Ausgabe 
19.8.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

filetierten Bürge rtums. *2tun poche das junge Deutschland an die Tore der Macht. Cs wolle und werde den Nachweis seines Könnens er­bringen. Der Opfertod der Nationalsozialisten habe niemand berührt, dagegen erhebe man jetzt gegen die Züchtigung von Lumpen und Verbre­chern flammenden Protest.Mit dieser Welt, mit dieser Gesellschaft, mit dieser Gesinnung verbin­det uns nichts. Die Nationalsozialisten wollen ein neues Deutschland, ein Vaterland der Ehre, der Freiheit und der Gröhe, einen Staat der Helden und nicht der Händler."

Keine militärischen Absichten der NSOAp.

London, 18. Aug. (TU.) Der Berliner Bericht­erstatter desDaily E x p r e ß" gibt Berichte wieder, die, wie er ausdrücklich bemerkt, nicht von nationalsozialistischer, aber angeblich von maßgeblicher Quelle" stammen, wonach die nationalsozialistische Parteileitung einen Befehl an sämtliche körperlich gesunden Nativ- nalsozialisten erlassen habe, sich innerhalb der nächsten acht Tage den Sturmtruppen a n - z u s ch l i e ß e n. Bei Nichtbefolgung werde mit der Ausweisung aus der Partei gedroht. Als Entschul­digung werde lediglich das Zeugnis eines dem Aerztestab der SA. angehörenden Arztes angenommen.

Hierzu erfährt die Telegraphen-Union von n a - t i o n a l s o z i a l i st i s ch e r Seite, daß die Mel­dung in dieser Form nicht zutrifft. Die natio­nalsozialistische Bewegung verfolge schon immer den Grundsatz, daß die gesunden, kräftigen Parteimitglieder auch in die SA. oder S A. - R e s e r v e gehen,, nur zu dem Zweck, um rein organisatorisch einen engerenZusammen- halt unter den Parteimitgliedern zu schaffen. Die­ter Grundsatz ist jetzt erneut in Erinnerung geru­fen. Mit dem Scheitern der Verhandlungen über die Regierungsumbildung oder mit irgendwelchen m i litärischen Absichten hat das nichts zu tun.

Auflagenachrichten für rechts und links

Berlin, 18. 2lug. (ENB.) Wie der national­sozialistischeAngriff" erklärt, ist ihm heute bei Redaktionsschluß von dem neuen Leiter der Presse-Abteilung der Reichsregierung, Major M a r ck s , eine Auflagenachricht zu den Darstellungen der Unterredungen Hitlers am Samstag mit dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten zugegangen. Er wird sie gemäß den gesetzlichen Bestimmungen morgen zum Abdruck bringen, und zwar auf der ersten Seite mit vierspaltiger Heberschrist.

DasBerliner Tageblatt" veröffent­licht in seiner Freitagmorgen-Ausgabe eine von Dr. Bracht unterzeichnete Auflagenach­richt. 3n dieser heißt es:Unter der Hebcr- schriftW affenschmuggel für die SA." hat dasB. T." ein Telegramm veröffentlicht, nach dem die Kölner politische Polizei bei über- raschenden Haussuchungen in Bergisch-Gladbach über 1000 Schußwaffen gefunden habe, die für nationalsozialistische Gruppen bestimmt gewesen seien. 3m Zusammenhang damit habe die Polizei am Nachmittag des gleichen Tages eine ähnliche Aktion in Wahn bei Köln durch geführt und hier­bei Hundert« von Revolvern, mehrere tausend Schuß Munition und zahlreiche Handgranaten beschlagnahmt. 3n beiden Fällen soll es sich um Waffen gehandelt haben, die aus Belgien stamm­ten. Nach den angestellten amtlichen Ermittlungen entsprechen diese Meldungen nicht den Tatsachen. 3n Bergisch-Gladbach sind in den letzten Wochen insgesamt sieben Waffen beschlagnahmt worden. Gegen die Schuldigen, unter denen sich allerdings auch Nationalsozialisten befinden, ist das Straf­verfahren eingeleitet worden. Weitere Waffen sind ist Bergisch-Gladbach weder vorgefunden

(Spinnerftreif in England.

Liverpool, 17. Aug. (WTB.) Die Arbeiter der Baumwollspinnereien in Preston (Lancashire) sind heute in den Streik getreten. Von 35 Spinnereien sind nur noch acht in Betrieb, noch beschlagnahmt toorben. Auch Die Meldung über eine Waffenbeschlagnahme in Wahn bei Köln entspricht in keiner Weise den Tatsachen.

Aberglaube? Lächerlich!

Von Hans Heimann.

Zweiundzwanzig junge Mädchen, Mitglieder eines Opernballetts, waren in München tätig gewesen und unternahmen anschließend einen Ausflug nach Om­mergnu (Abkürzung fürOberammergau"). Dicht vorm Ziele, in Wurmesau, radelte ihnen ein Schornsteinfeger entgegen, der sofort umzingelt wurde und nach wenigen Sekunden anstatt seines Besens nur noch einen jämmerlichen Stummel in der Hand hielt: denn jede der Tänzerinnen hatte eine Borste entwendet. Weil das Glück bringt. Der Schornsteinfeger selbst war gänzlich frei von Aber­glauben und verlangte den fünffachen Preis. Ich aber ließ mir das Wrack vermachen und schickte es als eingeschriebenes Paket einer Kollegin vom Ka­barett, die sich unterfangen hatte, mir einen Ketten­brief aufzuhalfen mit der herzigen Stelle:Mrs. Reis of Loeben ist blind geworden, der Frau San.- Rat Möller wurde das rechte Bein amputiert, Signor Fernand! geriet mit dem Strafgesetz in Konflikt. Hüte dich also, das Schicksal herauszusor- dern." Das war vor drei Jahren. Trotzdem forderte ich das Schicksal heraus, begab mich in Prag zur Mme. Pruscha und ließ mir (nachdem sie die köst­lichsten Dinge geweissagt hatte) gegen Nachzahlung von vierzig Kronen etwas Düsteres künden: daß ich mich binnen weniger Wochen mit meinem Ra­siermesser schneiden, und daß ich (gegen abermalige Nachzahlung) elend daran zugrunde gehen werde. Daraufhin erwarb ich sämtliche auf dem Erdball erhältliche Arten von Rasiermessern. Drei Jahre hantierte ich in sträflichem Leichtsinn mit meinen Rasiermessern und strafte die Mme. Pruscha unab­lässig Lügen. Und obwohl ich seit je ein Mensch ohne Aberglauben war, wurde ich nach und nach immer weniger abergläubisch, bis in den letzten Winkel meiner, Seele hinein. Ich stand gewohnheits- mäßig mit dem linken Fuß auf: die Sonne Cäsar Flaischlens lachte mir hartnäckig. Ich heiratete an einem Freitag und verschüttete für alle Fälle gleich beim Hochzeitsmahl die auf der Tafel reichlich vor- handenen Salznäpfchen: meine Ehe nahm keinerlei Schaden. In der Sommerfrische freue ich mich all- morgens der Spinnen ober auch der Schäfchen zur Rechten. Ob ein Leichenwagen an mir vorüberfährt oder nicht ich deute ihn nicht als Vorboten. Als Dritter zünde ich meine Zigarre am selben Streich­holz an. Und beim Abschiednehmen von mehreren Personen reiche ich die Hand übers Kreuz oder nicht es- ist mir einerlei.

piccard am Garda-Gee gelandet.

W

Wenige Minuten vor dem Aufstieg. Links: Professor Piccard. In der Kugelöffnung- Max C o s y n s.

Verona, 18. Aug. (MTV.) Der Ballon Professor Piccards ist, nachdem er Riva in etwa 1400 Meier höhe überflogen Hal, in der Nähe von Verona am unteren Gardasee um 17.10 Uhr niedergegangen.

Herzlicher Empfang in Italien.

Mailand, 18. Aug. (WTB.) Die Kunde vom Fluge Professor Piccards hatte sich rasch In dem Gebiet des Garda.Sees verbreitet. Tausende von Personen verfolgten mit lebhaftem 3nteresse den

D EUTSCHLAND

ntoi

oMaran

Posch tavo

Die ungefähre Flugroute Piccards.

langsamen Flug des Ballons. Hm 14 Hhr war Prof. Piccard bis auf eine Höhe von tausend Meter herabgestiegen und überflog Dese n . z a n o zweieinhalb Stunden lang. Von hier aus nahm er Kurs gegen Castiglione della S t i v l e r e und landete dann in der Nähe von Monzambano. Eine zahlreiche Zuschauer­menge zollte den mutigen Fliegern begeisterten Beifall. Prof. Piccard verließ gleich nach der Landung die Gondel und begab sich im Auto nach Desenzano, während C o s h n s an der Lan­dungsstelle blieb.

Wie weiter aus Desenzano gemeldet wird, hat Professor Piccard seinen Flug in aus- gezelchn eter gesundheitlicher Ver­fassung beendet. Das italienische Luftfahrt­ministerium, das schon vorher von der Möglich­keit einer Landung im Gebiet von Mantua in­formiert worden war, hatte den Offizieren und Soldaten der Fliegertruppe den Befehl erteilt, sich für alle Fälle bereit zu halten. Der Befehl wurde sofort ausgeführt. Von Verona, Desenzano und Verrara waren Flug­zeuge aufgestiegen, um bei der Landung und bei der Bergung der wissenschaftlichen 3nstru- mente behilflich zu sein.

piccard ist zufrieden.

Desenzano, 19. Aug. (WTB. Funkspruch.) Piccard und sein Begleiter C o s h n s wurden bei ihrer Ankunft gegen 22.15 Hhr vom Podesta und den übrigen Ortsbehörden begrüßt. Gleich­zeitig kamen zwei Lastkraftwagen an, auf denen Die Ballonhülle und die Gondel, sowie alle 3n- strumente verstaut waren, die Piccard persönlich abmontiert hatte. Piccard, der sehr ermüdet schien, zog sich sofort nach seiner Ankunft auf sein Zim­mer zurück. Doch fand er noch Zeit, den Presse­vertretern gegenüber seiner großen Genug­tuung über das Gelingen des Unter- nehmens Ausdruck zu verleihen. Er erklärte, daß er beim Aufstieg mehrere Male die Adria und das Tyrrhenische Meer habe sehen können. Die Meßinstrumente hätten außer­halb der Gondel eine Temperatur von 5 5 Grad unter Null und in der Gondel von 15 Grad unter Null ausgezeichnet. Der Ballon habe eine Höhe von 167 00 Meter erreicht. Das ausgezeichnete Wetter habe ge­stattet, zahlreiche Beobachtungen anzu­stellen, auf deren Durchführung er von Anfang an gehofft habe. Die vor dem Hotel harrende Menge brachte Professor Piccard begeisterte Huldigungen dar, so daß er viermal auf dem Balkon erscheinen mußte.

Oie wissenschaftlichen Instrumente beschädigt.

Paris, 19. Aug. (WTB. Funkspruch.) Ein Vertreter der Agentur Havas meldet aus Desen-

Richard Wagner hat 13 Buchstaben, wurde 1813 geboren, die Quersumme von 1813 ist 13, an einem 13. April (1845) wurde derTannhäuser" vollendet, an einem 13. März (1861) wurde er uraufgeführt, und an einem 13. Februar (1883) starb Wagner. Was besagt das angesichts des ungeheuren Vorrats von Möglichkeiten, die ein geschehnisreiches Leben bietet? Massenet unterschlug beim Numerieren sei­ner Partitur stets die 13 die ansonsten in Frank­reich beliebt ist und der Mistinguette als Glückszahl gilt. Moltke sagte oft:Unberufen!" machte also von einer Angewohnheit der skeptischsten Skeptiker Gebrauch, die beim Ausspucken nur deshalb Holz anfassen, weil Asbest oder Leder weniger oft vorzw kommen pflegt. Der Mensch, der ins Licht der Scheinwerfer tritt (Schauspieler, Sängerin, Diseuse, Akrobat, Equilibristin, Bahbuffo, Rezitator) ist aber­gläubisch, um das böse Vorzeichen sofort zu durch­kreuzen und dadurch Sicherheit zu gewinnen. Denn wenn man rechts stolpert, braucht man nur dreimal über die linke Schulter zu spucken, und es kann einem nichts geschehen. Mit Spucke, dieser wahrlich wohlfeilen Substanz, wird alles Unheil abgewendet und ins Heil umgebogen. Nicht-Unglück wandelt sich zu Glück.

Stellt man Schuhe aus den Tisch, gibt's Krach: pfeift ein Jüngling bei Tische, erwischt'er eine ver­wachsene Frau: sitz) man an der Ecke des Tisches, wird man einer bösen Schwiegermutter teilhaftig: drei Beispiele für indirekte Erziehung und nicht für Aberglauben. Wird die Braut mit ihrem Schleier vom Regen überrascht, hat sie Aussichten auf eine ideale Ehe: ein Beispiel für indirekten Trost und nicht für Aberglauben. Drinat nachts ein wilder Löwe brüllend in dein Schlafgemach, so darfst du Angst haben und dir einbilden, der Löwe bekomme welche, sobald du kabbalistische Zeichen in die Lust malst (knips das Licht an!) und ihn dadurch der­maßen verwirrst, daß er im selben Grade, wie du deine Angst abreagierst (Verzeihung!), vor deinen kabbalistischen Mätzchen von Angst erfüllt wird und sich grausend wendet in der Meinung, du seist Gu­stav Meyrink persönlich. Vielleicht wird er aber etwas ganz anderes tun. Und du vielleicht auch.

Auf einemvielleicht" beruht der Aberglaube. Man ist abergläubisch, wo man unsicher ist und mit einemvielleicht" rechnen muß. Also eigentlich im­mer und überall. Der Wilde wie der zivilisierte Wilde. Und außerdem ist es vorteilhafter, der über den kleinen Weg gehuschten schwarzen Katze die Schuld am Unfall zuzumessen, als der heute zum erstenmal schofsierenden Gattin.

Für viele ist der Aberglaube ein Schwimmgürtel, ein Rettungsring. Sie könntenvielleicht" sehr gut schwimmen, aber sie wollen sicher sein. Und wer weiß, ob sie als geborene Nichtschwimmer nicht durch dauernden Gebrauch eines Rettungsringes das Schwimmen perfekt erlernen?

Was einen Menschen glücklich macht, soll man ihm lassen. Und jede starke Lüge birgt ein Fünkchen Wahrheit

Oie Bürgermeisterwahl im Wasser.

Sollte da in einem Oertchen an der Maritza, nicht weit von Sofia, ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Die Parteien im Rat konnten sich nicht einigen. Man schlug wütende Rede­schlachten, die Gemüter erhitzten sich mit jeder neuen Debatte immer mehr, und es bestand die Gefahr, daß es blutige Köpfe geben würde. Es wurde der Präfekt gerufen, damit er ver­mittele. Der Präfekt tat das auf höchst originelle Weise, er ließ die Parteien sich streiten und schaute derweilen höchst interessiert zum Fenster hinaus. Dann schwang er die Glocke, mit der er den Redeschwung unterbrach. Er erhob sich und bat alle Versammelten, mit ihm ans Fenster zu treten. Hier wies er auf die unten vorbei­strömende Maritza, den Strom, der in der bul­garischen Nationalhymne verherrlicht wird. Seine Wellen, sagte er, würden nicht nur die bulgari­schen Herzen, sondern auch den Körper eines guten Bulgaren erfrischen. Er schlage deshalb vor, die Sitzung auf kurze Zeit zu unterbrechen und in der Zwischenzeit ein gemeinsames Bad in dem schönen nationalen Strom, der Maritza, zu nehmen. Gesagt, getan. Gemeinderat begab sich aus dem Sitzungssaal an das Ufer des Flusses, entledigte sich der Kleider und sprang ins Wasser. Hier wurde der Wahlkampf eifrig fortgesetzt, aber nicht mit heftigen Worten, sondern mit lustigem Geplantsche. Nach einer Weil hielt der Präfekt abermals eine herzhafte Ansprache an die gc- meinderätlichen Nackedeis und sagte: aus Eurer Erregung habe ich ersehen, daß 3hr eine große Entscheidung treffen wollt. Es ist verständlich, wenn 3hr Euch vorher gegenseitig massakrieren wollt. Fangt aber möglichst zeitig damit an, damit dies bis zum Wahltag beendet ist. 3e mehr Kandidaten vor der Wahl erledigt werden, desto besser für den, der gewählt werden soll. Die Gemeinderäte standen verdutzt im Wasser, einige waren so beschämt, daß sie einen Taucher

zano, der Begleiter von Professor Piccard, 3n- genieur C o s y n s, habe erklärt, daß sämtliche wissenschaftlichen 3nstrumente bei der Landung beschädigt worden seien. Doch seien die wissenschaftlichen Dokumente intakt geblieben.

Giaaiskonimissare für preußische Gemeinden.

Berlin, 18. Aug. (WTB.) Gegenüber viel­fachen Nachrichten über die bevorstehende Bestel­lung von Staatskommissaren in einigen Gemeinden wird von amtlicher Seite mitgeteilt, daß tatsächlich seitens der Staatsregierung Maß­nahmen beabsichtigt sind, um auf eine gewis­senhaftere und pünktlichere Abfüh­rung der von den säumigen Gemeinden erho­benen Staats st euern an die Staatskasse zu dringen. Die Rechtsgrundlage hierzu bietet die in der Haushaltsfeststellungsverordnung noch von der früheren geschäftsführenden Regierung ge­troffene Bestimmung. Danach erhält der Finanz­minister das Recht, einen besonderen vtaats- beamten in die säumigen Gemeinden zu entsenden, der alle Maßnahmen zur pünktlichen Ablieferung der Staatssteuern ergreifen und im Notfälle der Gemeindekasse unmittelbar Zah­lungsanweisung zur Abführung der nach seiner Bestellung eingegangenen Staatssteuerbeträge geben kann. Das dem Finanzminister einge­räumte Recht soll den Regierungspräsidenten übertragen werden. 3n welchen Fällen die Re­gierungspräsidenten von der Entsendung beson­derer Beauftragter Gebrauch machen werden, wird durchaus von der Lage des Cinzelfalles abhängen. Die gedachte Maßnahme wird nur als äußerstes Mittel in Anwendung kommen. 3n jedem Falle wird dafür gesorgt werden, daß durch die Anordnungen der in die Gemeinden entsandten Beauftragten die Erfüllung der dring­lichen Zahlungsverpflichtungen aus Gehältern, Löhnen und Wohlfahrtsunterstützungen keine Stockung erfährt.

Ein großer Betrüger festgenommen.

WSR. Frankfurt a. M., 18. Aug. Am Opferdenkmal in Frankfurt a. M. wurde der aus Berlin-Steglitz stammende Felir Li er au fest­genommen, der sich als Missionsdirektor und Landesgrohmeister des Bahai-Or­dens bezeichnete. Lierau ist 1878 in Steglitz ge­boren und war ursprünglich Buchdrucker und Heilgehilfe. 1930 war er in 3erusalem alsArzt" tätig. Er soll sich ausgezeichnet haben bei der Bekämpfung von Tropenkrankheiten und als Chi­rurg. Lierau reist seit längerer Zeit in Deutsch­land umher und ist seit drei Wochen in Frank­furttätig. Er hatte in einer Tageszeitung eine Anzeige aufgegeben, in der er für eineDeutsch- chvistliche Mission" christlich und national Ge­sinnte sucht als Leiter von Niederlassungen seines Ordens. ^Interessenten mußten 2 0 0 0 b i s 3 0 0 0 Mark Kaution stellen. 3n Frankfurt und in anderen Städten soll eine ganze Reihe von Per­sonen auf den Schwindel hineingefal- l e n sein. Gestern hat ihn eine Frau, die eben­falls von ihm geneppt worden ist, am Opfer­denkmal wiedererkannt und seine Festnahme ver­anlaßt. Man fand eine Menge gefälschter Papiere bei ihm, unter anberem auch einen Nachweis, dessen Lichtbild ihn in der Tracht eines Rabbiners zeigt und mit dem Zeichen seines Ordens versehen, ferner einen Ausweis, auf dem er sich Dr. L. Hamis nennt. Weiter fand man eine Aufstellung über Einnahmen, nach denen er täglich 25 Patienten behandelt und mit einer Einnahme von monatlich 1500 Mark rechnet.

Durch eingemachte Bohnen vergiftet.

WSN. Langen, 18. Aug. Nach dem Genuß von eingemachten Bohnen erkrankte die Familie des Philipp Fritsch aus Offenthal bei Langen unter schweren Vergiftungserscheinungen und mußte in das Langener Krankenhaus einge­liefert werden. Fritsch und dessen 18jährige Tochter sind dort im Laufe des heutigen Tages verstorben. Die Mutter liegt ohne Besinnung hoffnungslos dar­nieder.

versuchten. Nun trat einer der Ratsmitglieder vor, lobte den Präsekten wegen seines guten Rates und machte dem Gemeinderat den Vor­schlag, den Streit zu begraben, bzw. gleich ins Wasser zu versenken und den Bürgermeister jetzt sofort im Wasser zu wählen. Es war ihnen wohl schon reichlich kühl im Wasser geworden, denn innerhalb zwei Minuten hatte man sich ge­einigt und die Wahl einstimmig vollzogen. Hnter dem Gesang der bulgarischen Nationalhymne kroch der Gemeinderat ans Hser, stieg in die Kleider und anschließend ins nächste Wirtshaus.

Hochschulnachrichten.

Der Zoologe Professor Dr. Ludwig Plate, Ernst Haeckels Nachfolger an der Hniversität 3 e n a, beging dieser Tage seinen 7 0. Ge­burtstag. Plate ist 1862 zu Bremen geboren, war Schüler von Ernst Haeckel und Richard Hert- wig, erwarb in 3cna den Doktorgrad und habi­litierte sich 1888 in Marburg für Zoologie. 1905 wurde Plate Ordinarius der Zoologie an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule und übernahm fünf 3ahre später als Nachfolger Haeckels das Ordinariat der Zoologie in 3ena. Sein Spezialgebiet ist die Abstammungs- und Vererbungslehre, Anatomie und Phylogemie der Mollusken.

Der Romanist Professor Dr. Rudolf Zenker in Rostock beging dieser Tage seinen 70. Ge­burtstag. Gebürtig aus Dresden, erwarb er in Erlangen den Doktorgrad, erhielt 1898 in Würzburg die venia legendi und siedelte acht 3ahre später als ao. Professor nach Rostock über. Hier erhielt er 1905 die Beförderung zum Or­dinarius. Professor Zenker ist Herausgeber der Romanischen Forschungen".

Der Hamburger Prioatdozent Dr. Albrecht Unsöld hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Physik an der Universität Kiel als Nachfolger von Professor Walter Kassel erhalten.

Als Nachfolger von Professor Wolfgang Denk ist der Privatdozent Dr. Peter Walze! an der Wiener Hniversität zum ordentlichen Professor der Chirurgie der Hniversität Graz ernannt worden.

Zum Ordinarius der Chirurgie an der Hni­versität 3nnsbruck als Nachfolger von Pro­fessor Egon Ranz! wurde Dr. Burghard Breit­ner, Privatdozent an der Hniversität Wien ernannt.