Ausgabe 
18.7.1932 Frühausgabe
 
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Wie fleht Deutschland znm Bertranenspakt?

Eine amtliche Stellungnahme. Erläuterungen abwarten.

der Ufer von Bächen und Flüssen, die Gewin­nung und Verbesserung von Boden durch Kulti­vierung von Moor und Heide für den Qkfcr- und Gartenbau, durch Zuschüttung von Sümpsen rmd Altwässevn, durch Aufforstung von Oed- ländereion, ferner die Abrämnungöarbeiten zur Erschließung von Steinbrücl)en, Kies- und Dand- grubcn, die Planierung und Urbarmachung von Siedlungsgelände und Aehnliches.

Rotslandvarbeiten als solche sind im allgemeinen nicht Gegenstand des Freiwilligen Arbeits­dienstes, insbesondere nicht der van von tand- nnd Wasserstraßen, die Errichtung von Slau- mcrken, die Eindeichung, Ent- und Vewässc- rnngcn im großen Umfange.

GS wird nicht leicht sein, überall die rechte Grenze zu finden. Das ändert aber nichts daran, daß dem Freiwilligen Arbeitsdienst natürliche Grenzen gezogen sind.

Für den Begriff des Freiwilligen Arbeitsdien­stes ist 2trbeit im gemeinsamen Dienste wesentlich. Dem Dräger des Dienstes obliegt, ArbeitS- d i e n sf w ! 7 l i g e a u f z u r u f e n und die An­wärter in Gruppen zu sammeln, für die Arbeiten zur Verfügung zu stellen und sie in Verbin- d u n g m i't der 2lrbeit körperlich und geistig zu ertüchtigen. Im Freiwilligen Arbeitsdienst erbalten jringc Deutsche Gelegen­heit zur entfielt Arbeit. Die Verordnung erfüllt damit ftr ihr Teilgebiet eine Grundsordcrung der Reichsverfassmig.

Der Arl>eitödienst ist f r e i w i l l i g e r Dienst. Die Verordnung übt keinen Zwang aus. Schon deshalb nicht, weil für die augenblicklichen Möglichkeiten und Bedürfnisse die Freiwilligkeit völlig ausreicht. Es wird itld)t einmal leicht sein, alle Anwärter unterzubringen.

Der Eintritt in den freiwilligen Dienst begründet keinDienst-oderArbeitsvet^bältitis im Sinne der gesetzlichen Vorschriften. Es finden daher die Bestimmungen über den Arbeitsvertrag, die Arbeitsversassung, über den Betriebsrat usw. keine Anwendung.

Der Freiwillige Arbeilvdiensl ist vielmetzr Dienst in einer selbstgewähtten Gemeinschaft.

Die arbeitsdienstliche Gemeinschaft gibt Rechte, insbesondere den Anspruch auf Unterhalt. Sie be­gründet aber auch Verbindlichkeiten, insbesondere die Pflicht der selbstlosen Einordnung.

Für die Förderung des Freiwilligen Arbeits- dienstes stellen das 2kid) und die Reichsanstalt bis jetzt im ganzen r u n b 55 Millionen Mark bereit. Von der Reichsanstalt wird ins­besondere erwartet, daß sie mindestens die Mittel frei gibt, die sie durd) den Freiwilligen Ar- beitsdienst an UnterstützungSlelstunaen in der 2lrl ii llosenversicher-ung erspart.Sch bin mir bc- wußt", schloß der Vlinister feine 2lusführungen, das, man m i t d e m 2l r b e i t s d i e n st a l l e i n das d e t> l s d, e S d; i rk s a l n i d) t m e i st e r n kann. Der Führer der Wirtschaft und des Staates werden ond) weiterhin auf Mittel und Wege fin­iten, dem wirtschaftlichen Niedergang ein Ende zu machen und denWiederaufstiegvorzu- bereiten. Die deutsd)c Aeichsregierung glaubt an die Zukunft von Volk und Wirtschaft. Sie hofft, n e u e s L e b e n f ü r V o l k u n d W l r t s cha s t zu gewinnen."

öer Wahlaufruf der Deutschen Gtaatspariei.-

Berlin. 16. 3uli. (CNB.) Die Leitung der Deutschen Staatspartei erläßt einen Wahlaufruf, in dein es u. a. heißt, Deutsd)land ringe um Befreiung von Versailles, um Gleichberechtigung in der Welt, um Rettung der Wirtschaft. " Die Unterzeichnung des Vertrages von L a n s a n n e bedeute ein sd)wäd)ltd)cS Zurück- Weichen hinter die klare Reparationspolitik des Kabinetts Brüning-Dietrich. Dank dem Kabinett Drüning-Dietrid) habe Deutschland seit dem I. Juli 1931 keine Reparationen mehr gezahlt. Innerhalb des Reiches sei das einzige Gut, das über verlorenen Krieg und Zusammen­bruch, über Inflation und Ruhrtampf erhalten geblieben sei, die deutsche Reichsei nhett

23 c r I i n , 17. 3uli. (ÖIB.) Amilich. wie bekannt, hat die britische Regierung an die Reichsregierung die Aussorderung gerichtet, dem nad) der Konferenz von Lausanne veröffentlichten englisch-französischen Abkommen über die künftige vchcmdlung gewisser fragen beiz u treten, hierzu wird amtlich mit- gcteilt, daß der Gedanke eines frcunöfdjafHidjen Mei- nnngvauslausches zwisd)cn den beteiligten Mächten über die Frage der curopälsd)en Politik schon ans der Konferenz von Lausanne erörtert worden ist, und daß die Reichsregierung ihm nad) wie vor sympathisch gegen- ü b e r st e h t. Da die Reichsregierung jedoch an den Verhandlungen über die jetzige Fassung des Ab- komniens nicht be t e i l i g t gewesen ist, hält sie cs für notwendig, sich znnäd)st dnrd) eine Rückfrage anthentisd) über die Tragweite des Ab- k o m tn e n s zu vergewissern.

Lausanne ein Provisorium.

Bedenkliche 'Wkflinifl Herriols.

Paris, 17. Juli. (WTB.) In der Nachtsitzung der itnnimcr fragte der Abgeordnete Louis M a r ° t i n, ob Herriot nicht vor der Vertagung des Parlaments Aufklärung über die Lausanner Kon­ferenz geben wolle. Der Ministerpräsident habe von der Einhaltung der Verträge gesprochen. Was bleibe aber vom Versailler Vertrag übrig?

Herriot erwiderte, die Lausanner Regelung sei nur p r o v i s o r i s d). Sie hänge von befrie­digenden Ergebnisse der Schuldenregelmm mit Amerika ab. Das sranzösische Volk sei der Äuffas-

aufs Spiel gesetzt und gefährdet wor­den. Die versprochene ..aufbauende Politik" gipfele in der Notverordnung des Kabinetts v. Popen. Diese Notverordnung sei so scharf und unsozial wie keine vorher. Von 2lrbeits- b e s ch a f f u n g sei nicht mehr die Rede. Die umfassenden Pläne der früheren Regierung für die Siedlung seien zerrissen worden. Lebens­mittelzölle würden erhöht. F u t t e r mit­te l z ö l l e nicht abgebaut, Handelsver - träge gekündigt ohne Rücksicht auf die Lebenshaltung dec Massen und auf die Lebens­notwendigkeit beulfd)er Ausfuhr. Es werde ver­gessen, daß Deutschland eine Werkstätte der Welt gewesen sei, und daß deulsche Schiffe deutsche Qualitätsarbeit über die ganz^ Erde ge­tragen hätten.

Der 2lufruf fordert auf. daß mit dem Stimm­zettel dafür gekämpft werde, daß die Politik für Befreiung und Gleich berechti- gung der deutschen Nation willenskräftig fort­gesetzt werde, daß die Macht vom Staat aus- geübt werde und nicht von uniformierten Pri­vatsoldaten einzelner Parteiführer. Weiter wird aufgcfordert. für die Arbeitsbeschaffung und als deren Kernstück für die Siedlung, für politische, geistige und wirtschaftliche Freiheit zu kämpfen. Eine Wahlrede Gregor Straßers

Im GberswalderStadion erklärte Gre­gor Straßer, der Organisatio-usleite-r der NSDAP., daß nad) einem an Energie, Obfern unb Erfolgen beispiellosen 12jährigen Kamps die NSDAP. vor der .U ebernah me der 2R a ch t i n D e u t s ch l a n d stehe. Die NSDAP, habe mit dem gegenwärtigen Kabinett v. Papen und mit seiner Notverordnung nichts zu tun, beim die neuen Minister seien vom Reichspräsidenten bestimmt und nicht von den Nationalsozialisten. Lind den Reichspräsidenten hätten die Parteien gewählt, die sich heute über ihtz beschweren. Wäre Adolf Hitler R e i ch S p r ä s i i) c nt geworden, so wären die Mitglieder der neuen Regierung nicht Barone, so kämen sie vielmehr aus dem Volte, verständen die Nöte des Arbeiters und fprädjen feine Sprache. Wenn aber die National­sozialisten morgen den Staat übernehmen, so hätten JMaewMBOBBieeEovJWce.isjecsarixw'XKaiixEiaaiamx.-tMrariKkÄflicwMÄMBe

sung, daß es nicht gerecht wäre, wenn Frankreich mehr zahlen sollte, als es erhalte.

Den französischen Delegierten sei ev gelungen, das gcntlemcn agreement durchzu­sehen. Die Lausanner Regelung sei provisorisch und werde ein gefügt in den Rahmen einer Wettregelung. Falle diese zufrie­denstellend aus, so werde die Regelung von Lau­sanne endgültig; andernfalls werde eben der Doungplan Rechtsgültigkeil behal­ten. Er habe das Recht seines Landes gewahrt.

Die Lausanner Konferenz sei also ein Erfolg nicht nur für Frankreich, sondern für den Weltfrieden. Um zu wissen, aus welcher Einstellung heraus das 23 er- trauensabkommen abgeschlossen worden sei, braudje man nurdiegestrigeRede des englischen Außen­ministers in Genf nachzulesen, die er in jeder Hinsicht unterschreibe. Es handle sich um ein Abkommen zu- flunfte des Friedens und Europas, das g e g e n n i e ° m a n d gerichtet lei. Es wäre erfreulich, wenn ihm nicht nur die. Großmächte beiträten, sondern auch die kleinen Mächte. Um in Europa und in der Welt Ordnung zu schaffen, sei eine ver- nuuftrnaßige auf Erfahrungen be­ruhende Einigung zwischen England und F r a n k r e i ch nicht zuviel. Er habe in Lau­sanne nichts von den berechtigten Interessen Frank- reichs geopfert. Man habe dort einen Schritt in der Richtung auf das von allen Völkern erstrebte Ziel des Friedens getan.

sie das Vertrauen des Volkes, das den anderen fehle. Wenn das Reich zu schwach sei, den Schutz der Bevölkerung gegen das rote Verbrecher­tum, dem täglich deutsche Menschen zum Opfer fal­len, durchzufuhren, so werde die NSDAP, eines Tages das N o t w e h r r e ch t für sich in Anspruch nehmen, und dann wäre in drei Tagen die Straße gesäubert. Die Erneuerung des Vol­kes könne nur über den Boden gehen. Deshalb müße der Boden verbessert werden. Damit aber der Mehrertrag auch Käufer finde, muffe d i e Ein­fuhr überflüssiger Lebensmittel un­terbunden werden. Dadurch, daß dieses Geld im Inland bleibe, schaffe man wieder Arbeit. Hand in Hand damit müße eine Herabsetzung des Zinses gehen, damit audj auf diese Weise für Arbeit gesorgt werden könne.

Oie Stahlhelm-Bundesführer zur Reichsiagswahl.

Berlin, 16. Juli. (TU.) Die Bundesfüh­rer des Stahlhelm erlassen zu den bevor­stehenden Neichstagvmahlen .folgende Ver­lautbarung: Zu den am 31. Juli stattfinden­den Reichstag sm ahl en erklären wir, wie bei allen großen Wahlen: Wahlpflicht ist Vater­land s p f 1 I d) t. Jeder Stahlhelmkamerad wählt eine L i st e d e r nationalen Bewegung. Um aber schädliche Splitterungen zu vermeiden, empfehlen wir den Kameraden, sich für eine der beiden großen mit uns im Hochziel einigen Par­teien, für d i e NSDAP, ober für 6 i e DND P., also für Liste 2 oder 5 zu entscheiden, kiez. Franz Seldte, gez. Düsterberg.

Oie Liste der Volksrcchipartei in Hessen.

Die Kandidatenliste für die Volks- r e d) t p a r t c i, . Wahlkreis Hessen Darmstadt, wurde auf der in Frankfurt a. M. stattgefundenen Landesvorstandssitzung aufgestellt. 2lls - Spitzen- kandidat wurde der Reid)sparteivorsitzende, Ober- fdjulrat Säufer, Stuttgart, einstimmig ernannt. 1' 5 folgen dann der Reihe nach Bankbeamter L o - lenz, Gießen, Frau Westphal, Kleinrentnerin, Offenbach, Justizrat Lindt, Darmstadt, Ge­meinderat Luft, Neu-Isenburg.

(Lin NGOAP.-Antrag gegen Polizei­vizepräsident Weiß zurückgezogen.

Berlin, 16. Juli. (TU.) Vor einiger Zeil hatte im Preußischen Landtag die nationalsozialiftische Fraktion in einem Antrag die Einleitung eines Dienststrafverfahrens gegen b e n Berliner Polizeipräsidenten D r. ® et fr mit einer Begründung verlangt, die später der preußische Innenminister S e v e r i n g in einem durch den Amtlichen Preußischen Pressedienst ver­öffentlichten Schreiben an Dr. Weiß ein Zeichen fürVerrohung d e s politischen Kamp­fe s" genannt hatte. Der Fraktionsführer der Na­tionalsozialisten, Abgeordneter Kub e, hat nunmehr den Antrag, der ohne Kenntnis der F r ak­tiv nsführung eingereicht worden sei und von ihr nicht gebilligt werde, zurück- gezogen. Bereits am 14. Juli hat der Fraktions- sührer an Landtagspräsident K e r r l folgenden Brief gerichtet:Heute früh erhalte ich vorn Büro bcs Landtags die neuesten Drucksachen zugesandt und finde darunter auch den Urantrag. Ich bedauere die Einreidiung dieses Urantrages in der vor­liegenden Form. Id) habe den Antrag vor­her nicht gesehen, mißbillige es aber, daß man dieEhefraudes Polizeivizepräsidenten von Ber­lin in den politischen Kampf hinein­zieht. Als Fraktionsführer ziehe id) den Antrag zurück."

Aus aller Wett.

Gründung eines Wellsparerbundes.

Wie man uns mitteilt, fand in Genf die erste Ta­gung derInternationalen Liga zum Schutze des Sparkapitals und Privateigentums" statt. Bereits seit dem Jahre 1927 bestand eine lose Organisation in Form eines Internationalen Komitees. Nunmehr ist in Genf durch die Beschlüsse der dort versammel­ten Vertreter der Sparerorganisationen Deutschlands, Frankreichs, Hollands, der Schweiz und Oesterreichs in Uebereinftimniung mit gleichgerichteten Verbänden in England, Belgien, Tschechoslowakei die endgültige Gründung eines Weltsparerbundes erfolgt, der sich den Schutz der Sparer und des Privateigentums überhaupt zur Aufgabe gestellt hat. Deutschland war bei der Internationalen Tagung vertreten durch Ju- ftizrat Brink (Berlin), Oberschulrat Bauser und Rechtsanwalt Hagel (Stuttgart) vom Deutschen Spa- rerbund und v. Eolomb vom Deutschen Nentnerbund, der die Verhandlungen in Genf zusammen mit dem Holländer Dr. Hülshoff (Pol) leitete. Der Sitz der Liga ist im Haag. Zum Generaldelegierten der Liga wurde Dr. Philippe (Paris) gewählt, der Präsident der sranzösischen Sparerorganisationen. Ein zweites Se- fretariat wurde in Berlin eingerichtet und Justizrat Brink übertragen. Für Deutschland wurde v. Go­lomb (Kassel) zum Vizepräsidenten, Oberschulrat Bauser zum Mitglied des engeren Komitees gewählt. Die Liga fordert in erster Linie Wiederherstellung der Ehrlick)keit auf dem Gebiet der Währung, Wie­derherstellung von Treu und Glauben, des Ver­trauens und der Vertragstreue, wodurck; allein die lßi?Ttfrifc gemildert und überwunden werden kann. Jeder öffentliche und private Schuldner soll verpflich­tet sein, seine Schulden nach Treu und Glauben in gleicher Art und Güte zurückzubezahlen. Vorkriegs- schulden sollen in der Vorkriegswährung voll bezahlt werden. Alle Gesetze, welche die Begünstigung des Schuldners und die Beraubung des Gläubigers zum Zweck haben, werden aufgehoben. Kein Staat hat das Red)t, die Gläubiger durch politische Schulden zu benachteiligen. Die Liga anerkennt den objektiven Charakter des Jnhaberpapiers und fordert dessen Schutz. Das Privateigentum ist burd) internationale Verträge zu schützen. Die Liga fordert ein inter­nationales Ucbercinfommcn zur Feststellung und gesetzlichen Verfolgung aller Personen, welche die Währung verfälscht und das Sparkapital geschädigt haben. Die Liga bcabfidjtigt, eine dreisprachige inter­nationale Zeitung herauszugeben und eine inter­nationale Sparerschutzkasse zu schaffen. Der Abwehr­kampf der Sparer gegen willkürliche Eingriffe In ihre Rechte und in ihr Eigentum wird von der Liga in allen Kulturländern mit größtem Nachdruck aufge­nommen werden.

Gießener Stadttheater.

Haslspicl derBier Nachrichter": Hier irrt Goethe".

In einer Zeit, da das offizielle deutsche Theater, zumal in Berlin, von einer Krise in die andere taumelt, feiert die stegreismäßige Wiedergeburt des alten Laienspieles in der Reichshauptstadt, wo man fid) von je her gegen alleProvinz" naserümpfend und hochmütig zur Wehr setzte, einen Triumph, der die Zünftigen vor Neid erblassen ließ und der fid) als­bald über ganz Deutschland stürmisch verbreitete.

In einer Zeit, da die Elite des deutschen Geistes ernstlid) Darüber diskutieren zu müssen glaubte, ob der hundertste Todestag Goethes in Deutschland gc feiert werden solle und dürfe ... oder nicht: da lat sich in München eine Gruppe begabter Stuben ten aus dem Literatur-Seminar des Wedekind- Vivgraphen Professor Kutscher zu einer Feier eigener Art zusammen, wie sie in diesem Jubeljahr noch nicht erlebt wurde.

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Die jungen Leute sahen die Kehrseite der Goethe- Begeisterung und Goethe-Besinnung und schrieben, was ihnen von Haus aus am nächsten lag, die zu trauriger Berühmtheit gelangte Fußnote des un­seligen Düntzer auf ihr Panier und zogen mit dem ironischen Schlachtruf , H i e r irrt Gvet h e" durch das von Reden, vchristen, Ansprachen und Feiern betäubte Vaterland: homerisches Gelächter umbrandet das Spiel der fahrenden Komödianten an allen Orlen.

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Man mag im Programmheft nachlesen, wie fid) dieses wandernde Werkstudenten Theater zwanglos und imprvvisatorisd) aus bescheidenen Anfängen zu seiner gegenwärtigen Form entwickelt hat. Sie ar­beiten im Kollektiv unb sie erweisen fid) ber erlauch­ten Münchener Tradition und ihr elf einstmals hoch- berühmten Vorgänger keineswegs unwürdig; sie machen alles selber, schreiben ihr Stück und aud) die Musik dazu, fingen, spielen, tanzen, begleiten sich clbft unb das alles mit einer so lebendigen Spiel- reubc, so viel Sinn für Echtes unb Falsches, Gül- igeo unb Ungültige», mit soviel Witz, Laune, Ironie und parodistischer Jnstinktßcherheit, daß es eine Helle Freude ist, diesen jungen unb frischen Menschen zu zusehen unb zuzuhären in unserer Zeit der Theater­krise und der Goethefeiern.

Sie nennen das Ganzeliterarische Posse mit Tanz und Gesang": ein Viermännerkollegium zeich­

net gemeinschaftlich für Text, Musik unb Jnszenie- rung: Kurt E. Heyne, Helmut K äutner, Frank Norbert unb Bobby Todd. Die jungen Herren haben es faustdick hinter den Ohren, sie wissen in ihrem Fad) Bescheid unb haben and) sonst ihre Augen aufgemacht. Es ist ihnen fürwahr nichts heilig, und nichts und niemand ist fidjer vor ihrem Spott und ihrem Ulf, der dock; weit mehr ist als ein be­liebiger Studentenulk: weil er fid) durch seine Lie­benswürdigkeit selbst widerruft unb burd) seine Stil­sicherheit unb geistige Disziplin den Dilettantismus des Laienspiels in den Bereich künstlerischer Gestal­tung vortreibt.

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Das Goethe Jahr und der Goethe-Rummel (das Wort ist leider nicht unbegriinbet) waren für die vier Nachrichter nur der Anlaß das Grundmotiv ihrer Fabel, die sie mit einem wahren Feuerwerk klassischer Zitate in drei Akten vor dem verblüfften Zuschauer abrollen lassen. Sie hauen um fid), und wo sie hin­hauen, wächst kein Gras mehr. Sie treffen die falschen Philologen wie die Biographen im Schafspelz (so Emil Ludwig Mtitfermann, dem ihre besondere Liebe gilt) aber indem sie eine phantastisch er­fundene und verwickelte Stegreifkomödie von einer Pvststation unweit Straßburg über den großen Empsangssaal bei Karl August und die Terrasse vor dem Weimarer Schloß revuemäßig vorübergleiten lassen mit tollen Verwechslungen und Verkleidungen, mit Goethe und Sd)illcr, mit Casanova und Bona­parte mit dem Schwan, mit dem Ehepaar von Stein, mit Friederike von Löhar und dem Fräulein von Göchhausen samt den, Urfaust: zieht ihr parodi­stische» Witz immer weitere Kreise; er trifft das Publikum und die Sd)unblileratur, die Operette mit °U ihren Banalitäten und Geschmacksverirrungen, den Tonfilm Betrieb und das Jntrigenstück alten Stils mit Veiseitesprechen, Kniefällen undAber da kommt er selbst!" Es war herrlid).

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Sie dichten .musizieren, spielen, singen und tan- Seu mit soviel Talent. Ursprünglichkeit, komödian­tischer Veweglichleit unb Vielseitigkeit, wie man das auf derrichtigen" Bühne nicht alle Tage erlebt. Die begabtesten Leute in diesem erfreu­lichen Ensemble sind Helmut Käutner (Herr v. Stein) und Bobby Todd (Casanova), die zwei ganz persönlich gefärbte, hockkomische Figuren herausstellten. 2lbcr auch die Hauptperson, Herrn Hohnes Goethe, der gemütlidz-spießige. uuver- kennbar weimarische Herzog (Hermann Frieß), Gustav Dockx (Emil Ludwig) und die Damen Edith 2InderS (Eharlotte v. Stein), Dera Spohr (Göchhausen) und Grete M o 1 c n a a r

(Friederike) müssen aus dem Kollektiv mit herz­licher Anerkennung hervorgehoben werden.

Die Chansons und die Tänze besonders der spanische, das Tulpenlied, der Operettenchor, das SchwipS-Duett und die Filmparade sind so zündend und schmissig, so treffsicher bei aller Knappheit, so populär trotz ihrer literarischen Haltung, daß die Kabinettstücke unter ihnen so­fort wiederholt werden mußten.

Das Haus war, wenn wir recht gesehen haben, nahezu ausverkauft. Der Beifall brauste mit einer hier selten gehörten Lautstärke. hth.

Coney Island in Flammen.

WieAmerikas Spielplatz" abbrannte.

Don Paul Joachim.

Die Feuersbrunst, die ReuhorkS 23er- gnügungöviertel Coney Island,Amerikas Spielplatz", heimsuchte und teilweise ver­nichtete, zählt zu den größten Brand- katastrophen, die 2lmerika je erlebt hat. Diese Stadt innerhalb der Stadt war berühmt als Erholungsstätte von den Sorgen des Tages, als Kinderspielplatz, als Paradies der Groß­städter. 3n jedem Paradiese aber gibt es be­kanntlich eine Schlange. Als sich die Dämonen des Feuers, die während eines ganzen Nach- mittags und der darauffolgenden Nacht gewütet hatten, legten, suchte man zuerst nach der Llrsache, die dieses Feuer entstehen ließ, die ein Paradies im Laufe weniger Stunden in ein Trümmerfeld verwandelte. ilnö man hat sie gesunden: Kinder hatten irgendwo auf der Strand­promenade . achtlos mit Feuerwerks- körpern hantiert, die explodierten; ein Brand war schnell entstanden, die morschen, von Sonne und Wind ausgedörrten Bungalows fielen ihm eines und) dem andern zum Opfer, eine ganze Straße herauf raste das Feuer, ihm war selbst von 1 7 0 0 0 Feuerwehrleuten und zahl­reichen Flugzeugen nicht Einhalt zu gebieten ... Sonderbar diese Katastrophe stand im Zeichen der Kinder, Kinder waren es, die das Feuer entstehen liehen« Kinder waren es, die seine schwersten Folgen zu tragen hatten. Denn bei einer Panik, der notwendigen Folge einer leben Brandkatastrophe, haben die kleinen und schwachen Erdenbürger immer am meisten zu leiben. Jetzt immer noch werden über hun­

dert Kinder vermißt, die in den ersten schrecklichen Augenblicken sich weiß Gott wohin geflüchtet haben.

Kindel: schließlich waren diejenigen, die im furchtbarsten Augenblick des Brandes sich in Höch st ei/ Lebensgefahr befanden. Das Feuer näm- lid) dliohte eine Zeitlang auch auf die Wohn­viertel von Coney Island überzugreifen, und das erste gefährdete Haus war ein Kinder­heim mit 500 Einsassen. Nur mit äußer­ster Mühe konnten die Feuerwehrmänner es zu­wege bringen, daß sämtliche Kinder rechtzeitig aps der Gefahrenzone entfernt wurden.

Eine der Ursachen, warum dem Brand erst so spät Einhalt geboten werden konnte, war der ä.Imstand, daß alle Autobesitzer im ersten Augen­blick des Schreckens fid) nach den Parkplätzen flüchteten, um sich in ihrem Auto in Sicherheit zu bringen. Bald war die Straße nach 2keuyork so verstopft, daß die Feuerwehr im Strudel dieses Verkehrs lange aufgehalten wurde.

So grausig dieses ilngtüa war Menschen­leben kamen dabei nicht zu Schaden. Aber während der ganzen 2Iacht hockten die Ein­wohner Neuyorks auf ihren flachen Dächern und betrachteten voller Schrecken das Schauspiel der riesenhaften Feuersäulen, die aus den Trümmern ihrer geliebten Vergnügungsstätte immer cmss neue hochslackerten und dem Himmel über Neuyork eine brandrote Farbe gaben.

Abenteuer des Krokodil-Jägers.

Einer ber berühmtesten austmlischen Krokodil- Jäger. Colin Campbell, ist jetzt von seiner drit­ten Reise nach dem Krokodil-Gebiet von Nord- Queensland, in dem kein Weißer lebt, nad) Sydney zurückgekehrt'.Die Krokodil-Jagd auf den tropischen Flüssen ist ziemlich gefährlick)/' erzählte er,und mand)inal muß man jein Leben cinsetzen für die Schuhe und Tasd)en der Damen, aber die Jagd er­nährt ihren Mann. Einmal war id) in einem Ein- gcborcnen-Stanu, und mir fuhren zufällig über den Rucken eines untergetaud)ten Krokodils. Es fd)Iug mit seinem Schwänze so wild um sich, daß unser Boot in die Lust geschleudert wurde. Wir schwam- men nach der Küste und erlegten später den An- ftiftcr dieses Zwischenfalls." Ruhe ist bei der Kroko- dil-Jagd die .^Hauptsache, und jeder Schuß muß den Kopf treffen, der ber einzige verwundbare Teil des Reptils ist. Campbell stöbert mit Vorliebe Nester von 10 bi3 15 Tieren auf und hat schon an einem einzigen Morgen 22 Stück erlegt, deren Häute hoch bezahlt werden.

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