Bus Der provinzialbauvtstadr
Gtehen, den 19. 3utt 1932.
Wiederaufleben der Bautätigkeit.
Die Zuspitzung der Verhältnisse auf dem deutschen Geldmarkt in den letzten Jahren spiegelt sich charakteristisch in den Preisrückgängen auf dem Daumarkt wieder. Aach Abnahmen um 20 bis 50, ja bis 80 Prozent in den letzten drei Jahren erstarb die Bautätigkeit in der zweiten Hälfte des letzten Jahres vollständig, als 5olg<? der Sulifrife und der mit ihr verbundenen Kreditsperren, insbesondere für die behördlichen Auftraggeber. Dieser Zustand des vollständigen Dar- niederliegens hielt an bis ins zweite Vierteljahr 1932. Der im Baugewerbe übliche Submissionskampf artete aus zum Kampf um »Arbeit zu jedem Preis". Die unerhört niedrigen Preise, die bei vereinzelten Angeboten herauskamen, liehen allmählich wieder Interessenten hervortreten zunächst zur Verwirklichung kleiner Wünsche' Aus- stattung von Daderäumen, Hauseingängen, Werkstätten oder Aehnliches; die Gärten erfuhren Derbesserungen durch neue Ginfriedigungen; die unter Friedenspreis liegenden Holzpreise ermöglichten die Erwerbung neuer Gartenhäuschen. Mehr und mehr machten sich dann auch Erwägungen der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit bemerkbar, so durch Stockaufbauten und Ausbauten von Dachgeschossen, die günstigere Mietverträge bewirken, Aufteilung von Läden in Anpassung an verringerten Geschäftsbetrieb und gleichbleibende Steuerlast. Geschickte Wahrnehmung der günstigen Daupreise verraten auch einige Derbesse- rungs-Ausbauten von Geschäftshäusern. Weiter werden Erneuerungen von Hofeingängen, Hofbe- festigungen, Grenzmauern, überhaupt Berbesserungs- arbeiten um und in den Häusern häufiger oorge- nommen. Hier lassen sich neben den günstigen Preisen u. U. auch noch steuerliche Vorteile ausnützen. Auch der Drang nach Licht, Luft Sonne, Wasser und Wassersport hat einiges zur Bereicherung der Bautätigkeit beigetragen.
Auch die Stadtverwaltung geht letzt erfreulicherweise nach allzu langer Pause wieder daran Bauaufträge zu vergeben. Wenn es sich zunächst auch nur um Fertigstellungen, Straßenverbesserungen und Notwohnungen handelt, so darf man hoffentlich darin, daß man überhaupt wieder städtische Ausschreibungen sieht, ein Symptom der Wiederingangbringung der Bautätigkeit erblicken. Der Staat als Auftraggeber hält mit Unterhaltungsarbeiten in Kliniken und Instituten mit der allgemeinen Tendenz gleichen Schritt, ebenso auch die Eisenbahn und nach längerer Unterbrechung auch wieder die Reichspost.
Was an Neubauten in der Stadt aufgeführt wird, ist — im Vergleich zu einigen ländlichen Bezirken, die lebhaften Baubetrieb schon seit Frühjahr auf- weisen — nicht erheblich. Die Hemmnisse lagen hier in der Schwierigkeit günstiger Kapitalbeschaffung, doch darf man annehmen, daß letzt nach vollständiger Durchführung der Reichskontrolle über die Bausparkassen dieser zur Zeit fast einzige Wea der Baufinanzierung mit Zuhilfenahme von Zwischenfinanzierungen zur Belebung dieses Hauptzweiges der Bauwirtschaft führt, da es an Interessenten selbst nicht fehlt. Die Baugenossenschaft 1894 hat neuerdings ihre Beziehungen dafür zur Verfügung gestellt, Bauinteressenten mit einigem Eigenkapital das Bauen durch Besorgung der Restfinanzierung zu ermöglichen.
Ein Ueberblick über das Gesagte läßt erkennen, daß ein mäßiges Wiederaufleben der Bautätigkeit aus der vollständigen Erstarrung bereits festgestellt werden kann und durch eine Anzahl vorliegender weiterer Bauvorhaben und vorhandenes Interesse für die Wahrnehmung der günstigen Preisverhältnisse auch fürs erste weiter gewährleistet sein dürfte. Wenn nun auch das Reich, so wie seine Bürger durch Bauaufträge, seinerseits durch vernünftige Geldbewirtschaftung den sich zeigenden Keim weiter pflegt, dürfte eine Gesunoung des Baumarktes und mit ihm der gesamten Volkswirtschaft in absehbarer Zeit wohl möglich sein.
Stimmscheine für die Heichstagswahl.
Von der Bürgermeisterei Gießen wird uns geschrieben: Stimmscheine geben den Stimmberechtigten die Möglichkeit, ihre Stimme an einem beliebigen Orte Deutschlands, wo sie sich am Wahltage gerade aufhalten, abgeben zu können. Voraussetzung zur Ausstellung eines Stimmscheins ist daß man an seinem Wohnorte in einer Wahl- ka'rtei oder Wählerliste ausgenommen ist. Damit sich die Wähler über ihre Eintragung in die Wählerliste überzeugen konnten, lagen im ganzen Deutschen Reiche vom 10. bis 17. Juli die Wählerlisten zu jedermanns Einsicht offen. Nach der Offenlegung (vom 18. Juli ab) können dann Stimmscheine aus. gestellt werden. Der Grund zur Ausstellung eines Stimmscheins muß vom Stimmberechtigten glaubhaft gemacht werden. Ein solcher Grund kann sein, wenn man sich aus zwingenden Gründen am Wahltage außerhalb seines Stimmbezirks aufhalt. Die Ausstellung eines Stimmscheins muß persönlich ober schriftlich beim Wahlamt beantragt werden. Wird ein Stimmschein für Dritte begehrt, so ist über die Berechtigung, den Antrag stellen zu können und den Stimmschein in Empfang zu nehmen, eine Vollmacht vorzulegen. Wer seinen Wohnsitz verlegt hat, konnte am neuen Wohnort noch bis 17. Juli in die dortige Wählerliste ausgenommen werden. Wird der Wohnsitz erst nach der Offenlegung (18. Juli) verlegt, so kann das Wahlrecht auf Grund eines vom seitherigen Wohn- sitz ausgestellten Stimmscheins wahrgenommen werden. Zuständig für die Ausstellung von Stimmscheinen ist die Gemeindebehörde (Wahlamt).
Die wahlausübung an der österreichischen Grenze.
Wie bekannt, wird deutschen Reichsangehörigen, die sich in Oesterreich aufhalten und am 31. Juli zur Wahlausübung nach einem bayrischen Grenzort fahren, für die Rückkehr an ihren österreichischen Aufenthaltsort freie Fahrt gewährt. Die zur Wahlausübung in Betracht kommenden bayrischen Grenzorte, für die diese Vergünstigung gilt, sind folgende: Passau, Simbach, Freilassung, Berchtesgaden, Scbel- lenberg, Kiefersfelden, Mittenwald, Grießen, Füssen, Pfronten-Steinach und Lindau (Lindau-Stadt und Lindau-Reutin).
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♦* Der Reichsinnenmini st er beim Deutschen 6 ä n g c r f e ft. Der Reichsminister des Innern Freiherr v o n G a y l hat sein Erscheinen zum Sängerbundesfest in Frankfurt a. M. zugesagt und wird in der volksdeutschen Weihestunde am Freitag, 22. Juli, sprechen. Seine Rede wird auf sämtliche deutschen Sender übertragen werden.
** Finanzamtspersonalie. Steuerinspek. tor Hönig beim Finanzamt Gießen ist ab 1. Juli zum Obersteuerinspektor bei diesem Amt befördert worden.
" Der Frauenbund der Deutschen KoloniaigeseNschaft, Ortsgruppe Gießen, hielt dieser Tage — wie man uns berichtet — seine diesjährige Hauptversammlung im Eafe Ebel ab. In Vertretung der ersten Vorsitzenden, Frau Professor Kuhn, begrüßte Frau Professor Ieß die Anwesenden und gab in kurzen Worten Bericht über die Arbeitsleistung und die übrige Tätigkeit des verflossenen Jahres. Beben der kolonialen Arbeit, die ja immer Hauptzweck des Bundes ist und bleiben wird, war es möglich, der Gießener Winterhilfe einen monatlichen Beitrag zu Überweisen. Es folgten dann der Kassenbericht von Frau Kommerzienrat A o l l und ein kurze- Referat von Frau Professor D Ü r - k e r über die Tagung des Rheinischen Gauverbandes in Mehlem, in welchem die erfreuliche Tatsache erwähnt wurde, daß von allen, dem Gau- verbande angeschlossenen Ortsgruppen Gießen in bezug auf Mitgliederzunahme an erster Stelle stände. Der Bericht klang in dem freudig angenommenen Bekenntnis aus, nicht nachzulassen in der Arbeit an den Deutschen, die unter schwierigsten Verhältnissen täglich und stündlich den deutschen Aamen zu Ehren brächten, und die dringend auf Hilfe und ständige Fühlungnahme mit dem Mutterlande angewiesen wären. Sodann trug die Sängergruppe der Pfadfinder das Heimatlied der Deutschen in Süd-West vor, dem sich ein Lichtbildervortrag von Fräulein Käthe Schmidt (Weilburg) anschloh, die in lebendiger Art über das Land und das Leben der Deutschen berichtete, mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Schulverhältnisse. Zwei Lieder der Pfadfindergruppe schlossen das Programm. Eine besondere Freude war es der Ortsgruppe Gießen, zu ihrer Veranstaltung die oberschlesischen Gäste des VDA., die gerade in Gießen weilten, begrüßen zu dürfen. Die Versammlung, bei der übrigens Kaffee, der von deutschen Pflanzern in Afrika geerntet wird, probeweise gereicht worden war, schloß mit dem Bekenntnis, auch in unseren schweren Zeiten die national wichtige und notwendige Arbeit des kolonialen Frauenbundes nach besten Kräften zu unterstützen und den Deutschen draußen jenseits der Grenzen das Bewußtsein zu geben, daß sie nicht vergessen sind.
Amtsgericht Gießen.
Eine Gefahrenstelle für den gesamten Fahrzeug- verkehr ist die Straßenkreuzung am nördlichen Ende des Walltors, an den beiden dort stehenden Tor- Häuschen, u. a. um deswillen, weil die Kreuzung auch von der Straßenbahn befahren wird. Eine aus Anlaß des dort erfolgten Zusammenstoßes zweier Kraftwagen geführte Gerichtsverhandlung konnte dies nur bestätigen. Das eine Auto, ein größerer Lieferwagen, fuhr von der Marburger Straße aus ins Walltor, das andere, ein kleiner Personenkraftwagen, von der Ostanlage in die Nordanlage. Sie überquerten beide fast zu gleicher Zeit die Kreuzung und stießen etwa auf den Straßenbahnschienen derart zusammen, daß der kleinere. Wagen stark zertrümmert und sein Lenker verletzt wurde, wäh- rend das anbere Auto, ohne Schaden genommen zu haben, seine Fahrt fortsetzen konnte. Viele Passanten waren Augenzeugen des Zusammenstoßes. Dazu kam das Ergebnis eines Augenscheins und ein ausführliches Gutachten, so daß für das Gericht kein Zweifel bestand, wer die Schuld an dem Zusammenstoß trug. Sie trifft den Lenker des Lieferwagens, her den Personenwagen — nicht umgekehrt, wie der Angeklagte behauptet — an der Hinteren rechten Seite angefahren hat und zwar ganz in der Nähe •Der Straßenbahnschienen. Der Personenwagen hatte also, da diese ziemlich auf der rechten Seite der Fahrstraße laufen, die Kreuzung schon zu etwa zwei Drittel hinter sich, so daß von der Ausübung eines Vorfahrtsrechts nicht die Rede fein konnte. Nach der Beweisaufnahme ist der Angeklagte zu rasch, auch rascher wie der Lenker des Personen- wagens, gefahren. Einer Feststellung, wie rasch, etwa nach Kilometer gemessen, bedurfte es nicht, sie wäre auch für Laien — und nur um solche handelte es sich — zu schwer gewesen. Es tarn dem Gericht nur darauf an, welchen gemeinsamen Eindruck eine größere Reihe von Zuschauern, die alle ihr Augenmerk auf das Auto richteten, hinsichtlich der Fahrt- geschwindigkeit desselben in dem kritischen Momente hatte und auf Grund derartiger Zeugenbekundun- gen stand es für das Gericht fest, daß es der An- geklagte, zumal an einer ihm wohlbekannten besonderen Gefahrenstelle, fraglos unterlaffen hat, seine Fahrgeschwindigkeit derart einzurichten, daß er stets in der Lage geblieben wäre, seinen Verpflich- tungen Genüge zu leisten, namentlich jederzeit zu halten, sowie die gehörige Vorsicht in Leitung und Bedienung seines Kraftfahrzeugs anzuwenden. Der Angeklagte — ein auswärtiger Gutspächter — war daher wegen mehrfachen Verstoßes gegen die Verordnungen über den Kraftfahrzeugverkehr in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung ZU bestrafen. Das Urteil lautete auf 30 Mark Geld- ft r a f e , evtl, auf 10 Tage Gefängnis.
Oer lommumstische Ueberfoll bei Homberg.
Zwei schwerverletzte $2L-Ccufe.
• Alsfeld, 19. Juli. Nach dem kommunistischen Ueberfall auf die hiesige SA.-Gruppe in der Nacht zum Sonntag bei Nieder-Ofleiden mußten die beiden SA.-Leute Willy Weber und Willy Do^ert von hier mit schweren Verletzungen in das hiesige Kreiskrankenhaus eingeliefert werden. Wie uns heute früh auf Anfrage mitgeteilt w,rd, hat Weber einen Schuß in den Oberschenkel erhalten, bei dem die Schlagader getroffen wurde, so daß der bedauernswerte junge Mann bereits sehr starken Blutverlust erlitten hatte als er im Krankenhaus ankam. Das Allgemeinbefinden des Verletzten ist heute früh den Um- ständen entsprechend gut, jedoch ist sein Zustand nach wie vor noch ernst, da der Blutverlust zu groß war und infolgedessen die Gefahr für die Erhaltung des Lebens noch nicht als beseitigt angesehen werden kann. Der andere Schwerverletzte, Willy Dotzert, wurde mit schweren Hieb- wunden am Kopfe eingeliefert. Sein Befinden ist heute früh ebenfalls den Umständen entsprechend gut jedoch ist auch bei ihm noch nicht jede Gefahr als behoben anzusehen.
Langfristige Wettervoraussage.
witterungsvoraussage für Norddeulschland, westlich bet Oder, IDeft-, Mittel- und Süddeutschland (ohne
Alpenvorland) für die Zeit vom 19. bis 28. Juli.
Herausgegeben von der StaaU. Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Frankfurt a. M.
den nächsten zehn Tagen ist mit hausia hei- terem vorerst aber noch nicht ganz beständigem Wetter au rechnen. Die Temperaturen werden mehr und mehr nnfteigen. Die Niederschlagstätigkeit wird sich QUf das Auftreten einzelner, nicht allzu häufiger, leichter bis mittlerer Niederschläge beschränken.
Rücksicht gegenüber dem Angler!
Eine Bitte und ein Mahnruf.
Von der Arbeitsgemeinschaft Deut- icher Anglerbünde wird uns geschrieben:
Zur Sommerszeit, wenn es die Menschen aus der Häujerenge und Schwüle hinausdrängt ins Freie, zur Natur und Sonne, dann bevölkern sich Ufer und Strand deutscher Flüsse und Seen mit einem Heer Erholungsuchender An sich ist dieser Trieb im Interesse der Volksgesundung durchaus zu begrüßen, schafft doch Bewegung in Sonne, Luft und Wasser einen kräftigen, widerstandsfähigen Menschenschlag.
Soweit stimmen die Interessen der Sporv und Bewegungsbeslisienen mit denen deutscher Sport- fischer überein. Denn auch diese erstreben durch ihre (Sportbetätigung am Wasser die geistige und körperliche Erholung und Erhaltung ihrer Kräfte, um des Lebens ständig zunehmenden Anforderungen gewachsen zu sein
Leider haben sich aber in den Jahren nach dem Kriege Verhältnisse am Wasser herausgebildet, die ein bedauerliches Sinken der Rücksichtnahme anderen gegenüber erkennen lassen. Gegen solche Auswüchse mußten die deutschen Wassersportoerbände wiederholt schon Stellung nehmen, ohne daß es gelang, sie ganz zu beheben. Das gesunde und frohe Leben am Wasser verliert seinen Wert und Reiz, wenn beispielsweise jugendliche Badende und Bodtssahrer sich so aufführen, als ob sie dort die alleinigen Herren wären. Oft genug werden Bootsstege, Sportanlagen und An- legeplätze der Wassersportvereine und Privaten von Badenden dicht belagert, auch manchmal beschädigt und zerstört, ebenso der geregelte Sport- und Trainingsbetrieb beeinträchtigt. Das sind Dinge, die sich leider jährlich immer wiederholen
Noch schlimmer wirkt sich dieses Verhalten den Sportfischern gegenüber aus. Abgesehen von den üblichen Verulkungen, müssen sie sich gar nicht selten grobe Belästigungen und Störungen gefallen lassen, die eine friedliche (Sportbetätigung ausschließen. Jedermann weiß, daß Fische äußerst scheue und vor-
sichtige Geschöpfe sind, deren man nur bei Vermeidung jeglicher Störung habhaft werden kann Dennoch machen vornehmlich junge Badende und Bootsfahrer, Strandgäste und Ausflügler In der Nähe Angelnder oftmals einen solchen Lärm oder umlagern deren Standplätze, daß es nicht Wunder zu nehmen braucht, wenn der Fischfang esultatlos bleibt Man überlege sich einmal: Kann der Jäger ein Reh, einen Hirsch oder sonst ein Wild zur Strecke bringen, wenn ein Trupp Wandernder ober Lagernder den Forst mit Geschrei und Radau erfüllt^ Gewiß nicht! Genau so verhält es sich mit dem Angier; da wie dort ist die gleiche Ruhe und Vorsicht geboten. Diejenigen, die ihre Wasserspiele und Schwimmkünste, ihr Rudern und Paddeln, ihr Motorbootfahren und Segeln auf deutschen Flüssen und Seen betreiben, mögen bedenken, daß Fischer und Angler meist recht erhebliche Betröge für die Fischerei- erlaubnis und die Fischwasserunterhaltung bezahlen müssen, während.die Beanspruchung der Gewässer für die übrige Mitwelt vollständig kostenlos ist Der deutsche organisierte Angelspott bringt jährlich für diese Zwecke Hunderttausende von Mark auf Man darf deshalb erwarten, daß den Anglern ihr teuer erworbenes Recht nicht verkümmert wird.
Wenn einer auf den andern Rücksicht nimmt, kommt jeder zu seinem Vergnügen. Der organisierte Wassersport kann seinen geregelten Trainings- und Sportbetrieb ausüben, die Fischer und Angler können zufrieden ihrem Beruf und Sport nachgehen, und die übrige Mitwelt hat Gelegenheit genug, sich am Strande und im Wasser nach Herzenslust zu tummeln. ~
Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Anglerbünde bittet daher alle ordnungsliebenden Mitbürger, den Auswüchsen an deutschen Gewässern zu steuern und insbesondere auf die Jugend einzuwirken, damit sie sich aller Unbesonnenheiten enthüll.
OeuischeGänger—deutscheKultur!
3um XI. Deutschen Sängerbundesfest in Frankfurt.
Von Erich Gotthardt.
In aller Well rüsten die deutschen Sänger, um bas 11. DeutscheSangerbunbes- fe st in Frankfurt am Main vom 21. bis zum 29. Juli feierliJ) zu begehen. Wir haben aus diesem Anlaß unseren Mitarbeiter gebeten, einige wesentliche Tatsachen über die Bedeutung und den kulturellen Wert der deutschen Sängerbünde zusammenzustellen.
Die Aufgaben der Sängerbünde.
Bei der Beurteilung des fulturellen und gesell- schnftlichen Wertes der Sängerbünde und Gesangvereine in Deutschland muß man sich zunächst einmal vor Augen halten, daß die Erziehung der Der- eins- und Bundesmitglieder zu Kameradschaft, Zu-
Prof. Dr. Karl H a m m e r j ch m i d t (München), der Präsident des Deutschen Sängerbundes, der vom 21. bis 24. Juli sein 11. Bundesfest in Frankfurt a. M. abhält.
sammenhalten und Opferbereitschaft selbstverständlich auch der Allgemeinheit zugute kommt. Ferner gleicht das Vereins- und Bundesleben — das soll besonders betont werden — viele schroffe und scharfe soziale Gegensätze aus, denn bei den gemeinsamen Uebungen und Vereinsabenden steht fast immer der Arbeiter mit dem Handwerker, der Angestellte mit dem Betriebsleiter, der Beamte mit dem Kaufmann in der gleichen Reihe, auf das engste mit ihm verbunden durch die gemeinsamen Ziele und die gleiche Liebe zu „ihrem" Verein.
Selbstverständlich gibt es heute in Deutschland auch eine ganze Reihe von Gesangvereinen, die sich nur aus Berufsgenossen zufammensetzen (erinnert sei an die großartigen gesanglichen Leistun- gen der Lehrergelangvereine usw.); eine Absonderung ihrer Mitglieder von der großen deutschen Sängcrgemeinbe aber war mit ber Gründung solcher Berufs-Gesangvereine nicht beabsichtigt. Sondern fast alle ihre Mitglieder singen auch noch in anderen Bünden und Gruppen, und außerdem sind alle diese Sonderoereine ja noch zentralisiert in dem riesigen Deutschen Sängerbund, ber weit über 1,5 Millionen Mitglieder zählt.
Es ist bie große Aufgabe und die ungeheure Bedeutung der deutschen Sängerbünde und Gesangvereine, daß in ihnen wie in keiner anderen Vereinigung ganz besonders der Gemeinschaftsgedanke gepflegt wird und daß sie alle sich ein großes, gemeinsames Ziel gesetzt haben:
„Der deutsche Sänger kennt nur einen Stand, Nur einen Geist, ein Volk und eine Treue: Das ist sein stilles Werk am Vaterland Der Heimat dienen durch des Liedes Weihe!"
Oie Starke des Bundes und der Gaue.
Wie stark und wie lebensfähig auch heute noch immer die deutsche Sängerbewegung ist, geht am klarsten und eindeutigsten hervor aus den amtlichen Zahlen über die Mitgl.ederbe- roegung des Deutschen Sängerbundes Nach ihnen waren im vergangenen Jahre Kunden und 23 Kreisen nicht weniger als 16 10 3 Der- eine mit insgesamt 145534 8 -Dl i t gliedern in dem Bund zusaimnengeschlossen.
lieber den heutigen Mitglied«rstand liegen genau« Zahlen leider noch nicht vor; es kann aber gesagt werden, daß die ständig« Aufwärtsbewegung ich auch in dem hinter uns liegenden Jahre unaufhaltsam fortgesetzt hat.
Die Namen der einzelnen — im Deutschen Sängerbund zentralisierten und zusammengefaßten — Sängerbünde Deutschlands sind folgende: Sängerbund Ostpreußen (Kreis 1), Sängerbund Berlin (Kreis 2), Poinmerscher Sängerbund, Sängerbund des Reg.-Bez. Köslin, Prooinzial-Sängerbund Grenzmark (Kreis 3), Schlesischer Sängerbund (4), Sängerbund Nordmark (5), Verein Norddeutsche Liedertafel, Verband niedersächsischer Männergesangvereine, Olde nburgi scher Sängerbund (6), Sängerbund an ber Saale, Anhaitischer Sängerbund, Provinzial Liedertafel, Elb- Havel-Sängerbund (7), Westfälischer Sängerbund (8), Rheinischer Sängerbund (9), Mitteldeutscher Sängerbund (10), Sängerbund Nassau (11), H es - fisch er Sängerbund (12), Pfälzischer Sängerbund (13), Saar-Sängerbund (14), Badischer Sängerbunb (15), Schwäbischer Sängerbund (16), Schwäbisch-bayerischer Sängerbund (17), Fränkischer Sängerbund (18), Thüringer Sängerbund, Henneberger Sängerbund, Osterländer Sängerbund (19), Sächsischer Sängerbund (20), ferner bie ausländischen Bünde, und zwar: Ostmärkischer Sängerbund (21), Steirischer Sängerbund, Kärntner Sängerbund, Oberösterreichischer Sängerbund, Tiroler Sängerbund (22), Sängerbund der Sudetendeutschen, Auslands-Sängerbünde und Vereine (23).
Oie historische Entwicklung des Vereinsgesanges.
Dieses ungeheure, sich weit über die Grenzen der engeren Heimat erstreckende Gefüge des Bundes ist selbstverständlich nicht von einem Tag auf den anderen gezimmert worden, sondern der Bund und das deutsche Gesangswesen überhaupt blickt — mit berechtigtem Stolz — auf eine sehr länge Entwicklung zurück. Gesangvereine, wie wir sie heute kennen, bestehen erst seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts, von welchem Zeitpunkt an sie eine außerordentlich starke Verbreitung in allen deutschen Gauen fanden. Die Ausübung des künstlerischen Dolksgesanges m Deutschland aber läßt sich bis weit in die graueste Vorgeschichte unseres Vaterlandes verfolgen! Schon aus den Jahren 100 und 105 nach Christi Geburt berichtet uns Tacitus von der Tatsache, daß die alten Germanen ihre Gotter und Helden in Liedern priesen.
Im Gegensatz zu den Nordgermanen und Kelten aber gab es einen berufsmäßigen Sängerstand im alten Deutschland nicht (auch die Minnesänger späterer Zeiten waren ja keine Berufssänger, sondern fahrende Ritter, bie die Kampfpausen auf ben verschiedensten Schlachtfeldern mit dem Vortrag von Heldenliedern und Sagen ausfüllten). Fast alle germanischen Recken waren Kämpfer und Sänger zugleich, z. B. Volker im Nibelungen- und ber un- glückliche Horant im Gudrun-Lieb.
Auch in ber frühesten christlichen Zeit Deutschlanbs gab es außer ben fingenben, von Markt zu Markt ziehenben Gauklern noch keine Berufssänger. Wohl aber stimmten Felbherren unb Heere Gesänge an, wenn sie zur Schlacht zogqn („Der König ritt tun dahin — |ang ein hillig Lied — und alle Ausammen sangen Kyrie eleyson — der sang war gesungen ber tampf war gewunnenl") ober siegreich aus bem gelbe zurückkehrten.
Oie Meistersinger-Zünste.
Die Frage, ob ber ritterliche Gesang unb Minne- fang als Vorläufer unseres heutigen Volksgesanges angesprochen werben barf, ist jedoch stark umstritten. Unzweifelhaft aber scheint festzustehen, daß bie alten Meistersingerzünfte Deutschlands starke Aehnlichkeit mit ben heutigen Gesangvereinen hat- ten. Zwar hatte man noch keinen Dirigenten, Schriftführer unb Kassenwart, aber man tat sich bvch freiwillig zusammen mit bem ausgesprochenen Zweck, gemeinsam zu singen. Daß bei solchen Gesängen zunächst ein Vorsänger das Lied allein fang u. bann erst bie Mitglieder ber Meisterzunft einfielen, tut kaum etwas zur Sache. In Wagenseils Werk heißt es über die Meistersingerkunst und ihre Betätigung^


