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nicht vornehmen. Unb wenn wir Reparationen zahlen müffen, können wir nicht einmal unsere Privatschulden im Ausland bezahlen. Rennen iTie so etwas ein Wirtschaftssystem?"

Der Ruin, davon war er überzeugt, stand ihm unmittelbar bevor. Was erwartete die Belegschaft nach ihrem letzten Arbeitstag? Wir fuhren nach FeHrenbach.

Das Waldstädtchen FeHrenbach gleicht einer Puppenstadt. Seine sauber getünchten Häuser heben sich in scharfem Kontrast von dem dunklen . Grün der kiefernbestandencn Hügel ab. Auf den Dächern glitzerte der Schnee in der reinen Luft. Diese Gegend ist eine der gesündesten in ganz Deutschland.

Mitten durch die Dorfstraste ging der Aus­rufer. Eine kleine Kindergruppe sammelte sich um ihn. Fenster öffneten sich, Köpfe wurden her- ausgesteckt. Mit lauter Stimme verkündete er, dast die Erwerbslosen Fehrenbachs zwei Wochen lang das Pfund Fleisch statt um 90 Pfennige um 30 Pfennige kaufen könnten. Die Differenz werde die Regierung bezahlen. Die Verlaut­barung wurde mit Kopfnicken, aber ohne Bei­fall ausgenommen. Ein alter Mann brummte: Und wo sollen wir die 30 Pfennige hernehmen?"

Drei Kinder gingen uns auf die Straste nach. Wir fragten sie, ob sie gern eine Tafel Schoko­lade hätten. Das war eine verhängnisvolle Frage; auf dem 100 Meter langen Weg zum Kramladen hatten sich uns schon wieder weitere zwölf Kinder .angeschlossen. Als wir den Laden wieder ver- liehen, war die Rachricht schon durch das ganze Dorf gegangen, und vor den Stufen standen stumm sämtliche Kinder Fehrenbachs. Mehr als 200, von ganz kleinen, die sich kaum auf ihren Beinchen halten konnten, bis zu 13- und ^jähri­gen Burschen, warteten. Hinter dem Kindevhaufen hielten sich Mütter auf, die Säuglinge im Arm hatten.

Beim Anblick der Schokolade brach die Hölle los. Kinder laufen überall in der Welt zusam­men, wenn sie etwas Süstes bekommen können. Aber hier in FeHrenbach war das etwas an­deres. Was diese Kinder so gierig die Hände ausstrecken liest, war der Hunger, und als sie sahen, dast der Vorrat an Schokolade seinem Ende zuging, stand wahres Entsetzen auf ihren Ge­sichtern. Der Bürgermeister nahm die Verteilung vor. Die Kinder stürzten sich darauf. Die erste Portion ging zu Ende, und es kam die zweite. Die Mütter reckten ihre Hände empor und ver­langten einen Anteil für die verhungert aus­sehenden Kinder, die sie auf dem Arm trugen. Als die letzte Tafel verteilt, der Vorrat ganz er­schöpft war, fingen die Kinder, die nichts von der Schokolade bekommen hatten, zu jammern an. Weinen erfüllte die Straste, und das Elend Fehrenbachs war noch schlimmer als vorher.

Wir suchten unter Führung des Bürgermeisters eine Reihe von Familien auf. 3n der ersten Wohnung fasten der Mann, seine Frau und die vier Kinder in der Küche, die. wie alle deutschen Küchen, und wenn die Familie noch so arm ist, sauber und nett aussah. Diese Familie hier be­zog 9,50 Mark in der Woche, und zwei von den Kindern bekamen an jedem zweiten Tag je einen Becher Milch und ein Brötchen aus der Quäkerspende. Die Hausfrau erzählte mir wider­strebend von ihrem Speisezettel: zum Frühstück Kaffee aus gebranntem Weizen und trockenes Brot; mittags Pellkartoffeln mit Speck ein Pfund Speck must für sechs Mahlzeiten reichen; abends Pellkartoffeln ohne Speck. Das wird an den sechs Wochentagen gegessen, und Sonntags gibt es ein Pfund vom billigsten Fleisch für_ die sechs F-milienmitglieder. Der Mann hatte früher als Packer in einer Glasfabrik ein zufriedenstel­lendes Auskommen gehabt.

Sn der nächsten Wohnung lebte ein Glas­arbeiter. der mit seiner Frau und drei Kindern 9 Mark wöch<-ntlich bezog. Der Speisezettel war hier der gleiche. Sn allen Häusern der Ortschaft hörten wir dieselbe Geschichte, und das Bemer­kenswerteste an der Haltung der Bevölkerung war die völlige Sachlichkeit, mit der die Fragen be­antwortet wurden.Sa. wir sind hungrig" das kam in demselben Ton. in dem man etwa sagt:Sa, heute ist Montag." Ein einziges Mal machte ein alter Glasarbeiter eine Schluck­bewegung. als er uns erzählte, dast seine fünf­köpfige Familie Sonntags sich gewöhnlich ein halbes Pfund Fleisch leisten könne, und dast das austerordentlich gut schmecke. Kein einziger bat. und sei es auch nur mit einer Geste, um Almosen, und es war nahezu notwendig, sorg­fältig den Zweck des Besuches zu erklären, bevor die Leute sich bereit fanden, über ihre Lage zu sprechen.Sie sind stolz", erklärte der Bürger­meister,und sie alle geben nur ungern zu, wie arm sie sind."

Es mag wohl sein, dast in den Gemeinden des Thüringer Waldes die Zustande ebenso wie in Falkenstein örtlich bedingt, untypisch und beson­ders krast sind. Es ist auch richtig, dast die Glas­industrie auf jeden Fall unter den hohen Fracht­kosten leiden würde, und dast sie sich, abgesehen von der Billigkeit der Arbeit, niemals beson­derer wirtschaftlicher Vorteile erfreute. Cs ist je­doch durch die Aussagen sämtlicher Zeugen völlig einwandfrei sestgesiellt, daß das augen­blickliche Ausmaß der Armut ohne jede Parallele ist; und die Tatsache, daß es inmitten des am höchsten industrialisierten Landes in Europa eine Reihe von Gemeinden gibt, von deren Gesamt­bevölkerung, die 6000 zählt, mindestens 5500 nicht nur arbeitslos, sondern auch sichtlich dem Verhungern nahe sind, ist rein zahlenmäßig von nicht unbeträchtlichem Wert für ein Urteil über die Lage des ganzen Landes.

Bis nun waren die meisten ausländischen Be­obachter der Ansicht, dast Deutschland über seine Verhältnisse lebe. Die aus Deutschland kommen­den Klagen wurden im allgemeinen damit er­klärt, daß die Deutschen sich nicht zu einer Redu­zierung ihres einst zugegebenermasten hohen Le­bensstandards bereit finden wollen. Ob dieses Urteil noch immer für das ganze Reich richtig ist, bleibt noch zu erkunden; dast aber der Le­bensstandard im Thüringer Wald nicht weiter heruntergedrückt werden kann, ohne daß es zu wirklichem Verhungern kommt, steht zweifelsfrei fest. Die Bürgermeister von FeHrenbach und Masserberg erklärten auf das nachdrücklichste, dast die Situation ihrer Gemeinden unvergleich­lich schlimmer sei als zur Zeit der Snflation, schlimmer sogar noch als während des Krieges.

Aus unserer Fahrt durch den Thüringer Wald kamen wir an einem Kriegsgefallenendenkmal vorüber. Auf dem Rücken eines Soldaten mit Stahlhelm türmte sich der Schnee, und die meisten Ramen auf der bronzenen Ehrentafel lagen unter der weißen Decke. Sn unmittelbarer Rähe stand ein anderes Denkmal, aber der Schnee auf dem Dach der verlaffenen Glasfabrik deckte keine Ehrentafel zu.

Rundfunkprogramm.

Sonntag, 20. März.

7.00: Von Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Mor­genfeier, veranstaltet von der Evangelischen Ge­meinschaft (Freikirche). 9.40:Die Frankfurter Volkshilfe." 10.00: Stunde des Chorgesangs. 11.00 bis 11.40: Sungc Generation. Gespräch unter Lei­tung von Ernst Schoen und Paul Laven. 12.00: Mittagskonzert. 14.10: Stunde des Landes. 15.00: Stunde der Sugenö. 16.00: Freiburg: Rachmit­tagskonzert. 18.00:Das Hörspiel als Kunstform". Vortrag von Friedrich Durschell. 18.25: 30 bunte Minuten. Leitung: Falke-Leonhardt. 18.55:Stu- dienverhältnisss Zur Lage der Universität", Gespräch zwischen Dr. Dolf Stemberger und Sustin Heidecker. 19.30: Der Westerwald. Hör­bild von W. W. Knoeckel mit Beiträgen von Leo Sternberg, Willy Arndt und Dr. Fritz Esten. 20.05: Aus dem Großen Saal des Saalbaues Frankfurt a. M.: IX. Montags-Vorkonzert des Frankfurter Orchester-Vereins. 22.00:Erlebte Zeit": Hans Thoma. Unterhaltung zwischen Frau Küchler-Dergmann. Verwalterin des Rachlasses von Hans Thoma und Professor Dr. Fritz Wichert. 22.50 bis 24.00: Tanzmusik.

Montag, 21. März.

7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 13.00: Don Köln: Mittags­konzert. 17.00: Äachmittagskonzert des Rund­funkorchesters. 18.40: Goethes Faust, 2. Teil. Zur Sendung am 22. März, Einführung von Dr. Ha­rald Braun, Berlin. 19.05: Englischer Sprach­unterricht. 19.30: Aus dem Gewandhaus Leip­zig: ReichssenöungGoethe". Konzert. 20.45: Aus Goethes Arbeitszimmer im Frankfurter Goethe- Haus. 21.35: Goethes Tod. Eine Hörfolge in zeitgenössischen Berichten von Soh. Peter Conrad.

Dienstag, 22. März.

7.20: Frühkonzert. 9.30: Von Weimar: Reichs­sendungGoethe". Reichsgedächtnisfeier in der Weimarhalle. 11.25: Kranzniederlegung in der Fürstengruft Weimar. 12.30: Von Leipzig: Mit­tagskonzert. 15.20 bis 15.50: Hausfrauen-Rach- mittag. 16.30 bis 18.00: Konzert. Städtisches Kur­orchester Wiesbaden. 18.15: Gedenkrede für Goethe. Von Prof. Dr. Albert Schweitzer. 19.30: Don Berlin: Faust Der Tragödie Zweiter Teil. 22.50 bis 24.00: Das Wendling-Quartett spielt.

Mittwoch, 23. März.

7.20: Frühkonzert. 12.05: Von Berlin: Konzert. 13.00: Don Köln: Mittagskonzert. 15.15 bis 16.00: Stunde der Sugenö. 17.00 bis 18.30: Konzert ar­

beitsloser Derufsmusiker. 19.05:

schichte des Ramanujan". Don Hannah Szaez. 19.35:Mignon"; eine Goethe-Anekdote von Wil- beim Schäfer. Gelesen von Paul Hoffmann. 19.45: Unterhaltungsmusik des Philharmonischen Or­chesters Stuttgart. 21.00:Schnaps, Kokain und Lamas", Reiseberichte mit Schallplatten, von Os­kar Ludwig Brandt. 21.30: Karlsruhe: Violin­konzert. 22.55: Lisa-Palast: Der weiße Schlaf. Eine elegische Reminiszenz aus Liedern von Max Dauthendey für eine Sprech stimme und Orgel von Wil^lm Locks.

Donnerstag, 24. März.

7.20: Frühkonzert. 12.05: Konzert auf Schall- platten. 13.00: Don Köln: Mittagskonzert. 15.30: Stunde der Sugenö. 16.30: Arien und Lieder. Gesungen von Sulins Lenz. 17.00: Konzert. 18.40: Zeitfragen. 19.05:Rückblick auf meine Frank­furter Tätigkeit", Dortrag von Univ.-Professvr Dr. Hans Raumann. 20.05: Aus dem Stadt- theatcr Saarbrücken: Wenn ich König wär'. Ro­mantisch-komische Oper in drei Akten. 22.50 bis 23.10: Rachtarbeit. Hörbericht von Emst Rebhut.

Freitag, 25. März.

8.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Cvang. Landeskirche Frankfurt a. M. 10.00: Stunde des Chorgesangs. 10.45:Don Kritikern und Kritisier­ten". Dortrag von H. S. von Heister, Berlin. 11.15: Konzert des Frankfurter Motettenchors. 12.00: Konzert. 15.15: Stunde der Sugenö. 16.00: Seine letzte Wallfahrt", eine Erzählung aus dem Westerwald von Sohanna Schlosser. 16.30: Beet­hoven-Konzert. 17.30: Robelpreisträger: Sigrid Lindset. 18.00: Aus dem Großen Saal des Saal­baues, Frankfurt a. M.: Matthäus-Passion. 21.30: Heilige Zeit. Am Abend des Karfreitags.

Samstag, 26. März.

7.20: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Don Berlin: Konzert. 13.00: Don Köln: Konzert. 15.15: Stunde der Sugenö. 16.40: Rugbh-Länöerspiel Sportklub Frankfurt 1880 gegen Oxforö Grei- hound. 17.10: Rachmittagskonzert öes Runöfunk- orchesters. 18.40:Tägliche Fragen öer öeutschen Verfassung", Vortrag von Professor Giese. 19.05: Spanischer Sprachunterricht. 19.35: Gvetheworte an unsere Zeit. 19.45: Die Geischler in Straß­burg. Historische Szenen. Von Carl Cesar Klein. Musik von Willy Kipp. 20.45: Kammermusik. Von Fr. von Biber (1644 bis 1704). 21.40: Mutter Maria. 23.00 bis 24.00: Linterhaltungsmusik.

Oderheffen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 18. März. Es gehört zu Öen schön­sten Gebräuchen, Öah die hiesige Volksschule am Ende des Schuljahres eine Entlassungs­feier der Oberklasse veranstaltet. Auch in diesem Sabre hatte die Oberklasse die Eltern, Lehrer und Freunde der Schule zu einer solchen Feier eingeladen. Der Abend war dem deutschen Sonntag gewidmet. Sn Liedern, Vorträgen der einzelnen Schüler und Schülerinnen, sowie in dem SugendspielEine Sonntagsüberraschung" legten die Kinder Zeugnis ab von dem, was ihnen die Schule gegeben hat. Lehrer Schnei­der, der als Schulleiter sich in den Dienst der Sache gestellt hatte, hielt eine eindrucksvolle An­sprache über Öen öeutschen Sonntag, aber er er­innerte auch an öie Alltagspflichten. Zum Schluß öanfte Rektor Petri Lehrer Schneiöer für die Arbeit, öie er sich zum Gelingen öes Abenös gemacht habe. Sn seiner Ansprache wünschte er besonders, daß die Kinder in späteren Sahren trotz politischer oder konfessioneller Gegensätze die gegenseitige Achtung nicht verlieren möchten, da nur dadurch eine Lleberbrückung Öer Gegen­sätze in unserem Volke möglich sei, an der es beute leider, vielfach fehle. Rachdem Rektor Petri an die Sieger aus den Reichsjugendwettkämpfen die Anerkennungsblätter verteilt hatte, fangen die Kinder noch ein gemeinsames Lied. Der Abend dürfte dazu beigetragen haben, das Verhältnis zwischen Schule und Elternhaus zu stärken, zum Wohl der Gemeinöe und des Vaterlandes.

a. Reiskirchen, 18. März. Gestern feierten die Eheleute Konrad Hahn und Frau Maria, geb. Schomber, im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Llrenkel das Fest öer Diamantenen Hoch­zeit. Der Subilar ist am 19. Mai 1846 zu Hat­tenrod geboren und diente von 1867 bis 1871 in öer 3. Batterie des Hessischen Artilleriekorps, in der er auch Öen Feldzug 1870/71 rnitmachte. An 9 Gefechten und Schlachten nahm er teil unö wurde mit dem Hess. Militärverdienstkreuz aus­gezeichnet. Cr ist hier noch öer einzige Kriegs­veteran aus öein Felözug 1870/71. Sm Welt­krieg fiel ihm ein Sohn. Der Subilar versah 22 Sabre lang in öer Gemeinöe öas Amt eines Felöschützen, bis er sich 1922 infolge seines bohen Alters genötigt sah, öieses Amt in andere Hände übergehen zu lassen. Aus dem Dorf und von Öen Behörden wurden Dem Subelpaar zahlreiche Glückwünsche übermittelt. Seit vielen Sahrzehnten ist dies öie erste Diamantene Hochzeit in unserem Dorf. Selbst alte Leute können sich nicht erinnern, Öaß in öer Gemeinöe eine Diamantene Hochzeit gefeiert toeröen konnte.

< Lollar, 18. März. Dieser Tage beschloß die hiesige Volkshochschule ihr Winter­semester. Dem Wunsche öer Hörer entsprechend haben im Laufe Des Winterhalbjahres die Vor­träge die verschiedensten Gebiete behandelt. Es sprachen Gartenbauinspektor Rehnelt über: Blumenpslege im Winter",Aufzucht aus Knol­len und Stecklingen" und überSchädlings­bekämpfung" ; Lehrer P l och überFreiherr vom Stein und seine Beziehung auf die Setztzeit", Prof. Kinkel überEntwickelung der einzelnen Staatsformen",Das Verhältnis des Einzelnen zum Staate"; Rektor Keller überDie neuen Ausgrabungen bei Ur; Lehrer Schiefer- stein überHühnerrassen, Pflege und zweckmä­ßige Fütterung derselben". Dr. Flörke hielt einen Vortrag über die geologische Entstehung unseres Heimatbodens. Auch wurde ein Licht- bildvortragZum Gedächtnis Goethes" gehalten.

al A l l e n d o r s tL a h n), 18. Marz. Zur großen Freude von jung und alt hielt in diesen Tagen das Storchenpaar hier wieder seinen Ein­zug. Die Störche, die schon seit zehn Sahren immer wiederkehren, haben das Rest im Eichen­baum am sog. Suöenberg bezogen unö bilden für öie SchuljugenÖ wie für jeöcn Vorübergehenden Anlaß zu kurzem Verweilen.

* Dorf-Gill, 19. März. Dieser Tage hielt Der GesangvereinHeiterkeit" seine Generalversammlung ab. Rach der Begrüßung

durch den Vorsitzenden Otto Euler II. erstattete der Rechner, Sohannes S a m e s, den Kassen­bericht, der in Einnahmen 352,08 in Ausgaben 284,52 Mk. und einen Ueberschuh von 67,56 Mk. auswies. Außerdem ist dem Verein eine Auf­wertung von 19,85 Mk. gutgeschrieben. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Der Beitrag wurde von 50 auf 30 Pf. herabgesetzt. Weiter wurde beschlossen, monatlich drei Singstunden abzuhalten, ferner sollen in Zukunft" diejenigen Mitglieder ausgezeichnet werden, welche die Sing­stunden regelmäßig besuchen. Die Dorstandswahl zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Dorsihender Otto Mulch I., 2. Vorsitzender Rudolf Matern, Schriftführer Karl Schäfer, Beisitzer wurden Heinrich Müller, Karl Roth, Otto Sames und Otto EulerI. Der frühere Vorsitzende Wil­helm Euler wurde zum Ehrenvorsitzenden er­nannt.

* Muschenheim, 17. März. Dieser Tage veranstaltete öer evangelisch-kirchliche Frauenverein hierselbst einen Familien­abe n d in Derbinöung mit seinem Sahresfest. Die Feier nahm einen sehr befriedigenden Ver­lauf. Den zahlreichen Gästen wurden gesangliche und darstellerische Leistungen dargeboten. Die Heimat- und Wanderlieder, die der Frauenchor und der Männergesangverein (beide gegenwärtig unter Leitung des Lehrers Lehr) fangen, fan­den begeisterten Beifall. Große Freude rief auch ein Theaterstück hervor, das von einigen jungen Mädchen mit viel Verständnis gespielt wurde. Dem Charakter des gemeindlichen Familienabends wollte auch öer Vortrag von Pfarrer K ö ö ö i n g aus EberstaÖt überMuschenheim unö seine Umgebung in öer vorgeschicht­lichen Zeit" entsprechen. Etwa 4000 Sahre vor Christus muß ein Volk öer riesenstarken Hünen aus öem RorÖen durch die Wetterau ge­zogen sein. Von öen sechs Anzeichen ihres Zuges oefinöet sich das einzig sichere in öer- Gemarkung von Muschenheim als der sogenannteHeilige Stein" am Wetterkopf. Vielleicht ist öerHexen­tisch" am Dorderwald (leiöer in Öen 90er Sahren verschwunden!) auch ein Zeuge jener alten Recken. Das berühmte, von Prof. Helmke (Gießen) näher untersuchte 'Datenfeld im Vorderwald um­faßt etwa öen Zeitraum von 2000 bis 200 v. Ehr. Rachöem vorher öie fruchtbare Wetterau Durch die CBanöferamifer stark bebaut und besiedelt worden war, verdrängte eine tausendjährige Dürre und Trockenheit (etwa 2200 bis 1200 vor Christus) alles menschliche Leben aus den fruchtbaren Gefilden. Um so lebhafter wurde es in öen Bergen unö Wäldern Der hessischen Gebirge: Von Rorden Drang ein viehzüchtendes Volk in Den UrtoalD Des Vogelsberges bis an seinen westlichen RanD vor unD brachte Die Bronzekultur mit. Shre Hügelgräber mit mannig­fachem Bronzeschmuck, -geräten und -Waffen neben den fast verschwundenen Skeletten finden sich überall im Vogelsberg, so auch in großer Zahl im Vorderwald bei Muschenheim. Dieses Volk ist mölicherweise der völkische Vorläufer des Chat- tennammcS gewesen. DieHügelgräberbronzezeit" (von 2000 bis 1000 v. Ehr.) wurde von der eisen- führenden Hallstadtzeit (bis 500) unö von öer La°Töne-Zeit (bis Ehr.) abgelöst. Sn öie Zeit um 900 v. Ehr. gehört ein Grab, das ein großes und schönes Bronzeschwert und andere wertvolle Dinge enthielt: eine Bestätigung für die alte Ortssage von demHeidenkönig mit öem golöenen Degen". Ein anderes Grab enthielt Funöe von einem ostgermanischen Stamm (DanÖalen) als Das bis­her einzige in Oberhessen von dieser Art. Mit herzlichen Dankesworten durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Döring, an alle Mitwirkenden, unö von Herrn Bürgermeister Becker an Die gast- gebenöen Frauen fanö öer schöne Abend seinen Abschluß.

V- Lich, 18. März. Unter großer Beteiligung wurde am Mittwoch der Ratsdiener Wilhelm F e Y zu Grabe getragen. Rach öer Ansprache Des Geistlichen wurden Kränze von öer StaDtver- toaltung unö öem StaDtvorstanD, sowie von ver­schiedenen Organisationen nieöergelegt. Der Rothsch« Mannerchor lang zwei Liedes,

)( Lich, 18. März. Am Dienstag fand bet Dritte Ausspracheabend für öie Männer unserer evangelischen Gemeinöe statt. Er wurde eingeleitet durch Pfarrer Rohrbach (Frankfurt a. M.) mit einem Vortrag über das ThemaKrieg unö Kirche". Eine längere Aus­sprache schloß sich an unö suchte noch mancherlei Fragen, öie sich ergaben, zu klären.

Kreis Schotten.

§§ Schotten, 17. März. Dieser Tage fand die Abschlußprüfung Des diesjährigen Sahr- gangs der Förster schule statt. 16 Prüflinge bestanden mit guten Roten. Abends war imHes­sischen Haus eine Abschiedsfeier im Beisein öer Vertreter Der BehörDen.

V Geöern, 18. März. Die hiesige Ge­meindejagd wurde in Drei Teilen neu ver­pachtet. Die Herren W.Poppel - Frankfurt am Main, Bürgermeister H.Kipper -Ober-Seemen und Sustizinspektor V a h l e r t - Frankfurt a. M. boten für je einen Teil der Sagd 300 Mark, so daß der Gesamterlös 900 Mark (gegenüber 1940 Mark seither) beträgt: Die bisher von öer fürstlichen Standesherrschaft auf eigener Sagd ausgeübten Gerechtsame gingen zum Preise von 610 Mark an Fabrikdirektor Schneider-Offen­bach über.

Preußen.^

Oedland-Kuttivierung

im freiwilligen Arbeitsdienst.

WSR. Biedenkopf, 18.März. Sn einer Anzahl Gemeinden unseres Kreises hat man jetzt damit begonnen, im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes Oedlanö-Kultivie- rungenundViehweiöenverbesserun- gen vorzunehmen, von denen man sich nicht nur Die Beschäftigung zahlreicher erwerbsloser Leute, fonDern auch Bodenverbesserungen und Steige­rungen der Wirtschaftserträge für Die Dauer verspricht. So sind in Der Gemeinde Botten- Hom etwa 20 Personen, in den Gemeinden Frechenhausen und LixfcID je etwa 25 Personen, in Der ©cmeinDe Gönnern etwa 30 Perfonen, in Der GemeinDe Steinperf etwa 40 Leute unö in Den GemeinDen Rieder- unö Ober-Eisenhausen ebenfalls je etwa 25 Personen in diesen Arbeitsplan eingereiht. Die Gemeinde Mornshausen läßt umfang­reiche Drainagearbeiten vornehmen, die ebenfalls zahlreichen Leuten Beschäftigung bieten. Die Ar­beiten sind zum Teil bereits im Gange, im übri­gen sind sie genehmigt unö stehen unmittelbar vor öem Beginn.

Kreis Wetzlar.

ch Krofdorf-Gleiberg, 18. März. Wohl selten hat Gleiberg einen so großen Trauerzug gesehen wie den, der sich am Dienstagnachmittag vom Burghof nach öem am Dergeshang gelegenen Friedhof bewegte, um dem verstorbenen Durg- wirt Sebastian Riebergall das letzte Ge­leite zu geben. Pfarrer Börnel (Rodheirn) wür­digte in seiner Gedächtnisansprache den Entschla­fenen als Mensch, Bürger und Christ. Linier ehrendem Work wurden Kränze nieöergelegt von einem Vertreter des Deutschen Gastwirteverban­des. von den Gastwirtevereinen Wetzlar, Weil­burg und Krofdorf-Rödheim, vom Gleibergverein, dem Gardeverein für den Kreis Wetzlar, sowie von dem hiesigen Schützen- und vom Turnverein.

Groß-Rechtenbach, 18. Marz. Der hie- fiße Polizeihauptwachtmeister unb die Landjägcrci- beamten zu Groß-Rechtenbach unb Nieberkleen nah­men heute vormittag auf der Provinzialstraße zwi­schen Nieberkleen unb Pohlgöns zwei Hand- w e r k s b u r s ch e n s e st, bie im Verbacht stehen, in der Nacht vom 10. auf den 11. März bie Ein­brüche in bas Ratyaus unb bas Land- ratsamtinBiebenkopf verübt zu haben. Die Festgenommenen würben in das Gerichtsgefängnis in Wetzlar eingeliefert.

Hörnsheim, 17. März. Dieser Tage wurde eine Handarbeitsausstellung unse­rer Schule gezeigt, die eine treffliche Lieber­sicht über die Fertigkeiten bot, die die Schüle­rinnen unter Leitung von Frau K o ch im Laufe des Sahres auf dem Gebiete der Handarbeiten sich anzueignen Gelegenheit hatten. Man sah eine stattliche Anzahl feiner Handarbeiten, die den Herstellerinnen, wie auch der Lehrerin das beste Zeugnis ausstellten. Stick- und Strickarbeiten, sowie die Häkelarbeiten gefielen allgemein sehr gut.

Kirche und Schule.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 17. März. Dieser Tage fand hier öie Dekanatskonferenz Des De­kanats Büdingen statt, die durch Pfarrer Le hing, Ortenberg, mit Schriftlesung und Gebet eingeleitet wurde. Rach der Eröffnung durch Dekan Hoch, Selters, hielt Regierungsrat Dr. Bues, Direktor des Arbeitsamts Gießen, einen interessanten Vortrag über den frei­willigen Arbeitsdienst, in dem er auf Grund feiner mannigfachen Erfahrungen alle ein­schlägigen Fragen behandelte. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Anschließend fand eine rege Aussprache statt. Die Konferenz entschloß sich, soweit als möglich an der Be­hebung der wirtschaftlichen und seelischen Rot der Arbeitslosen mitzuarbeiten. Mit einer Be­sprechung geschäftlicher Fragen fand öie Tagung ihren Abschluß.

rl. Büdingen, 17. März. Unter Mitwir­kung örtlicher musikalischer Kräfte veranstaltete Dr. Zeh (Darmstadt) in der hiesigen Stadtkirche eine Passionsan dacht außergewöhnlicher Art. Seine von der Kanzel aus gegebene ein­drucksvolle Würdigung unö Deutung öer Bild­werke des Ssenheimer Altars unseres Meisters Grünewalö an Hanö guter Licht­bilder gestaltete sich, besonders auch durch die wirkungsvolle musikalische Unterstreichung und Umrahmung, zu einem einzigartigen religiösen unö künstlerischen Erlebnis für die mehr als 300 Andächtigen. Es ist erfreulich, daß Dr. Zeh un­seren leider viel zu wenig be - und e r kannten Meister Grünewald,, einen öer deutschesten, in solcher Weise zu unserem Volke predigen läßt.

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