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16.11.1932 Frühausgabe
 
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182. Jahrgang

Mittwoch, (6. November (952

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«, vetlagen: Die Illustrierte Eichener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle

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Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dntd und Verlag: VrLHNsche Univerfitätr Such- und Sleindruckerek K Lange in Gießen. Zchristleltung und Geschäftsstelle: Zchnistrahe 7.

Annahme von rinze.gr» für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.TKyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An­zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen.

Oie drei Kreise.

Die Welt muß gestaunt hoben, als die Fran­zosen einen Plan zum Problem der Abrüstung und Sicherheit antündigten und als man in Deutschland zu erkennen gab, dah man an das De.sprechcn Hoffnungen knüpfte. Die Zweifler sagten allerdings sofort, daß man erst ab­warten müsse, w e derplan constructif im einzelnen aur ehen werde. Die Zweifler haben Recht behalten. Der französische Plan ist jetzt veröffentlicht worden, und diedrei Kreise", von denen Boncour sprach, und von denen man sich einen Ausweg aus dem unmöglichen Zu­stand des Hebermilitarismus auf der einen und der erzwungenen Abrüstung aus der anderen Seite erhoffte, sind in blauen Dun st zer­flossen.

Im Grunde hätte man annehmen müssen, daß ein ^ausgearbeiteter Plan konkretere Züge als die vorausgehenden Ankündigungen tragen würde. Das Gegenteil ist der Fall. Es wird wohl selten «inen Dertragsvorschlag mit so labiler, mit so wenig faßbarer Ausdrucksweise gegeben haben als denplan constructif". DieBe- dingi'heiten" undGegebenheiten", von denen er spricht, sind so wenig scharf umrissen, dah man selbstverständlich hinter ihnen die Absicht suchen mwj, der entscheidenden Notwendigkeit in den internationalen Beziehungen auszuweich en und hinter einem Schleier Versteck zu spielen. Und wenn das Wortallmählich" in dem Sprach­schatz desplan constructif eine so große Rolle spielt, so wird man auch fragen müssen: warum keine Zahlen?

Der Argwohn, mit dem man dem inneren der angecündigten drei Kreise entgegen,ehen mutzte, war wie das entscheidende dritte Kapitel des 5)er- riot-Planes zeigt nur allzu sehr berechtigt. Das Sichertsjyftem, das sich Frankreich auf- gcbaut hat, >st für uns völlig unannehmbar. Es verfolgt, wie zu erwarten war, kein anderes Ziel, als die Welt erneut an die unseligen Fric- densoerträge zu binden. Der Kreis der Unterzeich­ner und Garanten der Verträge soll nur noch er- w.itect werden. Der Völkerbund soll sich zum Hüter der Friedensverträge he.abwü.- , l .n lassen. Sinn nichts weiter als eine Entwürdi- r ung wäre es, wollte man hen Völkerbundsrat ia.u.if verpflichten, sich bet seinen Entscheidungen ausschließlich an die bestehenden Verträge zu binden. An tvrti Tage, an dem das geschehen würde,--e 6j t.m den Völkerbund geschehen. Es gibt keine n.iu.liche Mach! in der Welt, geschweige denn eine k stich gewollte, wie die des V'lkerbundes, die ininae wäre, sich gegen die Entwicklung zu stemmen.

Wer verlangt, daß eine Völkerorganisatkon, die nicht gegründet ist w.e ein Kegelllub, sondern deren B.stand auf Iah»Hunderte berechnet ist, sich an den Zustand gefunden betrachtet, wie er gegenwärtig ist, verlangt nicht mehr und nicht weniger als den Stillstand der Welt. Das erinnert an die bezopften Ratsherren des 16. und 17. Jahrhunderts, die Verträge schlossen auf ewige Zeiten. Die Ewig­keit dieser Verträge hat nie lange gedauert, im 16. Jahrhundert nur bis zu der großen Pestperiode, im 17. Jahrhundert dis zum Dreißigjährigen Krieg. Die wenigen, die diese großen Umwälzungen erlebten, fühlten nach Wiederkehr geregelter Zu­stande kein Bedürfnis mehr, sich auf die für die Ewigkeit geschlossenen Verträge zu berufen. Die po­litische Verklammerung des fontinentaten Status quo, die sich Herriot zum Ziele gesetzt hat, ist noch wider- nakiirl.cher und für uns noch unerträglicher als ein einfaches Ostlocarno.

Wenn wenigstens an die politischen Voraus­setzungen des französischen Planes die Anerken­nung verdeutschen Gleichberechtigung geknüpft wäre! Aber nach den Vorschlägen Herriots kommt die Gleichberechtigung am Ende. Deutsch­land wird gleichberechtigt sein, wenn die Welt ab- gerüftet haben wird, Wenn alle Staaten ihren Rüstungsstand auf den Stand der deutschen Rüstun­gen herabgesetzt haben werden. Allmäh.ich wie sich am Rande versteht. Dazu bedurfte es keines konstr--.kt.oen Planes. Dazu haben wir schon den Versailler Vertrag. Uns liegt aber gar nichts daran, diesen lag der Abrüstung aufs Neue ins Unbe­stimmte hinauszuschieben. Nachdem mehr als ein Hohrnchnt ins Land gegangen ist, halten wir jetzt den Zeitpunkt für gekommen, die damaligen Sieger- ftaaten an ihre feierlich übernommene Pflicht zu er.nnern.

Die an s ch begrüßenswerte Idee Herriots vo.n gleichen Wchrlystem für alle werben wir auch nicht leichtsinnig isoliert betrachten können. Wir werden, uns an den alten Vor­schlag Tardieus c^-nnern müssen, der in den neuen lonstrukt.ven P.an hineingearbeitet wurde. Es ist der Plan von der Hausmacht des 'Völkerbundes, wonach die schweren An- griffswafsen dem.kerbund ausschließlich zur Ve.fügung stehen sollen. Damals ist das Für und Wider einer solchen Dölkerbundsarmee aus- g'cbig erörtert worden. Man hatte den Ver­dacht und es ist Frankreich nicht gelungen, die Welt vom Gegenteil zu überzeugen, daß es Frank.eich nur darauf ankomme, seine schweren Angriffswaffen zu erhalten und sie als Treu­händer des Völkerbundes im eigenen Lande zu verwahren.

Es ist möglich, daß Herriot zu diesem Plan Tardieus Ergänzungen konstruiert hat. Vielleicht wird er heute nicht mehr fordern, dah die Völker- Lundswaffen in den Arsenalen der französischen Festungsstädte aufbewahrt werden, sondern in einem neutralen Land. Richt in der Schweiz, wo sie jedem zugänglich wären, sondern i n Spanien. Spanien ist neutral, und Herriot

Auch das amtliche Deutschland von dem französischen Abrüflungövorschlag enttäuscht.

Eine wirkliche Abrüstung sott durch die ganz auf die Gicherheitsbedürsnisse Frankreichs und die Aufrechterhaltung des Status quo in Europa eingestellten Vorschläge bis in alle Ewigkeit verschleppt werden.

Die amtliche deutsche Stellungnahme.

Berlin, 15. Rov. (ERD.) Rach Beurteilung der amtlichen deutschen Stellen charakterisiert sich der gestern veröffentlichte französische Plan durch feinen Aufbau von vornherein nicht als als ein Abrüstungsplan, sondern als ein Plan zur politischen Organisierung Europas nach den bekannten französischen Gesichtspunkten. Es sind in neuer Form die alten Gedanken des Genfer Proto­kolls, die hier wieder aufgenommen werden, und die schließlich auf die Sicherung des territorialen Status quo hinauslaufen. Dabei enthält der Plan zwei wesentliche logische Konstru.. onsfehlec. Er verbindet einmal Maß- ncHmen, die sofort verwirklicht werden könn­ten und mühten, mit solchen, deren Durchfüh­rung lange Zeit erfordern würde. Fer­ner macht er Sicherheitsvorschläge, die eine bereits vollzogene allgemein« A b r ü st u n g und einen gewissen Rüstungsaus­gleich zwischen allen Slaaten zur Voraussetzung haben müßten.

Die Frage der deutschen Gleich­berechtigung wird in dem französischen Plan vollständig offengelassen. Die Verwirklichung unserer Ansprüche wird in eine ungnv. e Zukunft verschoben, wenn auch eine Art Rahmen dafür durch die Bestimmung ge­schaffen ist, daß in allen Staaten dieselbe heeresorgan.sakion zur Durchführung gelangen soll.

Zu Ten einzelnen Punkten des Plans ist folgendes zu bemerken: Soweit das Kapitel I des franzll.fi- schen Plans in Frage lommt, sind hier nach wie vor die in Anlage b zum Locarno-Vertrag fest- gelegten Vorbehalte von Bedeutung, die sich aus die besondere militärische und geographische Lage Deutschlands be- zichen und die ft ';, in diesem Iahr viele Staaten zu eigen gemacht haben. Die vorauszusehende englische Ablehnung einer Erweiterung des Sanltionssystcms hat die französische Regierung dazu geführt, zum Ke.npunkt ihres Sicherheits­systems den europäis'chen kontinenta. len Richtangriffspakt zu machen. Hier erheben sich alle die Bedenken, die deutscherseits seit Iahrcn gegen ein solches System geltend ge­macht worden sind.

Dle politische Hegemonie, gegründet auf mili­tärische Ucberlcgenheit einzelner Staat.n und Siaalenaruppen wird hier verewigt. Das französische Bündnissystem wird in völker- bundssorm sanktioniert, wobei das ganze System von demjenigen Staat als bequemes Instrument gehandhabt werden kann, der sich mit seinen Trabanten im Völkerlundsrat eine einfache Mehrheit zu schaffen vermag.

Besonders charakteristisch für die frcmzösis che Einstellung ist dabei die Einzelbestimmung über bestehende besondere Vereinbarungen, womit na­türlich die Entmilitarisierung des Rheinlands gemeint ist, die mit allen sich daran knüpfenden militärischen Konsequenzen in Geltung bleiben soll.

Die Vereinheitlichung oder Standardisie­rung der europäischen Festland­armeen ist wohl der einzige gesunde Gedanke, den der srar^ösische Plan enthält. Deutscherseits besteht kein ®ru i>, diesen Punkt und den damit verknüpften Vorschlag einer besonderen Dölker- bundsarmee abzulehnen. Sehr zweideutig sind die Ausführungen des fran'ösifchen Plans über die Sonderstellung der Kolonial­mächte, die anscheinend ihre 'Kolonialarmeen nicht oder nicht wesentlich abzurusten brauchen. Der größte Teil der französischen Kolonialarmee von 250 020 Mann langgedienter Truppen ist

nur wenige Dampfer stunden von dem französischen Mutterland entsernk, zum Teil ist er sogar in Frankreich garnisoniert.

Völlig grotesk mutet der Vorschlag an, das den Milizarmeen zu entziehende schwere Mate­rial unter einer nominellen Völker- bundskontrolle in den einzelnen Ländern selbst tu lagern und jedem Staat nach seinem Ermessen, falls er sich angegriffen fühlt, wieder zur Verfügung zu stellen. Dah auch andere angegriffene Staaten auf dieses Material zurück- greifen können, ist utopisch, da. ja doch die An­gehörigen einer Mikizarmee mit schwerer Ar­tillerie, an der sie nicht ausgebildet wurden, und mit Flugzeugen nichts anzufangen wüßten.

Auf diese Weise will Frankreich es vermeiden, seine ungeheuren Mengen schweren Materials durch Zerstörung, die Deutschland hundertpro­zentig durchführen mußte, auch nur zu redu­zieren. Ls sichert sich damit eine lleberlegenheit auf dem Gebiet der qualitativen Rüstungen, die dazu führen muß, die Ungleichheit, die wir bekämpfen, zu ver­ewigen.

Alle Gesichtspunkte einer durchgreifenden und radikalen Abrüstung fehlen völlig. Es ist keine Rede von einer Abschaffung der Schisse über 1OOOO Tonnen und der ll-Doote. Zur Abrüstung der Luftstreitkräfte wird nur Bekanntes wieder­

holt. Die Abrüstungswirkung des französischen Plans müßte, wenn er angewandt würde, recht geringfügig sein. Die nächste Wirkung wäre je­denfalls eine Vertagung der effektiven Abrüstung auf längere Zeit. Der Plan ist auch in seinem bescheidenen militärischen Teil vollkommen aus die französischenDe- dürf nisse und die Entwicklung des sranzösi- scheu Heeres zugeschnitten, das auf dem Wege einer fortschreitenden Verkürzung der Dienstzeit nunmehr an der Milizgrenze angelangt ist. Der Plan sieht vor. daß andere Staaten dem französischen Beispiel folgen sollen, um denAb» stand, der zwischen dem französischen und ande­ren Heeren besteht, aufrechtzuerhalten.

Tatsächliche Gleichberechtigung und die Sicher­heit, die aus der allgemeinen Abrüstung ent­springt, wird anderen Staaten nicht gewährt. Diese werden auf juristische Sicherungen verwiesen sowie auf den Schuh, den ihnen die französische Armee aus Grund des Artikels 16 zuteil werden lassen würden. Damit soll die politische Su­prematie, wie sie sich aus der militärischen Wehrmacht ergibt, verewigt werden. Das Fehlen von konkreten Vorschlägen für die Ver­minderung der militärischen Kräfte muh auf das schwerste enttäuschen.

Der deutschen Zwietracht mitten ins Heiz." poliiische Tragikomödie um die Ehrung Gerhart Hauptmanns.

Die Hauptmann-Feier im Schauspielhaus.

Verleihung der Goldenen Ltaatsmedaillc du.ch de t Reichsko. missar.

Berlin, 15. Rov. (TU.) Im Staatlichen Schauspielhaus sand am Dienstagabend anläßlich des 70. Geburtstages von Gerhart Haupt­mann e.ne würdige Fe.er statt, zu der zahlreiche Vertreter der Re.ch-regierung, der preußischen Behörden, des Diplomat.lchcn Korps, Persönlich- leiten aus Kunst, Wissenschaft, Handel und In­dustrie erschienen waren. Der eigentlichen Feier ging die Fe st Vorstellung vonGabriel Schillings Flucht" voraus. Anlchließend versammelten sich die Festteilnehmer, um der Ue&ergabe der Goldenen Staats- medaille an Gerhart Hauptmann bei- zuwohnen.

Reichskommissar Dr Brachi hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er dem Jubilar zunächst die herzlichsten und aufr chligsten Glüciwünsche des Reichs­präsidenten v. Hindenburg übermittelte. Ramens der Reichsregierung und der kommissari­schen preußischen Staatsregierung schloß er sich diesen Wünschen des deutschen Staatsoberhauptes an. Bracht fuhr dann fort: Die Feier Ihres 70. Geburtstages fällt in eine Zeit eigen­artiger politischer Konstellation. Es könnte die Frage auftauchen, wer hier in den Räumen des preußischen staatlichen Schauspiel­hauses am ehesten befugt fei, den Staat zu reprä­sentieren, der hierher eingeladen hat, um den großen Dichter des deutschen Volkes zu ehren. Ich glaube, es würde sich manche sorgenvolle St.rn der Politiker und Rechtsgelehrten glätten, wenn wir nur die Frage zu'en hätten, z u wessen Zuständigkeit die Ehrung Gerhart Haupt wnns gehört. Den Beschluß, den d i e preußische Staatsregierung am Mon­tag gefaßt hat. deckt sich mit der Entschließung,

die die Kommissare des Reiches schon vor längerer Zeit getroffen haben. Er ist eine Bestätigung unsres Wunsches, Ihnen zu Ihrem Ehrentage zu zeigen, daß der Staat sich dessen bewußt ist, daß er seinem großen Bürger Dank schuldet. Alle Teile haben sich beeilt, Ihnen diese Ehrung zum Ausdruck zu bringen. Rehmen Sie dies, verehrter Meister, als ein Zeichen dafür, daß Ihre Ehrung eine Sache des gan­zen deutschen Volkes ist. das Ihnen die Worte des Florian GeyerDer deutschen Zwietracht mitten i n s Herz" auch in kommenden Generat onen niemals vergessen wird.

Dr. Bracht teilte dann als Kommissar des Reiches für das Land Preußen mit, daß die preußische Staatsregierung den Grundstock z u einer Stiftung gelegt habe, aus deren Erträgnissen jährlich ein oder einige deutsche Schriftsteller, ins­besondere der jüngeren Generation, ein Stipen­dium erhalten sollen, das ihnen ermöglicht, einmal auf eine gewisse Zeit ganz ihren dichterischen Auf­gaben sich zu widmen. Diese Stiftung soll den Na­men Gerhart - Hauptmann - Stiftung tragen. Die Stipendien sollen nur mit Hauptmanns persönlicher Zustimmung erteilt < werden. Die Stiftung "verfügt bereits über ein Kapital von annähernd 50 000 Mark. Hierauf überreichte Dr. Bracht dem Jubilar die Goldene Staatsmedaille, die bisher erst einmal, nämlich an Mar Liebermann, verliehen worden ist, gleichzeitig mit der dazu gehörigen U r - künde, die das Siegel Preußens trägt. Die Ur­kunde hat folgenden Wortlaut:

Gerhart Hauptmann wird hiermit In An­erkennung seiner Verdienste um die Kunst die Goldene Staatsmedaille verliehen. Für den preußischen Ministerpräsidenten: Der Kommissar des Reiches, gez. Dr. Bracht, für den preußi­schen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung: Der Kommissar des Reiches gez. Koehler/

Gerhart Hauptmann

dankte auf die Ansprache Brachts mit herz­lichen Worten. Reichspräsident v. Hin­denburg habe ihn am Dienstagmorgen als

scheint srch umgesehcn zu haben, ob es dort Plätze gibt, wo die französischen Waffen gehortet wer­den könnten. Ratürlich könnten die Waffen vom Völkerbund dort nicht in Anspruch genommen werden, wenn ein Konflikt so liegen sollte, daß der Völkerbund sie gegen Frankreich gebrauchen müßte. Was heute die Krankheit des Völker­bundes ist. nämlich, dah die Welt nicht wagt, Beschlüsse zu fassen, die der französischen Politik nicht liegen, müßte zu einem dauernden Siech­tum des Völkerbundes werden. Rein, so geht es nicht. An bem Wortlaut desplan con­structif wird die Welt leicht erkennen, daß es Frankreich nicht auf Abrüstung, Sicherheit und Frieden ankommt, sondern auf die Unter­mauerung der französischen Hege - monie auf dem europäischen Konti­nent. Damit ist für die deutsche Außenpolitik die Richtung wieder gegeben.

England über die ungünstige Aufnahme in Berlin überrascht.

London, 16. Nov. (WTB.-Funkfpruch.) Die Londoner Blätter sehen heute von jeder weiteren kritischen Aeußerung zu dem französischen Plan ab, offenbar im Hinblick auf die morgen zu erwartende Genfer Rede des britisch^en Staatssekretärs des Aeußeren Sir John S i m o n.- Sie begnügen sich bamir, in Tele­grammen aus Berlin, Paris und Genf über den dori entstandenen Eindruck zu berichten. Besondere Beachtung findet die u n g ü n |t i g e Aufnahme der französischen Vorschläge in Deutschland. Der Berliner Korrespondent derTimes" bemerkt, die deutsche Kritik an beinahe allen Punkten des Planes fei vernichtend. Es scheine keinen ein­zigen positiven Vorschlag zu geben, den Deutschland

zu unterstützen geneigt sei. Der Genfer Korrespon­dent derTimes" sagt: Die Verurteilung des fran­zösischen Planes in Berlin hat in Genf über­rascht und enttäuscht. Selbst Leute die nicht erwartet hatten, daß der Plan eine günstige Auf­nahme finden werde, sind nicht auf eine so feind­selige Rückäußerung gefaßt gewesen. Angesichts der deutschen Haltung ist es um so dringender not­wendig, daß Sir John Simon in seiner morgigen Rede Vorsicht mit Entschlossenheit ver­bindet. In Genf hat der französische Plan fol­genden Eindruck hervorgerufen: Der Plan ist in vielen seiner Einzelheiten so kompliziert, daß nur eine langwierige Prüfung und Erörterung deutlich machen kann, was eigentlich vor- ge schlag en wird. Man glaubt auch, daß viele der leichter verständlichen Vorschläge keine Aussicht auf Annahme haben werden. Aber trotz dieser Schwächen wird der Plan als eine geeignete Erörterungsgrundlage betrachtet.