Ausgabe 
19.7.1932 Frühausgabe
 
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Dienstag, 19. Juli 1952

Ut. 167 Lrirhausgabe

182. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

VrvS wb Verlag: vrühl'sche Univer^iül5-Vvch. und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchusltratze 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Longe. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich, auher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle

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Das allgemeine Oemonstralionsverbot erlassen.

Schluß mit -em Bürgerkrieg!

Die Toten des Wahlkampfes klagen an!

Nun muh es aber wirklich genug sein des grausamen Spiels. Wären die Herzen dieser Generation, die seit 1914 durch ein Meer von Blut und Tränen hindurchgegangen ist, nicht immer noch allzu verhärtet gegen die Erschei­nungen des Druderkampfes, so mühte heute ein einziger furchtbarer Aufschrei durch die Lande gellen. Was wir heute schaudernd erleben, ist doch wirklich nur noch durch Kleinigkeiten ge­trennt von dem Zustand des offenen Bürger­krieges. Rund 80 Todesopfer und nahezu 1000 Verwundete liegen auf der Strecke eines Wahl­kampfes von fünf Wochen Dauer. Strahen- schlachten mit organisierten Feuerüberfällen sehen eine Millionenstadt in Panik. Zum zweiten­mal muhte die Reichswehr in blutige Kämpfe eingesetzt werden, die von Deutschen gegen Deutsche geführt werden. So geht es nicht weiter! So geht es nicht einen einzigen Tag weiter. Die erschlagenen und niedergeschossenen deutschen Volksgenossen klagen an!

Die Frage, die sich vor diesen furchtbaren Geschehnissen und an der Bahre der Opfer er­hebt, muh zunächst dahin zielen, ob alles ge­tan wurde, um dieser grauenvollen Entwick­lung vorzubeugen. Man muhte sie kom­men sehen. Die jetzige Reichsregierung hat in loyaler Weise einer gewaltigen nationalen Volksbewegung alle Hindernisse aus dem Wege geräumt, damit sie ihre große Chance wahr­nehmen könnte. Sie hat ihr die äußeren Mög­lichkeiten der Propaganda in Uniformen, Auf­märschen und Demonstrationen zurückgegeben. Sie hat ihr den Rundfunk zur Verfügung gestellt. Sie hat ihr alle Fesseln der Organisation und der Agitation abgenommen. Sie mußte sich dar­über klar sein und sie war sich darüber klar, daß im Zeichen der neuen Freiheiten die Be­wegung Hitlers von der Hoffnung erfüllt wurde, im letzten gewaltigen Ansturm die absolute Mehr­heit und die Macht zu erringen. Es war vor­auszusehen, daß ein W ahlkampfvon ungeahnten Ausmaßen und mit höchster Auspeitschung aller Leidenschaften sich entwickeln würde. Es tonnte kein Zweifel sein, daß auf beiden Seifen Alles an Alles gesetzt werden würde.

Unter diesen Umständen mußte dafür Dorsorge getroffen werden, daß zwischen und über den feind­lichen Bewegungen auf der Rechten und auf der äußersten Linken, die um die Macht und gegen die Diktatur kämpfen, eine einzige überpar­teiliche ft arte Regierungsmacht mit einheitlicher Willensrichtung stand, die die feind­lichen Brüder in ihren Schranken und aus der Be­rührung in blutigen Auseinandersetzungen zu hal­ten vermochte. Das ist natürlich nicht möglich, wenn in dem größten deutschen Staat zwei politisch gegeneinander gerichtete Regierungen sich in die Machtmittel teilen. Es ist ganz gleichgültig, ob man nach den innenpolitischen Uebeneugungen mehr zu Seve- ring oder mehr zu Papen neigt in solchen leidenschaftdurchwühlten und gefährlichen Zeiten kann nur eine Stelle regieren, darf nur eine Stelle über den Einsatz der Machtmittel, so­wohl der Polizei wie des Militärs, verfugen, und diese eine Stelle tonn selbstverständlich nur das Reich sein. In der Reichsregierung ist man sich inzwiscken wohl darüber klar geworden, daß man einen Khler begangen hat, als man nicht gleich in den ersten Stunden und Tagen die Hand aus Preußen legte. Ein schneller und durchgreifender Entschluß hatte die mögliche Konflikte mit den Ländern im Keime erstickt. Die Vertagung der Ministerpräsidentenwahl in Preu­ßen räumte dann den politisch-parlamentarischen Anlaß weg, der zur Einsetzung des Reichskommii- sars in Preußen hätte führen können. Die Reichs­regierung mußte nun leider warten, bis neue Er- eigniffe ihr das Recht zum Eingreifen in die Hand gaben. Papen und Gayl haben sich vom Reichs­präsidenten in Neudeck die notwendigen und weit­reichenden Dollknachten geben lassen, um gegebenen» falls sofort handeln zu können, wenn die Ereig­nisse es notwendig machen sollten. Daß dreier Zeitpunkt jetzt gekommen ist wer wollte daran noch zweifeln. Wer wollte versai- sungsrechtlichen Zwirnsfäden noch eine Bedeutung zumessen, wenn die Flammen des Bürgerkriegs an allen Ecken und Kanten emporschießen unb wenn Deutschland in ein Chaos zu sinken droht?

Es sind alle Freiheiten für einen ehrlichen Kampf gegeben worden. Aber dieser Kampf darf nicht mit Revolvern, mit Dolchen und mit Gummi­knüppeln, nicht mit den Waffen des Terrors aus- gefochten werden. Wenn die Reichsregierung will, daß am 31. Iuli die Stimme des Volkes auf dem Boden des Rechts und der Verfassung entscheidet, so darf sie keine Stunde mehr versäumen. Der sich in kleinen Aktionen abspielende Bürgerkrieg muß aufhören. Er erschüttert unser An­sehen in der Welt, er erschüttert das Vertrauen des deutschen Volkes auf sich selbst und zu sich selbst. Das Demonstrationsverbot ist besten­falls nur ein Anfang. Damit wird ein Teil des Hebels getrosten, aber nicht das Ganze. 2e eher, je rücksichtsloser und entschlossener die Vertreter der staatlichen Gewalt mit der Entwaffnung der kommunistischen Terrorgruppen vorgehen, um so besser für das Ganze. Es ist die höchste Zeit, daß das deutsche Staatswesen sich wieder den Ruf erwirbt, ein Ordnungsstaat zu sein.

Oie amtliche Mitteilung.

Die Reichsregierung erwartet Ruhe und Besonnenheit.

Berlin, 18. Juli. (TU.) Amtlich wird mitge- feilt: Am vergangenen Sonntag ist es wiederum a n vielen Orten zu blutigen Zusammen­stöße n g e k o m m e n. In der weitaus überwiegen­den Zahl der Fälle beruhen die Zusammenstöße auf Provokationen und hinterhältigen Ueberfällen von kommuni st ischer Seite. Um die unmittelbare Gefahr neuer Ueber- fälle auf öffentliche Umzüge zu verhindern, Hal der Reichsminister des Innern mit dem heutigen Tage bis auf weiteres auf Grund der Zweiten verord- nung des Reichspräsidenten über politische Ausschrei­tungen vom 28. Juni 1932 ein allgemeines verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzugen erlassen. Die Reichsregierung ist entschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, um Leib und Leben der Staats­bürger gegen weitere Angriffe ; u schützen und die freie politische Betäti­gung ju sichern. Sie erwartet von allen Teilen des Volkes, die auf dem Boden des Rechts stehen, Ruhe und Besonnenheit. Rur kmnn kann den bewußten Provokateuren blutiger Auseinander­setzungen wirksam das Handwerk gelegt werden.

Oie Verordnung des Reichsinnenministers.

Berlin, 18. Juli. (WTB.) Auf Grund des § 2 der Zweiten Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 28. Juni 1932 (RGBl. I, S. 339) wird mitwirkungfürdasReichs- gebiet folgendes verordnet:

8 L

(1) Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge sind bis auf weiteres verboten.

(2) Das Verbot g 111 n i d) t für Versammlungen unter freiem Himmel, wenn sie in fest umfrie­deten, dauernd für Massenbesuch ein­gerichteten Anlagen ftattfinben und ihr Be­such n ur gegen Eintrittskarten zugelasfen ist. Auf Versammlungen dieser Art findet die Ver­ordnung des Reichsministers des Innern über Ver­sammlungen und Auszüge vom 28. Juni 1932 (RGBl-1, S. 339) Anwendung.

8 2.

(1) Mit Gefängnis, neben dem auch auf Geldstrafe erkannt werden kann, wird be ft rast:

1. wer unter Zuwiderhandlung gegen das Verbot des 8 1 eine Versammlung unter freiem Him­mel oder einen Aufzug veranstaltet ober leitet ober ba bei als Rebner auf (ritt;

2. wer für eine Versamlung unter freiem Him­mel, bie nach § 1 verboten ist, ben Platz zur Verfügung stellt.

(2) M i t G e l b st r a s e b i s z u 1 5 0 R M. wirb bestraft, wer an einer Versammlung unter freiem Himmel ober einem Aufzug, bie nach § 1 verboten finb, t e 11 n i m m L

8 3.

Diese Derorbnung tritt mit ihrer verkun- bung in Kraft.

Berlin, ben 18. Juli 1932.

Der Reichsminister bes Innern, gez.: Freiherr von Gayl.

Trotz Versammlungsverbot Kundgebungen in Berlin.

Berlin, 18.Juli. (ERB.) Trotz des Verbots von Versammlungen unter freiem Himmel haben Angehörige verschiedener Parteien an mehreren Stellen der Stadt versucht, sich zusammenzurotten und Umzüge zu veranstalten. Daran waren Kom­munisten, Nationalsozialisten und Mitglieder der Eisernen Front beteiligt. Die Polizei mußte wieder- holt eingreifen, z. B. im Norden, in Moabit, in Neu­kölln, in Steglitz und in Tegel. Einen heftigen Zu- fammenftoß hatte die Polizei am Andreas-Platz m 11 etwa 500 Kommunisten. Hier mußten die Beamten, da ihnen heftiger Widerstand entgegen­gesetzt wurde, mit dem Gummiknüppel vorgehen.

Wieder zwei Todesopfer von Unrufyen in Langenselbold.

Langenselbold, 18. Juli. (MTB.) heute um 15 Uhr wurden die den Langenselbolder Unruhen am Freitag jum Opfer gefallenen zwei Frauen zu Grabe getragen. Unter Beteiligung von etwa 5000 Personen ging das Begräbnis selbst ruhig von statten. Kommunisten waren aus der ganzen Um­gebung erschienen. Obwohl die Langenselbolder Kom­munisten vor einem Umzug gewarnt hatten, zog doch ein Trupp von 100 bis 150 auswärtigen Teilnehmern anschließend an die Beerdigung vor das haus des Polizeiwachtmeisters Ikler den man bezichtigte, die Schüsse in der Versammlung am Freitag abgegeben zu haben, durch die bie beiben Frauen löblich getroffen würben. Als

Steinwürfe gegen bas haus prasselten unb einige Fensterscheiben eingeworfen würben, gaben bet po- lizelwachtmeifter unb angeblich auch seine Frau R e - volverschüsse auf bie anbrängenbe Menge ab, aus bet ebenfalls Schüsse ge­fallen fein sollen, von einem Schuß getroffen, brach bet Arbeiter Abam 211 b u s aus Gtoß-Ktohen- bürg tokzusammen. Lin zweiterArbeifer aus Offenbach erhielt einen Cungenfdjuß, bem et halb batauf erlag. Drei weitere Zugteilnehrner aus Groß-Krotzenburg, Steinheim unb Langenselbolb er­hielten schwere Verletzungen unb mußten in ein Hanauer Krankenhaus eingetiefert werben. Das von bem Polizei Wachtmeister inzwischen telephonisch aus

Altona, 18. 3ult (Täl.) Im Altonaer Poli­zeipräsidium fand am Montagnachmittag eine Pressebesprechung über die blutigen Vorgänge am Sonntag statt. Polizeipräsident Eggerstedt führte aus, daß es sich nach seiner Ansicht um einen wohlvorbereiteten Liebers all der antifaschistischen Aktion gehandelt habe, der zunächst vielleicht nur gegen die Ra­tionalsozialisten beabsichtigt, im weiteren Verlaus aber völlig gegen die Polizei gerichtet ge­wesen sei. Zu den gegen die Polizei erhobenen Vorwürfen, daß sie den nationalsozialistischen Llmzug durch die berüchtigten Viertel an der Hamburg-Altonaer Grenze genehmigt habe, erklärte der Polizeipräsident, daß nach der Aufhebung des Uniform- und Umzugs­verbotes kein Grundzur Verweigerung des SA.-Werbemarsches bestanden habe. In zweimaligen Besprechungen mit den Rational­sozialisten auf dem Altonaer Polizeipräsidium war von der Polizei der Wunsch aus­gesprochen worden, daß der SA.-Zug mög­lichst die Ortsteile vermeide, die von politisch Andersdenkenden stark durchsetzt seien. Die Ra- tivnalsozialisten hätten jedoch Wert darauf gelegt, in allen Stadtteilen zu de­monstrieren. Da sie gleichzeitig versprochen hätten, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, sei der Umzug mit der beabsichtigten Marschrich­tung genehmigt worden. Die antifaschistische Or­ganisation hätte dann in Flugblättern und in der Hamburger Volkszeitung" dazu aufgerufen, am Sonntag in Altona zu bleiben und den Straßen­schutz zu übernehmen. Die Kommunisten hätten eine Störung des SA.-Ausmarsches organisiert.

Die Altonaer Polizei hätte alles, was sie an polizeilichem Schutz aufzuweisen habe, einge­setzt. Die Beamten hätten überall die nötige Feuerdisziplin bewahrt und seien so vorgegangen, wie es die Lage jeweils erfordert habe. Die Füh­rer der Polizeibeamten hätten übereinstimmend

Berlin, 18. Juli. (CNB.) Im Berliner Rund­funk sprach der Berliner Gauleiter der NSDAP., Dr. Göbbels, über das ThemaDer Natio­nalcharakter als Grundlage der Na­tiv n a 1 f u 11 u r". Der Redner verwahrte sich ein­leitend dagegen, daß die nationalsozialistische Be­wegung Ausdruck einer Parteimeinung sei. Die Idee des Nationalsozialismus sei so weit gesteckt, daß unter ihrem Dach ein ganzes Volk Platz habe. Im Mittelpunkt alles nationalsozialistischen Den­kens und Handelns stehe das Volk f e I b fL Däs 20. Jahrhundert sei das Iahrkundert der Masse, und nur eine Politik, die es verstehe, Massen in Bewegung zu bringen und zu organisieren, werde in diesem Jahrhun­dert auf die Dauer erfolgreich sein können. Doch müsse die Masse geformt und ihr Millionenwille dem Willen des führenden politischen Kopfes dienst­bar gemacht werden. Eine Politik ohne das Volk sei dumm und sinnlos, eine Politik gegen das Volk ein Verbrechen.

Der Nationalsozialismus, fuhr Dr. Göbbels fort, habe nicht den Ehrgeiz, sich den gegnerischen Par­teien unb Systemen verständlich zu machen. Der- stehen brauche ihn nur das Volk. Deshalb sprächen die Nationalsozialisten in der Sprache des Volkes mit dem Ziel, eine wahre Poli­tisierung der breiten Massen durch­zuführen. Das allerdings fei nur möglich, toenn die Verwirrung der politischen Gedanken­welt, die in Deutschland seit 1918 eingerissen sei, beseitigt werde. Es müsse eine neue Volk s° gemeinschaft geformt werden, die die Macht an sich reißen werde, um verantwortliche deutsche Politik zu betreiben. Der demokratische Parlamentarismus sei charakterlos, weil er auf dem politischen Kompromiß beruhe, wahrend der Charakter jedem Kompromiß abhold sei. Ein vott besitze Nationalcharakter, wenn es von ernheMichern und unerschütterlichem Willen beseelt sei und die­sen Willen kompromiß- und einschran- kungslos in der Welt durchzusetzen versuche. Es sei immer noch besser, eigensinnig eine gleichbkeibende Meinung zu vertreten, als gar

Hanau herbeigerufene Ueberfallkommando räumte die Straßen und stellte die Ruhe wieder her. Langenselbold hat damit durch die Unruhen der letzten Tage fünf Tote zu beklagen.

Weiteres Todesopfer der Ausschreitungen in Greifswald. Greifswald, 18. Juli. (WTB.) Die schweren politischen Zusammenstöße, die sich gestern in Greifs­wald ereigneten, haben ein weiteres Todesopfer ge- fordert. Im Krankenhaus starb ein National- sozialist, der schwere Stichwunden und Schußverletzungen erlitten hatte. Damit er­höht sich die Zahl der Todesopfer auf drei.

ausgesagt, daß sie einensolchen wohlor­ganisierten Feuerüberfallnochnicht erlebt hätten. Die Polizei sei zürnet st von oben herab beschossen worden.

Die Polizei habe schon vor dem Umzug alle möglichen Sicherungsvorkehrungen getroffen und Ansammlungen, die sich vor Eintreffen des Zuges bildeten, zerstreut. Als dann die ersten Schüsse fielen, gingen die Beamten sofort gegen die An­greifer vor, ließen die Fenster schließen und er­widerten das Feuer mit scharfen Schüssen, Da trotzdem die Schießerei fortgesetzt wurde, wurde der älmmarsch abgeleitet und die Teilnehmer an der Kundgebung sofort in Sicherheit gebracht. Der beste Beweis für baS rasche Eingreifen der Po­lizei ist die Tatsache, daß keiner der Zugteilneh­mer verletzt worden ist. Dem energischen Dorgehen der Polizei gelang es hierbei, der Lage Herr zu werden unb auch die Barrikaden zu beseitigen. Kommunistisches Sprengstofflager in einer

Berliner Kieingarienwionie ansgedeltt.

Bernau, 18.Juli. (TU.) In einer Kleingarten- kolonie bei Bernau wurde ein Sprengstoff- lager entdeckt. Der Besitzer, ein Kommunist namens Albrecht, wurde verhaftet. Es handelte sich um etwa sechs Pfund Ammonit, einem Sprengstoff, der in den Bergwerken benutzt zu werden pflegt, und der von ungeheurer Durchschlags- kraft ist. Außerdem fand man Zündkapseln und Zündschnüre. Teilweise waren bereits aus dem Sprengstoff Sprengkörperverfertigt wor- den, die mit Zündschnüren und Sprengkapseln ver- sehen waren. Bei der Vernehmung weigerte sich der Verhaftete, irgendwelche Angaben über die Herkunft und den Zweck des gefährlichen Materials zu machen. In Bernau bemächtigte sich der Einwohner nach Bekanntwerden des Fundes eine große Aufregung, zumal man horte, daß wahrscheinlich Anschläge in Bernau selb st geplant waren, die die Aufmerksamkeit der Oefsentlichkeit aus agitatorischen Gründen auf Bernau lenken sollten.

keine Meinung zu haben unb sich m allem bet Meinung der Mehrheit anzuschließen.

Aus bem Boden bes beutschen Rationab­charakters, der Treue, Fleiß, Betriebsamkeit, Klug­heit, Mut, Idealismus unb Uneigennützigkeit be­deute, sei die deutsche Rationalkultur erblüht. Träger dieser Rationalkultur sei ba« ganze Volk gewesen. Es gebe keine Kultur ohne Charakter unb keinen Charakter ohne Dinbung eines Volksganzen. Aber in bie Bezirke deutscher Politik sei der kleine unb berechnende Ge­schäftsverstand eingezogen, die staatspoli­tische Idee eines völkischen Selbstbehauptungs- willerrs sei überwuchert worben von rechnerischem Verstaub. Vor nichts habe dieser innere Verfall Halt gemacht. Aus dem in sich geschlossenen na­tionalen Dolkswillen sei ein spießbürgerlicher Pa­triotismus geworden, das Volk sei inzwei er­bittert gegeneinander gerichtete Klassensrvnten zerfallen. Die Wurzeln des kulturellen Rationaldaseins seien damit ab­geschnitten worden.

Die deutsche Ration, erflärte der Redner wei­ter, habe eine große Kulturentwicklung hinter sich. Daß sie verfiel und sich innerlich auslöst^ liege nicht am Volk, sondern sei auf ein Ver­sagen der Führung zurückzuführen und auf bas Eindringen vo l k s w i b r i g er Ideen. Die l i b e r a I e I d e e von der sogenannten Frei­heit der Menschen habe den Volkscharakter zersetzt und aufgerieben. Run habe die liberale Demokra­tie ihr Ziel erreicht. Der Boden des Volkes sei zur Tenne parteimäßiger Gegensätze herabge­würdigt worden, die heiligsten Grundlagen staat­lichen und volllichen Lebens würden angezwei- felt. Schon seien Millionenorganisationen bet Lieberzeugung, daß Eigentum Diebstahl sei, daß der Landesverrat nur eine Ehre sei und daß die Religion Opium für das Volk sei. Dringe die Staatsführung nicht den Mut auf, diesen Verfall mit allen Wurzeln auszurotten, dann werde bet moralische, geistige unb politische Bankrott des Volkes sein furchtbares Ende sein. Das Zeit­alter deS Internationalismus neige

' Oer Blutsonntag in Altona.

Nach Darstellung des Altonaer Polizeipräsidenten ein wohlvorbereiteter ilebersall der Antifaschistischen Aktion.

Goebbels spricht im Rundfunk.