Ausgabe 
18.10.1932 Erstes Blatt
 
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sondern erst durch das katastrophale Ansteigen der Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen ins Wanken gekommen. Eine nicht unwesentliche För­derung der öffentlichen Arbeiten würde es bedeu­ten, wenn es gelingen würde, eine stärkere Milde­rung der Bedingungen für die bisher schon den öffentlich-rechtlichen Körperschaften für Straßen­bauten, Meliorationen usw. zur Verfügung gestell­ten Kredite zu erzielen. Diese Kredite würden des­halb nur in geringem Maße abgerufen, weil die Zins- und Amortisationsbedingun­gen dafür nicht erträglich seien.

Es würde ein Entgegenkommen gegenüber den grundsätzlichen Vorschlägen des preußischen Land- gemeindetages bedeuten, wenn entweder das Reich oder eine vom Reich zu bestimmende Stelle den Zinsendienst in einer Höhe übernehmen würde, daß für die Gemeinden neben der Amortisationspflicht lediglich eine Verzinsung in Höhe des Verwaltungskostenbetrages ver­bleiben würde. Auf diese Weise könnten schät­zungsweise 350 Millionen Mark der direkten Auf­tragserteilung zugeführt werden. Aehnliches gelte von dem von der Reichsregierung zur Verfügung gestellten Betrag von 700 Millionen Mark für die 400 Mark Einstellungsprämie. Auch hiervon könnte ein beträchtlicher Teil, etwa 350 Millio­nen Mark, unter gleichen Bedingungen für die direkte Auftragserteilung bereitgestellt werden, und zwar für öffentliche Arbeiten, deren Ren^ Labilität nach bestimmten Grundsätzen geprüft würde. Auf diese Weise könnten in der allernäch­sten Zeit rund 700 Millionen Mark für die Wirt­schaftsankurbelung eingesetzt werden.

Kleine politische Rachrichten.

Rach einer Reutermeldung aus Puna wird die Rachricht, wonach Gandhi einen Schlag­anfall erlitten haben soll, amtlich de­mentiert.

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Selb (Oberfranken) fand die Stadt- ratswahl statt. Die Beteiligung betrug 78 Prozent. Auf die einzelnen Wahlvorschläge entfielen folgende Stimmen: Kommunisten 1926 (bei der letzten Reichstagswahl 2009), SPD. 1242 (1639), Bürgerpartei 620 (keine Vergleichsziffer vorhanden), Rationalsozialisten 2474 (3192), Baye­rische Volkspartei 295 (243).

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Die in der Oeffentlichkeit umlaufenden Dehaup. hingen über eine von der Reichsregierung und der preußischen Regierung beabsichtigte Herabset­zung des Pensionsdienstalters wer­den amtlich als W a h l m a ch e erklärt. Weder in Kreisen der Reichsregierung, noch der preußischen Staatsregierung werden derartige Gedanken er­wogen.

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Reichswehrminister von Schleicher wird etwa bis zu den Wahlen im Urlaub bleiben. Reichswirtichaftsminister War mb old wird etwa 14 Tage und der Reichsfinanzminister Graf von Schwerin-Krosigk auch an­nähernd 14 Tage von Berlin abwesend sein.

Reichsinnenminister Freiherr von Gayl trat seine Reise in die bayerische O st - m a r k an. Aus München kamen der bayerische Innenminister Dr. Stütze! und der Vertreter des Reiches, Freiherr von Lersner und der Regierungspräsident von Oberfrankem Die Reise ging von Hof mit zwei Kraftwagen über Marktleuthen nach Selb und Marktredwitz, wo Ministerpräsident Dr. Held hinzukam.

Die Grüne Front hat in einem Telegramm an den Reichskanzler die sofortige Ein­stellung der Kontingentierungsver­handlungen gefordert. Zur Begründung füh­ren die Unterzeichner Brandes, Graf Kalckreuth, H^-mes und Fehr u. a. aus, daß eine weitere

Cine Gedenkmünze zum 85. Geburtstage des Reichspräsidenten.

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Die neue Gedenkmünze zeigt das Porträt des Reichspräsidenten und auf der Rückseite an einer Eiche das Wappen der Familie von Beneckendorf und Hindenburg. Die Medaille, die in Bronze und Silber zur Ausgabe gelangt, wurde von der Zentral-Werbestelle deutscher Gedenkmünzen nach dem Entwurf des Professors Oskar Glöckler in der Preußischen Staatsmünze geprägt.

Verzögerung der 'Durchführung der Kon­tingentierung das Vertrauen der Landwirtschaft in die Entschlossenheit der Reichsregieruna, ge­rade der bäuerlichen Landwirtschaft zu helfen, zerstören müßte.

Der belgische Mini st errat beschloß am Montag auf Wunch der liberalen Kabinettsmit­glieder sofortige Preisgabe der bis­herigen Kontingentpolitik. Weitere Kontingente sollen nicht mehr eingeführt, sämt­liche bestehenden Kontingente einer Rachprüfung unterzogen werden. Für Deutschland dürfte eine solche Entscheidung insbesondere Rückwirkungen auf die bisherigen Kohlenkontingente haben.

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3n Brünn begann die Verhandlung gegen 14 Mitglieder desIungsturm s", einer Or­ganisation der deutschen Jugend in der Tschecho­slowakei, die unter der Anklage des Verbrechens der Vorbereitung zu Anschlägen gegen die tschechoslowakische Republik stehen.

Aus aller Welt.

Das Eisenbahnunglück in Rumänien.

Von den Schwerverletzten sind, einer späteren Meldung zufolge, noch sechs ihren Ver­letzungen erlegen, so daß sich die Zahl der Toten bisher auf 24 beläuft. Rach Mel­dungen aus Bukarest erzählten Augenzeugen der Eisenbahnkatastrophe, daß der dem Personen­wagen folgende Packwagen herausgesprungen sei. Dadurch seien zahlreiche Insassen förmlich ge­rädert und die meisten Leichen verstümmelt worden. Der Weichensteller soll angeblich an dem Unglud keine Schuld haben, da die Weiche aus elektromagnetischem Wege umgestellt worden sei. Der verunglückte Wagen soll aus den sechzi­ger Jahren stammen und vollkommen bau­fällig gewesen sein. In Temesvar glaubte man, daß der Simplon-Expreß verunglückt sei, und alsbald strömten große Menschenscharen tzan die Stätte des Unglücks.

Ein Viehhändler von Räubern überfallen.

Als sich dieser Tage der Viehhändler Drink­kötter aus Tatenhausen bei Bielefeld mit seinem Rad auf dem Heimweg befand, wurde er unweit von Schloß Holfeld auf einem einsamen Waldweg von drei Radfahrern angehalten, die ihn zwangen, vom Rade abzusteigen, worauf sie ihn m i h Han­de l t e n und beraubten. Die mit einem Re­volver ausgerüsteten Burschen banden daraus den Viehhändler an einen Daum und suchten auf ihren Rädern das Weite. Da auf dem einsamen Weg nur sehr wenig Verkehr ist, mußte der Ueber- fallene eine ganze Rächt hindurch in seiner un­angenehmen Lage bleiben. Don den Tätern fehlt noch jede Spur.

Schmugglerjagd bei Köln.

Der Zollfahndungsstelle in Köln war dieser Tage ein Schmuggellraftwagen von der Grenze her gemeldet worden. Dei Grevenbroich wurde der Kraftwagen zum erstenmal gesichtet. Jetzt setzte eine wilde Jagd ein, die erst bei Pul­heim in der Rähe von Köln endete. Als der Schmuggler keinen Ausweg mehr sah, sprang er ab und versuchte zu flüchten. Die Zoll­beamten streckten den Flüchtling durch einen Schulterschuh nieder. Der Mann, der aus Gladbach-Rheydt stammt, wurde dem Kranken­haus zugesühct. Der Schmuggler übte se ne Tätig­keit schon seit nahezu zwei Jahren aus. 3n dem Kraftwagen fand man 1,5 Zentner geschmug­gelten Tabak.

Giftmord in Ehemnih.

3n den letzten Tagen wurde der 24jährige Arbeiter Erich Hennemeyer, Mitglied des Werwolfs, in seiner Wohnung in Chemnitz ver­giftet aufgefunden. Hennemeyer war am Tage vor seinem Tod mit seinem Motorrad nach Zwickau gefahren und nachts in seine Wohnung zurückgekehrt, wo er sich erbrach und einige Stunden später starb. 3n seiner Tasche wurde eine Tüte Pralinen vorgefunden. Die chemische Untersuchung dieser Pralinen hat ergeben, daß sich in einer Praline Zyankali befand, das nicht bei der Herstellung der Praline beigemischt, sondern ihr erst nachträglich beigefügt worden

war. Hennemeyer hat durch das Gift dieser Praline den Tod gefunden. Von wem er die Pralinen erhalten hat. steht noch nicht fest. Auf­fallend ist, daß Hennemeyer an dem Tage ver­giftet aufgefunden wurde, an dem er in einem Meineidsprozeh als Hauptbelastungs- zeuge auf treten sollte. Die behördliche Unter­suchung ist noch nicht abgeschlossen.

Fünf Personenaus versehen" erschossen.

Dei der Verfolgung eines wegen Mordes an einem Beamten Gesuchten kam es nach einer Meldung desBerliner Lokalanzeigers" aus Sencvtobia (Missisippi) zu schwerem Blut­vergießen. Ein Regerfarmhaus, in dem sich der Verfolgte nach Annahme der Polizei ver­borgen hielt, wurde belagert. Durch Salven, die die Polizisten auf das Haus abgaben, wurden der Besitzer der Farm, dessen Frau, zwei Sohne und der Schwiegersohn getötet. Als die Po­lizei die Besitzung dann durchsuchte, stellte sich heraus, daß der gesuchte Mörder überhaupt nicht im Hause war.

Luxushotel an der Riviera niedergebrannl.

Eines der größten Luxushotels an der franzö­sischen Riviera, das Grandhotel am Kap Martin in der Röhe von Mentone wurde in. einer der letzten Nächte ein Raub der Flammen. Der Palast, in dem viele bekannte Staatsmänner abzusteigen pflegten, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Material­schaden beläuft sich auf etwa 15 Millionen Franken. Das Feuer hatte im Fahrftuhlschacht begonnen.

Ein boshafter Erblasser.

Vor kurzem verstarb in Toronto (Kanada) ein Advokat, der Jjnn großes Vermögen an verschiedene Personen unter sehr merk­würdigen Bedingungen vermachte. So erhielten einige Herren, die als erbitterte Geg­ner von Pferderennen bekannt waren, eine grö­ßere Summe unter der Bedingung ausgesetzt, daß sie selbst Mitglieder jenes berühmten Rennklubs wurden, dem der Verstorbene viele 3ahre hindurch angehört hatte. Einigen als Vorkämpfern des Anti-Alkoholismus bekannten Geistlichen war ein recht stattliches Aktienpaket eines großen Drauereiunternehmens zugedacht worden. Ein Freund des Verstorbenen, der ein eingeschworener 3unggeselle und bekannter Frauenhasser war, sollte mehrere tausend Pfund erben, wenn er sich verpflichtete, eine Ehe zu gründen und Kirwer zu haben. Ganz Toronto war neugierig darauf, wie sich bei den lachenden Erben Ideale und Geld­hunger miteinander vertragen würden. Das Ge­richt hatte nach der Testamentseröffnung den Er­ben eine Woche Bedenkzeit gegeben. Als diese abgelaufen war, erklärten die Erben zur allge­meinen Belustigung, daß sie die Erbschaft an- nähmen. Rur der 3unggeselle war standhaft ge­blieben und hat das ihm zugedachte Vermögen abgelehnt.

Zirkus hagenbeck in Sizilien gepfändet.

Während noch das traurige Schicksal des Zirkus Schneider in Reapel im Februar d. 3. in Erinne­rung ist, hat das Unglück bereits einen zweiten deutschen Zirkus auf italienischem Boden ereilt. Wie aus Cassania in Sizilien gemeldet wird, sind dem Zirkus Hagenbeck 24 Bären, vier Löwen, drei Tiger und vier Elefanten gepfändet wor­den, nachdem schon in den letzten Monaten die Schulden des Unternehmens außer­ordentlich angewachsen waren. Mit der Pfändung, die auf Antrag eines Zirkusangestellten vorge- men wurde, der erhebliche Forderungen an die Direktion hatte, schwindet natürlich die letzte Möglichkeit, den Betrieb auch nur notdürftig auf­recht zu erhalten. Der Tierschuhverein des Ortes hat zunächst die Fütterung der Tiere über­nommen. Der Zirkus Hagenbeck soll mit einer glänzenden Ausstattung nach Sizilien gekommen sein, mußte aber bereits in den letzten Monaten des 3ahres 1927 Beschlagnahmungen über sich er­gehen lassen.

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