Ausgabe 
22.10.1932 Erstes Blatt
 
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Die deutsch-schwedische Hochzeitsseier in Murg

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Schöne weiße Zähne: Chlorodont

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die Regierung so verfahre, dann dürfe sie darauf rechnen, die Bayern als treueste Mit­arbeiter an der Seite zu haben. In der Außenpolitik wünsche man vom Kabinett Papen eine starke zielbewußte Politik, die aus dem gegenwärti­gen Elend der Isoliertheit herausführe.

meister der Stadt Koburg, der nationalsozia- listische Landtagsvizepräsident Schwede, eine Ansprache an di« fürstlichen Herrschaften. Len zweiten Teil der Veranstaltung bildete der 'dritte Akt vonSiegfried", der in Bayreuther Besetzung von der Gesellschaft der Musikfreunde Kobuvg ausgestaltet wurde. An die Vorstellung schloß sich ein Festbankett im HotelExzelsior" an.

Als Abschluß der festlichen Veranstaltungen anläßlich der Koburger Fürstenhochzeit fand am Donnerstagabend im Landestheater eine Galavorstellung statt, zu der die Hoch- zeitSgäste erschienen waren. Den ersten Teil der Veranstaltung bildete der dritte Akt, die Fest­wiese aus denMeistersingern", der von Künst­lern des Landestheaters ausgeführt wurde. Vor Beginn der Borstellung hielt der erste Burger-

unb dann vor allen Dingen die ungerechte steuerliche Belastung der kleineren und mittleren Gewerbetreibenden an- zusprechen. Er richte daher noch einmal einen drin­genden Appell an die Reichsregierung um sofor­tige progressive Staffelung der Um> satzsteuer nach Maßgabe der Umsätze und ernstliche Inangriffnahme der Phasen-Pau- s ch a l i e r u n g dieser Steuer, um gleiche steuerliche Belastung der mit dem Einzelhandel konkurrieren­den Unternehmungen der öffentlichen Hand, um Beseitigung jeder Subventionierung Privatwirtschaft- licher Betriebe aus staatlichen Mitteln und um eine Aenderung der Reichsgewerbeordnung. Er forderte weiter Förderung der Landwirtschaft und der Bestrebung zur Standardisierung und Ty­pisierung landwirtschaftlicher Produkte zwecks Er­langung größerer Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft gegenüber den ausländischen Agrar- Produkten, Vermeidung übersteigerter Schutzzölle und der Kontingentierung der Einfuhr, die nur als vorübergehende Nothilfsmaßnahme angewendet wer­den dürfe.

Darauf überbrachte Ministerialrat Dr. Hoppe die Glückwünsche des Reichspräsidenten, der Reichs­und preußischen Staatsregierung, Stadtrat Kintz- l e r die Wünsche des Oberbürgermeisters Dr. Sahm und der Stadt Berlin.

Berlin, 21. Okt. (TU.) Die Jubiläumstagung des Edeka-Berbandes Deutscher Kauf­männischer Genossenschafte naus Anlaß seines 25jähriaen Bestehens wurde mit einem außer­ordentlichen Verbandstag eröffnet. Der Borsitzende, Peter Schmitter, gab einen Rückblick über die Entwicklung des Verbandes seit seiner Gründung, wobei er insbesondere der Verdienste des Mitbe­gründers und jetzigen Generaldirektors Borrmann gedachte.

Generaldirektor Borrmann legte dar, daß die Einkaufsgenossenschaften der Kolonialwarenhändler Notgemeinschafte n seien. Die längst erkannte Notwendigkeit, durch eine Zentrale an die ersten Bezugsquellen im In. und Auslande heran­zukommen, führte zur Gründung des Cdeka-Ver- bandes. 430 Einkaufsgenossenschaften gehörten heute den Edeka-Zentralorganisationen an. Der Umsatz der 28 000 Edeka-Kanfleute sei auf 1,8 Milliar­den Reichsmark für das Kalenderjahr 1931 errechnet. Trotz dieser beachtenswerten Erfolge fei der Kampf um die Existenz der einzelnen Mitglieder seit einigen Jahren derart schwierig geworden, daß ohne Uebertreibunq von einer Katastrophe gespro­chen werden müsse. Als Ursache dieser unglücklichen Entwicklung seien die Auswüchse der Be­werb e f r e i h « i t, die Verwilderung im Wett­bewerb, insbesondere das Zugabeunwesen,

Keine Auflösung österreichischer Llniversitätsfakuttäten.

Wien, 21. Okt. (WTB.) Der Präsident des 23er- bandes der österreichischen Hochschulen, Professor Dr. Graf Gleispach, ist heute vormittag beim Unterrichtsminister Rintelen wegen der Spar» Maßnahmen im Hochschulwesen vorstel­lig geworden. Der Unterrichtsminister wies darauf hin, daß er sich sofort nach seiner Rückkehr aus Lon­don mit dem Bundeskanzler und den fraglichen Ressortstellen ins Einvernehmen gesetzt habe und erklärte, daß die Gefahr der Auflösung einzelner Fakultäten als abgewendet gelten könne.

20 Millionen an Reserven hinzutreten. Das Reich und Preußen werden an diesem Kapital mit je 42,5 Mill. RM. beteiligt sein. Es ist vorgesehen, das hiervon je 2,5 Mill. RM. an die deutsche Reitten- bankkreditanstalt übertragen werden. Die über die neuen Kapitalbetelligungen des Reichs und Preu­ßens hinausgehenden Beträge der bisherigen Stammeinlagen bei der preußischen Zentralgenossen- schaflskosse werden zur Deckung von 23er* l u st e n im landwirtschaftlichen Genossenschaftswe­sen und von Verlusten an landwirtschaftlichen Außenständen der gewerblichen Genossen­schaften verwendet. Sie belaufen sich auf rund 40 Mill. RM. Zu dem gleichen Zweck werden 10 Mill. RM. Reserven von der Deutschen Zentral- genossenschaftskasse zur Verfügung gestellt. Außer­dem werden Reich und Preußen für Zwecke der Verlustbereinigung und der Rationa­lisierung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens Beträge bis zur Höhe von insgesamt 200 Mill. RM. zur Verfügung stellen. Die Beträge sind für das gesamte Reichsgebiet bestimmt. Ziel der Aktion ist, die lebensfähigen Genossenschaften zu erhalten. Auf das Reich entfallen rund 127 Mill. RM., die in den Reichehaushaltsplänen der Jahre 1936 bis 1938 bereit und für die zunächst Schatzanweisungen zur Verfügung gestellt werden.

Schließlich wird das Reich zur Stützung von ge­werblichen Kreditgenossenschaften und Gekdgenossen- schäften bis zum Gesamtbetrag von rund 14 Mill. RM. Garantien übernehmen und jeweils bis zur Höhe von z dieses Betrages Mittel in den Rech­nungsjahren 1932, 1933 und 1934 zur Verfügung stellen.

Neues LebenaufderWenzeslauS-Grube

Beu rode (Schlesien), 21. Okt. (TU.) Auf der seit Juni 1931 stillgelegten Wenzeslaus- grübe in Volke bei Ludwigsdorf ist am Frei­tag eine große Zahl von Facharbeitern und an­deren Werksangehörigen damit beschäftigt, e i n neues Seil im Förderturm des Kunigunde­schachtes aufzulegen. Die Arbeiten werden i m Auftrage der Gläubiger und mit Ge­nehmigung der Konkursverwaltung durchgeführt. Vach Beendigung der Aufräu- mungsarbeiten auf der dritten Sohle werden 2 0 0 arbeitslose Bergleute eingestellt werden. Man hofft, bereits anfangs nächster Woche mit der Förderung beginnen zu können. Wann die Inbetriebnahme erfolgen wird, ist noch fraglich, da vorerst geplant ist. nur 6000 Tonnen Winterhilfekoyle r die Ar-

Sturmszenen im OestmeiKMen Monalrai Dollfuß und die Sozialdemokraten. -Tintenfässer als Wurfgeschosse.

Prinz Gustav Adolf von Schweden verläßt an der Seite seiner jungen Gemahlin die Traukirche.

25 Lahre Edeka-Verband

Wirtschastssorgen des gewerblichen Mittelstandes.

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Ausfuhr wegen der deutscherseits getroffenen Hy g i en e m a h n a h m e n zum Sch uhe ge­gen den Kartoffelkäfer beträchtlich zu- rüdgegangen war, wenn sie nicht gar auf dem Vullpunltz an-e "'rgt sein dürfte. Außerdem hält.n de französischen Del gierten die Zurück­nahme Oer iKu.|u.;en Hyg.enemaßnahmen, na­mentlich zum Schutz gegen die Kartoffelkrankheit verlangt, denn diese Maßnahmen benachteiligten einen gewissen Teil des französischen Geiietes. weil Frankreich nur solche Produkte ausführen könnte, die aus einer Gegend stammen, die mindestens etwa 200 Kilometer von den Zentren der Kartoffelkranlheit entfernt sei.

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D.e Reorganisation der preußischen Genossenschastslaffe.

Berlin, 22. Okt. (WTB. Funkspruch.) Die Ver­luste, bie bei den Genossenschaften, insbesondere auch bei den landwirtschaftlichen, infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise aufgetreten sind, haben es mit sich gebracht, im Einvernehmen mit der preußischen Staatsregierung der Reorganisa­tion ber preußilchen Zentra^genoslen» schaftsfasse, des bedeutendsten genossenschaft­lichen Zentralkreditinstituts näherzutreten. Reich und Preußen werden für die Durchführung des not­wendigen Anschreibungsbedarfs erhebliche Mittel zur Verfügung stellen. Die preußische Zentralgenossenschaftskasse wird der Aufsicht des Reichs unterstellt werden unb in Zu­kunft die BezeichnungDeutsche Zentral­genossenschaftskasse" führen. Ihr Kapital wird rund 100 Mill. RM. betragen, zu denen noch

fleck zurück, wobei auch die hinter ihm sitzenden Abgeordneten getroffen wurden. Das zweite Tin­tenfaß sauste am Kopf Bauers vorbei und hinter­ließ auf der Bank eine tiefe Furche. Der Präsi­dent unterbrach darauf die Sitzung. Es gelang ihm nach längeren Bemühungen, eine allge­meine Prügelei zu vermeiden.

Vach zweistündiger Unterbrechung wurde die unter lebhafter Unruhe unterbrochene Sitzung wieder auf genommen. Präsident Dr. Renner rief alle, die Beleidigungen ausgesprochen hatten, zur Ordnung und drückte seine schärfste Mißbilligung darüber aus, daß der Heimatblockabgeordnete Lichtenegger ein Tintenfaß geworfen hatte. So­dann wurde die Debatte über die dringliche An­frage fortgesetzt, in deren Verlauf der grohdeut- sche Abgeordnete Foppa gleichfalls die Auflö­sung des Hauses unb ein Mißtrauens­votum gegen die Regierung beantragte. Der Vationalrat lehnte mit 83 Stimmen gegen 78 Stimmen der Sozialdemokraten und der Groh- deutschen den grohdeutschen Mihtrauensantrag ab. Der sozialdemokratische Antrag, den Wahltermin auf den 27. Vovember festzusetzen, wurde ebenso abgelehnt. Dagegen wurde ein christlich-sozialer Antrag, in dem die Regierung aufgesordert wird, zuDeginnderFrühjahrstagungl933 einen Beschluß über den Wahltermin vor­zulegen, mit den Stimmen der Mehrheitsparteien angenommen.

beitslosen zu fördern. Die Arbeiter selbst schaffen zunächst nur für die ihnsn zustehende Wohlfahrtsunterstühung.

Kleine politische Nachrichten.

Die Verhandlungen zwischen den Radikal» demokraten unb ber Slaatspartei zwecks Verschmelzung ber beiden Parteien haben zu keinemErgebnis geführt, da die Reichsleitung der Radikaldemokratischen Partei eine andere Pa- role ausgegeben hat.

Der tschechoslowakische Ministerpräsident Udrzal hat. dem Ministerrat über die Gründe, die ihn zum Rücktritt zwingen. Bericht erstattet. Der Ministerrot beschloß daraufhin, dem Präsidenten der Republik die Gesamtdemission des Kabinetts zu unterbreiten.

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Der vorläufige Dölkerbundskommissar für Danzig, Helmer R o st i n g, ist dort eingetroffen. Er wurde auf dem Bahnhof von Vertretern des Senats unb ber diplomatischen Vertretung Polens empfangen.

Aus aller Welt.

Raubmord an einem Dreiundsiebzigjährigen.

In Zöllschen im Kreise Merseburg ist der 73 Jahre alte Landwirt Reinhold W e i n e rt im Keller seines Hauses t o t aufgefunden worden. Er war allein- stehend und menschenscheu. Es liegt Raubmord vor. Weinert ist mit einem Handtuch, das ihm fest um den Hals gelegt war, erwürgt worden. Seine Hände waren mit Bindegarn zusammengebunden und an den linken Oberschenkel gefesselt. Vermutlich ist er in seinem Wohnzimmer erdrosselt und dann in den Keller getragen worden. Kopf und Oberkörper befanden sich in einem Sack. Dom Täter fehlt bis jetzt jede Spur.

Sechs Todesurteile in Rußland.

Der Gerichtshof in Leningrad verurteilte sechs Angestellte des SchuhwerksSkorochod" zum Tode durch Erschießen wegen D i e b * stahls von 1 000 Paar Schuhen. Das Gericht erklärte, dieses Urteil müsse endlich be­weisen, daß die Regierung keinen Diebstahl von staatlichem Eigentum zulassen werde. Die Ver­urteilten haben telegraphisch um ihre Begnadi­gung gebeten.

Rückgang der Schiffsunfälle.

Im Jahre 1931 haben die Unfälle der deut- schenSceschiffe gegen das Vorjahr weiter a b genommen. Die Zahl der gänzlich verloren ge­gangenen deutschen Seeschiffe war mit 23 annähernd die gleiche wie im Vorjahr, aber der verloren ae- gangene Schiffsraum nur knapp ein Sechstel so groß. Fast die Hälfte aller Unfälle betraf die Segelschiffe und die Seeleichter mit lehr geringer und mittlerer Größe. Auch bei der Welthandelsflotte waren die Verluste geringer als im Vorjahre, nach der Zahl der Schiffe um 3 o. H., nach ihrem Brutto- raumgebalt um 22 o. H.

Autounfall Hans Reimanns in der Syrischen wüste.

Der Schriftsteller Hans Reimann, der sich seit einigen Wochen auf einer Autoerpedition nach Indien besindet, erlitt in der Syrischen Wüste, 300 Kilometer vor Damaskus, eine schwere Autopanne. Im Sandsturm, von furchtbarem Durst gequält und von wilden Tieren bedroht, gegen die Reimann und seine Begleiter sich nicht wehren konnten, weil sie keinerlei Schuß­waffen mitgenommen hatten, lag die kleine Karawane mehrere Tage fest, bis im teilen Augenblick eine andere Autokolonne, die zufällig vorbeikam, sie rettete. Der Wagen Reimanns konnte nach Damaskus abgeschleppt werden.

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Sayern und das Kabinett papen.

Die !Hcid)ercfi)rm ist der Prüfstein

Regensburg, 21. Okt. (LU.) Auf einem Bauerntag in Reustadt a. W. führte Minister- Präsident Dr. H e l d u. a. aus, daß man u m d i e Reichsreform nicht herumkommen werde. Das hatte Bayern als erstes Land er­kannt und gewollt. Wenn die Reichsregierung aber glaube, daß sie mit einem fertigen Entwurf, bei dem Bayern nicht vorher gehört worden ist, ein politisches Geschäft machen könne, so werde sie sich geirrt haben. Bayern werde nicht mittun bei einer Reichsreform, in der die einzelnen Län­der nicht ihre staatspolitische Selbständigkeit wie­dererhalten, soweit das Reichsinteresse es zu- läht. Dazu aehöre die Regierungsauto­nomie und die Bersassungsautono- m i e. Gegenüber der Regierung Papen erk.ärte der Ministerpräsident, man müsse verlangen, daß die Regierung nicht einseitige Standespolitik treibe, sondern wahre christliche Volkspolitik. Wenn

Wien, 21. Okt. (TU.) Vachdem der Oesterreichi- sche Va'ionalrat an Stelle des zurückgetretenen Bizeps f de len Tauscht) (Landbd.) den Grohdrut- schen Dr. Straffner gewählt hatte, kam es zu schweren Zwischenfällen. Der Justizminister, der Bundeskanzler und der neue Staatssekretär für Sicherheitswesen äußerten sich zunächst zu der dringlichen Anfrage der Sozialdemokraten über die Vorfälle von Simmering. Unmittelbar nach der Rede des Staatssekretärs für Sicherheits­wesen, Major Feh, rief Dr. Bauer (Soz.) der Rechten zu, sie seien die richtigen Demokraten. Sie seien nun auf Fey gekommen, das sei d i e dies- wöchige Gesinnung des Bundes­kanzlers Dollfuß. Der Bundeskanz­ler rief dem Abgeordneten Dauer zu: Sie haben eine andere Gesinnung. Sie sind ständig Bol­schewik, der sich zur Diktatur des Proletariats und niemals zur ehrlichen Demokratte bekennt." Darauf entstand ungeheurer Lärm. Dr. Dauer antwortete, er habe auch vor einem Dolschewi- ken Achtung, aber für einen, der jede Woche eine a n d e re G e s i n n u n g h a b e , habe er nur Verachtung. Vach anderen Angaben soll Dr. Dauer den Dundeskanzler als Gesin­nungslumpen bezeichnet haben. Vach diesem Wortwechsel ergriff der Heimatblockabgeordnete Lichteneage r zwei Tintenfässer und schleuderte sie gegen die Dänke der Sozialdem- traten. Das eine Tintenfaß traf den Sozialdemo­kraten Danneberg und ließ einen großen Tinten-

Japan droht mit Austritt aus dem Völkerbund.

Richtlinien für Die Mandjchureiiaguna in Genf.

Tokio. 21. Oft. (TU. Funkspruch.) Halbamt­lich wird gemeldet, daß der japanische Sonderdele- gierte M a t s u o k a vom japanischen Kabinett fol­gende Anweisungen für die Haltung der ja­panischen Abordnung zu den Beratungen des Völ­kerlundes über den Lytton-Bericht erhalten hat.

1. Bei den Beratungen über die mandschurische Frage muh der Völkerbund die japanischen Sonderinteressen in der Wanschurei anerkennen.

2. Die Erörterungen müssen im Rahmen des Lytton-Berichtes bleiben und unter dem Gesichtspunkt geführt werden, daß das mandschurische Reich ein unabhängi­ger Staat sei, der nichts mit der chinesischen Republik zu tun habe.

'3. Falls der Völkerbund zu einem Beschluß kom­men soll, der gegen die japanischen In­teressen verstoße, solle Matsuoka amtlich den Austritt Japans aus dem Völker­bund erklären.

4. Falls der Völkerbund die japanischen Inter­essen berücksichtige, soll'Matsuoka Vorschlä­gen, sämtliche Erörterungen über die mandschu­rische Frage auf drei oder vier Jahre hinaus zu verschieben.

Frankreich gibt kein Geld mehr für die polnische Bahn Oberschlesien-Gdingen.

Warschau, 21. Okt. (TU.) Wie zuverlässig verlautet, wird die nun seit März d. I. fällige zweite Rate der französischen Eis em- bahnanleihe für den Dau der besonders für die Beförderung von Kohlen gedachten Bahn­linie Oberschlesien Gdingen in War­schau nicht mehr erwartet. Es besteht da- >er die Absicht, das bereits im Dau befindliche Gleis noch in diesem Jahre zu Ende zu führen und die Dahn im Januar eingleisig zu eröffnen. Der französischen Cisenbahnge- sellschaft soll von polnischer Seite nabe gelegt wer­den, diese Dahn in eigene Verwaltung zu nehmen. Zu diesem Zweck ist das polnische Derkehrsmini- sterium bereit, Lokomotiven und die notwendige Zahl Eisenbahnwagen gegen einen Preis von 100 Millionen Zloty zur Verfügung zu stellen. Sollten die Franzosen nicht gewillt sein, das Geld flüssig zu machen, würde die Verwaltung und Inbetrieb­setzung der Eisenbahn von dem polnischen Der- kehrsministerium s e l b ft übernommen werden.