Sie Vorbereitung für den AeiLstagsbegiim.
Zraktionsführer-Besprechung im Reichstag.
Berlin, 20. Aug. (TU.) Im Reichstag fand am Samstagvormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten Lobe eine Sitzung der F r a k t i o n s - führer statt, in der die Plätzeverteilung vorgenommen und die Vorbereitung für die ersten Sitzungen getroffen wurde. Wer beim Zusammentritt des Reichstages die Verhandlungen leiten wird, steht noch nicht fest. Ueber die Erkrankung von Frau Zetkin liegen direkte Meldungen aus Moskau noch nicht vor. Man glaubt, Mitte der nächsten Woche Genaueres darüber erfahren zu können. Dann wurde die vom Büro des Reichstags vorgeschlagene Platzverteilung genehmigt.
Reichskanzler von Papen hat, wie wir hören, den Wunsch, unmittelbar nach der Wahl des Präsidiums des Reichstages mit dem neuen Aeltesten- rat über die weitere parlamentarische Arbeit zu beraten. Man nimmt deshalb in parlamentarischen Kreisen an, daß nach den beiden ersten mehr formellen Sitzungen des Reichstages eine mindestens mehrtägige Pause eintritt, während der der Reichskanzler mit den Parteien die weitere Arbeit vorbereiten kann.
Zuwachs bei der deutschnationalen Reichstagsfraktion.
Berlin, 20. Aug. (VDZ.) Wie das Nachrichtenbureau des VDZ. meldet, haben die zwei auf der Liste des Württembergischen Weingärtner- und Bauernbundes gewählten Reichstagsabgeordneten and der auf der Landbundliste gewählte Abgeord- nete Habicht die Absicht, sich der deutschna - sionalen Reichstagsfraktion anzuschlie- &en, so daß diese auf 40 Sitze kommen würde.
Keine iRomreife Brünings.
München, 20. Aug. (ERB.) Zu der Berliner Meldung, daß Dr. Brüning im Anschluß an eine ilussprache mit Reichswehrminister v. Schleicher sich nach Rom zur Fühlungnahme mit Prälat Dr. Kaas begeben haben soll, stellt der „Bayrische Kurier" fest: Dr. Brüning hat sich nicht noch Rom begeben, um sich dort mit Dr. Kaas zu besprechen, schon weil dies völlig zwecklos wäre, da Dr. Kaas sich überhaupt nicht in Rom befindet, roch befand. Er genießt seinen Erholungsurlaub in L i r o I. Dr. Brüning weilt nach wie vor im Schwarzwald. Eine Aussprache zwischen Dr. Saas, der sich erfreulicherweise sehr gut erholt )at, und Dr. Brüning hat im Kreis von Freun- )en bereits am letzten Sonntag in einer süddeutschen Stadt stattgefunden.
Präsident Kerrl über das Ziel der ASOAP
Berlin, 20. Aug. (ERB.) Der Präsident »es Preußischen Landtages, Kerrl, hat •inem Mitarbeiter des nationalsozialistischen ,,A n - griffe" gegenüber Mitteilungen über die poli- nsche Lage in Preußen gemacht, in denen er u. a. lusführte, alle bisher von der Linkspresse oeröffent- ichten Nachrichten über Verhandlungen zwischen hm und dem Zentrum bzw. Ausschaltung des Frak- äonsführers K u b e seien Unsinn. Abgeordneter Rübe selbst sei für Verhandlungen deshalb nicht in Frage gekommen, weil er feinen dringend benötigten Erholungsurlaub außerhalb Berlins verbracht habe. Er, der Landtagspräsident, habe sich vor drei Tagen ju einer der üblichen Besprechungen zum Führer begeben, die volle Einmütigkeit mch mit den anwesenden Inspekteuren der Partei »ergeben habe. Alle seien sich darüber klar gewesen, )aß es der Partei lediglich um den Führungs- inspruch gehe, und daß sie legal die Macht irreren werde, die ihr zustehe.
Oie preußische Polizei soll neutral bleiben.
Berlin, 20. Qlug. (WTD.) Heber die Teilnahme von Beamten an politischen Veranstaltungen in Uniform hat der
mit der Wahrnehmung der Geschäfte des preußischen Innenministers beauftragte Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht an alle Polizeibehörden (einschließlich Landjägerei) folgenden Erlaß gerichtet:
„3n Verfolg der Richtlinien des Runderlasses vom 5. August 1932 verbiete ich den Beamten der P o l i z e i und Landjägerei, in Dien st- kleidung an politischen Veranstaltungen teilzunehmen, sofern es sich nicht um einen dienstlichen Auftrag handelt. In Zweifelsfällen ist der Vorgesetzte zu befragen."
Oer Zungdeutsche Orden fordert Verfassungsänderung.
Berlin, 20. Aug. (VDZ.) Wie das Rachrichtenbureau des Vereins Deutscher Zeitungsverleger meldet, hat der Führer der Jung- deutschen Bewegung, Artur Mahraun, unter Zustimmung der Unterführer des Iungdeut- schen Ordens aus dem ganzen Reich dem Reichspräsidenten v. Hindenburg die Bitte unterbreitet, einen Ausschuß einzuberufen, der den Entwurf einer Verfassungsänderung zur Abstellung von Mängeln der Weimarer Verfassung ausarbeiten solle. In dem Schreiben, das nach Reudeck gerichtet wurde, heißt es, die Führer der Iungdeutschen Bewegung richten die dringende Bitte an den Reichspräsidenten, durch sein persönliches Eingreifen der unerträglichen parteipolitischen Verwirrung ein Ende zu bereiten.
Der Grund der Verwirrung fei in der schrankenlosen Herrschaft der Demagogie zu sehen, die durch Mängel in der Verfassung von Weimar möglich geworden sei.
Die Beseitigung der Verwirrung sei nur durch einen Ausbau der Verfassung zu erreichen. „Rur Sie, hochverehrter Herr Reichspräsident", so fährt das Schreiben fort, „verfügen über das Vertrauen der Mehrheit des deutschen Volkes. Darum ist es auch nur Ihnen möglich, das deutsche Volk in dem Willen zu einigen, seine Verfassung im Sinne der Befriedung des öffentlichen Lebens und einer kraftvollen ßenfunn des Reiches auszubauen."
Oer Ohlauer Aufruhrprozeß.
Dr ieg, 20. Qlug. (ERB.) Dor dem Brie- ger Sondergericht begann der Ober, staatsanwalt heute früh mit feinem Plädoyer. Er führte u. a. aus: Es sei zwar nicht erwiesen, aber sehr naheliegend, daß das Reichs- bannertreffen in Laskowitz den Zweck gehabt habe, den HeberfaH auf die aus Drieg heimkehrenden SA.-Leute vorzubereiten. Es stehe fest, daß bei dem Reichsbannertreffen Reden gegen die Rationalsozialisten gehalten worden seien. Jedem« falls seien die Reichsbannerleute nach Drieg zurückgekehrt mit der Absicht, sich an den Rationalsozialisten zu rächen. Für die Dorbereitung spreche einmal der Befehl, daß Frauen und Kinder sich entfernen sollten, zum anderen der eingerichtete Rachrichtendienst und dann die Besetzung der Strehlener Straße mit bewaffneten Reichsbannerleuten. Mit erhobener Stimme erklärte der Oberstaatsanwalt, daß diese blutigen Ausschreitungen zwei Tote, zahlreiche teils schwer, teils leicht verletzte Opfer gefordert hätten. Auf die Anklagebank gehörten nicht nur die hier erschienenen Angeklagten, sondern mindestens noch 100 weitere Säter. Zum Schluß wandte sich der Oberstaatsanwalt gegen die Berichterstattung in der linksradikalen Presse, weil sie das Ergebnis der Beweisaufnahme buchstäblich aus den Kopf gestellt habe und sogar durch gefälschte Bildberichter st attung bemüht sei, die ahnungslosen Massen noch weiter zu vergiften.
Rach ihm nahm Staatsanwaltschaftsrat Hau de
das Wort, um die Straftaten der einzelnen Angeklagten zu erörtern.
Der Verteidiger Rechtsanwalt Braun nahm in etwa dreistündigen Ausführungen Stellung zu den Plädoyers der Staatsanwaltschaft. Er hob hervor, daß die Terrorakte der letzten Zeit nicht auf das Konto der SPD. kommen könnten: denn die 80jährige Geschichte dieser Partei beweise, daß gegen sie in der Vorkriegszeit nie ein Aufruhrprozeß nötig war. Soweit die Angeklagten die. ihnen zur Last gelegten Taten begangen haben, seien sie bereit, dafür zu sühnen. Bei der Würdigung der Taten der einzelnen Angeklagten forderte Dr. Braun für einige Freispruch, bei den anderen bat er um weit mildere Strafen.
Rechtsanwalt Foerder forderte für Stadtrat Manche einen glatten Freispruch wegen erwiesener Unschuld. Er betonte, die Verteidi- guno habe absichtlich daraus verzichtet, Sensationen im Gerichtssaal zu machen, sonst hätte sie den Reichskanzler v. Papen als Zeugen dafür laden lassen, daß auch rechtsgerichtete Politiker vor der Aufhebung des SA.-Uniformverbvts gewarnt hätten.
Dr. QU o s b a ch , der die sechs kommunistischen Angeklagten vertrat, bat für diese um Freispruch.
Von dem Recht des letzten Wortes des Angeklagten machten nur die Hauptangeklagten Gebrauch. Sie erklärten, daß sie für ihre Taten einstünden, baten jedoch das Gericht um milde Beurteilung. Lediglich der sozialdemokratische Stadtrat Manche erklärte, daß er sich keiner strafbaren Handlung bewußt sei.
Oie (Strafanträge.
Die Staatsanwaltschaft beantragte folgende Strafen:
Gegen den Gewerkschaftssekretär und Kreisleiter des Reichsbanners, Dur nick, wegen Landfriedensbruches, Waffenmißbrauches und schweren Aufruhrs vier Jahre Zuchthaus.
Gegen den Ortsgruppenleiter des Reichsbanners, Blech, wegen derselben Straftaten sechs Jahre Zuchthaus.
Gegen den Angeklagten Van in (Vater) wegen derselben Straftaten fünf Jahre Zuchthaus.
Gegen den sozialdemokratischen Stadtrat Manche wegen schweren Landfriedensbruches und Raufhandels vier Jahre Zuchthaus.
Gegen den Gewerkschaftssekretär S t r u l i k we- ( gen einfachen Landfriedensbruches und Aufruhr zwei Jahre Zuchthaus.
Die übrigen beantragten Strafen wegen Landfriedensbruches bewegen sich zwischen vierMo - naten bis zu zwei Jahren Gefängnis.
In sechs Fällen wurde Freispruch beantragt Die Urteilsverkündung erfolgt am Montagvormittag um 10 Uhr.
Geländeübung kommunistischer Sturmtrupps Schüsse aus d»e Polizei. — 41 Verhaftungen
Solingen (Wald), 20. Aug. (TU.) In der Heide bei Haan hielten in der Nacht zum Samstag ( kommunistische Sturmtrupps verbotene Geländeübungen ab. Als das Ueber-* fallkommando der Schutzpolizei eingriff, wurde es beschossen. Daraufhin machte die < Polizei ebenfalls von der Schußwaffe Gebrauch. Wie die Telegraphen-Union an zuständiger Polizeistelle erfährt, sind von kommunistischer Seite etwa' 60 Schüsse auf die Polizeibeamten ab» i gegeben worden. Verletzt wurde niemand. Munition und leergeschossene Hülsen wurden im Gelände aufgefunden. 41 Kommunisten, darunter die Führer, wurden fe st genommen und am Samstagmittag nach Mettmann gebracht, wo sie dem Richter vorgeführt werden.
Die bayerischen GebirMWen-Kompanien feiern ihr 300 jähriges Veilchen.
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In Lenggries (Bezirk Tölz) fand eine große Feier der bayrischen Gebirgsschützen-Kompanien statt, die jetzt auf eine 300jährige Geschichte zurückblicken können. Am Anfang ihrer ruhmreichen Tradition stand die heldenhafte Abwehr des Schwedeneinfalls im Jahre 1632. — Unser Bild zeigt den Vorbeimarsch der Schützen an Kronprinz Rupprecht von Bayern (X).
Eidechsenparade.
Von Ilse Schmidt-Wiffendorff
Ich habe einen Garten auf sonnigem Hang. Kein großes Gebiet mit dem Rauschen vieler Bäume ... nur ein kleines Stückchen ist es, aber ich liebe cs mit jener Innigkeit, die immer zwischen Erde und Mensch sein sollte weil Erde und Mensch eins sind.
Als ich das erste Mal in dieses Stückchen Natur drang, raschelte etwas erschreckt vor meinem Schritt davon. Ich entdeckte später unter Steinen im glüh- heißen Winkel das smaragdene Funkeln des Männchens und das erdige Braun des Weibchens. Eidechsen.
Dann kam das Aufräumen. Wochenlang sah ich nichts von den früheren Bewohnern. Allerlei Arbeit war getan. Die braunen Schollen saugten aufgebrochen Sonne und Wasser in fruchttragende Tiefe. Bäume reckten verjüngte und beschnittene Form ins Licht ... lachende Farbe deckte das kleine Gartenhaus. Und da stand ich nun ein wenig kreuz- und lendenlahm nach langer Arbeit ... und war auch in Freude aufgebrochen. Und fang vor mich hin ... krausgefügtes Melodiengeranke, leise ... in meinen eignen Singsang verliebt.
Und plötzlich, rechts und links von mir, schwarz- glänzendes Aeugeln ... erhobene, lauschende Köpfchen. O du seltsamstes Auditorium.
Die Eidechsen! Und sie saßen da, unbeweglich, bis ich aufhörte mit meinem Gartenkonzert und raschelten dann prätentiös mit steifer Hofschleppe davon. Und ich schickte ihnen eine Lachsalve nach und war jünger und reicher geworden.
Und dies alles wiederholte sich. Wenn ich sang, tarnen sie jedesmal, aber allein mußte ich sein. Und ich erfand für sie Eidechsenarien, durch die die Fliegen summten und Regentropfen perlend klingelten, große Blätter sich zu Zelten bogen und goldsträmig Sonne flutete. Und die Eidechsen verstanden mich, ganz bestimmt. Wenn sie mein Locken hörten, tarnen tarnen sie aus den Felsritzen ... also gefiel ihnen, was ich mir für sie ausdachte. Und dann liefen sie auch nicht mehr davon, wenn ich ohne zu fingen arbeitete. Das Männchen rollte sich sogar hausväterlich behaglich in seine Schwanzschleppe und postierte sich neben die Wassertonne, während ich schwitzte.
Nur das Weibchen blieb spröde. Aber schließlich wurde auch sie zutraulich und nun, nach jahrelanger Bekanntschaft, erlebte ich in diesem Frühling das süße Wunder der Eidechsenparade.
Am ersten heißen Frühlingstag. Die Knospen saßen kraftgeschwellt am Ast und glänzten in fruchtbarer Feuchte. Mein Spaten schoß blinkend in die
Furche ... da sang ich das kleine Locklied, wie es mir gerade der Augenblick eingab. Und wie ich mich umsehe, kommt's herangeraschelt ... Herr König und Frau Königin und mit ihnen vier andere ... zwei Männchen und zwei Weibchen ... kleiner als meine Alten. Eine jüngere Generation? Freunde oder Verwandschaft, die hierher gebracht worden waren, weil hier gut Hütten bauen war? ... Ich weiß es nicht.
Und sie stellen sich vor mir auf, die Neuen in der Mitte, mein Herrscherpaar an beiden Seiten, als Hüter und Wächter, und der Zuwachs ward mir gewissermaßen vorgestellt.
Und ich nehme die Parade ab, grüße und bewillkommne ... und nun schwänzeln den ganzen Sommer lang sechs Eidechsen selig durch den Garten.
Kindliche Geistesgegenwatt...
. . verhindert großes Unglück.
Es ist nicht selten vorgekommen, daß gerade kleine Kinder durch ihre Geistesgegenwart und ihren naiven Wagemut großes Unglück verhinderten.
Der westindische Zuckersabrikant Joseph Martin bewohnte eine Villa in Kingston auf Jamaika. Eines Rachts stattete dieser ein berüchtigter Einbrecher einen Besuch ab. Schon hatte er den Geldschrank ausgeräumt und war mit seinem reichen Fang zufrieden, als sich auf einmal leise die Tür £u einem anstoßenden Zimmer auftat und ein fünf» lähriges Mädchen auf der Schwelle erschien. Es hatte wach in seinem Bettchen gelegen, als ihm ein leichtes Geräusch im Rebenzimmer auffiel. Ohne Zögern stand das kleine Ding auf und sah nach, was da vorging.
Der unangenehm überraschte Räuber wollte sich auf die Kleine stürzen. Diese trat an einen Tisch mit feinen Porzellansignren, der neben der Tür stand, und sagte laut: „Wenn Sie nicht auf der Stelle Weggehen, stoße ich den Tisch um!"
Der Verbrecher stand einen Augenblick unschlüssig da. Daß sie ihre Drohung ausführen würde, sah er ihr an, und daß das Klirren der herab, stürzenden Figürchen in der Stille der Rächt das ganze Haus aufgeschreckt hätte, konnte er sich auch sagen. Er hatte einen geladenen Revolver bei sich, und es durchzuckte ihnl „Schieß sie nieder!" Das aber widerstrebte ihm, weil sie so mutig dastand, und weil der Knall des Schusses ebenfalls das ganze Haus alarmiert hätte.
Dieser Augenblick seiner Unentschlossenheit war sein Verderben. Der Hausherr war noch auf und
I hatte in einem angrenzenden Zimmer mit seinem | Verwalter gerechnet. In dem großen Schweigen I ringsum war die Stimme des Kindes vernehmlich zu ihm gedrungen. Im nächsten Augenblick war der Einbrecher überwältigt. Das Gericht sprach später öffentlich dem mutigen Kind seine Anerkennung aus.
Die viereinhalbjährige Tochter des Kapitäns vom Amerikadampfer „Wildgans" rettete nicht nur ihr und ihrer Familie Leben, Hab und Gut, sondern die ganze Bemannung und alle Passagiere ihres Schiffes. Das kam so:
Die „Wildgans" wurde auf offener See von einem Blitzstrahl getroffen ,und begann zu brennen. Eine ungeheure Panik ergriff die Reisenden. Alles stürzte an Deck, jeder wollte der erste fein, um in eines der Rettungsboote zu gelangen. Als das kleine Töchterchen des Kapitäns aus seiner Kajüte trat, sah es sich einem drängenden, stoßenden, heulenden Haufen anscheinend Irrsinniger gegenüber. Die Kleine begriff gar nicht, warum die Menge so außer sich war. Sie stellte sich ihr dreist entgegen und rief in beruhigendem Ton: „Aber seid doch ruhig! Papa ist ja schon gegangen und löscht das Feuer!" Das Feuer löschen — an diese Möglichkeit hatte noch niemand gedacht. Alle hatten ohne weiteres das Schiss auf- gegeben und nur an ihre eigene Rettung gedacht. Erst die Mahnung des kleinen Kindes brachte sie auf den Gedanken, selbst löschen zu helfen, eine Ausgabe, welcher der Kapitän mit der Schiffs- besahung allein nicht gewachsen war. Jetzt aber, da hundert willige Heiser sich ihnen zugesellten, war sie zu lösen. Die beruhigende Versicherung des Kindes, daß „Papa das Feuer lösche", hatte Wunder gewirkt.
Ein vierjähriger Junge, der Sohn eines bretonischen Zollsoldaten, hatte die üble Angewohnheit, des Abends nicht gern schlafen zu gehen. So trieb er sich auch eines Abends spät noch am Meeresufer umher, während fein Vater schon schlief, die Mutter aber noch ihres Mannes Anzug flickte. Da bemerkte er zwei ihm unbekannte Männer, die emsig an der Landseite des großen Dammes Erde wegschaufelten. Das fiel ihm auf. Er rannte zu seiner Mutter und erzählte es ihr. Diese fragte, ob denn der Schleusen Wächter dabei gewesen sei. Das verneinte der Knabe. Der Wächter habe auf der Bank vor seinem Häuschen gelegen und fest geschlafen. Darauf weckte die Frau ihren Mann, und der kleine Junge schilderte ihm ganz erregt, wie fremde Manner an dem Damm
ein Loch schaufelten, und der Wächter daneben schliefe. Sofort schlüpfte der Zollsoldat in seine Uniform und stürzte an den bedrohten Damm. Wäre dieser gebrochen, so war ja sein Haus zuerst bedroht, nächst dem aber das ganze starkbevölkerte Tal im Gebiete von drei Quadratmeilen Landes.
Der Marrn kam gerade noch zurecht, um die Untat zu verhindern. Bei seiner Annäherung sprangen die Schurken davon. Sie hatten in den Damm ein Loch gegraben, das groß genug war, um ein mächtiges Stück Dynamit aufnehmen zu können, das sie in der Eile vor dem Weglaufen hineingepretzt hatten. An dem Dynamit war eine Zündschnur befestigt. Hätte sich einer der Gesellen nachher noch hinschleichen und die Schnur anzünden können, so wäre eine Explosion erfolgt, die das Wasser in ungeheurem Strom auf das ahnungslose Tal losgelassen hätte.
Der mutige Mann holte das gefährliche Zeug aus der Oeffnung heraus, machte es unschädlich und stellte sich als Wache an der Ungkücksstelle auf. Der amtlich bestellte Wächter war nicht zu ermuntern, er kam erst am nächsten Tage wieder zu sich. Die Anstifter des Verbrechens hatten ihn durch präparierten Schnupftabak betäubt. Auf Grund der Beschreibung, die er und der kleine Junge von den beiden Verbrechern gaben, konnten diese zwei Tage darauf verhaftet werden.
Künf-Uhr-Tee im Pyjama.
Groß ist die Hitze in England, wo das Thermometer Kletterrekorde aufstellt. Die Zeitungen nehmen Rücksicht auf ihre Leserschaft. Die Pariser Be- richte über die Herbstmoden werden zurückgehalten, an ihrer Stelle tritt eine Debatte darüber, wann und wo sich eine Dame im Strandpyjama zeigen darf. Schiffreisen sind in England große Mode. An Bord wird der Strandpyjama getragen. Auf einem der Vcrgnügungsdampfer erschienen einige Damen sogar beim Fünf-Uhr-Tee im Strandanzug. Das erregte peinliches Aufsehen. Eine Delegation aus der Mitte der Empörten beschwerte sich darüber beim Kapitän. Er sollte die Frage entscheiden, ob es fair sei, wenn Damen gesetzten Alters den Fünf-Uhr-Tee im Badekostüm einnehmen. Der Kapitän hielt sich nicht für zuständig, sondern funkte an seine Gesellschaft um Direktiven. Die Direktoren der Linie wollten aber auch nicht die Verantwortung ! für eine so heikle Angelegenheit aus sich nehmen \ und drahteten zurück, das Thema müsse auf einer Konferenz aller Schiffslinien besprochen werden. Bis dahin solle der Kapitän von Fall zu Fall entscheiden.


