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Hr.ll drttes Blatt

182. Jahrgang

Donnerstag, 21. Januar 1952

Erscheint täglich, außer Sonnlags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

Monats Bezugspreis.

Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Zerufprechauschlüsie unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach­richten Anzeiger Gieße».

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Dnid und Verlag: vrühl'fche Universilätr-V»ch. und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Sdfriftldhing und Geschäftsstelle: SchulNraße 7.

Annahme oon Anzeige» für die lagesnummer bis zum Nachmittag oorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen oon 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig: für Re- klarneanzeigen von 70mm Brette 35 Reickspfennig, Playvorschrist 20 . mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Dolitik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.IKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlurnschein und für den Anzeigenteil Mcyr Filler, sämtlich in Gießen.

England giblVerschiebung derTribuikonferenz bekannt.

Oie Vorverhandlungen ohne Ergebnis. - Oasprovisorische" Eröffnungsdatum des 25. Januar unmöglich.

Ein erster Erfolg der Pariser Verschleppungstaktik.

London. 20. Jan. (WIB.) Das J o r e i g n Office veröffentlich! ein Kommunique, in dem es heißt:

'Die Verhandlungen zwischen den an der Lausanner Konferenz hauptsächlich interessierten Re­gierungen sind noch nicht beendet. Ls liegt auf der Hand, daß die Konferenz nicht schon am 2 5. Januar, dem provisorisch festgesetzten Datum, eröffnet werden kann. Weitere Verhandlungen finden gegenwärtig statt. Vie britische Regierung hofft, daß binnen wenigen lagen eine b e - friedigende Vereinbarung über das ein- zusKlagende Verfahren zustande kommt.

2Uan glaubt, daß sich diese Verhandlungen min- beftens bis zu m^ Freitag hinziehen werden, da auch die parlamentarische Lage in Frankreich hierbei zu berücksichtigen sei. Sollte es noch möglich sein, irgendwelche Vereinbarungen zuslande zu bringen, so will die englische Regierung eine kurze Verschiebung der Konferenz um einige Tage anstreben und daran feslhal- len, daß die Konferenz von verantwort­lichen W i n i ft e r n beschickt wird. Trotz der Bemühungen um das Zustandekommen der Konfe­renz, werden die Aussichten für das Gelingen pessi­mistisch beurteilt. Offensichtlich laufen die gegen­wärtigen Verhandlungen darauf hinaus, eine Formel zu finden, die den Beteiligten, vor allem Frankreich, die Wöglichkeit läßt, das Gesicht zu wahren. DerStar" rechnet mit einer Sach­verständigenkonserenz, dieLmpsch­langen ausarbeiten wird. Diese sollten dann einer Konferenz im November vorgelegt werden.

linkt Hinweis auf die Mitteilung des5or- reign Office" erklärtTimes", die europäischen Staaten müßten ihr äußer st es tun, um f i ch selb st zu helfen, bevor f.e irgendeine Hilfe von Amerika beanspruchen. Selbstverständlich komme eine endgültige Lösung im Augenblick bei den vollkommen auseinander- gehenden Ansichten der Regierungen nicht in Frage. Aber man sollte Deutschland eine Ge­legenheit geben, zu erklären, was es zu sagen hat, um in gemeinsamer Beratung zu erwägen, was sofort geschehen kann. Die Tat­sache, daß in Frankreich und in Preußen bald Wahlen fällig sind, hat zweifellos eine starke Rückwirkung auf die Abrüstungskon­ferenz, ist aber kein ausreichender Grund, eine Reparationskonferenz aufzuschieben. Das Blatt wiederholt feine Erklärung, daß keine Rede von einer .gemeinsamen Front" gegenüber Deutschland oder gegenüber denDer- einigten Staaten sein könne, und bezeich­net die Behauptung, daß ein loser Aufschub eine Besserung bringen kann, als m e h r a l s t ö r i ch t.

Unsicherheit in Paris.

Paris, 21. San. (WTD. Funkspruch.) Die Tatsache, daß die Konferenz in Lausanne a m kommenden Montag nicht beginnen kann, wird in der französischen Presse verzeichnet, aber noch nicht allgemein kommentiert.Echo de Paris" schreibt, Reichskanzler Dr. D r ü n i n g be­reite sich darauf vor, einen vor zwei Jah­ren unterzeichneten Vertrag zu zer­reißen. England müste sich entscheiden. Wenn es an seiner Ideologie festhalte, sei alles zu be­fürchten. Frankreich dürfe es nicht dazu kom­men lassen, daß die Zeit gegen es arbeite, und daß der 1.3ult herankomme, ohne daß eine Entscheidung getroffen sei. Frank­reich müsse Deutschland zu spüren geben, daß es in vielen Dingen d i e Hilfe Frank- reichs nicht entbehren könne.

Rach Ansicht des .Matin" sei es falsch, zu behaupten, daß die Baseler Sachverständigen fest- gestellt hätten. Deutschland könnte nicht mehr be­zahlen. Sie hätten nur gesagt, es könne gegen­wärtig nicht zahlen. Auch hätten die Sach­verständigen nie die Annullierung des Doungplans ins Auge gefaßt, sondern für eine Gesamtberichtigung der Regierungsschul­den, also Reparations- und Kriegsschulden zu­sammen. Jetzt drohe Deutschland mit Initiative, die ernste Rückwirkungen auf das Ausland haben würden, aber Frankreich lasse sich keine Erpressungen gefallen.

Der Erekutivausschuh der R a d i k a l e n P a r- te i faßte gestern eine Entschließung, in der er­klärt wird, daß die Regelung der Zahlungen von Bolk zu Volk für die Wiederherstellung des all­gemeinen Wohlstandes gleichzeitig von allen Gläubigerstaaten vorgenom­men werden mühte, damit nicht ein Land, namentlich nicht Frankreich, uner­trägliche Lasten zu übernehmen hätte. Der Erekutivausschuh betont schließlich, daß d i e Wahrung der Rechte Frankreichs nicht die für die wirtschaftliche Organisierung Europas

und die Erhaltung de» Friedens unerläßliche deutsch-französische Verständigung verhindern dürfe.

Layton berichtigt sich.

Eine beschleunigte Endlösung dringend notwendig.

London, 21. Ian. (WTB Funkspruch. > Daily Mail hatte sich in ihrem gestrigen Leitartikel, in dem sie für Beibehaltung der Repara­tionen eintrat, auf die Londoner Rede Sir I. W. L a y t o n s vom 13. Januar berufen. Lay­ton sandte daraufhin dem Blatte eine längere Er­klärung, worin es heißt. Das Herausreißen eines Teiles seiner Rede aus dem Zusammenhang gäbe einen falschen Eindruck von seiner Haltung gegenüber dem Reparationsproblem Er habe in feiner Rede ausgcführt, daß es v i e I besser für alle Beteiligten einschließlich Eng­land sei, wenn die politischen 3af)lungen vollkommen annulliert würden Layton bespricht dann die überaus schädlichen Wirkungen der Reparationen und zieht aus dieser Darlegung folgende Schlußfolgerungen:

1. (Es Ist viel besser, die Kriegsschul­den zu annullieren, als das Risiko einer neuen Störung nach dem Vorbild

der Störungen der beiden letzten Jahre ein- zugehen.

2. (Es ist von größter Wichtigkeit, eine end­gültige Regelung s o schnell wie möglich zu erreichen, denn der Prozeß des Wiederaufbaues kann nicht beginnen, so lange diese Zahlungsverpflichtungen über der Welt hängen.

3. Wenn e» für die Bereifung eines Weges zu einer allgemeinen Vereinbarung nolroen- d i g ist, daß einige Zahlungen gelei­stet werden, um bestimmte Ausgaben zu decken, dann sollten die Deutschland aufer­legten Summen f o bescheiden sein, daß sie die Stellung des normalen Welthandels nicht ernstlich stören können. Layton betont schließlich, daß er im Einvernehmen mit seinen Kollegen vom Baseler Sachverständigenausschuh sest überzeugt sei, daß eine endgültige Festsetzung der deut­schen Verbindlichkeiten zum frühe st mög­lichen Zeitpunkt eine dringende Notwendigkeit für die Erholung der Welt fei.

DeMland leint eine provisorische Verlängerung des Sooverseierjghres ad.

Erneute englische Fühlungnahme in Berlin. Oer Reichskanzler spricht sich scharf gegen jeden Versuch einer erneuten Verschleppung der Konferenz aus.

Berlin, 20. Jan. ((ERB.) Aus London liegen Nachrichten vor, wonach die englische Regie­rung durch ihren Berliner Botschafter bei der Reichsregierung h a t sondieren las­sen, ob Deutschland mit einer Verlängerung des Hoooer-Woratoriums durch ein zwei­tes Fcierjahr einverstanden sein würde. Das ist, den englischen Informationen zufolge, von D r. Brüning abgeIehnt worden. Diese Darstel­lung entspricht den Tatsachen.

(Es ist richtig, daß Sir horace R u m b o I b am gestrigen Dienstag eine längere Unter­haltung mit dem Kanzler gehabt hat. (Eine andere Antwort, als Dr. Brüning ihm gegeben hat, konnte er schon deshalb nicht bekommen, weil die Verlängerung des Hoover-Jahres nur eine Maßnahme fein würde, die im Rahmen des Qoung-planes bleibt und öle L ö - f u n g erneut für längere Zeit hinaus- zögert. Außerdem würde ein zweites Hoover-Jahr die Uebernahme weiterer deutscher Verpflichtungen bedeuten. Die Sachver­ständigen, die ja schließlich auch von Frank­reich mitberufen worden sind, haben aber ausdrücklich festgestellt, daß Deutschland nicht zahlen kann, daß die Initiative zur Beseiti­gung der gegenwärtigen Schwierigkeiten über den Joungplan hinausgehen müssen, und daß Gefahr im Verzüge ist. Sie haben die Regierungen kategorisch aufgefordert, s o schnell wie möglich zu handeln. Dieser Bericht der Sachverständigen muh für die weitere Entwickelung mahgebend sein, wenn es gelingen soll, die Welt über die Krise Hinwegzubringen. Bis zum Ablauf des Hoover-Jahres, also bis zum 1. Juli, sind es noch über fünf Monate. Das ist nach

deutscher Auffassung eine ausreichende Zeit, um eine oernunftgemähe Lösung herbei­zuführen, die die Verlängerung des Feierjahres überflüssig machen würde.

Leider läht es Frankreichs Haltung aber immer zweifelhafter erscheinen, ob die Konferenz von Lausanne zu dem vorgesehenen Zeitpunkt be­ginnen kann. Die Wahl von Lausanne ent­spricht dem französischen Vorschlag, dem Eng­land und schließlich Deutschland zugeslimmt haben, obgleich namentlich die Reichsregierung gern einen anderen Konferenzort gesehen hätte. Frank­reich hat auherdem erreicht, dah der Konfe­renzbeginn verschoben wurde. Die sran- zosische Regierung hat zwar vermieden, zu dem Datum des 25. Januar ihre offizielle Zu­stimmung zu erflären. Bisher ist im letzten Stadium der Konferenzvorbereitung aber immer nur vom 25. Januar d i e Rede gewesen, und Frankreich hat schon durch sein Stillschweigen sein Einverständnis kundgegeben. Run scheint es jedoch, dah wegen des Datums neue Schwierigkeiten ausgetaucht sindl Man spricht schon davon, dah infolge des fran­zösischen Sträubens mit einer erneuten Verschiebung der Konferenz zu rechnen sei. Dieser Eindruck beruht vorläufig auf ausländischen Stimmen, die die Möglichkeit andeuten, dah Eng­land nichts anderes übrig bleiben werde, als die Einladung zur Lausanner Konserenz zurückzuziehen. Auch wenn diese Ankündigungen sich bestätigen, kann kein Zweifel darüber fein, dah d i e Reichsregie­rung mit aller Entschiedenheit gegen eine erneute Verschiebung der Kon­ferenz ist.

Die neue Phase der deutschen Zollpolitik.

Der deutsche Außenhandel für 1931 schließt bei einer Einfuhr von 6632 Millionen Mk. und einer Ausfuhr von 9206 Millionen Mark mit einem Ausfuhrüberschuß von 2.6 Milliarden Mark ab. 3m Verhältnis zu den Vorjahren be­deutet das wertmäßig eine starke Umwälzung, denn die Einfuhr erreichte 1930 10,2 Milliarden Mark, während die Ausfuhr ungefähr mit 12 Milliarden Mk. abschloh. Mengenmäßig ist da­gegen der Unterschied nicht so groß, denn die Veränderung hat sich hauptsächlich aus der Pr e i s s e i t e abgespielt, das heißt, nicht nur die Preise für Rohstoffe, Lebensrnittel und Halbzeug sind getunten, also sür die wichtigsten Einfuhr­waren, auch die Ausfuhrpreise für Fertigwaren konnten nicht annähernd auf der Hohe des Vor­jahres gehalten werden. Der Ausfuhrüberschuß von 1930 erfährt allerdings eine Einschränkung durch die Sachlieferungen in Höhe von 750 Mil­lionen Mark, während 1931 für nicht viel mehr als 320 Millionen Mark abgestohen wurde. Mit einem solchen Ergebnis des Außenhandels, wie es für 1931 vorliegt, konnten wir unter nor­malen Verhältnissen zufrieden sein, aber

da Die Verhältnisse nichts weniger als normal sind, bleibt ein Rest, der zu tragen peinlich ist.

Auch der Außenhandel Englands weift für 1931 eine ungewöhnliche Entwicklung auf. Wäh­rend 1929 für 24 Milliarden Mark Waren ein­geführt wurden, betrug die Ausfuhr rund 17 Mil­liarden Mark. Der Einfuhrüberschuß von 7 Mil­liarden Mark konnte aber durch andere Einnah­men aus der Zahlungsbilanz glatt abgedeckt werden, ein Vorgang, der sich im Knsenjahr 1931 nicht wiederholte Einer Einfuhr von 17,5 Milliarden Mark stand eine Ausfuhr von nur 9 Milliarden Mark gegenüber, so dah sich ein Einfuhrüberschuß von 8.5 Milliarden Mark er­geben hat. für dessen Abdeckung weder die Kapi­talzinsen noch die Einnahmen aus dem Frachten­verkehr ausreichen.

Rein zahlenmäßig gesehen liegen die Dinge also so. daß die deutsche Ausfuhr mengen- und wertmäßig zum erstenmal überhaupt die eng­lische Ausfuhr überholt hat. daß also das eingetreten ist. was England durch seine Teilnahme am großen Kriege verhindern wollte. Bei den englischen Zahlen ist noch zu

berücksichtigen, daß seit Ende September die eng­lische Währung abgeglitten ist. so daß die deutsche Ausfuhr wertmäßig mit etwa 500 Millionen Mark über Der englischen Ausfuhr liegen Durfte. Wir wissen, daß England diele ungewöhnliche Entwicklung feine- Außenhandels durch den 11 ebergang zum Schutzzoll zu bekämpfen sucht, wobei unverkennbar ist. daß diese Maß­nahmen sich in der Hauptsache gegen die deutsche Einfuhr richten. England hat durch den Boykott feiner Waren in Indien zweifellos schwere Verluste erlitten, was sich besonders darin zeigt, daß die Ausfuhr von Baumwollwaren von drei Milliarden Mark im Jahre 1929 auf anderthalb Milliarden Mark im Jahre 1931 zu­rückging, wobei wieder der Währungsverfall zu berücksichtigen ist. England hat bisher noch kei­nerlei Maßnahmen getroffen, um da» Pfund zu befestigen, so daß alle Länder die mit England im engen Warenaustausch stehen, eine Unsicher­heit und Ungewißheit in Rechnung stellen müssen, die Den Wiederaufstieg des internationalen Warenaustausches hindern

Unter diesen Umständen ist Deutschland z u Gegenmaßnahmen gezwungen worden Eie sind zunächst in der Rotverordnung vom 18. Januar 1932 enthalten, wobei die Umschrei­bung gewählt ist, daß die Einfuhr von Waren aus Ländern, die den Goldstandard aufgegeben haben, mit Ausgleichs zollen belastet werden kann. Es handelt sich also nicht nur um einen Butterzoll allein, allo auch nicht um einen Bu11erkrieg, sondern um Maß­nahmen, die vor allem auch der Sicherung der deutschen Währung und Wirtschaft Dienen Wenn wir weiter mit einem Zollschutz handelspolitisch arbeiten, Der Dem Absinken anderer Währungen nicht Rechnung trägt, so wird die Folge zunächst Die sein, daß wir mit Waren über­schwemmt werden, Aumal unS alle Länder mit hochentwickelter agrarischer Veredelung-Wirtschaft preispolitisch dadurch überlegen sind, daß sie mit weit geringeren Gestehungs­kosten arbeiten als Deutschland. DaS ist wieder eine Folge der außerordentlich hohen öffent­lichen Lasten, die Die deutsche Wirtschaft zu tragen hat.

Daß Ausgleichszölle auch auf Butter und andere agrarische Erzeugnisse gelegt werden kön­nen, ist also nur durch die wirtschaftliche Ent­wicklung bedingt, nicht aber durch die Abficht, den regelmäßigen Warenaustausch und Waren­verkehr mit Ländern zu hemmen, die die deutsche Wirtschaft zu ihren besten Kunden zählt. Daß dies vor allem die sogenannten neutra­len Staaten sind, ist besonders zu bedauern, aber wieder ein Beweis Dafür, Daß eS zunächst und allein Die Tributpolitik ist, Die nicht nur Die Deutsche Wirtschaft, fonDern die getarnte internationale Wirschaft unter Druck setzt Ver­geltungsmaßnahmen gegen Deutschland, die sehr kurzsichtig und unverständig in der neu­tralen Presse angekündigt oder angedroht wer­den, die auch sonst aus ihrer Abneigung gegen Deutschland kein Hehl macht, werden in ihrer Auswirkung auch die neutralen Länder treffen.

Es hat also gar keinen Zweck, sich bei den Aus­wirkungen aufzuhalten, wenn die Ursache des Verfalls der internationalen Wirtschaft und De« internationalen Handels so offen zu Tage liegt. Wenn die neutralen Länder sich für den Wieder­aufstieg der internationalen Wirtschaft einsehen wollen, wenn sie es für zweckmäßig und ange­bracht halten, der Hochschuhzollwelle zu begegnen, so ist dies nur möglich, wenn sie sich in Die Kampffront gegen Die Tributpolitik einreihen Wenn es nicht gelingt, 1932 mit Der Tributpolitik aufzuräumen, so wird die völlige Zerrüt­tung des internationalen Handels unvermeidlich sein. Soll also Europa, soll Die Wirtschaft der ganzen Erde erst in sich zusammenbrechen, ehe die Völker daraus die Lehre ziehen, daß Die Tribut­politik Die Ursache des Unheils ist? Wenn es schon feinen Kapitalismus ohne Kapital gibt, wobei Die Rutzanwendung für Deutschland nahe- liegt, <o gibt es erst recht keinen Kapitalismus, wenn volkswirtschaftliche Leistungen und Lasten im Werte von Milliarden Mark ohne Gegen­leistung bleiben sollen.

Verstimmung in Dänemark über die Erhöhung des deutschen Butterzolls.

Kopenhagen. 20. Ian. (WTB.) Minister des Aeußeren Munch erklärt in der .Politi­ken". daß die Erhöhung des deutschen 'Butter- zolls in Dänemark stärkstes Bedauern Her­vorrufen werde. Man habe in Dänemark volle- Verständnis dafür, dah die Derhältnisfe in Deutschland eine Hcrableyung der Einfuhr erfor­dern, aber Dänemark fei nicht nur Verkäufer, son­dern auch einer der größten Käufer, und der Rückgang der dänischen Kaufkraft werde im wesentlichen gerade Deutschland tref­fen. Der GeschäftSausschuh der Vereini­gung der Landwirte, Die 150 000 Mit­glieder zählt, hat an Regierung und Reichstag eine Eingabe gerichtet, in der wegen Erhöhung der deutschen Butterzölle die augenblickliche K ü n- bigung des Handelsvertrages mit Deutschland empfohlen wird.