Ausgabe 
20.12.1932 Frühausgabe
 
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Der verhältnismäßig mäßige linksrepublikanische Abg 'Barett) urteilt. Das .Habinett Fann anfangs fet)r wohl auf eine gewisse Sympathie rechnen. Da der Ministerpräsident aber Feine neue Formel ge­funden hatte, stehe er vor einer hei Ile n Lage.

Einer der Hauptführer der FraFkion Marin, 2Ibg. So uli er, urteilt: Das Kabinett Paul Boncour stimme bedenFIich, und zwar wegen der Sicherheits­probleme Die Honzessionen, die Paul-Bvncour in Genf gemacht habe, ließen befürchten. daß die Re­gierung sich mit ungenügenden Maßnahmen begnü­gen werde. Soulier hält die Uebernahme des Kriegs Ministeriums durch Dalabier für äußerst bedenklich und rät, der neuen Regierung besonders scharf auf die Finger zu sehen

Keine großen Hoffnungen in Rußland.

Moskau, 19. Dez. (TU.) Moskauer polittiche Kreise äußern sich sehr z u r ü ck h a 11 e n d über das Kabinett Paul-Boncour Die Tätigkeit Paul-Bvncours in der Abrüstungskonferenz und [eine Stillung als französischer Sozialist gegen­über Rußland erwecke in Moskau reine großen Hoff n u n g e n auf eine weitere Verbesserung der russisch-französischen Beziehungen Man ist der Meinung, daß sich Paul-Boncour der sich mehrere Male besonders heftig gegen Rußland ausgespro­chen habe, mit der Ratifizierung des russisch tranzö- sischen Nichtangriffspaktes nicht besonders beeilen werde.

Srfie SchneMiebwagenfahri Verlin-Hambiirg Ausgezeichneter Zahriverlauf. - OerAasende Hamburger" bewältigt die 289,8 Kilometer in 142 Minuten.

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Der neue Schnelltriebwagen der Reichsbahn verläßt den Lehrter Bahnhof in Berlin zur ersten Probefahrt nach Hamburg.

Hamburg, 19. Dez. (£11.) Montag 8.02 Uhr trat der erste Schnelltriebwagen der Reichsbahn vom Lehrter Bahnhof in Berlin feine Versuchsfahrt nach Hamburg an. 2ln der Fahrt nahmen nur Fachleute teil. Der Magen ist mit elektrischen Fahrmotoren ausge­rüstet. Er besitzt im Gegensatz zu dem bekannten Krukenbergschen Modell des Schienenzeppelins keine Propeller. Unter den Teilnehmern an der ersten großen Probefahrt des neuen Schnell» triebwagens befand sich u. a. auch Dr. May­bach, der die Erfahrungen auf der ersten Fahrt als geradezu glänzend bezeichnete. Er be­tonte, daß man die Geschwindigkeiten ausgezeich­net habe regulieren können. Wittenberge sei et­was zu früh, Hagenow etwas zu spät passiert worden, Büchen habe man auf die Sekunde ge­nau erreicht. Heute seien dieselben Zeiten gefah­ren worden, die im Januar und Februar für den Probeverkehr gelten sollten. Die Durch- fchnittsgeschwindigkeit betrug 12 0 Stundenkilometer.

Der Hrobewagen traf programmäßig um 1022 Uf)r auf dem Hamburger Hauptbahnhof ein. Er erreichte im ersten Geil der Fahrt eine Höchst- I gcschwi nöigteit von 150 Kilometer, '

so daß er das ungefähr auf der Hälfte der Strecke gelegene Wittenberge noch fünf Minuten vor der programmäßigen Zeit pass.erte. Später verlangsamte er die Geschwindigkeit etwas, um die vorgesehene Zeit ein^uhalten. Trotzdem pas­sierte der Schnelltriebwagen die Bahnhöfe noch mit einer Geschwindigkeit von 120 Kilometer. Pünktlich um 10.22 Uhr kam er aus dem Bahn­steig 2 des Hamburger Hauptbahnho.es zum Stillstand. Schon lange vor dem Eintreffen des Probezuges hatte sich eine riesige Menschenmenge auf dem Hauptbahnhof eingefunden. Der Bahn­hof selbst war schwarz von Neugierigen, nament­lich auf dem Bahnsteig 2 drängte sich Kopf an Ktopf - auch die Brücken, unter denen der Zug durchfuhr, waren dicht mit Menschen besetzt. Bei dem Herannalen des Triebwagens, der mit seiner Stromlinienform und fe.ner beige-violetten Tönung einen äußerst schmucken Eindruck machte, brach die Menge in begeisterte Jubelrufe aus. Auf dem Bahnsteig 2 hatten sich der Reichsbahn- direktionspräs.dent Luchte (Altona) und der Bizepräf.dent sowie Oberbaurat Schubert vom Detriebsamt Hamburg eingefunden. Bon An­sprachen wurde Abstand genommen, da es sich um eine interne Probefahrt handelt, an der

Spielsachen.

Von Fred Lang.

Cs ist maßlos aufregend für Eltern kleiner Kin­der, Weihnachtseinkäufe zu machen. Nicht weniger .aufregend ist es, in stillen Abendstunden, wenn aus dem Kinderzimmer nur noch sanftes Schnarchen dringt, all die wunderbaren machen aus dem Ver­steck zu holen und damit zu spielen. Wir haben ein Auto, zum Beispiel ein ganz besonders herrliches Auto für unseren Jungen. Das ist doch mal eine Sache, sich mit so einem Auto auf den Fußboden Zu setzen und es einmal ganz genau zu unter­suchen Gummiräder, verstellbare Lenkung auf­klappbares, einzuroliendes Verdeck, ein großer Kof­fer. den man aufmachen kann, vorn zwei richtige Scheinwerfer mit Lampen, hinten ein Stopplicht Aha der Strom kommt aus der kleinen Batterie am Boden, direkt genial find die Kabelleitungen ge­legt. Und ein Uhrwerk ist in dem Ding, fast wie eine Ma'chine so stark. Ganz lautlos schnurrt die Sache quer durchs Zimmer also großartig Ich sehe stolz zu meiner Frau hinüber, die auf dem Teppich sitzt und mit einem Pferdestall intensiv be­schäftigt ist. Na, sagt sie und macht ein Gesicht wie em ganz kleines Mädchen, so feine Sachen haben wir nicht zu Weihnachten gekriegt, als wir klein waren, wie? Mensch, sage ich, Mensch und auch ich spreche in dem Ton, den Schulkameraden untereinander anschlagen, wir haben vielleicht keine sauberen Weihnachtsgeschenke gekriegt, was?

Mal. vor dem Krieg, da schenkten meine Eltern meinem Bruder und mir ein Jndianerzelt, so ein richtiges, großes Wohnzelt mit Tisch und Stühlen drin Wir hatten uns so was schon lange für unse­ren (Barten gewünscht. Das war ein Jubel. Men- schenskind wir waren aus dem Zelt gar nicht mehr rausiufriegen, das Abendessen mußten sie uns im Zelt servieren. Na, und dann wollten wir uns das Dina erst mal wohnlich machen es war uns Diel zu fein und ungebraucht und roch viel zu sehr nach neu für uns rauhbeinige Trapper Da holten mir uns denn meinen großen Malkasten und [mgen an, die Innenwände zu bepinseln War ein v'Nchen primitiv die Malerei, sah aus wie neu- entdeckte Fresken aus der Steinzeit Elektrische Be- euchtung war auch im Zelt, wir fanden das stil- mit fünfzig Watt, .st ja klar, n.ld)L ^r ^missen die Lampe raus und schnitten jÜ1 ; h eJ v11 Wand, es wurde leider etwas x r , d bann leuchteten idir mit einer ftene unb sagten zueinander Großer Bär und Roter Blitz und: Hugh, ich habe gesprochen. Aber unser alter

Herr kam, weil es so brenzlich in der ganzen Woh­nung roch, und sah sich alles an und freute sich gar nicht. Menschenskind, so viel Keile habe ich nie wieder an einem einzigen Abend auf einen Hausen zusammengekriegt

Andermal, Weihnachten, da bekamen wir eine Feuerwehr Das war eine ganz tolle Sache Ein großes Holzhaus, überall zum Aufklappen, unten standen die Wagen drin, richtige kleine Spritzen mit Schläuchen und Pumpen, und in den anderen Etagen waren die Wohnungen von den Feuerwehr­leuten, mit Betten und Stühlen und Schränken, bas ganze Ding war in allen Einzelheiten einer richtigen Feuerwehrkaserne nachgemacht unb be­geisterte uns sehr Den ganzen Weihnachtsabend laßen wir und spielten und bastelten, abei wir trauten uns doch nicht was Richtiges anzusangen, denn die Keile wegen unserer Zeltabenteuer im Dorigen Jahr war doch noch nicht ganz vergessen, und unser alter Herr Farn ab und zu >ns Z.mmer und kontrollierte. Aber am ersten Feiertag abends waren unsere Eltern elngelaben du Luft war rein, unb wir konnten endlich richtig Feuerwehr spielen. Feuerwehr, bas ist, roenns brennt nicht wahr, dann klingelt sie und spritzt. Wir füllten also die Spritzen, und bann machten wir neuer. Der Einfachheit halber zünbeten wir mit Baum­kerzen die Feuerwehrkaserne selbst an Es ging sehr schwer, das Haus wollte und wollte nicht richtig brennen eine mordsmäßige Arbeit hat es uns ge­macht. Aber steter Funken schürt den Brand schließlich brannte bas Ding tadellos, unb wir klingelten und spritzten; aber leider waren die Feuerwehrleute aus Blei und schmolzen in ihren Betten dahin, auch ein paar 'Pferde gingen auf diese elende Weise flöten. Geschmolzenes Blei ist nicht gut für Parkettboden und Teppiche unb Jungens, die solche Sachen machen, müssen nach altem Brauch mörderisch verprügelt werden Unb so geschah es denn auch, als unsere Eltern am nächsten Tag das Trümmerfeld besichtigten. Seit ber Zeit fahren wir immer zusammen, mein Brü­derchen und ich; wenn wir irgendwo eine Feuer­wehr klingeln hören Es ist eine schmerzliche Erin- rung. Wir haben uns gegenseitig in die Hand ver­sprochen. unfern Kindern niemals etwas Brenn­bares zu schenken.

Ich sehe wieder auf das Auto, das Peters Ent­zücken lein wird. Gestanztes Blech, etwa 60 Zenti­meter lang, sehr stabil für einen zweijährigen Zungen, «cheußlich, wie so die Illusionen vergehen Heute wünsch ich mir kein Jndianerzelt mehr leider.

außer dem technischen Betriebspersonal nur die Konstrukteure sowie die zuständigen Dezernenten teilnahmen. Aach etwa sieben Minuten Aufent­halt fuhr der Probezug um 10.29 Uhr nach dem Altonaer Hauptbah-ihos weiter.

Der Schnelltriebwagen hat die 2 8 9,8 Kilo­meter lange Strecke in 142 Minuten durchfahren. Der ssD.-Zug braucht zur Bewältigung dieser Strecke 179 Minuten Da bi- bisher höchste Geschwindigkeit im -Eisenbahnverkehr der Welt auf der -nglischen Streck. SwindonPaddington mit 123 Stundenkilometern erreicht wird, so wird die Reichsbahn mit ihrem Schnelltnebwagenverkehr Berlin-Hamburg sozusagen das Blauc Band des Sch jenen st ranges an sich reißen Der Krukenbergsche Propellerwagen erreichte allerdings bei Versuchsfahrten "m Januar 1931 auf der Strecke HamburgBerlin eine Durchschnittsgeschwinbigkeit von 157 Stundenkilometern und eine vorüber­gehende Höchstgeschwindigkeit von 230 Stundenkilo­metern. Aber diese Fahrt war nicht im Rahmen des normalen Ge-samtverkehrs, sondern bei freige­machter Strecke durchgeführt worden. Der großen Fahrtgeschwindigkeit ist bei der Konstruktion des Schnelltriebnragens Rechnung getragen worden, in­dem man ihm die Stromlinienform gab. Dement­sprechend sind alle bei den gewöhnlichen Wagen vorspringenden Teile eingebaut, versenkt oder so gestaltet morden, daß der Luftwiderstand auf das gerin gfte Maß beschränkt wird. Die innere Einrichtung des Wagens ent­spricht ungefähr der des Rheingoldzuges' Die eine Wagenhälfte ist für Raucher die andere für Nicht- räucher eingerichtet. In der Mitte befindet sich ein Erfrischungsraum. Insgesamt sind 102 Sitzplätze

2. Klasse vorhanden. Die Maschinenanlage besteht aus zwei Maybach-Diese-motoren von je 410 PS. Der Wagen hat >ine Gesamtlänge von 42 Meter und ein Gewicht von 77 Tonnen. Er ist also bedeu­tend leichter als ein gewöhnlicher kD.-Wagen.

programmätzigeRücksahrt nach Berlin

Der neue S d) n e 111 r i e b m a g e n hat pünkt­lich um 15.05 Uhi Hamburg zur Rückfahrt nach Berlin verlassen. Wiederum hatten sich viele lau­fende am Hamburger Hauptbahnhof eingefunden, um dem interessanten Schauspiel der Abfahrt bei- zuwohnen Am 29. Dezember soll eine Fahrt mit Pressevertretern und am 30. Dezember die Abnahmefahrt der Re ichsbahngesellichaft er­folgen. Sodann wird ein 8wochiger Piobe- betrieb aufgenommen werden, der im Januar beginnen wird.

Unter den Teilnehmern an der ersten Probefahrt befanden sich u. a. Dr. Maybach unb Öber= Ingenieur >2 a n g von den Maybachwerken, ferner Direktor Hock und Betriebsleiter Hübner von ber Warlitzer Waggon- unb Maschinenbau AG., die den 4ßagen hergestellt hat. Die Führung des Wagend batten zwei Beamte vom Reichsbahnzentralamt, die eine Sonderausbilbuna zur Bedienung des Schnell­triebwagens auf den Maybachwerken genossen haben. Von den Fahrteilnehmern wird versichert, baß die Fahrt, trotz ber groß-n Geschwindigkeit wesent- l i ch ruhiger war, als in einem v-Zugwagen.

Um 17.35 Uhr traf ber Eil trieb wagen wieder auf bem Lehrter Bahnhof in Berlin ein. Der Wagen fuljr fast geräuschlos in die Bahnhofshalle ein, wo zahlreiche Schaulustige eingefunben hatten

Aus aller Welt.

Ein weiteres Todesopfer des Oerlikoner Effenbahn- I Unglücks.

3n der Aacht zum Montag ist, wie aus Zürich gemeldet wird, ein weiterer bei dem Eisen­bahnunglück in Oerlikon schwer Verletzter seinen Verletzungen erlegen. Die Zahl der Toten bei diesem Unglück erhöht sich damit auf vier.

Ein Schwerkriegsbeschädigter gewinnt eine Million Franken.

Ein Schwerkriegsbeichädigter in Lyon, der feit Beendigung des Krieges ausschließlich von der Kriegsbeschadigtenunterstützung lebte, hat in ber französischen Staatslotterie e i n j Million iJ r a n f e n gewonnen.

Dr Hector Maillart f.

Dr. ined. Hector Maillart, ber in den Jahren 1916 bis 1918 als Sanitätsoffizier in Genf und Um­gebung für die Kriegsinternierten segensreich ge­wirkt hat, ist, 67 Jahre alt, in Genf gestorben Er hatte von 1922 bis 1926 das Amt eines Präsi­denten der gemischten deutsch-französischen Schieds­kommission für die Militärpensionen der Elsässer und der Lothringer inne. Er war Inhaber der Deutschen Rote-Kreuz-Medaille I Klasse

Karl Friedrich Nowack f.

Der bekannte politische Schriftsteller Karl Fried­rich Nowack ist an Herzschwäche gestorben Nowack würbe am 1. Januar 1882 in Wien geboren, wo er auch bas Gymnasium besuchte. Später ftubierte er an ben Universitäten Wien, Heibelberg unb Leipzig Von seinen vorwiegend politischen Schriften find bekannt.Der Weg zur Katastrophe".Der Sturz ber Mittelmächte" unbVersailles"

Der Bruder des Zünbholzkönigs Ivar kreuger zu Zwangsarbeit verurteilt.

In einem aufsehenerregenden Stockholmer Pro­zeß gegen den bekannten schwedischen Großindustriel­len und früheren polnischen Generalkonsul Torsten K r e u g e r, den Bruder des Zündholzkönigs Ivar Kreuger, wurde nach langen Verhandlungen das Urteil verkündet. Torsten Kreuger wurde wegen Konkursbetruges und wegen Betruges ge­gen die Käufer der Obligationen zu drei Jah­ren sechs Monaten Zwangsarbeit und zum Schadenersatz an die geschädigten Besitzer ber

Obligationen verurteilt: hierbei bürste es sich um einen Betrag von etwa einer halben Million fro­nen handeln. Zur Urteilsverkündung hatten sich große Menschenmassen im Gericht angesammelt

Französische Filmexpebition vermißt. - Fünf Deut|che an Bord.

3n Pariser Filmkreisen, wie auch an amtlicher Stelle, ist man sehr beunruhigt über das Schick- fal einer franz ö s ischen Filmexpebi­tion. Die aus 28 Köpfen bestehenbe ExpebiUon hatte an Bord ber JachtSita" am 8 November Marseille verlassen unb war am 26. November auf ben Kapverdischen Inseln eingetroffen, von wo sie zwei Tage später nach Para (Südamerika) in See ging. Seither fehlt jede Nachricht von ihr. Unter den Schauspielern find fünf Deutsche Die Hauptdarstellerin ist einejunge Danzigerin, Renate Mandel. Margarete Schulz, eine Hannovera­nerin, hat ebenfalls eine ber ersten Rollen erhalten, und zwei Berliner, die vorläufig nur unter ihrem Künstlernamen Lary und G o l z betannj sind, sollten als Gegenspieler der beiden Künstlerinnen Mitwirken. Auch der Operateur B r i n a n ist Deutscher. Außerdem gehören der Expedition zwei Professoren von der Universität Mailand an, die wissenschaftliche Studien über die Sitten ber Ur= walbbevolkerung machen wollten. Das französische Außenministerium hat an ber amerikanischen Küste Nachforschungen anstellen lassen. Von Rio de Ja­neiro, Para und Buenos Aires aus hat man ver­sucht, sich auf funkentelegraphischem Wege mit der Jacht ^in Verbindung zu setzen, aber ohne Erfolg. Das Schiff hätte bereits am 6. Dezember in Para eintreffen müssen; es hatte nur für zehn Tage Brennstoff und Verpf.egung' an Bord.

Wegen großer Unterschlagungen verhaftet.

Dieser Tage wurde in Düren (Rheinland) der Leiter der Dürener Kreiskommunalkasse verhaf­tet, da bei einer Revision der Kasse größere Fehlbeträge fejtgefteUt worden waren. Es soll sich um 1 4 2000 Mark handeln. Der Verhaftete hat die Unterschlagungen einge standen. Er hat, wie er erklärt, spekuliert und viel Geld dabei ver­loren. Ebenso habe er bei dem Versuch, durch Lot­teriespiel die veruntreuten Gelder wieder herbeizu­schaffen große Verluste gehabt.

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Fünfzehn junge Dichter.

Neue lyrische Anthologie."

Im Verlag von Wolfgang Ieß in Dresden, ber sich überhaupt mit dankenswerter Rührigkeit um die Forderung der jungen Generation in Deutschland bemüht, ist vor kurzem, herausgcgeben von Martin Raschke, ein kleiner lyrischer oamjnelbanb* er­schienen: er enthalt Beiträge von fünfzehn jungen Dichtern und Dichterinnen, die mit einigen Aus- nahmen zwilchen 1900 und 1910 geboren find. Etliche von ihnen, wie Hausmann, Kramer, S ü s k i n d unb von der Bring, haben schon ihren Namen und einen festen Platz in ber Lite­ratur, bie übrigen werben zumeist nur bem Lieb­haber unb Kenner ber jüngsten Dichtung einiger­maßen vertraut sein Dei Herausgeber verkündet kein Programm, er will und kann bei so indivi­dueller Auswahl und räumlicher Beschränkung weder einen Ouerschnitt noch einen Ueberblicf geben" Deshalb mürben auch polittiche Gedichte und Chan­sons von vornherein ausgeschieden. Die Sammlung fall, so wie sie sich darbietet, den unmittelbar über­zeugenden Gegenbeweis gegen die immer wieder verbreitete Thesc erbringen: die Lyrik sei tot, habe keine Daseinsberechtigung und werde nicht mehr ge­lesen Der ferneren soll hier gezeigt werben baß das Gedicht Nicht nun lebe, sondern auch nach wie vorder klarste Spiegel ber Zeit" sei, (Nicht bloß Schmuck ober Arabeske.) Die.Anthologie wen­det sich mit einem bewußten Anspruch an ben Leser, ihm, bem Fühlenben soll überlassen bleiben, in ben Versen dieser jungen Menschen bestätigt zu finden, aufjuipüren, zu wittern oder vielleicht nur zu ahnen wie im empfindlichsten Gebilde künstlerischer Form, in der knappsten Aussage, in ber auf ein ein­fachstes Maß verkürzten unb kristallisierten Gestalt ein allgemeines Schicksal, ein allen ober vielen wenn auch vielleich« nur bumpf, bunkel unb unter­gründig gemeinsames Gefühl seinen gültigen Ausdruck findet. Natürlich wird jeder Leser auf die einzelnen Arbeiten ber Sammlung ebenso individuell reagieren, wie der Herausgeber bei ber Auswahl und Zusammenstellung zu Werke gegangen ist. Wenn man versuchen wollte, über die bereits an« gebeuteten Verbindungslinien und Beziehungen hinaus, noch etwas aufzufinben, was die verschie­denen Persönlichkeiten und Charaktere ber Antho­logie als zusammengehörig und als einen kleinen,

* Reue lyrische Anthologie. Herausge- geben von Martin Raschke 120 Seiten. Kart. 2,50 Man in Seiben'einen 3,20 Mark Wolfgang Ieß Verlag in Dresden. 1932. (530.)

gemischten lyrischen Chor erscheinen läßt, so würbe man es vielleicht mit den BegriffenZurück zur Naturl" undZurück zum Herzen!" umschreiben können Das ist sehr wesentlich, wenn man bedenkt, in welcheRichtungen", in was für Mißverständ­nisse, Entgleisungen und Sackgassen sich die Lyrik der letzten Jahre (ober was unter diesem Namen gedruckt würbe) vielfach hat hineintreiben kaffen. Nach solchen grundsätzlichen Hinweisen darf im Besonderen noch Folgendes bemerkt werben. Als eine ber ursprünglichsten Begabungen in diesem Kreise bewährt sich Manfred Hausmann, dessen sehr schlichtes und zartes GedichtHeimkehr" für unser Gefühl zu ben schönsten unb reifsten Gestal­tungen ber Anthologie gehört. Einen ebenso un­mittelbaren Eindruck hinterlassen bie wesentlich an­ders gearteten Arbeiten ber kürzlich mit dem P.eis des Staatsbürgerinnen-Verbanbes ausgezeichneten rheinhessifchen Dichterin Elisabeth Langgüter, deren nicht ganz leicht zugängliche, aber formstrenge Strophen um eine oft überraschende Erneuerung antiker Mythen kreisen Guido Zernatto, ber den Lyrik-Preis ber bei Ieß erscheinenden Zeitsch ift Die Kolonne" erhielt, ist mit seinen klaren unb be­herrschten Versen ganz ben realen Dingen einer österreichischen Bauernwelt und Landschaft verhaftet. Während Johannes Lindner, bisher kaum bc- fannt, in Thema unb Wortwahl oft verblüffend an Billinger erinnert; obwohl er sich in seinen sprachlichen Wendungen vielfach völlig unbeküm­mert. naiv und barock gebärdet, ist doch die visionäre Durchdringung und Sichtbarmachung ferner Vor- stellungswelt überzeugender als bei jenem. Der ebenfalls mit bem Lyrik-Preis berKolonne" be­dachte Peter Hüchel scheint uns diese Auszeich­nung am entschiedensten mit einem Gedicht wie , Die Magd" zu rechtfertigen, das übrigens mit andern, hier mitgeteilten Proben feinen Autor dem lyrischen Standort und Mottokreis ber Kramer und Zer- natto annähert Es sei noch ber beiden, von Müt­terlichkeit ganz erfüllten Gedichte von Paula Lud­wig, berPfälzischen Landschaften"' von Martha Saalfelb und des durch seine Einfachheit be­stechendenLiebesliedes" von Georg von ber Vring gedacht Der geschmackvoll ausgestattete und gut gedruckte Band darf den Freunden junger lyrischer Dichtung angelegentlich empfohlen werden.

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Der o. Professor ber Philosophischen Fakultät und Direktor des Chemischen Instituts der Uni­versität Kiel, Dr. phil. O. Diels, hat einen Ruf an die Technische Hochschule Berlin- Charlottenburg erhalten.

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