Ausgabe 
22.6.1932 Erstes Blatt
 
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der nationalsozialistischen Fraktion i n

r o -

^Präsident Kerrl habe

folgendes zu berichten:

mitgeteilt,

für

die

als

ru-ngsrat a. D. Dr. Lange vom Hilsswerk ein Jahr zur Verfügung gestellt worden.

Zapfenstreich der Reichsmarine.

Der Marinestandort Kiel veranstaltete

eine Heimat finden sollen. In Marseille wurden sie von dem Vorsitzenden des lutherischen Hilfswerks, Prof, Almer-Erlangen, als Be» auftragten des lutherischen Weltkonvents. Re­gierungsrat K u n d t, als Vertreter des Reichs­ausschussesBrüder in Rot" und Oberst G a e l -

such von feiten der Nationalsozialisten gemacht habe, den Vorwurf der Verfälschung einer amtlichen Nie­derschrift durch den Präsidenten zu begründen. Er werde sich alles weitere vorbehalten hinsichtlich der gerichtlichen Verfolgung der gegen ihn ausgespro- chenen Verleumdung und erwarte, daß jene, die diese unerhörte Beleidigung ausgesprochen, den Mut finden, sie in der Öffentlichkeit zu wiederholen, um ein gerichtliches Verfahren einleiten zu können. Landtagspräsident Stang hat durch seinen Rechts­vertreter gegen denVölkischen Beobachter" wegen der Vorwürfe der Protokollsälschung Klage ein» gereicht.

gunbe dar, die mit nackten Füßen über glühendes Eisen geht, um ihre Unschuld zu beweisen.

Hinter dem Gartenzaun steht ein fünfjähriges blondes Mädchen und sieht dem Pessimisten zu, wie er schreibt.

Darf ich die Karte für Sie in den Kasten tra­gen?" fragte sie, und sie fragt es so nett, daß sich selbst das Herz . des Pessimisten erwärmt. Sehr gern, mein liebes Kind", antwortet er und streckt seine Zunge heraus, um daran eine Brief­marke zu befeuchten.

Aber während er das tut, steigt ihm ein furcht­barer Argwohn auf. Mein Gott, wie ist doch die Welt jetzt so verderbt: selbst hier im Frankenland, selbst die kleinen Mädchen.

Natürlich rechnet dieses Mädchen ganz einfach auf die Briefmarke. Das liegt klar auf der Hand. Sie wird die Karte nicht in den Kasten werfen, sondern damit in einen entlegenen Winkel enteilen. Dort wird sie die Marke abtrennen, sich dann eine Flasche Gummiarabikum verschaffen und kann nun die Marke zu ihren eigenen gewinnsüchtigen Zwecken verwenden.

Die heilige Kunigunde bekommt sie noch dazu.

Der Pessimist aus Berlin sieht das kleine Mäd­chen durchbohrend an, um ihr zu zeigen, daß er sie durchschaut hat: aber sie lacht nur und streckt die Hand nach der Karte aus.

Gewiß muß er ihr die Karte geben, denn er möchte sie nicht gern kränken. Aber er will sicher gehen.

So schreibt er auf die Karte ganz klein in die Ecke:Cs liegt mir viel daran, zu erfahre«, ob Du diese Karte erhältst oder nicht. Ist sie bis Mittwoch nicht angekommen, so schreibe mir das bitte umgehend an die bekannte Adresse."

feln mehr, Vorträge an Stelle von Lektionen, freier Meinungsaustausch und so weiter. Wir saßen blöde da und starrten Blümlein an wie ein fremdartiges Tier. Gegen Ende der Stunde schoß Müller Ii mit Apfelkernen nach Blümlein, aber der neue Lehrer reagierte nicht auf diesen Angriff. So lieh es denn Müller sein.

Viele Stunden gab Blümlein in dem einen Jahr, das er bei uns verbrachte, aber wir lern­ten nichts bei ihm. And das war verständlich. Denn Blümleins Methode erforderte freie Men­schen. Er wurde die Zielscheibe unseres Spottes. Er war als Hilfslehrer anzestellt und auch die anderen Professoren sahen mit einiger Ver­achtung auf ihn herab. Blümlein war höflich zu jedermann, und es kam oft vor, daß er uns junge Bengels auf der Straße zuerst grüßte. Wir machten natürlich dann absichtlich so, als sähen wir ihn nicht. Rie geschah es aber, daß Blümlein einem von uns ein böses Wort gegeben hätte.

Blümlein Wangen fielen im Laufe dieses Jahres ein und seine Backenknochen traten spitz hervor. Rote Flecke blühten auf Blümleins gelber Haut und er hustete immer öfter in sein blau­kariertes. großes Taschentuch. Wir sprachen in seinen Stunden ganz laut vom Wetter, von unseren Spielen, legten faule Aepfel in den Kreidebälter, bestrichen Blümleins Sessel mit Apfelmus und einmal, als Blümlein, gehetzt, wie stets, das Klassenzimmer betrat, brannte eine Galerie bunter Kerzenstummel auf dem Lehr- pult ... Im Städtchen erregte Blümlein einiges Aufsehen. Man erzählte sich, er sei aus einem Seminar entsprungen und Pfarrer gewesen, aber er habe sich ganz der Wissenschaft verschrieben und sei ein schlechter Diener Gottes. Die Eltern der Schüler trieben ihren Spott mit ihm. wenn sie ihn auf der Straße trafen:

Guten Morgen, Herr Blümlein, Sie haben wohl gestern Kaffee getrunken", und deuteten dabei auf Blümleins Rockaufschläge, die frei­lich immer voll waren mit Spuren vergangener Mahlzeiten. Aber Blümlein lächelte nur immer zerstreut vor sich hin, grüßte tief und ging eilig werter.

Blümlein wohnte bei einer Witwe im Färber­viertel. Aermlich genug war die kleine Kammer im Erdgeschoß, die Frau Amalie Buresch dem Hilfslehrer überlieh. Eines Abends schlichen wir an Blümleins Fenster, hinter dem Licht brannte Da saß Blümlein vor einem mit Büchern und Schriften vollgepfropften Tisch bei spärlichem L:cht, den Kopf tief vornüber geneigt. Seine Fe-

z e r R e t t o , dem Bevollmächtigten Brasiliens empfangen. Prof. Almer begrüßte die Flücht­linge an Bord im Ramen aller lutherischen Kir­chen und teilte ihnen Näheres Über die Hilfs­aktion mit, an der sich Lutheraner Deutschlands, Rordamerikas und anderer Länder beteiligt ha­ben. Die deutsche Sammlung unter Führung des lutherischen Hilfswerks der Gotteskastenvereine brachte etwa 70 000 Mark. Außerdem sind vom ReichsausschußBrüder in Rot" 3000 Dollar und vom deutschen Roten Kreuz eine Ausrüstung im Werte von 4500 Dollar gespendet worden. Die beiden kleinen lutherischen Kirchen in Holland brachten 2000 Kleidungsstücke und 8000 Mark, zu­sammen. Weiter war auch der Generalsekretär des GenferRansenamts", Major Johnson, in Marseille. DasRansenamt" hat die Hilfs­aktion durch diplomatische Verhandlungen unter­stützt. Die Flüchtlinge werden im Staat Sa nta Catharina auf den Kuh-Culmyschen Ländereien Siedlungen erhalten, für die der lutherische Weltkonfent 25 000 Mark angezahlt hat. Zur wirtschaftlichen und technischen Be­treuung der entstehenden Siedlung ist Regie-

Mein Lehrer Blümlein.

Von Alexander von (Sacher-Masoch.

Huber, lenken Sie Ihre Vergißmeinnichtangcn gefäiligst hierher auf die Tafel!"

Lassen Sie mich teilhaben an Ihrem Traum, Wendelin, lasset uns gemeinsam träumen!"

Setzen, Sie Idiot! Angenügend----1"

So war mein Lehrer Blümlein nicht.

Als er zum erstenmal die Klasse betrat, glaub­ten wir, er sei der neue Schuldiener, so unbedeu­tend sah Blümlein aus. Er trug einen hoch­geschlossenen, schwarzen Rock, der allzu straff seine schmalen Schultern umspannte und dessen Aermel nicht ganz bis zu den dünnen Knöcheln reichten. Wie ein vom Leben vergessener, ge­alterter Konfirmandenjüngling sah Blümlein aus in diesem Rock. Seine unbestimmbar grauen Harmonikabeinkleider waren, sagen wir es gleich, hinten ausgefranst und immer trug er Siefei mit schiefgetretenen Absätzen. Haare? Ein grau gesprenkelter Schopf sah wie ein Pinsel auf seiner hochgewölbten Stirn. Alles an Blümlein war außergewöhnlich. Seine Gliedmaßen, seine Hände, Ohren, Lippen, Brauen waren zu kurz oder zu lang, zu groß oder zu klein geraten. Auch seine Augen. Lange Jahre sind darüber vergangen und ich habe seither in viele Menschenaugen geblickt. Doch nie waren es Blümleins Augen. Denn Blümleins Augen waren voll von einer Güte, die nicht von dieser Welt ist. Aber da­mals wußten wir davon noch nichts. Wir saßen nur Blümleins aufgeregt flatternde Rockschöße zur Tür hereinfegen, beim Erklettern des Podiums wäre er fast lang hingefallen. Dann stand er hinter dekn Lehrpult und verneigte sich eckig wie ein Hampelmann.

Meine lieben Freunde---Wir glaub­

ten nicht recht zu Horen. So etwas waren wir nicht gewöhnt und hatten auch wenig Sinn da­für. Die Knaben stießen einander an. Leises Ge­kicher entstand und schwoll bann zu brausendem Hohngelächter an. Blümlein stand stumm hinter dem Pult. Er blickte mit seinen kurzsichtigen Augen träumerisch mitten in das Gelächter» hinein und wartete geduldig das Ende dieser Ovation ab.Ich habe den Geschichtsunterricht übernom- men", sagte er dann.Wir wollen gemeinsam arbeiten, ich will nicht euer Lehrer, sondern euer Freund sein." Er sprach noch eine Weile davon, wie er sich den Anterricht vorstellte. Was er sagte, kam uns neuartig vor, aber wir hörten nur heraus, was uns gerade paßte. Kein Büf-

^ffnur darf, q Vor alle

Aus aller Welt.

Die 400 lutherischen Rußlanddeutschen nach Brasilien unterwegs.

dem Zentrumsfraktionsvorsihenden

der tanzte eilig über das Papier und während wir atemlos durch die Scheiben spähten, hatte er in wenigen Minuten zwei große Bogen be­schrieben. Wir ahmten das Miauen von Katzen nach und liefen fort. So war Blümlein. In den Rächten sah er über verstaubten Büchern und Papieren.

Cmmal stellten wir vor der Stunde einen Strauß Wiesenblumen auf Blümleins Tisch. Hu­ber hatte daheim im Brunnen eine dicke Kröte gefanaen, die verbargen wir zwischen den Blü­ten. Blümlein trat ein. Angewohntes Schweigen empfing ihn. Er sah die Blumen und lächelte. Er lcjchelte zum erstenmal, seit wir ihn kannten. Dann hob er die Augen und sah uns an.

3n diesem Augenblick sprang die Kröte schwer plumpsend auf den Tisch. Das Lächeln wurde um einen Schatten blässer in Blümleins Gesicht, aber er sagte:

-.2ch freue mich trotzdem über die Blumen", und begann mit dem Vortrag.

Man wußte im Städtchen wenig über Blüm- le-.ns Leben. Niemals empfing er Briefe, er besuchte niemanden, und keiner kam zu ihm. Einmal, als man mich in eine fremde Stadt unter fremde Menschen zur Schule geben wollte sagte '.ch zu meiner Mutter:

Ich möchte nicht so allein sein wie Blümlein"

Nach einem Jahr etwa, als die Geschichtsstunde gerade vorder war, schwankte Blümlein einmal le'-cht beim Aufstehen und sah uns aus trüben Augen etwas länger an als sonst. Er kam und a:ng schon gebückt um diese Zeit und der schmale Rock saß nicht mehr straff auf den Schultern And wahrend eines Nachts hundert Knaben still und kräftig atmend dem Leben entgegenschliefen, fiel Blumlerns Stirn schwer vornüber auf den Tisch. D.e Tinte riefelte in dünnen Fäden auf Amalie Bureschs schlechtesten Teppich herab.

Blümlein, mein Lehrer, ruhe in Frieden!

Auftakt zu den in den nächsten Tagen beginnen­den M a r i n e rn e i st e r s ch a f t e n vor dem Kommandogebäude der Marinestation Ostsee einen großen Zapfenstreich, der von der Kapelle der ersten Matrofen-Artilterie-Abteilung ausge- führt wurde, die durch die Kapelle und Spiel-

Die Nationalsozialistische Partei veranstaltete eine Versammlung. Landtagsabgeordneter Wag­ner erklärte, die Aufmärsche der Nationalsozia­listen in Uniform seien ihr gutes heiliges Recht gewesen. Die NSDAP, sei die sicherste Hüterin des Reichsgedankens. Die Gegner sollten wissen, daß für separatistische Ideen kein Platz mehr sei in Deutschland. Land­tagsabgeordneter Esser erklärte, die National­sozialisten seien keine Gegner der Länderrechte, aber sie seien nicht gewillt, die Länderrechte zur Untergrabung der deutschen Reichs­einheit mißbrauchen zu lassen. Bevor nicht die Vorgänge im Landtag völlig gesühnt seien, würden die Rationalsozialisten nicht ini Par­lament zurückkehren.

Bayern verharrt auf seinemilnfsormverbot

München, 22. Juni. (ERB. Eigene Meldung.) vor der Abreise des bayerischen Innenministers Dr. S t ü h e l fand ein Ministerrat statt, in dem über die bei der Konferenz der Innenminister ein­zuhaltenden Richtlinien Beschluß gefaßt wurde. Bayern wird an seinem Rechte, ein Uniform- verbot aus eigener Macht zu erlassen und seine Dauer s e l b st zu bestimmen unbedingt festhatten. Gegen andersgerichtete Meinungen würde es das Urteil des Staatsgerichts­hofes beim Reichsgericht anrufen. Auf dieser Rechtsbasis könne seiner Auffassung nach ein Kon­flikt vermieden werden.

Berlin, 21. Juni. (ERB.) In der Zen­trumsfraktion des Preußischen Landtages wurden zum ersten Male die Bedingungen bekannt, unter denen sich Hitler bereit erklärt hatte, in Preußen

daß die nationalsozialistische Fraktion durchaus bereit sei, die Verantwortung für die Regierung in Preußen zu überneh­men. Sie halte aber unter den gegebenen po­litischen Verhältnissen und mit Rücksicht auf die bedrohliche Lage der preußischen Staatsfinanzen es für untragbar, daß der zu präsen­tierende Ministerpräsident irgendwie durch z u » vorige Abmachungen gebunden sei. Sie verlange vielmehr, daß der yon ihr prä­sentierte Kandidat gewählt würde und völlig freie § a n b in berDilbung bes Kabinetts behielte. Die Herren vom Zentrum erklärten barauf, baß ein solcher Vorschlag für sie unannehmbar sei, worauf Präsident Kerrl erklärte, das habe er vorausgesehen und darum Adolf Hitler gebeten, ihm die Ermäch­tigung zu geben, falls das Zentrum bei der ge­gebenen Sachlage den Wunsch äußere, die Wahl des Ministerpräsidenten bisnach derReichs- tagswahl zu vertagen, diesem Wunsche zuzustimmen. -

Nach längerer Aussprache einigte sich Präsi­dent Kerrl mit den Vertretern des Zentrums da­hin, daß beide Fraktionen die Vertagung der Ministerpräsidentenwahl beantragen sollen. Das Zentrum behielt sich die Genehmigung der Frak­tion vor und Präsident Kerrl die Genehmigung Adolf Hitlers, die voraussichtlich unter der Bedingung erteilt würde, baß Präsident Kerrl am 22. Juni endgültig gewählt würde."

Die 400 lutherischen Rußlanddeutschen, mehrere Monate im Flüchtlingslager ver­bracht hatten, befinden sich jetzt auf derFahrt von Europa nach Brasilien, wo sie

mit der Zentrumspartei in einer Re­gierung Zusammenarbeiten. Seiner­zeit, als Reichskanzler v. P a p e n die Vertreter des preußischen Zentrums zu sich gebeten hatte zwecks Besprechungen über Beschleunigung einer Regierungsbildung, hat er ihnen einen Brief vor­gelegt, den im Auftrage Hitlers eine offizielle Persönlichkeit der NSDAP.-Leitung ihm über, reicht hatte. In diesem Brief, der später nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, an Zentrum und die Deutschnationalen abgefanbt worden ist, waren folgende Bedingungen für das Zentrum enthalten: Die Nationalsozialisten erhalten den Ministerpräsidenten und den In­nenminister. Ferner sollte sich das Zentrum verpflichten, keinerlei Angriffe mehr gegen dieRegierungv. Papenzu richten und dieser Regierung gegenüber eine durchaus loyale Haltung einzunehmen.

Der Argwohn am Gartenzaun."

Von Victor Auburtin.

Bamberg, im Juni.

Der Pessimist aus Berlin ist in die Welt bin- ausgereist. Jetzt sitzt er neben dem Gartenzaun und tnntt einen Schoppen Weißwein: am Hügel­abhang, mitten im weiten Lande Franken

Zwischen dem Trinken schreibt er eine Karte an feine §rau, die in Berlin geblieben ist, weil sie sagt, sie mochte sich ein wenig erholen. Es ist eine bunte Postkarte und stellt die heilige Kuni-

stranten. Als diese sich zurückzogen, erschienen am haupteingang der Universität kommunistische Studenten und stimmten die Internationale an. Darauf kehrten die Rationalsozialisten zurück und versuchten den haupteingang zu stürmen, wur­den aber daran durch die Polizei verhindert. Sie gelangten darauf durch Hintereingänge in die Uni­versität, wurden aber dort von den kommu­ni st en von der Galerie des Ehrenhofes aus mit Blumentöpfen und Stühlen beworfen. Zwei von ihnen wurden so schwer verletzt, daß sie mittels Sanitälsautos fortgeschafft werden mußten. Auch der Hausmeister erlitt Ver­letzungen. Die Vorlesungen wurden vom Rektor der Universität sofort abgebrochen und das Uni­versitätsgebäude vorläufig geschlossen.

Schwere politische Zusammenstöße in Varel (Oldenburg).

Der Stadtrat hatte beschlossen, anläßlich der Re- glerungsübernahme durch die NSDAP, am Diens­tag auf dem Städtischen Rathaus die Haken­kreuzflagge für 14 Tage zu hissen. Eine mehrhundertköpfige Menge, bestehend aus Kommunisten und Sozialdemokraten, hatte sich am Dienstag schon lange vor Beginn des Flaggenhissens eingefunden. Als gegen 18 Uhr eine etwa 50 Mann starke Abteilung SA. und S S. aufmarschierte, wurde sie an der Ausstel - lung behindert. Die P o l i z e i, die die Menge zurückdrängen wollte wurde tätlich angegrif­fen, wobei sie mit dem Gummiknüppel die Straße räumte. Einige SA.Leute wurden durch Werfen mit Flaschen verletzt. Ein SA.-Mann erhielt einen Messerstich. Nach der Floggenhissung kam es in der Stadt an mehereren Stellen zu Ueberfällen auf SA.-Leute. Dabei wurden 10 Personen, vier dyvon schwer, verletzt.

Das Interregnum in Preußen.

Die NLTAP. fordert für ihren Kandidaten freie Hand bei der Kabinettsbildung.

Berlin, 21. Juni. (TA.) Der National­sozialistische Zeitungsbienst weiß über die Vor­geschichte der Verschiebung ber Wahl bes preu­ßischen Ministerpräsibenten auf Grunb einer ilnterrebung mit dem Lanbtagspräsidenten Kerrl

Der Konflikt im bayrischen Landtag

Oie nationalsozialistischen Vorwürfe gegen den Landtagspräsidenten Stang.

tokoll aufzunehmen. Der Stenograph habe sich in Ausführung des Befehls einer alphabetischen Liste bedient, so daß auch die Reihenfolge der verlesenen Namen mit der von dem Präsidenten begonnenen Reihenfolge nach der Sitzordnung nicht überein ft imme. So sei es auch zu erklären, daß der Name des vom Präsidenten selbst a l s entschuldigt fehlend bezeichneten Abgeord­neten Graßl von dem Stenographen mit aus­genommen wurde. Es sei nicht wahr, daß der Präsident sämtliche Mitglieder der Fraktion vor der Unterbrechung bereits ausgeschlossen hatte, denn das amtliche Stenogramm weise auch nach der Vornahme derBerichtigung" einen derartigen Satz nicht auf. Die vom Stenographen nach­träglich eingesetzten, vom Präsidenten aber nicht bekanntgegebenen Abgeordneten seien nach Wieder­aufnahme der Sitzung nicht ausgeschlossen gewesen. Die Verlängerung des Ausschlusses auf 8 bzw. 20 Sitzungstage fetze die Verhängung des ein­fachen Ausschlusses voraus. Sei ein einfacher Aus­schluß nicht erfolgt, so sei eine Verlängerung des Ausschlusses undenkbar. Die Mitglieder der national­sozialistischen Fraktion haben wegen dieses Vor­gehens des Landtagspräsidenten Anzeige beim zuständigen Staatsanwalt wegen in­tellektueller Urkundenfälschung ge­stellt. Die nationalsozialistische Fraktion will gegen­über einem solchen Verhalten die äußersten recht­lichen und politischen Konsequenzen ziehen.

Im Derfassungsausschuß des Bayerischen Land­tags gab Präsident Stang eine Erklärung ab, in der er betonte, daß man nicht den leisesten Ver-

teute des LinienschiffesSchleswig Holstein" ver^ stärkt war. Die Veranstaltung, die durch die Erinnerung an den Tag von Scapa Flowam21. Iunil919 eine besondere Note erhielt, hatte Zehntausende von Zü­sch a u e rn angelockt. Leider muhte in dem an­schließend vorgesehenen F a ck e l z u g nach dem Stadtinnem in letzter Minute eine Programm­änderung vorgenommen werden, da infolge der in der Stadt herrschenden politischen An­ruhe eine Störung des Amzuges zu befürchten war.

Schweres Unglück bei einem Kanalbau.

Bei Freiburg ereignete sichanderDau- stelle beim Wehrbau Kembs auf dem Rhein ein schweres Anglück, dem vier Men­schenleben zum Opfer fielen. Eine Rammkolonne war damit beschäftigt, eiserne Spundwände auf Pontons auf dem Rhein an Ort und Stelle zu bringen. Auf bisher nsch un­geklärte Weise kippten die schwer beladenen Pon­tons um, und sechs Arbeiter stürzten in die Fluten, wovon vier ertranken. Trotzdem vier Rettungsboote Jofort die Rettungsarbeiten aufnahmen, konnten "nur zwei Arbeiter gerettet werben, von denen der eine erhebliche Verletzun­gen aufwies. Die vier Ertrunkenen, darunter zwei Familienväter, konnten bis zur Stunde noch nicht geborgen toertTm.

Das Spiel mit der Waffe.

Durch unvorsichtiges Amgehen mit einem alten Gewehr erschoß in Casekow bei Stettin ber 15 Jahre alte Werner Henning seinen 12 Jahre alten Bruder und verletzte den 23 Jahre alten landwirtschaftlichen Arbeiter Willi Lernpcke schwer. Werner Henning fand in einem Schuppen ein altes Gewehr, einen Vorder­lader, das von Lernpcke öfters zum Krähen­schiehen benutzt wurde, und legte in dem Glau­ben, das Gewehr sei nicht geladen, auf die beiden jungen Leute an. Ehe Lernpcke es verhindern konnte, krachte ein Schuh, und die Schrotladung drang dem Schüler Erwin Henning, dem Bruder des Schützen, in die linke Drustseite. Der Junge brach bewußtlos zusammen und starb einige Minuten darauf. Auch Lempcke wurde von der Schrotladung getroffen und erlitt schwere Verletzungen im Rücken. Er wurde in be­denklichem Zustand in das Krankenhaus gebracht.

Beim Falschgeldoerlrieb verhaftet.

Durch die Aufmerksamkeit einer Geschäftsfrau in ber Augsburger Straße in Berlin wurden zwei Män­ner beim Vertrieb von falschen 2 0- Markscheinen fefügenommen. Ein Mann zahlte nach einem kleinen Einkauf mit einem 20- Markschein. Die Geschäftsfrau erkannte sofort, daß es ein falscher Schein war und schickte unauffällig eine ihrer Angestellten dem Manne nach. Der Ver­käufer beobachtete nun, daß dieser Mann sich mit einem apberen traf und verfolgte beide, bis er einen Polizeibeamten traf, den er aufmerksam machte. Diesem gelang es, die beiden festzunehmen. Auf der Falschgcldzentrale wurden die beiden a I s Schlosser Matschke und Bauarbeiter M it s ch ke f e st g e st e'l l t, die aus Beuchen in Oberschlesien stammen. Matschte hat sich bereits 1927 mit der Herstellung von falschen 50-Pfennig- Stücken und 1921 mit der Herstellung von falschen 50-Markscheinen befaßt.

Wettervoraussage.

Die abziehende Störung über Polen hat durch das Ansaugen feuchter Ozeanluft nach dem Fest­lande in Deutschland vielerorts zu Niederschlägen ge führt. Vorläufig verbleiben wir noch im Bereich ozeanischer Luftmassen, so daß bei wechselhafter Be­wölkung weiterhin einzelne schauerartige Nieder­schläge auftreten, die teilweise gewitterartigen Cha­rakter annehmen. Der Luftdruck steigt jedoch von Westen her an, wodurch die Wetterlage einer Be­ruhigung entgegcngeht. Die Bewölkung wird sich also nach und nach auflösen. Bei einwirkender Son- .nenstrahlung setzt dann Erwärmung ein.

Aussichten für Donnerstag: Wechselnd bewölkt, aber wieder mehr aufheiternd, nur noch vereinzelt gewitterartige Schauer, vorerst feine we­sentliche Temperaturänderung.

Aussichten für Freitag: Teils aufhei­ternd, teils bewölkt, wärmer und meist trocken.

Die NSDAP.-Fraktion hat die Presse zu einer Be­sprechung geladen, in der folgende Mitteilungen über den Ausschluß der nationalsozialistischen Fraktion gemacht wurden: Der Landtagspräsident habe d i e Namen der nationalsozialistischen Ab­geordneten zu verlesen begonnen, und zwar zuerst die Namen der Abgeordneten, die in den letzten Bänken ihren Platz hatten. Mit der Ver­lesung der Namen sei er nicht weit gekom - m e n. Die Stenographen hatten nur wenige Namen niedergeschrieben, als die Sitzung unterbrochen werden mußte. Nach der Unterbrechung wies der Präsident den ältesten der Protokoll führenden Ste­nographen an, die Namen sämtlicher Mitglieder

Zeitschriften.

Unter den Kriegen gibt es solche, die um ihrer selbst willen geführt werden und die nicht eine Sache bes Volkes sind, sondern eine der Heereslieferantcn. Die wesentliche Ursache für diese Art von Kriegen liegt in der Kriegsrüstung der modernen Technik. Aur ihre Beseitigung setzt sich Prof. Dr. A. Men­delssohn-Bartholdy im Mai/Juniheft derEuropä- !JAenm ® efprärf)«? (Verlag Dr. Walther Roth­schild, Berlin-Grunewald) ein, indem er sie mit dem Abrüstungsproblem in Beziehung bringt flnb an bie in Gens tagende Konferenz drei Forderungen richtet, die auf die Abschaffung der Rüstungen al# einer reinen Geschäftsangelegnheit. auf die Schei­dung ber Rüstungen in Angriffs- und Verteidiqungs- Waffen und auf den endgültigen Verzicht auf den Krieg als Mittel nationaler Politik abzielen.

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Sodann ist schließlich endler" die Bille zu mschen etwas Rächst mch unnötigen Lärm Wnheit unb den Fr Eem man sich jeder B ^"8 enthält. Und endl MS? e(in.Nerfei . ojüos sortgeworfei Äiebes w c Wr. der einer der gi W.N bas muß ein et Emegung sein, daß sondern auch denMitn

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