Ausgabe 
19.8.1932 Erstes Blatt
 
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trinken eingetreten. Der SA.-Mann S t a n i e h k i sei durch einen Schuß, der den Kopf durchschlug, getötet worden.

Die Verhandlung wandte sich dann den Vorgängen an der Ohle-Brücke

AU. Don einem Zeugen wurde behauptet, daß der Angeklagte Manche bereits vor Ausbruch der Schlägerei an der Ohle-Brücke gewesen sei, wor­aus der Zeuge schließen will, daß Manche sich dort als Rädelsführer betätigt habe. 3m übrigen unterscheiden sich die Zeugenaussagen über die Vorgänge sehr erheblich. Es lassen sich nur schwer gewisse übereinstimmende Bekundungen heraus­schälen. So ergab sich übrigens, daß an der Ohle- Brücke ein völlig Unbeteiligter, der von einem Kriegersest nach Hause zurückkehrte, ergriffen und niedergeschlagen wurde und beinahe in die Ohle geworfen worben wäre.

Die Nachmittagsverhandlung brachte einige Aeberraschungen.

Im Laufe der Dcmeisaufnahme kam das Gericht nämlich zum Beschluß, einige Angeklagte aus der Haft zu entlassen, da sich durch das bisherige Verfahren ihre Schuldlosigkeit her» ausgestellt hatte. So wurde der Angeklagte Duc- ft er, der unter dem Verdacht stand, an den Schießereien im Hause Steindamm 1 beteiligt ge­wesen zu sein, haftentlassen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, daß sie die Anklage gegen Quester fallen lasse. Ferner wurden Entiastungszeugen für den Angeklagten Stadtrat Manche gehört, vor allem die beiden Frauen, die an dem Tag der Zusammen- stoße hinter Manche auf der Ohlebrücke angekom­men sind und bekundeten, daß er allein gewesen sei und nicht in einem bewaffneten Hausen. Ein Entlastungszeuge für den Angeklagten Haschke blieb infolge Teilnahmeverdachts unvereidigt. Für den Angeklagten Trettau fanden sich auch einige Entlastungszeugen. Ihnen gegenüber stand aller­dings eine Belastungszeugin, die behauptete, den Angeklagten am Sonntagabend in Ohlau gesehen zu haben. Nachdem noch die drei Angeklagten R ot h er, M a r s e l und Franz aus dem Dorf Wuerben durch Zeugen entlastet wurden, beschloß das Gericht im Laufe der weiteren Verhandlung, auch gegen diese Angeklagten den Haftbefehl aufzu- heben, dagegen wurden durch weitere Zeugen­vernehmungen die beiden Angeklagten Danin und der Ortsgruppenführer des Reichsbanners von Ohlau, Blech, neu belastet. Sie sollen mit Latten auf die Nationalsozialisten eingeschlagen haben. Stadtrat Manche erlitt während einer Zeugen­aussage über ihn einen Nervenzusammenbruch, so daß eine kurze Pause eingelegt werden mußte. Das Gericht vertagte sich dann auf Freitag.

Schnellgerichiek-Ürteile.

Trier, 18. Aug. (WTB.) 3n der vergangenen Rächt hatten zwei Kommuni st en an einem Hause aufreizende Inschriften ange­bracht. Sie wurden heute vom Schnellrichter we­gen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und wegen Beschädigung des Hauses zu je drei Mona­ten Gefängnis verurteilt. Ein anderer Kom­munist, derSchmiere" gestanden, aber trotzdem die Polizei übersehen hatte, erhielt die gleiche Strafe.

Hamburg. 18. Aug. (WTB.) Das Ham­burger Amtsgericht verurteilte heute einen jungen Kommunisten V ö l z e r als Rädelsführer bei einem Aufruhrakt am 9. April d. 3. zu zwei Jahren Zuchthaus. 3n der Heidestraße hatte an jenem Tage ein Polizeibeamter die Entfernung eines nationalsozialistischen Trans­parentes überwacht und war von einem Mann aus dem Publikum angegriffen worden. Als der Beamte den Angreifer zu Boden schlug, sprang Dölzer hinzu und verletzte den Polizeibeamten

Original-Vornan von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.

(Schluß.)

Ein schluchzender Laut sprang aus dem Tele­phon und dann folgte der erregte Ruf:Um Ghristi willen, tue das nicht, Werner,-laß ihn nicht allein fort. Bringe ihn her, bitte, bringe ihn her."

Er erwiderte bedauernd:3ch wage es nicht. Er könnte mir unterwegs entschlüpfen. Er will dir nicht mehr unter di« Augen kommen, weil du gesagt hast, sein Anblick wäre dir zuwider."

Zum -weiten Male drängte sich ein schluch­zender Laut aus dem Hörer.

Dann gebt gut auf ihn Acht, Werner, ich werde ihn holen und komme sofort."

Werner Sturm wankte wie ein Trunkener. Lil kam hierher, Lil, die ihn liebte. Er überlegte: Wenn Lil ein Auto benützte, was anzunehmen war, konnte sie in spätestens einer Viertelstunde hier fein. 3n einer Viertelstundei Er trank ein Glas Wasser, ihm war heiß geworden. Und dann schlich er sich an die Tür, hinter der sich Melchior Stampferl und der junge Assistenzarzt befanden. Gr hörte den alten Elown gerade er­zählen, wieFix und Rix" in Rom grfeievt wurden, und dachte, so war es gut, bei solcher Llnterhaltung vergaß der Alte vorübergehend sein Vorhaben, und bis es ihm wieder gebie­terisch einfiel, war Lil schon hier.

Es fehlten noch ein paar Minuten an einer Viertelstunde, als ein Auto vorfuhr, Lil stürzte Werner Sturm vor Aufregung buchstäblich in die Arme. Er zog sie in eins der Zimmer und drückt« sie auf einen Stuhl.

Dein alter Kollege ist vorläufig in Sicher­heit, Lil, du kannst also unbesorgt fein. Hier ließ seinen Brief, ich berichtete dir ja am Tele­phon, auf welche Welse ich ihn bekam und den Absender zugleich einfing."

Lil nahm den Dogen, den ihr Werner Sturm reichte, aber noch ehe sie ihn ganz zu Ende ge­lesen, sprang sie auf.

Der arme, liebe Mensch, ich war zu roh zu ihm. Er meinte es ja nicht böse und schließlich trage ich doch die Schuld an allem, nur ich. Io?zu ihm Werner, schnell!"

!/% oesri6LD3ni.Sturm sah sie lange stumm an.

5% ab,Kit. Goidmewiederhole dir, dein alter Kollege be- $ . Sicherheit. Mein Assistenzarzt lei-

i&i* .*taW6<ifL Set)t möchte ich erst ein« «°/° desni. Serie N . . klären. 3st es wahr Lil, was der treibt, »t c8 w-chr, das von

4% Rumanijche vereinh.

2%% Qinotoiii-r noch eben so blasses Gefickt zog r und ihre Stimme war seltsam erwiderte:Es ist wahr, Werner,

durch Schläge über den Kopf und Fußtritte ins Gesicht erheblich.

Al len st ein, 18. Aug. Am Donnerstag fan­den vor dem Sondergericht In Allenstein die ersten Sondergerichtsverhandlungen statt. Angeklagt war zunächst der 26jährige Andreas D ö d n e r wegen unerlaubten Waffentragens. Er war mit einem spitzen, dolchartigen Messer auf der Straße be­troffen worden. Das Gericht verurteilte ihn ge­mäß dem Antrag« des Staatsanwalts zu drei Monaten Gefängnis. Anschließend wurde die Verhandlung gegen den Kommunistenführer und Stadtverordneten Franz G r z e s k i eröffnet, bei dem man bei einer Haussuchung am 12. August eine Pistole, Munition, ein dolchartiges Messer und verschiedene Totschläger gefunden hatte. Der Angeklagte behauptete, er habe sich bedroht ge­fühlt und einen nächtlichen äleberfall befürchtet. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnis-

Reform bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie.

Die Direktion der Preußisch-Süddeutschen Klas- fenlotterie hat beschlossen, von der 41. Ziehung ab, d. h. im April 1933, eine Reform des bis- herigen Spielsystems in der Weife durchzuführen, daß die Loszahl, die bisher 800 000 beträgt, auf 500 OOOHerabgefetz t wird. Die Preußisch-Süddeutsche Klassenlotle.ie spielt bekanntlich, um überhaupt die Ziehung durchführen zu können, in zwei Abteilungen. Ab April 1933 wird die Preußisch-Süddeutsche Klaf- senlotterie keineDoppellose führen und nur in einer Abteilung spielen. Während der Los- Preis unverändert bleiben soll, wird der Gewinn­plan entsprechend der Verminderung der Loszahl geändert.

Rechtsstreit um den Schienenzeppelin.

3n dem Streit des Diplomingenieurs Franz Kruckenberg und der Flugbahngesellschaft m. b. H. wegen oes Urheberrechts an dem bekannten Schienenzeppelin hat das Landgericht II Berlin gegen den Professor Kurt Wiesinger in Zürich einen Beschluß erlassen, der im Wege der einstweiligen Verfügung an­ordnet. daß Professor Wiesinger bei Vermei­dung einer vom Gericht für jeden Fall der Zu­widerhandlung fest^usetzenden Geld- oder Haft­strafe verboten wird, die Behauptung zu verbrei­ten, das Kammergericht habe im Streit über die geistige Vaterschaft an der Propeller-Schnell­bahn (Schienenzeppelin) und am Flugbahnge­danken für Wiesinger gegen Diplom-Ingenieur Kruckenberg entschieden. Dem Antragsteller wird die Befugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil der Verfügung in einer Reihe von Zei­tungen auf Kosten des Antraggegners zu ver­öffentlichen.

Gronau unterwegs.

Der Dornierwal Gronaus wurde über Hud­sons Hope (Britisch-Columbien) gesichtet. Der Ort liegt etwa 250 Kilometer nördlich von dem von Gronau beabsichtigten Kurs nach Prince Rupert.

Der Engländer Mollison zum Ozeanslug gestartet.

Der englische Flieger M o l l i s o n ist, einem Funkspruch aus London zufolge, von Port Mar- nock (3rland) zum Ozeanflug nach Ame­rika gestartet, von wo er anschließend sofort nach Europa Aurückfliegen will. Der ©tart ging ohne Zwischenfall vor sich. Mollisons dreimotorige Maschine führt einen Denzinvorrat mit sich, der für 33 Flugstunden reichen soll. Er will zunächst in Harbour Grace auf Neufundland landen, um

strafe von fünf Monaten. Die beiden An­geklagten muhten ihre Strafe sofort antreten.

Enteignung spanischer Revolutionäre.

Madrid 19. Aug. (WTB. Funksvruch.) Der Gesetzentwurf über die bedingungslose Ent­eignung der Besitzungen der in den letzten Putsch verwickelten Personen ist gestern von der Kammer mit 2 6 2 gegen 14 Stimmen a n g e n o tu­rne n worden.

Oie Konferenz von Ottawa.

Ottawa, 19. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach langen Besprechungen zwischen den Vertretern Großbritanniens und Kanadas, die erst spät am Abend beendet wurden, erklärte Ben­nett, daß ein Einvernehmen in vielen Punkten erzielt worden sei.

zu tanken. Dann will er über Neuschottland nach Neuyork fliegen. Den Rückflug gedenkt er in drei Tagen anzutreten. Als Nahrung nahm Mollison Nüsse, Trauben, Kandiszucker und zwei Flaschen Kaffee mit. Mollisons Frau, die bekannte Fliegerin Amy 3 o h n f o n, wohnte dem Start bei: sie erlitt kurz nach dem Abflug einen Ner­venzusammenbruch, von dem sie sich jedoch bald wieder erholte. Der Passagierdamvfer Ascania" meldete durch Funkspruch nach Lonoon, er habe den Tranzozeanflieger Mollison ge­sichtet. Die See war ruhig, der Himmel heiter. Der Flieger winkte dem Schiff Grüße zu.

3m Segelboot über den Atlantik.

In London trafen drei junge Estländer ein, die mit einem kleinen Segelboot den At- l a n t i k von Neuyork aus überquert haben. Nachdem ihre Hochseefahrt ohne jeden Zwischenfall vor sich gegangen war stießen sie bei der Ankunft in London mit dem Mast gegen einen Bogen der Westminsterbrücke, so daß der Mast In der Mitte abbrach.

Gießen, den 19. August 1932.

Familie und Erziehung.

Drei Mächte formen hauptsächlich den jungen Menschen: Familie, Schule und Leben. Die zwei ersten suchen bewußt, planvoll ein Wunschbild zu gehalten, während das Leben regellos, unabsicht- licht, zusällig beeinflußt: seine harte Zucht ist nicht selten sehr erfolgreich, seinem eisernen Zwange fügt sich, wer sich auch sonst nur schwer erziehen ließ, aber wie häufig zerbricht das Leben auch unbarm­herzig, macht erst durch Schaden klug, erzieht erst, wenn es schon zu spät ist. Daher müssen Familie und Schule schon ein gewisses Ziel erreichen, ehe der junge Mensch ins Leben tritt.

Heute hat sich der Gedanke durchgesetzt, daß die Schule In erster Linie Erziehungsstätte sein soll. Aber darüber wollen wir uns nicht täuschen, daß die Schule eigentlich nur ergänzen und unterstützen kann, daß vielmehr eine stärkere Macht, nämlich die Familie, grundlegend und am nachhaltigsten wirkt. Jede Macht, Schule und Familie, hat auch ihre be­sondere Aufgabe und Möglichkeit. Bei allem Ernst der Schule, die Gesamtpersönlichkeit zu bilden, ist es doch ihre besondere Ausgabe, den Geist zu bilden, Kenntnisse und Fertigkeiten beizubringen, alfo etwas

Russisches Schiss reffet deutsches Schiff aus Seenot.

Wie aus Archangelsk berichtet wird, geriet in Len letzten Tagen ein deutscher Dampfer beim Auslau­fen aus dem Weißen Meer in die Barentfee in einen heftigen Sturm. In feiner Not sandte der Dampfer SOS-Stufe aus, die in Archangelsk aufge­fangen wurden. Der russische DampferSwnarkom" lief zur Hilfeleistung aus. Er sand das Schiss von Kapitän und Mannschaft, die sich auf Rettungs­booten ans Ufer gerettet hatten, verlassen vor. Der russische Dampfer barg den halb gesunkenen deutschen Dampfer. Auch ein Teil der Fracht konnte gerettet werden.

Ruhrerkrankungen in Bayern.

Wie derRottaler Anzeiger" meldet, werden aus der ganzen Umgebung von Eggenfelden (Nieder­bayern) Ruhrerkrankungen gemeldet, die teils ernsterer, teils leichter Natur sind. Die an­strengenden Erntearbeiten der vergangenen Woche und die starke Hitze gaben Anlaß zu häufigem Wassertrinken, was wohl in Verbindung mit der Erkrankung steht. Auch der Genuß u n reifenDbftes und Wassertrinken auf den Genuß von Gurken können bei den Erkrankungen eine Rolle spielen. Todesfälle sind bei den Erkrankungen er­freulicherweise nicht zu verzeichnen.

vier Seiltänzer abgestürzf. Zwei Kinder tot.

Bei der Abschiedsvorstellung der Seiltänzerfamilie Albert Frank, die feit sechs Tagen in Schwetzin­gen gastiert, ereignete sich ein schweres Unglück. Infolge eines Materialfehlers und auch infolge der Unvorsichtigkeit eines Angestellten stürzte eine Ge­rüststange zusammen, und die auf dem 12 Meter hohen Seil arbeitenden vier Personen stürz- ten in die Tiefe. Während der Besitzer ohne erhebliche Verletzungen davonkam, stürmten die drei übrigen, die 12jährige Tochter des Besitzers, Inge- borg, der 11jährige Sohn, Horst, und der 16jährige Artistenlehrlina Heinrich Neuner so schwer, daß sie blutüberströmt vom Platz getragen werden muß­ten. Im städtischen Krankenhaus sind im Lause der Nacht die beiden Kinder ihr en schweren Ver­letzungen erlegen. Heinrich Neuner liegt mit Knochenbrüchen und schweren inneren Verletzungen hoffnungslos darnieder.

zu erreichen, was die -Familie nicht immer kann; dieser wieder liegt in der Hauptsache die Pflicht ob, die Gesinnung zu pflegen, den Charakter zu bilden, die sittliche Lebenstüchtigkeit zu sichern.

Keine noch so sorgfältige Schulerziehung könnte in dieser Beziehung die Familie erreichen oder er­setzen. Wo besteht schon die Liebe zwischen Eltern und Kindern, wo schon die heimlichen Ströme des gemeinsamen Blutes verhindern wo wäre es mög­lich, jedes Kind so genau zu erforschen, es wirklich feinem Wesen nach zu erziehen? In der sittlichen Beeinflussung muß sich die Schule so manchmal mit einer Reihe von begriffsmäßig vermittelten Tugen­den begnügen; die Familie aber erzieht durch Leben in feinen verschiedenen Erscheinungsformen, sie zeigt an den wirklichen Lebensvorgängen, wie zu denken und zu handeln ist; es ist das Beispiel, das ein­dringlich zum Herzen redet, weit über die bloße Wortentziehung hinaus: Geist und Ton des Hauses durchdringen still und stetig und bilden das Kind. Was und wie ein Mensch später wird, schuldet und dankt er seiner Familie.

Trotz des gemeinsamen Erziehungszieles haben Mann und Frau besondere Ausgaben. Der Mann kennt das äußere Leben besser, weil er erwerbend drin steht. Ihm kommt es daher als Vater zu, in

Aus aller Wett.

Aus der Provinzialhauptstadt.

und ich schäm« mich sehr, w«il ich auch nur «in«n Augenblick daraus hörte, was Melchior Stampferl von dir glaubte."

Da riß Werner Sturm bi« zierlich« Gestalt an sich und erstickt« ihr« weiteren Selbstvorwürfe mit einem langen Kuh.

Lil aber warf die Arm« hoch und klammerte sich an ihn.

Nun halt« mich s«st, Liebster, lah mich nicht mehr fort in die weite Welt, ich möchte für immer bei dir bleiben."

Er lächelte glücklich auf das schön« Antlitz nieder.

3a, nun sollst du bald für immer bei mir bleiben, du mein wiebergefundenes Lieb."

Roch immer unterhielten sich Dr. Perlmann und Melchior Stampferl, als sich die Tür öffnete und Werner Sturm «intrat.

So, lieber Perlmann", lächelte er,jetzt will ich Ihnen Ihre Zeit nicht länger rauben."

Der junge Arzt empfahl sich mit einer Ver­neigung und einem Händedruck von Melchior Stampferl, der aufgestanden war und sich plötz­lich wieder höchst unbehaglich fühlte.

Run wollen wir uns aussprecken", sagte Wer­ner Sturm und blieb vor Melchior Stampfer! steh«n.

Der erwiderte fast weinerlich:Wir haben ja nichts mehr miteinander zu reden. Ich will fort, Sie haben kein Recht, mich länger zurück­zuhalten."

Er hatte nicht das leis« Oeffn«n der Tür gehört und taumelte vor Schreck auf seinen Stuhl zurück, als Lil plötzlich neben Werner Sturm auftauchte.

Er begriff sofort, dah Werner Sturm sie her- gerufen hatte, und sein« Hände streckten sich wie zur Abwehr aus.

Lil lächelt« sanft, und ihr« Stimme bebte ein wengi, als fi« sagt«:Wenn er kein Recht hat, dich zurückzuhalten, dann maße ich mir das Recht an. Denn ich lass« dich nicht gehen, Onkelchen, ich nicht!"

Der alte Mann stammelte:Du nennst mich wieder so, mein Anblick ist dir also nicht zu­wider?"

Lil nahm seine Hände und drückte sie innig.

Dummer, alter Freund, was hast du vor­gehabt, weil ich dich in völlig unbeherrschter Stimmung fo kränkte. Dein Himmel sei Dank, daß dein Vorhaben verhindert wurde." Sie blickte ihn ernst an.Du hast aber Werner und mich zusammengeführt, und das wollen wir dir dan­ken. Wir werden uns heiraten, Werner und ich. und bann bleibst du bet uns, Onkelchen, dann bleibst du immer bei uns."

Melchior Stampferl wollte lachen vor Glück. Ihm war das Leben geschenkt worden und. Lil nannte ihn wiederOnkelchen". Aber aus dem Lachen wurde ein Schluchzen und dicke Tränen zogen über das verfältete Gesicht des alten Clowns.

Es waren Freudentränen.

Wir haben nur noch zwei Verträge zu er­füllen, dann sind .Fix und Nix* frei, lächelte Lil.Die Verträge halten wir ein, danach aber wird kein Vertrag mehr angenommen, danach ruhen wir für immer im bürgerlichen Leben aus, alter Kollege."

Melchior Stampfer! schluckt«.

Lil, ich kann vor Freude kaum sprechen, die Freude drückt mir beinahe das Herz ab. Ich bin l)er glücklichste Mensch auf Erden/

Werner Sturm umschlang Lil.

Ich bin noch viel glücklicher als Sie, Onkel­chen, und der allerglücklichste Mensch auf Erden."

Der alte Elown lächelte gerührt und in sei­nem Herzen war es wie ein Beten, daß sich nun alles so wunderbar gelöst.

Werner behielt Lil fest im Arm und sagt« nach­denklich:Seltsam ist es, drei Briefe haben in meinem Leben und meiner Liebe eine bedeutsame und ausschlaggebend« Rolle gespielt. Der erste Brief, der bei einem Toten gefunden wurde, gab die Veranlassung dazu, mich sofort von der Gräfin Kurzmann zu trennen. Der zweite 33 rief, den meine Müiter zu vernichten ver­gaß, führte uiiä wieder zusammen, allerdings nur, um uns beinahe für immer auseinander- xureifeen. Der dritte Brief aber, der Brief, Den ein Verzweifelter an mich schrieb, brachte uns beiden das Glück." Er küßt« Lil innig.

Melchior Stampferl verbesserte laut:Der dritte Brief brachte uns dreien das Glück!"

Lil lächelte:Ratürlich uns dreien, Onkel­chen!"

Sonne draußen und Sonne Drinnen, Sonne in der Ratur und Sonne im Herzen. Gin köstlicher, warmer Herbsttag, Glockenläuten und Orgelklang. Vor dem Altar der Liebfrauenkirche schworen sich zwei, die sich liebten, Treue bis zum letzten Atemzug. Es gab kein freies Plätzchen mehr in der Kirche und vor dem Portal stauten sich die Neugierigen. Man wollte gar zu gern Die Braut sehen, die schöne, blonde Lil, bte ein paar Jahre lang als Clown bie Menschen so vieler Länder zum Lachen gebracht. Run sie am Arme Werner Sturms erschien, begann ein Murmeln und Rufe des Erstaunens wurden laut.

Dies« feine, bezaubernde junge Dam« sollte Fix" sein? Fix, Der kleine Clown, den so Diele auf der Bühne bewundert, dem so viele Bei­fall geklatscht? Eine alte Dame sagte kopfschüt­telnd zu ihren Nachbarn:Unglaublich ist es, ganz unglaublich! Aber schließlich, warum soll ein Mädel, wenn sie das Zeug dazu hat, nicht auch als Clown ihr Brot erwerben? Doch es ge­hört wohl allerhand dazu, so ein Clown zu werden, wie Fix gewesen. Dreimal war ich im F^h^ahr. im Schumanntheater nur wegen Fix

Hoch der Fix! schrie eine übermütige Iung- männerftimme, und ein paar Dutzend duftender Rosen flogen Lil zu Füßen. Sie schritt lächelnd darüber hin.

Die kleine intime Hochzeitsfeier fand in einem der großen Hotels am Bahnhof statt. Nur ein paar Freunde von Werner, ein paar Freundin­nen von Lil waren eingeladen worden und gern gekommen. Auch Melchior Stampfer! war dabei, und er trug einen feierlichen Frack und sah sehr elegant aus.

Am Spätnachmittag war daS Essen zu Ende und Lil fuhr nach Hause, um sich für die Hoch­zeitsreise umzukleiden. Das große Haus, das Lil wiedererworben, sollte das zukünftige Heim des jungen Paares werden, das kleine Haus in der Lindenstraße, in dem trübe Erinnerungen für Lil spulten, wollte der Assistenzarzt Dr. Perl- mann kaufen, der auch zu heiraten beabsichtigte. Als Lil umgekleidet war, kam Werner, um seine junge Frau abzuholen, und mit ihm kam Stamp­ferl, der fein Heim hier im Hause behielt für alle Zeit. Er drückte immer wieder Lils Hände zum Abschied und bann neigte er sich über LilS Rechte unb küßt« sie. Lil fühlte ein paar warm« Tropfen auf ihren Hanbrücken, unb sie lächelte weich:Onkelchen, ich komme ja wieder! Betreue du nur indessen gut unser Heim."

Er wiederholte dankbar:Unser Heim!" und Werner bekräftigte:Ja, unser Heim! Unser Heim, in dem wir drei ruhig unb glücklich leben wollen."

An biesem Tage fuhren Werner unb Lil biS Karlsruhe unb erst am nächsten Morgen weiter der Schweiz entgegen. Der Zug sauste durchs württembergische Land, das sich mit feinen alten Städten und den Burgen auf hohen Bergen fo unendlich malerisch ausbreitete im herrlichen Herbstsonnenschein.

Wieder tauchte ein Städtchen auf. Ein Stück Stadtmauer zeigte sich, ein alter Turm und ganz nahe dabei, dicht am Bahngelände, auf noch sommerlichem Rasen, ein Zirkuszelt. Wan sah daneben grünangestrichene Wohnwagen und ein paar Pferde.

Lil schrie leicht auf, unb währenb sie aus bem Fenster zeigte, lehnt« sie sich unwillkürlich fester an ihren Mann.

Sieh, Liebster, bort ben Zirkus Johann Ger- Harb, wo ich mein kurzes Wanderleben begann.

Beide waren allein im Zugabteil, unb so burfte Werner sein junges Weib so Innig um­armen, wie er nur wollte. Und bas tat er auch unb er küßte sie leibenschaftlich, flüsterte ihr zu: Iebe wäre ja auch nicht gleich in einen kleinen Wanberzirkus gerannt wie bu damals, mein Liebling. Du hast ja meiner Mutter vergeben unb ich konnte ihr nie zürnen, weil sie mich zu sehr liebte uub recht zu hanbeln glaubt«, aber «in Wort, das si« geprägt, stimmt wohl doch, gibS ehrlich -u, bu bist «in verbrehteS Mäbel."

Sie lachte glücklich auf:Meinetwegen, Du barfft mich so nennen, für bich will ich gerne fein: Das verdrehte Mäde l."

Ende!

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Auch der wirtscho mit. Der W at Hause. Damit geht Wirkens schon verlo gelernt, die nicht Uater vollbrachte. 21 Gelegenheit zum w Hause, und das^ w fluß der Gasse ubei gleisung reicht in wachte Kindertage unbedingt ins haue vermehrte Pflicht. 2 sie oft allein und Boden schleifen: do Erziehung. Wenn ai heit neigt, kann sie erziehen, wie es de allerdings genaue U Es ist ja auch nicht lienlebens, daß Eltc zwungen sind, sich st Eltern haben bei Wunsch, ihre Kinde, zu sichern. Darum ai Auch da? ist zu ve, sehen werden, daß C in hohem Grade vo keil abhängt. Diese, in einem zuoerläffh ihm hin muß erzogen Familie dazu berufe?

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