Ausgabe 
22.9.1932 Erstes Blatt
 
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Erledigung des geschäftlichen Teils sprach Augen­arzt Dr. R a u p p in Esperanto und Deutsch über den derzeitigen Stand und die Verbreitung, so­wie die stets wachsenden Erfolge der Esperanto- Vewegung. Studienrat Tr. Seibert (Alzey) verbreitete sich sodann in Esperanto über Wort­akzent und Satzmelodie in Esperanto, während Dr. R a u p p nochmals das Wort zu einem Vortrag über Unterrichtsmethoden des Esperanto nahm.

Eröffnung der Bantzer-Ausstellung in Marburg.

WSA. Marburg, 21. Sept. 2m Museum des Kunstinstituts fand gestern vormittag dte Er­öffnung der AusstellungWerke der Familie Danher" statt. Reben ber Familie des Künst­lers sah man zahlreiche geladene Gäste. Die Er­öffnungsansprache hielt Professor Hamann, der darauf hinwies, daß die Ausstellung nur einen Ausschnitt aus dem Schaffen des Künstlers ge­ben könne. Das größte Verdienst Dantzers sei darin zu erblicken, daß er in einer Zeit, wo die Sachlichkeit alles durchsetzen wolle, das Mensch­liche wahrte und es einschloß in die neue Kunst. Es erfolgte dann ein Rundgang durch die Aus­stellung, wobei der Museumsleiter Dr. Kippen­berger Aufschluß über die einzelnen Bilder gab.

Amtsgericht Gießen.

Fälle, daßFeuermelder" von mutwilliger Hand eingeschlagen werden, stehen leider in hiesiger Stadt nicht vereinzelt da. Es handelt sich um Sachbeschädigungen, die von der gesamten Ein­wohnerschaft in ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Feuerwehr nicht etwa als Summe» jungenstreiche, sondern als Roheitsdelilte schlimm­ster Art, die an Gern ingefährlichkeit grenzen, verurteilt werden. Auch im Fragefall war die Feuerwehr unnützerweise erschienen. Es war ihr aber gelungen, den Täter, einen jungen Mann aus einem Rachbarorte, zu stellen und der Polizei zu überliefern. Er ist geständig, behauptet aber, nicht vorsätzlich gehandelt zu haben; er will viel­mehr in seiner Trunkenheit unabsichtlich mit dem Ellenbogen oder mit seinem Stock, mit dem er in der Luft herumgefuchtelt habe, wider die Scheibe ?iekommen sein. Ein Zeuge war ttvber Verhand- ung ausgeblieben. Dieser wurde in eine Ord­nungsstrafe genommen und die Sache vertagt, um den ausgebliebenen und noch andere Zeugen in einem neuen Termin zu vernehmen.

Ein Motorfahrer hatte im März dieses Jahres fortgesetzt Straßen des Landkreises Gießen ohne Führerschein befahren; er hatte auch das Motor­rad bei dem Kreisamt nicht angemeldet und besah keine Zulassungebescheinigung. Begegnungen mit der Polizei wußte er nach Möglichkeit zu ver­meiden. Schließlich konnte er doch verschiedener Verstöße gegen die einschlägigen Vorschriften überführt werden. Er erhielt einen Strafbefehl über 30 Mk. Sein dagegen eingelegter Einspruch wurde verworfen, da er im Verhandlungstermin unentschuldigt ausblieb.

Eine polizeiliche Revision der Diehhandels- kontrollbücher ergab bei einem auswärtigen Vieh­

händler insofern Mängel, als zwei im Stalle be­findliche Tiere nicht eingetragen waren. Aach der Aussage der Ehefrau des Angeklagten waren beide erst kurz vor dem Erscheinen des Kontroll­beamten in Abwesenheit des Ehemannes ern- gestellt worden. Der Kontrolleur erklärte aber, die Tiere hätten durchaus nicht das Aussehen gehabt als ob sie kurz vor seinem Erscheinen von der verstaubten Landstraße gekommen wären. Auch will er noch andere Merkmale (alter Stall­mist an den Klauen und dergleichen mehr) kon­statiert haben, die auf das Gegenteil schließen liehen. Zwecks Anstellung weiterer Ermittlungen wurde die Verhandlung vertagt. Aamentlich sollen die Transporteure der beiden Tiere gehört werden.

Eine hiesige Ehefrau hatte Aeuherungen getan, wonach sich ihr früherer Mieter eines fortgesetzten Sittlichkeitsvergehens in ihrem Hause schuldig gemacht habe. Dieser hörte hiervon und strengte, seiner Schuldlosigkeit bewuht, Privatklage gegen die Ehefrau wegen Beleidigung an. Gleich zu Beginn des Verhandlungstermins stellte sich aber heraus, dah bei der Staatsanwaltschaft gegen den Privatkläger eine Anzeige wegen des frag­lichen Vergehens eingegangen war. Deshalb muhte der Richter mit der Fortsetzung des Ver­fahrens, gesetzlicher Vorschrift gemäh, inne halten. Es bleibt ausgesetzt, infolange das von Amts wegen einzuleitende Strafverfahren gegen den Privatkläger nicht erledigt ist.

gebieten prägnante Befestigungen, im Durchschallt betrugen sie etwa 1 bis 1,5 v. h. Fest lagen beson­ders einige Rohstoffwerte, wie Deutsche Linoleum mit plus 2,25 d. Sy, Kunstseideaktien mit plus 3 v. Sy, Gfontigummi mit plus 2,5 v. Sy, Zellstoffaktien mit plus 1,5 bis 2 v. Sy und Otavi Minen mit plus 1,25 v. Sy Am Elektromarkt wirkten sich die Aufträge der Reichspost heute stärker aus. Siemens, Licht & Kraft, Felten und Lahmeyer sowie Lechwerke Augsburg gewannen bis 2,5 d. Sy AEG. blieben da­gegen nur knapp gehalten. Von Montanaktien waren besonders Rheinstahl, Buderus und harpener bis zu 1,25 d. Sy fester, im übrigen stellten sich Besse­rungen bis zu 1 v: Sy ein. IG. und Rütgerswerke zogen etwa 1,75 o.Sy an. Leicht erhöht waren ferner Reichsbank, Holzmann, Daimler, Schiffahrtsaktien und Contilinoleum.

2m Verlaufe führte die Umsatzschrumpfung auf den meisten Marktgebieten zu leichten Abschwächun­gen, die durch Realisationen der Kulisse verursacht wurden. Man wollte auch Abgaben aus alten Lom­bardbeständen beobachtet haben. So gingen IG., einige Elektro- und Montanpapiere von % bis 1 Prozent zurück. Rur die sog. Rohstoffwerte, vor allem Zellstoff-, Kunstseideaktien und Deutsche Li­noleum, waren um weitere Vi bis 1% Prozent höher. Der Rentenmarkt lag aus dem be­kannten Grund sehr ruhig. Deutsche Anleihen, unter Bevorzugung von Altbesitz und Reichsschuldbuchfor­derungen lagen etwas höher und blieben auch im Verlaufe behauptet. Goldpfandbriefe, Industrie- und Kommunalobligationen sowie Stadtanleihen waren nur wenig verändert. Liquidationspsandbriefe waren dagegen zu Ablösungszwecken weiter gesucht und höher. Von fremden Werten lagen Türken auf feste Pariser Kurse höher. Der Geldmarkt war heute nach der Diskontsenkung merklich erleich­tert. Der Satz für Tagesgelb wurde um Vi auf 4 Prozent ermäßigt, wobei Ueberftanb verblieb.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 22. Sept. Auftrieb: 178 Rinder, 978 Kälber, 359 Schafe, 771 Schweine. Es kosteten: Beste Mast- und Saugkälber 40 bis 42, mittlere Mast- und Saugkälber 36 bis 39, geringe Kälber 28 bis 35 Mark; Mastlämmer und jüngere Masthämmel 23 bis 26, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 20 bis 22, fleischiges Schafvieh 15 bis 19 Mark; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendge­wicht 42 bis 45, von etwa 200 bis 240 Pfund 41 bis 45, von etwa 160 bis 200 Pfund 38 bis 44, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 37 bis 42 Mark. Marktverkauf: Bei allen Dieh- gattungen langsam, geräumt.

iSchluß des redaktionellen Teils.)

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Wirtschaft.

Berlin zuversichtlich und fest.

Berlin, 22. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nach­dem die innerpolitische Situation eine wesentliche Beruhigung erfahren hat und nachdem auch außen­politisch im Verlaufe der Abrüstungsoerhandlungen eine für Deutschland etwas günstigere Lage einge­treten ist, beschäftigte sich die heutige Börse in der Hauptsache wieder mit den Nachrichten aus der Wirtschaft. Weitere Arbeitereinstellungen in der In­dustrie, der gemeldete Kali- und Kunstseidetransport, das nunmehr bekannte Arbeitsbeschaffungspro- gramm der Reichsbahn usw. wirkten für die Markt­gebiete doch recht anregend. Auch daß die Rohstoff­preise wieder eine Befestigung erfahren haben, und daß alle Auslandbörsen, speziell Neuyork, eine kräf­tige Aufwärtsbewegung meldeten, trug wesentlich zu einer freundlicheren Grundstimmung schon im Vormittagsoerkehr bei. Die ersten Kurse zeigten dann auch ganz allgemein Besserungen bis zu 3 Prozent. Das Geschäft war allerdings nicht ganz so lebhaft, wie man erwartet hatte. Es beschränkte sich in der Hauptsache auf Deckungen der Kulisse, während die Kundschaft immer noch nicht recht dabei ist. Nur das Ausland scheint für Spezialwerte Saufintereffe zu haben. Die Führung hatten neben Farben und Sin mens, die 3% bzw. 3% Prozent gewannen, die Kunstseideaktien, die nach anfänglicher Plus- Pkus-Notiz bis zu 5 Prozent höher eröffneten. Aber auch harpener, Rheinstahl, Contigummi, Elektrisch Licht und Kraft, Berlin-Karlsruher Ma­schinen, Schultheiß, Zellstoff Waldhof und DEW. waren bis zu 4 Prozent gebessert. Demgegenüber waren die Kursrückgänge einzelner weniger Papiere ganz unbedeutend.

Auch am Rentenmarkt war die Grundstim­mung freundlicher, zumal kleine Kauforders des Jn- unb Auslandes oorliegen sollen. Deutsche Anleihen waren bis zu 20 Pf. fester, Reichsbahnoorzüge ge­wannen x/i Prozent, und Reichsschulbbuchforderun- gen lagen bis zu 1 Prozent höher. Nur in Stadt­anleihen scheint eher noch etwas Ware heraus- zukommen. Auch Landschaften lagen bis X3A Prozent niedriger.

Im Verlaufe ließ das Geschäft, von einigen Spe­zialwerten abgesehen, nach. Die Tendenz wurde teil­weise etwas unsicher und die Kursentwicklung un­einheitlich^ zumal es den Anschein hatte, als ob auf einigen Märkten wieder Lombardware, wenn auch in kleinen Beträgen, herauskam. Vor allem störte aber wieder die Geschäftslosigkeit, da nach Erledi­gung der ersten Aufträge die Spekualtion wieder vollkommen auf sich angewiesen war. Für Ma­schinenwerte, BMW. und Textil- und Zellstoff­aktien bestand aber weiter Interesse.

Die Entspannung am G e l d m a r k t ist nun heute in Erscheinung getreten. Das Entlastungsbedürfnis der Banken macht sich in einer stärkeren Ein­reichung von Wechseln bei der Reichsbank bemerk­bar. Der Privatdiskontsatz dürfte aber doch heute unverändert bleiben. lagesgelb ist infolgedessen wesentlich leichter, das Angebofist natürlich bedeu­tend größer als in der letzten Zeit. Der Satz ging an btr unteren Grenze auf 4% zurück, für erste Adressen war Tagesgeld auch schon mit 4'A Prozent erhältlich. Monatsgeld stellte sich auf zunächst bis 7 Prozent. In Reichsschatzanweisungen ist eine neue Tranche per 15. Februar ausgegeben, die jetzt 43A Prozent, also 3A Prozent unter dem alten Satz verzinst wird. Man kann für diese Fälligkeit Nach­frage feststellen.

Frankfurt befestigt.

Frankfurt a. M., 22. Sept. (WTB. Drahtmel­dung.) Der Beginn der heutigen Börse brachte inso­fern eine Enttäuschung, als man auf Grund der gestrigen Hausse an der Neuyorker Börse, der Be­festigung der internationalen Warenmärkte und auch der gewissen innerpolitischen Entspannung, die nach der gestrigen preußischen Landtagssitzung zu ver­zeichnen war, mit einer wesentlichen Belebung des Geschäfts durch Beteiligung des Publikums gerechnet hatte, so kam es bei der Eröffnung des amtlichen Verkehrs zwar zu weiteren Sursbefferungen, nach­dem schon die Abendbörse in fester Haltung verkehrte. Jedoch beschränkte sich die Umsatztätigkeit ausschließ­lich auf kleine Deckungen der Spekulation. Immerhin ergaben sich gegen die Abendbörse auf einigen Markt-

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Am Donnerstag, dem 29. September 1932, vormittags 9 Uhr, wird im Amts­gerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche zu Gießen dem Kauf­mann Rudolf weil zu Gießen zugeschrie­bene Anwesen Marburger Straße 7

Flur II, Nr. 232Zio = 1074 qm hofreite, geschätzt 38 890 Reichsmark, versteigert.

Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. 6154D

Gießen, den 30. August 1932.

I. A. des hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher.

..SO0/« Rabatt

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das Ver­mögen des Kaufmanns Hermann flopp von Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.

Gießen, den 12. September 1932.

__________hessisches Amtsgericht. 6613D

Zwangsversteigerung 35/32

Am Donnerstag, dem 27. Oktober 1932, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts­gebäude zu Gießen, Zimmer 107, das im Grundbuche von Gießen dem Karl Andreas Schreier, Möbelschreiner zu Gießen, zuge­schriebene Anwesen Rirchenplah 11

Flur 1, Tlt. 465 = 279 qm hofreite, geschätzt 51 345 RM., versteigert.

Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. , 6619D

Gießen, den 19. September 193*2.

I. A. des hessischen Amtsgerichts Gießen:

_______Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______

Kartoffel-Lieferung.

Die Lieferung von zirka 2500 Zentner reiner3ndustrie"-Speisekartoffeln, groß- fallende und gelbfleischige Ware, soll im Wege des öffentlichen Anerhietens ver­geben werden. 6612D

Die Kartoffeln müssen gesund und Hand­oerlesen sein.

Die Lieferungsbedingungen, die in den Angeboten ausdrücklich anzuerkennen sind, können während der Dienststunden hier eingesehen werden oder gegen Erstattung der Selbstkosten von uns bezogen werden.

Angebote sind verschlossen mit der Auf­schrift:Kartoffellieferung" bis zum Er- öffnungstermin

Dienstag, dem 4. Oktober 1932 vormittags 10 Ahr hier einzureichen.

Die Lieferanten bleiben zehn Tage an ihr Angebot gebunden.

Gießen, den 19. September 1932.

Direktion

der Landes-Heil- und Df legeanff alt bei Gießen.

Zwangsversteigerung -L

Am Donnerstag, dem 13. Oktober 1932, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichts­gebäude zu Gießen, Zimmer 107 das dem Sattler Ludwig Müller zu Gießen zuge­schriebene Anwesen Neustadt 9

Flur 1, Nr. 949 = 143 qm Grabgarten,

Flur 1, Jlr. 950 - 444 qm hofreite, geschätzt 18 775 RM., versteigert.

Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. 6618D

Gießen, den 19. September 1932.

I. A. des hessischen Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgerichtsvorsteher._______

Bullenverkauf.

Montag, den 26. September, vormittags 9 Uhr, soll ein fetter Bulle auf dem Sub- missionswege verkauft werden. Angebote pro Zentner Lebendgewicht können bis zum genannten Termin auf hiesiger Bür­germeisterei eingereicht werden. Bedingun­gen werden vor Oeffnung der Angebote bekanntgegeben. 6616D

Oppenrod, 21. September 1932. hessische Bürgermeisterei.

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