Ausgabe 
17.10.1932 Erstes Blatt
 
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gliedern des Alldeutschen Verbandes nicht mehr empfehlen kann, die NSDAP, zu fördern oder bei den Wahlen zu stützen. Don den für Alldeutsche in Betracht kommenden Parteien ist nach dieser Ent­wicklung nur noch die Deutschnationale Volks Partei übrig geblieben. Die Hauptleitung betrachtet es als die Pflicht des Alldeutschen Ver­bandes diese Partei mit allen Kräften zu fördern: sie fordert alle Gliederungen des Verbandes und jedes einzelne Mitglied auf, dies nachdrücklichst zu tun."

Oie vaterländischen Verbände hinter Popen.

Berlin, 16. Ott. (CNB.) Die Vereinigten vater­ländischen Verbände Deutscklands geben, als Er­gebnis der Sitzung ihres Gesamtvorstandes unter Vorsitz des Generals Grafen von der Golg eine Stellungnahme zur politischen Lage bekannt, in der es u. a. heißt: Wir sehen indernationalen Reichsregierung das erste Stabinett seit dem Umsturz, das mit Entschlossenheit und s a ch l i ch em K ö n n e n die Probleme staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbaues zu lösen be m ü h t ist. Wir rufen alle Nationalgesinnten auf, sich über den innerpolitischen Hader hinweg hinter den Kampf der Regierung um die Wieder­erlangung der Wehrfreiheit und um die Beseitigung des Versailler Diktats und seiner Schmachpara­graphen zu stellen. Uns alle eint EhreundFrei- heitderNation. Getreu diesem Grundgedanken unserer vaterländischen Arbeit bitten wir erneut, dieses gemeinsame große Ziel imJMuge zu behalten. In diesem Sinne muß auch der Wahl­kampf in erster Linie gegen den gemein- (amen Feind, den Marxismus und die ihn stützenden Kräfte, geführt werden.

Milderung von Härten für Kriegsbeschädigte.

Berlin. 17. Oft. (WTD. Funkspruch.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vor­mittag den Vorstand des Reichsausschusses der Kriegsbeschädigten- u. Krieger- Hinterbliebenen-Fürsorge und eine Abordnung des Landesverbandes Westfalen- Lippe imReichsverband deutscher Kriegsopfer", die ihm die Wünsche und Sorgen der Kriegsbe­schädigten und Kriegerhinterbliebenen vortrugen, insbesondere die starken Verschlechterungen oar- legten, die durch die letzten Rotverordnungen in der Kriegsopfer-Fürsorge eingetreten sind. Der Herr Reichspräsident brachte seine wärmste Teil­nahme für das Los der Kriegsopfer und seinen Willen zum Ausdruck, sobald esdiefinan- zielle Lage des Reiches irgendwie gestattet, allmähliche Beseitigung der Kürzungen eintreten zu lassen. Der Reichs­arbeitsminister konnte alsbaldige Milde- rungeinerReihevonHärtenin Aussicht stellen, die sich bei der Durchführung der letzten Rotverordnung gezeigt haben, und mitteilen, daß hierfür ein besonderer Fond von fünf Millionen Mark bereitgestellt sei, der für die Zeit bis zum Schluß des Etatjah­res bestimmt ist und im Benehmen mit den Ver­tretungen der Kriegsopfer Verwendung fin­den soll.

Feuerüberfall auf Nationalsozialisten in Wien. Wien, 16.Ott. (TU.) 3m Bezirk Sörnmering mar eine nationalsozialistische Ver­sammlung anassagt, zu der eine Abteilung SA.- Leute durch die Tiefschütz-Gasse marschierte. Als sie andemdortigensozialdemokratischen Arbeiterheim vorbeikamen, sielen aus dem Arbeiterheim zahlreiche Schüsse. Der Wachtmann Tiäsek sank als erster durch die Stirn getroffen sofort tot nieder. Außerdem wurden drei Nationalsozialisten getötet und über 30 Personen verletzt. Bei zwei Personen sind die Verletzungen derart schwer, daß wenig Hosinung auf ein Auskommen besteht. Die Polizei entsandte sofort starke Abteilungen nach Sörnmering. Die Pa- lizeibeamten drangen in das sozialdemokratische Ar­beiterheim ein, wo sie 70 Gewehre und eine große Zahl Revolver beschlagnahmten. 60 Personen wur­den verhaftet. Sie mußten unter starker Be­deckung auf das Polizeipräsidium gebracht werden, da die Menge derart erregt war, daß sie versuchte, die Täter zu lynchen. Eine Anzahl Sozialdemokraten hatte sich auf dem Dachboden in Kisten versteckt, wo sie von den Wachtleuten herausgeholt und verhaftet wurden.

Schwere Ausschreitungen in Dortmund

Dortmund. 16. Oft (TU.) Am Sonntag kam es hier zu ernsten Ausschreitungen, die meh­rere Opfer forderten. Bei dem Versuch der Po­lizei, eine Straße, in der es zu Unruhen gekom­men war, zu säubern, wurden die Beamten angegriffen und mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen. Es kam zu mehreren Schieße­reien, wobei zwei Personen, darunter eine Frau, getötet und zwölf Personen verletzt wurden. Unter den Verletzten befindet sich auch ein Poli­zeibeamter, der einen Kopfschuß erhielt, aber außer Lebensgefahr ist. 3n den Vormittagsstunden waren nationalsozialistische Flug- bl a t t v e r t e i l e r, die in Gruppen von 40 bis 50 Personen durch die Straßen des nördlichen Stadtteils zogen, in der Rahe des Dorsigplatzes vonKommunisten angegriffen worden. Es kam an mehreren Stellen zu Schlägereien, wo­bei auf) Schüsse fielen. Da die Unruhen immer größeren Umfang annahmen, wurde die Polizei alarmiert, die mit mehreren Tleberfallkommandos anrückte. Als die Beamten den Versuch machten, die Ruhe wieder herzustellen, kam es zu den fol­genschweren Schießereien. Die ums Leben gekom­mene Frau ist von der tödlichen Kugel getroffen worden, als sie hinter dem Fenster st a n d, um die Vorgänge auf der Straße zu beobachten. Der Polizei gelang es nach kurzer Zeit Ruhe und Ordnung wieder herzustellen.

Um die Viermächtekonferenz.

Ratlosigkeit in London.

London, 15. Oft. (TU.) Es besteht kaum ein Zweifel darüber, daß in englischen Regierungs­kreisen noch tiefe Ratlosigkeit über die Möglich­keiten eines weiteren Vorgehens in Sachen der Viermächtekonferenz herrscht Man hält es im Augenblick für ausgeschlossen, daß

WM W Deo Weg

Roman von Gert Rothberg.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale) 13 Fortsetzung. Rachdruck verboten!

Jetzt hatte sie die Bestätigung seiner Heirats­absichten. Eie konnte ihm nicht gram sein, daß er sie nicht zu sich bat, denn wenn er eine Ehe einzugehen beabsichtigte, dann war sowieso kein Platz für sie in seinem Hause. ilnt> sie durfte ja auch Hilma nicht allein lassen. Jetzt weniger denn je.

Hilma war krank! Der Arzt hatte nicht hinter dem Berge gehalten. Allerdings hatte er mehr auf seelisches Leid angespielt Dieses Leid würde nicht behoben werden, solange Altendorf im Hause war.

Diese Versöhnung würde Hilma nur neues, ungeheures Leid bringen, bis sie endgültig dar­unter zusammenbrach. Jetzt wäre eine Heilung in irgendeinem idyllischen Bergwinkel vielleicht noch möglich gewesen. Später war es ausge­schlossen. Run mußte das Schicksal eben seinen Lauf nehmen.

Fritz Lohgarten wechselte einige freundliche Worte mit feiner Stiefmutter, ohne es sie merken zu taffen, wie tief er selbst enttäuscht war.

Als das Gespräch beendet war, legte Lohgarten den Hörer auf die Gabel und stützte den Kopf in die Hände.

Run würde also doch keine Ruhe werden, er hatte es geahnt! Aber er fürchtete diesen Mann nicht mehr. Irgend etwas würde und mußte jetzt geschehen, wenn der sich ihm noch einmal als silckischer Feind in den Weg stellte.

Welch ein gemeiner Charakter!

Wenn Altendorf-Lerhoff ihn aus irgendeinem Grunde haßte, so konnte er sich ihm doch offen stellen. Diese gemeine Kampfweise verdiente doch nur Verachtung.

Wollte Altendorf jetzt bleiben, weil man sich erzählte, er, Fritz Lohgarten, würde sich mit Ilse Wiedener verloben? Denn zuerst schien Altendorf doch mit der Trennung einverstanden zu sein oder wollte er nur seine Macht über Hilma erproben, wenn er im letzten Augenblick kam und eine Versöhnung wollte? Von Altendorf weg gingen die Gedanken Lohgartens zu Ilse Wiedener.

Es war das Beste, wenn nunmehr eine Ver­lobung so schnell als möglich erfolgte. Schließlich war es auch für ihn gut, wenn er endlich einen Strich unter alles machte, was da in diesen letzten Wochen auf ihn eingestürmt war.

Die kleine, schöne Traute. Deren Vormund er war!

Gr war es geblieben, trotzdem Dolscher sie adoptiert hatte. Aber der alte Werkmeister hatte gemeint daß er doch schon sehr alt sei und ein­mal schnell sterben könne, und dann müsse ja doch wieder ein neuer Vormund bestellt werden, llnb so war eben der Ausnahmefall eingetreten, daß Lohgarten weiter die Vormundschaft über Traute behielt.

Fritz Lohgarten war über sich selbst entsetzt Mit was für Augen betrachtete er denn die kleine Traute?

Richt mit den Augen eines Vormundes son­dern mit den Augen eines toll Verliebten!

Jawohl! Da half keine Beschönigung vor sich selbst. Er wußte es am besten, wie es um ihn stand. Gr liebte Traute!

So! Es war viel richtiger, sich das selbst ein­mal ruhig und ehrlich einzugestehen.

Und somit war es am besten, er schob einen Riegel zwischen Traute und seine sündhaften Wünsche und heiratete schon in nächster Zeit Ilse Wiedener!

Denn was feilte das andere? Zu was sollte es führen?

Du könntest sie heiraten!"

Ganz klar und deutlich hörte Lohgarten diese Stimme, die aus seinem eigenen Herzen kam.

Er blickte sich um. Durch die offenstehende Tür sah er Traute, wie sie den feinen Kopf über die Arbeit gebeugt hatte.

Was hinderte ihn denn. Traute an sein Herz ?iu nehmen? Sie würde doch nicht darauf erpicht ein, reich und groß zu werden? Sie mit ihrem einfachen, bescheidenen Charakter?

Das Wichtigste: Er wußte nicht, ob sie ihn liebte!

Und es würde und konnte ja doch auch nicht sein. Er war ja viel zu alt für sie. ®r konnte beinahe ihr Vater sein. Einen solchen Mann liebt man nicht, wenn man jung und schön ist wie Traute Dolscher!

Alter schützt vor Torheit nicht. Nirgends stimmte das Sprichwort besser, als wenn es auf die Liebe angewandt wurde.

Er stand auf und ging hinüber. Traute blickte kurz auf, dann arbeitete sie ruhig weiter. Und doch klopfte ihr das Herz heftig und schmerzhaft wie immer, wenn er kam.'

Er trat zu ihr:

Macht es viel Umstände, Fräulein Dolscher, wenn Sie mir zuerst diese Rotizen ins Duch über­tragen? Ich wollte heute mit Herrn Wiedener über Verschiedenes sprechen und brauche dazu eine fertige Uebersicht."

Gewiß kann ich das, Herr Lohgarten. Ich will sofort..Unter seinem Dlick brach sie ab.

Er nahm ihre beiden Hände mit schmerzhaft festem Druck in die seinen.

Traute ich liebe Sie!"

Das Mädchen fühlte, wie alles im Zimmer sich langsam zu drehen begann. Eine Seligkeit senkte sich über sie, die ihr das klare Denken versagte.

Der Mann sah es. Er neigte sich und küßte die schmalen, feingeschwungenen Lippen.

Traute hielt still, wie erstarrt. Aber dann schrak sie zusammen. Das Erinnern kam. Das Erinnern an das, was Vater gesagt.

Er wird Ilse Wiedener heiraten. Dann wird die alte Firma in neuem Glanz erstehen. Allein, ohne fremde Hilfe schafft er es nicht mehr, so gern er es auch mochte. Und diese Heirat ist eine direkte Pflicht für ihn, denn er kann dann alle Arbeiter wieder einstellen, wenn erst der Reich­tum des alten Wiedener hinter ihm steht!"

Traute strebte von dem Manne fort. Befrem­det blickte er in das schöne, junge Gesicht.

Traute?"

Ich liebe Sie nicht. Wie durften Sie das tun? Und ich bin mir auch viel zu schade als Zeit­vertreib für einen vornehmen Mann, selbst wenn ich diesen Mann liebte/

Traute fragte sich später oft, wie es ihr mög­lich gewesen war, diese harten, schroffen Worte zu sprechen. Aber es mochte das Gefühl sein, eine gute Tat, die die restlose Einstellung aller bisher entlassenen Arbeiter bedeutete, nicht auf- halten zu wollen. Oder sie glaubte eben doch daran, daß der Mann ein flüchtiges Wohlgefallen an ihr fand, und daß rhr Herz sich empört da­

Frankreich seinen in London erziel- tentaktischenSiegsich schmälernlas­sen und hinsichtlich des Ortes der Konferenz nachgeben werde. Auch für die englische Regie­rung, die sich endgültig auf Genf festgelegt hat, sei es schwierig, von der einmal gemachten Zusage abzugehen. Da offensichtlich auch sehr wenig Aussicht besteht, die deutsche Regie­rung zu Überreben, ihre Vertreter^nach Genf zu fenben, so erblickt berEvening Stan- darb" eine Lösungsmöglichkeit darin, die Deut­schen zur Annahme einer Formel zu bewegen, die ihnen die Rückkehr nachGenf ermöglicht. Die Londoner Presse weist ausführ­lich darauf hin, daß die deutsche Antwort Gegenvorschläge enthalte, und den Haag vielleicht auch Lausanne, in Vorschlag gebracht hatte.

Aus aller Welt.

Schweres Eisenbahnunglück in Frankreich.

7 Iu(e, 15 Schwerverletzte.

Unweit des Bahnhofes Cörence (Departement Manche) fuhr ein vollbesetzter Personenzug in höchster Geschwindigkeit auf einen rangie­renden Güterzug auf. Die ersten Wagen des Pevsonenzuges und mehrere Wagen des Güterzuges wurden buchstäblich zertrümmert. Sieben Reisende, 5 Männer und 2 Frauen, wurden als Leichen geborgen. 15 Reisende wurden schwer verletzt.

Zwei Todesurteile in einem Mordprozeß.

Das Schwurgericht in Saarbrücken hat dieser Tage zwei Todesurteile gefällt Ange­

klagt waren die Witwe Elisabeth Linz und ihr Liebhaber, der HUfsarbeiter Josef Klein, beide aus Ommersheim (Saarpsalz). Die Angeklagten waren beschuldigt, in der Rächt zum Karsamstag d. I. gemeinschaftlich den Ehemann der Linz mit Deilhieben ermordet zu haben. Beide An­geklagten wurden wegen Mordes zum Tode ver­urteilt Ob das Urteil vollstreckt werden wird, steht noch nicht fest..

Schmugglerjagd bei Köln.

Der Zollfahndungsstelle in Köln war dieser Tage ein Schmuggeltraftwagen von der Grenze her gemeldet worden. Bei Grevenbroich wurde der Kraftwagen zum erstenmal gesichtet. Jetzt setzte eine wilde Jagd ein, die erst bei Pul­heim in der Rähe von Köln endete. Als ber Schmuggler keinen Ausweg mehr sah, sprang er ab und versuchte zu flüchten. Die Zolls beamten streckten den Flüchtling durch einen Schulterschuh nieder. Der Mann, der aus Gladbach-Rheydt stammt, wurde dem Kranken­haus zugeführt. Der Schmuggler übte seine Tätig­keit schon feit nahezu zwei Jahren aus. In dem Kraftwagen fand man 1,5 Zentner geschmug­gelten Tabak.

Todesslurz eines bekannten Rennreiters.

Einer der bekanntesten Renn- und Turnier- reiter Europas, der tschechische Kapitän P o p - ter, verunglückte in Pardubitz tödlich. Popler konnte in der berühmten Steeplechaise Zweiter werden, bestieg dann für das nächste Rennen noch einmal ein Pferd und stürzte hier­bei so unglücklich, daß ihm das Pferd mit dem Huf den Schädel spaltete.

Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 17. Oktober 1932.

Feuerwehr- und Saniiäisübungen.

Gestern mittag sanden auf Oswaldsgarten und in der Sonnenstratze an dem Eckgebäude der Neuen Bäue Hebungen der beiden Gießener Freiwilligen Feuerwehren und der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz statt, die um es vorweg zu betonen erneut Die ausgezeichnete Durchbildung aller Mannschaften und damit die volle Schlagfertig­keit der Organisationen eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Zunächst marschierten die Wehren und die Freiwillige Sanitätskolonne mit ihren Geräten auf Oswaldsgarten auf, wo sie von Stadtbrand­direktor Braubach und den Kommandanten der Feuerwehren bzw. dem Führer der Sanitäts­kolonne, ferner von verschiedenen geladenen Gästen besichtigt wurden. Dabei zeigte sich, daß die Ausrüstung der Wehren und die Pflege des Materials alle Anerkennung verdienen. 2n gleicher Weise lobenswert ist die Vertrautheit der Mannschaften mit den Geräten, die sich so­wohl auf Oswaldsgarten, wie auch bei der an die Besichtigung anschließenden Schau- und Werbeübung der Wehren und der Sanitäts­kolonne in der Sonnenstratze zeigte. Hier wurde das angenommene Drandobjekt, die Besitzung

gegen wehrte, die heiße Liebe auf diese de­mütigende Art belohnt zu sehen.

Fritz Lohgarten sagte:

Ich bitte Sie in aller Form um Verzeihung für die Entgleisung, die ich mir soeben zuschulden kommen lieh, Fräulein Dolscher. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß ich mich nicht wieder vergessen werde."

Traute sah ihn an, aber sie konnte die Züge seines geliebten Gesichts nicht erkennen, weil ihr die Augen voll Wasser standen. Und auch ihr törichtes, junges Herz weinte jetzt: Wenn es doch möglich gewesen wäre? Wenn er mich wirk­lich liebte?

Aber fast gleichzeitig mahnte die Vernunft:Es konnte niemals sein, und darum ist es gut so, daß du den Mut sandest."

Von nun an sprach Fritz Lohgartmr nur noch das allernötigste mit Traute. Aber nur er wußte, was es ihn kostete, überhaupt noch in der Rähe des liebreizenden Geschöpfes zu arbeiten.

WaS sollte er bann aber tun? Er konnte sie doch nicht entlassen? Oder ihr einen andern Po­sten geben? Es hätte doch in beiden Fällen aus- gesehen, als hätte sie den jetzigen Posten nicht zu feiner Zufriedenheit ausgefüllt?

Und wer Weitz, was man noch alles» reden würde?

Er hatte das kleine, schöne Mädelchen geküßt! Und er hatte es ehrlich gemeint! Gegen sie und gegen sich selbst!

Er wollte Traute heiraten und sich selbst vor einer reichen, liebeleeren Ehe bewahren!

Es war anders gekommen. Traute hatte ihm stolz gesagt, datz sie ihn nicht liebe.

Run war alles gleich! Alles!

Run konnte er auch diese Geldheirat schließen. Gut würde er ja immer zu seiner Frau fein, lieben würde er sie nie. Die Liebe hatte er erst jetzt kennengelernt. Eine echte, große, heilige Liebe!

Er hätte es sich aber denken können! Traute mutzte vor ihm zurückschrecken. Er war ja viel zu alt für sie.

Still und blaß tat Traute ihre Pflicht.

An einem Herbsttage, der recht kalt und un­freundlich war, tarnen Herr Wiedener und seine Tochter in die Fabrik und liehen sich beim Chef melden. Der war gerade mal einen Sprung hinüber in die Wohnung gegangen, wurde aber in Kürze zurückerwartet, denn er hatte den Buchhalter um diese Zeit bestellt, um Unter­schriften zu geben.

Traute empfing inzwischen die Herrschaften und fiihrte sie in Herrn Lohgartens Privat- bureaiL

Ilse lehnte schweigsam im Sessel, nachdem Traute das Zimmer verlassen hatte. Ihre Lip­pen waren wie ein schmaler Strich, und der Aus­druck ihres Gesichts war finster, fast gehässig.

Herr Wiedener hatte sich vergnügt umgesehen. Schmunzelnd rieb er sich die Hände, weil es so mollig warm und gemütlich hier war.

Da fiel fein Blick auf die Tochter. Das be­hagliche Schmunzeln schwand aus seinem Gesicht. Er kannte das. Wenn sie das Gesicht so verzog und die Lippen zu einem schmalen Strich zu« sarnmenpreßte, dann war nicht gut Kirschen essen mit ihr.

Ilselein, was hast du denn?" fragte er vor­sichtig.

Seine Tochter sah ihn mit böse flackernden Augen an:

Hast du dir eigentlich das Mädel schon mal angesehen? 2a? llnb da soll ich nicht eifer*

des Klubs an der Ecke Sonnenstrahe-Reuen (Bäue, von den Feuerwehren unter der Leitung des Drandinspektors Wenzel innerhalb weniger Minuten vollkommen eingekreist, so datz die Weh­ren denBrand" schnellstens von allen Seiten wirksam bekämpfen konnten. Wit präziser Sicher­heit und großer Schnelligkeit waren die Feuer­löschgeräte von den Mannschaften in Stellung gebracht, die Lösch- und Rettungsarbeit mit Ruhe und Präzision begonnen und durchgcführt. Gleich­zeitig hatte die Sanitätskolonne Gelegenheit, meh­rere angenommeneVerletzte" sachgemäß mit erster Hilfe zu versehen.

In der abschließenden kritischen Besprechung wurde den Feuerwehrmannschasien, wie auch den Sani­tätern von maßgeblicher Führerseite mit Recht vollste Anerkennung für ihre ausgezeichneten Leistungen ausgesprochen und dabei besonders betont, daß unsere Bürgerschaft sich unbedingt auf die volle Leistungsfähigkeit und Schlagkraft der Freiwilligen Feuerwehren und der Sanitätskolonne verlassen könne.

Im Kreise der Feuerwehrkameraden beider frei­williger Wehren überreichte zum Schluffe im Turm­haus am Drandplatz Stadtbranddirektor Brau­bach den nachbenannten Iubilaren die üblichen Feuerwehr-Ehrenzeichen für Verdienste: für 25jäh­rige Mitgliedschaft den Kameraden Betz, Kalb­fleisch, Leyerer und Heinrich Wagner, für

süchtig fein, wenn er hier täglich stundenlang mit ihr zusammen ist?"

Papa Wiedener war ehrlich erschrocken.

Aber mein Kind, ich bitte dich, wer wird denn da gleich an solche Sachen denken? DaS ist doch ganz ausgeschlossen. Rein, zum Lachen ist es. Der ernste, reife Herr Lohgarten und daS kleine Mädelchen, das hier in Lohn und Brot steht. 2ch gebe es zu, sie ist sehr hübsch, aber sie ist eben doch nur eine kleine Angestellte. Herr Lohgarten weiß vielleicht nicht einmal ge­nau, wie sie aussieht: das traue ich ihm eher zu als ein Verhältnis mit seiner Angestellten. So geschmacklos ist er nicht."

Er war sehr klug, der gute Vater Wiedener, und er wußte auch, daß er den rechten Ton der Tochter gegenüber getroffen. Den traf er übri­gens immer. Darauf verstand er sich.

2Ife atmete denn auch jetzt beruhigt auf.

»Du hast recht, Papa. 2ch bin ja verrückt, an so etwas überhaupt nur zu denken. Ganz gewiß wird er an dem jungen Ding keinen Gefallen finden."

Gewiß nicht!"

Herr Wiedener sagte es im Tone tiefster Ueberjeugung.

Bei sich dachte er wesentlich anders. Natürlich war das Mädel eine Schönheit, und wenn der Fritz Lohgarten nicht gar zu sehr eingefroren war, dann hatte er sicherlich etwas mit dem reizenden Dingelchen. Ganz bestimmt, darüber gab es für ihn keinen Zweifel. Die Frauen dach­ten da immer komisch, und man war am besten daran, wenn man ihnen nach dem Munde redete.

Aber sonst hm! 2hm sollte so ein kleines, schönes Mädel nicht ins Bureau schneien! Darin war er immer gescheit gewesen und bereute es nicht, sein Leben nach allen Seiten hin genossen zu haben. Denn was hatte man schließlich von seinem vielen Geld, wenn man wie ein Philister leben wollte?

Dann kam Fritz Lohgarten.

Er begrüßte die Herrschaften überrascht, unb das süße, hingebende Lächeln 2Ife WicdenerS widerte ihn plötzlich an. Ueberhaupt, was sollte dieser Besuch? Er liebte solche Überraschungen während seiner Arbeitsstunden nicht: daS wür­den sie sich wohl abgewöhnen müssen, seine zu­künftigen Verwandten!

Dennoch hatte er sich in der Gewalt und sprach freundlich und liebenswürdig mit seinen Gästen. Er wollte eine Erfrischung kommen lassen, aber Herr Wiedener erklärte, datz er mit seiner Toch­ter im Kell-Hotel frühstücken werde, wo er einen auswärtigen Geschäftsfreund erwarte. Der b ächte feine Frau und zwei Töchter mit. Sie hätten einander schon alle vor einigen 2ahren in Saß­nitz kennen gelernt, und so fei ja auch für Ilses Unterhaltung gesorgt!

Eie wären eben nur zu einem Plauderstünd­chen gekommen, sagte Herr Wiedener und schielte nach der Tür, hinter der er das schone, junge Mädel wußte.

Die Herrschaften gingen. Ilse hatte aber ganz zufällig und lächelnd gesagt:

Wenn ich mich später einmal verheiraten sollte, bann würde ich es nie dulden, datz mein Mann weibliche Angestellte hat. DaS Ziel dieser Mädchen kennt man ja, und es gibt genug Ehen, die in die Brüche gingen wegen solch einem Ge­schöpf."

(Fortsetzung folgt)

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