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17.10.1932 Erstes Blatt
 
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General-Anzeiger für Oberhessen

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Ur. 244 Erstes Blatt 182. Jahrgang Montag, 17. Oktober 1932

GietzenekAnzeiger

Die Parteien im Wahlkampf.

Die NSDAP, in Koburg.

Hitler am Zehnjahrcctaq des Marsches auf Koburg.

Koburg, 16. Ott. (Täl.) Zu der großen RSDAP-Kundgebung anläßlich der zehnjährigen Wiederkehr des Tages, an dem Adolf Hitler von München aus seinen er st en Marsch in die Provinz angetreten hat, waren aus allen Teilen des Reiches Zehntausende von Braun­hemden erschienen. Im> Koburger Hofbräuhaus 1 fand am Samstag ein Begrüßungsabend statt, auf dq/n u. a. Landtagsvizepräsident Bürger­meister Schwede und Landtagsabgeordneter Dietrich Ansprachen hielten. Als Festvor­stellung wurden im Landestheater dieMeifter- 'finger von Nürnberg" aufgeführt. Adolf Hit­ler wurde im Rathaus vom Stadtrat begrüßt. Den Rationalsozialisten, die vor zehn Jahren an dem Marsch nach Ko­burg teilgenommen hatten, wurden in einem Festakt besondere Ehrenzeichen überreicht. Die Kundgebung auf dem Sportplatz am Rach­mittag wies einen überaus zahlreichen Besuch auf. Auf der Tribüne wurde Hitler die in Form einer Plakette gehaltene Ehrenbürgerur­kunde der Stadt Koburg überreicht

Hitler hielt eine etwa halbstündige Ansprache, in der er an seinen Marsch nach Koburg vor zehn Jahren erinnerte und das ungeheure An­wachsen seiner Partei seit damals schilderte. Aus den 14 Millionen Deutschen, die hinter der Bewegung ständen, wolle er 20 bis 30 Millionen machen. Die Rationalsozialisten seien nicht, wie die Gegner behaupteten, in der Auflösung be­griffen. Sie würden unerschüttert aus dem Wahl­kampf hervorgehen. Anschließend an die Rede wurde das Deutschlandlied gesungen. Im Jahre 1922 habe die nationalsozialistische Bewegung zum erstenmal den Entschluß gefaßt, aus der Großstadt herauszutreten, nicht um Gewalt an­zuwenden, aber doch mit dem festen Vorsatz, brachiale Wider st ände durch bra­chiale Gewalt zu brechen. Deutschland gehöre nicht jenen, die nicht an Deutschland glaubten, sondern denen, die in Deutschland alles sähen. In diesen vergangenen zehn Jahren habe die Bewegung einen ungeheuren Sieg davongetragen. 540 000 SA.- und 60 000 SS.° Leute ständen ihm heute zur Seite. Das sei eine gewaltige Macht. Dazu kämen weit über 1 Mil­lion Parteigenossen und fast 14 Millionen Deut­sche. Die RSDAP., die größte politische Partei, habe das Recht, die Führung des Staa» tes zu verlangen. Wie früher, so werde ihr auch heute dieses Recht verweigert. Es gebe Politiker, die wünschten, daß doch die Rational­sozialisten verlieren möchten. Cs komme anders und große Teile des Volkes würden einmal ihrem Schicksal dankbar sein, daß dem Marxis­mus eine nationalsozialistische Bewegung gegen­überstehe. Man habe geglaubt, die Äational- sozialisten durch das Angebot von Ministerposten beugen zu können. Man kenne ihn, Hitler, aber schlecht. Was die RSDAP. in Deutschland er­strebe, das sei die politische Macht. Re­gierungen vergingen, aber das Volk sei das Bleibende. Man könne die nationalsozialistische Bewegung nicht unterkriegen.

SA.-Kundgebung in Frankfurt.

Frankfurt, 16. Oft. Die Frankfurter SA. veranstaltete im Hippodrom eine stark besuchte Werbekundgebung, zu der der Stabschef Röhm erschienen war. Er gab in kurzer Rode einen Ueber- blick über die Entwicklung der SA. unter seiner Führung, die fester und geschlossener denn ] e dastehe. Ihn freue es, der meistgehaßle Mann der NSDAP, zu sein, denn das zeige ihm, daß er auf dem rechten Wege sei. Die un­wahren Anwürfe seiner Gegner könnten ihn nicht abhalten, weiter seine Pflicht zu tun. In dem neuen Wahlkampf sei die NSDAP, wie Deutschland 1918 rings von Feinden umgeben, von rechts bis links hätten sich alle politischen Parteien zusam­mengeschlossen, um die nationalsozialistische Bewe­gung zu zerstören. Während ober das deutsche Volk 1918 nur von Hindenburg geführt wor­den sei, der nicht in der Lage gewesen wäre, die inneren Feinde des Volkes erfolgreich zu bekämpfen, stehe die NSDAP, unter der Führung eines Adolf Hitler der mit seinem eisernen Willen bis x u m endgültigen Siege der nationalsozialistischen Bewegung durch­halten werde. Das hohe Ziel der Partei müsse er­reicht werden, das dahin ziele, daß es nicht nur einzelnen gut gehe, sondern dem ganzen deutschen Volke. Dafür werde die SA. marschieren, dafür werde Hitler in den kommenden Wochen in 60 großen Versammlungen eintreten, auf das schließ­lich jeder wieder mit Stolz von sich sagen könne: Ich bin ein Deutscher!"

Der Stabchelm an Hitler.

Berlin, 15. Oft. (Täl.) Die Pressestelle des Stahlhelm-Bundesamtes veröffentlicht eine Stel­lungnahme der Stahlhelm-Dundesführer zu den letzten Ereignissen in Hamburg, wo sich nach einem Tlebersall auf Stahlhelmleute, unter den schwer durch Messerstiche Verletzten auch der stellvertretende Gauführer Korvettenkapitän a. S>. Lauenstein befindet:Angesichts der seit Mo­naten eingesetzten hemmungslosen und nieder­trächtigen Hetze gegen den Stahlhelm von Seiten der nationalsozialistischen Presse und tausender

von Rednern dieser Partei im Lande haben sich die Bundesführer des Stahlhelms schon am 5. Oktober 1932 art den Führer der Partei, Herrn Hitler, mit der Frage gewandt, ob er diese unglaubliche Hetze billige. Herr Hitler hat durch seinen Privatsekretär Heß am 7. Oktober 1932 antworten lassen, daß ihm von einer Hetze gegen den Stahl­helm nichts be könnt sei. Trotz dieser aus­weichenden Antwort hat der Stahlhelm-Bundes­kanzler im vaterländischen Interesse unter Auf­führung von Einzelbeispielen dem Privatsekretär Heß nochmals geschrieben, um den unsinnigen Streit im nationalen Lager zu beenden. Eine

Berlin, 16. Oft. (ERB.) Die Deutschnatio­nale Volkspartei veranstaltete am Sonntag im Reichstagsgebäude eine stark besuchte sozial­politische Tagung, auf der der Partei­führer Hugenberg eine Programmrede zur Sozialpolitik hielt. Es sei Zeit, so erklärte er, an die Wiederversöhnung von Kapital und Arbeit heranzugehen und die E n t p r o - letarisierung der Arbeiterschaft so­wie ihre gleichberechtigte Eingliederung in die Volksgemeinschaft herbeizuführen. Wirkliche So­zialpolitik bestehe in der Aussiedlung aus d e nGroßstädten und einer Konzentration der Industrie, in der Erweiterung des Lebens­raumes des Volkes, im Schutz und der Förderung der Familie. Die Deutsch nationale Volkspartei denke nicht daran, den Arbeiter und Angestellten der Willkür unsozialer Tlnternehmer preiszuge­ben. Sie kämpfe auch nicht gegen die Gewerk­schaften, sondern nur dagegen, was der Marxis­mus in den letzten Jahrzehnten daraus gemacht habe: Vergiftete Waffen in einem sirrnlosen Wirt­schaftskampf. Richt Abbau der Sozial­politik sei die deutschnationale Parole, sondern deren Erhaltung und Rettung durch eine Reform an Haupt und Glie­der n. Auch der Arbeiter erkenne, daß sein Schicksal viel mehr als von den Tarifen von der richt igen Behandlung des Arbeits­marktes und von einer nationalwirt- schaftlichenStaatsführung abhänge. In einem nationalen Staat sei das Kapital die­nendes Glied und habe Verantwortlichkeiten.

Klepper verteidigt sich.

Berlin, 15. Oft. (CNB.) Der frühere Präsident der Preußenkasse und preußische Finanzminister Dr. K l e p p e r. äußerte sich vor der Presse zu den Ver- öffentlichunaen über feine Geschäftsführung. Er ver­trat die Auffassung, daß die juristische Seite vollkommen einwandfrei sei und daß er die politische und moralische Verant- w o r t u n g für die ihm vorgeworfenen Maßnahmen übernehme, und zwar ganz allein. Aus dem Konto A sei die KorrespondenzGrüne Blät­ter" finanziert worden. Sie habe die agrarpolitische Richtung der Preußenkasse fördern und die zahl­reichen Angriffe abwehren sollen, die in jener Zeit gegen sie gerichtet wurden. Später sei noch eine andere agrarpolitische Korrespondenz unterstützt wor­den. Dr. Klepper bestritt entschieden, daß diese Mit­tel zur Beobachtung irgendwelcher politischer Be­wegungen benutzt worden seien.

Zu dem 12 - Millionen - Kredit der Stadt Köln erklärte Dr. Klepper, daß niemals mittelbar oder unmittelbar Verhandlungen mit der Stadt Köln stattgefunden haben und daß weder Reichskanzler Dr. Brüning noch der Reichstagsprä­sident eine Einflußnahme in dieser Angelegenheit versucht hätten. Es handle sich lediglich um ein n o r - rnales Kreditgeschäft mit der Deutschen Bank, wovon 10 Millionen im Wege der Aufrech­nung bereits abgedeckt seien.

Was dieKölnische Volkszeitung" an- langt, so habe die Staatsregierung es für notwen­dig gehalten, sie in dieser Weise zu unter- stützen: wenn ein Blatt von solcher Bedeutung infolge der wirtschaftlichen Lage in Schwierig­keiten gerate, so sei das natürlich ein Aus­fall für die Regierung. Im Falle des Magazins der Wirtschaft" gab Dr. Klepper offen zu,hereingelegt" worden zu sein. Den Kredit für Staatssekretär Abegg erklärte Dr. Klepper damit, daß eine Bank, mit der Dr. Abegg in Verbindung stand, zusammengebrochen war, so daß er sich an eine andere Bank wenden mußte. Der Kredit sei von Dr. Abegg voll zu­rück b e z a h l t worden.

Er stehe auf dem Standpunkt, daß die Verwen­dung von Mitteln zu politischen Zwecken aus staatspolitischen Erwägungen für eine Staatsregierung zulässig sei. Was eine Regierung für zulässig betrachte, bezeichne die Opposition als unmoralisch und verbrecherisch. Das sei ein immer wiederkehrender moralischer Wand­lungsprozeß. Wenn Gefahr für die ruhige sozial­politische Entwicklung bestehe, habe eine Regierung t>j,e Pflicht, bestimmte Bewegungen, Richtungen und Gedankengänge finanziell zu fördern. Jede Regierung tue das und habe das auch stets ge­tan. Wenn von der jetzigen Regierung Vorwürfe erhoben werden könnten, dann könne man darauf

Antwort ist bishernicht eingegangen. Unter dem erschütternden Eindruck der neuen Hamburger Dlutopfer wenden wir uns nochmals an den verantwortlichen Führer Hitler, der, wenn er wollte, dem Blutvergießen ein Ende machen könnte. Richt die einzelnen Mitglieder der RSDAP. sind die wahrhaft Schuldigen, sondern die Führer, Redner und Schriftleiter der RSDAP., die einen hemmungslosen und unver­antwortlichen Haß gegen jeden predigen, der nicht ihrer politischen Ansicht ist. Sie trifft in erster Linie die volle Verantwortung für das täglich vergossene deutsche Blut und die schweren Leiden in den betroffenen deutschen Familien."

Hugenberg setzte sich dafür ein, daß Kapitalisten und Tlnternehmer Ehrengerichten unterworfen sein sollen. Zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit sei der erste Schritt die Schuldenregelung. Sei dieser Schritt getan, dann werde auf der Grundlage einer richtigen Handelspolitik das Ar­beitslosenheer schnell zusammenschmelzen. Die Milderung der Rentenkurzungen bezeichnete Hu­genberg als den ersten Erfolg deutschnationaler Bemühungen. Er lehnte darüber hinaus auch die schematischen Lohnkürzungen der letzten Rotver- vrdnung ab und bekannte sich zu dem Grundsatz des Leistungslohnes. Aber zwei große Dinge habe dieses Kabinett doch unter Hinden­burgs Segen gemacht: Abschüttelung der Landplage Parlamentarismus und Beseitigung des Kriegszustandes zwischenReichundPreuhen. Das berech­tige zu der Hoffnung, daß auch die anderen bren­nenden Fragen in mutiger Weise gelöst werden.

Rach kurzen Dorträgen über die Lage der In­dustriearbeiter, der Landarbeiter und der An­gestellten wurde einstimmig eine Entschließung an­genommen, in der Hugenberg der Dank für sein energisches und zielbewußtes Eintreten für die Lebensinteressen der deutschen Arbeiter und An­gestellten ausgesprochen und erklärt wird, daß man alles daransehen wolle, um die Oeffentlichkeit er» keimen zu lassen, daß nur auf diesem Wege soziale Rot und Wirtschaftskrise überwunden werden kön­nen. In einer geschlossenen Beratung befaßte man sich dann noch mit der Reform der Sozial­versicherung.

nur sagen, daß man nur deshalb einen Vorwurf erheben könne, weil nicht zu viel, sondern zu wenig getan worden sei. Er, Klepper, habe sich die Ab­neigung bestimmter Gruppen und Interessenten zu- gezogen, weil er für eine Agrarreform eingetreten sei. Diese, seine Stellungnahme sei der Schlüssel zur ganzen Situation.

Die 12 Millionenanleihe der Gtadi Köln.

Köln, 15. Ott. (ERB.) Das Städtische Presse­amt in Köln gibt folgende Mitteilung aus: 1928 hatte die Stadt Köln zwecks Konsolidierung ihrer gesamten kurzfristigen Schulden Verhand­lungen mit ausländischen Danken an» geknüpft Es war ihr eine Anleihe von 12 Mil­lionen Dollar in Aussicht gestellt worden. Gleich­zeitig hatte sie einen Vorschuß auf diese An­leihe in Höhe von 6 Millionen Dollar erhalten. Infolge der ablehnenden Haltung der Genehmi- gungsstelle für Ausländsanleihen kam der Ab­schluß der langfristigere Anleihe nicht zustande und die Stadt Köln mußte in der zweiten Hälfte des Jahres 1930 den Vorschuß von 6 Millionen Dol­lar z u r ü ck z a h l e n. Zu diesem Zweck wurden ihr u. a. von der Deutschen Bank insgesamt 12 Millionen Mark vorübergehend zur Verfü­gung gestellt. Die Deutsche Bank verlangte diesen Betrag vor Ultimo Dezember zurück. Verhand­lungen mit der Preag zwecks Gründung einer Gesellschaft für den Betrieb der Städtischen Elektrizitätswerke, durch die eine Konsolidierung der schwebenden Schulden der Stadt Köln herbei­geführt werden sollte, konnten bis zum 31. Dezem­ber keinesfalls zum Abschluß gebracht werden, so­daß die Rückzahlung aus den hier eventuell flie­henden Beträgen nicht möglich wurde. Oberbür­germeister Adenauer wandte sich an den Präsi­denten der Zentralgenossenschaftskassen, Klep­per, der ihm erklärte, daß er nach den Statuten der Preußenkasse einer Gemeinde keinen Kredit geben könne, er könne aber der Deut­schen Dank 12 Mill. Wechsel zu Diskontzwecken zur Verfügung stellen. Die Rückzahlung des Be­trages an die Deutsche Dank seitens der Stadt Köln ist noch nicht erfolgt, weil infolge der katastrophalen Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland der Plan einer Ver­gesellschaftung ihrer Werke undurchführbar wurde.

WirischastsbelebungundBraugewerbe.

Der Notbund der deutschen Brauerei­lieferanten hat auf seiner Generalversamm­lung in München eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Reichsregierung wird dringend gebeten, die Wirtschaftsbelebung auch vom Brau­gewerbe her vorzunehmen und eine weitere

Hugenberg über beuWnaüonale Sozialpolitik.

Die FinaWkbahnW der preußenkasse.

energische Senkung der Bier st euer zu verordnen. Nach wie vor ringem die Brauerei­lieferanten schwer um ihre Existenz. Ihnen ist die Landwirtschaft aufs stärkste verbunden. Zieht ja der 50prozentige Absatz- und Produktionsrück­gang der Brauereien automatisch die Unverwend­barkeit der vollen Hälfte der Gesamtproduktion an Braugerste und eines großen Teils des Hopfens im Deutschen Reich nach sich. Aber auch die gewerb­lichen Betriebe, deren Jnlandgeschäft durch die immer noch mehrere 100 v. H. über den Dor­kriegssätzen liegende Bierbesteuerung völlig dar- nieberliegt und die infolge der Einfuhrbeschränkun­gen auch in der Ausfuhr keinen Ersatz dafür finden, können von den in der Notverord­nung liegenden Möglichkeiten vor einer durch­greifenden weiteren Senkung der Biersteuer keinen Gebrauch machen. Erst eine solche Senkung wird dem Braugewerbe und den zahllosen von ihm le­benden Industrien und Gewerben den Aufschwung geben, der in den Zähmen der Maßnahmen der Reichsregierung notwendigerweise hineingehört.

Giahlhelm und neuer Gtaatsgedanke.

Selvte spricht in Kaiserslautern.

Kaiserslautern, 16. Ott (ERB.) In einer Wahlkundgebung des Stahlhelms (Gau Pfalz) beschäftigte sich Bundesführer Seldte mit der Stellung des Stahlhelms zum neuen Staatsgedanken. Rachdem der Stahlhelm in drei­zehnjährigem Kampfe sich durchgerungen habe, habe sich endlich auch einmal einReichs- k a n z l e r gefunden, der sich mit dem Ideen­gang des Stahlhelms identifiziere. Hm Ordnung zu schaffen, müsse das Wahlrecht geän­dert werden. Das rote System sei in Scherben gegangen, nun solle man einmal die anderen ans Ruder lassen. Aus diesem Grunde habe der Stahlhelm ein Arbeitsprogramm auf- gestellt, das mit dem 1. April 1933 in An­griff genommen werden müßte. Der Stahlhelm wolle nur dem Staate dienen, er kämpfe nicht um Ministersessel und sein Ziel gehe ledig­lich darauf hinaus, dem deutschen Volke nach innen und außen Achtung und Ansehen zu ver­schaffen. Der Stahlhelm wolle auch keinen Bruderkrieg. Wenn es zu Zwistigkeiten mit den Rationalsozialisten gekommen sei, so seien diese allein schuld daran. Der Stahlhelm sei überparteilich. Zum Schluß betonte der Redner die Forderung auf Rückgabe der ehe­maligen deutschen Kolonien und appellierte an die Wähler, am 6. Rovember einer starken nationalenRegierung zum Siege zu ver­helfen.

Wchlkundgebung des Christlich- sozialen Volksdienstes.

F r a n k f u r t a. M., 16. Okt. (Lpd.) Im Anschluß an eine Landesvertreteroersammlung veranstaltete der Christlich-Soziale Volksdienst eine Kundgebung. Als erster Redner sprach der Gewerkschaftsführer Behrens. Nach Ausführungen über die wirt­schaftliche Not wandte er sich dem Wahlkampf zu, bei dem die staatspolitischen Dinge etwas mehr in den Vordergrund treten würden. Das Entscheidende fei nicht der Streit über Papen, sondern die Frage, ob unsere Verfassung so wie der Reichspräsi­dent sie jetzt anwende, richtig sei, oder nicht. Hindenburg habe die Präsidialregierung so gebildet, wie es die Verfassung vorschreibe. Das Mißtrauens­votum in der heutigen Form sei ein Unding. Der Reichstag müsse aber auch in Zukunft eine Körper­schaft bleiben, die die Regierung kontrolliert, kriti­siert und durch weitgehende Rechte beeinflussen kann. Bezüglich der Frage der Neugestaltung der Staatsordnung erklärte der Redner, daß eine Personalunion zwischen Preußen und dem Reich kommen müsse, doch sei es bedenklich, die Struktur Preußens so zu ändern, daß der preu­ßische Staat in seinem Eigenleben verschwinde. Die Papenschen Notverordnungen seien nicht besser, als die Brünings. Es sei aber erfreulich, daß die Re­gierung die Unter st ützungssätze erhöhen wolle. Bedenklich sei auch die Bevollmächtigung der Regierung für den Umbau der Sozialversicherung. Auch das Wirtschaftsprogramm sei nicht ohne Be­denken. Anschließend sprach Pfarrer V e i d t über den kulturpolitischen Teil des Programms des Christ­lich-Sozialen Volksdienstes.

Der Alldeutsche Verband im Wahlkampf.

23 e r [ t n, 15. Ott. (TU.) Die Hauptleitung des 201- deutfchen Verbandes hat an alle ihre Ortsgruppen folgende Kundgebung gerichtet:Die vergangenen Monate haben die sichere Erkenntnis gebracht, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei sich von wesentlichen ihrer Grundsätze derart weit entfernt hat, daß sie als preisgegeben gelten müssen. Die Partei hat das Lager der Gegner des parlamentarischen Systems verlassen und ist zum ausgesprochen st en Parlamentarismus übergegangen. Sie hat sich bereit gefunden, mit dem Zentrum zusammen zu arbeiten und leistet diesem dadurch Hilfe, wieder zu der beherrschenden politischen Schlüs­selstellung zu gelangen. Die NSDAP, hat schließlich den marxistifchen Strömungen in ihren Reihen immer mehr Raum gegeben. In diesen Tatsachen kann die Hauptleitung des Alldeut­schen Verbandes nicht ein sog. taktisches Vorgehen erblicken: sie sieht in ihnen eine Wandlung in den Grund anschau ungen der NSDAP., die so ernst und entscheidend ist, daß sie den Mit-