Ausgabe 
19.8.1932 Frühausgabe
 
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llr. M Svühausgabe (82. Jahrgang 8reitag, (9. August 1952

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher.

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Dr. Friede Wtth. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tdyrcot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den

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Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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ZRanönotcn.

Nach dem Kriege hat man fo recht gespürt, wie unbekümmert die leitenden Stellen in dem Marine­wesen Deutschlands verfahren haben, als sie seit Gründung der deutschen Kriegsmarine im Fahre 1888 sich überhaupt nicht darum kümmerten, daß Logbücher und Aufzeichnungen von Mitgliedern der einzelnen Schiffe archivarisch gesammelt wurden. Unter größten Mühen und Anstrengungen ist es Vizeadmiral a. D. Dr. E von M a n t e y im Fahre 1919 gelungen, ein regelrechtes Marine- archiv auf die Beine zu stellen. Er hat keine Kosten und keine Anfeindungen gescheut die Re- volutionäre wollten sogar die für sie unwichtigen Marineakten vernichten und hat in langer und Zäher Arbeit Stück für Stück zusammengetragen, hat sich mit Hilfe seiner zahlreichen Freunde und teilweise auch mit Hilfe der Admiralität das Mate­rial zusommengesucht, das heute in den Räumen eines Hauses im Regierungsviertel der Reichshaupt stadt untergebracht ist.

1919, also mit dem eigentlichen Gründungsjahr dieses Archivs, waren es natürlich plan- und wahl­los zusammengewürfelte Akten, die nach und nach sortiert und durchgearbeitet werden mußten, bis sich die jetzt vorhandenen 170 000 wichtigen Auszeich­nungen geordnet aufstapeln ließen. Fn erster Linie befinden sich Admiralstabsakten, Tagebücher (nicht die alten Reichsmarineakten), politische Aufzeichnun­gen und Flottengesetze in dieser Sammlung. Ganz besonders die Tagebücher der leitenden Offiziere wiesen erhebliche Lücken auf, die durch einen regen Briefwechsel und durch Nachforschungen teils in England, Frankreich oder Ftalien aufgefüllt werden mußten. Aber leider hat die englische Stelle, die unser deutsches Archiv bis jetzt bereitwilligst und kameradschastlichst unterstützte und jede Auskunft über irgendeine Frage gern zur Verfügung stellte, jetzt ihren Austausch von Quellenangaben und Tat­sachenberichten eingeschränkt, da die Fachstellen in England nicht mehr genügend Arbeitskräfte zur 1 Verfügung haben, um unseren Wünschen gerecht werden zu können

Aber neben der Sammeltätigkeit, der sich Vize­admiral von Mantey hauptsächlich gewidmet hat, werden in dem Marinearchiv in Berlin wissensch-fi- liche Bücher geschrieben, die den Seekrieg 1914 bis 1918 in allen Gewässern der (Welt auf das Genaueste darstellen. Für den Leiter des Archivs ist es eine ungeheure Arbeit, denn er hat nicht wie das Reichs­archiv Mittel des Staates zur Verfügung, sondern muß seine Kräfte die er für die Ausarbeitung der w chtigen Karten und für die Bearbeitung der wissenschaftlichen Bücher braucht, aus dem Erlös dieser Werke nehmen. Elf dicke Bände liegen bis jetzt gedruckt vor, achtzehn Buchausgaben sollen den gesamten Weltkrieg zur See erfassen. Leider ist es den Sachbearbeitern in b'cfrm Archiv nicht m glich, die weiteren Bücher der Oeffentlichkeit zu übergeben, da sie nicht genügend Absatzmöglichkeiten sehen.^(ber der Kern der ganzen Arbeit liegt doch in dem Sam­meln und Stapeln der Aufzeichnungen, die wohl­geordnet in dem Marine Archiv ruhen. Mit Le chtig- keit ist aus den Logbüchern festzustellen, wie alle deutschen Kriegsschiffe und U Boote während des Krieges manövrierten, was ihre Besatzung erlebte, und zu ersehen, mir tapfer und treu sie ihrem Vaterland gedient hat.

Die deutschen Kriegsteilnehmer, die nach Der. dun geeilt- waren, um an der Cinweihung des Beinhauses von D ou a u m o n t teil, zunehmen, sind, wie übrigens auch zu erwarten war, schwer enttäuscht worden. Frankreich, das an der Stelle, wo sich früher das Fort Douau- mont befand, das größte Totenmal errichtete, hat die Feier der Einweihung nicht zu der größten und würdigsten Gedenkfeier für die Toten des Weltkriegs gemacht, sondern zu einer rr t n französischen politischen Angelegenheit. Lin. ter den unbekannten Gefallenen, deren Lieberreste in dem Deinhaus ruhen, befinden sich ebensoviele Deutsche wie Franzosen. 3n den Reden, die der Präsident der Republik hielt, der Kriegsminister Boncour, der Marschall Petain. einer der letzten überlebenden Führer des französischen Heeres aus dem Kriege, gedachten sie nur der französischen Gefallenen, nicht auch der deutschen. 3m Gegen- teil, die Reden waren voll versteckter Anspielungen gegen Deutschland, es waren noch die alten Haß- und Kampfreden, die man zum Äeberdruß kennt aus der Zeit, als sie noch zum regelmäßigen Sonntagsprogramm der französi- schen Politiker um Poincare gehörten.

Es war keine Totenfeier, sondern eine Gelegen- heit für Frankreich, ein militärisches Schaugc- pränge größten Stils zu entfalten, eine Sieges­feier, der die seit dem Kriege vergangenen 14 Jahre nicht den versöhnlichen Charakter zu geben vermochten, den man bei ähnlichen Der- anstaltungen in anderen Ländern trifft. Eine Fefer, die mehr dem Andenken an die Alliance der im Krieg verbündeten Staaten gewidmet ! war, als den Gefallenen von Verdun. Rur Ita­lien'hatte sich ausgeschlossen. 3n dem Wald von Fahnen aus allen am Krieg auf französischer Leite beteiligt gewesenen Staaten fehlte die italienische.

Der Besuch der Einweihungsfeier war enorm. Jedes verfügbare Zimmer in Verdun war be­seht. Den Großteil der Festteilnehmer bildeten natürlich die früheren Soldaten, namentlich die, die vor Verdun gefochten haben, die durch die ..Hölle von Verdun" hindurchmuhten. Sie hatten ihre alten Uniformen angezogen, die Ehrenzeichen am Rock. Auch die französischen Kolonialtruppen waren sehr zahlreich vertreten.

Das Beinhaus steht auf der Höhe von Thiaurnonl. Es ist bas größte Kriegerdenkmal

Oie Schicksalsfrage des Kabinetts Papen.

Von unserer Berliner Redaktion.

Die Regierung Papen weiß genau, daß man ihr heute von links und von rechts mit teils ab- wartendem, teils feindlichem Mißtrauen be­gegnet, daß weite Dolkskre.se in ihr eine Inter­essengemeinschaft von Baronen. Junkern und In­dustriekapitänen erblicken. Die Regierung darf aber überzeugt sein, daß sie sich sehr schnell eine breite Grundlage des Dertrauens zu schaffen vermag, wenn sie recht bald wirkungsvolle und mut.gc Ansätze zu erlösenden Taten findet und sichtbar zu machen versteht.

..Wir werden lange im Amte s ein", diese Ankündigung des Kanzlers in seinem Reuter-Interview wurde unterstrichen durch die Hoffnung, daß ein Appell an den gefun­den Menschenverstand seine Wirkung nicht verfehlen werde. Der gesunde Menschenverstand ist ganz etwas anderes, als der berühmte und berüchtigte und viel mißbrauchte sog.Sach­verstand", auf den sich bisher noch alle unsere Regierungen bei ihren wirtschaftlichen Maß­nahmen verlassen haben. Lind dann waren sie, wie uns die Ereignisse belehrt haben, in der Tat verlassen.und verkauft. Der Mann im Dolke ist heute von einem tiefen Mißtrauen erfüllt gegen die Ratschläge der Sachverständigen, von denen er inzwischen gemerkt hat. daß sie immer in erster Linie Interessenvertreter sind. Drei Gutachten von drei solchen Leuten werden fast immer nach auseinanderstrebenden Richtungen weisen. Ihr Inhalt ist stets weniger Programm, als eine Anhäufung von Bedenken und Warnun­gen gegen übereilte Entschlüsse und eine Zu­sammenstellung von Forderungen, deren inter- efsenmäßige Begründung oft nur ganz dürftig verschleiert ist. Aus dem Wege eines K v m Pro­mi s > e s zwischensachverständigen" Gutachten kann niemals eine große und rettende T a t gefunden werden

Soeben hat der Reichsverband der deutschen Industrie eine Kundgebung zu den A r b e i t s - beschasfungsplänen veröffentlicht. Sie be­stätigt, was zur Charakterisierung solcher Gut­achten gesagt wurde. Sie glaubt nicht an einen konjunkturiördernden Einfluß, sie lehnt alle ufer­losen Pläne ab", sieempfiehlt gewissenhaftes Abwägen" und dann kommt das alte Lied: Eine Besserung kann nur ..." Würde man die Gewerkschaften fragen, so liegt die Antwort auch schon fest:Erhöhung der Kaufkraft durch Er­höhung der Löhne. Lind der Dertreter der Reichsbank sagt natürlich und kann von feinem Standpunkt aus gar nichts anderes sagen:Hände weg von der Währung!"

Ein.- Regierung, die zw scheu diesen Heubündeln der Schlagworte weiter zaudern würde, kann das Volk, das sie vertritt, nicht mehr lange vor dem Verhungern retten. Der gesunde Menschenver­stand, von dem die Angelsachsen offenbar etwas mehr haben als wir allzu wissenschaftlichen und allzu methodischen Deutschen, ist sich längst dar­über klar, daß die Krise, soweit sie von inneren Bedingungen abhängig ist, nicht eine Krise der Produktion, sondern eine solche des Absatzes und der Verteilung ist. Diejenige Einfuhrmenge, die wir nicht entbehren können, vermögen wir immer noch mit unserer Ausfuhr zu bezahlen. Im Innern aber haben wir einen völlig ausreichenden, längst nicht ausgenutzten Produk t i onsapparat und ungenutzte Arbeitskräfte, die sich danach sehnen, in diesem Produktionsapparat neue und vermehrte Werte für einen vermehrten Derbrauch zu schaffen. Davon werden wir nicht selig, daß 4,20 Mark unverändert einem Dollar gleichzusehen sind, wenn sich Herausstellen sollte, daß neue Wege des Geld - und Kredit­wesens den gelähmten Produktionsapparat in Bewegung bringen könnten. Das deutsche Dolk wird auch nicht davon satt, wenn die Betriebe rentabel werden. Es wird aber davon satt, daß die Betriebe in vollem Umfange ar­beiten. Rentabilitätsprinzip im alten privat- wirtschaftlichen Sinne, Golddogma der Währung und Larifpolitik der Gewerischaften werden vom deutschen Dolke nicht beweint werden, wenn sie über Bord gehen, wenn aber dafür wirklich unsere

der Erde. Der Turm ist 46 Meter hoch. Auf seinem Altan brennen Nacht für Nacht die Leuchtfeuer. Im Gestühl hängt die große Glocke von Douaumont, zu beiden Seiten des Turmes liegen die Beinhallen, in denen Kapellen für alle Religionsbekenntnisse und 52 Grüfte untergebracht sind. Noch täglich werden auf dem Kampffelde um Verdun Ueberreste von Ge­fallenen gefunden. Sie werden alle im Beinhaus bei­gesetzt. Die Zahl der hier Bestatteten übertrifft schon die Zehntausende. Niemand vermag mehr festzu­stellen was deutsche, was französische Krieger waren. Um so befremdender wirkt es, daß in den Grufthallen nid)t eine Inschrift, nicht ein Emblem in der Aus­schmückung daran erinnert, daß auch Deutsche hier'bestattet liegen. *

Die Unterzeichnung eines russisch-japanischen Fischereivertrags nach mehrjähriger Derhandlung ist mehr als nur ein Wirtschaftsabkommen. Der -Vertrag muß vielmehr als ein neuer Auftakt iu besseren politischen Verhältnissen zwischen Rußland und Japan angesehen werden. Das ist bei der Llngelöstheit der mandschurischen Pro­bleme durchaus ein Fortschritt. Aber dennoch nur ein erstes Glied in einer Kette von neuen poli­tischen Ereignissen, die sich immer deutlicher an- kündigen. Wenn man nämlich bedenkt, daß um die

Wirtschaft so angekurbelt werden.kann, daß alle Volksgenossen ausreichend Arbeit und Brot haben.

Die Regierung wird nur bann, wie Papen sagte, sehr lange im Amt bleiben können, wenn sie den Willen hat, falsche Rücksichten mutig beiseite z u schieben und wenn sie jenseits dieser Rücksichten die neuen Wege findet, die vom gesunden Menschenver­stand gewiesen werden.

Verständigung mit der Reichsbank.

Heute Äabineitssitzunq.

Berlin, 18. Aug. (TLl.) Wie die Sil. er­fährt, haben die Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler und dem Reichsbank­präsidenten am Donnerstag soweit zu einer Annäherung der Standpunkte geführt, daß am Freitag eine entscheidende Kabinetts- s i h u n g über das Arbeitsbeschaf­fungsprogramm der Reichsregierung statt­finden kann. Bei den bisherigen Verhandlungen handelte es sich bekanntlich um eine Summe von 200 Millionen, die von der Reichsbank in Form von Wechseln diskontiert werden sollen.

Oie Koionialfrage.

Berlin, 18. Aug. (Sil.) Zu der Bemerkung des Reichskanzlers von Papen in seiner einem englischen Pressevertreter gewährten Unterredung bezüglich der Kolonialfrage wird von zu­ständiger Stelle erklärt, diese Bemerkung sei so auszufassen, daß die Kolonialsrage im Rahmen der Verhandlung über bie allge­meine Gleichberechtigung Deutsch­lands besprochen werde. Die Frage werde aber nicht vordringlich behandelt. Sie sei wohl durch den Besuch des früheren Kolonialstaatssekretärs von L i n d e q u i st bei dem Reichskanzler an- < geregt worden. Reichswehrminister von Schlei- I

cher habe keine Verhandlungen über die Kolonialfrage geführt.

Kerrl bei Hitler.

Besprechungen über die Ncgicrunstebildung in Preußen

Berlin, 18. Aug. (CNB.) DemAngriff" zu­folge steht die Tagesordnung für die Landtags- si tz u n g am 25. August noch nicht fest, insbeson­dere ist noch unbestimmt, wann die Wahl des Ministerpräsidenten aus die Tages­ordnung gesetzt wird. Landtagspräsident Kerrl Hal sich, nach der gleichen Quelle, zur Berichterstattung und Information über das preußische Regierungs­problem nach München zum Führer der NSDAP, begeben, von wo seine Rückkehr für morgen erwartet wird. Von dem Ergebnis dieser Unterredung sind, wie derAngriff" meldet, die weiteren Maßnahmen abhängig.

Oie revolutionäre Bewegung der NGOAp.

2A.»Stabschef Üiöhm ar die TA.»Leute.

München, 18. August. (TU.) In der national­sozialistischen Parteikorresponde: zQ SK." er- klärte der Chef des Stabes, Röhm, die natio­nalsozialistische Bewegung sei ih.em Ursprung und ihrem Ziele nach eine revolu­tionäre Be wegu ng . weil sie ein-? grund­legende Reugestaltun g des Staate s nach Wesen und Inhalt erftrcLc Der Träger dieses revolut onären e'ran'eas.i e ur der SA. - Mann sein. Es mässe immer wieder herausgestellt werden, daß sein Streben und fe n Kampf richt allein dem Ziele biene, den Marxis­mus in r?n seinen Spielarten vom B o l s ch e - wism bis zur sozialdemokratischen Bourg eoisie zu schlagen, sondern daß er sich ebenso klar eindeutig und rücksichtslos aäsehe von der ideenlosen Reaktion e ines oct -

Deutschland fordert Wehrrecht.

Eine Kundgeoung des Aufklärungsausschufses für nationale Sicher eit.

Berlin, 18. August. (TU.) Der Aufklä­rungsausschuß für nationale Sicher­heit veranstaltete am Donnerstag einen Empfang für die in- und ausländische Presse.

Der Präsident des Reichskriegerbundes Kyffhäu- fer, General d. A. a. D. von Horn, begrüßte die Vertreter der in- und ausländischen Presse und führte aus, daß sich der Deutsche Reichskriegerbund Kysfhäuser, der Arbeitsausschuß deutscher Verbände und die Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wehrver­stärkung infolge des ergebnislosen Verlaufes der Abrüstungskonferenz in einemA u f klärungs­ausschuß für nationale Sicherheit" zusammengefunden hätten mit der ausdrücklichen Absicht,

das deutsche Recht auf Gleichberechtigung, Sicherheit und Ehre auf breitester Grundlage

in allen Volksschichten geltend zu machen.

Das deutsche Volk müsse fordern, das Vaterland in Not und Gefahr schützen und verteidigen zu kön­nen.

Generalmajor a D. von Frankenberg und P r o s ch l i tz erklärte als Vertreter der Arbeitsge­meinschaft für deutsche Wehroerstärkung, die Ar­beitsgemeinschaft sei 1930 in München ins Leben gerufen worden, weil schon damals die Entwick­lung der Abrüstungsverhandlungen hätte erkennen lassen, daß sie dem völlig schütz- und wehrlosen Deutschland die nationale Sicherheit nicht bringen würde, auf die es denselben Anspruch habe und erhebe, den alle anderen Bölter- bundsmitglieder für sich geltend machten. Da die Entschließung vom 22. Juli, mit der sich die Ab­rüstungskonferenz vertagt habe, keine Aussicht auf Besserung der deutschen Sicherheit enthalte, hätte

sie von uns abgelehnt werden müssen. Wenn keine Aussicht vorhanden sei, daß die Gleichberechti­gung Deutschlands mit den anderen Ver­tragspartnern durch Abrüstung oder mindestens eine merkbare Rüstungsminderung bei ihnen ge­wonnen werde, so könne

ein Ausgleich nur durch Verstärkung der deutschen verteidigungsmitlel geschaffen werden. Das fei die Forderung, die von der Arbeitsgemeinschaft für deutsche Wehrverstär­kung um der nationalen Sicherheit Deutschlands willen ausgestellt und unverblümt angemeldet werde. Der aeschäflssührende Vizepräsident des Arbeits­ausschusses deutscher Verbände, Dr. h. c. Hans Draeger, führt aus, daß der gegenwär­tige 3 u ft a n b , der die Scheidung zwischen schwer bewaffneten und beinahe waffenlosen Völkern auf­recht erhalte, rechtswidrig sei. Die jetzt statt­findenden diplomatischen Verhandlungen hätten nur dann einen Sinn, roenne eine

vollkommene Gleichberechtigung für Deutschland erreicht werde. Man habe zwar durch das Ver­sailler Diktat die deutsche Jugend nicht hindern können, an die mögliche Verteidigung des Vater­landes zu denken, aber durch den Artikel 177 des Versailler Diktates sei sie unter das unmoralischste Ausnahmerecht gestellt worden, das es je gegeben habe. An die Stelle verletzenden Mißtrauens, durch Lügen, Intrigen und engstirnige Machtpolitik müsse

die Achtung vor der nationalen Würde jedes Volkes

und die Anerkennung jener Grundsätze, die mit dem Begriff der staatlichen Souveränität verknüpft seien, treten.

japanischen Fischereirechte erst noch vor weniger Zeit ein blutiger Seekampf mit russischen Wacht- booten im Japanischen Meer (an dessen russischen Küsten) möglich war, und daß zur selben Zeit, als nun der Fischereivertrag endlich zur Llnter- zeichnung fertig war, der amerikanische Außen­minister Stimson zum erstenmal öffentlich von einerrussischen Regierung" sprach, so hat man sogleich die wichtige Stellung Rußlands zwischen Japan und Amerika erkannt. In Tokio wie in Washington beginnt ein neuer Auftakt in der Ruhlandsrage. Freilich, erst mit der Entschei­dung des Völkerbundes auf Grund eines beson­deren (noch nicht veröffentlichten) Kommissions­berichtes über Japans Recht oder Llnrecht in der Mandschurei wird sich das Verhältnis Tokio MoskauWashington merklich in die sichtbare Weltpolitik vorschieben. Kommen muß diese Ent­wicklung aber. Was zunächst den Genfer Man­dschureibericht angeht, so verurteilt er das ja­panische Vorgehen in der Mandschurei als eine unzulässige Verletzung des Washingtoner Ver­trags (1922) vom Grundsatz der .offenen Tur" für die Großmächte in China. Lind auch Amerika hat erst in diesen Tagen ausdrücklich, unter Be­zugnahme auf den Kellog-Pakt, von der Kriegs­ächtung, erklärt, es betrachte Japans Okkupation

der Mandschurei als ein strafwürdiges Vorgehen gegen diesen Pakt im allgemeinen und Amerikas Oftafienintcreffen im besonderen. Japan ist also vor die Entscheidung gestellt, entweder die Man­dschurei wieder als Bestandteil Chinas zu ach­ten, oder aber es kommt einer internationalen Aechtung. wie sie Amerika fordert, zuvor und tritt aus dem Völkerbund aus. Dis dahin aber versucht es, sich wenigstens mit der Sowjetunion wieder besser zu stellen, zumal diese den Ja­panern für einen Richtangriffspakt gern und gut mehr Rechte in der Mandschurei zuzugestehen bereit scheint als Gens und Amerika. Bereit zu sein scheint, betonen wir. Denn der Kreml müßte nicht die alte russische Diplomatenkunst des Balancierens zwischen Japan und Amerika ver­stehen, würde er sich nun ganz auf die eine oder andere Seite legen. Wohin die Augen ge­richtet sind, zeigt der Versuch, die Staatsanleihen., in Amerika zur weltrechtlichen und politischen Geltung zu bringen, nicht zuletzt dazu, um in Amerika auch als künftiger Anleihenehmer Ach­tung zu erwerben. Gelingt wenigstens das und findet sich auch Japan zu einem Richtangriffs­pakt mit Moskau bereit, so kommt dies alles ** 'n Russen auch für ihre Europapolitik zugute.