Ausgabe 
16.9.1932 Erstes Blatt
 
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Samstag, IL September 1952

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Dberhefien)

Kr. 2(9 Zweiter Blatt

DaubMMs Kamps um die Wahrheit

Peter, nach einem tiefen Atemzug:

Nu sag' mal. Vater. wenn der Grüne, der gewissermaßen ein Blauer in Gelb ist, den Gehrock anzicht ist er dann ein S ch w a r z e r ?"

Hier klettert der Vater, ohne ein Wort der Er« widerung, einen hohen Baum hinauf.

Hochschulnachnchten.

Der Hamburger Privatdozent Dr. Albrecht 11 nf ölb hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Physik an der Universität Kiel als Rachfolger von Pros. Walter Kossel angenommen. Unsölds Spezialgebiet ist theoretische Physik unb Astrophysik.

Esther und Ian.

Von Werner jRufarf.

Esther und Jan hatten sich lieb. Esther und Jan gehören zusammen, Esther und Jan baden jeden Morgen im Meer.

Dann trägt Esther den Anzug, den Jan ihr schenkte, als er vom Militär wieder heimkehrte.

Das war vielleicht 'ne Sache!" Und dann erzählte Jan von der Kaserne, die so groß war, daß ein ganzes Regiment darin wohnte, und vom Leutnant, der etwas im Auge hatte, das so fürchterlich blitzte, und vom General mit dem schönen weißen Bart und von dessen Frau, die wie eine leibhaftige Königin ausgeschaut hatte und in einer Kutsche auf Gummi­rädern spazieren fuhr, und dann erzählte Jan vom Manöver, wo er den bösen Feind beinahe ganz allein umzingelt hatte, und hinterher wären sie im Biwok gelegen, und einer, der noch höher war als der General, sei gekommen und habe Jan auf die Schulter geklopft undmein Sohn!" zu ihm ge­sagt ja!

Und dann warf sich Jan in die Brust, und Esther fühlte an seinem Arm. wo die Muskeln wie Tauenden saßen, bis er sie lockerte und Esther einen vorklapste, die sich schnell und patsch wie ein junger Hund in den Sand kugeln, ließ, um dort in herzerfrischender Natürlichkeit zu jaulen, während Jan die Backen aufpustete und wie ein Schlachtschiff, das auf Grund gerät, aus sämtlichen Schornsteinnasenlöchern fauchte:

Und überhaupt, was so ein kleines Mädchen wohl schon vom Militär und von der großen Stadt ver­steht, in der Eisenbahnen ohne Lokomotive durch die Straßen fahren", und dann wußte Esther: gleich ist er bei den großen Läden und bei den hellen Schaufenstern und bei den Verkäuferinnen, die alle schön wie eine Photographie aussehen und sich wie ein Rudel Schneehasen auf einen jungen und frischen und etwas schüchternen Mann stürzen, der vor lauter Angst die Schuhe dreimal abkratzt, weil er glaubt in einen Palast oder, was noch viel mehr ist. in das Haus der Frau Oberst geraten zu sein: Was steht zu Diensten, mein Herr?

.Einen Badeanzug, hab ich gebrüllt , brüllt Jan noch heute, und dann will Esther sich in den Sand wühlen vor lauter Lochen. .

Aber, der Wahrheit die Ehre: das ist mellelcht auch ein Anzug!

.Zehn Kronen dreißig damit du es weißt . und auf dem linken Bein ist eine unwahrscheinlich schlanke unb vornehme Dame gestickt, und die gestickte Dame hält in der Hand eine Fahne,und ebensolche Fahne, damit du auch das weißt, hat im Manöver vor dem

öer Grüne.

Von Georg Mühlev-Schulte.

Der Vater geht mit seinem Sohn Peter in den Anlagen spazieren. Peter ist ein Herzchen von sieben Jahren. _ , , , .

Es kommt zwischen Vater und Sohn zu folgender Aussprache: r v .

..Peter trampel' nicht immerzu auf den Rasen, sonst ruf' ich einen Grünen."

Einen Grünen?"

''Was ist denn das, ein Grüner?"

Na das weißt du doch, das ist ein Polizist.

Warum heißt denn der Polizist Gruner?

Weil er eine grüne Uniform anhat ... Nein, warte mal. das war ja früher, heute tragen die Polizisten blaue Uniform." _ .

Na, dann müßte man doch die Grünen eigentlich Blaue nennen."

Tut man ja auch." m

Aber du hast doch gesagt, du willst n Grünen

ja ganz egal. Jedenfalls hab ich einen Blauen gemeint."

Vater?"

Was?"

Zeig' mir doch mal einen Blauen!"

Einen Blauen? ... Da, sieh mal da hinten ...

Do kommt schon einer." ,

Der? Der trägt doch eine gelbe Uniform.

Macht nichts. Es ist ein Blauer. Gelb tragt er bloß während des Sommers."

Na, jetzt ist doch Sommer."

Er trägt ja auch Gelb."

Aber wenn er Gelb trägt, dann kann man doch von dem Grünen nicht sagen, daß er ein Blauer ist.

Du bist ein ganz dummer Junge, verstanden/! Paß mal auf, gewissermaßen ist es ein Blauer in Gelb. So! Im übrigen nenn' ihn wie du willst. Bloß laß mich zufrieden!" m ri ,

Das Paar wandert eine Weile stumm nebenem- ander her. Dann bemerkt Peter aus tiefem Sinnen heraus:

Willi Schröders Tante ist gestorben."

Willi Schröder? Kenne ich nicht."

Na, dem sein Vater ist doch Polizist."

So?"

Ja. Morgen ist Beerdigung. Willi hat heute m der Schule erzählt, sein Vater geht in Zivil hin."

Das versteh' ich."

Er zieht dunklen Gehrock an.

Aha!"

und neunzehnten Jahrhunderts erhielt der deutsche Heroismus durch das Preußentum im Weltkriege im großen seine Form, unter der er uns heute bewußt ist. Dieser preußisch-deutsche Heroismus unserer Tage ist unverkennbar und einzig unter den Völkern. Diese vollkommene Einheit der Begeisterung und der Sachlichkeit, der zugleich über ihre Grenzen strebenden Trun- kenhÄt und in diesen Grenzen gebotenen Rüch- ternheit, diese in einer festen Form beschlossene Erscheinung der persönlichen Gewissensverantwor- tung und des genieinsamen Pflichtzwanges gibt es in der Welt nicht wieder. Hölderlin hat einmal, als in der Finsternis des Wahnsinns die Wolken über ihm zerrissen, seherisch von der heilig trunkenen Nüchternheit" gesprochen und damit die uns feit Preußen eigentümliche Ver­bindung der nüchternsten Tatsachenerkenntnis und der glühendsten Glaubensbereitschaft beim Hamen gerufen.

An der Front des großen Kriege- wurde das zum ersten Male vom gesamten Volk in der Wirk­lichkeit des Lebens verkörpert, und hier war es gerade das Ende des Krieges, das, indem es zur letzten Entscheidung zwang, diese Eigenheit des Preußisch-Deutschen zu seiner höchsten Voll­endung brachte. Hier wurde nicht mehr gefragt, hier wurde die Waffe mit der äußersten Präzision bedient, hier wurde der letzte, gallenbittere Bo­densatz der furchtbarsten Zumutung ohne mit der Wimper zu zucken, angenommen. Hier wurde ge­schwiegen. Mit genauerster Kenntnis des Ge­ländes, des Gegners, der Kriegsmaschinen, der absoluten Aussichtslosigkeit auf Sieg, der klarsten Erkenntnis der dicht bevorstehenden Riederlage und mit der schrecklichsten körperlichen Erschöp­fung wurde Hier gekämpft und über den bloßen Widerstand hinaus noch angegriffen. Die Ant­wort auf das Warum auszusprechen, war über­flüssig. Sie hießDeutschland", und jeder wußte das. Es gab kein Pathos und keine Geste. Alles hatte sich ins Innerste zurückgezogen und kam wieder hervor: sachlich, knapp, stumm. 2lber diese

Zelt des noch höheren Generals in der Erde gestan­den, und gerade an der Stelle hat ermein Sohn" gesagt", und dann ist Esther ganz klein und Jan muß tüchtig mit den Zähnen rumoren und schön und leise und langgezogen auf einem Grashalme summen, bis Esther wieder Mut bekommt und sich gnädig zeigt und ihm sagt, daß er sich nur nichts einbilden soll, wenn auch sein Vater zehn Acker Land mehr habe, denn schließlich käme es doch nicht auf die gestickte Dame an, die er von ihr aus gern wieder zurücktragen könne, wenn er die Frau nun einmal lieben müßte; und dann ist es jedesmal so weit, daß Esther ein paar richtige Tränen vergießt, und Ion sein Schnupftuch zieht, das so groß und fest wie ein Segel ist, und ihr damit um die Nase fährt, als hätte er eine Petroleumlampe zu scheuern, denn Klotz bleibt Klotz, und Jan bleibt Jan,und wenn du anders wärest und nicht so grob und tolpatschig, wie ein echter und hochseetüchtiger Hummerkahn, ach, Jan, ich glaube, ich hätte schon längst der Frau Oberst geschrieben, ich bedankte mich schön und hier wärest du nun, aber so, lieber Jan, ach, lieber Jan, lohnst du die Briefmarken nid)".

Und du nicht die zehn Kronen dreißig", schreit er zurück, und dann ist es wiederum Zeit, daß Esther ihre Kehrseite in acht nimmt und in den Sand flüchtet, wo er bald bei ihr vor Anker geht und sie von oben bis unten zuschüttet und zupackt; mit Sand, mit Gras eben: mit allem, was Jan so ist und Jan so liebt...

Nach einer ganz langen Weile:

Rühr dich doch mal!" ,

Aber Esther ist wohl eingeschlafen. Nur ihr Kopf schaut ja noch aus dem Sandhaufen heraus. Und wenn ihr Mund nicht wäre, der eben ein wenig lächelt, um sich gleich wieder ernst und gesättigt zu schließen, könnte man glauben, Esther wäre ganz und gar schon im Himmel und über alle Berge und in Siebenmeilenstiefeln fort und sehe nicht mehr, daß Jan nun eine Mundharmonika aus der Sacktasche nimmt und seine Backen aufbläst, um sich aus vollem Herzen und Halse in den Hohenfriedbergcr zu knien, daß Esthers Haar auf der Stirn vor lauter Seligkeit hochweht und wie eine kleine siegreiche Fahne über den geschlossenen Augen kerzengerade stehenbleibt ...

Am 21. Oktober 1916 erhält der Weinbauer Daubmann in Endingen den Brief eines Kompaniechefs, dessen Regiment bei Grancourt an der Somme steht. Rüchteme Worte, aber für die beiden alten Leute schicksalsschwer: Ihr Sohn Oskar ist als vermißt gemeldet. Monate hin­durch wartet man auf eine Rach richt aus fran­zösischen Lazaretten oder Gefangenenlagern, viel­leicht war er doch noch am Leben. Dann gaben die Eltern das Warten auf. 16 Jahre sind seit­dem vergangen. Alle Ermittlungen von privaten und offiziell Stellen hatten sich als vergeblich erwiesen. Und plötzlich kommt im Mac dieses Jahres in Endingen ein Brief an. Er trägt die Schrift des Sohnes. Und er enthält eine merk­würdige, abenteuerliche Geschichte von seiner Ge­fangennahme, von der Deportation nach Afrika und der endlich geglückten Flucht. Der Brief kommt aus Reapel. Wenige Tage später ist Daubmann tn seiner Heimat.

Jetzt aber beginnt der Tragödie zweiter Teil. Daubmann wird einem Verhör unterzogen und berichtet noch einmal, was ihm widerfahren ist. Seine Aussagen stehen im strikten Widerspruch zu allen Versicherungen der französischen Regie­rung, eS gäbe mit Ausnahme einiger weniger bekannter Fälle keinen deutschen Kriegsgefangenen mehr in Frank­reich oder seinen Kolonien. Das, was Daubmann von seinen Abenteuern erzählt, klingt auch in hohem Maße unwahrscheinlich. Man habe ihn zur Deportation und Zwangsarbeit verur­teilt ohne daß er jemals den Grund erfahren habe Er sei 16 Jahre lang wie ein Schwerver­brecher behandelt worden, er habe keine Mög­lichkeit gehabt, sich mit seinen Angehörigen in Verbindung zu sehen. Die deutschen Behörden

Tat und Glaube.

lleber veroismus und Führertum.

Von Franz Schauwecker GOS.

Heroismus und Führertum sind nicht vonein­ander zu trennen. Beide gehören zu Volk und Ration, wie sie mit Masse und Internationalis­mus nicht das geringste zu schaffen haben. Der heroische Mensch, der aus dem Glauben in Tat und Opfer lebt, faßt das Volk in sich zu einer neuen und höheren Einheit zusammen. Er ver­körpert die Ration in sich. Er ist der Mensch seines Volkes in einer höheren Ordnung, er ist die Darstellung deS Wesens seiner Ration in einem hohen und letzten Rang. Er ist Persönlich­keit. Der heroische Mensch gibt den Dingen wieder ihren Sinn, weil er wieder aus dem Sinn der Dinge lebt, nachdem dieser Sinn nicht etwa ver­lorengegangen ist denn dann wäre er tot, sondern nachdem er lange Zeit hindurch ver­schüttet war. Diele, und gerade die entscheidend­sten Dinge bedürfen aber zuwellen des Lebens in der großen Heimlichkeit, in der Einsamkeit, nicht aus Hochmut, nicht aus Weltflucht, sondern weil sie zuweilen der Ruhe bedürfen, in welcher sich die innewohnenden Kräfte neu formen und sammeln. Wir werden dieser vorbereitenden Ruhe immer wieder bei den heroischen Menschen ge­wahr. Die künstlerische Muße Friedrichs von Preußen, die italienische Reise Goethes, die Wartburgzeit Luthers gehört hierher.

Der Heroismus der Deutschen läßt sich durch die Geschichte verfolgen. Er hat seine Vorstöße bis zum Schwarzen Meer und in die Wüsten Asiens vorgetrieben; in Spanien und Italien können wir seine Spuren erblicken; noch in den beginnenden Sandmeeren der Sahara fallen van- dalische Kampfer. Tie Völkerwanderung, dieser größte Aufbruch des deutschen Heroismus, wirft ihre Wellen in die ganze damals bekannte Welt. Der Germane Eril der Rote betritt Grön­land und daS amerikanische Land. Riemals sättigt sich die ins Unbekannte und llnbetretene drin­gende Kühnheit der Deutschen. Don den Ex­peditionen der einzelnen in jene Gebiete, welche mit Meßgeräten nicht mehr zu erfassen sind, gibt es nur seltene Kunde. Paracelsus und Ha­mann steuern, nur ihnen bekannten Sternen fol­gend, in wütende Meere und betreten verschollene Wüsten, von denen uns erst heute wieder Rach- richt wird. Immer hat der Deutsche an den fernsten Grenzen seine Entscheidungsschlachten ge­schlagen, mag es die Walstatt gewesen fein, auf der er den Hunnen entgegentrat, oder mögen es Keplers Züge in die äußersten Bezirke des Weltalls sein. Acht und Scheiterhaufen begleiten ost genug diese Taten, welche unbedingt sind und die letzten Konsequenzen ziehen. G r e 11 i r stand und starb, auf dem unveräußerlichen Recht der germanischen Persönlichkeit beharrend, und ging vorher lieber in die eisigste Acht der is­ländischen Wildnisse, als daß er ein Zugeständnis gemacht hätte, das ihn seines Eigentlichen be­raubt hätte, nämlich Grettirs selbst. Luther war bereit, um der Sache willen, welche ein Glaube war, den Dann und auch den Tod auf sich zu nehmen. Sein Wort:Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!" ist vielleicht das deutscheste Wort, das jemals über unser Menschtum gesagt worden ist. Oft genug ist gleich, ob man um eines Irrtums oder um einer Wahrheit willen das Letzte auf sich nimmt, denn durch den Heroismus des Unbedingten wird etwas bewahrt, das mehr als Wahrheit oder Irrtum ist, nämlich unser Wesen, welches das ilmcrftorbare in uns ist.

Seine besondere Form erhielt der deutsche He­roismus durch das Preußentum. Das Preu­ßentum ist das bändigende Gesetz, das die schwei­fende Rastlosigkeit der Deutschen in eine Zucht genommen hat, durch welche die Deullchen vor der ungeheuren, sie ständig bedrohenden Gefahr des Sichverlierens im Maßlosen bewahrt ge­blieben sind. Rach den Kriegen des achtzehnten

Lleberraschende Begegnung im Schützengraben.

Andrs Maurois, der seine französische Dichter, der während des Krieges sich bei der englischen Armee befand und seine Erlebnisse in prächtigen Novellen gestaltet hat, erzählt im PariserJour­nal" eine lustige Geschichte, die sich zwischen dem Prinzen von Wales und einem englischen Obersten zugetragen hat. Dieser Oberst, den er Dickson nennt, war bekannt wegen seiner Grobheit und seines Jäh­zornes. Als echterEisenfresser" war er besonders auf die hohen und allerhöchsten Herrschaften schlecht zu sprechen, die hie und da im Schützengraben er­schienen, und als er hörte, daß der Prinz von Wales an der Front sei, hielt er mit manchen bitteren Be­merkungen nicht zurück. Er hätte viel darum gegeben, wenn iymdieser junge Mann" einmal unter die Hände gekommen wäre, aber er konnte ihn nicht zu Gesicht bekommen. Da hatte er eines Tages einen Abschnitt zu inspizieren, in dem das feindliche Gra­natenfeuer schlimm gehaust hatte. Der junge Haupt- martn, der hier befehligte, begrüßte ihn höflich, konnte aber nicht auf alles genaue Auskunft geben und entschuldigte sich mit den Worten:Leider bin ich in dem Abschnitt noch neu. Aber vielleicht kön­nen wir durch Vergleichung unserer Karten das Problem lösen."Was, Vergleichung unserer Kar­ten? Herr, was denken Sie sich? Wenn ich -Die so reden höre, kann ich mich nicht wundern, dag der Krieg schon drei Jahre dauert." Und es folgten Flüche, wie sie nur der Oberst Dickson auf Lager hatte Der junge Hauptmann bheb aber höflich und tat sein Bestes, um die Fragen des wütenden Vor­gesetzten zu beantworten. Als der Oberst sich ver­abschiedete, bemerkte er das Band der Ehrenlegion in dem Knopfloch des jungen OffiziersDa haben Sie Schwein gehabt bei Ihrem Alter! meinte er worauf der andere bescheiden entgegnete:Ich weiß das Ich will versuchen, es zu verdienen. Als der Oberst in schlechtester Stimmung zu seinem Wagen zurückkehrte, wagte der Chauffeur die Bemerkung:

Nun haben der Herr Oberst aber ein langes Ge- f'nräd) mit dem Prinzen von Wales gehabt." Dickson fiel aus allen Wolken.Verdammt will ich sein! war das einzige, was er hervorbrachte.

Sachlichkeit war nicht seelenlos im Gegenteil: sie lag wie eine Haut um eine bis xum Zer­reißen angespannte Seele, die alle Kräfte in sich zusammenballen muß, um sie mit der lehtmög- lichen Konzentration nach außen zu schleudern. Es war die Konzentration des Pulvers, die sach­liche Richtung des gezogenen Laufs, die dem Geschoß seinen unaufhaltsamen Flug auf das Ziel gibt. Pathos wäre Vergeudung gewesen, Ab­lenkung, Sinnlosigkeit, als hätte man den Gewehr­kolben mit Schnitzereien verzieren wollen.

Hier war die deutsche Innerlichkeit von dem preußischen Gesetz zum schärfsten Willen zur Aeuherung ihrer Macht getrieben. Der Vorgang, der sich in den Seelen dieser letzten Front­soldaten des Großen Krieges abspielte, war ein Aufbruch aus einer neuen Kindlichkeit, die frag­los und unmittelbar das Rotwendige tut, ohne sich um das Rachher zu kümmern, weil es wich­tiger ist, daß zuvor gerade dies getan werde. Denn gerade aus diesem, nämlich aus der Tat um Deutschlands willen und nicht um eines praktischen Zweckes willen, kann allein in den künftigen Zeiten des Chaos die neue Gestalt und Me neue Ordnung entstehen. Die Zeiten der unausweichlichen Entscheidung erfordern den letzten Mut eines heroischen Geschlechts, das nur auf das Wesentliche achtet, nicht nach Zahlen zu bemessen ist und das in einem feurigen Schnitt­punkt Tat und Opfer in feiner Brust vereinigt, mag es darüber fallen oder nicht. Denn der Tod verliert hier feine Schrecken. Er ist nur ein Heber- gang, er ist kein Ende, sondern ein Anfang. Dieser Heroismus aus Sachlichkeit und Gläubig­keit gehört Preußen-Deutschland an. Dieses un- term Eise brennende Feuer besitzt die Kraft des wohlverborgenen und wohlgehüteten Keimes. Es ist die alte deutsche Urtümlichkeit in einer neuen Form, eine junge Primitivität der Deutschen, des Volkes der ewigen Verwandlungen, der Siege aus jeder Riederlage, die durch den Weltkrieg das düstere Licht dieser Zeit erblickt hat. Und dieser Heroismus ist Führertum.

vermuten, daß diese ganze Geschichte erfunden worden ist, um irgendwelche dunklen Geschehnisse aus dieser Zeit zu vertuschen. Trotzdem wird sein Bericht der französischen Regierung zur Rück- äußerung übermittelt. Vor einigen Tagen ist di e Antwort aus Paris eingetroffen. Sie wiederholt aufs Reue die alte Versicherung, es gäbe keine Kriegsgefangenen mehr in Frankreich, und sie bestreitet kategorisch, daß jemals ein Mann biefed Ramens von einem französischen Gericht verurteilt worden sei. Oskar Daubmann existiert in keinem Aktenstück.

Oskar daubmann ist nun nach Berlin ge­kommen, um beim Auswärtigen Amt und den anderen in Frage kommenden Behörden persön­lich für seine Rehabilitierung einzutreten und seine Angaben unter Beweis zu stellen. In seiner Begleitung befindet sich der frühere Dataillons- kommandeur vorn 111. Reserveinfanterieregiment, unter dessen Kommando Daubmann an der Front gekämpft hat. Daubmann empfing die Vertreter der Presse und führte aus, daß er dem Aus­wärtigen Amt vorgeschlagen habe, in Constan­tine, wo er gefangengehalten wurde, einen Lokaltermin abzuhalten. Voraussetzung sei natürlich, daß die französische Regierung ihm freies Geleit zusichert und er keine Gefahr laufen würde, von Frankreich wieder gefangengesetzt xu werden. Das Auswärtige Amt hat diesen Vorschlag angenommen und an die französische Regierung weitergeleitet. Daubmann betonte mit Rachdruck, daß er in Constantine nicht als Kriegs­gefangener, sondern wie e in Strafgefan­gener behandelt wurde. Ihm wurden alle Beschränkungen auferlegt, wie sie gemeine Ver­brecher in Kolonialgefängnissen erdulden müs­sen. Hebrigens seien häufig deutsche Kriegs-

gcfangenc, die später wegen irgendeines Der- gehens in ein Strafgefängnis kamen, wie Sträf­linge behandelt worden. Aus der Versammlung erhob sich ein zufällig anwesender früherer Eol- dai, der ebenfalls in französischer Kriegsgefangen­schaft war und bestätigte, daß viele deutsche Kriegsgefangene nach Constantine gebracht wur­den, namentlich solche, die aus anderen Lagern geflüchtet waren und wieder ergriffen wurden.

Daubmann schilderte noch einmal, wie er ge­fangengenommen wurde. Er lag am Boden. Einer seiner Kameraden, namens Rehs, sei vorüber­geführt worden und dieser habe geglaubt, et fei tot. Rehs hat dann an Daubmanns Eltern geschrieben und ihnen mitgeteilt, daß Daubmann gefallen sei. Als dann in diesem Jahr Daub­manns Brief aus Palermo eintraf, schrieb Rehs wieder an Daubmanns Eltern, es könne unmög­lich sein, daß Oskar Daubmann noch lebe, da et ihn tot am Boden habe liegen sehen. Jetzt aller­dings hat Rehs Daubmann wiedererkannt und feinen Irrtum eingestanden. Daß feine Eltern ihn nicht gleich wiedererkannten, sei verständ­lich, denn als er wegging, war er 19 und als er zurückkam, 36 Jahre. Eine gewisse Narbe am Körper Daubmanns nahm den Eltern aber jeden Zweifel. In den nächsten Sagen wird Daubmann dem Reichsauhenminister Freiherrn von Reurath eine Darstellung seines Schicksals geben. Ter Bataillonskommandeur Daubmanns erklärte, wer Daubmann kenne, sei überzeugt, daß der Mann ein unglückliches Opfer des Krie­ges geworden fei.

Obst und Gemüse essen, heißt gesund bleiben!

Obst und Gemüse essen, heißt gesund bleiben", *oas ist in der Tat heute keine Lebensoorschrift fana­tischer Naturärzte mehr, sondern praktische Erkenntnis weiter Volksschichten geworden. Während in früheren Jahren die sogenanntenFett­gerichte" in der menschlichen Ernährung einseitig bevorzugt wurden, ist man heute aus Gründen der Gesundheit vielseitiger geworden. Obst und Gemüse sind ebenso Hauptnahrungsmittel wie Fleisch, Brot. Kartoffeln usw.! Dazu hat vor allem auch beigetra­gen, daß unsere Landwirtschaft und der Gartenbau in der Erzeugung hochwertiger Qualitätsware ge- wattige Fortschritte gemacht haben. Wenn trotzdem im Jahre 1931 noch für 463 Millionen Mark aus­ländisches Obst, Gemüse und Südfrüchte eingeführt wurden, so liegt das einmal an einer gewissen Ge­dankenlosigkeit und zum anbewm an einem unan­gebrachten Vorurteil. Kein Mensch wird etwas ge­gen einen in angemessenen Grenzen sich haltenden Verzehr von ausländischem Obst und von Südfrüch- ten einwenden. Die Entwicklung der Einfuhrzahlen läßt aber darauf schließen, daß die Südfrüchte vom deutschen Verbraucher zu hoch bewertet werden, weil er oft der Ansicht ist, daß nur sie ihm während der Frühjahrs- und Wintermonate Vita­mine liefern.

Es ist durchaus möglich, sich reichliche Mengen des Vitamins C, z. B. durch den Verbrauch deutscher Erbsen-, Bohnen- und Tomatenkonserven zuzusüh- ren. Außerdem wird die Nährkrast ausländischer Früchte überschätzt. Der Nährwert von zwei Ba- nanen gleicht durchschnittlich dem von zwei kleinen roten Rüben, 3 Walnußkernen, vier großen Mohr­rüben oder li Pfund Kartoffeln! Die Bedeutung der Einfuhr von ausländischem Obst, Gemüse und Südfrüchten in Höhe von 463 Millionen Mark im Jahre 1931 wird dann besonders klar, wenn man bedenkt, daß im Jahre 1913 nur 218 Millionen Mk. für diesen Posten ausgegeben wurden. Was für das wohlhabende Deutschland der Vorkriegszeit genügte, sollte auch für das verarmte Deutschland heute aus- reichen. Es handelt sich besonders unter diesem Ge­sichtspunkte hier zu einem recht erheblichen Teil um eine Luxuseinfuhr, die dem deutschen Erzeuger das Brot entzieht.