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22.6.1932 Erstes Blatt
 
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nr. 144 Erste; Via«

182. Zahrgang

Mittwoch, 22. Zum 1952

Vic deutschen Schisse

nicht beteiligen.

der

werden Donnerstag. 8.30 Uhr, auf der Danziger Reede cinlrcsscn.

nalen Verständigung für eine Gefährdung Bestrebungen der deutschen Saar hält.

Nie Reichsbahnbeamten zur Tribut-Konferenz.

los dem Deutschen Reich eingeglie­dert wird. Wenn Frankreich nicht vorher seine Bereitwilligkeit zu einer solchen Lösung dec Saar- fraigc und zur Wiedergutmachung des Saar- Unrechts gu erkennen gibt, wird diese Lösung auf Grund des Ergebnisses der Volksabstimmung im Jahre 1 9 3 5 er­folgen. ES wird dabei ausdrücklich festgestellt, daß im Saarstatut die Volksabstimmung a n keinerlei Bedingung geknüpft ist, son­dern unter allen Umständen zu dem vorgesehenen Zeitpunkt erfolgen must. Die Saarbevölkerung wird unter keinen Umständen zulassen, dast ihr dieses Recht auf politische Selbstbestim­mung in irgend einer Weise beeinträchtigt wird. Ebensowenig kann eine Hinausschiebung der Volksabstimmung oder eine Verlängerung des Saarstatuts ohne Volksabstimmung jemals auch nur in Erwägung gezogen werden."

Die sozialdemokratische Fraktion gibt eine Sondererklärung ab. in der fie sich auch für de restlose territoriale Rückgliederung des Saargebietes ausfpricht, dabei aber auch gegenüber der gegenwärtigen Reichsregierung er­klärt, dast sie jedes etwaige Verlassen oder Ab­weichen von derrepublikanischen austenpolitischen Linie" der deutsch-französischen und internatio-

.Innaymr von Snielaee für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher.

Preis fitr 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, ausmärt» 10 Reichspsennig: für Ro- dlameanzeigen von 70 mm Brett« 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20*. mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange, verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H Idyriot; für den übrigen Teil ffrnft Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, lämlfid) in (Siesten.

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polnische Anmaßung.

Warschau hält den deutschen FloUenbesuch in Danzig nicht für angebracht.

Danzig. 22.3unl. (IDIB. Junffprud).) Die polnische Regierung hat der Danziger Re­gierung heute die Absicht der deutschen Reichsregie­rung, deutsche Kriegsschiffe zu einem Be­such nach Danzig zu senden, amtlich Übermittelt und gleichzeitig erklären lassen, sie habe durch ihren Gesandten in Berlin daraus ausmerksam machen lassen, dast sie den gcgenwärligen Augen­blick für einen Besuch der deutschen Marine in Danzig au« mehreren ernsthaften Gründen nicht für angebracht erachte. Der diplomatische Ver­treter der Republik Polen werde sich an den Ver­anstaltungen anläßlich de» deutschen Flollenbefuchc»

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Berlin. 22. Juni. (ERB.) wie der Sonder- berichlerslatter der DAZ. berichtet, ist die von Mac- donald erbetene Aufzeichnung über Deutschlands Ablehnung de» französischen Tributprogramms gestern abend durch den Reichsaustenmi- nisler überbracht worden. Die Antwort ist in Form eines Briefes de» Reichskanzler» an den Präsidenten der Konferenz gekleidet, also nicht an den Führer der englischen Abordnung gerichtet.

Die Denkschrift enthält sieben Hauptargu­mente zur Begründung der deutschen Forderung nach sofortiger und völliger Tribul- st r e i ch u n g und zur Ablehnung der französischen Idee eine» Resttribule», die kurz zusammengesastt besagen:

1. Die gewaltige deutsche A r be i l v l o s i g k e i l.

2. Die Senkung der öffentlichen Aus­gaben in Deutschland, von denen etwa ein Drittel auf soziale Lasten entfallen, ist brutal durchgeführt worden, zum Teil aufLlend- sähe".

3. Auch die ausländischen Sachverständigen haben die Tatsache der unnatürlichen Heber- drehung der deutschen Steuer­schraube anerkannt.

4. Zu hoher Z i n s f u h und Aufzehrung der Kapilalreseroen.

5. Die deutsche private Auslandoer- s ch u l d u n g , die zum grasten Teil auf die Tribute zurückgeht.

6. Die Reichsbahngesellschaft besitzt gleichfalls keine Reserven mehr. Die Ein­nahmen sind gegenüber 1929 um minde­sten» 5 0 o. h. zurückgegangen. Eben­so unmöglich wie die Ausgabe von Eisenbahn- Obligationen ist die Hergabe von Aktien der Reichsbahn.

7. Die Lebensfähigkeit der deutschen Wirtschaft würde durch Resttribute weiter auf Iahrehinaus schwergeschädigt wer­den.

Zu diesen Argumenten ist noch die durchschlagende Begründung hinzuzufügen, dast die vernichtende Wirkung der Tribut- und Schuldenzahlungen für das gesamte Geld- und Kreditwesen der Welt durch die gegenwärtige Krise einwand­frei bewiesen wird.

Das Saargebiet kein Tributobjekt Lcharfe Zurückweisung aller französischen LaarPlanc.

Saarbrücken, 21. 3unt (TU.) 3m Landes­rat gab Präsident Dr. Scheuer zu den jüng­sten französischen Plänen in bezug auf das Saar- geb.et eine Erklärung sämtlicher Parteien, mit Ausnahme der Sozialisten und Kommunisten, ab, die folgenden Wortlaut hat:

Der Landesrat gibt seiner Entrüstung darüber Ausdruck, dast gewisse französische Kreise versuchen, das Saargebiet als Reparationsobjekt zu betrachten und die Forderung aufzustellen, dast das Saarstatut ohne Volksabstimmung in seiner gegenwär­tigen Form verlängert, oder verewigt werden soll. Der Landesrat stellt demgegenüber ausdrücklich fest: Rach dem Wortlaut des Saar­statuts hat die Saarbevölkerung über ihre po­litische Zukunft selbst zu entscheiden. Rach dem Willen der gesamten Bevölkerung darf die Lö­sung der Eaarfrage nicht anders erfolgen, als dast das gesamte Saargebiet po­litisch und wirtschaftlich Vorbehalt-

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der französischen Abrüstungsdelegation erst am Morgen von den nächtlichen Ereignissen Kenntnis bekommen hatten. Im Lausanne-Palace erfuhr man bann endlich wenigstens die äußeren Einzelheiten . dessen, was geschehen war.

Weniger als drei Wegstunden westlich von Ouchi), wo sich ein romantisches Bachtal zum Seeufer öff­net, überhöht von den Weinbergen auf den Aus- I läufern des Jura, liegt das reizende Städtchen Morges. Das bescheideneWeiße Roh" des Städtchens, dasHotel du Cheval Blanc", war das Ziel der Fahrt gewesen. Nachdem gestern der erneute Bertagungsbeschluß für die Lausanner

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Die deutsche Tributdenkschrist

Warum Deutschland auch keine Restzahlung leisten kann.

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01 Eitrig für

Die Kommunisten an der Arbeit.

München. 21. 3uni. (ERB ) Die Rationalso­zialistische Korrespondenz veröffentlicht einen Er­laß der Reichsleitung des Rotfrontkämpferbunde-, der als Befehl an die Untergliederungen des Bun­des weitergegangen sein soll. DieserErlaß" sei vom 18. 3uni datiert, in ihm heiße es u. a., daß jede sog. Fünfergruppe einen Abwehr­mann zu stellen habe, der bewaffnet sein müsse. Diese Abwehrleute würden von den Zug­führern des Bundes ernannt; sie seien nur den höheren Führern bekannt.

3m Rorden und Rordosten Berlins verübten am Dienstagabend starke Trupps von Kommunisten, die mit Totschlägern, Messern, Stahlruten und Knüppeln bewaffnet waren, meh­rere Ueberfälle auf kleine Gruppen vonRationalsozialisten. Zwei Rational­sozialisten wurden durch Schläge und Messerstiche erheblich verletzt.

Gegen Mitternacht kam es in verschiedenen Stadt­teilen Berlins zu kommunistischen Ansammlungen und zu schweren politischen Zusammenstößen. 3n Moabit bildeten sich in der Rostocker Straße, Turm- und Hultenstraße starke kommunistische De- monstratjonszüge, die von der Polizei mit dem Gummiknüppel aufgelöst wurden. Zn der Schliemannstraße und auf dem Helmholgplatz wur­den von den Demonstranten sämtliche Stra- ßenlampen ausgelöscht. In der Rostocker Straße versuchten Kommunisten nach Zertrümme­rung der Straßcnlampen Barrikadenzu bauen, flüchteten aber beim Erscheinen der Polizei.

3m Südwesten, in der Schleiermacherstraße, wurde der 23jährige Nationalsozialist K ö st e r von Kommunisten überfallen. Er erhielt einen schweren Schläfenschuß und st a r b kurze Zeit nach der Einlieferung in das Urbankrankenhaus.

Unter der Ueberschrift:Eine letzte Warnung an den Reichsinnenminister. Wir verlangen sofortige durchgreifende Maßnahmen zum Schutz unserer SA.-Kameraden" erklärt derVölkische Beobachter": Der letzte Sonntag fei der blutige Beginn des aus Moskauer Befehl vorgetrie- denen Bürgerkrieges. Der Reichsinnen- Minister schweige und sehe den marxistischen Mobil­machungen untätig zu. Am Schluß he>ßl es: ,F)err von Gayl, die Zeichen stehen auf Sturm! Er- kennen Sie die Stunde oder die Entwicklung wird unbarmherzig ihren Lauf nehmen!"

Unruhen an her ^ronffurfer UniDcrftfäf

Frankfurt a. M.. 22. Juni. (IDIB.) Trotz des gestern vom Rektor der Universität ausgesprochenen Uniformverbotes versammelte sich heute gegen 10 Uhr eine größere Zahl natio­nalsozialistischer Studenten in Uni­form vor dem Universilälsgebäude und sangen das Horsl-Wefsel-Lied. Aus einem Fenster der Uni­versität hielt ein nationalsozialistischer Student eine Ansprache. Die Polizei zerstreute darauf die Demon-

Kronprinzenbesuch inLondon?

Poreiliqc Kommentare.

London, 22. Juni. (ERB. Funkspruch.)Daily Telegraph" besaßt sicb mit einem Gerücht, wonach der vormalige deutsche Kronprinz London in naher Zukunft einen Besuch a b z u st a t - ten beabsichtigen soll, und behauptet, daß die zuständigen Behörden einen Besuch genehmigen würden, fei keineswegs sicher, denn auch, wenn der vormalige Kronprinz erklären sollte, der Besuch sei rein privater Natur, so würde doch in Eng­land und anderswo die Auffassung entstehen können, daß dabei politische Ziele versolat wer­den. Tatsache sei, so führt das Blatt fort, daß neuer- dings von Anhängern der Monarchie zwecks einer W i e d e r e,i n f e tz u n g der Hohenzollern inoffizielle Sondierungen in verschiedenen Hauptstädten über die evtl. Aufnahme eines solchen Ereignisses unternommen werden. In England werde die Auffassung vertreten, daß ein Schritt in dieser Richtung die hoffnungsvolle Aussicht auf europäische Wiederzusammenarbeit störe.

3n Berlin tagte der Hauptvorstand des Zen­tral - Gewerkschastsbundes Deut­scher Reichsbahnbeamten und -An­wärter e. B. Der ZGDR., der alle Gruppen des beamteten Reichsbahnpersonals in einer Stärke von mehr als 130 000 Mitgliedern umfaßt, nahm Stellung gegen etwaige Pläne in bezug auf die weitere Reparationsbelastung der Deutschen Reichsbahn. Das Rcichsbahnper- sonal. insbesondere die Reichsbahnbeamtenschaft, weiß aus den Erfahrungen ihres Betriebes, wie ungeheuer stark der Druck der Reparationslast auf den Schultern der menschlichen Kräfte ruht, die Verwaltung und Betrieb des größten Derkehrs- unternehmens der Erde tragen. Die Grenze der Leistungsfähigkeit dieser Kräfte ist längst erreicht. Durch äußerste Dienstanstrengung auf der einen, durch erzwungene Feierschichten, Beamtenabbau, Rcchtsminderung der Hilfsbeamten usw. auf der anderem Seite sind heute Zustände im Reichs­bahnbetriebe entstanden, die eine zunehmende Ge­fährdung der Betriebssicherheit bedeuten. Rur der opservollen Pflichterfüllung des Personals ist eS zu danken, daß trotz allem Verkehrsunkälle nicht zu-, sondern abgenommen haben. Sollte aber die Reichsbahn Weiler gezwungen sein, zur Heraus- Wirtschaftang von Reparationsmilliarden Raub­bau an ihren lebendigen Kräften zu treiben, so wäre der Schaden am nationalen Gut der deut­schen Eisenbahnen in Zukunft nicht abzufehen. Die infolge der Belastung der Reichsbahn mit Re­parationszahlungen und des immer stärker wer­denden Rückgangs der Einnahmen der Reichsbahn nötig gewordene Einschränkung der sächlichen Aus­gaben droht außerdem zu einer Verkümmerung des technischen Apparates der Reichsbahn zu füh­ren, der böse Folgen für die Betriebssicherheit haben kann. Deshalb ertönt nochmals der Auf der deutschen Reichsbahnbeamten und -Anwärter' .Fort mit der Reparationsbelastung 1 Die Reichs- bachn zurück zum Reich!" Eine in diesem Sinne einmütig gefaßte Entschließung wurde an das ®e- ncralfefretariaf der Reparationskonserenz in Lau­sanne. an den deutschen Reichskanzler und an den deutschen Reichsaußenminister gerichtet.

wirtschaftlichen Gefichtspunkten wie unter solchen der Gerechtigkeit für mehr als ausreichend halten. 3m übrigen konzentriert sich die englische Auf­fassung auf die eine Hoffnung, daß von einer Schuldenstreichung alle Beteiligten nur Vorteil h<U>en würden, daß die Weltwirtschaft wieder auf­atmen könne, wenn der ganze Schmutz der Re­parationen weggefegt sei.

Macdonald hatte den Reichskanzler um eine ausführliche schriftliche Stellungnahme auf die französische Forderung nach einer Ab» f<blu&aa&Iung gebeten. 3m Savoyhotel wurde diese Riederschrift a b g e s a ß t und durch Frei- Herrn von Reurath Macdonald übergeben. 3n ihr werden neue Zahlungsverpflichtungen ebenso wie eine Belastung der Reichsbahn grundsätzlich abgelehnt. Während die­ser Vorbereitung sanden weitere Einzelbesprechun­gen statt. Der Kanzler und der Außenminister machten einen kurzen Gegenbesuch bei Grandi. Herr Warmbold besprach sich mit seinem franzö­sischen Ressortkollegen Durand, und Graf Schwe­rin-Krosigk hatte eine besonders wichtige Unter­haltung mit dem französischen Finanzminister Martin. Die Vertreter der kleineren Mächte sitzen gelangweilt und schmollend beiseite, und alles

wartet darauf, ob sich H e r r i o t unter dem kon­zentrischen Druck schließlich doch noch erweichen lassen wird.

Washington will nicht länger warten.

Tic Abrüstnnqckonfcrcnz wird wieder nnofhirbcü.

Lausanne, 22. Juni. (IDIB. Funkspruch.) wie verlautet, soll der hauplauvschuß der Abrüstung»- kanscrenz für heute 16.30 Uhr in Genf auf besonderen wunfcy de» Präsidenten Hoover zu einer Pollsihung einbe­rufen werden. Ls wird zu den Schritten Stellung zu nehmen haben, die von Botschafter G i b s o n gestern und vorgestern hier unternommen worden sind. An dieser Sitzung wird Reichraußcnminister Freiherr von Reurath teilftehmen.

In amerikanischen Kreisen erwartet man, daß die Abrüstungskonferenz innerhalb zwei oder drei Tagen zu einer Entscheidung kommt, ent­weder in negativem oder in positivem Sinne.

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Unter amerikanischem Druck.

Hoover greift ein. Die nächtliche Zusammenkunft in Morges. Konzentrischer Angriff auf Herriot

Wellpolitik um Mitternacht.

Don unserem 8.-Korrespondenten.

Lausanne, 21. Juni.

Auf der Berg- und Talfahrt zwischen Lausanne und Ouchl) Hub am frühen Morgen ein großes Raunen an. Man erfuhr, daß der französische Mi­nisterpräsident herriot auf ein Genfer Telefon- gespräch hin am späten Abend, bei Nacht und Nebel und in überstürzender Eile, den Konferenzort in einem unauffälligen Privatauto verlassen hatte, um erst spät nach Mitternacht zurückzukehren. Es wurde zuerst ein großes Geheimnis um diese nächtliche Fahrt gemacht. Auf telefonische Rückfrage in Genf konnte man seststellen, daß selbst die Mitglieder

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhelfen

Dnitf und Verlag: vriihl'sche Univernlülr-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Seschästrstelle: 5chulNrahe 7.

Konferenz offenbart hatte, daß sich die Staatsmän­ner dort völlig in der Sackgasse verrannt haben, hielten die Amerikaner die Zeit zum Eingreifen offenbar für gekommen. Am Mogtag hat Herr G i b f o n seinem französischen Kollegen den Inhalt des Telefongesprächs mitgeteilt, das er mit Hoover geführt hatte. Der Standpunkt des Weißen Hauses ist der, daß eine Schuldenstrei- chung von (eiten Amerikas überhaupt nicht in Frage kommt, wenn nicht vorher Europa sich zu weit- gehendenAbrüstungsvereinbarungen entschließen kann. Nach den Feststellungen am Montag hat es bann Herr Gibson als eine unauf­schiebbare Notwendigkeit empfunden, die Uner- schutterlichkeit der amerikanischen Willenskundge- bung gegenüber dem französischen Ministerpräsi­denten persönlich ganz eindringlich zu unter- streichen. Da herriot bisher sein Erscheinen in Gens abgelehnt hatte, wollten die Amerikaner erst recht nicht nach Lausanne kommen, und so mußte der französische Delegationsführer in später Nacht hals über Kopf nach dem vereinbarten Treffpunkt in Morges abfaulen.

Herr Herriot hat gewiß keine gute Rächt gehabt. Er erzählte selbst heute mittag nach einer viertelstündigen Unterhaltung mit Macdonald den 3ournalisten, die ihn ausquetschen wollten, ein weiteres Erlebnis, das er im ersten Morgen­grauen hatte. Kaum war nach den vorausgehen­den aufregenben Stunden der erste leichte Schlaf über ihn gekommen, da wurde er durch ein drin­gendes Persönliches Telegramm wieder ge­weckt. Herriot gab selbst den 3nhalt dieses Telegramms bekannt:Bleiben Sie in Paris der Meister des Vaterlandes, aber seien Sie in Lausanne der Meister des Friedens!" Die Unterschrift lautete:Der unbekannte Soldat der Schweiz."

Herr Herriot muß sich heute darüber klar ge­worden sein, daß er und die von ihm vertretenen Thesen das alleinige Ziel eines kon­zentrischen Angriffs geworden sind. Die Amerikaner brauchen vor den Wahlen einen sichtbaren Abrüstungserfolg. Sie wollen kei­nen Tag mehr warten und haben offenbar beschlossen, durch ultimative Anmeldung ihrer Forderungen und Thelen die Rebel über den Tribut- und Abrüstungskonferenzen zu zerreißen und die Atmosphäre einmal gründlich zu.ibern. Der Franzose hat sich schon am frühen Morgen, nach nur wenigen Stunlten des Schlafes bei sei­nen englischen Kollegen Trost gesucht. Die Unter­haltung zwischen Herriot und Macdonald hatte die ausfällige und ungewöhnliche Dauer von. vier Stunden. Der französische Ministerpräsi­dent war offensichtlich nicht gut gelaunt, als er gegen 1 Uhr mittags dasBeaurivage" ver­ließ. Macdonald hatte am Vortage dem deut­schen Reichskanzler das französische Tri­butprogramm mitgeteilt und als Antwort ein unmißverständliches R e i n zu hören bekommen. Man weiß auch, daß die englische Aufsassung gegenüber den Argumenten von Her- riots Tributprogramm sich in den Grundzügen mit der deutschen deckt.

Wenn Frankreich nach einem Erlaß aller Schul­den die verstärkte Konkurrenz eines Deutschland fürchtet, das seinen Produktions­apparat im letzten Jahrzehnt technisch vollkom­men modernisiert unb erneuert habe, so lagen die Engländer, daß Reparationen ja nur mit Gütern, nur mit einem Ueberschuh de r Han­delsbilanz bezahlt werden können, daß also der Zwang zu Reparationen die Konkurrenz Deutschlands auf den Weltmärkten nur gefähr­licher machen würde und daß schließlich die han­delspolitischen Abwehrmahnahmen die Weltwirt­schaftskrise nur verschärfen müßten. Gegenüber dem zweiten Argument Herriots. daß Frank­reich bei einem Verzicht ein viel grö­ßeres Opfer bringen mühte als jeder an­dere Staat, haben die Engländer neue Berechnun­gen über den Betrag angestellt, den Frankreich in der Tat schon erhalten hat und den sie unter

Erfcheinl tägltd),außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte vietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monais:Beiug$prei$:

Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, zernsprechanlchliisie

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