Ausgabe 
18.8.1932 Erstes Blatt
 
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yr. 193 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Donnerstag, 18. August 1932

Erscheint täglich, au her Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Giehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis:

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Ehesredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

DeuischlandbrauchlKolomen

3n zwei Jahren werden es fünfzig Jahre, -ast Deutschland in die Reihe der Kolonialvölker eingetreten ist. Was Deutschland in dreistig Jahren als Kolonialmacht geleistet hat, wird unwiderlegbar bestätigt und bewiesen durch einen Vergleich der Zustände und Verhältnisse, in denen sich die deutschen Kolonien bei der Lieber- nähme durch die deutsche Regierung befanden, mit denen, die sie bei Kriegsausbruch erreicht hatten. Wären die deutschen Kolonien nicht un­vergleichlich gut verwaltet worden, so hätten sie die Entwicklung bis 1914 nicht erreichen können, eine Entwicklung, die den sog. Siegern den Qln- ieiz bot, unter Vruch der Waffenstillstands- dedingungen, sowie unter Bruch der kolonialen Zusagen in Wilsons 14 Punkten sämtliche deutsche Kolonien wegzunehmen. 3n Wilsons 14 Punkten stand nichts darüber, dast Deutschland seine Kolo­nien verlieren müsse, denn Punkt 5 gab ausdrück­lich zu, dast Deutschlands Recht auf Ko­lonien nicht angetastet werden solle. Der Ver­sailler Vertrag ist, wie über so viele andere Zu­sagen und Bedingungen, auch über Punkt 5 hin­weggegangen, um in Teil 4 unter Anhäufung schamloser Lügen in einem Dutzend Artikeln Deutschland das Recht auf kolonialen Besitz und loloniale Tätigkeit abzusprechen. Immerhin wurde die Schamlosigkeit der Zufallsieger nicht soweit getrieben, den kolonialen Raub unter sich auhuteilen, denn sie zogen es vor, die deutschen Kolonien als Austragsgebiete unter die Sieger­mächte zu verteilen. Dabei verfügte England 1919 schon über einen Kolonialbesitz von 30 Millionen Geviertkilometer. Deutschland, das bei der Ver­teilung der Erde um ein Jahrhundert zu spät gekommen war, hatte sich begnügen müssen, fast vergessene Landgebiete für sich zu erwerben und aufzuschließen. Run stellt sich das koloniale Problem für Deutschland heute anders dar, als vor dem Kriege, erst recht aber im Jahre 1919, wo unter dem Druck der Versailler Mächte die loloniale Kriegsschuldlüge in Gang gesetzt wurde. Diese Kriegsschuldlüge, die Deutsch­land verdächtigte, dast seine koloniale Politik aus einer Reihe von Missetaten an den Eingeborenen bestanden hätte, ist ja nun auch ausgeräumt, ge­rade so, wie die niederträchtige Kriegsschuld- lügc selbst.

Leider treibt die Kriegsschuldlüge, wie auch die koloniale Schuldlüge im Versailler Vertrag noch ihr Unwesen. Wenn aber schon in Lausanne selbst von Macdonald im Namen aller gesitte­ten Volker die Kricgsschuldlüge mitsamt der kolonialen Schuldlüge preisgegeben wurde, jo nützt dies Deutschland nichts, wenn nicht daraus unmittelbar öie Folgerungen gezogen werden. Deutschland braucht Kolonien, teils als Rohstoffquellen, teils aber und vor allem als Siedlungsgebiet für das wagemutige junge Ge- jchlecht. Wenn in Versailles der schamlose koloniale !Haub an Deutschland u. a. damit begründet wurde, daß der Besitz von Kolonien für Deutschland außen­politische Gefahren schaffe, denen es nach feiner Entwaffnung nicht gewachsen sei, so ist auch diese Niedertracht durch die Entwicklung in Europa über- holt worden. Der Versailler Vertrag hat in Europa jo viele machtpolitische Reibungsflächen geschaffen, erst recht unter den Siegerstaaten, daß die Reibungs- jlächen in Ueberfee im Vergleich dazu kaum eine Rolle spielen. Selbst wenn diese Reibungsflächen vorhanden wären, selbst wenn für Deutschland aus dem Besitz von Kolonien außenpolitische Gefahren drohten, so wäre nicht der völkerrechtswid­rige Raub der deutschen Kolonien die Folgerung, sondern die Wiederher st ellung der deutschen Wehrhoheit. Schon beim Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bat o t r e- | e m a n n ausgesprochen, daß Deutschland zu ge­gebener Zeit den begründeten Anspruch auf die deutschen Kolonien wieder anmelden werde. Dazu ist es zunächst nicht gekommen, weil Dawes- und Voungtribute nicht nur die deutsche Wirtschaft, son­dern auch die deutsche Politik in Fesseln legten. Endlich hat aber das Versagen Brünings dazu ge­führt, daß Deutschlands Recht und Anspruch auf Kolonien zunächst liegen blieben, wozu auch die persönliche Einstellung Brünings gegen uberfeei hen Besitz Deutschlands entscheidend mitgewirkt haben mag.

Reichskanzler v. P a p e n hat dieser Tage den Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft, von Linde quist, empfangen, was so oder so ausgelegt werden kann, aber sicher ein Beweis dafür ist, dast Deutschland auf fei ne Io« lonialen Rechte nicht ve r z i ch t e t hat und nicht verzichten will. Der Wiedereintritt Deutschlands in die Reihe der Kolonialmächte ist eine Voraussetzung dafür, dast der Aufstieg der Wirtschaft in internationalem Maßstab nach dem Zusammenbruch der Rachkriegskonjunktur möglich ist. Deutschland ist übervölkert, denn es hat aus den geraubten Gebieten im Osten einen deutschen Menschenzustrom von fast zwei Millionen aufneh­men müssen, für den sich wohl Wohnstätten, aber keine wirtschaftliche Arbeit schaffen läßt. Es be­deutet einen Verrat an der Menschheit, Deutsch­lands organisatorische Energie von der kolonialen Erschließung anderer Erdteile auszuschalten, ins­besondere auch in Hinsicht darauf, daß nur der Besitz kolonialer Gebiete dem deutschen Volk wie­der Lebensraum schaffen kann. Wenn Deutschland seine kolonialen Ansprüche im Völker­bund anmeldet, so kann diese Anmeldung nicht da­mit widerlegt werden, dast die Mächte, die heute die früheren deutschen Kolonien verwalten, sich schon gewisse Besihrechte erworben hätten. Auch Frankreich hat nicht gezögert, im Versailler Ver­trag das sog. Aequatorialabkommen von 1912 wieder rückgängig #n machen, das uns für den

Was Popen plant...

Aus der Linie Hindenburgs! Was geschieht, wenn der Reichstag aufgelöst wird? Landesverteidigung und Kolomalfrage.

Unser Berliner P. E.-Mitarbeiter hatte ein Gespräch mit einer maßgeblichen, hohen politischen Persönlichkeit, in dem diese ihm die Pläne der Reichsregie­rung folgendermaßen skizzierte:

Endlösung.

Frage:Die Verhandlungen mit Hit - l e r sind gescheitert. Was will die Reichsregie­rung jetzt tu n?"

Antwort:Die Reichsregierung bedauert, daß Hitler die Zeichen der Stunde nicht erkannt hat und der Aufforderung des Herrn Reichspräsidenten nicht nachgekommen ist, mit teilzunehmen an der Ver­antwortung für die Geschicke des Vaterlandes. Die Reichsrcgierung, die sich des vollen Vertrauens des Reichspräsidenten bewußt ist, ist nicht mehr gewillt, Rücksichten zu nehmen auf Komplikationen, die morgen eintreten könnten. All jene Maßnahmen, die die Stunde fordert, werden von der Regierung in die Wege geleitet werden. Und dies nicht in der Form des Kompromisses eines Uebergangs- kabinetts, sondern als Endlösung!"

Ruhe und Ordnung wird gesichert.

Frage:Wenn aber .geputscht' werden würde?!"

Antwort: .Hitler hat dem Reichspräsiden­ten die Zusicherung gegeben, daß er eine .legale Opposition' führen wolle. Ob diese sich lediglich auf Artikel, Reden und Parlamentsaktionen beschränken wird, ist zur Stunde nicht bekannt. Im übrigen hat die Reichsregierung bereits Maßnah­men getroffen, durch die jeder Putsch­versuch im Keime unterdrückt werden könnte. Nachdem jedoch bisher alles ruhig verlaufen ist, liegt kein Anlaß zu irgendwelchen Beunruhi- gungen vor. Die Reichsregierung ist auch keines­wegs gewillt, die Nationalsozialisten in der Aus- Übung ihrer legalen Opposition irgendwie zu be­hindern."

Organische Arbeitsbeschaffung.

Frage:Welche Arbeiten wird die Reichs- regierung in Angriff nehmen?"

Antwort:Manche Leute stellen sich die Ge­setzgebung so vor, daß heute etwa der Kanzler mit einem Zettel erscheint, auf dem zwanzig Punkte notiert sind, und erklärt: ,Das und das wollen wir machen .. .* So geht das natürlich nicht. Klar schwebt dem Reichspräsidenten und der Reichsregie­rung das Ziel vor, dem sie gemeinsam zustreben. Aber auch die notwendigen gesetzlichen Maßnahmen müssen organisch wachsen. Eine Reihe von sehr interessanten Referenten-Entwürfen werden in diesen Woche im Mittelpunkt der Kabinettsberatungen stehen!"

Richt außerhalb aller Möglichkeiten."

Frage:Kommt die a l lg e me ine D i e nst- pflicht?"

Antwort:Die Vertreter der Reichsregierung haben dem Ausland klar und deutlich unsere Forde­rung übergeben: Bis zur nächsten Abrü­stungskonferenz müssen alle Staaten in gleicher Weise wie wir abgerüstet haben! (Sie sind dazu ja durch die internationalen Verträge ver­pflichtet!) Sollte dieser Aufforderung jedoch nicht nachgekommen werden, fo wird die Regierung unverzüglich dafür Sorge tragen, daß die Sicherung unseres Landes entspre­chend ausgebaut wird. Der Reichswehrminister hat in seiner Rundfunkrede schon darauf hingewie- jen, daß diese Umorganisation keineswegs mit

neuen Kosten verbunden zu sein braucht. Wahrscheinlich wird man zu einer Verkürzung der Dien st zeit kommen, gewiß würde unsere Bewaffnung eine andere werden. Die Ein­führung einer allgemeinen Dienstpflicht kann in der Zukunft nicht außerhalb aller Möglichkeiten liegend angesehen werden!"

Reue reguläre und produktive Arbeit».

Möglichkeiten."

Frage:Was geschieht zur Verminde­rung der Arbeitslosigkeit?"

Antwort:Es ist der ausdrückliche Wunsch des Reichspräsidenten, daß die Reichsregierung m i t größter Beschleunigung Maßnahmen beschließt, die zu dem mit Ihrer Frage ge­meinten Ziele führen. Eine Reihe dahingehender Referenten-Entwürfe werden wohl noch in dieser Woche das Kabinett beschäftigen. Neben der schon mehrfach erörterten Erhöhung der Zahl der Arbeits- dienstteilnehmer von 80 000 auf 200 Ö00 Mann hat man jetzt auch neue reguläre und produk­tive Arbeitsmöglichkeiten ins Auge ge­faßt. So könnten, um ein Beispiel zu nennen, durch Abwrackarbeiten bei der Reichsbahn 50 000 Mann beschäftigt werden."

Gegen den kulturbolschewismuv.

Frage:Was denkt die Regierung zur Be­kämpfung des K u 11 u r b o l f ch e w i s m u s zu tun?"

Antwort:Gesetzgebung in den kulturellen Fragen ist in erster Linie Sache der Länder. Die Reichsregierung kann hier nur anregend wirken. Doch schon der letzte preußische Erlaß zeigt, daß die Regierung nicht gewillt ist, Verrohung d e r S i 11 e n und Mißachtung der christlichen Welt­anschauung zu dulden."

Preußen und da» Reich-

Frage:Was wird aus Preußen?"

Antwort: ,Einstweilen verhält sich die Reichs­regierung abwartend, bis feststeht, ob es dem Preußischen Landtag gelingt, einen Ministerpräsi­denten zu wählen. Als ein Ziel der Reichsregierung wird man jedoch die Personalunion Preu­ßens mit dem Reiche betrachten können."

Die äolonialfrage.

Frage:Bekommen wir wieder Kolonien?" Antwort:Es trifft zu, daß zwei Minister Vertreter von deutschen Kolonialorganifationen empfangen haben. Wenn auch im Augenblick die Frage kaum aufgerollt werden wird, so wird doch die Regierung sie keineswegs aus dem Auge lassen."

wahlreform durch Rotoerordnung?

Frage:Wie steht es mit der Wahl» r e f o r m ?"

Antwort:Auch diese Frage ist zunächst nicht akut. Sollte es jedoch abermals zu einer Auf- löjung des Reichstags kommen, so würde auf dem Verordnungswege eine Wahl­reform durchgeführt werden. Der neue Reichs­tag würde dann schon nach diesen veränderten Be­stimmungen gewählt werden. Es trifft zu, daß auch an eine Heraufsetzung des Wahla11ers gedacht wird."

Hindenburg» Linie.

Frage:Was sagt Hindenburg?"

Antwort:Die gesamte Macht im Staate hat sich im Laufe der letzten Entwicklungen immer mehr zum Reichspräsidenten hin verlagert. Durch die Ablehnung der Forderung, einen Partei- m a n n mit der Bildung des Kabinetts zu betrauen, hat Hindenburg die Linie der kommenden Po l i t i k klar oorausbeftimmt. Nachdem Hitler die ihm angebotene Stellung als Vizekanzler und jede Mitverantwortung abgelehnt hat, wird der Reichs­präsidenten weiter mit dem Kabinett Papen-Schleicher regieren, das fein volles Vertrauen genießt. Die Regierung wird ihre kom- menben Entschlüße unabhängig vom Wil­len einzelner Parteiführer treffen, ge- horchend nur den Notwendigkeiten der Nation. Das ist der Wille des Reichspräsidenten. Diese Linie Hindenburgs Linie liegt jetzt klar zutage!"

Frage:Und wenn Partei-Kombina­tionen versuchen würden, diese Linie zu durch­kreuzen?"

Antwort:Von dem einmal eingejchlagenen Wege wird nicht mehr abgewichen roerben!"

Oer Reichstag einberufen.

Berlin, 18. August. (WTB. Funkspruch.) Der Präsident des Reichstages hat nach einer Rücksprache, die er heute mit dem Reichskan;- l e r hatte, den Reichstag auf Dienstag, 3 0. August, nachmittags 3 Uhr einbe­rufen.

England über papens Erklärung.

Ein zutreffendes englisches Unmöglich!

London, 18. QIug. (WTB. Funkspruch.) Die Unterredung des Reichskanzlers v. P a p e n mit dem Berliner Korrespondenten des Reuter, bureaus wird in der Presse viel beachtet.Daily Telegraph" veröffentlicht sie auf der Hauptseite. Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt, außer der mandschurischen Frage bereite das Problem der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung auf dem Abrüstungsgebiet der britischen

Regierung ernste Sorgen. Beide Fragen würden augenblicklich äußerst sorgfältig erwogen.

Man sei der Ansicht, daß es unmöglich sei, eine Macht ersten Ranges für unbegrenzte Zelt in einer untergeordneten Stellung zu halten.

Aber ein Anspruch auf Gleichheit der Rüstungen zu Lande könne einen solchen auf Gleichheit in Flotten- und ßuftrü ft ungen nach sich ziehen; er könne sogar zu entsprechenden Forde­rungen auf politischem Gebiete führen.

Daily H e r a l d" hebt besonders die deutsche Forderung nach Gleichheit auf dem Gebiete der Sicherheit hervor.

Diese Forderung erhält besondere Bedeutung durch einen heute imDaily Telegraph" ver­öffentlichten Bericht über eine f r a n zösische llntertoafferarmaöe, diemächtigste der Welt". 3n diesem Bericht heißt es, Frankreich besitzt dreimal soviel Unterfeeboote

Verzicht auf Marokko den sumpfigen Enten­schnabel" am Kongo überlieh. Kamerun und Togo sind buchstäblich von Deutschland urbar gemacht und zu einer Entwicklung geführt worden, wie sie wenigstens in Afrika fein anderes Kolo­nialgebiet unter fremder Herrschaft erreicht hat. Dasselbe gilt auch für Deutsch - Ostafrika, das eine blühende Provinz war, das in seiner Gestaltung nach jahrzehntelanger deutscher Arbeit sogar äußerlich von den benachbarten englischen und portugiesischen Gebieten abstach. Gewiß wer­den die angelsächsischen Mächte nicht zögern, Deutschlands koloniale Ansprüche zu unterstützen, denn von der Durchführung dieser Ansprüche ist es abhängig, ob Deutschland noch die politischen Lasten aufbringen kann, die ihm durch den Da­wes- und Voung-Plan auferlegt worden sind. Auch die private Verschuldung Deutschlands kann nur abgebürdet werden, wenn Deutschland durch den Besitz von Kolonien die heute brachliegende wirtschaftliche Energie zur vollen Höhe entfalten kann. Das deutsche Volk wird die Reichs- regierung bei der Anmeldung der kolo­nialen Ansprüche Deutschlands kraftvoll unterstützen, zumal diese Po­litik des nationalen Wiederaufstiegs auch dazu beitragen kann und muh, die zermürbenden in­nerpolitischen Gegensätze zu überwinden.

Gerüchte um den früheren Kaiser.

Haag 17. Aug. (ERD. 1 Auf die Anfrage eines Mitgliedes der Zweiten Kammer über Gerüchte wegen einer angebli ch e n Rückkehr d e s früherendeutschenKaisers nach Deutsch­land erwiderte der Ministerpräsident, daß ihm nur außerordentlich vage, unkontrollierbare Gerüchte zu Ohren gekommen feien. Die Re­

gierung werde, wie sie bereits mehrmals ver­sichert habe, mit größter Aufmerksamkeit darauf achten, daß für Holland aus der dem früheren Kaiser gewährten Gastfreiheit keine Rach » teile entstehen.

Agrarpolitische Forderungen Hugenbergs.

Berlin, 17. Aug. (ERB.) Der deutschnationale Führer Hugenberg skizziert in einem unter der NiederschriftSie Zeit i ft ö al imTag" veröffentlichten Aufsatz Grundlinien einer Agrarpolitik, die sofort in Angriff genom­men werden mühten. Nachdem eine gute Ernte eingebracht fei, müsse man dafür sorgen, dah der Landwirt für sein Getreide einen an­ständigen Preis bekomme.

Richt ein Getreidemonopol fei zu diesem Zweck erforderlich, sondern der private handel müsse erhalten bleiben. Fehle das Geld, so könne man, da das Getreide in spätestens einem Jahre um- gesetzt sei, Kredite durch vier Dreimonatswechsel beschaffen. Das sei keine Inflation, sondern die solideste Rotendeckung.

Außerdem müsse man dafür sorgen, daß die Produkte der bäuerlichen Veredelungswirtschaft, Vieh Butter, Milch, Eier, einen rentablen Preis erlangten. Eine solche Politik fei notwendig zur Erhaltung eines lebensfähigen Bauernstandes und zur Wiedergutmachung der bis jetzt begangenen Fehler. Der Staat müsse Einflüsse abwehren und stillegen, die dem . Bauern das Recht der Erhaltung seinesj

Hofes genommen hätten. Cs dürfe kein Pfund der wichtigsten bäuerlichen Deredelungserzeug- nisse mehr ins Land kommen, als der Markt ohne Beeinträchtigung eines auskömmlichen Inlands­preises vertrage. Ohne Schädigung der Indu­strie und des Handels fei das nur mit K o n - tingentierungsmaßnahmen, nicht mit Zöllen zu machen. Außerdem müsse man die Entschuldungsfrage anpacken. Man müsse

weitherzig Steuern und Lasten für den Bauer stunden. Das Steuerwesen, das landwirtschaft­liche Kredit- und Genossenschaftswesen müßten reformiert und die Zentralen der landwirt­schaftlichen Absahorganisationen nach kaufmän­nisch gesunden Grundsätzen ausgebant werden.

Mit dieser Arbeit fei bisher noch nicht an ge­fangen. Cs sei darum chste Zeit, dah fach­gemäß gehandelt werde. Die gute Ernte dürfe nicht enteignet und verschleudert werden.

Enteignung der Teilnehmer deS spanischen putsches.

Paris, 17. Qlug. (WTB.) Wie Havas ans Madrid berichtet. hat Ministerpräsident A z a n a heute in der Kammer einen Gesetz­entwurf bekanntgegeben, der die Enteignung des Grundbesitzes sämtlicher an dem letzten Putsch beteiligten Personen vorsieht. Cs wurde ein Ausschuß zur schleunigen Prüfung der Vorlage eingesetzt. Der enteignete Land­besitz und ebenfalls die Einkünfte aus diesem Besitz sollen zugunsten der Qlgrarceform Verwen­dung finden.