Ausgabe 
22.6.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nationalsozialismus und

Oberst Hier! entwickelt das

Berlin, 20. Juni. (TU) Auf der Deutschen Welle sprach Oberst a. D HierI über das Thema Nationalsozialismus und Arbeitsdienstpflicht- Er leitete seinen Vortrag mit der Notwendigkeit der Selb st Hilfe Deutschlands zur Aus­nutzung des ihm verbliebenen Lebens­raumes und seiner Werte und Wiederbele- bung seiner freien Wirtschaft mit staatlicher f) i I f e ein Aus diesem (Brunbe sei

Oberst a. D. Hierl, bis vor kurzem Sachbearbeiter für Arbeitsdienstfragen in der Reichsleitung der NSDAP., soll von der Reichsregierung als Arbeit»- dlenstkommissar in Aussicht genommen sein.

es für jeden Deutsechn eine Ehrenpflicht, während feiner Jugend seinem Volk eine bestimmte Zeit zu dienen. Die Arbeitsdienstpflicht solle der Staats« leitung ein Arbeiterhcer a ls staatliches Machtmittel zum Einsatz in dem Wirtschafts- komps um Leben und Wiedergewinnuna Volkswirt- schaftlicher Selbständigkeit schassen Erziehung zum nationalen Pflicht- und Ehrgefühl und Wiederher- stellung der vertuen gegangenen Achtung vor der Hand« und Landarbeit seien Kernpunkte dieser volkserzieherischen Arbeit. Zu der Dienstpflicht müßten alle jungen deutschen Männer und nicht nur die Arbeitslosen herangezogen wer-

ShteWenflWL nationalsozialistische Programm.

den jede Stellvertretung oder Loskauf müsse aus­geschlossen bleiben.

Bei der Verteilung der Arbeit sei natürlich darauf Rücksicht zu nehmen, daß durch N« die Beschäftigung der freien Wirtschaft nicht gehemmt und di« in Lohn und Brot Stehenden mcht von ihren Arbeitsstätten verdrängt würden. Der Arbeitsdienstpflichtige würde Unterkunft. Verpflegung. Kleidung und ein tägliches Ta­schengeld von 30 bis 50 Pfennigen erhalten, ve-ne Einberufung. der eine ärztliche Mu­sterung vorouSzugehen hätte, solle in der "ach Abschluß der Feldarbeiten lm Herbst erfolgen. Wan werde ein großes Arbeitsfeld vorfinden: so sei vor allem an die Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung, Entwässerungsanlagen. Urbarmachung von Moor- und Oedland. Hochwasserschuhbauten in Berbin- düng mit einem großzügigen Ausbau der deut­en Wasserkräfte. Forstarbeiten. Ausbau de« Straßennetzes. GrneuerungSbauten bei der Reichs- b°hn und Schaffung von Luftverkehrsanlagen gedacht, wovon allerdings ein Teil der freien Wirtschaft überwiesen würde. Bon größter Be­deutung sei der Einsatz bei einer groß­zügigen Besiedlung deS OstenS.

Sine erfolgreiche Lösung dieser Ausgaben er- fordere eine einheitlich st rafseFührung. Festgefügte Arbeitsverbände seien zu organi­sieren. Die Arbeitsbeschaffung selbst sowie die technische Leitung und Verrechnung der Arbeiten würden denjenigen staatlichen Behörden zufallen, die über den dazu erforderlichen s a ch k u n - higen Beamtenapporat verfügten, so die einschlägigen Ministerien mit den ihnen unter­stellten Behörden. Parteipolitische Be­tätigung vertrage sichnicht mit Sinn und Zweck des Arbeitsdienstes, der daher vor allem mit sportlichem Geist erfüllt, sein müsse. Aus die Mitarbeit der Frau müsse vorläufig verzichtet werden, zumal der Betätigung der Frau ein ganz anderes Ge­präge gegeben werden müsse. Zur Fin.anzie- rungsfrage betonte Hierl, daß die Kosten des Unterhaltes der Arbeitsdienstpfl'cht durch die sr eiwerdenden Mittel der Ar­beitslosenversicherung gedeckt wer­den tollten. Der volkswirtschaftliche Ertrag werde allerdings erst in späterer Zeit erheblich gesteigert werden können.

Das Revolutionstribunal an der Arbeit.

Don unserem römischen L.-Korrespondenten.

Rom. Mitte 3unl

Ein Todesurteil am Rachmittag, ein Todesurteil am nächsten Morgen, sofortige Hinrichtung durch Erschießen und »war Schießen in den Rücken, drei­ßig Jahre Zuchthaus nach links, dreißig Zucht­hausjahre nach rechtS zimperlich ist man ge­rade nicht. Das Sondergericht zum Schutze deS Staates arbeitet. Die OVRA. sührt ihm immer neues Material zu. Denn auch die Gegner der faschistischen Revolution schlafen nicht.

Woher kommen sie, unter der Fahne welcher Ideale fechten sie, wer sind ihre Führer? Run, sie kommen gewöhnlich aus Paris, ihr Ideal heißt Geldverdienen und in den Tod geschickt wer­den sie von Unternehmern, die von den Plätzen, aus die sie sich gerne sehen möchten, den Faschis­mus wegräumen wollen. Es ist daher bei allem Grauen vor der unerbittlichen Härte der staats­politischen Gesetze, die ein wenig an das alte Rom erinnern, nicht leicht, sich für dieOpfer des Ty- rannen" -zu erwärmen. Aus den Prozessen wissen wir jetzt übrigens, daß er in den Kreisen der Dolchganger und Dombenleger unter dem Spitz­namen cane grosso bekannt ist: der große Hund, der tolle Hund. Im Lande selbst nennt man ihn mit schwärmerischer, ja nahezu göttlicher Ver­ehrung den Duce. Meinungsverschiedenheiten....

Wäre im Lande so etwas wie eine Opposi­tion vorhanden, gegnerische Presse und geg­nerische Parteien. Unterströmungen wie in Ruß­land, die gewaltsam niedergehalten werden, so könnte man bei der politischen Psyche des Ita­lieners, der Zeit seiner Geschichte nichts als drückende Fremdherrschaft gekannt und daher ge­lernt hat. sich dagegen aufzulehnen, mit List ober offenen: Ausruhr, mit Bünden (fasci) ober gehei­men Gesellschaften, mit gedungenen Attentätern und überzeugten Märtyrern, Verzweislungsaus- brüche erwarten und verstehen, aber die Erfah­rung hat gelehrt, daß nur in der ersten Zeit der Staatsgründung oder der Diktatur dem Faschis­mus und seinem Führer Feinde auS dem Volke erwuchsen, die ihn umbringen zu müssen glaubten. Alle Attentäter der letzten Jahre dagegen, und daS ist ungemein bezeichnend, wohnten und wur­den im Ausland besoldet. Auch unter den suorisciti, den L a n d s l ü ch t i g e n. die ihren Hauptsih in Paris, eine Zweigniederlassung in Brüssel und vereinzelte Agenturen an der Ri­viera und in der Schweiz haben, gibt es ohne Zweifel Idealisten, ehrliche politische Gegner der faschistischen Staatslehre, frühere Minister und Gesandte, wie Ritti ober den Grasen Sforza, der vor allem die Auslandspolitik Mussolinis ver­dammt. gibt es Schwärmer, wie jenen tollkühnen Flieger Dasfancsi. der zweimal Flugblätter über Mailand und Rom abwarf, Aufrufe, das Rauchen zu unterlassen, um damit das Staatsmonopol und den Staat selber zu untergrabenI Erst kürzlich wurde der belgische Professor Moulin, der tn Kosfern mit doppeltem Boden umstürzlerische Schriften eingeschmuggelt hatte und vom Sonder- aericht zu zwei Jahren verurteilt worden war. langt vor Absihung seiner Strafe entlassen. Ein Heines Beispiel, daß man auch in Rom Unter- fchiede zu machen weiß ________

Was aber veranlaßte einen Dovone, den Häuptling einer Verbrecherbande, dem Simpion- expreß wie dem Ministerpräsidenten auszulauem und wahllos in rasender nächtlicher Fahrt durch die Städte Zeitbomben zu legen, die wahllos ihre Opfer zerrissen? Was trieb einen Sbardel­lo 11 o , mit einem gefälschten Schweizerpaß mehr­mals die Grenze zu überschreiten, den schußberei­ten Revolver in der Tasche, die Bauchbombe (das sind nach Maß gearbeitete, nicht austragende, weil der Rundung angepaßte Präzisionsarbeiten) um« geschnallt?

Erschütternd sind ihre Geständnisse. Der eine wollte sichum jeden Preis sanieren" und glaubte das nicht einfacher machen zu können, als daß er in d ie Dienste derantifaschisti­schen Konzentration" in Paris trat, eine Firma, die sich die französische Regierung nun wohl ober übel wird nun einmal näher be­trachten müssen. Es scheint, daß das Kopsgold, das dort für den cane grosso eingesetzt ist. eine besonders verlockende Höhe erreicht. 6000 Lire Monatsgeld bezog er jcbcnfallä allein für fein Eierlegen". Geld war die Triebfeder seines Handelns, er betonte es ohne Senti­mentalität auch vor den Richtern. qL8 es um Hals und Kragen ging.

Der andere, ein junger Mann, scheint Anar - chist alten Schlages zu sein, der gegen gute Bezahlung bereit ist, jede Weltordnung zu be­seitigen. Aus die eindringliche Frage des gewiß nicht gefühlsschwachen Vorsitzenden, des faschi­stischen Generalleutnants Cristini. ob es denn wirklich sein fester Entschluß gewesen sei. Musso­lini zu ermorden, antwortet er mit schöner Selbst- Verständlichkeit:Ra. klar, wenn ich dazu kam!" (Die Derhanblungen vor dem Sondergcricht sind öffentlich, wir ausländischen Pressevertreter haben freien Zutritt.)

Am lehrreichsten aber waren die Auslagen des Anarchisten B e 11 o n i. der in der Uniform eines faschistischen Milizsoldaten den Anschlag auf Mussolini ausführen wollte. Er erklärte, in Pa­ris unter den fuorisciti sei man überzeugt ge­wesen und werbe es jeden Tag wieder infolge der Pressefchiiderungen. daß die Lage in Italien reif sei. das heißt, so kritisch, so verzweifelt. daß eine Funke genüge, um die Revolution zu ent- sachen. Ein Funke: die brennende Zigarette an die Bombenlunte gehalten oder aus Mussolini gefeuert! Wie er dann nach Italien gekommen fei. alles in Ordnung gefunden habe, ja. besser denn je. wollte er fassungslos von feinem Plane abstehen, sagte es in Paris, wurde aber wiederan d i e Front geschickt"

Das ist die Tragik in diesem scheinbar politi­schen Sviel. In der Tat. es wäre für manchen, der auf den Faschismus schilt, gut. wenn er seine We sheit nicht aus Hetzartikeln beziehen, son­dern sich selber an Ort und Stelle u m s e h e n würde. Das Italien von heute, das lich allen Stürmen zum Trotz aufrecht hält, wo Staaten wanken, die auf das Rom der Epigonen verächtlich herabschauen zu muffen glaubten, die­ses Italien Mussolinis ist durchaus geeignet, diejenigen zu entwaffnen, die guten Willens find

Dekanat eingetretenen Pfarrer- Er u ll (TraiS- Hvrloff) hielt Pfarrer Hotz (Villingen) einen Vortrag über »Das Ringen um eine evangelische Pädagogik in der Gegenwart". Der Vortrag sand lebhaften Beifall und rege Aussprache. Zum Schluß der Konferenz wurden verschiedene amt­liche Angelegenheiten besprochen.

Preufcen.

törcio Wetzlar.

OO Groß-Rechtenbach, 21. Juni. Zu den Elternbeiratswahlen, die am Sonntag stattzusinden hatten, brauchte in unserer Gemeind« nicht gewählt zu werden, da nur ein einziger Wahlvorschlag eingereicht worden war. Dieser Gin- heitSwahlvorschlag, der in einer gut besuchten ®l- ternversammlung ausgestellt wurde, und jetzt al- gewählt gilt, enthält solgende Hamen. Anton Schmidt, Wilhelm Langsdorf III., Wil­helm Spieß, Jakob Schneider und Friedrich Engel.

Taten für ^reitaa. 24. Juni.

1485: der Reformator Johann Bugenhagen in Wollin geboren; 1777: John Roß, der Entdecker des magnetischen Nordpols, in Wigtownfhire ge­boren; 1922: der Wirtfchaftspoliker und Staats­mann Walther Rathenau in Berlin gestorben

Die andern, di« nicht sehen wollen und au- Prin- s zip den Finger an den Hahn legen, die ent-, wassnet allerdings daS Revolutionstribunal. Wan darf den Ausdruck wieder gebrauchen, die Re- gierungsprefs« selber schreibt: ..Das RevolutionS­tribunal arbeitet! Der faschistische Staat ver­teidige sich und daS fei seine Pflicht, denn so arbeite er für daS Wohl der Ration. Die Ra- . Hon wiederum müsse in Frieden arbeiten können, sie habe sich nicht umsonst frei gemacht von den | Wahi st mme n usen der Banken und Industrien und Interefsenhausen. Und vor allem müsse das Ausland wissen, daß Italien keine Einmi­schung in se ine inneren Angelegen - beiten, seine RegierungSsorm duld«, wie auch umgekehrt der faschistische Staat jeden anderen nach seiner Fasson selig werden lass«.

Zehn Jahre Faschismus zehn Jahre Kampf. Wahrlich, Mussolini ist seinem nietze- schen Grundsatz, man müsse ..gefährlich leben", treu gebl:eben. ES mühte auch seine Gegner zur 1 Bewunderung hinveißen. wie er kaltblütig Tag für Tag. kann man wohl lagen, durch Bomben schreitet zu seiner Arbeit, die keine Rast und keine Furcht kennt. Ob sich nun das Wort deS i DapsteS. daß Gott sichtbar feine Hand über ihn yalte. bis zu feinem natürlichen Ende erfülle oder nicht, er fragt nicht danach, er geht sei­nen geraden Gang, er arbeitet in inbrün­stigem Glauben für sein Volk, fein Vaterland Und darum wird fein Rame noch durch die Ge­schichte leuchten, wenn von derantifaschistischen Konzentration" nichts mehr kündet als der Staub ihrer in schimpflichen Tod gehetzten Söldner.

Überbeffen

Landkreis Gictzcn

D Lich, 21. Juni Wie in den früheren Jahren, so wurde auch jetzt wieder für die Feldgemartung unserer Stadt angeordnet, daß sämtliche be­pflanzten Grundstücke, offene und ringe« friedigte, vom 1. Juni bis zum 1 November wäh­rend der Nachtzeit nicht betreten wer­den dürfen, auch nicht von den Eigentümern der Grundstücke Ausgenommen sind nur die Flächen, die als Hausgärten dienen. Die Sperrzeit ist für die Monate Juni, Juli und August aus die Zeit von 21 Uhr bis 5 Uhr und für die Monate Sep­tember und Oktober auf die Zeit von 20 Uhr bis 6 Uhr festgesetzt.

cnd Eberstadt, 21. Juni. Der hier wohnhafte, 27 Jahre alte und verheiratete Kraftwagenführer S). Sj. wurde heute unter der Anschuldigung der Kindesschändung von der Gendarmerie in Lich verhaftet und dem Amtsgericht in Lich oorgesührt, das Haftbefehl gegen ihn erließ Der Verhaftete hat sich an dem 9 Jahre alten Töchter­chen eines hiesigen Einwohners in schwerer Weise vergangen. Er leugnet zwar die Tot, indessen be­stätigte der ärztliche Befund des Kindes, das seine Angaben übrigens sehr bestimmt machte, die schwere Anschuldigung gegen den Mann

)( Hungen, 21. Juni. Gestern sand im »Solm- ser Hof" dahier unter dem Vorsitz von Dekan Engel (Obbornhofen) eine Konferenz der evangelischen Geistlichen unseres Dekanates statt. Rach Eröffnung durch Schriftlesung und Gebet durch Pfarrer G e r i ch (Bellersheim) und Begrüßung deS neu In das

T*i

Em Ehrenmal für die un itbviUikai mltihmien Rote-Kreuz-Schwestern wurde in Berlin Lant.witz anläßlich des 50|äbrigen Bestehens des Verbandes Deutscher Mutterhäuser vom Roten Kreuz ein- geweiht.

Ahemsranken in der Reichsreform."

Staatsbürgerlicher Bildungsabend des Zungdeutschen Ordens.

Die Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Ordens hielt gestern abend im Hotel Hindenburg einen sehr start besuchten staatsbürgerlichen Dil- dungsabend ab. Studienrat Klotz begrüßte die Besucher und gab zunächst einen kurzen Ueber- blick über das Thema des Abends, das er in Beziehung mit den jungdeutschen Gedanken auf dem Gebiete der Reichsresorm stellte.

Sodann sprach Direktor W e i h e l (Frankfurt am Main), der Schöpfer des sog.Frankfurter Entwurfs", über das ThemaRheinfranken in der R e i ch s r e f o r m". Das Problem der Reichsresorm, so führte er u. a. aus, sei nicht nur ein deutsches Problem, sondern ein Problem des europäifchen Raumes. Deutschland habe dabei eine doppelte Aufgabe in seinen Grenzen zu er­füllen: eine ideal-staatspolitische (Vereinigung der Bundesstaaten) und eine realpolitische (Ver­waltungsreform). Die Verwaltungsgrenzen seien durch die Wirtschaft längst gesprengt und eine Strukturwandlung vollziehe sich, der Rechnung getragen werden müsse Hindernd stehe den Be­strebungen der IZmalige Dualismus Länder Reich entgegen 1918 habe man die Möglichkeit gehabt, ein geschlossenes Reich zu schaffen. Diese Gelegenheit wurde aber versäumt. Dabei bedeute eine Reichsreform, wenn man sie von der Seite der räumlichen Entfernung her betrachte (man vergleiche damit die Zusammenfassung in Kanada und USA.), keine große Aktion. Die Reugliede­rung müsse von Mensch und Landschaft, von der Struktur der Wirtschaft und des Verkehrs aus- gehen. Die Reichsresorm sei keine rein theoretische Angelegenheit mehr, sondern eine Ideenfolg«, die schon praktische Auswirkungen gezeitigt hab«. Die Gesamllösung müsse und könne nur durch die Uebemahme der Länder auf das Reich und durch die dann vom Reich aus vorzunehmende regionale Gliederung erfolgen. Rachdem der Vortragende in knappen Umrissen die Form der regionalen Gliederung in den verschiedenen deutschen Ge­bieten ausgezeigt hatte, legte er die besonderen Verhältnisse in unserem Geb etc dar. Das rhein­mal n i s che Gebiet müsse, so betonte er, zu einem Rheinfranken zusammengeschlossen werden. Das bedeute die Zusammenfassung von Hessen-Rassau, Waldeck, des Siegerlande-, des Landes Hessen, des westlichen Unterfranken, der bayerischen und badifchen Pfalz, der Regierungs­bezirke Trier und Koblenz zu einem einzigen Komple?, dessen Zusammenfassung von geopoli­

tischer, bevölkerungspolitischer, von wirtschaftlicher und verkehrspolitifcher Seite her anzustreben sei. Der Mittelpunkt dieses Gebietes werde wohl Frankfurt sein. Der Gedanke dieser Zusammen­fassung habe aber nichts mit einem Frankfurter Imperialismus zu tun, sondern fei lediglich die Konsequenz einer Bestrebung, die in der unver­kennbar bestehenden gegenseitigen Verflechtung aller genannten Gebiete ihre moralische Grund­lage habe. An Hand spezieller Karten legte der Redner die vielseitige Verbundenheit der Gebiete untereinander dar, außerdem betonte er durch die Schilderung verschiedener kleinlicher Kompetenz­streitigkeiten die Rotwendigkeit dieser re­gionalen Zusammenfassung, Um diese Ar­beit zu fördern, sei ein Ausschuß zur Schaffung eines Hessen-Rheinfranken gegrün­det worden, der unter der Leitung von Professor Dr. Sommer-Gehen und Referendar B ecke r - Großen-Linden die Arbeit im Sinne der Dereinigungsbestrebungen nach Kräften auf­nehmen soll Rachdem sich der Vortragende poch kurz mit den Reichsreformplänen des Luther- bundes und der Länderlonferenz (deren Reform­vorschläge er ablehnte) auseinandergeseht hatte, schloß er seine Ausführungen mit dem Hinweis auf die große Bedeutung der Reichsresorm für Staat und Volk in seiner Gesamtheit. Der Vor­trag wurde mit lebhaftem Deisall ausgenommen.

An der überaus regen Aussprache beteiligten sich neben dem Redner des Abends die Herren Schmidt. Becker, Kausch. Dr. Dues und Studienrat Klotz Es wurde im Verlause der Aussprache eine Reihe von Fragen ausgeworscn, die mit der Reichsreform im engften Zusammen­hang stehen. Insbesondere wurde die Frage nach den W derständen gegen eine Reichsresorm er­örtert. die Unterschiede zwilchen dem Frankfurter Entwurf und dem jungdeutichen Gedanken auf- g<He-gt. die Möglichkeit der Entscheidung über b:e Reichsresorm auf dem Wege über Reichstag, Re'chsrat und den eventuellen Volksentscheid in Betracht gezogen, das Problem der Arbeits­beschaffung ausgerolll und die bisher geleistet« Arbeit im Wege deS freiwilligen Arbeitsdienstes beleuchtet, sowie die Lahnkanalisierung erwähnt. Mit der Aufforderung, jedermann möge sein Teil dazu beitragen, den Plan der Reichsreform zu | verwirklichen, fand die anregende Versammlung ihr End«.

UW