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schließlich 28. März zu beschränken. In der Be­gründung zu der Klage ist gesagt, eine erhebliche Störung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung würde nicht eintreten, wenn die Ver­ordnung nicht erlassen worden wäre. Auf jeden Fall aber müsse dem Eventualantrage entsprochen werden, da die gesetzlichen Interessen genügend ge­schützt sein würden, wenn die Verordnung f ü r d i e Karwoche und die beiden Osterfeier- tage erlassen wäre. Zum mindesten über diese Zeit hinaus entbehre die Verordnung der Notwendigkeit zu ihrem Erlasse und damit der Rechtsgültigkeit.

Die Präferenzzollverträge mit Rumänien und Ungarn.

Argentinien hält an seinem Einspruch fest.

London, 21. März. (211.) Der Berliner Kor­respondent derTimes" berichtet, daß nach langen Verhandlungen die Schwierigkeiten, die sich den Klauseln über die Dorzugsbehand­lung in den Handelsverträgen mit Rumänien und Ungarn entgegenstellten, jetzt überwunden seien. Nachdem schon früher etwa 20 Staaten, darunter England und Frankreich, ihre Zustimmung erteilt hätten, hätten jetzt auch Rußland, Argentinien und die Tschechoslowakei ihren Wider­stand aufgegeben. Eine amtliche Bestätigung über endgültige Abmachungen sei jedoch noch nicht erhältlich gewesen. Anscheinend aber habe die deutsche Regierung Ungarn und Rumänien amt­lich davon verständigt, daß alle Aussicht zur Ueberwinduna der Hindernisse bestehe. Man er­warte in Bälde amtliche Vorschläge an die bei­den Regierungen zur Inkraftsetzung der Abmachungen. DieTimes" eilt indessen den Tatsachen voraus, da Indien und Argen­tinien ihreEinsprüche noch aufrecht­erhalten. Rach Ansicht Berliner politischer Kreise dürfte trotzdem damit zu rechnen sein, daß die Schwierigkeiten, die dem Inkrafttreten der Verträge noch entgegenstehen, praktisch auf­geräumt werden können. Rach einer Meldung aus Buenos Aires dementierte der argentinische Außenminister Saavedra Lamas die aus Berlin stammende Rachricht, Argentinien werde seinen Einspruch gegen die von Deutschland ge­planten Vorzugsverträge mit Ungarn und Ru­mänien zurückziehen. Ganz im Gegenteil habe Argentinien die interessierten drei Mächte offiziell wissen lassen, daß Argentinien nicht bereit sei, auf seine Rechte als meist­begünstigtes Land, die es gemäß dem preußisch- argentinischen Handelsvertrag von 1857 besitzt, zu verzichten.

Flottenparitat im Miitelmeer.

Neue Verhandlungen zwischen Paris und Nom.

L o n d o n, 21. März. (WTD.) Rach demDaily Telegraph" ist ein neuer Versuch im Gange, eine französisch - italienische Vereinba­rung über die beiderseitigen Kriegsflotten zu erreichen/ Wie verlautet, habe die französische Regierung eine neue Formel aufgestellt, die bestimmt sei, Italiens An­spruch auf Parität mit Frankreich zu befriedigen. Dieses Ziel werde erreicht, indem nicht eine absolute, wohl aber eine Mittel- meer - Parität angeboten werde, d. h. Frankreich sei bereit, sich zu verpflichten, im Mittelmeer Seestreitkräfte von höchstens der Stärke der italienischen zu unterhalten. Das Blatt zweifelt allerdings, daß dieser Vorschlag für Italien annehmbar sein wird. Italien würde sich wahrscheinlich mit der vorgeschlagenen gleichen Stärke der beiderseitigen im Mittelmeer stationierten Scestreitkräfte und auch mit zu­sätzlichen besonderen Kolonialge­schwadern für den Schuh der französischen Ko­lonien im Pazifischen Ozean und in anderen Ge­genden einverstanden erklären, vorausge­setzt. daß diese Flottenteile nicht ausneu- esten und modern st enSchi f f s t y p c n be­stehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde Ita­lien aber Einwendungen gegen die Forderung Frankreichs nach Sondergeschwadern im Atlantik und in der Rordfee erheben, die mindestens e benso stark sein sollen, wie die Flotte, dieDeutschlandimVersailler Vertrag erlaubt worden ist. Denn es würde Frankreich leicht sein, diese Geschwader einschl der neuen Schiffe, die als Antwort auf die neuen deutschen Panzerschiffe gebaut werden, nachdem M i t t e l m e e r zu werfen, und dadurch eine er­drückende Ueberlegenheit gegenüber der ita­lienischen Flotte erhalten würde.

Kleine politische Nachrichten.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist vom 1. April 1932 ab die Beförderung der «taats- und Gemeindebeamten in Preußen allgemein wieder fretqcqeben worden.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" hat am Montag um 22.30 UhrKapSi m (Westafrikanische Küste, überflogen. Das Luftschiff fährt bei gutem Wetter mit starkem Rückenwind 80 Meilen in der Stunde.

Präsident Hoover hat einen Aufruf an das amerikanische Volk erlassen, in dem er z u r 5^0- Jahr feier der Entdeckung des L uberkulose-Dazillus auffordert und dem Entdecker Prof.Robert Koch, der die Volker auf der Siegesbahn gegen die Zerstörungs- kräfte der Ratnr geführt habe, unbegrenzte Ehre zollt. Die Tuberkulosesterblichkeit in den Ver­einigten Staaten sei seit 1882 auf ein Viertel zuruckgegangen.

*

Der Verband der Pariser Theaterdirek- t o r en gibt bekannt, daß er angesichts der Unmög. Iichkeit, die steuerlichen Lasten länger zu ü^agen, einstimmig beschlossen hat, die Pariser Theater ab 29. März zu schließen.

Der brasilianische Staat Rio Grande do Sul hat die politischen Beziehungen mit der Bundesregierung in Rio de Janeiro abgebrochen Auch andere Staaten sollen die Beziehungen zu der Bundesregierung abgebrochen haben und einen gemeinsamen Auf st and planen Die Staaten fordern die Wiedereinführung einer verfassungsmäßigen Regierung. Der Führer der Bewegung, der Staatspräsident von Rio Grande do Sul, General Flores da Cunha, ist zu Verhandlungen mit dem Chef der vorläufigen Regierung, Vargas, nach Rio de Janeiro berufen worden.

Goethe-Feiern in ganz Deutschland.

Das deutsche Volk huldigt dem Olympier.

Der Reichspräsident zur Goethe-Gedenkfeier.

Der Herr Reichspräsident hat an den Vorsitzen­den des Goethe-Ausschusses in Weimar, Staats­minister a. D. Dr. h. c. Leutheußer, Wei­mar, folgenden Brief gerichtet:

Sehr geehrter Herr Staatsminister!

Es ist mir ein Bedürfnis, auch Ihnen als dem Vorsitzenden des' Weimarer Goethe-Ausschusses und durch Sie der Bevölkerung der Stadt Weimar mein aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck zu bringen, daß es mir durch die politisch« Lage un­möglich geworden ist, der Einladung der thürin­gischen Regierung zur Goethe-Jahrhundertfeier persönlich zu folgen und den Kranz des deutschen Volkes am Sarge des großen deutschen Dichters selbst niederzulegen.

Meine Wünsche begleiten nicht nur den äuße­ren festlichen Verlauf dieser Feier. Möge der 22. März in unserem Volke den selb'Izerfleischen- den Streit der Meinungen zurücltreren lassen vor dem Gefühl einer schicksalhaft verbunde­nen deutschen Kultur und Volksge­meinschaft, und möge dieser Tag alle Deut­schen in- und außerhalb der Reichsgrenzen zu­sammenführen in der Er nncrung an eine große Vergangenheit und in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, für die wir, allen Gewalten zum Trohe, über die Rot der Gegenwart hinaus Reich und Volk und auch die deutsche Kunst erhalten wollen!

Mit freundlichen Grüßen (gez.) von Hindenburg.

Goethe-Gedenkfeier in Weimar.

Mit einer glanzvollen Aufführung desUr- Götz" gab das Staatliche Schauspielhaus Berlin am Sonntagabend den Auftakt zu einer Reihe von acht Gedenk-Aufführungen, die das dra­matische Lebenswerk Goethes lebendig machen sollen. Dis auf den letzten Platz war das Deutsche Rationaltheater beseht und viele mußten, ohne Eintritt erlangt zu haben, umkehren. Die von Ernst Legal in Szene gesetzte Aufführung war trotz des vielfachen B.ldwechsels von ein­drucksvoller Geschlossenheit und wurde getragen von der überragenden Leistung Heinrich Geor­ges als Götz von Berlichingen. An den Vor­tagen gab es bereits eine Reihe kleinerer Feiern, so die Uraufführung des GocthefilmsGoethe lebt" und ein Rezitationsabend von Ludwig W ü l l n e r. Diel Beachtung fand auch die Ur­aufführung eines kleinen Goethc-SingspiclsClau- dine von Dillabella", zu dem Alfred I r m l e r eine neue Opernmusik geschrieben hat.

Am Montagnachmittag sprach Thomas Mann. Er gab eine Analyse der Grenzen zwischen Schrift- fteUerberuf und Dichtertum bei Goethe, indem er an einer großen Zahl von Zitaten nachwies, daß Goethes Dichtertum, aufgebaut auf der Liebe zu allem Leben­digen, dort über den bloßen Beruf hinauswächst, wo er zum Erzieher wird und die sittlichen Gesetze seiner Zeit neu formt. Am Abend bot das Stadttheater Bochum als zweites Ehrengaftfpiel der Gedenkreihe denEgmont" unter der Regie des Intendanten Saladin Schmitt.

Goethe und seine Drucker" in Mainz.

Mainz, die Geburtsstadt Gutenbergs, hat im Einverständnis mit dem Goethe-Archiv zu Wei­mar, dem Betreuer des Goetheschen Erbes, be­schlossen, in gemeinsamer Arbeit zur zeitüber­dauernden Darbietung und Gestaltung dem Werke

Goethes die endgültige wissenschaftliche Fest­legung des reinen, ungetrübten Goetheschen Textes durch das edle typographische Gewand die Vollendung zu geben. Die Welt-Goethe- Ausgabe ist als ein Denkmal gedacht, das die Menschheit unserer Zeit dem Genius errichtet. In diesem Gedanken waren auch die Worte ge­halten, die Oberbürgermeister Dr. Ehrhard ge­legentlich der Eröffnung der Ausstellung Goethe und seine Drucker" im Guten­berg-Museum einleitend vortrug. Heber Guten­berg und Goethe selbst sprach Professor Ehr. H. Kleukens. Anschließend fand eine Besichti­gung der Goethe-Ausstellung statt. Erstaunlich ist der Farbenreichtum dieser Ausstellung, die rund anderthalb Jahrhundert umspannt. Der deutsche Geist, der sich für die Welt in Guten­berg und Goethe verkörpert, wird durch die Ausstellung weitesten Kreisen vor Augen geführt, von den Erstdrucken Goethescher Werke bis zu dem jüngsten Druck der Welt-Goethe-Ausgabe.

3« Leipzig.

In Leipzig hatten der Rat der Stadt, der Akademische Senat der Tlniversität und das Reichsgericht zu einer Goethe-Gedenkfeier ins Reue Theater geladen. Die Leipziger Feier wurde eingeleitet durch Goethes ProemionIm Ramen dessen, der sich selbst erschuf", das von Llniversitätsmufikdirektor G r a b n e r vertont und unter seiner Leitung von der llniversitätssänger- schäft St. Pauli zum Vortrag gebracht wurde. Dann begrüßte im Ramen der Stadt, der Uni­versität und des Reichsgerichts Oberbürgermeister Dr. Goerdeler die Festgäste. Er machte die Mitteilung, daß die Stadt eine von Saudek ge­schaffene Goethemaske der Universität für das Germanistische Museum zum Geschenk gemacht habe. Die Festrede hielt Llniversitätsprofessor Dr. K o r f f, früher in Gießen. Als zweiter Red­ner sprach der Rektor der Universität Leipzig, Professor Dr. Litt. De stimmungsvolle Feier wurde abgeschlossen durch das Vorspiel zu Wag­ners OperDie Meistersinger von Rürnberg" durch das Stadt- und Gewandhaus-Orchester.

In München.

Im alten Rathaussaal fand am Montag die offizielle Goethe-Gedächtnisfeier der bayerischen Staatsregierung, des Stadtrats München, der Münchener Goethegesellschaft und der Deutschen Akademie statt. Zu der Feier waren außer den Vertretern der Staatsregierung und des Stadt- rates der ehemalige KronprinzRupprecht und Prinz Alfons, sowie eine große Anzahl Persönlichkeiten des politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Lebens erschienen. Kultusminister Dr.Goldenberger betonte, daß die geistigen Bande, die den Dichter mit Bayern und München verknüpften, die reichsten und engsten geworden seien. Die Akademie der Wissenschaften zählte Goethe »u ihren Mitgliedern. König Lud­wig!.. der mit Goethe jahrelang in regem Brief­wechsel stand und ihn durch wertvolle Ehren­geschenke auszeichnete, lieh ein Bildnis Goethes schaffen, das heute noch die Reue Tinakothek schmückt, und überbrachte persönlich dem Dichter in Weimar au seinem 78. Geburtstag Grohkreuz und Stern des Zivilverdienstordens der baye­rischen Krone. Goethes Düste wurde in die Wal­halla ausgenommen, und Dahem wirkte mit, daß Goethes Haus und Sammlung als deutsches Rationaldenknral dem deutschen Volk erhalten wird. In München wurde das Goethe-In­stitut der Deutschen Akademie zur Fortbildung ausländischer Deutschlehrer gegrün­det und mit dem heutigen Tage eröffnet.

Em neues Kapitel aus dem Sklarek-prozeß

Der Zeuge Brolat

Berlin, 21. März. (CNB.) Im Sklarek-Prozeß sagte der Direktor der BVG. (Berliner Verkehrs-Ge­sellschaft, städtisch) B r o l a t, aus, daß er sich m i t allendreiB rüder nSklarekgeduzt habe, daß sie Einladungen ausgetaufcht, miteinander Lokale besucht hätten. Er habe sich von den Sklareks aber nicht freihalten lasten.

Vorsitzender:Sind Gelder für politische Zwecke durch Ihre Hände gegangen?" Zeuge: Nein. Nach anderthalbjähriger Bekanntschaft fragte einmal Leo Sklarek, ob er nicht in d i e Sozial­demokratische Partei eintreten könne, worauf ich einen Aufnahm es chein für ihn untertrieben habe. Später hat er mir gesagt, daß er sehr viel Unterstützungen gebe, und er hat sich erkundigt, ob es angebracht wäre, wenn er etwas für d i e Partei geben würde. Er (Brolat) habe gesagt, wenn er etwas übrig habe, solle er das ruhig tun. Die Gelder seien aber nicht durch feine Hand geflossen. Daß die Sklareks das Reichs- bannerunter stützt hätten, fei ihm bisher nicht bekannt gewesen."

Der Vorsitzende ging bann auf die Garde- robelieferungen ein. Brolat erklärte, daß er seit Ende 1926 für sich und zum Teil für feine Fa­milie durch die Sklareks Kleidungsstücke be­zogen habe. Der Vorsitzende hielt Direktor Brolat vor, daß nach den Kontobüchern der Sklareks ein­zelne Anzüge, Mäntel usw. nur mit Beträgen von 7 5 bis 90 RM. berechnet waren, wäh­rend bei anderen der Preis überhaupt fehlte. Brokat erklärte, daß es sich zum Teil um Anzüge für seinen Sohn handle. Brolat räumte dann ein, daß er bei den Sklareks mit der Zahlung etwas in Verzug geraten fei. Vorsitzender:Sie bekommen dock ein Gehaltvon72000RM. Damit kann man doch Kleiderrechnungen bezahle n." Brolat:Ich habe doch mein Gehalt vierteljährlich bekommen." Vorsitzender:Dann bleiben aber immernochfür de n Monats 6000 RM." Brolat:Da gingen doch auch die Steuern ab." Vorsitzender:Was haben Sie sich dabei gedacht, daß Ihnen die Sklareks 100 Mark pro Anzug schenk' ten?" Brolat:Sie haben doch von mir keine Vorteile gehabt." Vorsitzender:A b e r S i e, das ist viel schlimmer."

Brolat gibt auf eindringliches Befragen des Vorsitzenden zu, daß er von Max Sklarek sechs Hemden geschenkt bekommen habe. Vor« sitzender:Was haben denn die Hemden gekostet?"

bleibt unvereidigt.

Zeuge:Ich glaube, über 35 Mark das S t ü ck." Vorsitzender:Herr Zeuge, bleiben Sie bei der Wahrheit. Die Hemden haben zusam­men 819 Mark gekoste t." Brolat:Als ich nach der Verhaftung der Sklareks mich bei der Firma nach dem Preis erkundigte und die Suinme erfuhr, habe ich das für unmöglich ge­halten. Ich bat, mir die Rechnung auf 12 Hemden aufzuschreiben, weil ich bei meiner einfachen Lebensweise nicht solche kostbare Wäsche zu tragen pflege."

Weiter kamen die Ll n i f o r m l i e f e r u n- gen der Sklareks für die Straßen­bahn zur Sprache. Brolat erklärte, daß er zwar Dezernent, aber für die Bestellungen nicht allein zuständig gewesen sei. Vorsitzender:Es fällt auf, daß nach dem Eintritt Ihrer Person in die Ge­sellschaft die Sklareks bezüglich der Größe der Lieferungen an die zweite Stelle rück­ten, während sie früher weiter hinten standen." Zeuge:Man darf die Lieferungen nicht im Jahresdurchschnitt miteinander vergleichen. Die Sklareks waren früher nicht so berücksichtigt wor­den, und cs handelte sich um einen Ausgleich." Weiter hielt der Vorsitzende Brolat vor, daß nach dem Zusammenbruch der Sklareks ihr frü­herer Zuschneider Fischer die Lieferun­gen bei der BVG. bekam. Brolat: ..Fischer kam zu mir, und da ich ihn als einen tüchtigen Men­schen kennengelernt hatte und er mir sagte, er wolle sich selbständig machen, habe ich ihm e i n e n Auftrag über 1 30000 Mark gegeben. Vorsitzender:Haben Sie etwas davon gehört, daß die Frauen der Sklareks an dem Fischerschen Geschäft beteiligt fein sollen?" Zeuge:Rein, das ist mir unbekannt."

Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg hält dann Brolat vor, daß Zeugen bekundet hätten die Sklareks hätten in der letzten Zeit vor ihrer Verhaftung wiederholt in dem Vergnügungslokal Ambassadeur" Zechen von 3000 Mark g e m a <6 t, an denen auch er, Brolat, tcilgenom- men habe. So habe Leo Sklarek einmal in An­wesenheit Brolats einer Damenkapelle von 12 Mitgliedern jeder der Damen Bonbonieren zu 35 Mark und Pup­pen zu 4 5 Mark das Stück gestiftet. An diesem Abend seien 40 Flaschen französischen Sekts getrunken und nur Kaviar gegessen wor­den. Brolat erklärt jedoch, nicht dabei ge­

wesen zu sein. Er bleibt auch dabei, als dek Vorsitzende noch bemerkt, daß an einem dieser Abende Leo Sklarek der Kapellmeisterin einen Kuß geben wollte und i h r dafür 1 0 0 0 O Mark auf den Tisch gelegt habe. An einem ähnlichen Abend soll Leo Sklarek u. a. zu Brolat gesagt haben:Mein lieber Brolat. Wir sind doch nur ganz große Strolche." Als Bro- lat hier bestreitet, jemals mit den Sklareks in weiblicher Gesellschaft zusammengewesen zu sein, teilt plötzlich Leo Sklarek mit. es fei richtig, daß sie verschiedentlich abendliche Zechen von 3000 Mark gemacht hätten. Einmal sei es der Fall gewesen, daß bei ihnen ein Ober- bürgermeister aus dem Rheinland gewesen sei, der gleich vier Mädchen auf einmal auf dem Schoß gehabt hätte.

Rach Beendigung der Vernehmung beantragt Oberstaatsanwalt Freiherr von Steinaecker den Zeugen Brolat wegen des Verdachts der Begün­stigung nicht zu vereidigen. Die Rolle D's sei sehr bedenklich, und es müsse, wenn auch nicht in diesem Verfahren, die Frage geprüft werden, ob Brolat sich nicht der passiven Bestechung schul­dig gemacht habe, weil er von den Sklareks Klei­dung bezog und ihnen die Lieferungen für die Straßenbahn zukommen lieh. Das Gericht be­schloß, den Zeugen Brolat n i chck^ zu vereidigen, weil er bei den zur Verhandlung stehenden Straf­taten als Begünstiger verdächtig er­scheint.

Aus aller Welt.

Tagung der Hauptgemeinschast des Deutschen Einzelhandels.

Die geschlossene Mitgliederversammlung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels stand unter dem Eindruck insbesondere der durch die Rotverordnung vom 9. März 1932 geschaffe­nen Lage auf dem Gebiet des Wettbewerbs­wesens innerhalb der Warenvertei­lung. Die Versammlung nahm mit großem Interesse die instruktiven Ausführungen des Staatssekretärs Prof. Dr. P o p i h zur Frage des Finanzausgleichs entgegen. Rach dem Be­richt des Geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes, Dr. Tiburtius, wurde in der anschließenden Diskussion die Rotverordnung vom 9. März 1932 als erste Maßnahme der Regierung begrüßt, die auf die dringendsten Erfordernisse des Einzel­handels besonders eingeht. Die erfolgte Zu­gabenregelung. wm'de freilich durchweg als ungenügend bezeichnet: die Hauptgemein­schaft wiederholt ihre Federung nach einem klaren Zugabeverbot. Begrüßt wurde besonders die Regelung des Ausverkaufs­wesens. Es trat einhellig der Wille hervor, diesen Ausgangspunkt berufsständischer Gemein­schaftsarbeit zu einem wirksamen Mittel der Reinigung der We t tb ewer bss i t ten auszugestalten. Hingegen wurde eine Verschär­fung zur Unterbindung des sog. Lockartikel- unwesens allgemein gewünscht. Es wurde die Ausdehnung der Sperre für die Einheits­preisgeschäfte auf alle Orte gefor­dert. Ferner wurden klarere und schärfere Be­stimmungen bezüglich der Einhaltung han­delsüblicher Maße und Gewichte ver­langt.

Einbruch in einem Kasseler Warenhaus.

Einbrecher haben im Warenhaus Leon- hardTietzAG. mit einem Sauerstoffgebläfe den Tresor geöffnet. Soweit bisher feststeht, ist etwa ein Betrag von 2 5 0 0 0 Mark den Verbrechern in die Hände gefallen. Am Tatort fand man zwei Zeitungen vor, darunter ein Berliner Blatt von diesem Monat. Man nimmt daher an, daß es sich um eine ausroärtige Diebesbande handelt: bisher find jedoch noch keine weiteren Spuren der Verbrecher entdeckt wor­den. Die Vermutung liegt nahe, daß sich die Ein­brecher bereits am Samstag eingeschli­chen und versteckt haben. Durch ein offenftehew des Fenster haben sie dann wahrscheinlich das Warenhaus wieder verlassen. Der Wächter des Hauses hat von dem nächtlichen Treiben nichts be­merkt.

Elli Beinhorn fliegt von 3aoa nach Australien.

Die Fliegerin Elli Beinhorn ist von Soe- rabaja zum Weiterflug nach Austra­lien mit dem Endziel Sidney gestartet. Sie wird über die Inselgruppen Riederländisch-In- diens fliegen und die Infeln Flores und Timor zur Landung benutzen. Zwischen der Insel Timor und dem Festland von Australien hat die Flie­gerin mehr als 600 Kilometer über dem offenen Meer zu überfliegen.

Schwere Wirbelsturmkatastrophe in USA.

Bei einem Zyklon in Alabama in der Rähe der Grenze des Staates Mississippi sind a ch t Personen ums Leben gekommen. Die Stadt R o r t h p o r t wurde zerstört: zahlreiche Feuers­brünste sind dort ausgebrochen. Auch drei an­dere Städte haben Schaden erlitten. Von dem Wirbelsturm wurden außer Alabama auch die Staaten Kentucki und Tennessee h e i m g e s u ch t. Die Zahl der Todesopfer soll sich dort auf etwa 100 belaufen, mehrere hundert. Menschen sind obdachlos geworden. Die auf den Wirbelsturm folgenden Wolkenbrüche er­schwerten das Rettungswerk außerordentlich.

Bandenüberfall auf einen Exprehzug in Mexiko.

Mexikanische Banditen machten einen dreisten Raubüberfall auf den Exprehzug Laredo Mexiko, nachdem sie ihn im Staate Queretaro durch Ausreißen der Schienen zum Stehen gebracht hatten. Hierbei entgleisten die Loko­motive und vier Wagen und stürzten um. Die unter den Fahrgästen entstandene Panik wollten die Bandidten für ihren Raub ausnutzen. Die militärische Begleitmannschaft stellte sich ihnen jedoch entgegen, und es entspann sich in der dunklen Rächt ein heftiges halbstündiges Feuergefecht, bei dem einer der Banditen getötet und ein Soldat verwundet wurde. Dann ergriffen die Banditen die Flucht, ohne ihren Zweck erreicht zu haben.

Lawinenunglück im Engadin.

Am Sonntag unternahmen drei Touristen eine Tour nach dem Piz Foraz. Sie wurden beim Anstieg von einer großen Lawine überrascht. Alle drei wurden von den Schnee- massen erfaßt und mitgeriffen. Während zwei sich aus den Schneemassen befreien konnten, war der 26jährige Diplomingenieur Ganter, München, unauffindbar. Die herbeigerufene Rettungs­kolonne, die erst gegen 1 LIHr nachts eintraf, konnte ihn nur noch a ls Leiche bergen.