Ausgabe 
22.8.1932 Frühausgabe
 
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Wie steht es um dasIernsehen?

Europas größte Zunkfchau.

Die kulturelle Bedeutung des Rundfunks, der aus dem Leben der Gegenwart nicht mehr weg- zudenken ist, räumt der deutschen Funkindustrie im Rahmen unserer gesamten Glektrizitätswrrt- schäft zwangsläufig eine führende Stellung ein. Es ist erfreulich, daß die deutsche Funkindustrie es verstanden hat, diese Stellung nicht nur immer weiter auszubauen, sondern sie trotz aller wirt- chaftlichen Röte sogar in den vergangenen Mo- naten uneingeschränkt aufrechtzuerhalten. Ein paar nüchterne Fahlen mögen das beweisen.

Der Produktionswert der de u t sch en Funkindustrie beträgt etwa 10 Prozent de« Produktionswertes der gesamten heimischen Siek- trotechnik, deren Weltgeltung auch dem Laien zum T-egriff geworden ist. Während aber infolge der zunehnnenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Produktionswert der gesamten Elektro- technik im vergangenen Fabre um 40 Prozent zu­rückgegangen ist, beträgt dieser Rückgang bei der Funkindustrie noch nicht einmal 1 Prozent. Diese Tatsache, die nicht zuletzt durch eine äußerst gu n- tige Preisgestaltung ermöglicht wurde, rechtfertigt den Optimismus der deutschen Funk- industriellen, die in der 9. Grohen Deutschen Funk- ausstellung in Berlin eine einzigartige Schau ge- chaffen haben, die in nichts hinter der Ausstel- lung der vorigen Fahre zurückbleibt, ja, sic so­gar noch übertrifft. Fn sechs Halle n auf einer Gesamtfläche von 25 000 Qua­dratmeter stellen über 3000 Produ- zenten ihre Erzeugnisse aus, und die Einrich­tung einer Sendehalle mit 10 0 00 Sitz­plätzen beweist am besten, mit weichen Be­sucherzahlen die Ausstellungsleitung rechnet.

Apparate, die sich selbst bedienen.

Wie in den vergangenen Fahren, so wird zwei­fellos auch dieses Mal die Abteilung Fern­sehen der Funkausstellung daS ganz besondere Interesse des Publikums finden. Allerdings^eine wirklich praktisch verwendbare Lösung des Fern­sehproblems, die über das Laboraioriumsexpetl- ment wesentlich hinausgreift, Mbt es auch heutenochnicht. Weder in Deutschland, noch in Amerika trotz aller sensationellen Meldungen - - * *-" *- nvUvhen

Zum Schluß der Feier folgte ein Vorbeimarsch der Traditionskompanie vor dem Vatailwnskom- mandeur und den Angehörigen der alten Osfi-ler- korps. e

Etwa eine Viertelstunde vor Beginn der Feier wurde von einer Abteilung der D i ebener S R. ebenfalls ein Kranz an dem Ehrenmal feierlich niedergelegt

Strafkammer Gießen.

* Gießen, 19 .Aug. Das Arntsaericht Gießen hatte einen auswärtigen Viehhändler zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er am 16. 6. 1931 auf dem Viehrnatkteiner Frau mit dem Stock gegen den Unterleib geschlagen hatte. Rach umfangreicher Beweisaufnahme be tätigte die Strafkammer das Urteil

Ein junger Mann aus dem Vogelsberg hatte, da er mit der Tätigkeit eines ?aube°mten nicht e#» «M Bewußtsein der Beleidigung gehabt hatt^ Da- Meriuffaffung nicht an- fölkßen und v-rurt-itt- ju einet angemessenen ®Cinr$etDo6net Friedbergs war von dem dor.

Oie Schau des Fortschritts

Oie Große Deutsche Junkausstellung in Berlin.

Don S. Cfun.

bühen-fiompanienjlatt, ruhmieichen Tradition Bild zeigt den Sorbe? e r n (XI- ___

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* chastet werden-

Eine eindrucksvoNe Gedenkfeier für die Ge­fallenen des Infanterie-Regiments 116 und dessen Tochterregimenter, darüber hinaus aber auch für die deutschen Gefallenen des Weltkrieges msge- tarnt fand am Samstagabend vor dem llöcr- Denk'mal auf dem Landgraf-PhiliPP-Platz vor der Zeughauskaserne statt. Die Feier war auS Anlaß 8:r Wiederkehr des Anloh-Tages von dem Ossizierkorps des 2nfanter,e-Regiments.116 und der Tochterreglmenter, sowie von dem 2ra ditionstruppenteil der 116er bei unserem Ba­taillon (2. Komp. Fnf.-Regt. 15) veranstaltet

Fn stiller Wehmut gedenken wir heute ihrer, und stumme Trauer beschleicht uns. U nd doch wäre es unmännlich, »"tatenloser Klage zu verharren. Deuts chlands Leben, nicht Deutschlands Tod wa r i hr 3 ie l. Deutschland muß leben, lautet ihr Der- mächtnis an uns, die Ueberlebenden. und an die kommende Generation. 21 u c d a n n b a t: i 0 r Sterben einen Sinn. U n d sie haben uns s e l b st den 23kg zu diesem Ziele gezeigt

Aufwärts" lautet die Losung, die der Sockel ihres EhremnUs tragt das treue Kameradschaft ihnen errichtete. Die Stutze aber die der niedergesunkene Krce ger fintet un6 di« ihm Hilst, sich w,-ter -mpo-- xureden i st der Stahlhelm, das Symbol des deutschen Frontsoldaten. E r s ° 11 un « z e i- aen, welche Tugenden jene Manner zu - [den emporwachsen ließen, denen das Vater-

Opfermut und Vaterlandsliebe, Tapferkeit und Pflichterfüllung und eine Kameradschaft, die nicht danach fragte, welcher Partei, welchen Glaubens, welchen Standes der Rebenmann sei.

Otur auf die Persönlichkeit kam eS an, dennim 'Selbe da ist der Mann noch was wert, da wird baz Skn noch gewogen." Und n u r dieser t « wahre ^S o l d a t e n g e i st kann uns Führer aus unseres Volkes Rot und Zerntten- fein So werden die toten Karne-

Ad«n H-Uir Bot un4 ^b-ndig und mahnen

Während die letzten Fahre vorwiegend Zeichen des preiswerten Ortsempfängers standen, ist die diesjährige Ausstellung ganz auf den billigen Fernempfänger eingestellt. Die Entwicklung des Senderbaues, der einerseits immer mehr und andererseits immer stärkere Sender schuf, führte zwangsläufig zur Schaf­fung von Empfangsgeräten, die auch dem tech­nisch nicht durchgebildeten Laien einwandfreie Fernempfangsergebnisse ermöglichen. Einknopf­bedienung, eine geeichte Stationsskala und auto­matischer Fadingsausgleich, die an fast allen modernen Hochleistungsgeräten anzutreffen find, gewährleisten einfachen, störungsfreien und gleich­bleibend g u t e n G m p f a n g f a st a 11 e r e u r o- päischen Sender. Wahre Wunderwerke Der Technik sind die modernen Superhet-Geräte, die buchstäblich jedem Kind den einwandsreien (Emp­fang auch der fernsten Stationen möglich machen. Die Funkindustrie hat für diefe Geräte das Schlagwort von denApparaten, die sich selbst bedienen" geprägt, und m der Tat bietet der Fernempfang mit einem solchen Rppa« rat kaum mehr Schwierigkeit als die Auffindung eines bestimmten Wortes im Lexikon.

3m Lautsprecherbau ist erwartungsgemäß die Konstruktion der elektrodynamischen Lautsprecher weiter gefördert worden. Aber auch die elektromagnetischen Lautsprecher sind in der Entwicklung nicht stehengeblieben. Der Einbau sreischwingmber Magnetsysteme hat auch dieser Lautsprecherart eine kaum mehr zu über­bietende Qualitätsleistung ermöglicht.

Parallel mit dem technischen Fortschritt ging im letzten Jahre die r ü ck l ä u f i g e Preisent­wicklung auf dem Funkmarkt. Für den glei­chen Preis, den man noch vor nicht langer Zeit für einen elektrodynamischen Lautsprecher bezah­len mußte, erhält man heute einen modernen Fernempfänger mit eingebautem Lautsprecher. Es genügt, die Preise der deutschen und der aus­ländischen Funkindustrie zu vergleichen, um zu erkennen, daß ein weiterer Preisrückgang tat­sächlich nicht mehr zu erwarten ist.

von jenseits des Ozeans, die alle paar auftauchen. Immerhin kann man auf der dies­jährigen Funkausstellung Zeuge eines wirklich drahtlosen Fernsehens sein. 3n den vergangenen Jahren wurden die Fernseh-Experimente stets mit Hilfe von Kabelleitungen vorgenommen. Die

Direktion auf ihren Losen sitzen bleibt. Die Lotterie­spieler verlangen eine Verbesserung der Gewinn- aus sichten durch Zerlegung der höchsten Gewinne in kleinere Gewinne und durch die Abschaffung der sog. Freilose, die keine Gewinne sind. Roch besser freilich wäre es, den Preis für daS Los herabzusetzen.

Taten für Montag, 22. August.

1850: der Dichter Rikolaus Genau (Riembsch von Strehlenau) in Oberdöbling gestorben: 1929: der General der Kavallerie und Kaiserlich Osmanischer Marschall Otto Liman v. Sanders In München gestorben.

** (Ein schwerer Derkebrsunfall er­eignete sich gestern gegen 8.30 Uhr an der Ecke Südanlage,Bismarckstraße. Ein Auto des Auto- betriebs Schilling bog von der Bismarckstraße aus in die Südanlage ein, um nach Dem Bahnhof au fahren. Gerade als Der Kraftwagen um die Ecke fuhr, kam ein mit zwei Personen besetztes Motor­rad an die gleiche Stelle. Aus bis jetzt noch nicht geklärter Ursache stießen die beiden Fahrzeuge an der Ecke heftig zusammen. Dabei wurde der Lenker des Motorrads, Joachim W a ch s m u t h aus Wies­baden, am rechten Bein schwer verlebt. Das Befin­den des Verunglückten ist sehr ernst. Es besteht Lebensgefahr. Sein Mitfahrer namens Walter Blume aus Wiesbaden kam mit leichteren Ver­letzungen davon. Beide Verletzte wurden der Chi­rurgischen Klinik zugeführt. Das Motorrad wurde vollständig zertrümmert, das Auto wurde gleich­falls beschädigt, fein Lenker kam unverletzt davon. Die Motorradler waren von Wiesbaden unterwegs, um nach der Edertalsperre zu fahren. Die polizei­liche Untersuchung des Unglücksfalles ist im Gange.

* Aus der Lahn geländet. Die Leiche des in Der Nacht zum Freitag beim Baden in Der Lahn nahe Der MilitärbaDeanstalt ertrunkenen Gerichts- rcferenDars Weinmann aus DarmftaDl rourDe am Samstagmittag gelänDct. Die Leiche wurde von dr Staatsanwaltschaft zur Beerdigung freigegeben. Die Beisetzung wird in Darmstadt stattfinden.

Missionsfest in Den Gießener Kirchen. Am Sonntag, 23.August, wird in unserer Stadt für Das Dekanat Gießen ein Fest der Basler Mission gefeiert. Dekan Guß mann (Lollar-Kirchberg) hält die Festpredigt in der StaDtkirche, Prof. Keller (FrieDberg) m der Fohanniskirche und Pfarrer S t a u b a ch (Watzen- born-Steinberg) in Der Kapelle am Alten Frieds Hof. In der StaDtkirche wird Missionar Lauck einen MissionskindergottesDienst halten am Rachmittag auf der Waldbühne werden Dekan Gußmann und Missionar Lauck Ansprachen an Die Gemeinden halten. Der Posounenchor Klein-Linden hat seine Mitwirkung zugesagt.

Elektrische Musik.

Reben Rundfunkgeräten und Fernse^xperimen- ten werden sicherlich die D o r f ü h r u n g e n elektrischer Musik viel Zuspruch finden. Unter elektrischen Musikinstrumenten haben wir zwei Gruppen zu unterscheiden. Bei der einen wird bereits der Ton auf elektrischem 2Dege er­zeugt, bei Der anderen entsteht er wie bei Den normalen Musikinstrumenten durch mechanische Schwingungen, aber die Hörbarmachung erfolgt nicht über einen Resonamkörver, sondern durch Umwandlung in elektrische Schwingungen. Beiden Gruppen dient Der Lautsprecher al« eigentliche Schallquelle. ,r . ,

Es gibt heute eine ganze Anzahl solcher elek­trischer Musikinstrumente, die fast alle auf der Funkausstellung zu sehen und zu hören find. Vielleicht wird das eine oder andere dieser Geräte dazu beitragen, die Hausmusikwie- Der mehr zur Geltung zu bringen. Denn die Klangmöglichkeiten Der Instrumente sind teilweise außerordentlich reizvoll und bestechend. Besondere Erwähnung verdienen Da« von Traut­wein entwickelteTrautonium" der Sie­rn e n s -R e r n st - F l ü g e l und ein kleine« Vor- sahgerät, das vor jeDen normalen Radioapparat geschaltet werden kann und durch einsacheSRahern und entfernen Der Hand Die Erzeugung von Aetherwellenmusik" verursacht. Auf der Funkausstellung kann sich jeder Besucher selbst ein Urteil über Wert und Möglichkeiten Der elek­trischen Musik bilDen, Da täglich regelrechte Kon­zerte auf Den verschieDensten Apparaturen ver­anstaltet werden.

Allerlei Kurioses.

Erstmalig auf Der Diesjährigen Funkausstel­lung werden auch e l e! t r i s ch c Streich­instrumente gezeigt. Bei einer Geige dieser Art und ebenso bei einem Cello oder Baß wird Die normale Darmsaite durch eine Stahl- faite erseht, Die toieDerum mit einem Verstärker in VerbinDung steht. Der ausübenDe Künstler erregt Die Saite wie üblich mit einem Vogen aber Die Schwingungen Der Saite selbst sind unhörbar. Erst durch Umwandlung m elektrische Schwingungen erschallen sie auf dem Umwege über den Verstärker im angeschlossenen Laut­sprecher. e

Bei Den FernsehDarbietungen ist es neuerDings möglich, sich selbst im s e r n g e s a n D t e n 23ilD zu sehen. Das Wirb Dadurch erreicht, daß daS zu übertragende Objekt in diesem Falle Der Beschauer nicht unmittelbar sern- gesandt wird, sondern zuerst erfolgt eine Ton­filmaufnahme, und erst Der Filmstreifen wird übertragen. Diese AnorDnung, Die zunächst reich­lich kompliziert erscheint, ist insofern sehr vorteil­haft als es mit Hilfe von hochempfindlichem Filmmaterial möglich ist, optische Vorgänge bei Lichtverhältnissen noch aufzunebmen und zu über­tragen bei denen ein regelrechtes Fernsehen nicht mehr erreicht werden kann. Zwischen Der Ausnahme und Der Fernsebübertragung liegen nur zwanzig Sekunden. Mehr Zeit braucht man nicht um Den aufgenommenen Film zu ent­wickeln unD in Den Senbeapparat einzufuhren.

Welche elektrische Intensität ein moDemef Sender ausllrahlt. zeigt überaus eindrucksvoll der Ultra-Kurzwellensender. Von Zeit zu Zeit wird nämlich anstatt über Die normale Antenne über eine Kugel gefenbet. Die jeDem Beschauer sichtbar ist. Der Erfolg ist, daß aus 6« Äugel heraus ein strahlendes Lichtbuschel tritt Das im Rhythmus Der gesenDeten Tone zittert. Die Lichterscheinung Wird dadurch bewirkt, Daß die , auSstrahlende elektrische Energie den umgeben- : Den Luftstickstoff verbrennt. ______

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dunkeln.

Auch Im Felde gatt uns Anloy stets als der Ehrentag des Regiments, und Den Mitkämpsem von Anloy tourbe befon- öerc Hochachtung gezollt etwa wie den Knegs- freiwittigen von Le Quesnoy, Dem Langemarci des Regiments. Es war die Feuertaufe der Truppe, Die -hier anftürmte gegen einen weit überlegenen Gegner, der auf den Höhen von Anloy eine ausgesuchte und vorbereitete Stel- ! lung bezogen hatte, in der er feit 3 Tagen den Feind erwartete und Die er mit kampfesmutigen Bataillonen geschickt und zäh verteidigte. Schwere Wunden schlugen seine Waffen Dem angreifenden Gegner, und 36 Offiziere, D. h. die Hälfte des Offizierkorps und 1011 Unteroffiziere und Mannschaften, D. h. über ein Drittel, fehlten als tot verwundet oder vermißt, als am Abend Des 22. August Das Regiment auf den Höhen von Anloy fammelte. Aber Der Sieg war fein, unD ein geflogener Gegner trat einen Ruckzug an, der vielfach mehr einer Flucht glich.

-Wenn es in einem Armeebefehl der 5. Armee nach Der Erstürmung der Höhen und Wälber nördlich von Verdun heißt:2Bo Hessen schlagen, hält kein Franzmann stand", Dann war es Der Geist von Anloy. Der auch im Regiment noch lebte, als Die Kämpfer meist schon anDere geworden waren. Wie em leuchtendes Fanal leuchtet der Rame An loh dem Re-

diesjährige 2lusstettung zeigt erstmalig die draht­lose Ucbertragung optischer Geschehnisse.

Richt weniger al« acht verschiedene Fernseh- Empfänger werden im Betrieb gezeigt. Eine der Apparaturen ist sogar imstande, Da« femgefandte Bild auf eine Leinwand zu projizieren. Welche Schwierigkeiten zur Lösung dieser Ausgabe zu überwinden waren, vermag der Laie kaum zu ermeßen.

Teilweise war die Erreichung dieses Ergebnisses nur durch Die Verwendung von Ultra- Kurzwellen möglich, da größere Wellen die Ucbertragung einer ausreichenden Bildpunktzahl in der Sekunde nicht erlauben. Der neue Ultra- Kurzwellensender, dessen Wellenlänge 7 OHctct betragt, steht auf dem 138 Meter hohen Berliner Funkturm, um so ein möglichst weites Ausbrei­tungsgebiet erfassen zu können. Die Cncrgic Pes Senders ist außerordentlich betragt

15 Kilowatt und ermöglicht sowohl für Bild- als auch für Tonsendungen bisher unerreichte Ger­stungen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 22. August 1932.

Oie Reform des Lotieriesystems.

Das große Los der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie ist gezogen worden. ES ist dies­mal der seltene Fall eingetreten, daß das Glücks­los in einer Hand liegt. Jeder der beiden Losinhaber ist, wenn sie nicht mit Mitspielern zu teilen haben, über Rächt zum reichen Mann geworden, Denn 400 000 Mk. toerDen nach Ab­zug der 20 Prozent Steuern Dem Glücklichen bar auf Den Tisch gezahlt. Die Lotterieverwal­tung verrät jetzt nichts mehr über Romen und Art Der Glückspilze, so Daß Diese ihr Glück ganz in Der Stille genießen können, unbehelligt von Reibern, die auf Brosamen warten, Die von Des Reichen Tisch fallen können, unbehelligt auch von den Projektemachern, Die sich stets in großer Zahl einstellen, Damit Das GelD schnell wieder unter Die Leute kommt-

Die Chancen, Durch Die große Trommel aus Der Geldmisere herauszukömmen. sind immer ge­ringer geworden. Denn Voraussetzung Dafür ist natürlich, Daß man sich mit Dem Los die Chance erst erwirbt. Der Losverkauf ist aber ständig zurückgegangen, Die Lotterieverwaltung ist selbst der größte Spieler geworben unb sie hat aus­gesprochen Pech. 300 000 Lose, 37,5 Prozent aller Lose, blieben unverkauft unb mußten in­folgedessen von der Verwaltung selbst gespielt werben. Das Glück ist nicht in bas Paket ber 300 000 Lose gefallen, bie Glücksgöttin hat viel­mehr Die Rolle ber ausgleichenben Gerechtig­keit übernommen unb einen aus Der Kunbschaft mit ihrer beDacht.

Infolge der Erhöhung der Lospreise von Drei Mark auf fünf Mark für ein Achtel ist der Absatz dauernd zurückgegangen. Viele Spieler wurden durch die Preiserhöhung verärgert, andere konn­ten nicht mehr mit und mußten verzichten. Im Jahre 1931 blieben 150 000 Lose unverkauft, in diesem Iahre 300 000. Die Lotterieverwaltung hat sich daher entschlossen, Das Lotteriesystem zu re­formieren, unb zwar von Der 41. Ziehung ab. Die Zahl der Lose wird auf 500 000 herabgesetzt. Es werden keine Doppellose mehr geführt und der Gewinnplan wird entsprechend ber verminderten Loszahl geändert.

Die große Frage ist nun, wie der Gewinnplan geändert werden soll. Einzelheiten sind darüber noch nicht bekannt. Es wäre jedoch verfehlt etwa die Gewinnaussichten zu verschlechtern, weil da­durch bie Spieler noch mehr verärgert werden würben. Es liefe wieder baraus hinaus, daß bie Spielbeteiligung fich verringert unb die Lotterie-

worden.

Um 19.30 Uhr marschierte die Traditionskom- panie mit ber Bataillonsmusik an der Spitze vor I dem Denkmal auf. Zur gleichen Zeit hatten sich Die Mitglieder des Offizierskorps des Infanterie- . Regiments 116 und der Tochterregimenter unter Führung des Generals a. D. M o h r vor dem Denkmal versaminelt. Rachdem Die Tradltto^- kompanie dem Dataillonskommandeur. Oberstleut­nant K l e p k e, gemeldet worden war unb dieser General wD. Mohr die übliche 2Neldung er­stattet hotte, spielte bie Bataillonsmusik zunächst vcn ersten Vers des Rtederländischen Dankge­betes. Anschließenb hielt Leutnant d. R. im In- | fanterie-Regiment 116

etubienraf pölzel die Gedenkrede.

Am 221 August dieses Iahres jährt sich zum 17 Male der Tag, der mit ber Geschichte des 8°gim°n.s W.lh-lm" 2!r. 116 UN,«,

ftcnnlich »«bunten ist. b-r Tag °°n 2I»l°lv

Anloy, ein bis zu jenem heißen Augusttag des Jahres 1914 bei uns unbekanntes beiges Dorf chen, dann aber ein Rarne, der hinemklang m bie Stäbte unb Dörfer unserer hessischen Heimat unbbort rebete von Rot unb Tob von Kämpfen und Streiten, von Heldentum unb Sieg.

Heber 4 Jahre hat bas Regiment an de Westfront gestanden. Wo es heiß der glng. war batet in QIngriff unb Abwehr. °"d°°Warn°. bei Verdun, an der Somme ober en Flandern. Wob! mögen manchmal in Den zermürbenden Jiia- terialfchlachten des erstarrten Stellungskrieges i Helden emporwachien neuen, mo v« " K n Leistungen noch grbst« S^Tcn 66$)tr staub at« thr «genes L-ten rin. alä in icn« «Ren Sd> ad)t S* 1 - ---------

Ringens, in die das Regiment nut Dem ©elfte eingriff. Den zu entwickeln Aufgabe lan^ F Densjahre gewesen war. Trotzdem vermochten al jene Taten Den Ruhm von Anloy nicht zu ver

"wahr' °»s°- °rbe! Schaft! mietet: ein freie» Reich, ein Land in Lhr, ein Land in wehrt

» °'° ft» gB'Vc'l

i lebendig ft, kennen: Deutschland,

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6 0 Lv9- Offiziere des ehemaligen Inf.» CfS3 Kaiser Wil^lm" diesen Kranz nieder mit !Rgt«...Haii üntourDige nicht gc-

ÖftÄ» -°'-r-anb<st

0er Abschluß der Feier.

Während dic

«ls Srinnerungs- u tarnen der Offiziers- Gefallenen ein Kranz i^ Icgtc General a. D. korps mederge^gt. S rn bci öcn H6em gedient ^tt^nbtei'Ä gef-nen ist. eten.ails -tuen I Kranz nieder.

tigen Amtsgericht in eine Freiheitsstrafe ge­nommen worden, weil er mit Farbe ein Abzeichen auf einen Baum gemalt und fub Damit gegen Die VerorDnungen Dom 31.3.1931 und 17 3 1932 vergangen hatte. Da Diese Bestimmun­gen aber insoweit inzwischen außer Kraft ge­treten sind, verurteilte Die Strafkammer Den sonst unbescholtenen Angeklagten wegen groben Unfugs zu einer hohen Geldstrafe.

Rundfunkprogramm.

Dienstag, 23. August.

Haussrauen-Rachrnittag. 17 <^.^ngenbab). Kon- 18 25: .Die Stuttgarter Graphische Samrn- lung", Vortrag von Dr. Musper. 18.50: Reise­bilder eine Plauderei von Ctoan -Öeibut 19-30. CSo ist Goethe?, ein Hörspiel von SjerE>ert®ulen- berg. 20 (Von Wien): Aus Wiener Operetten. 21.10 bis 22.10; Llleko, Oper in einem Akt. 22.30 bis 24: Rachtrnusik.______

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bi* 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen

Für unverlangt eingesandte Tttanuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen.

fend voraus. . . . .

Die Off izierveretnigung de satt en stolzen Regiments hat es von leher als ihre vornehmste Pflicht betrachtet, die Erinnerung an jene Großtaten des Regiments nicht verblassen zu lassen. So hat sie sich auchheutewie- D e r mit den Offizierkorps Der Tochterregimenter unb mit dem Traditionstruppenteil zu ernster Gedenkfeier vereinigt. Aberunse re Gedan­ken gehen heute weiter, und wir geden­ken am Tage von Anloy all der Tausende, die in den Reihen der Truppenteile fielen, beten 2la- men ber Sockel bieses Denkmals tragt. Heute toanbern unsere D lick e wiederin bie Seme nach Frankreich, Dußlanb ober dem Bal­kan, heute stehen sie wieder auf auS i^rcn ®ra- betn unb marschieren mit uns Seite an ^ette stürmen mit uns vor, liegen am gleichen Ma- schinengewehr, tun mit gleicher Selbstverstanb- I$)teit9ben Tobesgang bes Melbegän^ers unb sterben, wie wir sie sterben sahen. Sie st ar ben. Wofür?

Tür Veutschlanbk Für ihr stolzes, heißgeliebtes Vaterland, dessen Riedergang sie nicht zu erleben