Nr. 218 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Freitag, 16. September 1952
©er einsame ©anebrog.
Dänische Sorgen um Butter, Eier und Speck.
Von unserem A. S.*®erid)terftatter.
9tad)bru(f, auch mit Quellenangabe, verboten! .
Kopenhagen, September 1932.
In der Vester-brogabe und am Rathausplatz, am Kongens-Nytoro und durch die lange, schöne Go- thersgade pulsiert das Leben der „Stadt des heiteren Lächelns", wie man Kopenhagen genannt hat. Pulsiert unverdrossen, läßt die Theater sich füllen und die Schankstätten, wo nach wie vor die „klassischen" Butterbrote, die ein nordischer Sohn des Lucullus hierher verpflanzt haben mag, mit dänischem Schnaps und einheimischem Pilsner Bier ver- tilgt werden, auf dessen Flaschen ein ganz unpoli- tisches Hakenkreuz prangt. Aber wer kann heute noch Kopenhagen entdecken? — Das haben schon andere getan! Und dennoch vermag man schwerlich zu behaupten, daß es nichts Neues gäbe am Oere- Sund.
Allerdings wird der Deutsche, dessen Nerven von der dauernden Häufung politischer und anderer Sensationen abgestumpft sind, staunend bemerken, für welche „Ereignisse" man jenseits des Fehmarn-Belt Interesse bezeigt. Daß der gegenwärtig hier tagende Psychologen-Kongreß dem Kopenhagener Gesellschaftsleben den Stempel ausdrückt, das mag noch angehcn. Eigenartig berührt es aber, wenn man z. B. ausführliche Berichte darüber in den Blättern liest, wie der japanische Prinz Matsu- daina in Hyattsville (Maryland, US2L) Herrn Charles Christensen, einen Dänisch-Amerikaner, mit einem Automobil überfahren Hot.
Das sind so Sorgen, die wir nicht verstehen. Und wäre das Haager Urteil über den dänisch-norwegj- schen Konflikt wegen der Ostküste Grönlands nicht auch anderwärts bekannt geworden, man stände den spaltenlangen Aufsätzen der dänischen Blätter über die jüngsten Vorgänge in der Arktis ein wenig fassungslos gegenüber. Aber da fällt bereits bei näherem Zusehen auf, mit welchem Eifer sich die dänischen Behörden für eine britische Expedition einsetzen, die am Lake Fjord im grönländischen Eis, 100 Meilen nördlich von Angmassalik, den Winter verbringen will. Und eine gewisse Jdeen- verbindung lenkt dann auch den Blick auf die vielen Schilder mit dem britischen Leu und dem Union Jack, die die kommende englische Ausstellung in Kopenhagen ankündigen. Also ausgesprochene Britenfreundlichkeit! Und hier beginnt allerdings das, was man Hohe Politik zu nennen beliebt.
Dieses Anglophilie hat nämlich mit dem Herzen gar nichts zu tun. Man mag es Selbstsucht oder anders nennen. Jedenfalls geht es in Wirklichkeit nur um drei Dinge: Um Butter, Eier und Speck. Ein politisches Gespräch fängt heute in Kopenhagen mit Ottawa an und hört mit Ottawa auf. Und der übrige Teil der Debatte dreht sich um besagte drei Nahrungsmittel und um die Angst, der Engländer würde diese wichtigsten Bestandteile seines Frühstücks jetzt, nach der britischen Reichskonferenz in der kanadischen Hauptstadt nur mehr aus den Dominien beziehen. Das ist natürlich eine große Sorge für jeden Dänen, eine so große Sorge, daß man mitunter die gegenwärtige Englandfreundlichkeit vergißt und Drohungen ausstöht. Seltsamerweise Drohungen mit — Deutschland.
Dänemark hat feine Einfuhr aus dem Ausland in der letzten Zeit in der gleichen Weise gedrosselt, wie es Zeter und Mordio über die schrie, die gleiche oder ähnliche Abwehrmaßnahmen trafen. Diese dänische Einfuhr ist — man kommt heute ohne Statistik so schwer aus! — in den ersten sieben Monaten des Jahres auf 670 Millionen Kronen zurück- gegangen, was eine Verminderung um nicht weniger als 20 v. H. gegenüber der Einfuhr in der entsprechenden Zeit des Vorjahres bedeutet. Und am stärksten ist von dieser Drosselung Deutschland betroffen worden. Die deutsche Ausfuhr nach Dänemark ging in der erwähnten Zeit von 276 auf 178 Millionen Kronen, also um mehr als 35 v.H. zurück. Dafür bat sich dann, allerdings hauptsächlich infolge der Angleichung der Krone an das englische
Lm Herzen des schwarzen Erdteils.
Ein Vorstoß ins Innere Afrikas vor 100 Jahren
Ein Jahrhundert ist in diesen Tagen vergangen, seit die erste Expedition von Liverpool abfuhr die den Niger-Fluh hinauffuhr, um den Handel mit dem Inneren Afrikas zu eröffnen. Dieses Jubiläum, das in England jetzt feierlich begangen wird, verdient allgemeine Beachtung, da es einen Markstein in der Erschließung des schwarzen Erdteils in Erinnerung bringt. Der Leiter dieses kühnen Unternehmens war ein junger Schotte, MacGregor L a i r d, und er war auf diesen Gedanken gebracht worden durch die Entdeckung des unteren Laufes und der Mündung des Niger, die kurz vorher den Brüdern Richard und John Lander gelungen war. Als diese beiden im Sommer 1831 aus Westafrika nach England zurückkehrten, war Laird erst 22 Jahre, der jüngere Sohn eines Schiffbauers von Birkenhead. Er hatte sich aber mit tarn Geschäft des Baters schon recht vertraut gemacht und wollte seine Kenntnisse bei diesem Borstoh in das Herz des schwarzen Erdteils verwerten. Der Anlaß für seine Tat war nach seinen eigenen Worten ..der unwiderstehliche Reiz des Mnbe- kannten für die jugendliche Phantasie".
Die Fahrzeuge, die er zu diesem Zweck erbaute, stellten eine Neuheit dar: es waren zwei kleine Dampfer, die „Quorra". d. h. Großer Fluh und „Alburkah" d. h. Segen, genannt wurden. Das kleinere der Schiffe, „Alburkah". war ganz aus Eisen, hatte nur 55 Tonnen und war von Laird selbst entworfen. Es war das erste Eisenschiff, das eine Seereise unternahm. Die älteren Herren schüttelten bedenklich den Kopf und sagten dem jungen Wagehals das sichere Ende auf diesem Schiff voraus, denn in ihm werde die Mannschaft unter der tropischen Sonne wie in einem Ofen bei lebendigem Leibe gebraten werden. wenn nicht schon vorher der Blitz, der von dem Eisen uiiweigerlich angezogen werden müsse, ihren Untergang herbeigeführt habe. Laird ließ sich aber nicht ins Bockshorn jagen und das Eisenschiff bestätigte alle die günstigen Erwar- tungen, die er an den Dau geknüpft hatte. Die Dorbereitungen für die Expedition wurden mit großer Sorgfalt getroffen, und der eine der Entdecker der Niger-Mündung, Richard Lander, fanö sich bereit, die Führung zu übernehmen.
Pfund, die Einfuhr Dänemarks aus England ein wenig erhöht.
Und nun stand vor einigen Tagen in einer dänischen Zeitung zu lesen, Kopenhagen werde sich gezwungen sehen, die Einfuhr aus England ju drosseln, wenn London jetzt nach Ottawa keine Einsicht zeige und warten, bis, nun ja b i s Deutschland sich soweit erholt habe, daß es wieder in „angemesiener" Weise von Dänemark Eier, Butter und Speck kaufen könne. Diese Betrachtung ging dann auch durch alle großen eng- lischen Zeitungen, aber nur in Kompreßdruck. ohne
irgendwelches Auflehen jenseits des Kanals zu erregen. Denn — England ist mächtig und stellt ein Weltreich dar, und der Danebrog, die dänische Nationalflagge, weht über ein paar gar zu kleinen Brocken Erde. So ist das nun einmal in dieser Wett, wo das Recht des Stärkeren schon vor des Galliers Brennus Zeiten immer galt und wohl auch weiterhin immer gelten wird.
So befindet sich also Dänemark in keiner beneidenswerten Lage. Der große Nachbar, Deutschland, kämpft um das Bestehen seiner eigenen Landwirtschaft. England, das vielumworbene.
wird bei der Ausführung der Beschlüße von Ottawa schwerlich Dänemarks gedenken können. Mit N o r» wegen hat man sich Ostgrönlands wegen endgüttig überworfen, und Schweden hat ebenfalls selbst mehr als schwer zu kämpfen. Und darum schmeckt das Butterbrot nicht mehr so gut wie früher in den Gaststätten der großen Plätze Kopenhagens und in den Anlagen am Tivoli und um Schloß Rosenborg. Es ist einsam geworden um den Danebrog, und es gilt, Butter, Eier und Speck vor dem Verderben zu schützen...
Verfolgung und Verteidigung im Manöver-Krieg.
©ie Fronten bei den Brigadeübungen der 5. ©ivision Tag und Nacht in Bewegung. — Vormarsch aus der Gegend von Gondershausen bis vor Langensalza. — ©as Gießener Bataillon in vorderster Linie.
Eigener Bericht unseres E. 8.-Redaktionsmitgliedes.
Pressequartier Mühlhausen i. Thür., 14. September 1932.
Am heutigen zweiten Tage der D r i g a d e - Übungen der 5. Division inNordthü- ringen hat das Kampf bild ein ganz anderes Gesicht, al£ gestern. Handelte es sich bei den gestrigen Kämpfen um die Höhe Mehlisch um ein De- gegnungsgefecht, so soll, wie die Führer der Pressevertreter — Major Jahn und Hauptmann Faulenbach — heute früh in der Pressekonferenz bei der Erläuterung der Kriegslage mitteilern das Ringen am heutigen Tage, m der folgenden Nacht und am Donnerstag im Zeichen der
hinhaltenden Verteidigung schwacher Kräfte gegen nachdrängenden überlegenen Feind stehen. Da für die zweitägige Hebung der Raum von Sondershausen bis Langensalza vorgesehen ist, wird es also einen richtigen De- wegungskrieg geben, da ja der Führer von Dlau befehlsgemäß vor dem stark überlegenen Führer von Rot zurückgehen wird.
Oie Kriegslage
für den 14. und IS. September
ist nach den Weisungen des „Leitenden" Generalmajors Muff folgende:
Rote Hauptkräfte
(nur Befehlsstellen dargestellt) aus nordostwestlicher Richtung im Angriff gegen eine blaue Verteidigungsstellung auf den Höhen westlich Sondershausen haben bis uim 13. September abends die Linie Rabenmühle—Kuhberg—Nordhang Höhe Herrenrode A 338—Gr. Weinberg (ostwärts Wiedermuth) erreicht. Die Fortsetzung des Angriffs ist für den 14. September, 9.30 Mhr, mit linkem Flügel vom Gr. Weinberg aus, über Ebeleben West auf Schlotheim West befohlen.
Hinter dem offenen Südslügrl hat das bisher nicht eingesetzte 12. Jnf.-Regt. 8.30 Uhr mit der Masse die Höhen ostw. Schernberg (beiderseits Straße Sondershausen—Thalebra), mit dem 111. Datl. (bisher Divisionsreserve) die Dorfstelle Datzgerode (zwei Kilometer südlich Himmelsberg) erreicht. Das Regiment hat Befehl erhalten, über Ebeleber-Derg und Hoher-Derg vorgehend, sich in 'Besitz des Almenhäuser-Derges (südostwärts Schlotheim) zu sehen. Für den Angriff sind dem Regiment unterstellt: Aufkl. -Abt. 5, die sich seit 6.30 Mhr von Sondershausen aus im Dorgehen auf den Gänse-Derg (südlich Thalebra) befindet und gegen die Linie Mühlhausen— Langensalza aufklärt. I. Abt. Art.-Regt. 5, die bei Immenrode in Stellung steht, 1. Komp. Pion.- Datl. 5, die mit der Beseitigung von Sperren (Annahme) an Straße Sondershausen—Hohen»
Waren wurden eingekauft für den Tauschhandel mit den Negern, von denen man hauptsächlich Elfenbein und Indigo zu erlangen hoffte. Die Mannschaft der beiden Schiffe bestand aus 51 aus- erwählten seetüchtigen Leuten ...
Laird selbst war auf der „Quorra", während Lander auf der „Alburkah" kommandierte. Als man glücklich an der afrikanischen Westküste gelandet und die Fahrt den Niger hinauf angetreten hatte, wurden die Schiffe häufig voneinander getrennt und Laird mußte allein handeln. Mit großen Schwierigkeiten bahnte man sich den Weg bis zu dem Zusammenfluß des Niger mit dem Denue, wo Laird eine Niederlassung gründen wollte. Aber das Fieber hatte unterdessen schon stark unter den Seinen aufgeräumt. Der Mann, der die Siedlung einrichten sollte, war tot, und in sieben Tagen starben auf der „Quorra“ 13 Menschen. Auch die „Alburkah" wurde schwer heimgesucht. Der Handel mit den Eingeborenen war unbefriedigend.. Das Elfenbein, das sie zum Berkaus brachten, war minderwertig und der Indigo voller Schmutz.
Aber weder Tod noch Krankheit noch Fehlschläge konnten den Geist der beiden Führer niederdrücken. Lander versuchte ohne Erfolg auf dem Niger bis Boussa vorzudringen: Laird, dessen Schiff auf eine Sandbank aufgefahrea war, fuhr in einem kleinen Doot den Denue hinauf — der erste Weiße, der diesen Fluh hinausfuhr —, und kam nach dem Reiche Fundah, dessen König er für Handelsbeziehungen zu gewinnen hoffte. Der König aber zeigte sich abgeneigt und hielt Laird gefangen. In dieser peinlichen Lage fand er, wie er selbst erzählt hat, einen großen Trost in dem Geplauder mit einem eingeborenen Arzt und Darbier, der in beiden Eigenschaften den Engländer trefflich bediente. „Er war", schrieb Laird in sein Tagebuch, „die Zeitung von ganz Fundah. aufs beste unterrichtet über alle Torgänge und Neuigkeiten, und seine Frau war nicht weniger gesprächig." Schließlich erlangte Laird seine Freiheit durch eine List, indem er nämlich bei einem feierlichen Palaver mit dem Herrscher und seinen Großen vier zwei- pfündige Raketen und sechs blaue Lichter abbrannte: „Die Wirkung war wirllich elektrisch: die Eingeborenen hatten keine Ahnung, woher diese Erscheinung kam und flohen nach allen Richtungen. Der König, von Schrecken erfüllt, warf sich vor mir auf die Erde, und indem ich einen meiner Füße auf seinen Kopf stellte, versprach ich ihm, daß ich ihn vor aller Gefahr beschützen werde."
ebra beschäftigt ist, sowie Kampfwagenkomp. 5, die 10.30 Mhr auf Straße Sondershausen—Ebeleben mit Anfang am Südausgang Debra eintrifft.
Führer Rot: Oberst Kienitz (Kornrnand. des 15. Jnf.-Regts.).
Truppen: 15. Jnf.-Regt. (Kassel, Gießen, Eisenach, Weimar) verstärkt durch 111. Datl. J.-R. 14 (Konstanz): R.-R. 18 (Cannstatt, Ludwigsburg) verstärkt durch einen Zug der 3. Komp. Äraftf.» Abt. 5 mit Panzerkraftwagennachbildungen als Ausklär.-Abt. 5; 1. Abt. Artl.-Regt. 5 föulba); 1. Komp. Kraft.-Abt. 5 (Mim) mit Kampfwagennachbildungen.
Die blauen Hauptkräfte
(ebenfalls nur Befehlsstellen dargestellt) haben sich in der Nacht vom 13. zum 14. September unter Belassung von Nachtruppen in den bisherigen Stellungen vom Feinde abgesetzt. Sie beabsichtigen in dem Gelände bis zur Mnftrut hinhaltend, so zu kämpfen, daß Rot die Mnftrut nicht vor dem 16. September früh erreichen kann. Den ersten Widerstand beabsichtigen die blauen Hauptkräfte am 14. September in der Linie: Mäuse-Derg — B314 — Hardt 335 — Waldstücke nördlich Dom. Peuckendorf—Waldstück Hausholz— Mehlisch 430—Die Watte 443 zu leisten.
Das am 14. September, 6 Mhr, in den Raum Schlotheim—Marolterode neu herangeführte 14. Jnf.-Regt. hat Befehl erhalten, die erste Widerstandslinie nach Osten zu verlängern und hierzu die Höhen südlich der Helbe zwischen Großenehrich und Ebeleben $u gewinnen. Am Helbe- abschnitt zwischen Phüringenhausen und Mark- sußra stehen seit 6 Mhr schwache blaue Sicherungen (Teile des 11. Datls. J.-R. 14).
Nach Weisung der blauen Führung ist der Kampf so zu führen, daß am Abend des 14. September die Linie: Wälder Gr. Horn—Eichholz— Oberholz—Almenhäuser Berg—Alte Schanze — Nordostrand Dolkenroder Wald gehalten wird.
Führer Blau: Oberstl. S iegIin (b.Stab J.-R. 14): Truppen: J.-R. 14 (Konstanz, Tübingen, Meiningen) ohne 111. Datl. (bei Rot), 1II./A.-R. 5 (Ludwigsburg): Pion.-Datl. 5 (Mim) ohne 1. Komp, (bei Rot): 1 Zug R.-R. 18: ein Holzgeschühzug J.-R. 15: 3. Komp. Krastf.-Abt. 5 (Kassel) (ohne 1 Zug) mit Panzerkraftwagennachbildung.
Die Luftstreitkräfte bei Dlau und Rot sind annähernd gleich stark.
Auf dem Gchlachienbummel.
Mnmittelbar nach der Pressekonferenz, kurz nach 7 Mhr, gehts mit Kraftwagen ins Gelände. Die Wolken liegen als einziges graues Regenreservoir über der ganzen Landschaft, dazu macht sich der
Als Laird nach der „Quorra“ zurückgekehrt war, glaubte er, das Land für eine weitere Erschließung genügend erforscht zu haben, und entschloß sich für den Rückweg. Ende August 1833 kam er an der Mündung des Niger an und war Neujahr 1834 zu Hause in Liverpool. Lander, der unterdessen den Niger weiter hinaufgefahren war, wurde von den Eingeborenen angegriffen, verwundet und nach Fernando Po gebracht, wo er ft ar b. Die tragischen Opfer und die kümmerlichen Handelserfolge seiner Expedition konnten aber Laird nicht entmutigen. Er wandte sich jetzt dem Schiffsbau zu, und der von ihm 1838 erbaute „Sirius" war das erste Schiff, das den Atlantischen Ozean ganz unter Dampf überquerte. Er rüstete mit Unterstützung der Regierung regelmäßige Handelsreisen nach Westafrika und dem Niger auf seinen Schiffen aus und bereitete so den Weg für die Erschließung des Landes- Als et 1861 starb, war der Grund gelegt für die Einverleibung Nige- riens in das britische Weltreich, die 1877 von Sir George Goldie vollzogen wurde.
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Mitgeieitt von Lore Stetten.
Mensch: „bedeutet spviel als ein Weibsbild von gemeinem Stande. Der alberne Streit, ob die Weiber auch Menschen sind, ist längstens beygelegt worden, weil die von denen Gegenteilen angeführten Argumente auf schlechten Füßen beruhen und gar leicht zu refütieren sind."
Gedächtnisschwund begegnet man mit folgendem Rezept: „Man nimmt Ambrae grys- saeae 20 Cran, des besten Bisams 10 Cran, weihen Kandenzucker 2 Loth, vermischet und reibet alles auf das subtilste untereinander. So man nun alle Morgen von diesem Pulver ein paar Messerspitzen voll in gutem Wein einnimmt, bringt es mit Verwunderung das verlorene Gedächtnis wieder."
Kuh nennt man „eine aus Liebe herrührende Vereinigung der Lippen, bei der der Wund von zwei Personen so fest aneinandergedrückt wird, daß die Livpen beim Loslassen einen deutlichen Nachklang zum Zeichen des Wohlgeschmacks von sich geben.“
Bodennebel wieder stark bemerkbar, so dah die Sicht nur sehr beschränkt möglich ist und allgemein mit baldigem Regen gerechnet wird, der aber dann doch erfreulicherweise ausbleibt? Die Landstrahen und Feldwege im Mebungsgelände sind von Tausenden von Zuschauern besucht, und auf den Anmarschstrahen rücken immer mehr Schlachtenbummler, darunter viele Schulklassen, heran.
Wir schlängeln uns zunächst mit unseren Wagen durch den Hochbetrieb auf den Landstrahen bis zu dem Waldrand vor Sondershausen vor. müssen dort aber feststellen, dah die Masse der Roten schon auf dem Vormarsch und einstweilen in dem Nebelmeer untergetaucht ist. Wir fahren wieder ein Stück des Wegs zurück und warten geduldig. („Die halbe Zeit seines Lebens, steht der Soldat vergebens.") An dieses Witzwort muß ich in diesem Augenblick denken. Schließlich kommt eine rote Offiziers-Patrouille zum Vorschein, und bald darauf tauchen auch rote Schützenlinien (2- Datl. J.-R. 15) und Minenwerfer aus dem Nebelmeer auf. Wir hören noch,
dah das Gießener Bataillon auf den Ganfeberg losmarschieren soll, der eine weit umfassende
Uebersicht über das Gelände ermöglicht.
Auf dem rechten Flügel der roten Vormarschlinie operiert das III. Ball. J.-R. 14, nach links anschließend folgen dann I. Batl. J.-R. 15 und II. Batl. J.-R. 15, während das III. Batl. J.-R. 15 zunächst als Reserve zur Verfügung des Führers bleibt.
Nun fahren wir einstweilen einmal zu den Blauen hinüber, um zu sehen, was die alles „angedreht" haben, lieber die gesprengte (selbstverständlich nur in der Annahme! Die Sprengung wird durch ein weißes Band quer über die Brücke mar- Eiert, ein Schiedsrichter hält Wache, daß die „Sprengung" auch beachtet wird, natürlich nur vom roten Kampfgegner!) Brücke passieren wir den Helbe-Abschnttt und nun gehts in der blauen Verteidigungszone umher, die mit viel Geschick unter zweckmäßiger Auswertung des Ge- ländes eingerichtet ist. Versteckte Maschinengewehrnester, ausgezeichnete Beobachter für das nur von schwachen blauen Patrouillen abgegrafte blaue Vorfeld sind in der ersten Linie zu sehen, sonst nichts. Etwas mehr Gewicht liegt in der blauen Hauptstellung beim Hohenberg, die aber auch nur hinhaltend verteidigt werden soll, um den roten Angreifer zur Entfaltung seiner Kräfte zu zwingen und ihm schließlich das Nest leer zu überlassen, wenn er alle seine schweren Waffen vorgezogen und erst mühsam wieder aufgebaut hat.
Dann gehts wieder zu R o t zurück, dessen Vormarsch jetzt auf der ganzen Front im Gange ist. Der Nebel hat sich mittlerweile verzogen, auch die
Allerlei Aberglauben: Freitags soll man sein Haar nicht bürsten oder flechten, weil man sonst Mngeziefer bekommt.
Deim Abkosten von Speisen darf ein Mädchen beileibe nicht am Quirl lecken, sonst wird es am Hochzeitstage bestimmt regnen.
Kinder vor einem Jahr in den Spiegel sehen zu lassen, ist nicht ratsam. Sie werden leicht stolz.
Eine Draut soll sich hüten, dem (Bräutigam ein Messer zu schenken: die Liebe wird damit durchschnitten.
Chaplin und seine Söhne.
Armut zwang den amerikanischen Filmschauspieler Charlie Chaplin, schon in zarter Kindheit die Laufbahn zu wählen, die ihn später auf die Höhe des Ruhmes führte. Aber im Rückblick auf die Erlebnisse, die er als Kind gehabt hat, wünscht er unter allen Umständen zu verhindern, daß seine beiden Söhne einem ähnlichen Schicksal ausgesetzt sein sollen. Dem gab er dieser Tage vor dem Gericht in Los Angeles unzweideutigen Ausdruck. Seine frühere Gattin, fiita Grey, hat einen Vertrag mit der Fox-Film-Gesellschaft abgeschlossen, durch den sie mit Ihren Söhnen, dem 7jahrigen Charles und dem 6jährigen Sydney, zur Mitwirkung in fünf Filmen verpflichtet wird. Lita Grey sollte für den ersten Film 15 000 Dollar und jeder ihrer Söhne 10 000 Dollar erhalten. Der Vertrag ist aber für die Kinder ohne Genehmigung des Vaters ungültig, und Chaplin erhob nun vor Gericht Einspruch gegen diese frühe Ausbeutung seiner Spröß- finge. Er erklärte, daß er keinen Anlaß dazu sehe, aus dem seine Kinder gezwungen sein sollten, sich schon so früh der Filmlaufbahn zu widmen: er habe für ihre Erziehung eine Summe von 150 000 Dollar ausgeworfen, die wohl genügen würde. „Ich mußte schon als Kind Geld verdienen, aber sie haben es nicht nötig", sagte er. ,Lch sehe zwar keine körperliche Gefahr für sie in ihrem Auftreten, aber ich fürchte, daß sie infolge des vorzeitigen Hervorzerrens in die Öffentlichkeit geistigen Schaden nehmen könnten. Ich will nicht, daß meine Kinder zu rasch das Leben kennenlernen. Sie sollen sich ihrer Jugend erfreuen. Ihr Glück liegt mir am Herzen. Als der Vertreter der Frau ihn fragte, ob er denn glaube, daß die Erziehung der Kinder durch den Vertrag leiden könne, erwiderte er: „Jawohl, sie würden ihre Lebenskraft verschwenden durch die Konzentration auf diese Arbeit. Ich will sie davor beschützen."


