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Deutschlands-u einer Verlängerung des Hoover-Moratoriums stattfinden Werde.

Der deutsche Botschafter v. 2! e u r a t h stattete am Donnerstag dem Außenminister Simon einen Besuch ab und legte ihm nochmals den deutschen Standpunkt im Sinne der Mitteilungen dar. wie sie in Berlin dem englischen Botschaf­ter gemacht worden sind. Er wies darauf hin. daß eine Verlängerung des Hoovermoratoriums für Deutschland nicht in Frage komme. Auch ein vollständiges Moratorium einschließ­lich eines solchen für die ungeschützten Tributzah­lungen würde noch keine Erleichterun­gen bringen, wenn nicht noch vor dem 1. 3ult in Verhandlungen über eine endgül­tige Regelung der Tributfrage eingetreten werde.

Amerika

läßt sich nicht einschüchtern.

Washington, 2l.3an. (WTB.) 3n amt­lichen Kreisen wird eine offizielle Stellungnahme zu dem britisch-französischen Plan einer Verschie­bung oder eines Verzichts der Lausanner Konfe­renz abgelehnt. Jedoch wurde an maßgebender Stelle angedeutet, daß Europa, wenn es die ge­genwärtige Finanzkrise zu politischen Machen­schaften auszunuhen strebe, sich selbst die Folgen zuzuschreiben habe. Jedenfalls bestehe im Kon­greß keine Geneigtheit, sich von Eu­ropa diktieren zu lassen, daß Amerika die Kosten des Weltkrieges übernehmen müsse, damit Frankreich weiterhin gewal­

tige Summen für R ü st u n g s z w e ck e ausgeben könne. Amerika bestehe darauf, daß jede Ration an der Abtragung der Kriegsschul­den mitarbeite und werde sich durch Drohun­gen mit einer Einheitsfront Euro­pas gegen Amerika nicht schrecken las- s e n. Amerika werde daher n i ch t s in der inter­nationalen Schuldenfrage unternehmen, bevor nicht die europäischen Staaten sich unter Beru­fung auf ihre Schuldenverträge einzeln an die Regierung der Vereinigten Staaten gewandt hätten.

Bor -em Abschluß der Gtillhalteverhandlungen.

Berlin, 21.Jan. (OB.) Die wir erfahren, ist es sehr wahrscheinlich, daß die Berliner Der- Handlungen mit den Vertretern der aus­ländischen Stillhallegläubiger am Ende dieser Mache jum Abschluß kommen. An dem Text des zweiten Stillhaltevertrages, der ein neues einjähriges Provisorium vorsehen dürste, wird zur Zeit noch gearbeitet. Wie wir hören, hat man sich in der besonders schwieri­gen Frage der Zinssätze auf eine Klausel ge­einigt, in der den Gläubigern die Erhebung ver­nünftiger Zinsen empfohlen wird. Auch bezüg­lich der besonders von amerikanischer Seite erhobenen Sicherheilsforderungen ist eine Einigung erzielt worden, die sich auf der mittleren Linie zwischen den ausländischen und den deul- schen Wünschen hält.

Sie Antwort an General Bourgeois.

Das ReichSwehrministentim brandmarkt die Verleumdungen über angebliche deutsche Scheinrüstungen.

Berlin. 21. Ian. (WTB.) 3n dem plan­mäßigen Verleumdungsfeldzug, den die franzö­sische Presse und andere Stellen in letzter Zeit über das Thema angeblicher deutscher Geheim­rüstungen veranstaltet haben, stellen die Behaup­tungen des Generals Bourgeois und des Sena­tors Eccard einen Gipfelpunkt dar. Rach diesen Behauptungen soll Deutschland ein mächti­ges Heer organisieren, indem eine große Anzahl von Unteroffizieren aus der Reichswehr aus­scheide, um Platz für Rekruten frei zu machen und indem zahlreiche Offiziere in verbotenen Schulen ausgebildet würden.

Hierzu erklärt das Reichswehrministerium u. a.: Diese Behauptungen sind erlogen. Die Zahl der Entlassungen und Reueinstellungen ist im Wehvgesetz nach den Vorschriften des Diktats von Versailles genau fest gelegt und wird ebenso genau eingehalten. Eine Aus­bildung von Offizieren ist schon deshalb nicht möglich, weil die geringe Anzahl der deutschen Offiziere zum Dien st in der Truppe be­nötigt wird und weil es überhaupt ver­botene Schulen nicht gibt. 3m deutschen Reichsheer dienen nur 3800 Truppenoffiziere, während die Zahl der französischen aktiven Offi­ziere höher als 3 0 000 ist. Wenn General Bourgeois u. a. von einerdeutschen Stoharmee" gesprochen hat, so verwechselt er diese anscheinend mit der etwa 50 Divisionen starken französischen Armee de couverture, die eine vor­aussichtliche Kriegsstärke von über andert­halb Millionen Mann hat, während die

Stärke des deutschen Reichsheeres in Frieden und Krieg nur 1 00 000 Mann beträgt. Wenn General Bourgeois von der Möglichkeit einer schnellen Umstellung der deutschen K r iegs in d u st r. e auf Krtegsfertigkeit spricht, so ist darauf zu erwidern, daß eine Umstellung nicht so schnell erfolgen kann, wie die mäch­tigen französischen Bombengeschwa- der das jeden Luftschutz entbehrende deutsche Gebiet überfliegen können. Für die von General Bourgeois bemängelte Erziehung der Kin­der im Sinne einer Revanchepropaganda ift er jeden Beweis schuldig geblieben. Deutschland wäre zufrieden, wenn die fran­zösischen Schulbücher die Kriegsschuldlüge und die Darstellung des Weltkrieges im glei­che n Gei st e der Wahrhaftigkeit behan­deln würden wie die deutschen.

Die Behauptungen des Senators Eccard über die deutschen Militärausgaben strafen sich durch ihre Lächerlichkeit selbst Lügen. E card wendet sich auch gegen die von Deutschland betriebene Auf­klärung der öffentlichen Meinung über de Aüru- stungsfrage. Dazu ist zu sagen, daß Deutsch­land nicht aufhören wird, das unge­heuere Mißverhältnis an Recht, Macht und Sicherheit, das durch die R i ch t e i n h a l - tung deS im Diktat von Versailles gegebenen Abrüstungsversprechens der Siegermächte hervor erusen und durch das Wettrüsten der rüstungs're.en Mächte in un- erträglichcr We'.se gesteigert wurde, weiter der Oeffentlichkeit der Welt vor Augen zu halten.

Reichshaushalt-Länder und Gemeinden.

Oer Reichsrat fordert Reichsüberweisungen zur lommuna en Schuldentilgung.

Deutschlands geringe innere Staatsschuld nur Folge schwerster Not.

Berlin, 21. 3an. (DDZ.) Der Reichsrat be- riet die von der Regierung vorgelegte Zusammen­stellung über die am Haushaltsvlan 1931 vor­genommenen Aenderungen. Auf Antrag der Aus­schüsse wurde der berichtigte Reichshaushalt zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig faßte der Reichs- rat einstimmig eine Entschließung, in der es heißt:

Der Einnahmerückgang in der Gesamt­summe der Steuern, Zölle und Verbrauchsabgaben des Reiches gegenüber den Vorjahren, trifft, wenn man von der Industrieumlage und der Reparationsabgabe der Reichsbahn aösieht, nicht das Reich, sondern bisher ausschließlich die Länder und Gemeinden. Infolge des Rückganges der Ueberweisungen und der eigenen Steuern ergeben sich bei den Ländern trotz strengster Einschränkungen noch große Fehl­beträge sowohl für 1931 als auch im Entwurf sur 1932 und keine Möglichleiten, für 1932 eine (Summe für die Tilgung schwebender Schulden einzusetzen, während das Reich den Haushalt für 1931 und den Entwurf für 1932 vorläufig gedeckt und dabei für 1932 eine von 420 auf 870 M ll.onen et ö-te Tilgung schwebder S ,u> l)en vorgesehen hat. Infolge Steigerung der Zahl der Erwerbslosen sowie in Ver­bindung mit der Kürzung der Steuerüberwei- fungen behalten auch viele Gemeinde- Haushalte für 1931 und 1932 große Fehl­beträge, deren Deckung nicht möglich ist. Die zusätzliche Ueberweisung des Reiches an die Ge« meinden von 230 Millionen für Wohlfahrtslasten Acht demgegenüber nicht aus. Trotzdem hat das Reich im nächsten Jahre nur noch eine lieber« Weisung von 50 Millionen vorgesehen.

Der Reichsrat ersucht die Reichsregierung im Juleresse einer geordneten Finanzwirlschast bei der Ausstellung des Haushalts für 1932 auf diese Tatsachen Rücksicht zu neh­men. Er ersucht die Reichsregierung insbeson­dere. anstelle der für 1932 für das Reich allein vorgesehenen erhöhten Schuldentilgung in den Reichshaushalt von 1932 für das Reich nur die bereits sehr hohe gesetzliche außerordentliche Schuldentilgung von zusätzlich 420 Millionen einzustellen und die darüber hinaus- gehenden Beträge den Ländern und Gemeinden zur Vermeidung oder Deckung von Schulden zuzu­weise n . um zu verhindern, daß Länder oder Gemeinden zusammenbrechen oder daß eine wirtschaftlich untragbare und im Gegensatz zur Preissenkungspolitik stehende Anspannung weiterer Steuern in Ländern und

Gemeinden erforderlich wird, noch bevor sich der Erfolg der bisherigen Aktionen aus­wirken kann.

Bo.her machte der Berichterstatter Ministerial- direltor Brecht u. a. folgende Ausführungen: Rach dem ber.ch.igten Haushalt betragen die be­samten ordentl ch.n und außerodentlichen Retto- ausgaben dcs Reiches für 1931 nunmehr Millionen Mark (gegen 1930 ein Mmus von 2717 Millionen Marc). Die Einschränkun­gen sind trotz der gewachsenen Wohtsahrtslaften sehr hoch. Gegeni 6:t Lent Höchststa. d der 2tu> gcwen im Jahre 1923 beträgt der Rückgang mehr als drei Milliarden Marr. Die Aufgaben sind noch unter das Jahr 1 9 26, das letzte Jahr vor der Besoldungserhöhung. um 582 Millionen zurückgegangen. Unter den e.nzelnen Posten hat es neuerdings internationa.e Au m.r fände'.t e.regt, daß Deutsch­lands normaler innerer Schuldendienst nur 500 Millionen beträgt, gegen etwa 3 Mil­liarden in Frankreich und nach altem Kurse 6 Milliarden Mark in England. Man hat es als Vorteil für Deutschland dargestellt, daß Deutschlands gesamte innere Staatsschuld jetzt nur 10 Milliarden Mark gegen 43 Milliarden in Frankreich und 130 Milliarden in England beträgt. Aber man hat vergessen, hinzuzufügen, daß Deutschlands innere Schuld infolge der eige­nen Kriegskosten ursprünglich mehr als 130 Milliarden Goldmark betrug und daß wir gezwungen waren, diese Schuld bis auf 10 Milliarden deshalb zu streichen, weil wir im Gegensatz zu England und Frankreich nicht in der Lage waren, aus Steuern jährlich 6 Milliarden oder 3 Milliarden Mark u n s e r e n inneren Gläubigern zur Verfügung zu fteIIen.

Denn man glaubt, daß es ein vorteil für das deutsche Volk sei, nur noch 10 Milliarden RM. innere Staatsschulden zu haben, nun, so könnten sich diesen Vorteil ja auch andere völ- keroerschasfen. wenn sie auch bei sich die hohen inneren Schulden streichen. Man wird s i ch h ü l e n. das zu tun, ohne daß d i e schwerste Rot dazu zwingt. Denn die Folge ist eine furchtbare Verarmung, kapilalnot und damit Entwertung aller Anlagen, die kein Volk in höherem Grade als notwendig freiwillig auf sich nehmen wird. Von den öffentlichen Ab­gaben flieht in England mehr als ein fünftel, in Frankreich mehr als ein Viertel an die eigenen inneren Gläubiger Zurück. Deutschland dagegen hat in den letzten

zehn Jahren an Reparationen ans Ausland allein in barem (Selbe sechs- bis achtmal soviel gezahlt, wie an seine innere Kriegsgläubi­ger und viermal soviel wie für den gesamten staatlichen normalen Schuldendienst im Innern einschließlich der Rachkriegsfolgen.

Ministerialdirektor Z a r d e n vom Reichs­finanzministerium gab darauf folgende Erklärung ab: Die Reichsregierung verkennt die Be­deutung des Problems der Wohlfahrts­erwerbslosenlasten nicht. Sie kann ab^r im Hinblick insbesondere auf die ungeklärten außenpolitischen Verhältnisse im Augenblick eine Erweiterung der bisherigen Maß­nahmen nicht in Aussicht st eilen. So­bald hier eine gewisse Klärung erfolgt ist, ist sie gern bereit, das Problem der Wohlfahrts­erwerbslosenlasten zum Gegenstand weiterer Ver­handlungen im Reichsrat zu machen.

er öfter-

rten zu

nicht und wiesen ihm den Stall als Rachtlager an. Dte Mutter, eine habgierige Frau, unter­suchte das Gepäck des Fremden und sand einen großen Geldbetrag vor. Sie wollte nun ihren Mann überreden, den Unbekannten zu erschlagen, um sein Geld zu rauben. Der Mann wollte das nicht und ging in das Wirtshaus, in dem sein Sohn vorher gewesen war. Der Wirt konnte nun sein Geheimnis nicht länger behalten. Der Vater hörte die Geschichte des Heimkehrers, eilte sofort wieder nach Hause, fand jedoch seinen heimge­kehrten Sohn nur noch als Leiche vor. Die Mutter hatte bereits allein die Untat verübt und dem eigenen Sohn ohne ihn zu erken­nen, den Hals durchgeschnitten.

Das Opfer einer Schußfalle.

Das Greifswalder Schöffengericht verurteilte den Privatfi'rfter Blinzler aus Bugrow der durch eine Aum Wi df ng c usge' e'lte Schußwöf e - falle am 21. Rovemver v. 3. den Tod der 50 Jahre alten Ehefrau des.Rittergutsbesitzers v. Hen­nig herbeigesührt hatte, zu sechs Monaten Gefängnis mit Strafaussetzung nach Verbü­ßung von drei Monaten. Die Verhandlung er­gab den einwandfreien Beweis, daß nur eine Fahrlässigkeit des Försters Vorgelegen hat.

Eine grauenhafte Tragödie spielte sich nach einer Meldung Berliner Blätter aus Passau in dem Döhmecw^ld-Srrnzsiä)ichrn Reuern ab. Dort kehrte plötzlich ein verschollener, schon längst auf der Totenliste stehender ehemaliger öster- reichischer Soldat aus Sibirien zu­rück, wohin er seinerzeit als Kriegsgefangener gekommen war, Rieniand erkannte ihn, aber einem Gastwirt gab sich der Zurückgekehrte zu erkennen. Um seine Eltern zu überraschen, erbat er sich dann in seinem Vaterhaus ein Racht- quartier. Auch die Eltern erkannten den Sohn

Aus aller Welt.

Generaloberst Freiherr von Lyncker f.

3n Demnitz bei Fürstenwalde a. d. Spree starb im fast vollendeten 79.Lebensjahre der ehe­malige Chef des preußischen Mili­tärkabinetts Generaloberst Moritz Frhr. von Lyncker. Der Verstorbene, der seinen Wohnsitz in Potsdam hatte, war Vortragender Generaladju­tant des ehemaligen Kaisers. Er besaß den Schwarzen Adlerorden und den Pour le M£rite.

Demonstrationen gegen Graf Keyserling.

Als der Darmstädter Philosoph Graf Keyser­ling, der sich gegenwärtig auf einer Dor- tragsreise durch die Schweiz befindet, in Zürich sprechen wollte, kam es wie tags zu­vor in Lausanne auch dort zu lärmenden Kundgebungen. Junge Leute warfen Gas- und Stinkbomben in den Saal. Die Polizei räumte den Saal von den Demonstranten, worauf der Vortrag ungestört zu Ende geführt werden konnte. Der Protest soll sich vor allem gegen einen kürzlich erschienenen Artikel von Graf Key­serling richten, in welchem sich dieser abfällig überdieSchweiz geäußert haben soll.

Elly Beinhorn in Rangun.

Die Fliegerin Elly Beinhorn ist auf ihrem Weiterflug von Kalkutta nach Riederlänoisch- Indien in Rangun gelandet. Ende dieser Woche will Elly Beinhorn nach Bangkok fliegen, wo sie sich mit der Tokiofliegerin Marga v. Ehdorf treffen will, die mit ihrem kleinen Iunlersflugzeug von Tokio nach Deutsch­land unterwegs ist.

Große Devisenfchiebung zwischen London und Berlin aufgedeckt.

Die Zollfahndungsstelle Berlin ist einer groß- angelegten Devisenschiebung auf die Spur gekom­men. Im Verlauf der Ermittlungen wurde der Vertreter des Londoner Vankhauses Singer und Friedländer, Dr. G u t h e r z, aus dem O-Zug BerlinPrag heraus verhaftet. Weiter wurde der Inhaber eines Berliner Dankkommis­sionsgeschäfts, Palari, fest genommen. Weitere Festnahmen stehen bevor. Von den Guthaben des Londoner Bankhauses Singer und Friedländer wurden bisher über 500 000 Reichs­mark beschlagnahmt und sichergeftellt. An den Schiebungen soll noch ein drittes Bankhaus beteiligt sein. Das Bankhaus Singer und Friedländer hotte die Genehmigung, für eine Million Nominalwert deutsch? Schuldverschrei­bungen auf gesetzlichem Wege gegen Vorzugsaktien der Deutschen Reichsbahn auszutauschen. Die De­visenstelle hatte die GenehmigungzurAus- fuhr dieser Vorzugsaktien erteilt. Die englische Vankfirmo hat aber davon keinen Gebrauch ge­macht, sondern die Reichsbahnvorzugsaktien im Gegensatz zu den gesetzlichen Bestimmungen i n Deutschland verkauft. Gutherz bezahlte mit den auf diese Weise hereingenommenen Reichsmark, die Schulden von Engländern an deutsche Gläubiger und verhinderte so, daß engliscye Devisen nach Deutschland flössen.

Der Feuerüberfall bei Tribsees.

Bei der Vernehmung der vier aus dem Rostocker Bahnhof verhaftcten Berliner Einbrecher, die, wie gemeldet, mit Landjägern in der Nähe von Tribsees ein Feuergefecht hatten, konnte auch der vierte offenbar der An­führer der Bande festgestellt werden, der be­reits mit 14 Jahren Zuchthaus vor­bestraft, aber 1928 amnestiert worden ift Die Verhafteten bestreiten, das Feuer auf die Land­jäger eröffnet zu haben. Sie leugnen auch, bei ihrer Fahrt nach Naumburg nach Tribsees einen Ein­bruch verübt zu haben. Die bei ihnen gefundenen 470 Mark wollen sie bei Gelegenheits­arbeiten verdient haben, lieber die Herkunft der Waffen verweigerten sie noch wie vor die Aus- sage.

Den (ofgcglaubfen Sohn ermordet.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 22.Januar 1932.

Rote Nasen.

Die rote Nase kommt vom S.....!" Nein, das

tut sie nicht, oder doch nur in recht seltenen Fällens Dies fei zunächst einmal zur (Ehrenrettung aller derer gesagt, die dieses unangenehme Wahrzeichen im Gesicht tragen.

Von roten Nasen gibt es zweierlei Arten, näm- lich solche, bei denen es sich nur um eineflüchtige" Nasenrote handelt, und andere, deren Nasenröte eine bleibende" ist.

Die Entstehung der flüchtigen Röte beruht auf einer durch Kälteeinwirkung hervorgerusenen Zu­sammenziehung der Blutgefäße in der Haut der Nase, die sich beim Eintritt in ein warmes Zimmer wieder erweitern. Solcher roter Nasen sieht man jetzt im Winter gar viele), allein diese Art von Nasenröte verschwindet bei längerem Aufenthalt in geheizten Räumen meist fast vollständig. Nervöse Menschen, besonders junge Mädchen und Frauen, oder Personen, deren Blutzirkulation aus irgend­einem Grunde nicht in Ordnung ist, werden leicht von solcherflüchtigen" Nasenröte befallen.

Neben der Winterkälte führt bei diesen besonders dafür disponierten Menschen auch der Genuß heißer oder scharf gewürzter Speisen und endlich auch der Alkohol, zu der so peinlichenroten J)lgje".

Diebleibende" Nasenröte verdankt ihre Ent­stehung dem häufigen wiederholten, sozusagen chro- nischen Einfluß der erwähnten Schädlichkeiten in erster Linie Es gibt indessen dafür auch noch eine Reihe anderer Ursachen. So kann z. B. der ständige Druck einer schlecht, d. h. zu fest aufsitzenden Brille oder eines Kneifers zu örtlicher Blutstauung und chronischer Gefäßerweiterung, also zur roten Nase, führen. Nicht selten hat auch die Verwendung schlechter Seife schuld. Weiterhin können Erkrankun- gen innerer Organe, besonders beim weiblichen Ge- schlecht, eine ursächliche Rolle spielen. Schließlich führen auch bisweilen Erkrankungen der Nase selbst ober ihres Innern zu einer bleibenden Nasenröte.

Glücklicherweise braucht sich kaum jemand, den eine rote Nase verunziert, tatenlos in sein Schicksal zu ergeben.

Gegen die flüchtige Nasenröte hilft oft das Auf­legen eines kleinen, benzingetränkten Tüchleins aus Mull. Dem Besitzer einer dauernd roten Nase sei zunäckst empfohlen, heiße Getränke, vor allem Tee und Kaffee, ebenso wie scharf gewürzte Speisen zu meiden, den Alkohol beiseite zu lassen und möglichst auch bas Zigarettenrauchen aufzugeben. Die beiben letzteren Verbote werben gewiß auch sonst ber Ge- sunbheit nur bienlich fein. Selbstverständlich darf man nicht erwarten, ein in bet ganzen Körperanlage ursächlich mitbebingtes Leiden in kurzer Zeit be­seitigen zu können.

Wo die angegebenen kleinen Maßnahmen zur Be­seitigung der Nasenröte nicht ausreichen, da nehme man ärztliche Hilfe in Anspruch. Dem Arzte stehen eine ganze Anzahl Methoden zur Verfügung, die in den meisten Fällen, wenn nur Arzt und Patient genügend Geduld aufbringen, zum Ziele führen und zum Verschwinden bringen das leidige Nebel der roten Nase". Dr. C. K.

Weitere Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in Hessen.

Im Volksstaat Hessen sind nach den neuesten Ermittlungen des Hessischen Landesstatistischen Amts die von den Arbeitsämtern anerkannten, bei den Dezirksfürsorgestellen gezählten W o h l- fahrtserwerbslos'en gegenüber dem Vor­monat von 33027 auf 36033 am 31.De­zember 1931 gestiegen, ihn die gleiche Zeit deS Vorjahres waren 21 843 Wohlfahrtserwerbslose ermittelt worden. Die Zunahme im Laufe des Monats Dezember war besonders erheblich in den Bezirken Offenbach, Mainz und Worms. In der Stadt O s f e n b a ch ist jetzt jederzehnteEin- wohner Wohlfahrtserwerbsloser. Da dort auch sehr viele Empfänger der Arbeits­losenversicherung, der Krisenfürsorge, wie auch unterstützte Sozialrentner, Kleinrentner usw. vor­handen sind, sind rund gerechnet inderHälfte aller Offenbacher Haushalte Emp­fänger von ilnterstützungen vorhanden. Rur einige ländliche Fürsorgeverbände Ober- hcssens wiesen einen ganz geringfügigen Rück­gang der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auf.

Vornottzcn.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater Gießen,Lumpacivagabundus", 20 bis 22.30 Uhr. Bund Haus und Schule, 23 Uhr, Johannes-Saal, Familien-Abend. VHC., 20 Uhr, Hörsaal der Rervenklinik, Vortrag ,Ueber den Rennweg von Thüringen zum Rhein". Lichtspielhaus, D h chof tra'e:5>:r kleine Seiten­sprung". Aftoria-Lichtspiele, Seltersweg:Die Todesfahrt im Weltrekord" undDer Leidens­weg einer Mutter".

Aus dem Stabtthea'terbüro wirb uns geschrieben: Heute als 15. Vorstellung im Frei- tag-Abonnement zum letzten MaleLumpacivaga- bunbus", Zauberposse mit Gesang von Johann Nestroy, Musik von Adolf Müller. Die letzte Ge­legenheit, diese erfolgreiche, mit Lachen unb Jubel begrüßte heitere Posse in ihrer Silvesteraufmachung 3u sehen. Gesang, Tanz, Akrobatik sorgen neben ben schauspielerischen Leistungen für Abwechslung unb überschäumende Laune. Spielleitung Karl Heyser, musikalische Leitung Fritz Cujä, Tänze Ewald Bäulke. Sonntag, 24. Januar, 18.30 Uhr, Frern- benvorstellung zu ermäßigten Preisen:Verstehen wir uns?", Zeitstück in 3 Akten von Peter von Preradovic. Auguste Prasch,Grevenberg, Ehrenmit­glied des Meininger Landestheaters, als Gast in ber Rolle ber Großmutter.

Der Obst- unb Gartenbauverein Gießen veranstaltet am Sonntag, 24 Januar, 15.30 Uhr, im Saale von Faulstich, Bahnhofstr. 57, einen Vortrag. Kreisobstbauinspektor E n k l e r wirb über das ThemaQualitäts-Obstbau" sprechen. Näheres ist aus ber heutigen Anzeige ersichtlich.

Taten für Freitag 22. Januar.

1729: Der Dichter Gotthold Ephraim Lessing zu Kamen» in der Lausitz geboren: 1775: der Physiker Andrä Marie Ampöre in Palognieux geboren: 1788: der Dichter Lord Dhron in Lon­don geboren: 1849: der Dichter August Strind- berg in Stockholm geboren.

** Konfirmation unb Notzeit. Das Evang. Lanbeskirchenamt hat in feinem Verorb- nungsblatt vom 31. Dezember v. I. darauf hingewie- fen, baß in bezug auf bie Kleidung der Konfirman­den bei ben kommenden Konfirmationsfeiern größte Einfachheit unb Schlichtheit In diesem Jahre ganz besonders am Platze sei. Den Pfarrämtern ist auf- gegeben, darauf hinzuwirken, baß enblich von bem Prunk, ber sich im Laufe ber Jahre eingebürgert hat, Abstand genommen wird.