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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die Kredite der preußenkaffe vor dem Untersuchungsausschuß.
Oie ehemaligen preußischen Minister Klepper, Braun und Hirisiefer als Zeugen.
Berlin, 18.Oft (VDZ.) Die öffentliche Sitzung des Klepper-Untersuchungsausschusses des Preußi- fchend Landtags, in der die ersten Zeugenvernehmungen über die Beschuldigungen erfolgen sollen, die gegen den früheren Finanzminister Dr. Klepper erhoben werden, hatte ein zahlreiches Publikum angelockt. Die Zeugenvernehmungen sollen sich zunächst auf den Fall „Kölnische Volkszeitung erstrecken. Als erster Zeuge erklärte der frühere Finanzminister Dr. Klepper, daß er es ablehnen müsse, auf Fragen des Berichterstatters Abgeordneten Steuer zu antworten, da Steuer in der Öffentlichkeit bereits über den Zeugen ein Urteil abgegeben habe, das eralsbeleidigend empfinde. Entsprechend einem Zentrumsantrag wurde nach erregten Zusammenstößen zwischen dem Abg. Steuer und Zentrumsabgeordneten beschlossen, die Fragen des Berichterstatters Abg. Steuer durch den Vorsitzenden Abg. Dr.' Eubke (Dn.) und den Mitberichterstatter Abg. Dr. Mu Hs (Rats.) an den Zeugen stellen zu lassen.
Oie Vernehmung Kleppers.
Hierauf begann die Vernehmung Dr. Kleppers. Seine Aussagen hielten sich im wesentliches im Rahmen der bereits von ihm der Oeffentlichkeit übergebenen Erklärungen. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß die Gelühergabe für die „Kölnische Volkszeitung" doch nicht zu den st a - tutenmäftigen Geschäften derPr«eu- ßenkasse gehörte, erwiderte Klepper, es_ sei ständige Praxis gewesen, daß solche Geschäfte, die nur mittelbar mit den Zwecken der Preußen- kasse zusammenhängen, aber im Interesse des Staates durchgeführt werden sollen,dann durch geführt werden können, wenn es mit Z u - stimmung der Staatsregierung geschehe. Solche Geschäfte seien sowohl in der Vorkriegszeit wie auch nach dem Kriege durchgeführt worden. Auf weitere Fragen erwiderte der ' Zeuge über die vertrauliche Behandlung dieser Transaktion, es sei allgemein so, daß Regierungen, wenn sie der Presse in irgendeiner Form finanziell zu Hilfe kämen, dies streng vertraulich täten.
Es kam dann die Sprache auch auf die Tl e b e r - nähme eines Aktienpakets der„Ger- tnani a“. Der Zeuge erwiderte auf eine diesbezügliche Frage, die Aebernahme sei erfolgt, um zu verhindern, daß der Reichskanzler v. P a - pen die Aktienmehrheit der „Germania" erhielt. Dem Zeugen wurde ferner das Gerücht vorgehalten, daß im Zusammenhang mit der Reichspräsi- dentenwahl die Preuhenkasse einen Wahlausschuß unter st ü h t habe. Der Zeuge lehnte es ab, sich zu dieser Frage zu äußern. Ein Antrag, diese Frage für zulässig zu erklären, wurde vom Ausschuß angenommen. Da der Zeuge bei seiner Weigerung blieb und dies mit staatspolitischen Gründen erklärte, will der Ausschuß in nichtöffentlicher Sitzung sich darüber schlüssig werden, ob der Zeuge in eine Ordnungsstrafe zu nehmen sei oder ob zunächst die Aussagegenehmigung des Staatsministeriums hinsichtlich der Beantwortung dieser Frage eingeholt werden soll. Die Beantwortung einer Frage, ob G e l d e r zur Bekämpfung der nationalsozialistischen Bewegung gegeben worden seien, lehnte der Zeuge Klepper ab. Die Rationalsozialisten erklärten darauf: „Das genügt uns." Damit war die Vernehmung beendet.
Oer ehemalige Mmister- präsident Braun als Zeuge. Es wurde bann der bisherige preußische Ministerpräsident Dr. Braun vernommen. Er erklärte, daß er in dem vorliegenden Falle keinerlei politische Bedenken gegen die Hergabe der Mittel gehabt habe. Im Gegenteil sei ihm die Sache aus Staats- und grenzpolitischen Gründen sehr erwünscht gewesen. Das Plenum des Staatsministeriums habe sich mit der Sache nicht besaßt. Auf die Frage, ob die Hergabe der Mittel für den vorliegenden Zweck nach seiner Ansicht z u d e m A u f - gabenkreis der Preußenkasse gehört habe, erwiderte Dr. Braun ironisch, daß er geglaubt habe, daß der Aufgabenkreis der Preußenkasje außerordentlich weit gezogen sei, da sie ja Millionen für einen russischen Schwindler und Hochstapler wie Uralten) ausgegeben habe. Auf die Frage der Kommunisten, ob Gelder für die Neichspräsidentenwahl ausgegeben worden seien, erwiderte der Zeuge, daß ihm nichts davon bekannt sei. Wenn er etwas davon wüßte, so betonte er, so würde er aus staatspolitischen Gründen keine Auskunft geben. Als im Zuhörerraum verschiedentlich Beifalls- und Miß- fallensäußerungen laut wurden, wurde von Zentrumsseite die Räumung des Zuhörerraums gefordert. Schließlich ro-rbe biefer Antrag aber zurückgezogen.
Minister a. D. Hirtsief er erklärte, baß er sich für bie Angelegenheit aus grenzpolitischen Gründen entschieben habe. Es wurde darauf beschlossen, als neue Zeugen u. a. zu laden den Reichskanzler von Popen und den Staatssekretär Planck. Der Reichskanzler soll über den An- tauf der Germania-Aktien durch die Preußenkasse Gehört werden. Es wurde beschlossen, beim Staatsministerium vorstellig zu werden, damit der Zeuge Klepper zur Beantwortung der Frage über die Her
gabe von Geldern der Preußenkasse anläßlich der Reichspräsidentenwahl die Aussagegenehmigung erhält.
Oie Gozialnotverordnnng wird gemildert.
Heute eine neue Verordnung.
Berlin, 18.OH. (TU.) Die wesentlichen Punkte bet Verordnung des Reichsarbeitsministers ; u r Ergänzung von Soziallei ft ungen, die am Mittwoch veröffentlicht werden wird, sind:
1. Die Sähe der Arbeitslosenversicherung werden um 2 Mark im Durchschnitt erhöht, und zwar g e -
staffelt je nach dem Familienstand der versicherten.
2. 3n der kranken- und Angestell- lenoersicherung werden zusätzliche £ei ft ungen, die durch die Verordnung vom 14. Juni verboten waren, wieder zu gelassen.
3. In der Unfallversicherung wird der Zuschlag von 7,5 v. h., der gleichfalls durch die Verordnung vom 14. Juni untersagt war, für künftige Versicherungen wieder ge- stattel.
Ferner werden einige technische Einzelheiten, besonders bezüglich der Altersversicherung geregelt.
Sir deutsch-schwedische Wrslenhochzeit in Murg
Linkes Bild (von rechts nach links): der Vater des Bräutigams, Kronprinz Gustav Adolf von Schweden Kronprinzessin Märta vonRorwegen und Kronprinz Öloo von Norwegen auf der Reise zu den Hochzeitsfeierlichkeiten in Koburg. — Rechts: das Brautpaar Prinzessin Sybille von S a ch s e n - K o b u r g - G o t h a und der schwedische Kronprinzensohn Gustav Adolf.
Presse-Empfang in Koburg.
Koburg, 18. Oft. (TU.) Am Dienstag sand auf der Feste Koburg in dem alten mit Wappen geschmückten Saal des Fürstenhauses ein Presse- empfang statt. Der Herzog und die Herzogin von Koburg sowie das Brautpaar ließen sich die in Koburg' erschienenen Vertreter der deutschen, der schwedischen und der übrigen ausländischen Presse vorstellen. Bei einem Glase Bier ergab sich eine zwanglose Unterhaltung. Im Anschluß an den Empfang hatten die Vertreter der Presse Gelegenheit, die im Fürstenzimmer aufgestellten Geschenktische, den Hornsaal, in dem die standesamtliche Trauung stattfindet, und die berühmte Waffensammlung der Feste zu besichtigen.
Am Nachmittag sind in Lichtenfels bereits folgende fürstlichen Gäste eingetroffen: Der Kronprinz und bie Kronprinzessin von Schweden, der Kronprinz von Norwegen, bie Prinzen Bertil, Sigwarb unb Karl Johann sowie Prinzessin Ingrid von Schweben. Die Prinzen mürben vom Herzog von Koburg abgeholt. In Würzburg trafen ein: Prinz Arthur von Eonnaught, Detter des Königs von England, und seine Schwester, Lady Patricia Ramsay. — Unter den Geschenken für das Brautpaar befindet sich vom Reichspräsidenten eine Porzellanschale und zwei große Leuchter aus der preußischen Porzellanmanufaktur
AußenpoUUWkAussprachetmbkiMchenllnterhaus
London, 18. DH. (WTB.) Das Unterhaus bot bei seinem heutigen Wiederzusammentritt ein lebhaftes Bild. Die Bänke waren dicht besetzt, und die Minister wurden, wie üblich, von den Regierungsanhängern mit lautem Beifall begrüßt. Das Erscheinen des zurückgetretenen Innenministers otr Herbert Samuels, der sich auf einem Ecksitz auf der Regierungsseite des Hauses zwischen Mitgliedern seiner Parteigruppe niederließ, löste bei den Samuel-Liberalen Hochrufe und einiges Zischen von der konservativen Seite her aus.
Oie Viermächtekonferenz.
Bezeichnend ist, daß gleich die erste der Anfragen, bie, wie üblich, der Debatte oorausg.ngen bie Viermächtekonferenz betraf. Der Liberale Manber fragte den Staatssekretär des Aeußern, ob er mitteilen könne, ob jetzt Vorkehrungen getroffen worden sind für eine Viermachtekonferenz zur Erörterung der Wiederaufnahme der Arbeiten der Abrüstungskonferenz unter Mitarbeit Deutschlands, und in welcher Stadt diese Zusammenkunft stattfinden werde. Der Staatssekretär des Aeußern Sir John Simon erwiderte, das Büro der Abrüstungskonferenz ist bis zum 3 November vertagt worden. Das Unterhaus wird wissen daß die Regierung schon vor kurzem eine Zusammenkunft zwischen den vier hauptsächlich in Betracht kommenden Mächten vorgeschlagen hat, um eine Lösung der schwierigen Frage zu finden, die
durch das Ausscheiden Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz aufgeworfen wurde. Der britisch? Vorschlag für diese Viermächtezusammenkunst ist grundsätzlich von den anderen drei Mächten angenommen worden, aber es hat sich bisher als unmöglich erwiesen, sich über den D r t einer solchen Zusammenkunft zu einigen. Die britische Regierung erwägt jedoch einen neuen Schritt, um eine Einigung in dieser Frage herbeizuführen. Ein Mitglied der Arbeiterpartei fragte Sir John Simon, ob er nicht glaube, daß dem Zwecke der Abrüstung viel besser gedient werden würde, wenn Großbritannien einige wirklich greifbare Vorschläge mache Auf diese Frage erfolgte jedoch keine Antwort.
Ottawa.
Dte Aussprache über die Abmachungen aus der Re i ch s w i r t s ch a f t s k o n f e r e n z von Ottawa leitete Schahkanzler Rcville Chamberlain mit einer Rede ein. Wenn die Abmachungen von Ottawa, so erklärte er u. a., zu einer erhöhten Wohlfahrt führen, ober ein geeinigtes englisches Weltreich zum Ergebnis haben würden, dann wäre dies der größte Beitrag, den das Weltreich zum Wiederaufbau und zum Wohlergehen der Welt liefern könnte. Er könne sagen, daß die Konferenz ein besseres gegenseitiges Verstehengezeitigt habe. Zum ersten Male habe Indien
den Grundsatz der Vorzugsbehandlung für Weit- reichswaren anerkannt. Kanada und A u st r a - Iren hätten den Gedanken aufgegeben, ihre heimischen Märkte nur für ihre eigenen Erzeugnisse Vorbehalten zu woUen. Reu sei auch, daß zum ersten Male das gesamte Kolonialreich in die Abmachungen ein- bezogen worden sei. Die Abkommen zielten auf eine Herabsetzung der Zölle innerhalb des Weltreiches hin. Die Politik der englischen Regierung gehe dahin, zunächst den heimischen Märkten zu helfen und dann den Einfuhren aus den Dominions wachsenden Anteil zu gewähren. Die Regierung glaube, daß in Ottawa die Grundlage für eine Landwirtschastsgemeinschaft innerhalb des Weltreiches gelegt worden sei. Sie habe in Ottawa erhebliche Vorteile für die industriellen Interessen- durchgeseht, d^ jetzt in Kraft getreten seien.
Im Ramen der Opposition wandte Lans - b u r y ein, daß die Ottawaer Abmachungen den Arbeitslosen keine Mehrbeschäftigung brächten. Hinsichtlich der Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland erwarte er eine in der Oeffentlichkeit geführte Untersuchung über die Frage des Dumpings und die gegen Rußland erhobenen Anschuldigungen. Die Interessen der englischen Landwirtschaft seien nicht genügend berücksichtigt worden. Sir Herbert Samuel brachte die Einwendungen seiner liberalen Gruvpe gegen die Ottawaer Abmachungen zum Ausdruck und warf dem Schahkanzler einseitige Berichterstattung vor. Die Abmachungen bedeuteten eine Vermehrung und eine Erhöhung der Zölle.
Englische Zollverhandlungen mit Skandinavien.
Lon b o n, 18. DEL (TU.) Die englische Regierung hat die Regierungen von Dänemark, Norwegen unb Schweben zur Eröffnung von Zollbesprechungen in Lonbon eingelaben. Alle brei Staaten, bie bereits vor einiger Zeit mit bem Wunsche nach neuen Zollvereinbarungen an Eng- [anb herangetreten waren, haben bieEinlabung angenommen. Gleichzeitig wirb mitgeteilt, bah zur Zeit Zollverhanblungen mit Argentinien im Gange sinb. Wahrscheinlich wirb nicht eine allgemeine Konferenz, sonbern es werben Sonber- konferenzen mit ben einzelnen Regierungen ftatb finben. Wie ferner verlautet, sollen bie bisherigen Hanbelsverträge Englanbs mit ben eingelabenen Regierungen bestehen bleiben unb nicht revibiert warben. Der Zweck ber Verhanblungen sei ber Abschluß von Abkommen innerhalb bes Rahmens ber bestehenben Verträge.
Herriois Reise nach Madrid. Warum Frankreich die spanische Freundschaft sucht.
London, 18. Oft. (TTl.) „Daily Mail" berichtet, daß sich hinter dem Vorschlag des französischen „Sicherheitsplans", die internationalen Waffenlager auf spanischem Boden anzulegen, viel mehr verberge, als auf den ersten Blick erscheine. Er weist hierbei auf die französischen Pläne hin, den Ausbau derspa- nischen, nordsüdlich verlaufenden Eisenbahnen zu zweigleisigen mit französischen Geldern zu unterstützen, die auf nichts weiter hinausliefen, als daß Frankreich im Kriegsfall seine afrikanischen Truppen schon in einem spanischen Hafen lanben und mit der Eisenbahn nach Frankreich befördern könne, wodurch die Gefahren des Seeweges erheblich verringert würden. Wenn Spanien der Verbündete Frankreichs werde, so ständen letzterem auch die Häfen auf den Balearen zur Verfügung, so dah die französischen Transportlinien im westlichen Mittelmeer soweit wie nur irgend möglich gegen einen Angriff von Osten heü geschützt feien.
Laut Havas erklärt man in unterrichteten Kreisen diese Rachricht als eine „dumme Erfindung". Herriots Reise nach Madrid sei ein ausgesprochener Höflichkeitsbesuch.
Ein neues Gesetz gegen Autodiebstähle.
Berlin, 18. Okt. (ERD.) Auf dem Vortragsabend der Vereinigung Kraftfahrender Journalisten betonte Reichsjustizminister Dr. Gü r t n e r mit Rachdruck, daß in Deutschland ein dringendes Bedürfnis nach einer Reuregelung der Strafbe st imm ungen für Autodiebstähle vorliege. Im neuen Entwurf des Strafgesetzbuches sei eine Bestimmung vorgesehen, in der aber nur von dauerndem Entzug fremden Eigentums die Rede fei, während es sich ja bei dem Gebrauchsdiebstahl uni eine vorübergehende Entziehung handele. Das Reichsjustizministerium habe daher dem Kabinett den Vorschlag gemacht, im Wege der Rotverordnung — ein anderer sei zur Zeit nicht möglich — eine Strafbestimmung zu schaffen, um dieses Problem der Autoentwendung befriedigend zu lösen. Aus dem Inhalt der Verordnung, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werde, hob der Minister hervor, dah, wer Kraftfahrzeuge oder Fahrräder gegen den Willen des Besitzenden in Gebrauch nehme, sich strafbar mache; da auch der Versuch strafbar sei, werd« man schon das Ankurbeln eines Wagens als einen strafbaren Vorgang beaeidjncn können. Dte Bestimmung sei auch auf Fahrräder und Motorboote ausgedehnt


