Wieder an der alten Ironi.
Eine Fahrt zu den Kriegsschauplätzen in -er Champagne. — Wieder im Schützengraben des £32R. 116.
Don Or. Otto Öger, o. Professor an der Universität Gießen.
Wie oft kann man von Feldzugsteilnehmern den Wunsch äufoern Horen, noch einmal die Stätten wisderzusehen, an denen sie im großen Kriege gekämpft, wo sie vielleicht monatelang in fremder Erde im Schützengraben gehaust haben, von der fernen Heimat wie durch einen eisernen Vorhang getrennt. Möge recht vielen von ihnen eine so vollkommene Erfüllung dieses Wunsches mit so starken Eindrücken beschißen sein, wie sie uns die Fahrt nach Frankreich gebracht hat, von der hier in Kürze berichtet werden soll.
In der Frühe des 27. September btejes Jahres verließen wir Gießen im Auto, um das Schlachtfeld von Vitry le Francois und die alten Stellungen in der Champagne, im Priesterwald und an den Ar- aonnen zu besuchen, in denen das Landwehr- Infanterie-Regiment 116 im Weltkrieg gelegen hatte. Drei Feldzugskameraden hatten sich zu dieser Fabrt vereinigt, der Kompanieführer, der Kompanieosfizier und die Gefechtsordonnanz von 1914, zwei Akademiker und ein Handarbeiter. Am ersten Dag ging cs über Mainz und Saarbrücken zur französischen Grenze, an der auch der Uneingeweihte die Befestigungsarbeiten für die neue chinesische Mauer, mit der sich Frankreich gegen Deutsch, land abschließt, wahrnimmt, und von da nach Metz. Schon während dieser Fahrt lebten wir uns immer mehr und mehr in die alte Schützengrabenstimmung ein, das Auto wurde gleichsam zum fahrenden Un- terstand. Immer und immer wieder kam die Frage: Wissen Sie noch? Wie wird es dort aussehen? Ob man von dem Graben, dem Unterstand noch etwas sicht? So war eben die Spannung und die Erwar- tuiifl des Kommenden auf das höchste gestiegen, als' mir am folgenden Morgen das Moseltal entlang fuhren. Bald kamen bekannte Dörfer und dann tauchte der Priesterwald mit dem so charak- tcristischen Steilabfalls dos Norroylagers auf. Nun f ihlte man sich wieder ganz in die Zeit vor siebzehn Jahren zurückversetzt. Die Reste alter Unterstände wurden aufgesucht, wobei ständig wieder Erinnerungen ausgetauscht wurden, die sich an die einzelnen Stätten knüpften. Der Schützengraben selbst, der sich im Priesterwald hinzieht, war von Gestrüpp und Dornen völlig überwuchert und nur mit großen Schwierigkeiten an einer Stelle zu erreichen.
Nachdem wir noch in einem unmittelbar hinter der ehemaligen Front gelegenen Dorf von Einwohnern, die auch unter der deutschen Besatzung dort flieht hatten, sehr freundlich ausgenommen worden waren und uns an einer Flasche guten Rotweins I r 85 Centimes (das sind etwas 14 Pfennig) ge- flärtt hatten, ging es in rascher Fahrt weiter. Diese führte uns auf ausgezeichneten Straßen durch mieberaufgebaute Dörfer, in denen sich aber doch noch manche Ruinen und bewohnte Baraken finden, über Bar le Duc, an der Voie faer 6 e, der heiligen Straße, der einzigen vom Feuer der deutschen Geschütze — leider! — nicht erfaßten Zugangs- siraßc zur Festung Verdun, vorbei nach Vitry Io Francois zum Besuche des Schlachtfeldes, auf dem das Landwehr-Jnfanterie-Regiment 116 im September 1914 die Feuertaufe erhielt. Auch hier war das Verhalten der Bevölkerung durchaus freundlich und die Bewohner von Gutshöfen auf dem ehemaligen Schlachtfeld gaben bereitwillig Aus- lunft, auch dann, wenn wir auf ihre Frage, ob wir Amerikaner seien, uns als Deutschs, die hier ge- sümpft hatten, zu erkennen gaben. Ueberhaupt haben wir auf der ganzen Fahrt — obwohl ja unser Wagen durch die Flagge des Deutschen Automobil- Clubs als deutscher kenntlich war — keinerlei Un- annehmlichkeiten erlebt. Unsere Pässe wurden niemals verlangt, sogar nicht einmal bei dem Grenz- übertritt. Die Straßendisziplin der Autos, Radfahrer und Fußgänger war musterhaft. Die vielen An- zcichen dafür, daß hier keine Arbeitslosigkeit herrscht, die rauchenden Fabrikschornsteine, der rege Schiffsverkehr auf dem Kanal, das Fehlen von Tippelbrüdern auf der Landstraße usw. machten besonders auf unseren Kameraden aus dem Ar-
beiterstand, der zur Heit als Führer einer Kolonne des freiwilligen Arbeitsdienstes tätig ist, einen großen Eindruck. „Was haben die Leut für Arbeit, für viel Arbeit" äußerte er immer wieder nicht ohne Ncid, während er anderseits die nach feinen Be- 6riffen mangelhafte Bestellung der Felder rügte.
übrigens werden sicher umgekehrt einem im Auto durch Deutschland fahrenden Franzosen die vielen, auch bei kleinen Dörfern sich findenden Sportplätze auffallen, die wir auf unserem Weg in Frankreich vermißten: allerdings haben ja die jungen Franzosen dafür genügende Gelegenheit zur körperlichen Ertüchtigung während der Militärzeit.
Der dritte Tag führte uns zunächst über Cha- Ions s u r Marne und Suippes nach dem großen Denkmal, das an der Stelle errichtet ist, wo zu Beginn des Krieges die Ferme de Nova r i n stand. — Als wir uns im September 1914 an dieser Stelle befanden, wurde hier ein Auto mit Liebesgaben aus der Heimat angehalten, dessen Insassen gerade im Begriff waren, ahnungslos durch die deutsche Linie hindurch .zu den Franzosen nach Souain zu fahren, wie dies am Tage vorher einem deutschen Zahlmeister begegnet sein soll. — Auf der durchfahrenen Strecke wimmelte es von franzo- fischen, weißen und farbigen Soldaten, so daß man den Eindruck hatte, daß höchstens jeder dritte Mann in Frankreich nicht in der Uniform stecke. Dies war allerdings mit eine Folge der aroßen Manöver, die sich zwar erheblich weiter östlicy abfpielten, die aber auch in diesem Gebiet noch viele Truppenbewegungen veranlaßten. Namentlich waren es Automobile, große Abteilungen mit Motorrädern und Tanks, die wir sahen. An einer Straßenkreuzung fuhren wir durch einen endlosen, kilometerweit sichtbaren Zug von Panzerwagen und Tanks. Angesichts all dieser Kriegsmaschinen erschienen uns die jung- sten Angriffe Herriots gegen das demgegenüber so gut wie waffenlose Deutschland wie blutiger Hohn. 5000 Motorfahrzeuge waren nach der Angabe eines Generals, die in einer französischen Zeitung zu lesen war, an den Manooern beteiligt, wovon sich, wie er stolz rühmte, nur 50 in Reparatur befanden. — Nebenbei sei erwähnt, daß die Zeitung gleichzeitig aus Deutschland berichtete, daß die Regierung eines deutschen Zwerglandes das Flaggen an Hindenburgs 85. Geburtstag abgclehnt habe! Welch klägliches Schauspiel gegenüber dem Auslandl
Von dem Navarin-Ferme.Denkmal hatten wir einen ausgezeichneten Rundblick über d i e Lausech ampagne (Champagne pouilleuse). Weithin sah man das trostlos öde Land, den weißen Kreideboden, von vielen Schützengräben durchzogen, völlig kahl oder doch nur mit einzelnen Kiefern und Gebüsch bedeckt. Etwa 15 Kilometer lang und ebenso tief, dehnt sich dieses menschenleere Gebiet nach Osten, nach den Araonnen zu aus. In ihm befindet sich auch die Stelle, wo das Lanbwehr-Jn. fanterieregiment 116 Ende 1914 und Anfang 1915 ein halbes Jahr lang während der Winter- f ch lacht in der Champagne in vorderster Linie lag und keinen Fuß breit Boden verlor, wäh- renb unmittelbar rechts und links von ihm feindliche Einbrüche erfolgten.
Wir suchten die alten Stellungen auf und man- herten stundenlang durch die Einöde, ohne einem lebenden Wesen zu begegnen; nur ein Militärflugzeug flog dicht über uns hinweg und bald darauf zog ein Geschwader von neun Flugzeugen über uns nach Verdun zu. Das Gelände war ganz unwegsam, von Gräben und Drahtverhauen durchschnitten; Blindgänger, Handgranaten, deutsche und französische Stahlhelme, bleichende Pferdeknochen lagen herum und hier und da starrte uns eine Gasmaske an. Ein riesiger Trichter, von etwa fünfzehn Meter Tiefe, der von einer großen französischen Sprengung unmittelbar vor unserem Graben herrührte, wobei wir vorher Tag und Nacht im Unterstand das Geräusch des Unterminierens gehört hatten, war uns der sichere Anhaltspunkt zur Feststellung des vordersten und ursprünglich einzigen deutschen Gra-
Der Winterplan
-es Konzerivereins.
Von der Leitung des Gießener Konzertvereins gehen uns die folgenden Ausführungen 3u
Das Theater ist schon lange auf dem Plan, wo bleiben die Konzerte? Das ist die Frage, die dem Vorstand des Konzertoereins immer wieder zu Ohren kommt. Sie ist auch durchaus berechtigt. Aber die Gründe der Verzögerung auseinanderzusetzen, ist hier nicht der Ort. Wir bitten unsere Mitglieder dringlich, die für nächsten Mittwoch anberaumtc Hauptversammlung zu besuchen. Da wird der Vorstand Rede und Antwort stehen. Im übrigen: Ende gut, alles gut. Das wird unser diesjähriger Winter- plan allen einleuchtend machen.
Wir bringen vor allein zwei Orchesterkon- 3 e r t e und ein Chorkonzert großen Stils. Für das erste dieser Konzerte ist es uns durch Zusam- mentressen glücklicher Umstände gelungen, bas Darm- städter Orchester noch einmal zu gewinnen. Ich sage: noch einmal, denn wer weiß, ob cs künstig wieder möglich sein wird? Daß cs uns setzt gelang, wird gewiß allseitig mit Freude begrüßt werden. Wirrnissen, und zumal der Vorstand des Konzertvereins weiß cs, was wir der opferfreudigen und erfolgreichen Arbeit unseres Gießener Orchestervereins für unsere Konzerte zu danken haben. Aber niemand wird wünschen, auch der Orchesterverein selbst nicht, daß sich diese Beteiligung der Gießener Musiker an unseren Bestrebungen zu einer Art Monopol auswächst. Variatio delectat. sagt der Lateiner, Abwechslung muß sein, der Deutsche. Der Orchester verein hat ohnehin Gelegenheit, an Schuberts großer Symphonie, an den Bra h m s fchen („Re- qniein") und Reger schen („Der Einsiedler") Chorwerken zu Zeigen, daß er unter der Leitung seines hochstrebenden Dirigenten, unseres verehrten Dr. T e m e s v a r y, keine Leistungen wiederum gesteigert hat. Mit dem Brahm eschen R e q u i e m wollen wir bas Gedächtnis des hundertsten Geburtslages des großen Tonsetzers (geboren 7. Mai 1833) ehren. Auch Haydns, des Zweihundertjährigen. Name fehlt in unseren Programmen nicht. Doch haben wir es dem be- freundeten „S ä n g c r t r a n 3* gern überlassen, durch die Aufführung der „Schöpfung" dessen Andenken besonders zu feiern.
Die von uns gewonnenen Künstler sind den Gießenern zum Teil wohlbekannt. Marta Linz feierte vor wenigen Jahren hier Triumphe aus ihrer
Geige, und der Wunsch, sie wieder zu Horen, ist uns oft genug entgegengebracht worden. Frau Koke s s a bringt diesmal ihre junge Schwester, einen ausgehenden Stern, mit, die mit ihrem Cello dem Abend eine besondere Note geben wird. Von Backhaus aber brauche ich nicht zu reden. Lohmann genießt bereits seit Jahren im ganzen Reich einen bedeutenden Ruf und wirb uns sicher mit seinem klangvollen Bariton einen genußreichen Liederabenb bereiten. An Stelle bes Wenbling-Quartetts werden wir diesmal in dem Zilcher - Trio eine Künstlervereinigung hören, di§ sich des allerbesten Rufes erfreut. Damit aber der uns so vertraute Name Wendling uns auch diesmal ans Ohr klingt, haben wir des Geigenmeisters Töchterlein gebeten, uns mit Mozarts Tönen zu erfreuen.
Ein reicher Spielplan! Ader wir können ihn nur durchführen, wenn wir der Unterstützung unserer Musikfreunde sicher sind. Daß wir dem Theater den Vortritt gelogen haben, liegt in ter Natur der Sache, denn auch wir sind überzeugt, daß unserem Theater und seiner verdienstvollen Künstlerschar die Anteilnahme aller kunstsinnigen Kreise unserer Stadt in erster Linie gebührt. Aber unsere Konzerte dürfen darüber nicht vernachläisigt werden. Sie werden in der deutschen Musikwelt überall mit Ehren genannt. Gießen darf, ja muß stolz darauf sein, daß es trotz aller wirtschaftlichen Not imstande ist, so vornehme Veranstaltungen, wie wir sie planen, zu verwirklichen. Wir bitten nicht nur unsere Mitglieder, uns treu zu bleiben — bas möchten wir sogar ooraussetzen —, fonbern werben mit unserem Plan um neue Freunbe. Nur wenn wir der tatkräftigen Teilnahme aller Musikfreunde sicher sind, können wir versprechen, durchzuhalten. Kr.
Lieber das Krastwerl Onjeprostroj.
In dem in Nr. 241 bes „Gießener Anzeigers" vom 13. b. M. erschienenen Aufsatz „Dnjcpro- stroj — ein Wunberwerk ber Wasserkraft" von Hans A mmer sind dem Verfasser etliche Unrichtigkeiten unterlaufen. Wir entnehmen einer darauf bezüglichen Zuschrift von Herrn Oberingenieur Karl Haase, Gießen der zwei Jahre lang in Rußland tätig war, die folgenden Ausführungen:
„... Das Kraftwerk „Dnseprostroj" hat nichts mit der ehemaligen Stadt Zarizyn — nicht Zaryzin, das y steht in der Endsilbe —, setzt Stalingrad genannt, zu tun. Stalingrad liegt an der Wolga, und ber Dnjepr fließt zirka 700 Kilometer westlich von Stalingrad durch die Ukraine. In ober oicl-
bens, in dem wir einst Monate lang ,,;u Hause" waren. Ganz deutlich waren sein Verlauf, die Unterstände und die Sappen trotz bes inzwischen ein- gclrctenen Verfalls wahrnehmbar unb cs war ein ganz eigenes Gefühl, als man jetzt, statt in ber Erde, ungehindert hier auf dem Grabenrand entlang gehen konnte. Am spannendsten aber war ber Augenblick, als man die zwanzig Meter bis zum französischen Graben hinüberging und sich damit endlich bas große Rätsel löste, wie es beim Geg ner aussah.
Nachdem wir uns noch an den kümmerlichen Früchten eines Apfelbäumchens erquickt hatten, bas feine Entstehung in unserem alten Graben wohl einem Borsdorfer Apfel verbanktc, den ein Land- wehrmann dereinst aus der Heinzat geschickt bekom- men hatte, kehrten mir zu unserem Auto zurück, das uns zur llebernad)tung nach Reims brachte.
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Besichtigung ber Kathebrale wieder zu der alten Stellung in ber Champagne unb bann weiter burch bas von Menschen verlassene Tal des Schweigens nach Osten zu über die Stätten, wo wir zu Beginn des Kriegs die Dörfer Tahure und Ripont gesehen hatten, von denen jetzt nicht einmal mehr Mauerreste vorhanden sind. Als wir bann bei Cernay en Dormais, einem Dorf, bas jetzt nur noch 340 Einwohner, zählt gegen 830 vor bem Krieg, unsere erste Stellung nach dem Rückzug, die Wasserlöcher nm Kanonenberg aufsuchten, tarnen drei
Artilleristen, deren reiterliche Leistungen Cn dem von tiefen Gräben durchschnittenen Gelände wir anerkennen mußten, zu uns, um uns zu sagen, daß die Artillerie, ber dies Gelände jetzt als Schießplatz bient, alsbald mit bem Schießen beginnen mtrbe. Nachdem wir uns dann noch mit einem pflügenden Bauern unterhalten hatten, ber in Griesheim bei Darmstadt „ber Stadt mit der grande colonne", in Gefangenschaft war, fuhren wir nach Servon am Westrand ber Argonnen. Auch hier wurden die gut erhaltenen Stellungen des LJR. 116 ausgesucht, ebenso auch ber wohlgepflegte, von der Bezirks- gruppe Mainz bes Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge betreute deutsche Kriegerfried» bo f wo wir in Ergriffenheit besonders auch der Tausenden, unbekannten deutschen Soldaten gedachten, die hier in zwei Sammelgräbern ruhen.
lieber Verdun, wo wir nur kurze Rast machten, ging es bann an den alten Kriegsdenkmälern bei '.Üla'rs la Tour und Gravelo11e vorbei nach Metz und von da am nächsten Tag wieder über Saarbrücken und Mainz nach Gießen. Am späten Abend des 1. Oktober kamen wir hier an und die Klänge bes großen Zapfenstreichs unb ber mächtige Gesang von Deutschland, Deutschland über alles in dem Biwak, das anläßlich des Grenadier- tags auf dem Trieb stattfand, bildeten den Abschluß dieser Fahrt an die alte Front, die für uns drei Kameraden ein einzigartiges, großes Erlebnis war.
Aus aller Welt.
wollten in den Qlebenraum eilen, konnten ihn aber nicht mehr erreichen. Die Katastrophe wurde dadurch noch furchtbarer, daß die Gasleitung b a r st und das Gas sich unter den Trümmern usw. verbreitete. Auch die Wasserleitung zersprang, und das Wasser strömte in den Daum hinein. Unter den 19 Verletzten befinden sich etwa 12 Schwerverletzte, die mit Qlrm- und Beinbrüchen, auch mit einem Schädelbruch und schweren Quetschungen im Krankenhaus liegen. Zehn Personen sind leichter verletzt. Die Toten sind teilweise von den schweren Sacken erstickt worden, teilweise von den zusammen- stürzenden Mauern erschlagen. Dei der Familie L o h n e r t von St. Margarethen haben zehn Kinder die Mutter verloren, bei der Familie Tobler-Luh beklagen fünf Kinder den Verlust ihrer Mutter.
Zuchthausrcoollc in Kanada.
„Times" meldet, daß im Zuchthaus von Portsmouth (Kanada) eine Revolte ausgebrochen ist. 110 Zuchthäusler überwältigten 40 Aufseher und b e f r e i t c n bic Insassen zweier Zellenreihen des Hauptgebäudes. 150 Mann kanadische Artillerie mit Maschinengewehren wurden von Kingston aus entsandt. Sie halten das Zuchthaus umzingelt. Innerhalb der Mauern herrscht ein völliges Durcheinaick)er. Die Aufständischen haben die Einrichtung zerstört. Die noch eingeschlossenen 700 Gefangenen feuern die Meuterer an. Da diese seit 24 Stunden ohne Nahrung sind, nimmt man an, daß sie sich bald ergeben werden.
verwegener Raubüberfall auf einen Kassierer.
Ein verwegener Raubüberfall wurde bei Ramlingen in Luxemburg verübt. Vier Männer überfielen den Kassierer einer Hütte und seinen Begleiter, raubten ihnen unter Bedrohung mit Revolvern eine Geldkassette, in der sich 60 000 luxemburgische Franken und etwa 7000 Reichsmark befanden und ergriffen dann die Flucht. Der Kassierer, der die Kassette mit Geld auf das nahegelegene Eisenbahngleis werfen wollte, wurde durch einen Schuß in das linke Bein daran gehindert. Die Räuber wandten sich dann in einem Kraftwagen der luxemburgischen Grenze zu. Tlnweit von Diedenhofen wurde ihr Kraftwagen von französischen und luxemburgischen Polizeibeamten gesichtet. Als die Banditen die Beamten bemerkten, verließen sie den Wagen und liefen querfeldein. Es gelang, einen der Räuber, einen Italiener, fest zunehmen.
Der Staatsanwalt beantragt Freisprechung (Taros.
In ber Verhandlung des Caro-Petschek- Prozesses mürbe die Beweisaufnahme beendet. Nach breiftünbigem Plädoyer beantragte der erste Staatsanwalt Jäger, Geheimrat Prof. Dr. Caro in vollem Umfange f re i z uf p re ch e n und die Kosten des Verfahrens dem Nebenkläger, bem tschechischen Kohlenmagnaten Dr. Ernst Petschek, aufzuerlegen. Caro, ber bekannte Erforscher der Gewinnung von Stickstoff aus der Luft zu Düngezwecken war von seinem Schwiegersohn Pctzschek in einem Streit um die Mitgift seiner Tochter Wera des Meineids bezichtigt worben.
Brand in Bad Flinsberg.
In Dad Flinsberg im Isergcbirge brach in dem vierstöckigen Fremdenheim St. Hubertus ein Dach st uhlbrand aus. Bei dem stürmischen Wetter griff der Brand schnell um sich und erstreckte sich bald über das ganze Gebäude. Den Feuerwehren gelang es, den Brand auf das Fremdenheim zu beschränken, dessen Dachstuhl völlig ausbrannte. Auch in den unteren Stockwerken wurde erheblicher Schaden angerichtet. Das Feuer war zu gleicher Zeit an verschiedenen Stellen zum Ausbruch gekommen. Der Besitzer, Mar Gebauer, wurde unter dem Verdacht, das Feuer selbst angelegt zu haben, verhaf- t c t. Das Haus, das kurz vor der Zwangsversteigerung stand, war hoch versichert.
Die Untersuchung der Einsturzkalastrophc in St. Margarethen.
Die älntersuchung der schweren Einsturz- katastrophe von St. Margarethen wird energisch weitergeführt. Ein Zeuge sagte aus, daß ihm noch in den letzten Tagen ein junger Bursche erklärt habe, er wolle nicht mehr in bad Geschäft Igehen, da er dem Gebäude nicht mehr traue. Dieses Gefühl war auch bei anderen Menschen vorhanden. Wie neuerlich festgestellt wurde, lagerten dort nicht zehn, sondern etwa 100 Tonnen Getreide. Wie sich jetzt herausstellte, hatte sich bereits am Morgen des älnglückstages in einer Mauer des Geflügelrupfraumes ein kleiner R i ß. gezeigt. Auch die Direktion soll schon vorher auf die übergroße Belastung aufmerksam gemacht worden fein. Die Bewegung begann damit, daß der schwere eiserne T-Balken plötzlich zu- sammenbrach. In der großen, etwa 50 Zentimeter dicken Stützmauer zeigte sich ein gewaltiger Riß. In diesem Augenblick stürzte ein. großer Teil des Speichers zusammen. Mit einem furchtbaren Schrei suchten die Arbeiterinnen ins Freie zu gelangen. Tiur einer kleinen Anzahl gelang das. Andere
mehr bei Stalingrad, 12 Kilometer vor den Toren dieser Stadt befindet sich bas gigantische Traktorenwerk, bas stünblich elf Traktoren ber Marke „International" vom laufenben Banb läßt. Um biefes Riesenwerk ist eine neue Stabt entstauben, unb dort, wo vor fünf Jahren der schneidende Wind noch über öbe Steppe fegte, ist ein Jnbustriezen- trurn entftanben, das ber Verfasser nun plötzlich mit bem Kraftwerk „Dujeprostroj" in Derbinbung bringt. Nebenbei bemerkt zählt Stalingrad zirka 148 000 Einwohner und ist selbst von der Industrialisierung kaum berührt, diese hat sich nur auf den weiteren Umkreis ausgewirkt in der Art, daß die Werks- fieblungen bes Traktorenwerkes unb ebenso ber großen Fabrik „Rote Barrikabe" Stäbte für sich Dilben.
Dnjeprostroi liegt unweit ber früheren Klcinstabt Kitschkas, zwischen den Städten Dnjcpropretowsk — früher Jekaterinoslaw — und Saporoshje — früher Alexandrowsk —, an der Bahnstrecke Charkow—Se- baftopol. In diesem Gebiet zeigte seinerzeit Potem- kin der Zarin Katharina II. seine vorgetäuschten Dörfer, die er durch Volksmassen unb Viehherben, bic weither von der Polizei jufammenaetrieben waren, bevölkerte und so ber Zarin (ein „Neuruß- lanb" zeigte, das in Wirklichkeit nicht existierte. Dieses Gebiet ist heute eines der wichtigsten Industriegebiete Rußlands und wird „Dnjepropetrowsk- sches Industrie-Kombinat" genannt" ...
Zeitschriften.
— „D a s Inselschiff", eine Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlages, Herbst 1932. wirb cingeleitet durch ein ungemein interessantes Kapitel aus Stefan Zweigs neuem Buch „Marie Antoinette", auf das wir in anderem Zusammenhang noch eingehen werden; der hier wieder- gegebene Ausschnitt — „Königin des Rokoko" — ist historisch, kulturgeschichtlich und psychologisch gleichermaßen aufschlußreich und erweist auf- neue Zweigs Meisterschaft auf dem Felde der biographischen Porträtistik. Aus dem weiteren Inhalt des von Karl Weißer geschmackvoll redigierten Heftes nennen wir einen merkwürdigen Briefwechsel zwischen Rilke und seinem ehemaligen Lehrer der deutschen Sprache an der St. Pöltener Militär-älnterrealschule: aus Earl SieberS Buch „Rene Rille"; Prosastücke von Sillanpää und Lauesen, zwei neuen Autoren des Inlcl-VerlagS; Gedichte von Eberhard Meckel und Ludwig Fehr; und eine S^ene aus Max Mells dramatischer Dichtung „Dre Sieben gegen Theben".
VortragSgememschast: Goethe-Bund, Kaufm. Verein, Ortsgewerbeverein.
Zum zweitenmal weilten Dr. Erich Fischer und Eharlotte an der Heiden als Gäste des Goethebundcs und der beiden angeschlossenen Vereine, des Kaufmännischen Vereins und des OrtsgewerbevereinS in Gießen, um das schöne Spiel von „Sixt und Bettina" aufzuführen. In seiner kurzen Einleitung machte Dr. Fischer, der bekannte Verfasser der musikalischen Hauskomödien, die zahlreich erschienenen Zuhörer mit dem Wenigen bekannt, das er selber über den genialen Komponisten Johann August Sixt entdecken konnte. Sixt ist vierzigjährig 1797 als fürstlich Fürstenbergischer Kammer- musjkus in Donaueschingen gestorben. Seine der Zeit vorauSeilende Musik — sie ist Romantik zur Zeit des Barock — begegnete bei den Fachleuten wie den meisten Wusikltebhabern schroffer Ablehnung. Dr. Fischer, der in dem fürstlichen Archiv zu Donaueschingen außer mancherlei Material zu Sixts Leben und Wirken daS der Fürstin von Zurstenberg gewidmete Liederbüchlein fand, daS zwölf Vertonungen von Gedichten Bürgers, Schubarts u. a. enthält, hat eS verstanden, die Lieder durch ein von ihm erdachte- Spiel der Gegenwart nahezubringen.
Während er selber am Flügel begleitet, stellt Charlotte an ber Heiben die Gattin des berühmten Wiener Arztes Dr. von Lenzinger dar, die als junges Mädchen einst mit bem Künstler befreundet war. Sie schildert — In wechselnden, von ihr selber Gearbeiteten Kostümen der Heit — den Hörern die seligen Wochen ihrer Freundschaft und Liede mit Sixt. In -diesem Rahmen trägt sie 11 der Sixtschen Lieder vor, was ihr bei ihrer offenbaren Befähigung gerade für bic bald an Mozart, halb an Beethoven antlingenbe Musik Sixts sehr gut gelingt. Der reiche Beifall, besonders nach dem „Lieb eines beut« chen Knaben" und den beiden eingefügten Tänzen, owie die Blumenspcndcn am Schluß dürften den »erben Künstlern gezeigt haben, daß ihre Darfteb hingen den vollen Beifall des Publikums gefunden haben.
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Es wird in biefem Ztllammenhang interessieren, baß in bem Berliner Musikoerlag Bote & Bock „12 Lieber von Johann August Sixt" in neuer musikalischer Einrichtung unb textlicher UeberarbeU tung herausgegeben von Dr. Erich Fischer, erschienen sind.
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T)tx Ruf, fallen der fl Institut des c iparlafl a Mahnung berechtigt un die Scbenefn chen Aevolut lalionstaumt Mionen üb auirichtige t m;niamen, üjänsern bi Die «Na unmitr",ir zu $ ü ‘ ’ r Pflicht, es, gestrichen wm flufier verwalten.
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