenden Sturm schlich vorsichtig ein Wann — lauschte nach allen Seiten — alles war still — der Wächter machte gerade seine Außenrunde um die Wasserseite der Fabrikanlagen — der Mann schloß leise mit einem Schlüssel die kleine Tür der Werkstätten auf und ging vorsichtig hinein. Eine Taschenlampe blitzte auf und warf ihren zuckenden Schein auf das Innere der Werk- stätte und die Zeichnungen, die gegenüber den Motorenteilen über dem Arbeitstische hingen.
Gleich darauf war das Licht erloschen, und vorsichtige Schritte schlichen wieder über den stillen Fabrikhof.
untermischt, die ganze Welt tit ein gleichmäßig stiebendes Grau einhüllte.
Schmitt klinkte noch einmal an allen Türen, ja, es war alles zu und dunkel, nachdem der Betriebs- Ingenieur noch bis vor kurzem für sich allein in den Motorenwerkstätten gearbeitet hatte. Der weite Hof lag still da: das Lied der Maschinen, das sonst laut und in gleichmäßigem Rhythmus durch den Hof scholl, war verstummt — nur vom Fluß her kam das Dröhnen, mit dem die Eisschollen, die sich im Tauwind gelöst hatten, gegen die Ufer stießen.
Schmitt schüttelte sich, als er in den warmen Hausflur trat. Das war ein ungemütlicher Abend, und man konnte froh sein, ins Warme und Trockene zu kommen.
Erika schlief schon, ihr Zimmer war dunkel, das Kind war jetzt oft so müde und blaß: sie grämte sich wohl, daß sie keine Stellung auf dem Werke gefunden hatte.
Schmitt hatte ja selbst den Prokuristen darum gebeten, aber der hatte ihm erklärt, es wäre jetzt bei den schlechten Zeiten nicht möglich, Reu- einstellungen vorzunehmen. Erika müßte sich gedulden bis zum Frühjahr, da würde vielleicht schon manches anders sein. Run, es ging ja schließlich so, am Verhungern war man nicht. Das Kind sollte sich nicht so grämen: ordentlich schmal war sie geworden, und ein so ernster Ausdruck war in ihr Gesicht gekommen. Sie war auch zuviel für sich, hatte so wenig Umgang mit anderen jungen Mädchen, immer nur die Hausarbeit und nachmittags über den Büchern, das tut nicht gut. Er würde einmal morgen ihr ernstlich ins Gewissen reden. Er stapfte die Treppe hinauf, schaltete das Licht ein — ein gutes Kind war sie doch, die Erika, alles stand bereit, wie er es gewöhnt war: die warmen Filzschuhe neben dem Ofen und der Tee in der Ofenröhre.
Behaglich zog sich der alte Schmitt seinen Hausrock an, holte sich den Tee und las noch ein Viertelstündchen, dann ging er auch in seine Schlafkammer — und bald kündeten laute Atemzüge an, daß der alte Mann entschlummert war.
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Gießen 8186d Mittwoch, 23. Nov.
20—22,30 Uhr 7.Mittwoch-Abonn. Gewöhnliche Preise Der Raub der Sabinerinnen. Schwank in 4 Akten von Franz u. Paul von Schöntban.
Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand.
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1879—1929
Am 20. November verschied nach kurzem Leiden unser lieber Alterskamerad u. Vorstandsmitglied Ernst Karl Lauer, Reichsbahn-Sekretär Wir werden ihm allezeit ein treues und ehrendes Andenken bewahren.
Fünfziger-Vereinigung 1879-1929. I, A.: Der Vorstand.
Es wird um zahlreiche Beteiligung an der am Donnerstag, dem 24. November, nachm. 2*/-Uhr, auf dem Neuen Friedhof stattfindenden Beerdigung gebeten. 8216 d
Die Beerdigung unseres Heben Kameraden
Ernst Lauer
findet Donnerstag, den 24. November, nachmittags 2% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
Deiner Hände Werk
Roman von Klothilde von Stegmann-Stein.
Copyright by Martin Feuchtwangrr, Halle (Saale)
Am nächsten Morgen kam der Detriebs- ingenieur Moeller als erster in die Werkstätte. Er wollte die Zeichnungen von Kurt noch einmal durcharbeiten, ehe Ivarsen zur Konferenz kam. — Er war kaum in die Werkstatt hereingekommen, da stutzte er. Die Zeichnungen Kurts hingen nicht mehr an der Wand, an die er sie gestern befestigt hatte — und in dem ganzen Raum war ein Durcheinander, als hätten unbefugte Hände darin herumgearbeitet
Moeller stand einen Augenblick erstarrt da: blickte wieder auf die leere Wand, auf der sich gestern noch der Zeichnungsplan befunden hatte, dann griff er hastig nach dem Telephon. Gleich darauf meldete sich ein Diener vom Dremerschloh.
„Die gnädige Frau schlafen noch", sagte er auf die hastige Frage des Beamten: „auch Herr Ivarsen ist noch nicht zu sprechen."
„Verbinden Sie mich dennoch mit ihm", erklärte Moeller energisch, und als der Diener zögerte, rief er. wütend hinein, „Herrgott, Mensch, nun aber fix, und wenn Sie Herrn Ivarsen zehnmal wecken sollten, ich nehme es auf meine Verantwortung."
Er lauschte erregt: endlich, nach einer langen Zeit, die ihm eine Ewigkeit dünkte, meldete sich Ivarsens verschlafene Stimme, die etwas ärgerlich klang: „Ra, wo brennt's denn, Herr Moeller? Ich bin hundemüde, bin heute früh erst mit dem letzten Zuge heimgekommen."
„Es tut mir leid, Herr Baron, ich muh Sie sofort sprechen, es ist in die Dersuchswerkstätte eingebrochen worden."
„Was, eingebrochen? Das ist doch unmöglich!" rief Ivarsen mit offenbarem Staunen zurück. „Wer sollte denn in der kleinen Versuchswerkstatt irgendetwas zu finden gehofft haben?"
„Das weih ich nicht, aber es ist da eine höllische Unordnung, und vor allem ist die Zeichnung von Herrn Kurt Bremer verschwunden."
„Ich bin in ein paar Minuten drüben", rief Ivarsen zurück und hängte ab. Er sprang aus dem Bett, holte unter dem Kopfkissen vorsichtig ein eingeschlages, flaches Paket hervor. Diesen flachen Gegenstand steckte er in einen Umschlag, siegelte ihn und schloß ihn in das Eicherheits- fach seines Schreibtisches. Dann zog er sich an und war nach kurzer Zeit fertig.
Im Frühstückszimmer fand er trotz der frühen Morgenstunde Hiltrud. Sie saß, schön und schmal mit ihrem hochmütigen weihen Prinzessinnengesicht, auf ihrem Platze und las aufmerksam eine Zeitschrift Als ihr Verlobter unerwartet hereinkam, flog ein Zug des unmutigen Staunens über ihre Züge. Aber sie nahm sich zusammen und erwiderte seinen zärtlichen Gruß mit gleichmäßiger Freundlichkeit.
„Du bist schon so früh auf. Hiltrud?" fragte er erstaunt
Hiltrud lächelte leicht: „Wenn du nicht eht solcher Spätaufsteher wärest, lieber Axel, würdest du mich schon öfters hier frühmorgens gefunden haben: ich stehe schon lange sehr frühzeitig auf
„Ilm Himmels willen", Axel hielt sich die Hand vor den Mund, um sein Gähnen zu verbergen, „wie man früh aufstehen kann, wenn man nicht muh, ist mir immer unklar geblieben. Was machst du denn so den ganzen Morgen?" Und er griff neugierig nach dem Buche, das neben ihrem Platze lag. „Was. über Technik liest du?" Er sah sie verblüfft an. „Was heißt denn das?"
„Das heiht, daß ich mich für das interessiere, was hier auf Dremerwerk gearbeitet und geschafft wird. Kurt hat mir auf meine Ditte bin dies gemeinverständliche Buch empfohlen."
In Axels überlegen lächelndes Gesicht kam ein Zug von Verwunderung und Mihtrauen: „Seit warm stehst du denn mit deinem Stiefbruder so, daß du deine Lektüre mit ihm berätst? Ich denke, du hast ihn nie leiden können? Das sind ja schöne Heimlichkeiten hinter meinem Rücken", fuhr er mit unvermuteter Heftigkeit fort. „Ich wünsche keine näheren Beziehungen zwischen dir und dem Grünschnabel ohne mein Wissen."
Hiltrud sah ihren Verlobten mit kühler Verständnislosigkeit an: „Du vergreifst dich entschieden im Ton, lieber Freund. Erstens tue und lasse ich, was ich will, und brauche keine Einwilligung zu Dingen, die ich für richtig halte. Zweitens berührt es mich höchst eigentümlich, daß ein besseres Verstehen zwischen Kurt und mir dich so erregt — eigentlich müßtest du öidj. doch freuen, wenn die Entfremdung zwischen ihm und mir sich löst."
Ovarsen biß sich auf die Lippen — da hatte er sich zu etwas hinreißen lassen, was er niemals hatte zeigen dürfen. Hiltrud durfte nicht wissen daß die Kühle zwischen Kurt und seinen Angehörigen für das Gelingen seiner Pläne wichtig war. So zwang er ein entschuldigendes Lächeln auf sein schönes Gesicht Seine Augen schauten tief und zärtlich in die Hiltruds, als er sich jetzt zu ihr neigte — seine Stimme vibrierte:
„Verzeih, Hiltrud, ich habe mich schlecht benommen, meine Heftigkeit ging durch mit mir — weißt du nicht, daß ich eifersüchtig bin, rasend eifersüchtig auf jeden, dem du auch nur einen Gedanken widmest, und wenn es auch der eigene Stiefbruder wäre? Ich glaubte im Augenblick, dein Vertrauen nicht mehr so uneingeschränkt zu besitzen, weil du mit deinem Stiefbruder in näherer Korrespondenz zu stehen scheinst und ich davon nichts weiß — ich möchte dich ganz allein für mich haben — jeden Gedanken von dir allein besitzen — verzeih das meiner übergroßen Liebe" und er wollte sie in seine Arme ziehen.
Todesanzeige.
Verwandten, Freunden, Bekannten und Kollegen die traurige Mitteilung, daß mein einziger, lieber, unvergeßlicher Bruder
Reichsbahn-Sekretär
Ernst Lauer
am 20. November nach kurzem schweren Leiden plötzlich verschieden ist.
Der trauernd Hinterbliebene:
Konrad Lauer, Ober-Assistent
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Beerdigung: Donnerstag, den 24. November, nachmittags 2% Uhr, von der Neuen Friedhofskapelle aus. 06871
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Ein bitteres Gefühl stieg in dem Betriebs- rngenleur auf. Für Versuche des Sohnes war niemals Geld da — aber für Toiletten, Reisen ww kostspielige Geschenke sowie Renten an den Schwiegersohn wurde aus der Kasse immer und immer wieder angefordert.
„Bitte, geben Sie mir doch einmal die Zeichnungen!" sagte Axel.
»2ch habe sie drüben im Büro, Herr Baron." „Run, was halten Sie von ihnen?"
„Ich halte sie für außerordentlich gut, um nicht ZU sagen genial, Herr Baron — ich habe sie bisher nur flüchtig prüfen können, denn die Sachen gingen erst heute früh bei •mir ein."
»Ich gebe auf Ihr Urteil unendlich viel, Herr Moeller", antwortete Axel mit einer gänzlich ungewohnten Freundlichkeit. „Wenn die neue Konstruktionsidee meines Schwagers so vielversprechend ist, so bin ich durchaus dafür, sie auszuprobieren — dir ist es recht, liebe Mama?"
Frau Melanie blätterte längst in ihrem französischen Modejournal. „Mache es, wie du es für richtig findest."
»Also, Herr Moeller, sowie ich morgen komme, werden wir die Zeichnungen von Herrn Bremer junior durch sehen. Vielleicht können Sie sich heute schon ein wenig damit beschäftigen."
„Ich werde sie mit in die Werkstatt nehmen und die letzten Motorenmodelle, die Herr Bremer im Frühling anfertigen ließ, damit vergleichen."
„Schließen Sie nur die Werkstätten gut ab, damit uns kein Unberufener hereinkommt", sagte Ivarsen beifällig.
„Wer sollte da hereinkommen, Herr Baron", lächelte der Dettiebsingenieur, „bei uns ist alles sicher: außerdem hat der alte Schmitt ja die Werkstätten unter Verschluß."
„Ra also, dann ist ja alles in Ordnung!" Axel reichte dem Ingenieur freundlich die Hand. „Entschuldigen Sie mich jetzt, ich habe Eile, wenn ich meinen Zug erreichen will. Es kann übrigens sein, daß ich erst morgen mittag heimkomme — ich rufe Sie dann sofort herüber."
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