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19.7.1932 Erstes Blatt
 
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Nr. 167 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefjen)

Dienstag, 19. Juli 1932

Oie wiedererstandene Entente.

Außenpotttische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin.

Der Sieger in Lausanne ist Herriot, der sehr umsichtig und zäh operiert hat. Auf das sogenannte Gentlemen Agreement ist gleich die Ueberraschung des englisch-französischen Konsultativ-Paktes gefolgt, und dieE n - lente cordlale zwischen Frankreich und England steht wiederum da, förmlich ausgesprochen und vor ollem nach Frankreichs Wunsch der jetzigen Lage völlig ongepaßt. Das gilt sowohl für den Schluß- kompf in der ersten Phase der Abrüstungskonferenz, wie namenllich und in erster Linie auf die Stellung zu, oder sagen wir nun ganz genau wie es ist, d i e Stellung gegen Amerika.

Wenn Macdonald sich diese Lage heute besieht, so kann sie ihm kein reines Vergnügen sein. Jeden­falls hat England sowohl in der Abrüstungsfrage wie in der Schuldenfrage die Freiheit der Bewegung cingebüßt: es ist an Frankreich gebunden, hat aber dementsprechend auch Rückhalt an ihm. Der englischen Politik muß aber dieses Abkommen sehr wertvoll erscheinen. Sonst hätte sie Punkt 4 nicht angenommen, der bis zum Abschluß eines neuen eng­lisch-französischen Handelsvertrags jedeDiskriminie­rung" eines Landes gegen das andere verbietet. Mit dieser Fessel fahren jetzt die Staatsmänner Eng­lands nach Ottawa!

Das Abkommen schließt ein einseitiges Vorgehen Englands bei Amerika zur Neuordnung seiner Schul­den aus: die beiden Länder werden die jetzt io wichtig gewordene Schuldenfrage gemeinsam behandeln. Das hat Herriot mit der ihm eigenen Offenheit aus­gesprochen. Das Abkommen legt weiter die gemein­same Front in der Abrüstungsfrage fest. Das heißt: darauf gestützt kann Frankreich nun noch mehr die Abrüstungskonferenz in ihrer ersten Phase versacken lassen. Das Abkommen legt schließlich die gemeinsame Front für die Weltwirt­schaftskonferenz fest. Alles, was der englische Außenminister darum herumgeredet hat, ändert nichts an der eben gezeichneten Lage. Er hat sie im Gegen­teil uns nur noch deutlicher gemacht, wenn er als Beispiel der etwa für eine Regelung in Betracht kommenden Fragen nannte die Revision des Ver­sailler Vertrages oder die Kriegsschuldfrage: wenn Deutschland etwa an England herantrete mit der Bitte, die Kriegsschuldklausel aus dem Versailler Vertrag auszumerzen, so werde England verpflichtet sein, sich mit Frankreich ins Benehmen zu setzen. Man vergleiche dazu, was der Reichskanzlei: über Lausanne der Presse gesagt hat. Die Aeuße- rungen von englischer Seite, auf die er dabei bezug nahm, sind also nichts wert.

Von der Einladung an andere Regierun­gen, sich diesem Abkommen anzuschließen, hallen wir nichts. England und Frankreich haben sich ver­ständigt, würden sich auch bei einer Erweiterung des Verhältnisses zuerst und für sich verständigen. Die olle Entente ist wieder da. Die französische Außen­politik hat eine entscheidende Wendung genommen. Nicht Frankreich wird isoliert, son­dern Deutsch!and und neben ihm Ita­lien.

Das ist die politische Seite. Das braucht sich nicht allgemein und absolut gegen Deutschland zu richten. Soweit begreifen ja Herriot wie Macdonald im Un­terschiede von englischen Konservativen und fran­zösischen Nationalisten die europäische Lage, daß sie ein gewisses Verständnis für die Zusammenarbeit in diesem Sinne haben und bestätigen werden, aber nur im Rahmen der politischen Gesichtspunkte und mit Hilfe einer Machtstellung Frankreichs, die durch diese geschickte und der englischen weit überlegene französische Politik erneut gefestigt worden ist.

Aber auch die weltpolitische Bedeutung dieses Ab­kommens muß hoch eingeschätzt werden. Denn im Grunde geht es ge g e n Amerika. Es drückt nun den Stempel auf die Tatsache, daß das Lausanner Abkommen erst in Kraft treten wird, wenn Amerika

Die Giadi des deutschen Michel

Don Liesbet Dill.

Mit ihren roten Ziegeldächern und schiefergedeck­ten Kirchen, von einem Kranz grüner Buchenwälder umschlossen,' liegt das alle Städtchen Stromberg im Talkessel, überragt von der allen Feste, derFusten- burg" deren mächtiger Bergfried trotzig über die Höhen schaut. Sie hat in der rheinischen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt^ und die Burg ist der Geburtsort desdeutschen Michel". Bis jetzt hatte ich geglaubt, der deutsche Michel sei ein Begriff, em Symbol, er habe gar nichtgelebt". Seit ich hier auf seinen Spuren wandle, ist er mir lebendig ge­worden, und alles, was ihn und sein Leben betrifft, scheint verwoben mit Deutschlands Geschick und dem Wesen der Deutschen. .

Auf vorspringendem Bergkegel eines Hochpla­teaus erbaut, fällt die Burg steil und schroff nach dem Tale ab. Nach pfälzischer Art großartig ange­legt, mit romanischen Rundbogenfenstern, war sic der Grundriß beweist es einst römischen Ursprungs. Diese Stromberger Feste befand sich bald in pfälzi­schem, bald französischem oder preußischem Besitz. Das Schloß wurde 1116 zum ersten Male zerstört, später brannte es noch einmal ab, aber es wurde immer wieder aufgebaut als Sitz des ältesten Nahe­gaugrafen. Die Kurfürsten der Pfalz kamen hierher zu großartigen Jagden, oder um sich von politischer Tätigkeit auszuruhen: die Burg hat glänzende Waf­fenturniere und fröhliche Rittertafeln in ihren dicken Mauern gesehen.

Hier oben wurde 1574 derdeutsche Michel" als Sohn des Oberamtmannes von Obentraut geboren. Er zeichnete sich als Offizier im Dreißigjährigen Kriege durch kühne Reitercoups aus, er war im Unionskrieg" ein gefürchteter Rittmeister, der mit seinen 500 Mann tollkühne Siege über den Feind errang. Er schien unverwundbar und unbesiegbar. Als Oberst des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz gewann er schwere Gefechte gegen die Spanier; den Sieg über Tilly bei Weißbach hat er zum Teil errungen Bei der Belagerung von Hagenau sprengte er die Scharen des Erzherzogs von Hagenau; spater trat er bei König Christian IV. von Dänemark in Dienst der ihn wegen seiner Kühnheit auszeichnete. Der Herzog von Sachsen-Weimar ernannte ihn zum Generalleutnant. Bei der Belagerung von Nienburg schlug Obentraut die feindliche Reiterei zuruck, bis Tilly die Belagerung aufgab und sich zuruckzog. Aus allen Kämpfen ging Obentraut als Sieger hervor. Sein Leben war eigentlich nur Kampf. Seinen Spitz­namendeutscher Michel", eine Bezeichnung, die

die entsprechenden Schuldenstreichungen gewährt. So wird von rückwärts und nachträglich auch das Oent- lemen Agreement und die ganze Fassung des Lau­sanner Abkommens, seine ganze Anlage vollkommen klar. Nochmals erinnern wir an den Absatz 2, Ar­tikel 1 im ersten Annex des Lausanner Abkommens, der betitelt ist:Uebergangsmaßnahmen betreffend Deutschland" und die Zahlungsckussetzung beendet, entweder wenn das Lausanner Abkom­men nach Ratifikation durch die sechs Staaten in Kraft tritt, oder wenn einer dieser sechs dem anderen förmlid) mitteilt, er habe beschlossen, nicht zu rati­fizieren. Beim Empfang in Paris hat Herriot dos dahin erläutert:Man muß wohl verstehen, daß der eben unterzeichnete Vertrag drei Teile enthält, deren erster feine wirkliche Bedeutung erst im Lichte des sog. Gentlemen Agreement erhält, auf das sich die Gläubigermächte mit ihrer Ehre verpflichteten. Wenn die Regelungen mit den Vereinigten Staaten keine befriedigenden Bedingungen erzielen, bl e i - ben mir auf unseren Stellungen (sur nos positions). Darauf haben wir uns alle ver­pflichtet! Was heißt das? Wir müssen den Dingen in das Auge sehen!Unsere Stellungen" heißt für Frankreich, das alle Fäden und alle Macht in der Hand hat, nichts anderes als der P o u n g p l a n. Der Reichskanzler hat die Antwort Macdonalds: in solchem Falle der Nichtratifika­tion würde eine neue Konferenz stattfinden. Womit aber ist dabei der Poungplan ausdrücklich außer Kraft gesetzt? Was ist diese Diskussionsantwort in einer Lausanner Sitzung, die Macdonald natür­lich guten Glaubens abgegeben hat, förmlich, juristisch und realpolittsch im Falle der Aktualität wert?

Mit absichtlicher Indiskretion hat Herriot das Gentlemen-Agreement" an die Oeffentlichkeit ge­bracht, von dem sicherlich England öffentlich nichts geredet haben wollte. Bringt es doch England i n eine sehr unangenehme Postion gegen­über den Vereinigten Staaten! Aber in Abrede stel­len hat England die Mitteillung nicht können. Und das ist nun, alles andere zurückschiebend, Haupter­gebnis und Haupteindruck aus Macdonalds Rede. Was ist, das ist die Verpflichtung zwischen England und Frankreich und Italien, er st zu ratifizie­ren nach der Einigung mit den eige­nen Gläubigern, und das Abkommen jeweils zwischen England und Frankreich und England und Italien, das die Kriegsschuldenzaylungen Frankreichs (Italiens) an England bis zur Ratifizierung von Lausanne aufhebt.

Das ist' der Kern, und in der Pflicht die Dinge zu erkennen wie sie find, sagen wir, daß die For­meln in Macdonalds Rede über Deutschlands Gleich­berechtigung für uns keinen realen Wert haben. Mit der Zustimmung zum Gentlemen-Agree­ment und der neuen entente cordiale band sich Eng­land aus Gründen, die wie gar nicht wieder darzu­stellen brauchen, an Frankreich und wird damit er­neut der Garant des Versailler Vertrages, des Status quo", wie Frankreich das immer wünscht.

Wahrhaftig, wir haben Anlaß, dieses Ergebnis von Lausanne ohne Freude zu betrachten! Aber auch in Amerika kann keine Freude darüber sein. Die Staatsmänner Frankreichs und Englands bemühen sich, den Anschein zu beseitigen, als handle es sich hier um ein Ultimatum an Amerika. Talsäch- lich ist es ein solches! Die große französische Presse erinnert jetzt von der so gewonnenen Grundlage aus, von der Bindung der einzelnen Amerika- Schuldnermächte untereinander keinen Abschluß mit Washington getrennt vorzunehmen Hoover daran, daß er beim Besuch Lavals Europa darauf hinge­wiesen habe, zunächst einmal unterein­ander zu einer Einigung zu kommen, bevor Ame­rika etwas von sich aus in der Schuldenfrage tun könne.Diese Vorbedingung ist realisiert, die euro­päischen Nationen sind einig. Was kann und will jetzt Amerika tun zum Heil Europas und zu seinem eigenen Heil?", so fragt derTemps" sehr be­stimmt, ja herausfordernd. Und allerdings: ob uns das Lausanner Abkommen gefällt ober nicht, der Temps" hot recht. Und ob Deutschland tausendmal betont, es habe jede Verbindung mit den interalli­ierten Schulden gegenüber Europa abgelehnt und sei

schon in den Kreuzzügen vorkam, gaben ihm die Spanier wegen seiner aufrichtigen, verläßlichen, aber etwas derben Art. Dieser deutsche Michel trägt keine Schlafmütze. Aus dem schmalen, von Spitzbart und Halskrause umrahmten, klugen Gesicht blitzen zwei helle Augen, die von Tatkraft, Mut und eisernem Willen reden. Sein schlanker geschmeidiger Körper steckte in einem stählernen Panzer; eine Rüstung war sein Kleid. Er hat als .Kriegsmann gelebt und ist auf dem Schlachtfelde gestorben. Tilly, der ihn besiegte, drückte seinem tapferen Gegner zum ersten und letzten Male die Hand, als sich der tödlich ver­wundete Ritter Obentraut in seine Kutsche tragen ließ. Ein endlich Besiegter, vor dem der Feind ach­tungsvoll den Degen senkte ...

Unter deutschen Eichen wuchs er auf. Auf hartem, felsigen Boden stand seine Burg, auf hellen, festen Wegen durchritt er das Land, das sich fruchtbar, be­waldet, durchzogen von Flüssen und Bächen, reich und felsig ausbreitet bis hin zum Rhein. Beim Durchwandern der engen, kleinen Gassen Strom­bergs, auf dem stillen Markt, unter dessen großer Kastanie der heilige Jakobus als Schutzpatton steht, stößt man noch überall auf die Spuren verrauschter, kriegerischer Jahrhunderte. Alte, engbrüftige Häus­chen mit hohen, spitzen Giebeln, Messingbeschlägen und blinkenden, uralten Türklopfern, vornehme, ein­fache, weiße Patrizierhäuser mit Rokokotüren und geschnitzten Barocktüren, des 18. Jahrhunderts, die stolz charakteristischen Ruinen der alten Feste alles mahnt an die Kriege die dieses Land seit Jahrhunderten verwüsteten. Abgebrannt und aufge­baut, stehen seine Häuser auf demselben Boden. Eine reine, kräftige Gebirgsluft weht hier; feste weiße Landstraßen verbinden die sauberen Dörfer mitein­ander, die bald auf den Höhen hinter dem Walde, bald zwischen fünften Wiesentälern freundlich auf­tauchen, bis herunter zu den Windungen des glitzern­den Rheins ...

Einsamer Tod am Kongo.

Don dem einsamen Tod des englischen Natur­forschers und Deisenden Dr. C. Christy wird in einem Londoner Blatt eine ergreifende Schil­derung entworfen. Dr. Christy, der bereits 68 Jahre zahlte und auf ein langes, der For­schung gewidmetes Leben zurückblickte, war Mit­glied einer Expedition, die von belgischen Be­hörden ausgerüstet worden war, um Elefanten für das Belgische Museum zu fangen. Er hatte das Lager der Gesellschaft zu Welle im Dord­osten des belgischen Kongo verlassen, um am Aka-Fluß nach einer seltenen Elefantenart zu

nicht in die Front gegen Amerika einbezogen es steht in dieser Front. Denn der ganze schwierige Komplex beweist ja, daß der Zusammen­hang zwischen deutschen Reparationen oder der jetzt an ihre Stelle tretenden Ablösungszahlung und den Schulden an Amerika indirekt, aber zwingend Her­tz e st e 111 ist.

Es rächt sich nun, für jedermann sichtbar, daß Amerika nicht genug Druck hinter die Abrüstungs­konferenz gesetzt hat. Es steht vor der Front Euro­pas. Es steht vor einer moralischen Verpflichtung, die eingehen zu wollen es selbst erklärt hat. Es steht vor der Unmöglichkeit, dieses Europa, in das sich England eingegliedert hat, schließlich wenn es zum Letzten kommt, zur Einhaltung seiner Ver­pflichtungen zu zwingen. Diese Lage wird noch da­durch verschärft, daß man im Wahl kam pf ist, die Demokraten sich gegen jedes Zugeständnis festge­legt haben und der Wahlkampf wie 1928 verlaufen wird, d. h. ohne eine klare Stellung zu der Frage, und das heißt wieder unter Stärkung der Stim­mung gegen jedes Zugeständnis. Glaubt man dann, daß Hoover, falls er wiedergewählt wird, im Win­ter oder im nächsten Frühjahr entschlossen und schneller vorwärts gehen wird in dieser Frage, als er es bisher getan hat? Wir glauben es nicht!

Uns scheint, daß diese großen Zusammenhänge fiir uns wichtiger sind als em Streit um das Ergebnis von Lausanne selbst, der nichts mehr ändert. Ganz gewiß nicht ohne Schuld der deutschen

Politik, die niemals den Zusammenhang zwi­schen deutscher Reparation und interalliierten Schul- den sehen wollte, ist so für Deutschland eine Lage entstanden, die recht schwierig werden kann. Unter den ganz wenigen Aktiven unserer Außenpolitik seit Kriegsende steht das gute Verhältnis zu den Ver­einigten Staaten in allererster Linie. Jetzt werden wir, wir mögen wollen oder nicht, in eine Front einbezogen, die ihre Spitze durch die geschilderten Zusammenhänge gegen d i e Vereinigten Staaten richtet.

Weder geht vom Lausanner Ergebnis die ge­ringste seelische Entspannung für Europa und Deutschland aus, noch kann Lausanne irgendwie einen Anstoß für die Gesundung der Weltwirtschaft bedeuten. Gerade der Kamps um- bas Abkommen, der nun beginnt, verhindert, daß das so ost zitierte weltwirtschaftliche Vertrauen sieb wieder belebe.

In keinem Fall kommt Deutschland um die Maß­nahmen herum, die wir so oft andeuten, auf die die Stillhalteverhandlungen in London und die Devisen- läge der Reichsbank und alles andere Hinweisen. Ist dos aber so, so wird man bei aller Anerkennung der Mühe, die sich die deutschen Vertreter in Lau­sanne gaben, sagen müssen, daß das Ergebnis die Mühe im Sinn einer Befreiung, eines Dorwärts- kommens, ganz gewiß nicht gelohnt hat und daß im Gegenteil aus ihm die hier öargefteUtcn Zusammen­hänge neu entstanden sind, die für Deutschland sehr wenig angenehm find!

Sorberungen des hessischen Schreinechandwecks- Ausschußtagung des Landesverbands Hessischer Gchreinermeister und verwandter Berufe.

* Bad-Nauheim, 18. Juli. Die Vertreter der hessischen Schreinermeister-Organi- Rationen traten gestern hier zu einer erwei­terten Ausschuß-Sitzung unter Leitung des Verbandsvorfitzenden S ch m u h l (Worms) zusam­men. Vie Tagung, der auch der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Schreinermeister Schott (Beerfelden a. G.) beiwohnte, verlies in voller (Ein- Mittigkeit.

Einen breiten Raum nahm bei den Verhandlungen die Erörterung

larlfpolitischer Fragen

ein. Stellvertretender Vorsitzender Reuter (Mainz) berichtete über die ergebnislos verlaufenen Lohn- unb Tarifverhanblungen. Danach würben vier Mit- gliebsorganifationen ohne vorherige Verhanblung mit ben Arbeitnehmerverbänden von dem Schlichter geladen. Die mehrstündigen Beratungen endigten mit einem für die Arbeitgeber unannehmbaren Schieds­spruch, der in der Lohnfrage einen höheren Lohn als im Baugewerbe vorsah und den Mantelvertrag mit geringen Abänderungen auf ein Jahr ver­längerte. Die von der Ar'beitnehmerseite beantragte Verbindlichkeitserklärung lehnte der Reichsarbeits­minister ab.

Sodann berichtete Geschäftsführer Köhler (Darmstadt) über die

Stellungnahme des Verbandes bei kommenden Lohnverhandlungen.

Noch einem kurzen Rückblick auf die früheren Ver­handlungen und die dabei gemachten Erfahrungen stellte der Redner fest, baß der Verband als solcher nicht tariffähig sei, da ihm nicht Einzelmitglieder, sondern Arbeitgeberverbände angehören. Da die Umstellung.auf Einzelmitgliedschast nicht zweckmäßig sei, sei die Ausstellung von Tarifvollmachten zu empfehlen. Der Verband müsse bann für bie an­geschlossenen Innungen unb Vereinigungen in Zu­kunft die Lohnverhandlungen führen.

An die Berichte schloß sich eine eingehende Aussprache an, die zu dem Ergebnis führte, daß eine Tarifkommifsion gewählt wurde, die für die Folge nach vorheriger Fühlungnahme mit den betreffenden Mitgliedsorganisationen verhandeln soll.

Heber die Landesausschuh.Sitzung des hessischen Handwerks- und Ge­werbeverbandes berichtete Dorsihender S ch m u h l, Worms. Gr streifte kurz

die kreditwirlschofl der Hessischen Handwerks­kammer,

die nach der Inflation auf ausdrücklichen Wunsch des Handwerks in Angriff genommen worden sei. Es sei zugegeben worden, daß, von heutigen Gesichtspunkten aus betrachtet, Fehler gemacht worden seien, es sei aber auch einwandfrei er­wiesen, daß keine Bersehlungen oder Unregelmäßigkeiten begangen worden seien. Es sei daher höchste Zeit, daß dem nutz­losen Bruderstreit im hessischen Handwerk ein Ende bereitet werde. Dach kurzer Aussprache wurde nachstehende

Entschließung angenommen:

Die am 17. Juli anläßlich einer erweiterten Ausschußsihung des Landesverbands hessischer Schreinermeister versammelten Bertreter der hessischen Schreinermeister-Organisattonen haben mit Entrüstung davon Kenntnis genommen, daß die seit Jahresfrist gegen die Handwerks­kammer und die Handwerkerzentral­genossenschaft betriebene Agttation trotz aUer Aufklärung fortgesetzt wird. Dieses Dor- gehen insbesondere. gegen die Handwerker­zentralgenossenschaft ist um so verwerflicher, als den tteibenden Kräften dieser Aktion genau be­kannt sein muh, daß dadurch die Existenz von Tausenden von Handwerksbetrieben in Hessen gefährdet wird. An alle, die es angeht, ins­besondere an den Bezirksverband ®rofj-@erau, sei hiermit die eindringliche Warnung gerichtet, nicht einen grohen Teil des hessischen Handwerks dem Untergang zuzuführen. Doch ist es nicht zu spät, es gilt positive Arbeit für das gesamte hessische Handwerk zu leisten und Sonderinteressen zurückzustellen."

Dach Erledigung der verwaltungstechnischen Angelegenheiten sand noch eine Aussprache über die allgemeine Wirtschaftslage, sowie über fon-

suchen. Er war von drei eingeborenen Elesanten- jägein, zwei Boys und 25 Trägern begleitet. Aus einer Streife mit den beiden Boys be­merkte er eine kleine Herde von Düffeln und feuerte aus einer Entfernung von 60 Meter zwei Schüsse ab, durch die er einen männlichen Büffel verwundete. Zwei weitere Schüsse streckten das Tier mit zerschmettertem Hinterbein zu Boden. Ein fünfter Schuh traf es in der Dähe des Schwanzes. Die gepeinigte Bestie erhob sich plötzlich und griff, das verwundete Dein hinter sich herschleppend, die Männer an. Sie flüchteten, aber Dr. Christy erhielt einen furchtbaren Stoh, der ihn in die Luft schleuderte und auf den Kopf aufschlagen ließ. Der Büffel durchbohrte dann mit den Hörnern seinen rechten Schenkel. Unterdessen hatte der eine der beiden Begleiter dem Tier seinen Speer in den Hals gestoßen, worauf der andere mit drei Kugeln ihm den Garaus machte. Dr. Christy schleppte sich noch in sein Lager und beaufsichtigte das Auswaschen und Derbinden seiner Wunde. Bon der nächsten Station, die 80 Kilometer entfernt war, wurde ein Arzt herbeigeholt, aber der Zustand des Ber- wundcten wurde zusehends schlechter. Als Dr. Christy sein Ende herannahen fühlte, schickte er alle seine Begleiter aus seinem Zelt und starb allein. Die Leiche wurde nebst seinen Papieren, Dotizbüchern und andern Besitztümern nach dem Haupllager zurückgebracht und dort feierlich be­stattet.

Ein Krücken-Museum.

Die Sammelleibenschäft kennt bekannllich keine Grenzen; mancher sammelt Streichholzschachteln, Schnürsenkel unb alles mögliche, bas bem normalen Menschen als wertlos erscheint. Aber eine solche Spezialität kann auch Nutzen bringen unb Gegen- ftänbe, bie für bie Kulturgeschichte von Interesse find, vor bem Untergang bewahren. So gibt es z. B. ein Knopf-Museum, bas wissenschaftlichen Wert besitzt. Eine andere berartige seltsame Samm­lung, bas Krücken-Museum in bem tschechoslowaki­schen Babe Pistyan, wirb von Friedrich Renhok inReclams Universum" geschilbert. Diese kuriose Sammlung ist durch die Geschäftstüchtigkeit der Babediener entstanden, bie seit etwa 1887 ben burch die Heilquellen von Rheumatismus und anderen Leiden genesenen Patienten ihre -stocke unb Krücken ab kauften, nachdem sie für sie überflüssig geworden waren. Diese überaus billig erstandenen Geräte wurden bann an andere Patienten verliehen. Auf diese Weise sammelten sich im Besitze einzelner

Personen größere Mengen von Stöcken und Krücken, und 1897 gab es schon zwei Sammler, bie je 14 bieser sonderbaren Museumsgegenstände ihr eigen nannten. Da nahm sich bie Badeverwaltung der Sache an, nicht um aus dem L-eihgeschäst selbst Nutzen zu ziehen, sondern um damit eine wirksame Reklame zu treiben. Die ausgedienten Krücken soll- ten in ihrer stattlichen Anzahl bem Ruhm des Ba­des ein neues Blatt hinzufügen und der Besucher sollte einen überwältigenden Eindruck von der jede Krücke überflüssig machenden Heilkraft des Babes erhalten. So entstand bas einzige Krücken-Museum der Welt, das auf die Besucher des Bades keinen peinlichen und abstoßenden, sondern einen ermuti­genden und Hoffnungen erweckenden Eindruck macht. Die Sammlung enthalt Modellstücke von prakttschen Krücken unb bann zahlreiche Erinnerungsstücke an hervorragende Patienten, bie ihre Stöcke und Krücken teilweise mit Anerkennungs- unb Dank­schreiben gestiftet haben. Auch ein Stock von Henny Portenals Zeichen ihrer gänzlichen Gesundung nach der Badekur^ befinbet sich darunter.

Hochschulnachrichten.

Auf das burch den Weggang von Prof. La - queur nach Halle erledigte Ordinariat der alten Geschichte an der Universität Tübingen ist der Privatdozent Dr. Woldemar Graf Hf- kull - Ghllenband in Halle berufen worden.

Der Lehrstuhl der anorganischen Chemie an der Göttinger Uniberfität an Stelle von D. Zsigmondh ist dem Ordinarius Professor H. von Wartenberg an der Technischen Hoch­schule in D a n z i g angeboten worden.

Der Lehrstuhl der klassischen Archäologie an der Königsberger Universität an Stelle von Professor Bernhard Schweitzer ist dem Sekre­tär am Deutschen Archäologischen Institut in Athen, Dr. Walther Wrede, angeboten worden.

Zeitschriften.

Im Juliheft der Süddeutschen Mo­natshefte (München) ist ein Beitrag zur Le- bensgeschichte Schopenhauers erschienen, der von den Freunden des Philosophen nicht übersehen wer­den sollte: es handelt sich um die Erinnerungen des Schuhmachers, bei bem Schopenhauer in Frankfurt arbeiten ließ. Sie sind durch den persönlichen Cha­rakter, den sie tragen, unb burch bie vielen Züge aus bem Privatleben des großen Denkers besonders reizvoll.