noch nichts weiß. Dis Frage des Erscheinens der Reichsregierung wird auch noch nicht aktuell sein, da der Ausschuß beabsichtigt, zunächst die übrigen Zeugen, also den Reichstagspräsidenten, die Schriftführer, die Stenographen und andere Zeugen, die sich gemeldet haben, zu vernehmen. Außerdem wird das Stenogramm der Reichstagssitzung vom 12. September durchgeprüft und die Schallplatte oorgeführt werden, die von der Sitzung ausgenommen worden ist. Man nimmt an, daß die Untersuchungsarbeit des Ausschusses mehrere Tage in Anspruch nehmen wird.
Aemterzusammenlegung in Rheinland-Westfalen.
Berlin. 21. Sept. (WTD. Ausführlich.) Amtlich. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 ist die Zusammenlegung einer Reihe rheinischer und westfälischer Aemter in den Kreisen Cochem, Düren, Prüm, Wittlich, Daun und Wittgenstein verfügt worden. Hierdurch wird die Zahl der Aemter in den betreffenden Gebieten von 33 auf 1 4 vermindert. Diese Aemterzusammenlegung. die im Einvernehmen mit den 'Bezirksausschüssen und im wesentlichen auch im Einverständnis mit den Vertretungskörperschaften der beteiligten Kreise, Aemter und Gemeinden erfolgt, bezweckt eine durchgreifende Rationalisierung und Verbilligung der Verwaltung. Rach vorsichtiger Schätzung wird selbst diese nicht allzuweit gehende Zusammenlegung von Aemtern schonErspar- nisse in Höhe von mindestens 100000 Mark im Gefolge haben, denen irgendwelche erhebliche Erschwernisse für die Bevölkerung nicht Mgenüberstehen, da die Eingliederung im wesentlichen kleinere Aemter und solche betrifft, die bereits heute in Personalunion verwaltet werden. Die Staatsregierung ist gewillt, die jetzt erstmalig in größerem Umfange eingeleitete Rationalisierung der Verwaltung des flachen Landes in den beiden We st Provinzen fortzusetzen und ohne Antastung der bewährten Amtsverfassungsform die in der heutigen Rotlage unbedingt erforderliche Verbilligung der ländlichen Verwaltung alsbald zum Abschluß zu bringen.
Hilferuf
der oldenburgischen Landwirtschaft.
Oldenburg, 21. Sept. (TLl.) Die Pressestelle des Staatsministeriums übergibt der Oef- fentlichkeit ein längeres Schreiben an den Reichs- Präsidenten. Es heißt darin u. a.: Die schwierige Lage der oldenburgischen Landwirtschaft führe infolge zu hoher Abgaben und Zinslasten zum Erliegen eines Besitzes nach dem anderen. Höfe würden zu Spottpreisen verschleudert und der einst seßhafte Dauer werde zum heimatlosen Bettler. Eine einzige Katastrophe sei das Schicksal der Siedler.
Das Schreiben fordert dann:
1. Eine sofortige Herabsetzung des Reichsbankdiskonts auf höchstens 2 v. H. und des Privatdiskonts auf 3 v. H., wobei jedes Rehmen von Llnkostenzinsen oder Dermitt- lergebühren strengstens untersagt wird. Die Ausplünderung der Arbeit durch höhere als die gesetzlichen Zinsen muh durch ein Wuchergesetz unter schwerste Strafe gestellt werden.
2. Die Aussetzung aller Zwangsverkäufe und Ver st eigerungen für ein volles Jahr, damit allen Eignern Zeit und Möglichkeit gegeben wird, aus ihrer, in den meisten Fällen nur vorübergehenden Zwangslage herauszukommen.
©er „Angriff-'-prozeh.
Berlin, 21. Sept. (TU.) Am dritten Verhand- lungstage in dem Prozeß gegen die „Angriff"- Nedatleure Dr Lippert und Krause wegen Beleidigung des früheren Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und des früheren Polizeipräsidenten G r z e s i n s k i wurde die Zeugenvernehmung fort- gesekt. Oberregierungsrat Kopp, dessen eidliche Auslage völlig im Widerspruch zu der Aussage des
Kaufmannes Bast steht, teilt dem Gericht noch mit, daß sich Bast eine Zeitlang in einer Irren- a n st a l t aufgehalten habe und jetzt Besitzer von Absteigequartieren sei, weshalb gegen ihn ein Verfahren wegen Kuppelei schwebe. Als dem Zeugen Bast noch vorgehalten wird, daß er auch einmal ein Jahr Festung erhalten habe, vermag sich Bast darauf nicht zu besinnen. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Loschhorn meinte hierzu, daß damit wohl die Glaubwürdigkeit des Zeugen Bast erledigt sei. Der Vorsitzende teilt dann noch mit, daß der frühere Staatssekretär Weißmann aus Locarno mitgeteilt habe, daß er aus Gesundheitsrücksichten nicht vor Gericht erscheinen könne. Das Gericht ordnete die kommissarische Vernehmung des Staatssekretärs Weißmann in Locarno an
Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.
WHP. Darmstadt. 21.Sept. 3m Finanzausschuß des Hessischen Landtags fand mit den Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten ein nationalsozialistischer Antrag Annahme, der die Regierung ersucht, Beförderungen von Beamten aus politischen Gründen nicht mehr vorzunehmen. 3m Ausschuß selbst war eine Einigung über den Begriff der „Beförderung aus politischen Gründen" nicht zu erzielen. — Abgelehnt wurde der kommunistische Antrag, die Bürger-, Bier- und Ge- t r ä n k e st e u e r, die auf Grund der Rotverordnung eingeführt werden mußten, nicht zu erheben. — Eine längere Aussprache entspann sich über die Eingabe einiger Polizeihauptwachtmeister wegen höherer Einstufung in der De- soldungsordnung. Diese Beamten haben z. T. bereits 21 Dienstjahre zurückgelegt. Die Regierung lehnt jedoch die Höher st ufung ab, weil sie die Desoldungsordnung nicht durchbrechen könne. Der Ausschuß überwies die Eingabe der Regierung zur tunlichsten Berücksichtigung mit dem Ersuchen, im nächsten Staatsvoranschlag Vorschläge über die Besoldung dieser Polizeibeamten mit hohen Dienstjahren zu unterbreiten. Bei Stimmenthaltung von Sozialdemokraten und Zentrum wurde ein Zusahantrag der Rationalsozialisten angenommen, in dem die grundsäh- licheHöherein st ufung dieser Polizeibeamten nach 21 bzw. 25 Dienstjahren unter Einschluß der Militärdienstzeit gefordert wird
Kommunistenüberfalt
vor dem Berliner Gondergericht.
Vor dem Sondergericht Berlin begann der Prozeß gegen neun Kommunisten, die nach der Anklage in der Röntgenstraße Angehörige eines nationalsozialistischen Sturms überfallen haben. Dabei war der Rationalsozialist Gatschke tödlich und zwei andere Rationalsozialisten schwer verletzt worden.
Zunächst wurden die bei der Schießerei verletzten SA.-Männer vernommen. Der Maler Kwiatkowski ist bei der Tat durch Schüsse in beide Oberschenkel verletzt worden. Er habe gesehen, wie ein Radfahrer absichtlich langsam den Damm entlang gefahren sei, wahrscheinlich um sie am äleberschreiten des Dammes zu hindern. 3n diesem Radfahrer erkannte der Zeuge den Angeklagten Fritz S t e r d t wieder. Links von ihm habe ein junger Mann gestanden, der bestimmt geschossen hätte. Als diesen Schützen bezeichnete der Zeuge den 17jährigen Angeklagten Heinz Heine. Als zweiten Schützen bezeichnete der Zeuge den Angeklagten C a l m. Er oder seine Kameraden hätten weder eine Waffe besessen noch selbst geschossen. Die Kommunisten hätten eine richtige Schützenkette gebildet.
Urteil des Sondergerichts Paderborn.
Das Sondergericht Paderborn verkündete im Prozeß wegen der Vorgänge, die sich in der Wahlnacht in Reuhaus ereigneten, das Urteil. Der Anklage lag ein Zusammenstoß zwischen Klebekolonnen verschiedener Parteien zugrunde. Es kam dabei zu einem Angriff der SA. auf eine Kommunistengruppe, bei d^n der Anklage zufolge aus dem Kraftwagen der
RSDAP. angehörigen Arztes Dr. Linden mehrere Schüsse fielen, von denen der Arbeiter Brüschke tödlich getroffen wurde. Dr. Linden wurde wegen Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Vergehens gegen das Waffenmißbrauchsgesetz zu einer Gefängnisstrafe von sieben 3ahren verurteilt. Der Angeklagte Wüschen erhielt wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung eine Gefängnis st rafe von zwei 3 ähren. Die übrigen zwölf angeklagten Rationalsozialisten wurden zu Gefängnisstrafen von drei Monaten bis zu einem 3ahr verurteilt.
Selbstbezichtigung vor dem Essener Sondergericht.
Vor dem Essener Sondergericht schwebt zur Zeit ein Prozeß gegen vier Nationalsozia- l i st e n , die beschuldigt werden, bei einem politischen Zusammenstoß in Bottrop am 18. Juni zwei Kommunisten und einen Parteilosen durch Schüsse und Schläge verletzt zu haben. In der Mittwochsitzung überreichte zur allgemeinen Ueberraschung der Verteidiger einen Brief des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Paul Schmidt, worin dieser an Eidesstatt erklärt, die beiden Schüsse auf die Kommunisten abgegeben zu haben. Die Verhandlung wurde daraufhin auf den 30. September vertagt
Fünfzehn Jahre Zuchthaus für Totschlag an einem Polizeibeamten.
Vor dem Sondergericht in Königsberg fand der Prozeß gegen den Mörder des Polizeibeamten Wenendt in Labiau, Otto Altrock, statt. Altrock und sein Komplize Kluwe wurden auf einer Einb ruch sf ahr t mit einem Motorrad in Labiau von dem Polizeibeamten g e st e l l t. Altrock gab vier Schüsse auf den Beamten ab und tötete ihn durch einen Lungenschuß. Sodann flüchteten beide. Während Kluwe bald gefangen werden konnte, gelangte Altrock nach einer wilden Verfolgung durch 80 Polizeibeamte durch die ausgedehnten Forsten, bei der er mehrfach auf die Polizeibeamten schoß, nach Frankreich, wo er gefangen wurde. Der Staatsanwalt hatte gegen Altrock wegen Mordes dieTodesstrafe beantragt.Das Urteil lautete wegen Totschlags und versuchten schweren Totschlags, Rötigung und Waffenbesitz auf 15 3ahre Zuchthaus und 10 3ahre Ehrverlust, gegen Kluwe wegen Beihilfe zum versuchten schweren Totschlag, unerlaubter Abgabe von Munition und Waffenmißbrauchs auf ein 3ahr neun Monate Zuchthaus und drei 3ahre Ehrverlust.
Rücktritt der ungarischen Regierung.
D u d a p e st , 21. Sept. (TU.) Das Kabinett Graf 3ulius Karolyi ist zurückgetreten. Der Reichsverweser hat das Rücktrittsgesuch angenommen und Graf 3ulius Karolyi mit der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte beauftragt. Obwohl die Verhältnisse innerhalb der Regierungspartei in der jüngsten Zeit keineswegs dafür sprachen, daß die Regierung Karolyi mit Sicherheit auf die Gefolgschaft der ganzen Partei rechnen könne, ist die Demission der Regierung in politischen Kreisen überraschend gekommen. Die Unzufriedenheit mit dem Kabinett Karolyi, das seit 13 Monaten im Amte ist und sich um die Beseitigung der Finanzkrise des Landes von allen Seiten Anerkennung verdiente, kommt besonders im agrarischen Flügel der Partei zum Ausdruck. Cs kann-sein, daß Graf Karolyi nur aus taktischen Gründen, heute seine Demission gab, um die Partei vor eine vollendete Tatsache zu stellen und ähnliche Angriffe gegen sein Regime, wie sie in der jüngsten Parteikonferenz laut wurden, zu vermeiden und eventuell einige ihm nicht genehme Personen aus dem Kabinett auszuschiffen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß Graf Karolyi jetzt seinen lang gehegten Lieblingsplan, eine Konzentration der nationalen Kräfte herbeizuführen, zu verwirklichen trachtet.
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Parade französischer Truppen vor dem neuen Denkmal, das für MarschallTurenne inTürk- heim im Elsaß enthüllt wurde. Die Tatsache, daß Frankreich Turenne, dem Urheber der furchtbaren Verwüstungen in der Pfalz zur Zeit Ludwigs XIV. jetzt ein Denkmal errichtete, hat in Deutschland außerordentliche Erbitterung hervorgerufen.
Aus aller Welt.
Die Post- und Telegraphenbeamten tagen in Berlin,
Der 21. Verbandstag des Reichst Verbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten nahm im Plenarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates in Berlin seinen Anfang. Die rund 150 000 Beamten vor allem des unteren und mittleren Dienstes bei der Deutschen Reichspost, die Mitglieder des Reichsverbandes sind, werden durch über 160 Delegierte aus allen Teilen des Reiches auf der Tagung vertreten. 3n seiner Eröffnungsansprache wies der Derhandlungsvorsitzende Kugler darauf hin, daß der Reichsverband auch der internationalen Organisation der Post- und Delegrafenbeamten angehöre. Der Dundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, überbrachte der Tagung die Grüße der Spihenorganisation.
I. Internationaler evangelischer Schulkongreß in Wuppertal.
Vom 7. bis 10. Oktober findet in Wuppertal- Barmen der auch von vielen auswärtigen Ländern beschickte 1. Internationale evangelische Schulkongreß statt. Der Kongreß wird veranstaltet von dem Internationalen Verband evangelischer Erziehungs- jinö Unterrichtsorganisationen, der 1928 in Utrecht gegründet wurde. Er umfaßt 19 evangelische Verbände in Deutschland und im Auslande, die sich zielbewußt einsetzen wollen für „Die Schule mit der Bibel" im Rahmen einer gerechten und gesunden Schuloerfassung auf dem Boden der Gewissensfreiheit und des Elternrechts. Dem Ehrenausschuß gehören u. a. an: Prof. D. Dr. Cordier (Gießen), Großherzogin Eleonore von Hessen, Pfarrer H a n st e i n (Hirzenhain), Stadtmissionar Schmidt (Wetzlar), Lehrer Schneider (Wetzlar). Das Tagungsprogramm sieht neben einer Reihe von Vorträgen u. a. eine öffentliche Festoersammlung des Reichsverbandes deutscher evangelischer Schulgemeinden e. V. und zwei öffentliche Kundgebungen für „Die Schule mit der Bibel" vor.
Sie werden lachen!
Eine Handvoll Wiße zum Weitererzählen.
Als der verstorbene große Mediziner Rudolf Virchow einmal zufällig hörte, daß ein Kollege, Professor Piltner, mit seiner Familie und einem ihm ergebenen Schüler die Ferienreise angetreten habe, erzählte er abends in seinem Freundeskreise:
„Denkt euch nur, Kollege Piltner ist mit Frau und Kind und seinem ganzen Auditorium an den Thuner See gefahren!"
Bei dem berühmten Schriftsteller Lichtenberg erkundigte sich einmal ein Bildungsbeflissener, ob er ihm den Unterschied zwischen Zeit und Ewigkeit klarmachen könne.
Lichtenberg antwortete:
„Wenn ich mir die Zeit nähme, Ihnen das auseinanderzusetzen, würden Sie eine Ewigkeit brauchen, es zu kapieren."
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Das Fremdenauto, mit Amerikanern beladen, fährt durch eine deutsche Stadt. Der Führer erläutert:
„Meine Damen und Herren! Ich gestatte mir, Sie darauf hinzuweisen, daß wir momentan an einem her ältesten und schönsten Weinrestaurants der Welt oorbeifahren."
Da tönt der Chor der Fremden: „Warum?"
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Schnipp trifft seinen Freund Schnapp in der Straßenbahn, tief versunken in einen dicken Wälzer.
„Was liest du denn da so interessiert?", fragt er ihn.
„Eine Biographie von Napoleon."
„Bist du schon bei ferner Flucht von Elba?", möchte Schnipp wissen.
„Pst", fällt ihm Schnapp schnell ins Wort, „nicht verraten, was kommt!"
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Der Gast war offensichtlich ungehalten darüber, Laß er in feiner Suppe eine Fliege fand. Empört rief er die Kellnerin:
-.Da schwimmt eine Fliege In der Suppe. Können Sie mir vielleicht sagen, was das bedeutet?"
Worauf die Kellnerin achselzuckend meinte: „Ich brn hier als Kellnerin engagiert und nicht als Hellseherin."
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Der Dichter August Str indb erg setzte sich an den Schrerbtrsch, um zu arbeiten.
Kaum hatte er einige Sekunden gesessen, erhob er sich jäh und klingelte seine Wirtin herbei:
„Was ist denn das für eine Wirtschaft hier", schrie er seine Wirtin an. „Jedesmal wenn ich arbeiten will, fehlt etwas auf dem Tisch!"
„Was fehlt denn?" fragte die Wirtin ängstlich.
„Ein Korkenzieher!" brummte Strindberg.
(Lust. Bl.)
„Vater, draußen vor der Tür ist ein armer Mann, der immerzu schreit. Darf ich ihm zwanzig Pfennig geben?"
„Du bist ein braver Bursche", sagte der Vater, und gibt dem Sohn zwanzig Pfennig. „Was schreit denn der arme Mann?"
„Sahne- und Vanille-Eis, die Doppelportion nur zwanzig Pfennig", schreit er. (Lust. Bl.)
Emil ist auf der Kirmes. Da steht eine Bude mit der Aufschrift: „Hier ist das Bindeglied zwischen Mensch und Affen zu sehen!!! <Änsa- ttonell!!! Noch nie dagewesen!!! Eintritt nur 10 Pfennig!!!"
Gmil aeht neugierig hinein. Das muß man doch gesehen haben.
Und was erblickt er in der Bude? Mitten in dem geheimnisvoll verdunkelten Raum steht auf einem 'Owarzen Tisch magisch beleuchtet ein großes Glas Bier!
Hermann von Budde war von 1902 bis 1906 Eisenbahnminister. Budde war Reserveoffizier in einem Breslauer Grenadierregiment. Eines Tages hatte der Regimentsadjutant dem Minister wegen irgendeiner Angelegenheit in Berlin Besuch zu machen.
Der junge Oberleutnant gab seine Karte ab und wurde von Seiner Erzellenz außerordentlich liebenswürdig empfangen. Am Schluß des Besuches schob Budde dem Offizier 20 Mark hin:
„Selbstverständlich. Nehmen Sie nur."
„Aber ich bitte, Exzellenz, um Gottes Willen! Warum, wieso?"
Budde zeigte die Visitenkarte, auf deren Rückseite zu lesen stand:
„Können Sie mir mit 20 Mark aus» he I fe n?"
Der Adjutant hatte aus Versehen eine alte Karte gegriffen, die er im Kasino einmal geschrieben, aber aus irgendeinem Anlaß dann nicht weiter gegeben hatte.
Ein schönes blaues Auto steht vor einem Kaffeehaus in Monte Carlo.
Da nähert sich ein Herr mit englischer Sportmütze, der einen Brief in der Hand hält.
Er reicht dem Chauffeur den Brief und sagt würdevoll:
„Geben Sie diesen Brief bitte Ihrem Herrn!"
Der Chauffeur nimmt den Brief, geht in das Cas6 und überreicht ihn seinem Herrn.
Der öffnet ihn und lieft zu seinem Erstaunen folgende Zeilen:
„Wenn es klappt, ist es gut, wenn es nicht klappt, ist es auch gut!"
„Was soll denn das bedeuten?" fragt der Herr und reicht den Brief seinem Chauffeur.
Der Chauffeur lieft ihn durch, denkt eine Weile nach, rennt an die Ausgangstür des Kaffeehauses, sieht auf die Straße und kommt langsam zurück:
„Es hat geklappt!" sagt er gemütlich.
„Unser Auto i st f u t s ch."
Tonfilm: „Dao Lied einer Nacht".
Das Lichtspielhaus eröffnet seine Winterspielzeit mit dem Ufa-Tonfilm „Das Lied einer Nacht". Dieser Film ist insofern bemerkenswert, als er fast ganz um den berühmten Tenor Jan Kiepura herum geschrieben und inszeniert ist. Die lustspielmäßiae Verwechslungshandlung gibt eigentlich nur Kulisse und Folie für das Auftreten Kiepuras, dessen schöner, ganz italienisch klingender und geschulter Stimme reiche Chancen geboten werden; das ist erfreulich, denn sonst wird man hier — wenn nicht auf Schall- platten — kaum Gelegenheit haben, einen so prominenten Mann zu hären. Sein Glanzstück ist übrigens nicht das Schlagerlied „Heute Nacht oder nie", das dem Film seinen Namen gab, sondern der bravouröse Vortrag der großen italienischen Arien, in denen Kiepuras Stimme sich zu ihrer ganzen strahlenden Fülle entfaltet. Die nicht übermäßig ergiebige Hand- ung wird durch eine Reihe recht malerischer süd- x- gehoben, die in den para»
Oiesisthen Gefilden um Lugano und Locarno gedreht wurden Die mit vielen Ueberblenbungen arbeitende Jegte (Anatol L i t w a k) ist rein filmisch in den f^20ar$S--'lenen .am beweglichsten und erfinderisch- sten Spater wird das lebendige Anfangstempo '^k5^^^twas verschleppt. Neben Kiepura sieht man Fritz Schulz, der — etwa im Stil Paul Heidemanns —-einen vergnügten Hochstapler präsentiert; ferner Magda Schneider, hier noch ziemlich unbekannt, hübsches, zierliches Persönchen, das gelegentlich an Käthe von Nagy erinnert Wall
burg blubbert die Tiraden eines trotz seiner Leibesfülle erstaunlich beweglichen Kurdirektors mit erschütternder Zungenfertigkeit heraus. Ida Wüst und F a l k e n ft e i n : gute alte Bekannte. — Für Interessenten sei auf den Farbentonfilm aus der Berliner Tanzschule von Jutta K l a m t (im Beiprogramm) besonders hingewiesen.
Ein Operateur stirbt beim Operieren.
Unter dramatischen Umständen ist einer der berühmtesten Aerzte Englands, der Gynäkologe Sir Henry Simson, aus dem Leben geschieden. Simson war der führende Frauenarzt Englands. Er war gerade dabei, eine schwierige Operation in einem Londoner Krankenhaus auszuführen. Die Patientin lag bereits in der Rarkose, und der Arzt hatte seine Arbeit begonnen, als er plötzlich das Messer fallen lieh, zurücktaumelte, nach dem Herzen griff und umfiel. Roch ein anderer Arzt und drei Schwestern waren anwesend. Während die Schwestern sich um Simson bemühten, hatte der andere Arzt die Geistesgegenwart, die Operation an der Stelle weiterzuführen, wo Sir Henry aufgehört hatte, und sie glücklich zu vollenden. Simson lag unterdessen in dem Operationssaal. Ein anderer Arzt wurde herbeigerufen, konnte aber nur den Tod feststellen.
England trinkt Apfelwein.
In England werden die Steuern für Bier und Whisky derart in die Höhe getrieben, daß der Konsum stark gesunken ist und sich den alkoholischen Getränken zugewendet hat, die steuerfrei geblieben sind. In der Londoner Presse wird mitgeteilt, daß im Laufe dieses Jahres der Verbrauch an Apfelwein sich vervierfacht hat. Die Herstellung von Apfelwein ist an keine Konzession gebunden, und fast alle Landwirte stellen ihn her, und zwar steigern sie den Alkoholgehalt auf 30 und mehr Prozent. Die Presse erinnert daran, daß England schon einmal eine Periode ähnlicher Art durchgemacht hat. Im 18. Jahrhundert trank mantn England den Gin, einen Branntwein der aus Wacholder hergestellt wird, lieber den Wirtshaustüren hingen Schilder, die für einen Penny einen Ginschwips und für zwei Penny (etwa 15 Pfennig) einen respektablen Rausch 'versprachen. Die Gastwirtschaften hatten einen Raum ihres Hauses mit Streu belegt, dort konnte der Zwei- Penny-Rausch gratis an Ort und Stelle ausgeschlafen werden. Die Blätter beschwören die Regierung, von ihrer unsinnigen Steuerpol'tik abzulassen, wenn sie nicht wolle, daß derartige Zustünde wiedectehren.


