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19.7.1932 Frühausgabe
 
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Vor Vertagung Oer Abrüstungskonferenz.

Unter Ausschluß von Deutschland wird über die Vertagungsformel verhandelt

Genf, 18.Juli. (TU.) Ministerpräsident Her­rin t ist heute früh in Begleitung des Kriegs­ministers Paul-Boncour, des Marineministers Leygues und des Luftfahrtministers P a i n l e o 4 zur Teilnahme an den Verhandlungen der Ab­rüstungskonferenz vor deren Vertagung eingetroffen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht der Ent­wurf für die Vertagungsentschließung, die der tschechische Außenminister B e n e s ch in den späten Sonntagabendstunden allen Abordnungen übermittelt hat. Der Entwurf stellt in seiner gegen­wärtig noch keineswegs endgültigen Fassung ein außerordentlich nichtssagendes Dokument dar. Er enthält keinen einzigen materiellen B e - schlußaufHerabsetzungderRü st ungen. Der Wiederzusammentritt der Konferenz wird in der Entschließung offen gelassen. Es wird lediglich empfohlen, die Konferenz innerhalb von vier Monaten nach dem Zusammentritt des Präsidiums, der Mitte September erfolgen soll, einzuberufen. Von den deutschen grundsätzlichen Forderungen, insbesondere von der Frage der deutschen Gleich­berechtigung, ist selbstverständlich in der Ent­schließung mit keinem Wort die Rede.

Zwischen H e r r i o t, Sir John Simon und dem amerikanischen Botschafter Gibson haben am Montag mit Hinzuziehung von B e n e s ch ein­gehende Besprechungen über die Dertagyngsent- schließung stattgefunden. Man erklärt in französi­schen Kreisen, daß im Großen weitgehende Uebereinstimmung erzielt worden sei und nur noch in der Frage des Verbots der Bom­benabwürfe bei den Franzosen Widerstand bestehe. Zu den Verhandlungen sind die deut- chen Vertreter bisher nicht zugezo- j e n worden. Es ist aufgefallen, daß die franzö» ische Regierung jetzt in Genf durch ihren Minister­präsidenten und drei maßgebende Kabinettsminister und auch die übrigen Großmächte durch ihre leitende Kabinettsminister bei den gegenwärtigen Abrüstungs­verhandlungen vertreten sind, während wider Er­warten der deutsche A u ß e n in i n i st e >G an diesen Verhandlungen nicht teilnimmt.

Worüber ist man sich einig?

Die Frage der Gleichberechtigung beiseite geschoben.

H e r r i o t hat am Montagabend der französi­schen Presse nachfolgende Mitteilung gemacht: 3n den letzten Besprechungen zwischen der französi­schen. der englischen und der amerikanischen Ab­ordnung ist im großen eine grundsätzliche Einigung zustandegekommen, nach der das künftige Abrüstungsabkommen zu einer wesent­lichen Herabsetzung derRü st ungen auf dem Gebiete der Land-, Luft- und Seewaffen und vor allem zu einer wesentlichen Ein­schränkung der Angriffswaffen füh­

ren soll. 3n den grundsätzlichen Punkten ist ein Ergebnis erzielt worden, das weitgehend dem französischen Standpunkt Rech­nung trägt.

3n der vertagungsent,chließung der Abrüstungs­konferenz wird fesigestellt, daß in der ersten Phase der Konferenz über folgende Punkte eine

allgemeine Einigung erzielt worden ist:

1. Begrenzung der Tonnage der Tanks,

2. Verbot der Gas-, chemischen und Drandwaf- fen,

3 Schaffung eines ständigen Kontrollausschus­ses, der über die Durchführung des künftigen Ab­rüstungsabkommens wachen soll.

Ferner ist eine Hebereinkunft darüber erzielt worden, daß das am 22. September ablaufende Rüstungsfeierjahr vorläufig auf vier Monate verlängert wird. Des weiteren ist vereinbart worden, daß neue Regeln des inter­nationalen Rechts über besondere Strafmahnah- men gegen diejenigen Mächte geschaffen werden, die in Zukunft das Abrüstungsabkommen nicht ein­halten. Weiter ist die Einsetzung eines besonderen Ausschusses für die Frageder p r i v a t e n W a f- fenhetstellung und des Waffenhan­dels erzielt Morden.

keine Einigung besteht über folgende drei Fragen:

1. Das Verbot der Bombenflugzeuge. Auf diesem Gebiet sind die Verhandlungen jedoch auf gutem Wege. ;

2. Die Beschränkung der effektiven Truppenbestände. In dieser Frage stoßen die Verhandlungen mit der amerikanischen Abord­nung gegenwärtig noch auf große Schwierigkeiten.

3. In der Flottenfrage ist bisher noch keine Entscheidung getroffen.

Herriot betonte weiter, daß man sich über eine wesentliche Herabsetzung der Heeres- ausgaben geeinigt habe. Än der Dertagungs- entschließung werde eine besondere Klausel ange­nommen werden, daß die in der ersten Phase der Abrüstungskonferenz erzielten Ergebnisse in keiner Weise weitergehenden Abrüstungs- maßnahmen in der zweiten Phase der Ab- rüstungskonferenz, insbesondere den Vorschlägen der einzelnen Abordnungen Vorgriffen.

Aus den Ausführungen Herriots geht also ein­deutig hervor, daß in den Verhandlungen zwischen der englischen, der französischen und der amerika­nischen Abordnung eine weitgehende Hebereinkunft erzielt worden ist, die offensichtlich in der Der- tagungsentschließung als das Kernstück und die Grundlage des künftigen Abrüstungsabkommens erklärt werden soll. Wie zu erwarten war, ist die Frage i>er Gleichberechtigung bisher über* Haupt noch nicht behandelt worden.

sich seinem Ende zu. Der Geldmann könne noch international sein, denn das Geld sei an keine Scholle gebunden. Der Bauer und Arbeiter aber sei mit dem Schicksal des Landes und Volkes, dem er angehöre, auf Leben und Tod verknüpft. Wenn es ihm gut gehen solle, müsse es dem Vaterlande gut gehen.

Zum Schluß kam Dr. Göbbels nochmals auf den Nationalsozialismus selbst zu sprechen, der erreicht habe, daß mit der Durchsetzung seiner neuen Volksidee auch ein neuer Volks st il und ein neuer Volks charakter entstanden sei. Der Nationalsozialismus habe längst die Fesseln der parlamentarisch-taktischen Gebundenheit ge­sprengt. Er sei zur Bewegung geworden und wolle seinen Charakter zum Nationalcharakter des deutschen Volkes machen. Er sei der lieber« zeugung, daß aus seinem Boden wieder eine neue, moderne Nationalkultur ent­springen werde. Finde ein Volk seinen eigenen Charakter wieder, dann bahne es sich den Weg zur Nation. Habe es die Kraft, seinen artgemähen . Charakter zum Nationalcharakter zu erheben, dann schaffe es sich damit den Nährboden für eine neue Volks- und Nationalkultur. Diese Kraft liege nicht im Verstand oder in der Vernunft, sondern im Ge­fühl und im Willen. Sie allein könne dem Volk ein verlorengegangenes Selbstbewußtsein zurück- geben, aus dem jener Glaube entspringe, der Berge versetze.

Hugenberg fordert Reichskommiffar für Preußen.

Schwere Vorwürfe gegen die preußische Negierung.

Siegen 18. Juli. (TH.) In einer öffentli­chen Kundgebung der Teutschnationalen Vo'kspar- tei in Siegen kam Dr. Hugenberg auch auf die neuen Maßnahmen de r R e i ch s r e g i e - rung zur Hnterdrückung der bedrohlich anwach- fenden Unruhen zu sprechen. 3n dieser Stunde, so erklärte er, möchte ich sagen: Alles hängt davon ab, daß die Regierung sich Au­torität verschafft. Sie darf nicht wei­ter zögern, sie muß das Hebel an der Wurzel packen. Das Hebel heißt Preu hem 3n keinem anderen Land sind Hnruhen in nen­nenswerter Art vorgekommen, nur in Preußen folgt ein Heberfall, ein Mord dem anderen. Der Grund dafür ist ausschließlich darin zu suchen, daß die schwarzrote Koalition in Preu­ßen diePolizei nicht wirklich gegen die Hnruheftifter von links ein­seh t. Gegenüber diesem Versagen werden kleine Maßnahmen, wie Demonstrationsverbote und verschärfte Waffenbestimmungen um so weniger nützen, als die Durchführung dieser Maßnahmen wieder in den Händen der preußi­schen Regierung liegt. Das verhängnis­volle Abkommen der Rationalsozia­listen mit dem Zentrum zur Ver ta- gung der Ministerpräsidentenwahl in Preußen hat ein Eingreifen des Reiches nicht erleichtert. Trotzdem müssen wir in dieser Stunde von der Regierung erwar­ten, daß sie dem marxistischen Spuk in Preußen sofort ein Ende macht, in­dem sie einen tatkräftigen und die Verhältnisse in Preußen beherrschenden Reichskommissar einseht, der mit den nötigen Vollmachten ausge­stattet ist. Geschieht das nicht, darin lädt die Re­gierung Papen die schwere Verantwortung für die Gefahr auf sich, zum Totengräber einer an sich verheißungsvollen Entwicklung zu werden und unter Hmständen zum Schrittmacher der Revolution. Wir Deutschnationalen tragen für die Regierung Papen- keine Verantwortung, aber wir waren und sind bereit, sie in allem zu unterstützen, was sie zur Heberwindung der bisherigen unmöglichen Zustände tut. Versagt sie jetzt, so lädt sie schwerste Verantwortung auf sich. Wir tonnen einer Regierung, die den Augenblick des Handelns verpaßt, keine Gefolgschaft leisten.

Die Kandidatenliste der Deutschnationalen in Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 18. Juli. (WSN.) Die Reichstags - Kandidatenliste der Deutschnationalen

Ein Mann backt Pfannkuchen.

Traurige Erfahrungen eines Strohwitwers.

Sagen Sie nicht, daß Männer nicht backen kön­nen! Sagen Sie das nicht! 3ch meine nicht die Zuckerbäcker oder die Pantoffelhelden, die von ihren Bezwingerinnen in die Küche gesperrt wer­den: ich meine gewöhnliche verheiratete Männer, richtige Küchenignoranten, die wegen ihres Ge­schmacks vielleicht bei den Frauen gefürchtet, we­gen ihrer Hnkenntnis in allen Herdangelegenhei- ten jedoch gering geschätzt werden.

Mir hatte dieser Hochmut der Gegenseite schon lange zu schaffen gemacht. 3ch sagte mir: toerm ein Mann philosophisch erkannt hat, um was es sich beim Backen und Kochen dreht, dann muh er fähig sein, jedes Gericht herzustellen. Hnd so schleuderte ich eines Tages bei einem Tee, zu dem man mich als Strohwitwer mitleidig einge- laden hatte, meiner Gastgeberin, die sich Wunders was auf ihre selbstverfertigten Berliner Pfann­kuchen einbildete, folgende Behauptung ins Ge­sicht: Wenn ich weih, wie diese lächerlichen Ge­bilde zustande kommen, aus wieviel Gips, Salz und Worcester-Sauce sie heraestellt werden, so zweifle ich nicht einen Augenblick daran, daß ich sofort beliebige Mengen erster Güte davon Herstel­len kann."

Für drei Dutzend Berliner Pfannkuchen", er­widerte maliziös lächelnd die Dame des Hauses, .brauchen Sie ein Kilo seines Mehl."

Danke sehr und bitte was noch?"

V2 Pfund Puderzucker, 20 Gramm Hefe, 1 Pfd. Marmelade und 1 Kilo Schmalz. Versuchen Sie's mal und bringen Sie mir ein Kontrollexemplar aus 3hrer Pfannkuchenfabrik, sobald Sie die Ab­lieferung verantworten tonnen.

19.15 Hhr betrat ich, 10 Kilo schwerer, die Küche. 3ch hatte alle Ingredienzien in dreifacher Aus­fertigung besorgt. Der lächerlichen Rolle ent­sprechend, die zu spielen ich nun beginnen sollte, zog ich meinen gelb-weihen Strandanzug an und befestigte darüber eine weihe Küchenschürze. Dann tat ich das, was ich als das Schwierigste und Wich­tigstes erkannt hatte: ich weichte die Hefe in Milch auf und stellte dieses Lebensferment tote befohlen auf eine kleine Gasflamme. Ein Kilo Weizenmehl schüttelte ich in eine große irdene Schüssel und grub in die Mitte ein trichterförmiges Loch: da­hinein sollt« der Hefeteig praktiziert werden.

Volkspartei im Wahlkreise Hessen-Nassau trägt an der Spitze die folgenden Namen: Dr. Alfred H u genberg, Reichs- und Staatsminister a. D. Oskar Herat, Landwirt Kurt W i t t m e r - Eigenbrost, Hof Lauterbach (Kreis Frankenberg), Industrieller W. von Schrenck-Notzing - Wiesbaden, Fa­brikarbeiter Wilhelm Schäfer. Daubhausen, Pfar­rer Zeidler- Kassel, Stadtrat Jaspers- Frank­furt a. M.

Die Kandidaten des Ehnstlich-sozialen Volksdienstes.

Wie der Christlich-soziale Dolksdienst mitteilt, ist er, der den Wahlkampf selbständig führt, lediglich aus technischen Gründen eine Listenverbindung mit der Volksrechtpartei im ganzen Reiche eingegangen. Die hessische K a n d i d a t e n l i st e des Volksdienstes wird geführt von Pfarrer Professor D e i d t (Frank- furt a. M.). Es folgen: Professor Dr. K 0 ch (Gießen), Oberpostsekretär Kunz (Bensheim), Pfarrer Page (Mainz-Weisenau), Oberrangiermeister Heßler (Bad-Nauheim), Studienassessor Schneider (Darmstadt), Angestellter Götz (Worms), Oberver- waltungssinspektor Carl (Bad-Nauheim) und Dr. med. Georgi (Niederramstadt).

3ch blickte nach der Hefe, sie war im Begriff, wie ein Lavastrom über den Rand ihres Gefähes zu fliehen. Ich stülpte sie triumphierend in den Krater der Mehlschüssel und versuchte sogleich bei aufgekrempelten Hemdärmeln einen regelrechten Teig zu kneten. Mit eitler Geste streute ich nun Weizenmehl auf den mit einer großen Rolle wei­ßen Papiers und Heftzwecken besteckten Küchen­tisch, um darauf das Produkt meiner männlichen 3ntelligenz platt zu walzen. Hierbei konstatierte ich, daß der einst so sensationelle Punktroller wei­ter nichts war als eine solide Küchenmangel. Hier war der Leib und hier war die Rolle, und in fünf Minuten war die weihe Fülle nach allen Seiten hin wegmassiert und ein fast durchsichtiges Etwas, eine Art Teighaut, lag vor mir.

Auf diese Hnterlage setzte ich bis zur Mitte in regelmäßigen Abständen wie Heuhaufen überall kleine Ehimborassos aus Pflaumen- und Himbeer- kbnfiture und klappte, schwupp, die andere Hälfte über die Hügellandschaft. Schon hatte ich ein Wasserglas zur Hand und überall da, wo die Füllung dunkel durch die Teigwölbung schimmerte, drückte ich den scharfen Rand des Glases in den Grund. Hm den Frauen in nichts nachzustehen, bestrich ich sogar laut Vorschrift die Lötstellen die­ser kleinen Wunder mit Eiweih.

3eht kam die Probe aufs Exempel: wenn der Teig richtig bereitet war, muhten die kleinen Dis- kusscheibenaufgehen". Eine geheimnisvolle Schwellkraft muhte in ihnen wach werden. Aus Kreisen muhten Kugeln werden, aus Plätzchen eben sogenannte Pfannkuchen. Erst nach dieser Verwandlung dursten die Geschöpfe dieser meiner Prometheusstunde in dem siedenden Schmalz zur letzten Vollendung gebracht werden.

Cs war 20.50 Hhr geworden. Mit liebkosendem Blick betrachtete ich die 36 weihen, in sechs Reihen aufmarschierten Trllergirls aus feinem Mehl und Hefe. Hm 21.30 Hhr begann auf der ganzen Linie das Wunder des Wachsens und des Wer­dens. Eine bezaubernde Harmonie der Formen war erkennbar und ich pries mich glücklich, dah ich durch den kühnen Vorstoß meines Selbstbe- wuhtseins zum Zeugen eines so unerhörten bio­logischen Vorganges geworden war. Um die Keuschheit der späteren Pfannkuchen nicht zu ent­weihen, deckte ich den Küchentisch mit einer großen weihen Serviette zu. 3ch war auf der Höhe mei­nes Schöpferglücks.

Man hatte mir gesagt, das Fett, das zum Backen benützt würde, wnnte nicht heiß genug,

17 Wahlvorschläge in Hessen.

Darmstadt, 18. 3ulL (Lpd.) Wie wir er­fahren, sind nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist beim Kreiswahlleiter des Wahlkreises Hes­sen 17 Wahlvorschläge zur Reichstagswahl ein­gereicht. An den ersten acht Stellen stehen:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

2. Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

3. Kommunistische Partei Deutschlands.

4. Deutsche Zentrumspartei.

5. Deutschnationale Volkspartei.

6. Deutsche Volkspartei.

7. Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei).

8. Deutsche Staatspartei.

Es folgt mit Rümmer 11 der Ch ristlich- Soziale Volksdienst und mit der Rüm­mer 17 die Sozialistische Arbeiter- Partei. Auf der Liste erscheinen nicht mehr Landvolk und Radikaldemokraten. Weiter haben für Hessen noch folgende eigene Vorschläge eingebracht: Rationalsozialistische Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer, Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands (Christ-

nicht glühend genug sein, es müsse so ge­feuert werden, dah sich weißer Schaum auf der Oberfläche der sprudelnden Schmalzmasse bilden müsse.

Ich drehte den Gashahn unter dem Tiegel halb auf. Das weihe Schweineschmalz zerrann im Ru zu einer durchsichtigen, klaren Flüssigkeit, die alsbald zu sieden begann. Ich gab mehr Gas. Himmel, das Backen war ja auch eine sportliche Angelegenheit. Ich drehte noch mehr auf. Rich­tig, da erschien ja schon der weihe Gischt! Rur noch einen Augenblick, es war 21.50. Dann konnte das Backen beginnen. Roch mehr Gas!!! Teufel! Was war das?

Die Gasflamme war in das glühende Fett ge­schlagen! Eine meterhohe Stichflamme schoh brau­send aus dem Tiegel an der Küchenwand empor, alles in Flammen setzend, was über dem Herde hing.

Ich sprang zurück. Heberlegte. Löschen Wie?

Wasser in eine Kasserolle. Den Oberkörper zu­rückgebogen und das Wasser mit einem Ruck auf die mit sengender Glut rasende Stichflamme ge­kippt.

Eine Handgranaten ähnliche Detonation, ein un­geheurer Luftwirbel.

Ich lag am Boden, k. v., als hätte mich Schme- ling niedergedonnert.

Die Lampe aus der Küchendecke war abgedreht, die mit Rolljalousien geschlossenen Küchenfenster waren nach außen gedrückt und zertrümmert, und die Küche mit Ruh und Schwefelgestank erfüllt. Die Hölle war los.

Ich kroch wie ein abgestürzter Flieger auf allen Vieren zur Küche hinaus auf den Korridor, kam dort wieder zu Bewußtsein, befühlte meine ab­gesengten Augenbrauen und roch an meinem an­gesengten Schnurrbart, kroch zum Telephon und alarmierte die Feuerwehr.

Sie kam. Ich mußte dem Löschzugführer er­zählen, wie die Explosion entstanden sei. Schmun- glnd hörte er mit seinen Kollegen zu. Das hätten ie mit einer Handvoll Scheuersand löschen müs­sen, meinte er und blickte schmunzelnd unter die weihe Serviette auf die 36 Pfannkuchen, die wäh­rend der Explosion vor lauter Angst noch mehr aufgegangen waren.

Die klassische Ruhe dieser Männer gab mir auch meine Ruhe zurück und mit fünf Flaschen Hattenheiner feierten wir zunächst einmal den sensationellen Erfolg meines ersten und letzten

lich-Radikale Volksfront), Radikaler Mittelstand, Deutsche Sozialistische Kampfbewegung, Volks­rechtpartei, Deutsche Freiwirtschaftspartei (FFF. Freiwirtschaftsbewegung) und Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Dauern.

Dr. Syrup zum ReuMommifsar für den Freiwilligen Arbeitsdienst ernannt,

Berlin, 18.Juli. (WTB.) Auf Grund der Verordnung über den Freiwilligen Arbeitsdienst vom 16. Juli 1932 hat der Herr Reichskanzler namens der Reichsregierung auf Vorschlag des Reichsarbeitsministers den Präsidenten der Reichsan st alt für Arbeitsver­mittlung und Arbeitslosenversiche­rung Dr. Shrup zum Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst ernannt.

Geheimer Rat Dr. Friedrich Syrup wurde 1882 geboren und besuchte das' Realgymnasium in Hannover. Rach der Reifeprüfung war er ein Jahr praktisch in verschiedenen Be­trieben der Metallindustrie tätig. Dann widmete er sich dem Studium des M a- schi nenb au f ach es. 1903 bestand er das Examen als Diplomingenieur. Dann stu­dierte er Rechts- und Staatswissenschaften, be­stand die Gewerbeassessorprüfung und war in Hannover, Rheinland, Oberschlesien und Pommern tätig. 1918 wurde er Vortragender

im preußischen Handelsministerium, 1920 Präsident der Reichsarbeitsverwaltung, 1927 Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt­lung und Arbeitslosenversicherung. Auf wirt­schaftlichem, sozialpolitischem und arbeitsrecht- * lichem Gebiete hat er auch eine reiche schrift­stellerische Tätigkeit entfaltet.

Aus aller Welt.

71 euer Felsskur; im TTCofellal.

2n der Rähe des Wolfer Klosters bei dem Moselort Groev stürzte wiederum ein Fels- block, diesmal von etwa 1000 Kubikmeter In­halt, zu Tal. Die Bruchstelle war bereits seit einigen Wochen in Bewegung. Es hat sich jetzt ein Spalt von 80 Zentimeter Breite und 90 Meter Länge gebildet, so daß weitere Fels­stürze zu erwarten sind. Der Abbruch kündete sich bereits einige Zeit vorher durch verdächtiges Klopfen im Berge an. Die beim Absturz entstandene Staubwolke hüllte das Tal längere Zeit in einen gelblichen Dunst. Die Ge­fahrenstelle steht nunmehr unter völliger Be­wachung.

llnwekkerschäden in Südbayern.

lieber weite Gebiete Südbayerns gingen dieser Tage wieder heftige Gewitter und Wolken­brüche nieder, die beträchtlichen Schaden an- richteten. Sämtliche Flüsse führten Hochwasser, das in mehreren Orten die Straßen überschwemmte und in die Häuser eindrang.

Heimsuchung eines slowakischen Dorfes: 22 Wohn­häuser in Asche gelegt

Heber der kleinen Gemeinde Kobyly in der Ost- slowakei ging ein heftiges Gewitter nieder. Der Blitz fuhr in eine Scheune und setzte sie in B r a n d. Das Feuer, begünstigt durch den Wind, breitete sich mit rasender Schnelligkeit auf die umliegenden Häuser aus. In kurzer Zeit lagen 22 Wohnhäuser und zahlreiche Wirtschaftsgebäude in Asche. Etwa 140 Einwohner sind ohne Obdach. Der Schaden geht in die Millionen.

Arbeikerunruhen in Polen.

3n Pabianice hat die Polizei die Baumwoll­manufaktur Krusche & Ender AG. gewaltsam von den Arbeitern die seit zwei Tagen mit passiver Resistenz den Betrieb beseht hielten, geräumt. Die Polizisten wurden von den Arbeitern mit Salz­säure begossen, wodurch etwa 20 Beamte zum Teil schwere Drandverlehungen erlitten. Zwei Polizisten wurden durch Steinwürfe ver­wundet. Die aus der Fabrik vertriebenen Ar­beiter veranstalteten einen Hmzug durch die Stadt und schlugen Straßenbahn- und Schaufensterschei­ben ein. Die Polizei verhaftete etwa 50 Demon­stranten, die in Lodz von einem Standgericht abge­urteilt werden follen^-" >

Dackversuchs. Es war 24.50 Hhr, wir hatten alle Brüderschaft getrunken und sangen mit rauher Männerkehle ein stolzes Lied als sich die Tür öffnete und meine Frau und meine Kinder braun gebrannt wie Berliner Pfannkuchen mit beispiel­los intelligenten Gesichtem an der Schwelle stehen blieben. Cs dauerte lange, bis ich den Vorfall erklärt und sie ihn begriffen hatten.

Sagen Sie nicht, dah ein Mann nicht backen könnte! Sagen Sie das nicht. S.

Oer angewärmie Logenplatz.

Ein Prozeß, der entgegen den sattsam bekannten Behauptungen Ben Akibas doch noch nicht dage­wesen sein dürfte und in dessen Mittelpunkt ein warmer Sitzsteht", wird in der nächsten Zeit in Bukarest verhandelt werden. Also abersteht" es mit diesem warmenSih": Herr Popesku, ein junger Mann, Sohn seines Vaters und auch sonst nicht viel wert, hatte sich neulich in einem Buka­rester Theater einen Logenplatz erstanden, und da er es mit der weltmännischen Ruhe hielt, rauchte er im Foyer trotz Klingelzeichen und Portiers-Aufforderung feine Zigarette mit vor­nehmer Ruhe zu Ende. Als er sich dann in seine Loge zu begeben geruhte, fand er zu seinem Mißfallen seinen Platz bereits von einem Indi­viduum beseht: dieses Individuum war aber höf­lich genug, feinen Irrtum einzugestehen und be­reitwilligst Platz zu machen.

Herr Popesku wandte sich jedoch indigniert ab, schritt gemessen zur Kasse und verlangte fein Eintrittsgeld zurück, weil es seinen hygieni­schen Anschauungen widerspräche, sich auf einen bereits vorgewärmten Sitz niederzulassen. Da die Kassiererin nicht wußte, ob sie es mit einem Irren oder einem Betrunkenen zu tun hatte, telephonierte sie an die Direktion; der Herr Direktor erschien in eigener Person, sah aber ebenfalls die Rotwendigkeit einer Eintrittsgeld­rückzahlung nicht ein. Worauf sich Herr Popeskp mit der Bemerkung,dah man noch von ihm hören würde", würdevoll entfernte.

Schon in den nächsten Tagen flatterte der Direktion eine Klage auf Herausgabe des Ein­trittsgeldes ins Haus, und in Kürze dürften sich die Richter von Bukarest man sagt, dah sogar der Herr Gesundheitsminister als Sach­verständiger geladen sei mit diesem Fall zu beschäftigen haben.