Ausgabe 
19.8.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

sämter

wurde bisher in

die Heimfahrt an.

Das Haus Sonnenstraße M. 32

u?°rden ft^e bei

"RJÄS

Wiederum ist ein Aligießener HauS vom Erd­boden verschwunden: innerhalb weniger Jahre daS siebente. Ich weih nicht, ob es anderen meiner Mitbürger so geht, wie mir: mich beschleicht sedes- mal ein eigenartiges, wehmütiges Gefühl, wenn ein Stück Altgießen, fei es aus Altersschwache oder aus anderen Gründen, für alle Zeiten aus­gemerzt wird. Fast täglich habe ich mich während ihres Abbruchs, zu den dem Tode geweihten alten Fachwerksbauten in der Schloßgasse, am Asterwcg, in der Dammstraste, am Walltor. tn der Neustadt, am Neuen Weg und zuletzt m der Sonnenstraste begeben und mit gemischten len zugesehen, wie vom Dach an, biS zum Fun­dament ein Stück nach dem anderen abgetragen wurde, und schon nach wenigen Tagen nichts weiter mehr zu sehen war, wie der Platz, auf dem vor zweieinhalb Jahrhunderten die Maurer und Zim­merleute den Aufbau begonnen hatten. Gerade an das dieser Tage der Baufälligkeit zum Opfer gefallene Hous Sonnenstraste 32 knüpfen «ich für mich aus meiner Jugendzeit allerlei Erinnerungen, denn ich war einKreuzer Bub" und als solcher hatte ich das althergebrachte Recht, nicht nur alle um den Kreuzplah Herumliegenden Eckrn und Win­kel, sondern auch die Häuser'vom Dach bis *um Keller zu durchschnüffeln, was, wenn es in Ru­deln geschah, allerdings nicht immer einwandfrei vonstatten ging.

Dor hau« stand auf einer, au, zwei Teilen bestehenden vodenfläche, deren jede schon vor der Erbauung, also vor vielen Jahrzehnten, ihren eigenen Besitzer hatte.

Der gröstere Anteil gehörte einem Dorfahren des Rentners Konrad Walkomesius. in dessen Familie (sämtlich Metzgereien) es sich weiter vcr. erbt hat Der kleinere Teil der Bodenflache da­gegen hat im Laufe der Zeit den Besitzer des öfte. ren gewechselt: dabei blieb das Eigentumsrecht der Familie Malkomefius unangetastet. Offenbar hat der Erbauer des Hauses, da sein Anteil allein für die Errichtung eines Hauses zu klein war und sich sein Grundstücksnachbar zur Hergabe seines Bodenanteils nicht verstand, von diesem die Er-

laubnis erhalten, über dies Hindernis hinweg- zubauen. So kam es, dast das Haus dem Erbauer gehörte, der überbaute Raum aber Eigentum der Familie Malkomefius blieb, bis auf den heutigen Tag. Auf diese Art kam letztere in den Besitz ihrer Schlachthalle. Wir Giestener Jungen haben ungezählte Male gesehen, wie das Dieh, das ge. schlachtet werden sollte, von der Sonnenstraste aus, in dieselbe geführt und dann später ein Fleisch- viertel nach dem anderen durch die Mehgerbur- schen über die Strahe, um daS Vorderhaus her­um in den Laden auf der Mäusburg getragen wurde.

Als Vorderhäuser galten das Haus Kreuzplah Rr. 1 (in meiner Jugendzeit der Firma I. QI. Dusch Söhne, Spezereiwarenhandlung und Dlausärberei, jetzt Herrn Ludwig Größer in Trier einem Giestener. gehörig,. Ferner da« Hous Mäusburg Rr. 19 «Eigentümer der mehr- fach erwähnte Mehgermeister a. D. Malkomefius.

Obgleich diese Häuser mit ihren Vorderfronten nahezu im rechten Winkel zu einander stehen, bil- den sie mit ihren Rückseiten eine zur Sonnenstraste rechtwinklige große Fläche. An diese war daS ab­gebrochene Haus mit seiner hohen Giebelseite an­gebaut und mit den beiden Vorderhäusern durch Türen verbunden. Eine derselben führte von dem Schlachtraum in daS Malkomesiussche HauS auf der Mäusburg, die übrigen vom 1. Stock und dem Dachgeschost in das Gröstersche auf dem Kreuz- Platz.

Aus dem kleinen Raum im Parterre neben der Schlachthalle hatte man, da er für eine Wvh. nung nicht ausreichte, einen, nur von der Son- nenstraste aus zugänglichen kleinen Laden mit noch kleinerem dahinterliegenden Stübchen, in das man über ein kleines Treppchen hinaufklettem muhte, zurechtgemacht.

Soweit ich mich erinnere, wurden in dieser kleinen Behausung im Laufe der Jahre In bunter Reihenfolge Vollwareu, Fische, Brot, alle Kleider und Schuhe feilgehallen, dann be­trieben auch noch in Abständen mehrere Bar­biere, Schuster, Spengler und zuletzt ein Rhe­

in dem erforderlichen Umfange zugclassen worden.

Als Meldestellen für Arbeitsdienstwillige, die sich nach den neuen Bestimmungen bekanntlich nicht lediglich auf Unterstützungsempfänger be­schränken, sind in allen Fällen die ArbeitLä".!:. bestimmt worden. Meldungen bei dem Reichs­kommissar oder den Bezirkskommissaren sind daher zwecklos. Die Arbeitsämter sind angewiesen worden, Wünschen von Arbeitsdienstwilligen, zu

Aus der Provinzialbauptstadt.

G lest en. den 19. August 1932.

Unbeschränkte Wasserversorgung unserer Stadt.

Trotz der lange anhaltenden starken Hitzeperiode ist die Versorgung unserer Stabt mit Trinkwasser bisher uneingeschränkt möglich gewesen. Der neue Hochbehälter bei der Ganscburg, der im Winter 1930 in den Dienst unserer Wasserversorgung gestellt wurde und besonders der Aufgabe gilt, bei lange anhaltender Trockenheit mit seinem ständig großen Wasservorrat die Versorgung der Bevölkerung ohne Einschränkung sicherzustellen, hat also bis jetzt seine Probe aufs Excmpcl bestanden. Obwohl bei der außerordentlich heißen Temperatur täglich große Mengen Wasser verbraucht werden, ist doch ständig in dem Hochbehälter ein Wasservorrat von mehreren tausend Kubikmeter vorhanden. Man kann auch weiterhin damit rechnen, daß unsere Stadt, im Gegensatz zu manchen anderen Gemeinwesen, dank der weitsichtigen Aufspeicherung von Wasservorräten keinen Mangel in der Trinkwasserversorgung zu er­warten haben wird.

Oie DerfahrenSvorschristen für den Freiwilligen Arbeitsdienst. Dom Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst sind unter dem 11. und 16. d M. die Destimmungen über die von den Trägern der Arbeit und des Dienstes zu beobachtenden Der- fahrenSvorschriften erlassen worden. Die Dienst­stellen sind angewiesen worden, bei der Aner­kennung der Maßnahmen und der Zuweisung der Arbeitsdienstwilligen mit größter Beschleunigung zu versahren.

AlS Träger des Dienstes werden vom ReichS- kommissar solche Derbände als besonders ge­eignet bezeichnet, die durch Gemeinschaftsideen, welche außerhalb des Freiwilligen Arbeitsdienstes liegen, ihre Mitglieder zusammenfafsen und in der Lage sind, für die Maßnahmen des Frei­willigen Arbeitsdienstes einen bestimmten Stamm von Arbeitsdienstwilligen zu stellen.

Zum Arbeitsdienst können grundsätzlich nur Arbeit-dienstwillige bi- zu 25 Jahren zugelasfen werden. Eine Ausnahme ist vom Reichskommissar nur für die Führerausbildung und -Verwendung

iWfare ä®em*en.

'6 sZrr prD« e-Ssi?; srsä1 °ch erhält 9e* ;,n Gemeinden >>, jBmen zur pünktlich^ ,ftn ergreifen und im S unmittelbar J, 8Äna* 'S Eioatssteuerbetiäge Ömin'fier einge- jwn «füllen die Äe- Entsendung beson- keuch mtidjcn werden.

^elsalleS n 9liV'tb nur --IS lammen. T öMt teerten, dch &Kin finden Jie Erfüllung der dring- ^ngen aus Tehältern, rtsunterftuhungen lein!

Äff«

Md »-» ijn« « iinuten IW

nftimmig &w

IfacbriÄte«- f(, 1« ®r- ÄWI« ifaer an 0er @c* Tage ^ n gcboten. 1 1862 -u 3rf5orb Herb I cn aoologit- jl rburg f^Q-Xaie an i is der I

xLS 28«*'

«ui i

-«Hs-

nl *-S* !

sei

J

Der Kraftfahrzeugbestand in Hessen. Rach ben Ermittlungen des Hessischen Landesstatistischen Amte« betrug der Kraftfahr­zeugbestand in Hessen insgesamt 11 941 Personen­kraftwagen. 3468 Lastkraftwagen und 16 419 Krafträder. Gegenüber dem Jahre 1931 ist die Anzahl der Kraftfahrzeuge gestiegen. Jedoch war eine beträchtliche Zahl von Fahrzeugen bei den Zulassungsbehörden vorübergehend abgemeldet. Abgemeldet wurden etwa 11 v. H. der Lastkraft­wagen, 9 v. H. der Personenkraftwagen und etwa 8,5 v. H. der Krafträder. Dabei sind im Sommer jahreszeitlich am wenigsten Kraftfahrzeuge vor­übergehend abgemeldel, da es ja im Winter hauptsächlich üblich ist, Kraftfahrzeuge außer Be­trieb zu setzen. So sind in diesem Jahre im Dolks- staat Hessen weniger Kraftfahrzeuge im Verkehr gewesen al- im Vorjahre. Diese Erscheinung

' Hessen noch nie beobachtet.

ften. Die 8. Dereinswanderung

* VHC. © i e ., am vorigen Sonntag führte wie man uns berichtet in das Dilltal. 36 VHEer wanderten nach Zurüctlegung der Bahnfahrt von Aßlar aus über den auf bequemen Pfaden erstiegenen Dillberg, auf schönen Hochwaldwegen zu der im Wiesental vom Wald eingeschlossenen Gisen- erzgrube Fortuna, deren Betrieb infolge der schlechten Wirtschaftslage vollständig ruht, und weiter nach dem schön gelegenen Dernbachtal. Vach ausgiebiger Frühstücksrast am Waldesrand wurde die Wanderung durchs ganze Dernbachtal, an zahlreichen Hochständen vorbei, fortgesetzt. Rach Wiederersteigung der Höhe führte der Weg bei dem Junker Johannesplah abermals auf die uralte Hohe Straße, di: bereits auf dem Wege zum Dernbachtal überschritten wurde. Um 12.30 Uhr erreichte man das Wanderziel Diana- burg. Rach zweistündiger Rast und Wahrneh­mung des selten schönen Rundblicks von dem Aussichtsturm erfolgte der Weitermarsch auf abwechslungsreichen Waldwegen über Forsthaus Langegrunb und Greifenthal nach Kahensurt zur Schlußrast. Um 18.48 Uhr traten die Wanderer

besonderen Maßnahmen zugelassen zu werden, möglichst zu entsprechen.

Beim nächtlichen Bad in der Lahn ertrunken.

In der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr badeten in unmittelbarer Nähe des Bootshauses des Ma- rinevereins zwei Studenten und ein Gerichtsrese- renbar. Auf bisher noch ungeklärte Weife versank plötzlich und unbeobachtet der Gerichtsreferenbar August Weinmann aus Darmstabt (wohnhast in Gießen, Löberstraße 1) unb würbe nicht mehr gesehen. Als bic beiden Stubenten bas Ausbleiben ihres Ramerabcn bemerkten, machten sie sich sofort auf die Suche nach bem Vermißten, benachrichtigten aber schließlich bie Polizei, bic bann gemeinsam mit ber Wache der Militärbabeanstalt Die Lahn ab­suchte. Die Nachforschungen blieben bisher leiber ergebnislos.

** Die Straßenumbauten Sonnen» [trage unb D a m m ft r ahe werben bis morgen abenb abgeschlossen. Die Fahrbahn ber Sonnen- straße hat eine Kaltasphaltbecke, ber Bürgersteig eine Decke von Gußasphalt erhalten. Ueber bie Aus- gcftaltung des kleinen Platzes, ber sich an ber Dammstraße ergeben hat, schweben noch Er­wägungen. v ,, ,

" Vom Brückenbau an der Frank­furter Straße. Dem Umbau der großen Drücke über die Main-Weser-Bahn vor dem Dor- vrt Klein-Linden fiel leider auch das Uhr- türmchen, nahe der Drücke zum Opfer. Von den vielen in Gießen beschäftigten Personen, nament-

ger sestgenommen.

: ° M 18. Aug. 2m a. M. tourte der aui de Felir Sie tau fest- Missionsdirektvr 'elfter des 2ahai-0r- > ip 1878 in öirglih ge- inglich CBud)bruder und in Oerufalem als2nt" Michnei haben bei der ckanlheiien und als Lhi- ängerer Zeit in Deuilch- drei Wochen in Jranl«

i einer Tageszeitung eine der er für eineDeutsch- istlich md national ®e« on Äiederlassungen seines * 2000 618 3000 len. 3n Jrantfurt und in ne ganze Aeihe von Per- indel hineinyesal- ihn eine Frau, die eben«

toorden ist, am Opfer- md feine Festnahme Der« Menge gefälfchtek 'er anderem auch einen lb if)n in der Treck und mit dem Äeichc. » ferner einen QlnÄteeis, hamis nennt. Weiler m über Einnahmen, nach | Patienten behandelt und | >n monatlich 1500 Marl ®

13o6nen »etfliffet Aug. Nach bem Oenufe oon Mitte bie Sam 'e d ffenthal bei Langen unter tungserldjctnungen Lener Krankenhaus eA S bellen Whrige I " heutigen Tages oerftorben. |

lich auch von den im Gießener Dahnhof tätigen Dcdienstetcn und Angestellten, wird dies fchr schmerzlich empfunden. Hoffentlich findet sich nicht weit von der alten Stelle doch wieder ein Platz, wo sich die Uhr aufstellen läßt.

* Einbruch im Gasthaus. Zn der Gast wirtschaftZum Rangierkopf" in Klein- Linden wurde in der Nacht zum Donnerstag ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Der oder bic Diebe erbrachen ein Fenster im Erdgeschoß, drangen in das Gastzimmer ein, fliegen auch in den Keller unb eigneten sich verschiedene wertvolle Oegenftänbc an. Die Einbrecher stahlen einen Rabioapparat mit Lautsprecher, ein Paar braune Herrenhalbschuhe, eine Aktenmappe mit verschiedenen geometrischen Instrumenten, zwei Pakete mit je 20 Tafeln Scho­kolade, einige Flaschen Weinbrand und andere Svirituosen, sowie eine Flasche Bier. Die Landes- kriminalpolizeistelle Gießen nahm sofort, zusammen mit der zuständigen Gendarmerie Gießen, die Er­mittlungen auf. Die Diebe konnten bisher noch nicht gefaßt werden.

" Großer Aehrendleb stahl. Aus einem Weizenacker des Landwirtes Bernhard Kratz in Lindheim (Kreis Tübingen) wurden in der Rächt zum Donnerstag von 53 Garden sämt­liche Aehren abgeschnitten und gestohlen. Der Landwirt sand am anderen Morgen nur noch bic leeren Strohhaufen vor. Der Schaben ist beträcht­lich. Die LandeSkriminalpolizeistelle Gießen nahm sofort bie Ermittlungen auf unb fetzte einen Polizeihund auf die Spur. Bisher waren die Bemühungen der Polizei noch nicht von Erfolg gekrönt, bic Untersuchung wird fortgesetzt.

ee Deerenernte im BergwerkSwald. War schon die diesjährige Himbeerernte gut aus­gefallen, so muß man die jetzt beginnende B rom- bccrcrntc als sehr gut bezeichnen Täglich wandern Hunderte, groß und klein, mit Töpfen und Eimerchen in den nahen BergwerkSwald. um gegen Abend mit gefüllten Gefäßen zurückzu- kchren. Für manche bedeutet das Bcerensammcln, wenn eS auch viele Mühe macht, einen kleinen Nebenverdienst. Leider aber giot eS Leute, die die Beeren schon in halbreifem Zustand abpflücken Wenn nicht bald ein durchdringender Regen kommt, wird das Deerenholcn vorzeitig sein Ende finden, denn die noch nicht auSgcreiften Beeren vertrocknen am Stock.

Wachstum und Begabung.

Interessante neue Forschungsergebnisse.

Don Or. £>. Werner.

Während bie medizinische Wissenschaft bis in die jüngste Gegenwart hinein In erster Linie nur die eigentlichen KrankheitSerscheinungen studierte und der allgemeinen Konstitution deS Menschen wenig Ausmerksamkeit widmete, bat sich in neuester Zeit ein beachtlicher Umschwung in dieser Beziehung vollzogen. Heute steht die Äon« stitutionSforschung stark im Vordergrund deS Interesses, und insbesondere auch die De« ziehung zwischen Körperbau und geistiger Ent­wicklung sind Gegenstand ernsthafter wissenschaft­licher Forschungen geworden.

Der amerikanische Gelehrte Professor Todd hat Tausende von Schulkindern untersucht unb drei Haupttypen deS Körperbaues bei ihnen scst- stellen könnens bie ,.W einglas die ..Ton­nen-" unb bicRöhrensor m". Diese De- zeichuungen vermitteln eine plastische Vorstellung von ber Körperbildung ber Typen Die Wein- glaSform - baS Kinb mit breitem Schultergürtel unb schmalerem Decken soll die günstigste önt- wicklungschance haben DaSTonnenkinb" ist normal veranlagt für seine körperliche unb geistige Entwicklung, während daSRöhrenkind" Schwie­rigkeiten hat. sich langsamer entwickelt, viel Schlaf braucht unb leichter erregbar ist. Womit sich von selbst ergibt, daß ein derartiges Kind in ber Regel kein Musterschüler sein kann. DaS stärkste Wachstum setzt bei allen Typen zu verschiedener Zeit ein. Ob diese plötzliche Körperentwick­lung zwischen dem 13. und 14. Lebens­jahr oder später zwischen dem 15. und 16. Lebens­jahr einsehen wird, kann der Arzt auS dem Knochenbau des KindeS erkennen- Woran« zum anderen wieder Rückschlüsse auf die gesamte Ent­wicklung eines Menschen gezogen werden können.

Die "Begabung eine« KindeS ist nicht un­bedingt maßgebend für da- spätere Leben. Jeder Lehrer wird die Beobachtung gemacht haben, welch ungeheure Unterschiede geistiger, körper­licher unb seelischer Natur zwischen zwanzig Kin­dern deS gleichen Alters unb derselben Klasse bestehen Zwei Gleichaltrige, deren einer ber Reise eines Vierzehnjährigen entspricht, während der andere kaum die Entwicklungsstufe deS Acht­jährigen erreicht hat, sind keine Seltenheit. Es ist vollkommen falsch, wenn liebevolle Eltern aus der geistigen Reise oberBegabung" eine« KindeS positive oder was noch ärger ist negative Schlüsse auf die Stellung de« KindeS im späteren Leben ziehen. ES läßt sich in dem jugendlichen Aller, wo Ausbildung des Körpers und Geiste« noch gegeneinander ausgewogen werden und durchaus nicht parallel lausen, überhaupt nichts auf die Zukunft schließen.

Allzu schnelles Reifen zieht auch in der Regel ein vorzeitiges Alter nach sich. Das ist die alte Erfahrung, die man mit Wunderkindern macht, und gerade bei genialen Menschen ist häufig eine langsame und späte Ent­wicklung beobachtet worden.

Daß bei der sogenanntenSchulbegabung" auch Rassenfragen mitsprechen, beweist die Tat­sache, daß in afrikanischen Schulen, wo weiße unb schwarze Kinder gemeinsam unterrichtet wer­den, die kleinen Neger bi« zum 12. Lebensjahr

macher ein Handwerk darin. L» war ein olel- sekklge» Lokal.

Auf der Rückseite deS Hauses floß, vom Bo­tanischen Garten kommend,bic Stabtbach" vor­bei. Das offene Bett ist noch unverändert vor­handen. Dasselbe zieht um das Schloß und den Heidenturm herum und geht vor der ehe­mals Ottenschen Färberei (dann Restauration Fei del, jetzt SanitätSstation), in einen Kanal über, der, unter dieser herziehend, den Kanzlei­berg in etwa drei Meter Tiefe durchquert unb sich bann unter den Häusern längs der Sonnen- straß-e biS zum ehemals Kathreinschen Haus, an dessen Stelle jetzt daS Sonntagsche steht, fort- setzte. Von da ab floß die Dach wieder offen unb zwar zwischen den Rückseiten der Häuser der Wagen- bzw. Dreihäusergasse einerseits und denen der Sonnenstraße andererseits, her, biS zum ehemaligen Dufchschen unb Malkomesius- schen Vorderhaus, unter welchem sie, die Mäus­burg nach dem Honschen HauS -u durchque­rend, verschwand.

Die MalkomesiuSsche Schlachthalle hatte auszer der erwähnten Türe noch eine solche mit zwei Trepplingen, die direkt in die Dach führten. Einige Meterstromaufwärts" befand sich in dem Hös­chen des Scheelschen, früher Hcniibachschen HauseS, ein offener Zugang zur Dach: abwärt- unter dem ehemalig Dufchschen Vorderhaus, ein eben­solcher, der aber natürlich, wie der Keller über­haupt, üdrrwölbt war.

haubachs (wie ber Busch'schen Firmeninhaber) waren ihre» Zeichen» Blaufärber. Sie wuschen an diesen Stellen die damals von den Dorf- schönen allgemein getragenen hellblauen

Strümpfe aus,

um sie von dem Farbüberschuß zu befreien. Dem Mrygcrmrister Malkomefius fiel es natürlich auch nicht «in etwa au« hygienischen Gründen ben bei seinen Schlachtungen entstehenden Un­rat abzusahven. WaS nicht auf dem, noch der Dach zu etwas abschüfsigen, Doden von selbst ablief, wurde mittels Besens und ein paar Kü­beln Wassers über die Treppe hinauSbesördert. unb bemit hatte er seine Pflicht, Die Halle sauber zu halten, erfüllt. Was die RachbarSleute sagten, war ihm einerlei. Er übte ein altherge­brachtes Recht aus unb bamit basta. Die Anwohner wußten cs ja auch schließlich nicht an­ders und sanden sich damit ab. Rur auf die beiden Färber war Rücksicht zu nehmen, die diese auch ihm gegenüber zeigten. Es soll da nie, wie mir meine Gewährsleute versicherten, zu Dif­ferenzen gekommen fein. ,

ilebrigen« waren cs nicht nur diese drei An­lieger, welche dem armseligen Flüßchen daS Leben lauer machten. Gerade in der offenen Strecke hinter den Häusern ber Sonnenstraße, muhte e« die schamloseste Behandlung über sich ergehen Tassen. .

Den Strümpfen sah man trotz alledem nicht an. daß sie mit Bachwalser gewaschen worden ton­ten, denn sie blinkten in der Sonne in azurner Bläue wie im Hochsommer ber Himmel. Zu hunderten standen sie auf flache Holzschabloncn ausgezogen, an den Häusern der Sonnenstraße entlang, zum Trocknen angelchnt. und wir Jun­gen, die wir beim HinauStragen behilflich waren,

die Weißen In ihren Leistungen übertreffen, während fie dann später den hellhäutigen Mit­schülern gegenüber stark in« Hintertresfen geraten.

Interessant sind auch die Zusammenhänge zwi­schen anormalem Wuchs unb geistiger Entwicklung Zwerg- und Riefenwucks sind viel­fach von geistigen Anormalien begleitet Eine Erklärung Dafür bieten die WachSlumSvorgänge deS Körpers. Sic werden bestimmt durch bic innersekretorischen Drüsen unb lallen sich an Der Entwicklung der Knochen erkennen Da die Ent­wicklung des Gehirn« durch die gleichen Vorgänge bedingt ist wie die Entwicklung Der Knochen, läßt sich au« bem Zustand b* Knochen auch aus den Stand der geistigen Entwicklung schließen. Nicht allein die Größe der Knochen ist Dabei entscheidend, sondern in höherem Maße noch Der Grad, bi« zu dem die Knochen von Dein weichen Zustand der Jugend bereit« in Den festeren unb spröderen bc« erwachsenen Menschen übergegan­gen sind

Daß ber Gehirnanhang, bic sogenannte Hvpo- physe, zum großen Teil bestimmend auf Die Wachstumsvorgänge wirkt, ist heute ziemlich be­kannt Zwei Parallel laufende Vorgänge- werden heute dieser Drüse vor allem zugeschricbem die Entwicklung des Wachstum- körperlich ge­sehen und die der geistigen und körperlichen Reife. Die Hypophyse enthält zwei Arten von Zellen. Die eine Art versorgt nach Ansicht Der Gelehrten daS Blut mit Den chemischen Stoffen, die den Anreiz zum Wachstum geben. Diese Zellen sind in Der frühen Jugend besonders zahl­reich und tätig. Daher wächst der Körper bis zu einem bestimmten Alter Während dieser Zeit ist Die anDcre Gattung von Zellen verhältnis­mäßig untätig. Untersuchungen bei Tieren er­gaben, Daß Die WachstumSzcllen langsam an Kraft abnehmen in gleichem Maße, wie bic zweite Gattung in ihrer Tätigkeit wächst Diese zweiten Zetten beeinflussen unb veranlassen Die Reise DeS jungen Menschen, körperlich unb geistig gesprochen. Also eine starke Entwicklung des Geistes, neben dem Stimmwechsel und der Ausbildung der Körperformen.

Es ist eine ganz bestimmte Zeit, in der diese Umstellung erfolgt, in ber das Wachstum nach­läßt unb Die Reife beginnt. Gewisse Störungen im Ausgleich bieser betben Zettgattungen veran­lassen übertriebene« Wachstum wobei die Reifezellen nicht zur Entfaltung kommen unb die Folge ist, daß ein Riefe mit mangel­haften GelsteSgaben und fehlender Reise entsteht. Ober aber da« Wachstum wird zu srüh unter­brochen, die Entwicklung geistiger und körper­licher Reife setzt zu rasch ein. Ein kleiner Körper mit einem frühreifen Geist entsteht.

Diese Vorgänge, deren tiefste Ursachen man noch immer nicht restlos ergründet hat unb Die Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen blei­ben, lassen sich am Knochenbau eines jungen Menschen unb an bem Zustand der einzelnen Knochenteile erkennen. Vielleicht werden Die Schulkinber von morgen vor dein Eintritt in Die Klasse auf ihren Knochenbau hin röntgenologisch untersucht ...

haben gar manchmal für bie mithelmgebrachken, weder mit Seife noch mit Sank» in ihren nor­malen Zustanb zurückführbaren, bis aus die Kno­chen blaugefärbten Hände, von Der Mutter die verdiente klatschende Quittung erhalten.

Mit dem Abbruch de« Hauses Sonnenstraße 32 ist wieder ein Stück eigenartiger Bau- und Eigentumsverhältnisse, wie sic bei den einengen- den Wällen der Festung Gießen nicht zu ver­meiden waren, verschwunden, und eS wird bie Zeit kommen, in der von dem trautenAlt-Gie­ßen" nicht mehr viel zu sehen ist. Hat man Doch seit Dem 70/7ler Kriege die Straßen ber Alt­stadt Durch Einbau neuer Häuser unb Moderni­sierung der alten derartig umgcmobclt, baß das. an Dem der alte Gießener so sehr hängt: an beni einfachen, freundlichen Giebelhäusern unb -Häus­chen, nur noch an einzelnen Stellen in seines Ursprünglichkeit zu finden ist.

Wit können e» ab ein Glück betrachten, Daß da, alte Baffjau», Die frühere hlrschapotheke, Die beiDen Schlösset auf Dem BranDnkaß und eine Anzahl Burgmannenhäuset erhallen ge­blieben flnD, sonst hätte Gießen au» seiner Der- gangenhell an altertümlichen Bauten nur seht wenig aufzuweifen.

Wie nahe manchmal bic Beseitigung altehr­würdiger Gebäude an ihrem Vollzug vorbei­ging, beweist die Tatsache, Daß man vor gar nicht allzulanger Zeit ernstlich Daran dachte. Dein alten Schloß mit dem Heibcnlurm, das Schicksal deS alten Äollegiengebäubc« mit der Sternwarte, den vier FestungStoren und der Neustäbter Stadt- Pforte zu bereiten. Ob man bic 1810 1812 wegen ihrcS baufälligen DacheS abgebrochene Pankra- tiuSkirchr - iyr Turm steht ja noch nicht auch der Nachwelt hätte erhalten können?

Kii-chlicke Nachrichten.

Jfraetllifche Gemeinden.

Israelitische Bellglonegemelnbe. Gottesdienst in Der Synagoge (SüDanlage). Samstag, 20. August. Vorabend 7.15 Uhr; morgens 8.30; abends 7.45 unb 8.25 Uhr.

Noch vor wenigen Jahren nannte man die SonnenstraßeIn der Sonne" und den Kreuz­plahAuf dem Kreuz". Diese neuen Bezeich­nungen habe ich beibehalten. Dagegen konnte ich mich nicht entschließen, unser Stadlgewä'ser, wel­ches seit Menschengedenken, bi« zu seiner Pietät­losen Elnscharrung, bei ben Gießenernd i e" Bach h, noch zu guter Letzt mitb e t" 'tiad) zu titulieren. Hat ja auch Duden nicht« dagegen, wenn manDen" DachDie Dach nennt

Langfristige Wettervoraussage

für die 3eit vom 19. bie 28. August 1932.

Fortbestand Des vorwiegend helleren, mannen unb trockenen Wetters. Es ist jedoch zu erwarten, baf) bie Tageslmchsttemperaturen in ber nächsten Woche durchschnittlich etwas niedriger fein werden als in dieser Woche.