Ausgabe 
21.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadt

Gefallenen-Gedenkfeier alter Soldaten

vor dem 116er Denkmal eine Gedächtnisfeier

ihren umflorten Fahnen und ein Zug unserer

dem Denkmal Aufstellung. Eine große Menschen-

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menge umsäumte rundum den Denkmalsplatz.

Um 11 Uhr wurde die Gedenkfeier mit Choral­musik der Kapelle Einbrodt eingeleitet. Hierauf

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für die gefallenen Kameraden der feld­grauen Front des Weltkrieges. Die Vereine mit

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Die" Arbeitsgemeinschaft der militä- rischen Vereine unserer Stadt oeranstal- 1 i Landgr<rf-Philipp-Platz

Nummer sind zwei gleich !

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sen. verdunkelte Aordgewässer, Wasserfälle bis zu 800 Meter Höhe, liebliche Täler und Städte dul­den die Schönheit der norwegischen Küstenland­schaft. Herr K l e m m r a t h zeigte und erläuterte die von ihm selbst aufgenommcnen ausgezeichneten Lichtbilder, Herr Stroh gab zwischendurch eine packende Reiscschilderung und Herr Waden- p f u l, ein dritter Reiseteilnehmer, bediente mit Geschick den Apparat. Tas Streichquartett W a - nihek. ©riefe mann, Dietrich und Schubert II. von der Reichswehrkapelle trug durch seine künstlerischen Dorträge wesentlich zur Verschönerung des Abends bei.

** Wetterberichte von der Rord- und Ostsee. Die Paddlergilde Gießen bittet uns um Veröffentlichung der nachstehenden Mit­teilung des Reichsverkehrsministeriums: Einem langjährigen Wunsche der mittleren und kleineren Seeschiffahrt, der Küstenfischerei und des Was­sersports wird noch im Laufe dieses Jahres entsprochen werden können. Auf Grund von Ver­handlungen zwischen dem Reichsver'ehrsministe- riums und der Deutschen Welle sollen täglich fweimal eingehende Wetterberichte für die ge- amte Rord» und Ostsee gegeben werden. Die Sendung der Wettermeldungen wird im Pro­gramm des Deutschlandsenders voraussichtlich am 21. Rovember erscheinen, sobald die erforderlichen technischen Vorbereitungen für die schnellste Rach­richtenübermittlung zwischen der Deutschen See­warte in Hamburg, die die Meldungen absaßt, und dem Deutschlandsender hergestellt sein werden.

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Gießen, den 21. Rovember 1932.

- Ausgabe des zweiten Bezugs­scheines für verbilligtes Frisch­fleisch. Derzweite Bezugsschein für die Durch­führung der Winterhilfsmaßnahme zur Verbilli­gung von Frischfleisch für die hiljsbedürstige Be­völkerung, der die Zeit vom 1. bis 31. Dezember umfaßt, wird in den nächsten Tagen an die für die Verausgabung des ersten Bezugsscheines an­gegebenen Stellen gesandt Werdern Die Dertei- lling erfolgt nach denselben Zahlen wie die Ver­teilung des ersten Bezugsscheines unter Berücksich­tigung der Rach'oroerungen. Die beiden Ab­schnitte des Bezugsscheines haben eine Gültigkeits­dauer vom 1. bis 31. Dezember

* E i n Fünfundsiebzigjähriger. Der Invalide Ludwig Hofmann, wohnhaft Neu­stadt 37 II, kann am heutigen Montag seinen 75. Ge­burtstag feiern.

Der BundHaus und Schule" ver­anstaltete am Freitag einen Familienabend im 3o- hannessaal. Steuerinspeitor Klemmrath und Prokurist Stroh beendeten ihren Lichtbildervor­trag überEine Rordlandfayrt". 3n Wort und Bild führten sie ihre Zuhörer auf ihrer Rückreise zunächst nach Hammersest, wo die Bereitung des Stockfisches eine Hauptrolle spielt. Der Lyngen- fjord, auchnordische Riviera" genannt, ein Lappenlager, die Inselgruppe der Losoten, Kri- stiansund, Aalesund, Merok und besonders der 187 Kilometer weit ins Land einschneidende Sognefjord fesselten des weiteren das Interesse. Steil aufsteigende Berge mit vorspringenden Fel-

3n ganz besonderem Maße aber find wir, die alten Soldaten, dazu verpflichtet, das Gedächtnis der Toten lebendig zu halten, denn es waren unsere Kameraden, die da draußen schlum­mern: wir haben sie gekannt, sie gingen an unserer Seite im gleichen Schritt und Tritt, und manchen von ihnen haben wir ins brechende Auge gesehen. Mögen wir selbst an der Front gestanden oder in der Heimat unseren Dienst ge­tan haben oder noch zu jung gewesen sein, um Dienst zu tun: ich schließe alle ein, die Gemein­schaft mit uns haben, die von dem Geist ergriffen sind, der diese Toten trug und die sich in Ehr­furcht neigen vor der Größe ihres Opfers.

Es schien eine Zeitlang, als seien auch unsere Toten vergessen. Als der Krieg zu Ende war, da galt der Soldat nicht viel. Man wollte nichts mehr hören von jenen harten und schwe­ren Dingen, sondern sehnte sich nach Frieden und Brot, nach leichterem und lässigerem Leben, nach Glück und Genuß. Der Feldgraue stand im Win­kel. Man holte ihn wohl noch heran zum Einsatz gegen Ruhestörer, zum Grenz- und Dandenkrieg, aber Dann schob man ihn wieder ab und verach­tete ihn heimlich als Landsknecht. Andere Men­schensorten tarnen in die Höhe, Gewinnler aller Art, deren üble Ramen ich hier nicht nennen will, Konjunkturjäger und Geschäftemacher. Der Soldat sah die besten Stellen von anderen besetzt. Er stand im Dunkel. Das sogenannte bürgerliche Le­ben ging über ihn hinweg: man verkannte seine Leistung, wußte nichts von feinen Tugenden, lächelte über feine Rückständigkeit. Die schweren Jahre an der Front waren wie ausgelöscht. Man­cher ist bitter geworden in dieser Verkennung. Aber was uns aufrecht hielt, war die Erinnerung an unsere Toten. Mochte es uns schlecht gehen: jenes Opfer war größer: mochte man uns miß­verstehen wir waren mit jenen verbunden, die an der Front schlafen: mochten wir leiden unter dem Geist der Zeit jene da draußen hatten mehr gelitten. Das machte uns still, das gab vielen von uns die Kraft zum Ertragen.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Heute gilt der Soldat wieder etwas. Man fühlt, daß es ohne ihn und sein strenges Gesetz nicht geht. Man merkt, dafe ein Volk weder durch abstraktes Denken, noch durch kluge Reden und parlamen­tarisches Verhandeln aufgebaut werden kann, und daß es die' Rur-Bürger nicht verstanden haben, Herrschaft auszuüben und die Ration zu formen.

Ulan erkennt, daß es mit dem Geist von Wei­mar, mit Bildung, Kunst und Wissenschaft, mit schönen Gedanken und geistvollen Doktrinen allein nicht getan ist, sondern daß auch der Geist von Potsdam in deutschen Landen wehen muß, und daß das deutsche Leben zwischen den beiden Polen Weimar und Potsdam in fruchtbarer

Spannung schwingt.

So erinnert man sich des Soldaten. Und fein Deist fängt wieder an, die Ration zu prägen. Groß steigt das Führerideal, wie der Soldat es schaut, hinauf über die Vorstellungen politischer Ideologen und Doktrinäre, wie sie bei uns leider zahlreicher sind als bei anderen Völkern. Der s o I- datische Mensch beginnt die deutschen Dinge wieder zu lenken aus den Grundkräften seiner Ratur: aus kühlster Beurteilung der Lage, aus der Erwägung letzter Möglichkeiten und dem un- bebingten Mut zur Verantwortung. Im Inner­sten sehnt sich das Volk nach einer starken, un­bestechlichen, rein sachlichen Füh­rung. Die Jugend insbesondere begreift, dafe es ohne Einordnung und freiwilligen Dienst nicht geht. Sie erlebt es wieder am eige­nen Leib, daß der Adel des Menschen im rech­ten Gehorchen und rechten Befehlen liegt. Lleberall entstehen Kameradschaften, Orden und Bünde, die soldatische Struktur haben. Ich denke da weniger an das Aeufeere, an die Uni­formen und die Gamaschen, als an die innere Hal­tung, den straffen Geist und jenes edle und männ­liche Derbundenheitsbewußtsein von Mann und Mann, von Mann und Führer, von Führer und Volk. Die beste Jugend ordnet sich nach dem kri­stallenen Gesetz der Zucht. Lind die Parteien, sie scheiden soldatische Formationen aus sich heraus und sehen in diesen ihr Mark und ihren Kern. Lind geht hinaus in die Arbeitslager: auch dort waltet jener Geist echter Kameradschaftlichkeit und freiwilliger Llnterordnung und verantwort­licher Führerschaft. Der soldatische Mensch erlebt ein Erwachen, und seine Lebensform durchdringt die Ration. Woher dieser Wandel? Die Gründe sind zahlreich. Es scheint, daß die Kräfte, die unsere alte Geschichte geformt haben, wieder zum Durchbruch gekommen sind, und dafe

durch den Schutt unseres Riederbruchs Seime einer n^uen Gestattung empordrängen, die in den tiefsten wesensgründen des Volkes wurzeln.

folgte

d.e Gedenkrede von Prof. Or. Adolph.

Kameraden! Wir feiern das Gedächtnis u n ferer Gefallenen. Schon einmal in diesem Jahr haben wir der Toten gedacht: der Toten von Langem ar ck. Von neuem überwältigte es uns, wie jene jungen Regimenter singend dem Feind ent­gegenstürmten, wie sie dahinschwingend auf der Woge des Liedes vom Tode erfaßt und weggerafft wurden. Dieser Tod der jugendlichen Stürmer ist zum Symbol geworden, zum ewig leuchtenden Sinnbild für ein Leben, das sich aus UeberfüUe heraus verschenkt, das im Uederschwang dahin­strömen kann, weil es sich getragen weiß von der Macht einer Idee.

Dieser Tod von Langemarck wird immer seinen Glanz behalten, so lange deutsche Menschen noch ergriffen sind von der Schönheit einer unbedingten Hingabe, so lange sie noch glauben an eine Vollendung im Opfer, so lange sie etwas haben, für das es sich zu sterben lohnt.

Wahrlich, der Tod dieser Jugend war nicht umsonst, wenn er zeugend weiterwirkt und andere mithineinreißt in die Flutyewalt des gleichen Wol­lens, wenn die Fackel, die jene fallen ließen, weiter- zündet in den Herzen der Kommenden und der Rhythmus des Liedes, das sie sterbend auf ihren Lip­pen hatten, fortklingt in unserem Blute: Deutsch­land, Deutschland über alles ...

Aber es gibt noch einen anderen Tod. Jene Stürmer von Langemarck fielen im ersten Kriegs­jahr, hingerissen von der Welle ihres Jugend- muts, ihrer Gläubigkeit, ihrer ungebrochenen Siegeszuversicht. Hinter ihnen stand der geschlos- ifene Wille der Ration, der sie trug und sie in ihrem Sterben segnete. Aber wir wissen noch von einem zweiten Tod: jenem Tod der a 11 g e to o r - denen Kämpfer, die ihm hundertmal ins Auge geschaut hatten, als er zum letztenmal an sie herantrat. Ihr graues Kleid war abgenutzt und verschlissen, ihre Haut verschrammt. In ihren Augen stand das Wissen von ungeheueren Din­gen und letzten Geheimnissen. Ihre Gesichter waren ausgemeißelt und ausgemergelt vom Schicksal. Aus ihren Stirnen lag drohender Ernst, in ihren Augenhöhlen düstere Trauer, auf ihren Livpen Entschlossenheit. Sie erlebten den Krieg nicht wie jene ersten als Sturmwind, der ihnen durch die Locken fuhr, als farbiges Abenteuer und brausendes Geschehen, sondern als bittere Rot­wendigkeit, als ehernes Gesetz und herrischen Zwang. Die Romantik war verrauscht: aber es blieb die Pflicht. Sie saßen in ihren Erdlöchern, im Niemandsland, die Handgranate neben sich, den Finger am Abzug des Maschinengewehrs. Sie saßen, vom Stahlhelm überdacht, Auge in Auge mit dem Grauen, Leib an Leib mit wuch­tender Liebermacht, in Rässe und Gram. Sie wußten, daß sie nicht wieder nach Haule kom­men würden, und die Hoffnung auf Sieg schwand langsam dahin. Aber sie hielten aus und gingen ihren Gang. Lind starben im klaren Bewußtsein der Rotwendigkeit, prunklos und still, in steter, männlicher Treue. Dies ist der zweite Tod neben jenem anderen, nicht vom Strahlenglanz des Ruhmes umwoben, aber nicht minder machtvoll und groß,

ein Zeugnis des Frontsoldaten, wie ihn der Krieg schuf, wie er heranwuchs, ;um Typus des kampfgewohnlen, schicksalsstarken, todbereiten deutschen Menschen.

Dieses Sterben steht heute vor unseren Augen: das Sternen der Kriegsfreiwilligen im ersten Lieberschwang und das Sterben jener alten Frontkämpfer, die gereift und gestählt waren in der Schule des Krieges, die hart, männlich wis- sind, beinahe sachlich geworden waren in ihrem grauen Dienst, und die gezeichnet waren vom Leid. Rie werden wir dieses deutsche Sterben vergessen, dessen Tiefe kein Mund aussagen kann, das abgründig ist wie das Meer, an dessen Heldentum kein Wort heranreicht. Das ganze Volk hat ein Anrecht darauf, sich den Sinn dieses Opfers immer von neuem zu verdeutlichen, um es fruchtbar zu machen für die deutsche Zukunft.

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Die selbstsüchtige Vereinzelung der bürgerlichen Spätzeit wird überwunden. Der Mensch will nicht mehr nur er selbst, sondern Glied eines höheren Ganzen (ein. Man fühlt, daß alles zerfallen muß, wenn es nicht zu neuen Bindungen kommt. Der Sinn für das Heldische ist wieder erwacht. Und dann, glaube ich, hat sich bei dieser Umlagerung der deutschen Dinge auch das als mächtig erwiesen, dessen wir heute gedenken: das Opfer unserer Toten. Dieses Opfer hat weitergeglüht unter der Moderdecke deutscher Fragwürdigkeit. Und nun ist die Flamme durchgeschlagen und loht. Jedes große Bei­spiel wirkt. Jede echte Tat zündet und zeugt. Der unbedingte Einsatz reifet zur Nachahmung hin. Jene Totensaat geht auf in den Herzen der Edlen und unserer Jugend, und der deutsche Wille sammelt sich zu neuem Vorstoß in die Zukunft hinein.

Wir können uns darüber freuen, daß die solda tische Idee: Einordnungswille, Dienst­bereitschaft, Gehorsamsfreudigkeit wieder Wurzel schlägt im deutschen Land. Doch wird unsere Freude hierüber durch eine schmerzliche Er­fahrung getrübt, die in ihrer Art wieder ganz deutsch ist. Scheint es nicht, als gingen tiefe Risse nicht nur durch das Doll im ganzen, sondern gerade auch durch die Welt der alten Soldaten und derer, die in den Rahmen einer männlichen Ordnung hin­einwachsen wollen? Sind die, die sich im gleichen kameradschaftlichen Geist verbunden wufeten, nicht gespalten? Ist die feldgraue Front nicht zer­sprengt? Ich brauche nicht an unsere politischen Verhältnisse zu erinnern, die vor aller Augen lie­gen: Soldaten stehen in allen Lagern, Soldaten hoben sich gegenseitig abgegrenzt und sind bereit, einander zu bekämpfen. Der deutsche Weg wäre klar, wenn alle Soldaten zusammenhielten und einen unebsieglichen Block inmitten des Volles bil­deten. Aber so ist es nicht. Die Wege gehen ausein­ander. Die gleiche Erziehung, das gemeinsame Er­leben und die Kameradschaftidee haben es doch nicht vermocht, uns bis ins Letzte zusammenzuschweißen zu einem unzerreißbaren Ganzen. Und wir wollen nichts verschleiern, keine Grenzen verwischen und in unklaren Gefühlen machen: wenn die Trennung Wirklichkeit geworden ist, so muß sie durchgekämpft werden. Und Soldaten fürchten den Kampf nicht. Nur eines möchte ich sagen:

es kann auch im stampf eine tiefere innere

Verbundenheit und gegenseitiges verstehen geben.

Haben wir im Krieg doch auch den Gegner ge­ehrt. der ehrlich focht: haben wir doch auch vor dem toten Feind das Haupt in Ehrfurcht gesenkt und ihm ein grünes Reis aufs Grab gepflanzt. Lind sollten wir Deutsche nicht imstande sein, bei aller Meinungsverschiedenheit uns ritter­lich zu begegnen? Im politischen Gegner den alten Kameraden zu ehren und uns mit ihm auf einen Boden zu stellen, der höher liegt als die schnöde Plattform der Tagespolitik: auf den Boden der alten Waffenbrüder­schaft, des gemeinsamen soldatischen Empfin­dens, der männlichen Achtung?

Und noch ein anderes, denke ich, müßte uns zu­tiefst vereinen: die gleiche Verbundenheit mit unserem Volk. Wir Soldaten kämpften und kämpfen nicht für irgendeinen imaginären Ehr­begriff, oder eine abstrakte Kommandogewalt: wir sind keine Freibeuter und Lands­knechte, wir wurzeln im Volk, wissen uns vorn Volke getragen, leben aus Geist und Kraft des Volkes. W i r l e l b ft sind Volk. Nicht das Volk im dumpfen Massenwahn und Klassenhaß, nicht das Volk der Wurzellosen, der Individualisten, Literaten und internationalen Schwärmer, sondern das Volk, das in der Ordnung steht, das sich seine Form gibt, das Bindungen kennt: das Doll, das in Reih und Glied tritt, das sich formiert: das ewige, sich nach feiner Gestalt sehnende Doll.

Das Volk, das nicht Willkür will, noch mecha­nischen Zwang, sondern die stolze Hingabe der

Freien an da», was größer ist als sie.

Diese Bolksform, um die das deutsche Leben ringt, diese wahre Volksgemeinschaft hatten wir an der Front aufgebaut. Dort mar sie Wirklichkeit. Wie soll sie heute geschasfen werden, wenn nicht aus dem gleichen Geist, aus dem Urerlebnis der Front, wo der Deutsche im Deutschen den Bruder sand? Dieses Urerlebnis ist nicht tot: es bleibt uns heiliges Vermächtnis, Wurzelfchoß der Zukunft und das Geheimnis neuen Werdens. Für diese lebendige Volksidee, die sie selbst ahnungsvoll verkörperten, sind unsere Brüder ge­fallen, die Stürmer von Langemarck und die alten trotzigen Frontsoldaten. Diesem deutschen Doll, das da ist in allen seinen Kindern, das aber die Form seines Wesens so schwer und selten findet, fühlen wir uns verbunden. Und dieser gemeinsame Dienst am Doll wird uns alte Soldaten, uns Kameraden von einst, über deren Häuptern die gleiche Fahne wehte, und unsere jungen Marschgenossen bei oller Gegensätzlichkeit, die vielleicht notwendig und deut sches «Schicksal ist, davon avhalten, die Brücken zwi- schen uns abzubrechen, uns innerlich fremd zu werden, oder gar einander zu schmähen. Wir wol­len den Degen senken vor jedem Gegner, der uns im Tiefsten artverwandt ist, weil auch er soldatisch denkt und handelt.

Lind schließlich ein Drittes: das Opfer der Toten mahnt. Die da draußen sind nicht für eine Partei gefallen, noch für eine Klasse oder einen Stand, sondern für Deutschland. Für das Deutschland, das sie kannten, für das Deutsch­land, das sie ahnten, für das Deutschland, das da kommt.

wir sehnen uns nach dem neuen Reich. Aber es wird nur aufgebauf werden aus dem Geist der Toten, der gemeinsamen Verbundenheit untereinander und für ein großes Ziel. Das Reich wird nur dann Bestand haben, wenn es aufgemauert ist auf den Grund unerschütter­licher Treue, der an der Front gelegt wurde, wenn es zusammengehalten wird vom kitt heiligen Opserblutes. wenn es beseelt ist vom Formgedanken latfroher Liebe.

Wir werden das Werk nur vollenden, wenn wir es nach Sinn und Plan der Toten weiterfüh­ren, wenn wir uns hineinstellen in den Strom, der ihren Gräbern entquillt. Rur dann, wenn wir ihnen schaffend verbunden bleiben und ge­sinnt sind wie sie, haben wir ein Recht, ihr Geden­ken zu feiern. Rur dann dürfen wir das Lieid vom gefallenen Kameraden aus ganzem Herzen singen, jenes Lied, das uns Erinnerung und Gelöbnis zu­gleich ist, aus dem uns die große Vergan­genheit heraufsteigt, und das uns in die Zu­kunft weist, in dem unsere Trauer klingt, und in dem uns eine Verheißung tönt. Möch­ten wir die Kraft find .1, diesem Liede zu leben. Möchten wir es immer mit tapferem Sinn und reinen Lippen fingen können. Das walte Gott!

Oer Abschluß.

Die feierlichen Klänge des Niederländischen Dank- aebetes folgten den außerordentlich eindrucksvollen Worten des Redners.

Anschließend legte Kaufmann Muller im Namen der Arbeitsgemeinschaft der militärischen Vereine mit Worten kameradschaftlichen Gedenkens und des Gelöbnisses treuerWei- terarbeit f ü r bas Vaterland im Sinne der gefallenen feldarauen Kameraden einen Kranz am Fuße des Denkmals nieder. Mit der Weise des LiedesIch hott' einen Kameraden" fand das ernste kameradschaftliche Gedenken seinen Abschluß.

Nach dieser Feier wurde auch am Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz ein Kranz zu Ehren der Kame­raden von 1870/71 niedergelegt.

Ein Schrecken liegt in der Lust.

Wie der Orkan auf Kuba hauste.

Von unserem st.-Berichterstatter.

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Havanna (via London), im Rovember 1932. Das Meer, in dem die verborgenen Schatzinseln liegen, und in dem einst die Dukaniere die Gold­flotten überfielen, liegt auch heute noch sehr fern vom europäischen Alltag. An seinen Küsten ver­birgt sich das Unerwartete und das Grauen, das oft, begleitet von den .Urgewalten der Elemente, das stolzeste Menschenwerk in we­nigen Minuten zerstört. Wenn auch unsere schöne Hauptstadt Havanna in den letzten Jahrzehnten von Naturkatastrophen verschont geblieben ist, und die prunkvolle Eintönigkeit unseres Tropenpara­diesesnur durch Revolutionen und Stu­dentenunruhen unterbrochen wurde, so ist unsere reiche Antilleninsel doch oft genug von furchtbaren Erdbeben und Wirbelstür­me n, denen Tausende von Menschenleben zum Opfer fielen, heimgesucht worden.

Die Rerven spüren es, wenn unserer Insel neues Llnheil naht. Eine drückende Schwüle lagerte über Havanna, selbst die Abendbrise, die uns hitze- geplagten Großstädtern ein Wenig Kühlung zu bringen psegt, blieb aus. Havanna fieberte! Aus Dem Äotfo, in dem die schönen Damen sich in ihrem Schmuck und in ihren neuen Toiletten be­wundern lassen, war es ausfallend still. In den Hafenkneipen, in denen der Zuckerrohrschnaps in Strömen fliefet, in denen das Messer allzu lose in der Scheide sitzt und schwarzäugige Frauen des Elendviertels vor fremden Matrosen dieEule- bra tanzen, War es unruhig. Die Polizei hatte Mühe, die Desperados im Zaume zu halten.

Die Atmosphäre wurde immer drückender ... ein Schrecken lag in der Luft. Dann plötzlich verbreitete sich die Rachricht, dafe der Eüdosten Kubas durch einen Tornado zerstört worden sei, eine Riesenwoge habe sich über das Alfer gehoben und habe al­les Lebende sortgeschwemmt. In Santa Cruz und in Puerto del Principe seien Tausende von Menschenleben ver­nichtet. Lind ebenso wie beim furchtbaren Erd­beben. das vor einem Jahre Santiago de Cuba in ein Trümmerfeld verwandelte, plünderten und beraubten wild gewordene Reger die Lieberlebenden der Katastrophe.

Eine Hiobspost folgte der anderen. Präsident General M a ch a d 0 ergriff sofort energische Maß­nahmen. Lieber die vom Tornado verwüsteten Ge­biete wurde der Belagerungszustand ver­hängt, Truppen wurden mobilisiert mit dem Be­fehl, die Ordnung wieder herzustellen und die Marodeure an Ort und Stelle zu erschießen. Hilfs­expeditionen wurden ausgerüstet, ein Regierungs­

dampfer mit Aerzten und Sanitätspersonal Wurde ins Katastrophengebiet beordert und reichlich Le­bensrnittel verladen, um einer Hungersnot vor­zubeugen. Man erfuhr, daß in der Stadt Santa Eruz, die etwa 4000 Einwohner zählt, mehr als 2500 Menschen von der Sturzflut getötet Worden Waren.

Grauenvolle Einzelheiten Wurden be­richtet: Das Meer und der Himmel schienen sich plötzlich in einem kochenden Chaos zu vereinen. Aus den Tiefen klang ein wildes Heulen. Die am Liser festgetauten Boote rissen sich von den Ketten los, wurden in die Luft geschleudert und dann von den Wogen verschlungen. Grofeere Fischer­dampfer Wurden an der Mole zerdrückt, als ob sie aus Pappe Wären. Die Palmen am Strande knickten um wieStreichhölzer, die Kronen trennten sich vom Stamm und Wurden hoch in den pechschwarzen Himmel gewirbelt. Die Dächer der Häuser lösten sich von den Mauern, die aus Baumstämmen gezimmerten Hütten Wur­den auseinandergerissen, und Menschen Wirbelten im Orkan durcheinander. Die elektrischen Anlagen Waren zerstört und durch das Dunkel klangen das Jammern und die Schreckensrufe der Verwun­deten.

Dann plötzlich, infolge eines Seebebens, ergoß sich das Meer in haushohen Wetten über die Stadt und drohte alles unter den Fluten zu begraben. Wer flüchten konnte, flüchtete. Männer und Frauen kletterten auf die Bäume, die der Sturm verschont hatte, und banden sich an den 'Heften fest, um nicht von den Windstößen mit fortgeriffen zu werden. Aber das Wasser stieg höher und höher, so daß viele in den Zweigen, von denen sie sich nicht mehr loslösen konnten, er­tranken, und nun als grausige Wasserleichen ge­borgen werden müssen. Viele Frauen waren beim Nohen des Tornado in die Kirchen geflüchtet, um der heiligen Barbara, die Macht über Unwetter und Erdbeben hat, psundschwere Kerzen zu weihen. An­dere begingen Selbstmord, als sie zusehen mußten, wie ihre Frauen und Kinder vor ihren Augen er­tranken, ohne daß sie helfen konnten.

Der Sachschaden ist ungeheuer. Die Zucker­rohrfelder in weitem Umkreise sind vernichtet, Tausende von Menschen sind obdachlos geworden, und alle ihre Habe ist verloren. Oeffentliche Samm­lungen und Regierungshilfe müßen dem allergröß­ten Elend zu steuern versuchen. Neben dem Süd- osten Kubas haben andere kleinere Antilleninseln unter dem furchtbaren Sturm gelitten. Die kleine Kaimaninsel soll vollständig zerstört sein, und auch aus Jamaika treffen Schreckensnachrichten ein. Die Bevölkerung Havannas ist aufs tiefste erschüttert.