Ausgabe 
17.10.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Giehen. den 17. Oktober 1932.

ReichSpost und Winterhilfe.

2ln dem kommenden großen Winterhilfswerk wird auch die Deutsche Reichspost beteiligt sein. Wie im vorigen Jahre, hat sie sich bereit erklärt, im Kraftpost-äleberlandverkehr die gebührenfreie Beförderung von Lie­besgaben für die Winterhilfe zu übernehmen. Als solche Liebesgaben gelten Lebensmittel, Klei­dungsstücke und Gebrauchsgegenstände, die von Behörden, anerkannten gemeinnützigen Gesell­schaften, Bereinen, Ausschüssen usw. beschafft oder gesammelt und von ihnen an Notleidende oder Bedürftige zum unmittelbaren Verbrauch oder Gebrauch abgegeben werden.

Einen wichtigen Teil des diesjährigen Winter­hilfswerks wird auch der Vertrieb der Wohlfahrtsmarken bilden. Wie in den früheren Jahren, gibt das Reichspostministerium außer der bereits zum LS. Geburtstag des Reichspräsidenten erschienenen Wohlfahrtspost­karte Wohlfahrtsbriefmarken heraus, und zwar diesmal zum Freimachungsbetrage von 4, 6 12, 25 und 40 Pf. Der Vertrieb der Marken be­ginnt am 1. November 1932 und endet, ebenso wie derjenige dec Wohlfahrtspostkarten, am 28. Fe­bruar 1933; Gültigkeit behalten Marken und Karten aber bis zum 30. Juni 1933. Diese Wohl­fahrtspostwertzeichen, deren Vertrieb vor allem Sache der Ausschüsse dec Deutschen Nothilfe ist, werden auch bei allen Postanstalten verkauft. Die Postschalterbeamten werden in geeigneter Form für die Wohlfahrtsmarken werben, wie es schon im vergangenen Jahre mit recht günstigem Er­folge geschehen ist. Im Winter 1931/32 wurden insgesamt 11 916 995 Stück solcher Marken und Karten verkauft, was einen Gesamtertrag für die No'Hilfe von 610100 Mk. brachte. Von diesem Betrag: entf e.'en 139 743 Mk. auf die an den P ost ^cy altern erkauften Wohlfahrts-Briefmarken und -karten. Insgesamt hat die Einrichtung der Wohlfahrts-Briefmarken in den Jahren 1924 bis 1931 rund 7 803 000 Mk. zugunsten der Deut­schen Nothilfe erbracht.

Ansteckungskranke von Krastposten ausgeschlossen.

Vom Po st amt Gießen wird uns mitgeteilt: Aus Anlaß der in letzter Zeit in verschiedenen Orten aufgetretenen Erkrankungen an spinaler Kinderlähmung ist die Frage aufgeworfen worden, ob Personen, die an einer solchen Krankheit leiden, wegen der damit verbundenen Ansteckungs­gefahr mit den öffentlichen Verkehrsmit­teln befördert werden dürfen. Bei der Deut­schen Reichspost sind nach § 53 der Postordnung vom 30. Januar 1929 Personen mit ansteckenden Krank­heiten von der Beförderung in den K r a f t p o st e n jeder Art ausgeschlossen. Zuwiderhandelnde haben für die daraus entstehenden Folgen zu haften.

Braugerstenfchau in Friedberg.

Die Hessische Landesgersten st eile bei der Landwirtschaftskammer für Hessen teilt uns mit: Am Mittwoch, 26. Oktober, veranstaltet die Hessische Landesgerstenstelle bei der Landwirtschaftskammer für Hessen in der Turnhalle der Musterschule zu

Friedberg eine Braugerstenfchau, ver­bunden mit öffentlichem Braugerftentag.

Die Landwirte aus Oberhessen werden aufgefor- dert, sich durch Einsendung von Braugerstenproben recht zahlreich an der Braugerstenschau zu beteiligen. Die besten Proben werden mit Preisen ausgezeichnet. Es stehen hierfür Geldpreise, Aner­kennungen und eine Anzahl Ehrenpreise zur Ver­fügung. Die Ausstellungsmuster im Gewicht von 5 kg finö bis spätestens Montag, 24. Oktober, abends, in öer Turnhalle der Musterschule in Friedberg abzu- geben oder einzusenden, da die Bonitierung bereits am Dienstag, 25. Oktober, vorgenommen wird. Die Muster sind mit dem VermerkBraugerstenschau Friedberg" zu versehen. Beizufügen sind genaue Angaben über Name und Wohnort des Ausstellers, Sorte und Abfaat des Musters, sowie die Menge der dem Muster entsprechenden Verkaufsware. Bei der Schau können nur Proben aus Ober- h e f s e n am Preisbewerb teilnehmen.

Der öffentliche Braugerftentag, zu dem alle Landwirte und Interessenten eingeladen find, beginnt am Mittwoch, 26. Oktober, 14 Uhr. Es wer­ben folgende Referate erstattet: 1. Besprechung der Schauergebnisse und ihre Auswertung hinsichtlich der Sortenfrage von Abteilungsvorstand Dr. Finger, Landwirtschaftskammer Darmstadt; 2. landwirt­schaftlich-technische Maßnahmen im Braugerstenbau von Landwirtschaftsrat Dr. Schneider, Hessi­sches Landwirtschaftsamt Lich. Im Anschluß daran findet eine Diskussion und die Bekanntgabe der Preisträger stall.

** Keine Partei-Uniform Lei kirch­lichen Trauungen. In einem Ausschreiben des Prälates der Hessischen Landeskirche an die Dekane, Kirchenvorstände und Pfarrämter wird darauf hingewiesen, daß einer althessischen Sille entsprechend es nicht gestattet ist, daß der Bräutigam in der Uniform eines politischen Verbandes zur Trauung erscheint. Bei der Zu­lassung solcher Kleidung zu der gollesdienst- lichen Handlung würde die Kirche ihre über­parteiliche Haltung aufgeben und darauf ver­zichten, ihrerseits die kirchliche Ordnung zu wahren.

** Ein Achtzigjähriger. Heute, Mon­tag, 17. Oktober, kann der Privatier Georg Un­verzagt, wohnhaft Lieb.gstratze 62, II, in aller körperlichen und geistigen Frische seinen 80. Ge­burtstag feiern.

** Anerkennungsschreiben bei Dienst- jubiläen der Beamten. Das Hessische Ge- samtministerium hat beschlossen, den hessischen Beam­ten bei 40jährigen Dienstjubiläen im Namen der Hessischen Staatsregierung ein Glückwunschschreiben des zuständigen Ministers überreichen zu lassen.

** Handarbeitsausstellung der Alic e- schule. In den Räumen der Aliceschule am Kanz­leiberg wurde am Freitag eine. Ausstellung von Arbeiten der Schülerinnen gezeigt, die dem Besucher viel Aufschluß über die Arbeit gab, die in diesem Institut geleistet wird. Aus den verschiedenen Kur­sen der Schülerinnen sah man Arbeiten, die aller Beachtung wert waren. Insbesondere die Arbeiten aus dem Schneider-Kursus waren sehr vielseitig. Nicht nur eine Anzahl vollständig neuer Kleider wurde, zum Teil nach eigenem Entwurf, hergestellt und sorgfältig ausgeführt, es wurden auch Kleider abgeändert und damit einem wirtschaftlichen Er­fordernis der Gegenwart Rechnung getragen. In

Die Lage des oberhessischenArbeitsmarktes

In dem September-Bericht des Ar­beitsamts Gießen, aus dem wir bereits am Samstag einige Abschnitte veröffentlichten, wird über die Lage des Arbeitsmarktes in Oder- Hessen noch folgendes mitgeteilt:

Setzt man die Zahl der Unter ft ü^ten und Nichtunter stützten ins Prozentoerhältnis zur Arbeitsuchendenzahl, so ergibt sich folgen­des Bild. o. H.

Hauptunterstützungsempfänger in Alu 1665 = 11,4

in Kru 2871 - 19,7

Wohlfahrtsunterstützungsempfänger 3069 = 21,0

Notstandsarbeiter 1751 = 12,0

Arbeitsdienftwillige 4190 = 28,7

Nichtunterstützte 1051 = 7,2

Arbeitsuchende 14597 = 100

Die am 15. September gemeldete Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in dec Arbeitslosenversicherung gliedert sich wie folgt:

Bei den 1613 männlichen und 213 weiblichen Hauptunterstützungsempfängern waren hie Unter­stützungszeiten wie folgt:

bis 6 Wochen 602 männlich 55 weiblich

über 6 13 631 74

13 20 380 89

Gliedert man die Hauptunterftützungsempfänger nach den Ortsklassen der Wohnorte, so ergibt sich folgendes Bild:

Ortklasse A 189 männlich 57 weiblich

B in Orten mit

mehr als 10000 Ein­

wohnern 45 9

Alle übrigen Orte 1379 152

Die Zahl der Familienzuschlagsempfänger in der Arbeitslosenversicherung 2732.

Die 2780 männlichen und 228 weiblichen Haupt- unterstützungsempsänger in der Krisenfürsorge hatten folgende Unterstützungszeiten zurückgelegt:

bis 13 Wochen 741 männlich 70 weidlich

über 13 26 1035 91

26 39 778 45

über 39 226 22

Die Zahl der Familienzufchlagsempfänger in der Krisenfürsorge betrug 4983.

Aus einzelnen Berufsgruppen ist wie folgt zu be- richten:

Land- und Forstwirtschaft.

Zur Herdsternte bestand von feiten der Landwirt­schaft oerhältnismäk a wenig Nachfrage nach Ar­beitskräften. Die Fruchternte ist vollkommen beendet, so daß landwirtschaftliche Arbeitskräfte zur Ent­lassung gekommen sind. Für die Kartoffelernte wur­den verschiedentlich Arbeitskräfte angefordert. Die Zuckerrübenernte hat bereits begonnen. Dem Ar­beitsmarkt standen am Ende der Berichtszeit 4338 Arbeitsuchende, gegenüber 366 des Vormonats und 249 des Vorjahres zur Verfügung.

Industrie der Steine und Erden.

Der Rückgang der Arbeitsuchendenzahl in der In- buftrie der Steine und Erden ist in erster Linie auf

das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregie­rung zurückzuführen. Ein großer Teil der o b e r h e f f i f ch c n Steinbrüche hat Auf­träge von der Provinzialdirek t i o n zur Lieferung von Kleinpflafter er­halten. Dadurch war es möglich, daß wir sämtliche Steinrichter unseres Bezirks, die den Voraussetzun­gen zur Beschäftigung in Notstandsarbeiten ent­sprachen, unterbringen konnten, und daß wir dar­über hinaus weitere Steinrichter aus den anliegen­den Arbeitsamtsbezirken zur Erledigung der vor­liegenden Arbeiten heranholen mußten. Verschiedene oberhesfiscke Ziegeleien mußten wegen Auftrags­mangels Kräfte entlassen. Wir zählten 1450 Arbeit­suchende, gegenüber 1506 des Vormonats und 1056 des Vorjahres.

Metallindustrie.

Die Arbeitsmarktlage hat im Berichtszeitraum eine Besserung erfahren, eine Maschinenfabrik konnte, nachdem sie größere Aufträge erhalten hat, mit dec gesamten Belegschaft von der Kurzarbeit zur Voll- arbeit übergehen. Einige andere Firmen warten noch auf die Erteilung der ihnen in Aussicht gestell­ten Aufträge. Verfügbar waren 2396 Metallarbeiter, gegenüber 2635 des Vormonats und 1766 des Vor­jahres.

Holz- und schnlhstoffgewerbe.

Auch in dieser Berufsgruppe ist eine leichte Besserung der Marktlage eingetreten. Während einige Sägewerksbetriebe über Arbeitsmangel klagen, hat eine Möbelfabrik einen größeren Auftrag zur Herstellung von Radiokaften erhalten und konnte daher von der Kurzarbeit zur Vollarbeit übergehen. Dem Arbeitsmarkt standen am Ende der Berichtszeit 891 Arbeitsuchende zur Verfügung, gegenüber 921 des Vormonats und 605 des Vorjahres.

Berufsberatung.

Die Berufsberatungsabteilung wurde im Berichts­monat von 138 (89 männliche, 49 weibliche) Rat­suchenden mit verschiedenster Schulbildung in An­spruch genommen. Ihre Wünsche bezogen sich auf 40 verschiedene (30 männliche, 10 weibliche) Berufe. Die verhältnismäßig meisten männlichen und weib­lichen Ratsuchenden hatten keinen bestimmten Be- russwunsch. Von den Knaben wurden kaufmännische und Lebensmittelberufe am häufigsten, von den Mädchen keine Berufe besonders bevorzugt begehrt. Viele an Ostern 1933 zur Schulentlassung kommende Knaben und Mädchen suchen jetzt schon die Berufs­beratung auf, um sich rechtzeitig für passende Lehr­stellen vormerken zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß die Arbeitgeber in der Lage sein würden, die zu besetzenden Lehrstellen möglichst frühzeitig anzumel­den, damit die rechte Auswahl unter den vorhande­nen Berufsanwärtern getroffen werden könnte.

Verlegenheitsstudenten, die das Studium nicht mehr durchhalten können und vergebens zwei und drei Semester lang auf eine Beamtenanwärterstelle ober Unterkommen bei der Reichswehr gehofft haben, kommen nun zur Beratung und wünschen Berufe, die sie als Abiturient noch abgelehnt haben. Zunächst ist der freiwillige Arbeitsdienst ihre Rettung vor erzwungener Untätigkeit.

Treibjagd im Herbst

Von Ernst Hölzel.

den alten

3en, aber kommen zu heißen...Eigentlich brauchte ich bei

guten Farbenzusammenstellungen, in der oft sehr geschickten Verwendung von Putzmaterial und in der guten handwerklichen Ausführung dokumentierte sich eine sorgfältige Ausbildung, die den Schülerin­nen für ihr späteres Leben sehr wertvoll sein kann. Blusen, Kleider, Gesellschafts- und Hauskleider Schürzen, Kinderkleidchen, ganze Kostüme, Jacken, aus dem verschiedensten Material und in verschiede­nen Macharten, bewiesen ernsthaftes Bemühen. In den übrigen Kursen wurde nicht weniger strebsame Arbeit geleistet. Besondere Aufmerksamkeit verdiente die Weißnäherei, in der die Schülerinnen die man­nigfaltigsten Bekleidungsstücke hergestellt hatten, wie sie für den täglichen Gebrauch nötig sind. Unter»

Ihnen nichts mehr hinzusetzen. Doch Ordnung und Klarheit schützen vor Merger und Mißton. Geschossen werden also wie immer Has und Fuchs, Fasan und Schnepfe. Rehe werden selbstverständlich geschont. Leider hat mir vorhin mein Förster eine betrübliche Meldung gemacht. Drüben in Kirchhausen ist vor­gestern Treibjagd gewesen. Das ganze Dorf war auf den Beinen, über 40 Schützen sind es gewesen, teils aus dem Dorf, teils Stadtgäste des dicken Päch­ters aus der Kreisstadt. Nach alter Gewohnheit hat man wieder auf den Rehen, die wir alle mit viel Entsagung nach Kriegsende wieder herangehegt ha­ben, herumgefunkt, daß es eine Schande war. Acht Stücke lagen glücklich auf der Strecke. Darunter war der kapitale Bock aus der Grenzdickung, der natür­lich schon abgeroorfen hatte. Den glücklichen' Er­leger eines Spießbockes schmückte man sogar mit einem Fichtenbruch. Ferner lagen drei Kitzböcke auf der Strecke, der Rest aber waren führende Ricken, wahrscheinlich auch die brave Ricke darunter aus der .Kreuzschneisendickung', die seit drei Jahren alljährlich drei Kitze führte. Was aber von der Sorte Jäger alles gefehlt, in Wirklichkeit krank ge­schossen wurde, wissen mir nicht. Jedenfalls führte derRoland" meines Försters gestern ^rüh seinen Herrn zu einer Ricke, die 300 Meter über meiner Grenze lag und vom Fuchs schon angeschnitten war, und der Rottenmeister der Holzhauer ließ mir sagen, daß in der ,Rehhecke' seit gestern eine schwer kranke Geiß stünde. Das ist dort, wo im Vorjahr nach der gleichen Treibjagd einer der Köter jener Herren einen krank geschossenen Bock bei lebendigem Leib anschnitt. Pfui Teufel! Es ist nicht zu ver­stehen, daß der Staat etwas derartiges bei uns noch zuläßt, was gegen alle Gesetze der Humanität, des Tierschutzes und auch der Jagdwirtschaft geht. Hier kann nur Aufklärung helfen. Bringen wir alle jene Helden an den Pranger, die den Namen des deut­schen Jägers verunehren und verhängen wir den jagdlichen Boykott über sie, Dann wird uns vielleicht auch der Staat einmal helfen. Doch genug davon. Kommt das kranke Stück einem von Ihnen, so gönnen Sie ihm bitte eine rasche, saubere Kugel! ... Und nun freuen wir uns des schonen Sonnentages! Weidmannsheil!" ...Weidmannsdank!" schallt es zurück...

Der Jagdherr führt selbst die eine Hälfte der Gäste auf die Stände, der Forster die andere. Bald kündet das Horn den Beginn des ersten Triebes. Häher rätschen, Amseln zetern, Zeichen, daß die Treibwehr langsam durch bas Stangenholz vor- rückt, immer wieder stehen bleibend, Richtung su­chend, indes die derben Stocke an die Bäume klap­pern.Bumm" geht es oben,Harro links" kündet Treiberruf einen Mümmelmann an, und kurz dar­auf knallt es unten am Hang, und radschlagend macht der Hase dem Schützen fein Kompliment. Es knallt noch hier und dort, und der Trieb naht sich seinem Ende. Da schlägtWaldmann", der Dackel, giftig an und lauthals jagt er rückwärts.Fuchs" schießt es dem Jagdherrn blitzschnell durch den Kopf, und schon hört er den ObertreiberAchtung, Fuchs rückwärts!" Der Jagdherr schmunzelt. Denn dec

Rätschend fliegen die Häher, die in den Obst­bäumen norm Walde die letzten Zwedschen suchten, dem Waldrand zu. In weiten, federnden Sprüngen fliegt der schnittige Kurzhaar über Sturz und Stop­pel. Man sieht chm die Freude darüber an, Hof und Zwinger wieder einmal entronnen zu fein. Es geht ihm ^eich feinem Herrn, der dort, den Drilling über der Schulter den Feldweg entlang schreitet, wald­wärts. Die Jägeraugen leuchten, denn kalt war die Nacht, leicht gefroren ist der Boden, an allen Gras­halmen aber hängt der Reif, und die Eiskriftalle glitzern diamantengleich im Frühlicht der Sonne, die glutrot hinterm Walde emporsteigt. Ein blanker Tag, der gute Jagd verheißt. Heute ist der Fuchs über der Erde, und der Hase läuft besser, wenn das Fallaub unter den Schritten dec Treiber kracht. Dort an der Waldecke ist Stelldichein. Er hätte es kaum anzugeben brauchen. Denn die heute feine Gäste find, wissen das schon. Alte Freunde sind es, einer kennt den anderen und auch den Wald, dec heute getrieben werden soll. Da tritt auch schon der För­ster hinter den Randfichten hervor, den braven Drahthaar, feinen ständigen Begleiter, am Riemen. Er hat die Treiber noch einmal ins Gebet genom­men. Es wäre vielleicht nicht nötig gewesen, denn auch sie sind alte Garde, die ihr Handwerk kennt. Jeder von ihnen ist überzeugt, daß die Jagd ohne ihn mißlingen muß. So geht es auchWaldmann", dem Krummbein, den der Obertreiber dort an der Leine hat, und der seinen Herrn mit freudigem Laut begrüßt. Der liebelt den Hund ab, tauscht mit den alten Treibern Gruß und Handschlag, wechselt hier ein Scherzwort und stellt dort eine Frage, die verrät, daß er auch am Schicksal des einzelnen An­teil nimmt. Dann tritt er mit dem Förster zur Seite, der ihm die neuesten Meldungen aus dem Revier erstattet. Es scheint nicht alles freudiger Art zu sein. Stimmen nahen. Von zwei Seiten kommen sie zu Fuß oder mit Wagen heran, die alten Weidgesellen, der Arzt und der Apotheker aus dem Städtchen, der weißbärtige Müller aus der Mühle im Grunde, der Gutspächter und sein Schwiegervater, der alte Oberst, der immer noch die saubere Flinte schießt, der Bürgermeister des Dorfes, Bauer von Beruf, mit warmem Herzen für Wild und Weidwerk und überall gern gesehen, und schließlich der Nachbar von der Staatsjagd, der Oberförster. Wohlgefällig ruht das Auge des Jagdherrn auf den frischen Zü­gen des Referendars, den der Forstmann mitbrachte. Das Jagdhorn an der Seite zeigt, «daß der junge Mann alte Jägersitte heilig hält. Autohupen und sonstige Lärminstrumente als Signal'geräte bei der Waldjagd sind dem Jagdherrn, der selbst das Pleß- horn tragt und meistert, ein Greuel. Und auch heute läßt er es sich nicht nehmen, seine Gäste selbst mit

Hornruf zu grüßen. Die Treiber sind angetreten, die Jäger haben sich um den Jagdherrn gesammelt, der ehrwürdigen Iagdsilz lüftet, um mit kur- warmen Worten die alten Freunde will-

Rückwechsel ist in Vorahnung der Ereignisse richtig besetzt. Unbeweglich wie eine Bildsäule steht dort der alte Weißbart, die Flinte zum Anbacken halb angezogen, nur mit halbem Auge tönhte man sagen, bald rechts bald links das schmale Gestell beobach­tend. Immer näher kommt der Hatzlaut des Hundes, ein roter Strich fährt über die Schneise, doch mit Gedankenschnelle flog die Flinte, die alterprobte Iagdgefährtin des Alten, hoch, es knallt, und schon hängt Waldmann in den Jungfichten dem roten Räuber an der Drossel und beutelt ihn ab, als wenn er ihn ganz allein zur Strecke gebracht hätte. Hornruf! Die Schützen sammeln sich an verabredeter Stelle. Drei Hasen sind bereits zur Strecke gelegt, als dec Weißbart seinen Fuchs, eine Iungfähe, als höher zu bewertendes Stück ans Kopfende legt. Mit Weidmannsheil" überreicht ihm der Jagdherr den Fichtenbruch. Alle Schützen find da. nur der Re­ferendar, der an einem etwas verlorenen Posten stand, fehlt noch. Doch es hat bei ihm geknallt. Da kommt er schon, strahlend über das ganze Gesicht. Na ja, die Jugend", meint der Iagdherr, denn er hat den Fuchs schon ernannt, den der junge Jäger gern zur Erhöhung der Überraschung verbergen möchte. Der alte Rüde mit den abgeschliffenen Fängen kommt ganz oben hin, und den Forsthut schmückt der grüne Bruch. Weiter geht die Jagd, Trieb reiht sich an Trieb. Die Zahl der Hasen auf dem Wildwagen, wo diese sauber aufgehängt rich­tig auskühlen, wächst zusehends. Nun kommt eine große Kiefernkultur an die Reihe.Jetzt, meine Herren, kommen bestimmt Fasanen vor. Aber bitte nur Hähne schießen! Die Hennen schießt der Herr Nachbar da drüben. Wollten wir es auch so machen, wäre es mit der Herrlichkeit bald zu Ende!" ... Das Treiben hat kaum begonnen, da wird der erste Hahn vor dem Dackel schon hoch, laut gockend, kommt in Fahrt und in der Herbstsonne glitzernd und funkelt gleitet er über die Kiefern fast haushoch dahin. Da knallt es, Federn wirbeln, und schräg ab sinkt dec stolze Vogel jenseits des Standes des Jagdherrn zu Boden. Dumpf klingt es im Aufschlag:Apport!" Schon ist der Kurzhaarige in der Buchenverjüngung verschwunden, und bald sitzt er, den Hahn im Fang, stolz vor feinem Herrn.Tiro. Hahn!" oderAch­tung, Henne!" rufen die Treiber, es knallt noch hier und dort, und als der Trieb zu Ende ging, lagen neben vier Löffelmännern sieben Hähne auf dec Strecke.Wo bleibt denn der Forster?" fragt dec Jagdherr. Der Nachbarschütze hatte ihn schießen und dann den Hund mit heftigem Hatzruf schnallen sehen. Weiter wußte er nichts. Doch dort kommt er schon, und stolz trägt der stramme Drahthaar einen starken Kater im Fang.Endlich habe ich ihn", meldete dec Forstmann dem Iagdherrn.Noch jedesmal ist mir der Kerl entwischt. Sehen Sie ihn an, ein Dorf­kater, aber stark wie ein Wildkuder. Schon über ein Jahr treibt er sich draußen herum. Alle mög­lichen Katzen gingen mir hier mitten im Wald fernab jeder menschlichen Wohnung in die Kasten­falle, aber er nie. Junghasen, Fasanen und Kitze sind ihm gut bekommen, von Singvögeln gar nicht zu reden."

DieRehhecke" ist erreicht, von der der Iagdherr beim Stelldichein sprach. Hier soll die angebleite Ricke stehen. Auf der Schneise, da wo Jungholz und Buchonaltholz aneinanderstoßen, hat der Iagdherr seinen Stand. Das Treiben ist im Gang. Vor ihm im Bestand tappte es schwer im Fallaub, dann stand es still. Treiberruf kommt näher, das Tappen setzt wieder ein, er hort ein Stück ziehen. Jetzt tritt es auf die Schneise. Der rechte Vorderlauf schlenkert, der Kopf wird tief getragen. Es ist die kranke Ricke. Noch ein paar Schritte muß sie tun, damit der Schuß den Nachbar nicht gefährdet. Mühsam hum­pelt das Stück über den kleinen Graben. Längst ist der Drilling auf Kugel gestellt, und im Schuß sackt die Geiß quallos zusammen. Der Trieb ist vorbei. Der Iagdherr tritt an das Stück heran. Ekel würgt ihn und ein bitterer Geschmack tritt auf die Zunge. Lauf zerschossen, Schrote auf Blatt und Hals, sicher­lich auch in der Lunge, das rechte Licht ausgefchos- fen, und das Gesäuge voll Milch mutterlose Kitze!Schinder", knirscht der Weidmann zwischen den Zähnen. Er ist dankbar dafür, daß er die Qual des Stückes abkürzen konnte.

Mm sonnigen Hang wird gerastet. Jagen macht Hunger; alle sind zufrieden, denn jeder kam zu Schuß. Mud) die Treiber weichen gelobt, und dann schmeckt ihnen derKorn", den ihnen der Iagdherr stiftet, zu Brot und Hausgöschlachtetem noch ein­mal so gut. Mls die Sonne sinkt, ist die Jagd vorbei. Am Waldrand auf sauberem Moos wird Strecke gelegt, wie das Weidmannsbrauch erheischt. Sauber liegen die Hasen in einer Reihe, jeder zehnte etwas vorgezogen. Fuchs, Fasan und Reh schließen sich zum rechten Flügel hin an. Die Treiber sind in einer Reihe angetreten, wie es sich für alte Soldaten geziemt. Den Jagdherrn trennt die Strecke von sei­nen Gästen, die ihm gegenüber Mitteilung nahmen.

Die Jagd ist zu Ende. Zur Strecke kamen ein Reh, zehn Fasanenhähne, drei Füllte und 39 Hasen, sowie ein Kater. Nun herrscht dort, wo wir heute jagten, wieder ,Hahn in Ruh', damit wir alle hof­fentlich im nächsten Jahr wieder in gleicher Weiss zusammen weidwerken können. Für Ihre Unter­stützung, Ihnen, meine Herren Gäste, herzlichen Weidmannsdank und für bevorstehende Jagden Weidmannsheil!"Weidmannsdank!"

Und dann Verblasen Iagdherr, Forster und Re­ferendar die Strecke. Das läßt sich der alte Weid­mann nicht nehmen.Reh tot",Federwild tot", Fuchs tot" undHas tot" künden die Horner, Halali" undJagd vorbei" bilden den Beschluß. Mit Dank scheiden die Gäste. Dem Förster aber reicht der Iagdherr die Hand und drückt ihm seinen Dank aus für den Eifer, mit dem er sich für den Schutz des Reviers eingesetzt hat und dec solche Jagden ermöglicht. Dann schreitet er mit seinem treuenTreff" dem Dorfe zu. Guten Mnblitf hat er heute gehabt, es war eine Mrt Musterung für ihn. Entsagung und Hege haben sich wie immer gelohnt.

wäsche, Damen- und Herrenhemden, Schlafanzüge, Bettwäsche, Decken usw. sah man in guter Ausfüh» rung, und wenn auch nicht jede Mrbeit schon eia Meisterstück mar, so doch ein Zeugnis guten Wit­tens, das nach Maßgabe der Geschicklichkeit der jugendlichen Verfertigern alle Ehre machte. Reiz­volle Mrbeiten wurden im Kursus für Stickerei her- gestellt und unter Mnwendung selbst schwieriger Techniken manches schöne Zierstück (Tischdecke Kissen, Stickereien an Blusen und Kleidern) geschaffen. Die Musftellung bewies, daß die Alice-Schule mit ihrem Mrbeitsplan den richtigen Weg geht und ihren Schülerinnen wertvollstes praktisches Können mit­zugeben vermag.