VEködlEtz
323403
349107
129471
145295 169503 203085 245166 260516
132137 149102
170541 217635
248274 269863
126206
138799
165716
200000
242075 258327
287572
328013
362326
liebem
305878 306295 . 346793 354601 375353 392654
2 Prämien zu
men zu je 3000, 2 @e» ! 300000, 2 ju je 200000, 75000, 8 ju je 50000, 10C00, 892 zu je 5000, e 2000,4872 811 je 1000, jt 400 HU
331630 348144
386467
03 5528 34107 38648 5438 57303 61231 61577 9749 74145 8512489804 100148 105748 112700
139 19749 23784 26236 3237 79631 8359683705 J13426 116697 117853
207647 209431 216271 249850 265941 274389
305904 322961 —”
gezogen
10667
568 52838 z ?
Ä392848 bSLLO
1126 3& 298469 '7 23241 9r,4,397538 11051 111 er, 8 35401 2468 i® 18253 1218 97?i2 179612 2299 230R7r 200652 1378 251 Ma 235874
2316 U222
LZZ
MHZ WH III N 383065 365008
Mgen
'S s SB 3297 335582 339706 592 27716 29325 32253 ,9=104 05487 110276 168177 183297 196971 1'1708 220292 243447 539743 340243 348*4
rüg
<6« in.
”0
leiben-5.04757
J WbS:1lIbf,9‘ artDeit®.!......mmn
i \b.tetannteWrfeni a’\ Statt in ®Men>
>5D 33, 159.
UNS' c@e; j, o. 4713
Torfmull
SNS
K.Lrechslee
►n
geb- ff ffl Kü
hr i en, 52,
üi eite be latä erk. Ian !xp. JL inet
;n werben rm. .Pi rn.
MW!
Verschiedenes] Detektiv K. 6m,
rt'Ä4llW
SöAZ! 50Ö M
Jeden Licnstagu. Freitag von -illtir. MM SSL s Betten
Klnderb«“»
PoWJ'ittKÄ öS? t*
rzen
K|netB
_ßt. 192 Sruhaussabe
182. Jahrgang
Mittwoch, 17. August 1952
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags.
Btilagen: Di« Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle
Monatr-Vezugspreir:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 180 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, üernsprechanschliisse
unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben.
Postscheckkonto: Hrankfurl am Main 11686.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Drud und Verlag: vrühl'sche Univer7uat§-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Stehen. 5christleitung und Geschäftsstelle: ZchulNrahe 7.
Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Ne» Klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u , mehr.
Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Cange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Biehen.
preußische Regierungsbildung Ende dieser Woche?
Berlin, 16. August. (VDZ.) 3n unterrichteten parlamentarischen Kreisen wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. erklärt, daß man vermutlich Ende dieser Woche über die Neubildung der preußischen Regierung bereits klarer sehen könne. Man ist in diesen parlamentarischen Kreisen o p l i m i st i s ch in bezug auf das Zustandekommen von Regierungsbildungsverhandlungen zwischen den Rationalsozialisten und dem Zentrum, vis vor den Reichstagswahlen hätten solche Verhandlungen immer unter der besonderen Schwierigkeit gestanden, dah das Zentrum nicht geneigt schien, den Nationalsozialisten die Position des preußischen Ministerpräsidenten ju- zugestchcn. Für diese Haltung des Zentrums sei nicht bis zuletzt bestimmend gewesen, dah in einem solchen Falle die Nationalsozialisten d i e Mehrheit im D r e i m ä n n e r k o 11 e g i u m erhalten würden und dann jederzeit in der Lage wären, den Landtag auszulösen. Jetzt hört man in maßgebenden Zentrumskreisen, daß an der Frage des Dreimännerkollegiums jedenfalls nicht die Regierungsverhandlungen als solche dauernd scheitern dürsten. Unabhängig davon, wie der Ausgang solcher Verhandlungen sein werde, könne man nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen annehmen, dah die nationalsozialistische Mehrheit im Dreimännerkolle g i u m nicht mehr so entschieden für eine baldige Wiederauflösung des Parlaments eintreten würde. Ob die zu erwartenden Regierungsverhandlungen einen positiven Ausgang nehmen, vermöge jetzt noch niemand zu sagen. Der versuch ihrer Durchführung müsse von verantwortlichen Politikern sofort unternommen werden. Aus dieser Meinung scheint sich zu ergeben, daß das Zentrum jetzt geneigter ist, den Rational- so ; ialisten die Position des preußischen Ministerpräsidenten zuzugestehen. 3n diesem Falle würde das Zentrum wahrscheinlich wert darauf legen, den preußischen Innenminister, vielleicht in der Person des jetzigen stellvertretenden Reichskommissars Dr. B r a ch t, zu stellen.
Der Preußische Landtag, dessen Einberufung für die nächste Woche bevor- stchen dürste, könnte bei einem positiven Verlauf der erwähnten Verhandlungen bereits in.diesem Sihungsabschnitt die Wahl des Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung fetzen. Denn nach einer etwaigen grundsätzlichen Einigung zwischen den beiden maßgebenden Parteien ließe sich die Regierungsbildung ohne Mühe innerhalb von 48 Stunden durchführen. Landtagspräsident fterrl hat übrigens sämtliche Pressekarten zum 30. September d. 3. für ungültig erklärt. Für die Erneuerung der Karten sind einschränkende Bestimmungen vorgesehen und die Erklärung, für welche politische Partei ausschließlich oder vorwiegend berichtet werden soll.
Dis ORVp. für Popen.
Berlin, 16. August. (BDI.) Die deutsch- nationale Fraktion des Preußischen Landtags hielt heute eine Sitzung ab, über die von der Fraktion folgender Bericht herausgegeben wird:
„Der Fraktionsvorsitzende erstattete einen eingehenden Bericht über die polnische Lage. Einst i m m i g wurde zugestimmt, dah die Reichs- regierung unter ft ü t werden müsse, wenn sie jetzt im Reich und in Preuhen nach dem Zu
sammenbruch des parlamentarischen Systems und nachdem sich die NSDAP, der Mitarbeit versagt, als wirkliches Präsidialkabinett unabhängig oon den Parlamenten regieren will.
Die deutschnationale Landtagsfraktion erwartet, daß in Preußen durch den Rcichskommis- f a r ein ordnungsmäßiges, mit nationalen Fachleuten besetztes Äabinctt gebildet wird. Sic erwartet weiter, daß die von der früheren preußischen Regierung lediglich aus parteipolitischen Beweggründen crnannte'n und beförderten Beamten weiter von ihren Aemtern beschleunigt entfernt und durch jugendstarke nationale Männer ergänzt werden, damit die nach 13jähriger schwarz-roter Mißwirtschaft notwendigen kulturellen und wirtschaftlichen Gesundungsmaßnahmen endlich durchgesührt werden können.
Die Verordnung des Reichskommissars über die Zusammenlegung von Kreisen und Amtsgerichtsbezirken wurde einmütig als völlig verfehlt bezeichnet.
Scharfe Worte der OAVp. gegen die ASOAp.
Berlin, 16. Qlug. ($11.) Unter der Heber, schrift „Ritterlich?" veröffentlicht die DRDP. folgende Erklärung: „Der Reichs. Präsident hat die jetzige Reichsregie rung ohne Fühlungnahme mit den Parteien und ohne
Stabschef Röhm und Gruppenführer
München, 16. Qlug. (ERL.) 3m „Völkischen Beobachter" veröffentlicht Stabschef R ö h m einen Aufruf an d i e S A.» uni) 6 S.-M ä n - ner. Darin heißt es u. a.: Der Führer hat am 13. August ein Ansinnen, das hinzunehmen ihm Volk und Würde und die Anerkennung eurer Kämpfe und Opfer verbieten, zurück» gewiesen. Der weitere Weg ist damit vorgezeichnet. Politische Einsichten dämmern langsam. Die Macht der Verhältnisse wird jedoch das Tempo beschleunigen. Die Fronten stehen klar:
hier NSDAP., dort alle übrigen Parteien und verbände.
Wir kämpfen allein, und diese stolze Erkenntnis tann unseren Kampsesmut nur stärken. Roch entschlossener wird unser Wille, unsere Bedingungen werden härter, da Einsätze und Opfer sich erhöhen. 3n berechtigter Abwehr der marxistischen Bluttaten ist in einigen besonders bedrohten und heimgefuchten Gebieten scharfe Rotwehr und Vergeltung erfolgt. Ich sehe es als eine Ehrenpflicht an, den Rlännem, die in Ausübung ihres Rotwehrrechts gehandelt und dauernd unter Verfolgung und Strafe ge- stellt wurden, in jeglicher Weise beizustehen.
Für die SA. und SS. tritt nunmehr eine kurze
Kampfpause ein. Einige organisatorische Maß
nahmen werden in dieser Zeit durchgesührt.
Rach dieser wohlverdienten Ruhe stehen auf neuen Befehl SA. und SS. wieder ausgeruht und neu gestärkt auf ihrem Platz, bereit für die Ausgabe, die ihnen Vorbehalten und die ihr unveräußerliches Recht ist.
*
Der Berliner SA. -Führer Graf Hell- dorf veröffentlicht im „Angriff" folgenden Grup -
deren Mitwirkung gebildet. Ebenso ist bc'annt und steht fest, daß er bei seinem Entschluß, Herrn Hitler nicht die Machtvollkommenheit eines Mussolini zuzuerkennen, die Herr Hitler bei feiner Unterredung mit dem Reichs. Präsidenten verlangt hat, von niemanden beraten oder beeinflußt worden ist. Trotzdem bringt es der „Angriff, für den Herr Dr. Goebbels verantwortlich zeichnet, in seiner Rr. 164 vom 15. August fertig, den Entsch uß des Reichspräsidenten, den er bei feinem Alter „nicht verantwortlich machen will", auf eine Einbläserei „gewissenloser Intriganten aus dem Hugenberglager zurückzuführen". Die Erklärung skizziert die entsprechenden Stellen aus dem „An- griff wörtlich und fährt fort: „Politischer Anstand und politisches Reinlichkeitsgefühl sollten eine Kampfesweise, wie fite Dem glorreichen System von 1918 eigen ist, auch dann unmög- l i ch machen, wenn die Wu t über eine Po- Iitische Schlappe die Feder führt. Ein natürliches Gefühl der Selbstachtung verhindert uns, auf diese Explosion Parteip o l i t i f d> en Hasses, die eine nationale Schande ist, einzugehen. Die Mahnung des Reichspräsidenten an Hitler, „die von ihm angekündigte Opposition der RSDAP. ritterlich" zu führen und seiner Verantwortung vor dem Vaterland und vor dem deutschen Volke bewußt zu bleiben, „scheint für Teile
I der RSDAP. nur zu berechtigt zu fein.“
Graf Helldorf an ihre Kameraden.
penbesehl an die SA.: „Die Verhandlungen zwischen dem Führer und dem Reichspräsidenten sind abgebrochen worden. In völliger Verkennung der tatsächlichen Machtverhältnisse in Deutschland glaubte der Reichspräsident, dem Führer eine Beteiligung an dem bürgerlichen Kabinett Papen Schleicher an- bicten zu können. Die selbstverständliche Forderung des Führers heißt:
volle Macht und damit volle Verantwortung für die NSDAP.'
Die innerpolitische Entscheidung, die wir SA. Männer in diesen Tagen erwarteten, ist damit für kurze Zeit hinausgeschoben worden. Ich verstehe wohl, Kameraden, daß ihr alle, die ihr mit Ungeduld auf d i e Entscheidung gewartet habt, jede weitere Verzögerung schwer ertragt. Auf der anderen Seite verlange ich von euch nationalsozialistischen Kämpfern die Einsicht, daß die SA. nur dazu geschaffen ist, die Politik des Führers zu unterstützen. Eigene politische Wünsche haben zurückzustehen. An den großen revolutionären Aufgaben, die ihr zu erfüllen haben werdet, hat sich nichts geändert. Lediglich der Zeitwinkt ist verschoben worden, und ich nehme an, daß
bereits in den nächsten Wochen die politischen
Voraussetzungen für die Machtübernahme durch die NSDAP, gefchaffen fein werden.
Allen Einwendungen gegenüber gibt es nur eine Antwort: Wir sind Soldaten der NSDAP, und haben dem Führer zu gehorchen.
Bis zum 28. d. M. ist der S A. weitgehend Urlaub zu gewähren. Ab 28. d. M. tritt Ur» laubssperre ein.
Aufrufe au die SA. und SS.
Landnöten.
Ein Kanal ist gebaut worden, ein Naturfluß wurde durch Ausbaggerung, Einbau von Schleusen und Einfassung und Befestigung der Ufer schiffbar gemacht. Dieser Kanal geht uns sehr viel an. Er liegt im ehemaligen deutschen Elsaß- ß o 11) r i n g e n; er ist vom armen Deutschland dem reichen Frankreich geschenkt worden, denn deutsche Firmen haben in dieses Friedenswerk die Arbeit ihrer Ingenieure und Wasserstraßenbau-Sachoer- ftänbigen gesteckt, haben deutsche Arbeiter an den zu kanalisierenden M o s e l t e i l zwischen den Städten und Festungen M e tz und Dicden- Hofen geschickt, und alle sind von der Reichsregie, rung entlohnt worden. Dieser Kanal wurde nämlich, nachdem Jahre vergangen sind, in denen immer wieder die Folgen des Weltkrieges angeblich bereinigt worden sind, auf Repara.tionskonlo geliefert. Und die deutsche Qualitätsarbeit, die da geleistet worden ist, empfing ihre letzte Weihe durch den französischen Staatspräsidenten Lebrun, durch den Ministerpräsidenten S) c r r i o t und durch den Minister für Qefsentliche Arbeiten D a l a d i e r. Wir haben nichts darüber gelesen, daß man so courtoisievoll gewesen wäre, wenigstens vor Deutschland die Reverenz zu machen, wie das unter höflichen Leuten üblich ist. Den Franzosen haftet doch in der ganzen Welt ein Geruch besonderen weltmännischen Gehabens an. Nein, der deutsche Botschafter war zur Eröffnung des Kanals nicht eingeladen. Frankreich, das durch den Krieg und feine Folgeerscheinungen so vervollkommnet wurde, daß es heute einen von Deutschen aufgebauten Streifen der „zerstörten Gebiete" besitzt, wie er in der ganzen Welt in bezust auf Hygiene und Zweckmäßigkeit seinesgleichen sucht, Frankreich, das so repariert wurde, daß es in seinem Gold erstickt, Frankreich, das es durch seine vernunftwidrige Sicherheitspolitik endlich so weit gebracht hat, daß die natürlichen Handelsbeziehungen der Volker zerstört wurden und als Folge einer 35-Millionen-Arbeitsiosenarmee in allen Zentren des Erdballs hungert und eine stete Gefahr für dos soziale Fundament der gegenwärtigen Geselljchastsordung bildet, dieses Frankreich hak wieder ein Stück deutscher Arbeit und deutschen Fleißes in Besitz genommen und entbindet sich nicht, unsere verständlichen Gesühle durch seine Staatsmänner ironisieren zu lassen. Denn, ist es vielleicht keine Ironie, wenn Herr Lebrun meint, die Fertigstellung dieses Kanals fei „im Sinne einer Wiederannäherung der Volker" erfolgt; wenn Herriot, der ewige Maire aus Lyon, in feiner spießerhaften Art und in seinem Dünkel sagt, diese von Deutschland erpreßte Arbeit, die kanalisierte Mosel, sei „ein Weg des Friedens", ist es vielleicht keine Ironie, wenn der Minister für Qefsentliche Arbeiten, Data- d i e r, sich dazu versteigt, zu jagen, „nichts sei wünschenswerter, als eine loyale Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und französischen Volke zu erreichen". Wir konnten mit Bitterkeit und Sarkasmus diese Wortfetzen zerpflücken. Wir konnten sagen, daß es den Franzosen so passe, wenn die Deut; scheu weiterhin bei ihnen fronten und sie selber „Fettlebe" machen dürfen, während das Ganze unter dem Stichwort „loyale Zusammenarbeit" von amtlichen Sonntagsschwätzern geht. Nein! So geht es nicht! Schluß mit jeder A r t von ‘Hepar a t i o n e n! Endgültig und schnell!
3m Strafvollzug des deutschen Rechtes gibt es eine Etrafart, die weder als entehrend gilt, noch für den also Bestraften besondere Unannehmlichkeiten mit sich bringt. Wer früher einmal wegen Teilnahme an einem Zweikampf verurteilt wurde, wer aus Ueberzeugungsgründen heraus ein politisches Vergehen oder Verbrechen begeht, hatte bei der Verurteilung nach den Bestimmungen des Reichsstrafgesetzbuches immerhin, die Chance, zu einer mehr oder minder langen Festungshaft verdonnert zu werden. 3in Rahmen der jüngsten Rotverordnung ist diese verhältnismäßig leicht zu ertragende Strafe erheblich verschärft worden; für die politischen Häftlinge bedeuten die neuen Bestimmungen eine Erschwerung der Festungshaft, wie man sie wohl nie erwartet hat. Sechs Monate ober selbst drei Jahre Festungshaft waren immer verhältnismäßig gut von den Delinquenten zu ertragen. Aus militärischen Ueberlieferungen ist diese Strafe entstanden, deswegen wurde sie auch tatsächlich meist in ehemaligen deutschen Festungen vollstreckt. Während das Gefängnis und das Zuchthaus nur die festver- schlossene Zelle kennt, ging es in der Festung etwas freier zu. Dcr Raum des Häftlings wurde tagsüber nicht verschlossen, der Festungsgefangene konnte ein- und ausgehen, wie er wollte, und wenn es ihm beliebte, einen Ausflug in die Stadt oder noch weiter zu machen, so genügte eine kurze Rücksprache mit dem Festungskomman- danten, um auch das Tor zu diesem ritterlichen Gefängnis zu offnen. Heber seine Verpflegung bestimmte der Festungsgefangene — allerdings nach Maßgabe der ihm zur Verfügung stehenden Mittel — selbständig, während der kriminelle Gefangene sich auch in dieser Angelegenheit streng in die Ordnung der Strafanstalt einzufügen hat. Riemand zwang den Insassen der Festung eine bestimmte Kleidung auf, die so diffamierend wirkt wie die Tracht des Strafgefangenen. Auch wie sich die Festungsgefangenen ihre Zeit vertrieben, blieb ihnen allem überlassen: sie konnten nach Lust und Laune einen Dauerskat dreschen, konnten lesen oder schreiben, konnten Schach spielen. De- suche durften sie empfangen, ohne daß eine einschränkende Hausordnung ihnen dabei wie in der Strafanstalt zeitliche Abstände vorschrieb. In Zukunft wird das anders sein. Die Mißbräuche, die sich beispielsweise im Falle des Leutnants Scheringer in der Festung Gollnow besonders klar nachweisen ließen, führten mit Recht zu der An
sicht, daß bei dieser Art von Vollstreckung von einer Strafe nicht mehr zu reden fei. Das so überaus freizügig gewährte Staatsquartier konnte sogar — und das haben die Kommunisten oft genug gründlich besorgt — zu politischer Agitation benutzt werden. Die neuen Vorschriften fassen auch den Festungsgefangenen erheblich härter an, verwehren ihm den freien Ausgang ohne Aufsicht, schließen ihn auf mindestens sechs Stunden täglich in der Zelle ein und führen sogar einen gewissen Zwang zur Selbstbeschäftigung herbei. Unter diesen Umständen wird sich fortan keiner mehr nach der Festungshaft sehnen, und das kann bei der Bekämpfung des Terrors vielleicht auch von Ruhen sein.
Der Führer des Freistaates Irland De Valero., der in der jüngsten Zeit schon so viel von sich reden machte, hat in seinem Kampf qeqcn England ein neues Mittel ersonnen, um den Mutterstaat zu treffen. Sein Bestreben geht schon längere Zeit dahin, den Tre u e i d g e- gen England abzuschaffen, damit Irland völ. lig frei und selbständig arbeiten könne. Weil das irische Parlament, der Senat, aus wohlver- stündlichen Gründen mit der Erledigung der ent- sprechenden Gesetzesvorlage bisher zögerte, will De Balera eine Strafaktion durchfuhren, und die kann seiner Meinung nach nur darin bestehen, daß er durch Gesetz den irische nSenat kurzer - Hand abschafst. Rach den ersten Äußerungen von Regierungsmitgliedem scheint es tatsächlich so. als ob das offizielle Irland sich dem Entschluß D e Da leras zu fügen gedenkt. Aber gerade daraus läßt sich schließen, daß der Hieb wohl nicht so sehr gegen den irischen Staat gerichtet * ist, sondern vielmehr den Zweck hat, die Radel-
stichpolitik gegen England fortzusetzen. Kein Parlament der Welt würde es sich so einfach gefallen lassen, daß eine so wichtige Staats- einrichtung wie der Senat durch Beschluß kassiert wird. Wenn ausgerechnet in Irland bei einer derartigen Androhung alles still bleibt, dann hat das seine tieferen Gründe. D e Dalera , der Exponent des irischen Freiheitswillens, läßt fein Mittel unversucht, um sein L aa n d dem britischen Imperiums zu entreißen. Daß ihm selbst die Parlamentarier dabei Hilfestellung leisten, ist ein Beweis dafür, wie stark der revolutionäre Wille des Landes ist.
Arbeitsbeginn im neuen Reichstag.
Berlin, 16. Qlug. (DDZ.) Wie das Rachrich- tenbureau des BDZ. meldet, werden noch in dieser Woche die parlamentarischen Arbeiten im neuen Reichstag ausgenommen. So hat die sozialdemokratische Fraktion des neuen Reichstags ihre erste Fraktions- sihung für Freitag, 19. August, einberufen. Auf der Tagesordnung stehen die Besprechung der politischen Lage, sowie die Beratung der im Reichstag einzubringenden Anträge und Gesetzentwürfe, deren wesentlichen Inhalt wir bereits gemeldet haben.
Am Samstag findet eine Fraktionsfuh- rerbesprechung statt, in der über die notwendige technische älmorganifation im neuen Reichstag verhandelt wird. Dabei kommt es in erster Linie auf die Aenderung der Platzverteilung, auf die Reuregelung der Arbeitsräume für die in völlig veränderter Stärke wiederkehrenden Fraktionen und auf ähnliche Dinge an. Das Büro des Reickstags hat eine Vorlage ausgearbeitet, die als Beratungsgrundlage dient.
Heber den Termin der ersten Plenar f i t - zung des Reichstags ist amt'ich noch nichts bekannt, doch dürfte es hierfür beim 3 0. August bleiben.
Wettwirtschaftskonferenz erst Mitte November?
London, 16. Aug. (WTB.) Die Weltwirt schastskonferenz soll, einer Meldung des „Daily Telegraph" zufolge, erst nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen Mitte November stattfinden. In politischen Kreisen Washingtons habe man darauf hingewiesen, daß es schwierig wäre, eine amerikanische Delegation am Vorabend der Wahlen zu ernennen. Den Vorsitz auf der Weltwirtschastskonserenz soll übrigens, wie das gleiche Blatt zu berichten weiß, Ramfay Macdonald führen.
Dor neuen Verhaftungen in Spanien.
Paris, 16. Aug. (WTB.) Havas berichtet ausMadrid , daß laut Verordnung im Staatsanzeiger Generalleutnant Darrera, der ehemalige Generalkapitän von Katalonien, aufgefpr» dort wurde, sich innerhalb von acht Tagen i m Kriegsministerium z u melden. Generalleutnant Barrera, der als Kriegsminister der Gegenregierung Sanjurjo ernannt worden war, ist seit Mittwoch aus Barcelona verschwunden. Auch der Brigadegeneral Miguel Ponte ist auf dem gleichen Weg aufgefordert worden, sich zu melden. Die Polizei nimmt weitere Verhaftungen vor. So wurde u. a. in Sau Sebastian der Herzog Grimaldi festgenommen.


