• 182. Jahrgang
Nr. 69 Erstes Blatt
Dienstag, 22. März 1952
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Goethes deutsches VildungSideal.
3um 22. März.
Von Dr. Otto Boelih, ehem. preußischen Kultusminister.
3n der Flut der ©odfycfcicrn, die dieses Jahr erfüllen, kommt das Gedächtnis an jenen Goethe, der ein Grober feines Volkes war, indem er ein Bildner an Geist und Charakter feiner Nation gewesen ist, zu kurz. „Goethe und die Welt", „Goethe und die Weltliteratur", „Goethe als ein Besitz der gebildeten und zivilisierten Menschheit" — in dieser und ähnlichen Themenstellung, der dann auch gewöhnlich noch die Zeichnung von Goethes Lebens- bild als das eines über Nation und Heimat erhabenen Weltbürgers zu Hilfe kommt, geht leider fast ganz die feierlidK Betrachtsamkeit auf. Während man so der Stellung und Wirkung des Genies in der ganzen Welt gedenkt, wird allzuwenig die Frage nach der nationalen und fchicksalsgegenwärtigen Nolle gestellt, die Goethes Menschentum und Lebenswerk in unserem Volk und für uns Deutsche spielt: in dem Hier und Jetzt unseres deutschen Lebens und unserer deutschen Bildungsweit, in dem bearenzten und doch so weiten Raum des Erlebnisses, dess m der Deutsche sähig ist und in dem ihm auch der Große seines Volkes allein wirksam werden kann, wenn er ihn in seinem Wesen, in seiner Art und seinem Charakter, in seiner Seele und seinem Geist ganz ersaßt. Um solcher Begegnung teilhastig zu werden, bedarf es freilich — (über bloßes Wissen und Erkennen hinaus) — jener tiefen, inneren Erfahrung, die Goethe selbst die „bildende" genannt Hai.
Die „bildende Erfahrung", das „bildende Erlebnis" Goethes — um das sollte es uns Deutschen in diesem. 3ahr zuerst und allermeist zu tun sein, da mir als Nation das Gedächtnis des großen Menschen und Stünftlers begehen, dessen ganzes Lebenswerk ein einziges unablässiges tätiges Verehren der bildenden und erbebenben, stärkenden und befreienden Mächte gewesen ist. Denn nur von dem Goethe, dem sich das Leben selber als großer Bildner olles Individuellen und Menschlichen erschloß, gibt es einen Zugang zu der Goetheschen Dichtung, zu seiner Auffassung von Welt und Leben, zu seiner Naturanschauung und zu seiner Lehre von der Kunst.
Unübersehbar im Ausmaß seiner Wirkungen ist der Einfluß, der von Goethe auf die deutsche Bildung, auf die geistige Verfassung und die Ideale der deutschen Nachwelt ausgegangen ist. Wie Goethe selbst geahnt und nicht nur einmal vorhergesagt hat, sand sich mit ihm die Zeit, die nach ihm kam, nicht eben besser als die Mitwelt ab. Stets leichter zum Mißverständnis und zur Verkleinerung als zum Verstehen und zur Anerkennung geneigt, ist auch die Geschichte der letzten hundert Jahre in ihrer Beziehung auf das deutsche Bildungsleben reicher an Dokumenten der Verleugnung als an Zeugnissen der Wirksamkeit Goetheschen Vermächtnisses und Goetheschen Geistes. Mißdeutung über Mißdeutung hat sich von jeher an Goethes Begriff der Person- lichkeit und der individuellen Freiheit geknüpft, und gar mit jenem so widerspruchsvoll erscheinenden Dovpelbekenntnis zum Leben jenseits von Gut und Böse und zum Sittlich-Gesetzlichen haben die mci- ften nie viel anzusangen gewußt. Was den einen bei Goethe als Ausdruck selbstbewußten Menschentums, vernunftgläubiger Diesseitigkeit erschien, wurde geschäftig eingeleitet in das Denken und Empfinden einer mehr zivilisatorisch als geistig sich rechtfertigenden Strömung, die unter den Schlagworten von „Toleranz" und „Fortschritt" für einen weltanschau ungslosen Individualismus und gleichzeitig für eine Entwertung der Religion zur Privatsache focht. Und während (o in weilen Kreisen das Bild Goethes bis zur Unkenntlichkeit die Züge eines Aufklärungs- Heiligen und individualistischen Lebenskünstlers an- nahm, verhängten es andere, denen solche Verehrung die freie Aussicht sperrte, als „heidnisch" und „weltlich", dem „Liberalismus" zugeneigt, mit einem schwarzen Tuch. Aber bei all dieser Verkennung und Verfälschung der Grundricytung in Goethes Leben und Werk, bei aller einseitigen und darum schiefen Auswertung des großen Mannes und seiner Ideenwelt für die Spiegelfechterei mit Meinungen und Vorurteilen der Zeiten ist die eigentliche und wirksame Bildung unberührt, die wahre Produktivität der in Goethes Geist und Werk gesammelten deutschen Bildungsidee unangetastet geblieben. Ja, je mehr und zersetzender das Mißverständnis der Amusischen und Halbgebildeten, der beschränkten Eiferer oder der wurzel und bindungs- lasen Individualisten sich austobte, desto reiner und fruchtbarer stellte sich die untrennbare Zusammengehörigkeit von Goethes nationaler und der deut- scheu Bildungsaufgabe geistiger Sendung heraus.
Dolle, zur Harmonie zufammengesaßte Entfaltung aller Anlagen und Kräfte des Menschen, Ausbildung aller Organe der Wahrnehmung und der Lebens- äußerung, Ucbereinftimmung der ethischen und ästhetischen Anschauung des Lebens, „Erforschung des Erforfchlichen" und „Verehrung des Unerforsch- lichen", Freiheit um der Bindung und Bindung um der wahren und naturgemäßen Ausbildung und Entwicklung des Individuellen willen — das sind die großen, immer wieder genannten Voraussetzun- gen, unter denen Goethe wahre Bildung für möglich hält. Das ganze Goethesche Lebenswerk — von den biographischen Bekenntnissen und den dramatischen Dichtungen angefangen bis zu der Auffassung und Darstellung seiner tiefsten wissenschaftlichen Arbeiten — ist voll von jenem organischen und organisierenden Lebensgeist, der keine einseitige Wahr- hell, keine einzelne Tätigkeit und kein einzelnes Ideal gelk-n läßt, wenn sie nicht zugleich Teile eines Ganzen und Garanten einer Entwicklung zu höherer menschlicher Vollkommenheit sind. Das große schöpferische Erziehungsideal, das die höhere seelische Einigung und Einheit des Menschen
Beginn -es politischen Osterfne-ens.
OieiechnischenBorbereiiungen des zweiten Wahlgangs.
An Hessen liegen am 2. und 3. April die Stimmlisten aus.
Berlin, 19. März. (WTB.) Der Reichs- Minister deS Inneren hat Anordnungen für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl getroffen. Mit Rücksicht darauf, daß inPreußen, Bayern, Württemberg und Anhalt am 2 4. April Landtagswahlen stattfinden, ist mit den Regierungen dieser Länder vereinbart worden, daß die Ötimmliftcn gerne infam für d i e beiden Wahlen bom 30. März biS 3. April zur Ginsicht durch die Wähler aufgelegt werden. In allen anderen Ländern beschränkt sich die Auslegung für die Reichspräsidentenwahl wie im Jahre 1925 auf zwei Tage, nämlich Samstag den 2. und Sonntag den 3. April. Die AbstimmungS- z e i t gilt wie beim ersten Wahlgang, also 9 biS 18 ilftr. Die Stimmzettel werden, um Verwechselungen mit dem ersten Wahlgang zu vermeiden, auf hellgrünem Papier her- gestellt. Da die Frist für die Auslegung der Stimmlisten in die Hauptumzugszeit fällt, sind besondere Vorkehrungen getroffen, damit d i e Umschreibung der Wähler in den Stimmlisten zu keinem Verlust des Stimmrechts für die Wähler führt. Wähler, die nach Beendigung der Auslegung der Stimin- liften aus ihrem bisherigen Stimmbezirk toeg- ziehen, können noch nach Ablauf der A u S- l e g u n q sich in der Stimmliste des Stimmbezirks ihrer neuen Wohnung nach tragen lassen. Die ASDAP. klagt gegen Preußen
München, 21. März. (CAD.) Rechtsanwalt Dr. Hans Frank II. hat — namenS des Führers der AGDAP. beim DtaatSgerichtshvs für DaS Deutsche Reich Klage mit dem Ziel eingereicht, den Erlaß einer einstweiligen Verfügung gegen Preußen zu erwirken. Die Kläger beantragen, daß durch Urteil de» Staatsgerichtshofs für recht erkannt wird:
1. Die Anordnung deS preußischen Innenministers vom 17. März auf Vornahme von Durchsuchungen und Beschlagnahme von urkundlichem Material bei der ASDAP. in Preußen, sowie deren Ausführung verstößt gegen Artikel 125 und 124 der Reichsverfassung.
2. Das Verbot der Beteiligung unmittelbarer und mittelbarer Staats- sowie Kommunal beamtet in Preußen an der ASDAP. ist mit Artikel 130 bis 132 der Reichsverfassung unvereinbar.
3. Die preußische Regierung ist verpflichtet, die in 1 und 2 erwähnten Anordnungen und Verfügungen unverzüglich nach Zustellung des Urteils mit rückwirkender Kraft auf au heben sowie alle auf Grund derartiger Anordnungen getroffenen Maßnahmen, insbesondere Dienstentlassungen und Grösfnuna von Dienststrafverfahren unverzüglich aufzuheben oder rückgängig zu machen.
In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die von der preußischen Staatsregierung gegen die ASDAP. eingeleiteten Maßnahmen auf
der Bcchauptung basierten, die IkSDAP. verfolge ihre Ziele auf illegalem Wege. GS wird darauf hingewiesen, daß alle Versuche, die Legalität der ASDAP. oder ihrer Führer rechtswirkfam anzuzweifeln, an der beweisbaren Legalität deS Vorgehens der ASDAP. und ihrer Führer scheitern müßten. Die Klage verlangt schließlich, daß die vreuhische Regierung der ASDAP. für die Zeit bis zum 2 4. April alle für die Führung des Wahlkampfe- notwendigen, am 17. März beschlagnahmten Akten, herauSgibt.
Klaus Heim kandidiert im zweiten Wahlgang.
Celle, 21. Alärz. (CAB.) Cs sind Bestrebungen im Gange, für den zweiten Wahlgang zur AeichLpräsidentenwahl den durch die Bombenlegerprozesse bekannt gewordenen holsteinischen Landvolkführer Klaus Heim als Kandidaten aufzustellen. Klaus Heim, der wegen der Dombenlegeraffäre im Zuchthaus au Celle eine längere Freiheitsstrafe verbüßt, hat bereits seine Zustimmung zur Auf- Heilung erteilt. Mit der Unters ch r iften- f a m m l u n g für den Wahlvvrschlag ist bereits begonnen worden. Die Aominierung KlauS Heims geht von bäuerlich-revolutionären Gruppen auS.
Oer neue Wahlfeldzug des Reichskanzlers.
Berlin. 21. März. (CNB) Reichskanzler Dr. Brüning wird sich bis zum 3. April in Sud- baijcrn auf halten. Dann wird der Reichskanzler zur
B e r l i n , 21. März. (TU.) Die vier Vertreter der studentifchen ftorporat-ionsoerbänbe in der Zentralleitung der Deutschen Studentenschaft haben nach einer am Sonntag ftattgefundenen Sitzung des Hauptausschusses der Deutschen Studenten« schäft am Montag ihre Aemter nicdcrge- legt. In der Begründung dieses Schrittes heißt es u. a., daß alle Versuche, in ocr Deutschen Studenten- schäft aus einer breiten nationalen Plattform alle tragenden Kräfte zu einer wirklichen Arbeit für die großen Ausgaben der Deutschen Studentenschaft zusammenzufassen, unter der derzeitigen Leitung ergebnislos gewesen seien. Allen Mah- nungen zum Trotz sei die Deutsche Studentenschaft einen Weg geführt worden, der sie immer melier von ihrer Zielsetzung entfernt habe. Der vom Nationalsozialistischen Stu- dentenbund geführte Kampf gejjen Gruppen, die ihr Bekenntnis zur Deutschen eotudenten- schäft bewiesen hätten, sei nicht auf die Verfolgung der Ziele der Deutschen Studentenschast gerichtet.
Die Deutsche Studentenschaft ist der 1919 in Würzburg gegründete K e f a m t z u s a m m e n -
Vordereiiung des zweiten Prasidentschaftswahlgang» eine Reise durch eine große Reihe von Städten an treten, in denen er für d i e Wiederwahl Hindenburgs sprechen wird. Dr. Brüning wird am 4. April in Stuttgart, am 5. in Karlsruhe, am 6. in Erfurt, am 7. in Hamburg, am K in Stettin und am 9 in Königsberg reden Eine Osterbotschaft des Reichspräsidenten oder ehn neue Rundfunkrede sind nach den Auskünften, die wir erhalten haben, nicht oorgefeben.
Oer (khnstlich.soziale Volksdienst für Hindenburg.
Berlin, 19. März. (XU.) Die Reichsführuiig des Christlich-sozialen Volksdienstes teilt mit. .Die ganze DolkSdienstbewegung hat sich im ersten Wahlgang mit größtem Nachdruck für die Wiederwahl Hindenburgs einge- seht. Beim zweiten Wahlgang am 10. April darf keine falsche Sicherheit und Wahlmüdigkeit herrschen. Wir sind es Hindenburg schuldig, daß die im ersten Wahlgang leider nicht ganz erreichte absolute Mehrheit am 10. April überschritten wird. Hindenburg tut für un» mehr als seine Pslicht. Wir wollen uns nicht von ihm beschämen lassen.
Braunschweig fordert Beschränkung des Osterfriedens.
Braunschweig, 21. März. (WTB) Das braun, schweigische Staatsministerium hat bei dem Staat' gerichtshof für das Deutsche Reich Verwaltungsklage erhoben und beantragt, die Verordnung zum Schutz, des inneren Friedens uom 17. März aufzuheben evtl, ihre Gültigkeit auf die Zeit vom 20. bis ein
fchluß der Studenten fchaftcu aller Hochschulen des geschlossenen deutschen Sprachgebietes, der auch die staatliche Anerkennung besaß. Aus politischen Gründen wurde 1927 die ft a a 11 i d) e Anerkennung wegen des Zusammengehens mit dem nach dem Volkstums grundsatz aufgebauten auslandsdeutschen Studentenschaften wieder aufgehoben. Die Studentenschaften organisierten sich daraufhin neu in freier Form. In den letzten Jahren hatte der N a t i o n a 1 - fozialist i sche Deutsche Studentenbund überall die Mehrheit gewonnen Die linfsgerid)- teten Studenten beteiligten sich seit der Aushebung der staatlichen Anerkennung nicht mehr. Aus dein Deutschen Studententag. der 1931 in Graz statt- sand, erhielten die Nationalsozialisten zwei von den drei Vorstandssitzen. Der Hauptausschuß besteht schon seit längerer Zeit ausschließlich aus Nationalsozialisten. Schon feit langem bestanden heftige G e - gensätze zwischen den Nationalsozia, listen und den großen Korporation?- verbänden, die immer wieder überbrückt werden konnten, jetzt aber doch zum Austritt ihrer Vertreter geführt haben.
Konflikt in der„DentschenStudentenschasl".
Oie Vertreter der Korporationsverbände treten aus -er Deutschen Studentenschaft aus.
im größeren Reichtum des Erlebnisses und der Erfahrung, den Reichtum wiederum in der schöpferischen Einl-ell, in dem „Mittelpunkt, auf den alles hinschaut", verbürgt, das ist das eigentliche deutsche Vermächtnis Goethes an die deutsche Bildung. Wie alle wahre Sittlichkeit sich darin bewährt, daß sie produktiv, gestallbildend und schöpferisch sich erweist, das hat Goethe immer als eine der vornehmsten bildenden und sittlichen Wahrheiten groß und über- zeugend herausgestellt. In dieser Auftastung der untrennbaren bildnerischen Einheit von sittlichem und sinnlichem Erlebnis ruht seine eigentliche Verehrung der Persönlichkeit und der beseelten G e ft a 11, die zugleich die Verehrung des Gesetzlichen und Wirksamen in der Geist-Körper-Welt des Lebens gewesen ist. Daß sich alles Bedeutende in der Ausbildung des Individuellen vollziehe, daß es keine menschliche Erziehung ohne eine wirksame Anschau ung des Gestalteten gebe, daß nur der Mensch, bc** in sich selber tätig ist, der eigenen Grenzen u damit seiner naturgemäßen Bestimmung gewahr werde — Gedanken dieser Art, wie sie hundertsach Goethe variierte, gehen auf jene Bewertung der Persönlichkeit als des Kräftefelds, in dessen richtiger Nutzung sich das Geistige darstellt, zurück.^
„Iphigenie", „Torquato Tasso" und „Faust" — vollkommener und zwingender als in diesen dramatischen Dichtungen ist kaum irgendwo in der deutschen Literatur das bildende Motiv des Lebens zugleich im Schöpferischen und Gestaltenden erschienen, größer und bedeutender kaum irgendwann das Sittliche mit dem Glanz des Schönen, das Schöne mit der Würde und dem Ernst des Sittlichen und Gesetzlichen verbündet worden. Eine erzieherische Wirkung ohnegleichen ging und geht noch heute von den Gestalten dieser Dramen aus, in deren Verkörperung sich die zwanglos-tiefste ©er- binbung von deutscher Welt und hellenischem Bil- dunasvermächtnis ausspricht. Undenkbar in seinem Verlaus bis auf den heutigen Tag ist die Geschichte des deutschen Geisteslebens ohne die Goecheiche neue Einleitung des antiken und hellenischen Elements unserer Kultur in Gemüt und Charakter unseres Volkes. Aber nicht nur immer dann, wenn es um das glückliche Bündnis non deuHchsm Ygd Mik«
Menschentum ging, sondern auch in jedwedem Rück- griff auf das „Naturgemäße und Wahre", in jedweder Erneuerung unseres menschlichen, wissenschast- lichen und künstlerischen Bewußtseins aus dem Geist des Organischen und Schöpferischen stand das Goethesche Bildungsideal bezaubernd und ermutigend in unserer Welt. Abhold jeder Tätigkeit und jedem Geist, die sich nicht dienend in einem Ganzen, nicht im Menschlichen und seiner höheren Sammlung und Vollendung bewähren wollen, hat Goethe den Deutschen ihr tiefstes nationales Bildungsideal in einer neuen Begegnung von Natur und Kunst, Sinnlichem und Sittlichem, in einer neuen Bindung des Geistes im Naturgemäßen und Organischen gestiftet. Umfang, Forderung und Ursprung dieses Bildungsideals find einmal in der Einleitung zur „Morphologie" geftreift, und die Worte, die hier stehen, konnten auch heute wieder dem deutschen Bildungsleben ein Wegweiser in die Freiheit sein: „Wie wenige fühlen sich von dem begeistert, was eigentlich nur dem Geist erscheint! Die Sinne, das Ge fühl, ba5 Gemüt üben weit größere Macht über uns aus und zwar mit Recht: denn wir sind aufs Leben und nicht auf bie Betrachtung angewiesen".
Keine Einigung auf -em Kautschufmarkt
L o n b o n . 21. März. (WTV.l Englisch-Holländische Verhandlungen über eine Einschränkung der Kautschukprobuktion sind zufammengedro- chen, eine britisch-mederländische Vereinbarung wäre erreichbar gewesen, wenn nicht bie Schwierigkeit bestanden hätte, den Betrag des von den Eingeborenen probuzierten Kautschuk« in Aiederländisch-Ostindien ad- zuschäyen. In Lonbon werbe erklärt, daß mit einer Wiederaufnahme der Verhandlungen nicht gerechnet wirb. „®ailh Telegraph" sagt: Der Fehlschlag ber Derhanblungen bebeutet einen schweren Schlag für bie britifche Kautschukinbustrie. in bet 125 Millionen Pftmd Sterling angelegt finb. Er bedeutet, daß viele kautfchukerzeugenbe Ländereien, die bereit« mit Verlust arbeiten. zur völ- Iiflcn ßtiHeaung gezwungen lern werden.
Oie Bauwirischast fordert Ankurbelung.
Entlastung der Erwcrbsloseufürsorgs durch normale Bautätigkeit.
Berlin. 21. März. (TU.) Etwa 50 Spitze,>- verbände der Bauwirtschaft haben der Reichsregierung in einer gemeinsamen Eingabe erneut ihre Aolläge und ihre Vorschläge zur Mhilse bargelegt. Die Bautätigkeit zeige in ben letzten brei Jahren ben stärksten 21 b - fall im Beschäftigungsgrab. DaS Baugewerbe sei zur Zeit nur noch z u 7 v. H. seiner Höchstbelegschaft beschäftigt. Die Bauwirtfchaft forbere baher WieberausnahmL von Bauten von Eisenbahnen, Straßen, Wasserstraßen, Meliorationen, Hochwasserschutz usw. Sie wolle kein zusätzliches ArbeitsbeschafsungSpro-« gramm. sondern verlange nur, baß diejenigen öffentlichen Arbeiten von den öffentlichen Körperschaften durchgesührt werden, die aus dem natürlichen Baubeburfnis erstehen und die zum Teil deshalb liegen geblieben sind, weil man im üebereifer einer unproduktiven Sparpolitik das Heil in der Drosselung den sachlichen öffentliche,, Ausgaben suchte. Ist bet Eingabe wirb aussührlich auf bie Schlüsselstel, hing ber Bauwirtfchaft für eine ganze Reibtz anderer Industrien und des Handel- hingewiesen. Für bie Finanzierung sei zunächst die durch die Bauarbeiten eintretenbe Entlastung bet! ErwerbSlosenfürsorge in Anspruch Ati nehmen, bie bei Berücksichtigung der mittelbaren ßbftne mindestens 20 v. H. der Dau summe betragen. Bon der Ausfassung .ausgehend daß die erforderlichen Maßnahmen beit Grün blähen bei prvbuktiven ErwerbSlosenfürforg? unterzuordneu sei, wird eine Verstärkung ber Mittel bet Deutschen Gesell Ich ast für öffentliche Arbeiten gelor» bert.


