Nr. 218 Erstes Blatt
182. Jahrgang
Zreitag, 16. September 1952
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Die Konferenz von Stresa.
Don unserem O-Korrespondenten.
Stresa, den 14.September 1932.
Wie lange ist es her, dah wir im Geleite Strese- manns und Driands von Locarno südwärts fuhren, um an einem Septembernachmittag wie jetzt Gaste der italienischen Regierung zu fein? Wirklich schon sieben Jahre? Stresemann und Driand sind längst dahingegangen, die Probleme aber, um die es vor sieben Jahren ging, sind d i e gleichen geblieben. And im Hintergrund aller europäischen Röte und wirtschaftlichen Verwicklungen steht der Schatten des Versail- lerVertrages, jenes aus Siegerübermut uns auf gezwungenen Diktates, das den Krieg nicht beendete, sondern nur die Drachensaat neuer Kriege fäte. Wieder einmal sitzen die Vertreter aller europäischen Staaten in dem schönen Orte Stresa am Langen See, um in nicht allzu förmlichen Besprechungen über die wirtschaftlichen Mahnahmen zu beraten, Südosteuropa aus der Krise zu erretten. Duntbcwimpelte Schiffe durchfurchen jeden Rachmittag die unwahrscheinlich klaren und durchsichtigen Wasser des Sees, bei Kaffee und Kuchen unterhält man sich darüber, wie sich die Konferenz zu einem Erfolg ausgestalten läßt. Die allgemeine Stimmung ist günstig, und während sich in Berlin die innenpolitische Situation Deutschlands außerordentlich »uzuspihen scheint, ist es wirklich nicht ausgeschlossen, daß der deutsche Vertreter, Ministerialdirektor Posse, den deutschen Ansichten zum Durchbruch verhilft.
Der Holländer Bruyns hat festgestellt: „Zunächst sind alle Methoden der Vergangenheit zu liquidieren!" Der Engländer Addison ging noch weiter und nannte alle wirtschaftserwürgcn- den Einfuhrbehinderungen der Staaten untereinander lächerlich. Der Schweizer S t u ck i nannte diese Bestimmungen zwar nicht lächerlich, sondern sogar unter den gegewärtigen Umständen unvermeidlich, aber unheilvoll, ilnb ehe die Debatte in die Fragen der hohen Politik abgleiten konnte, beschränkte sie der deutsche Vertreter Posse auf den Grundsatz: „D ie wirtschaftlichen Fragen stehen im Vordergrund." Man ist also bei den wirtschaftlichen Fra. gen stehengeblieben, und man sucht nach einer befriedigenden Lösung zwischen Deutschland, Frankreich und Italien. Das Berliner Auswärtige Amt und das Reichswirtschaftsministerium haben ausgezeichnet vorgearbeitet. Das Material, mit dem die deutschen Vertreter aufzuwarten haben, ist das stichhaltigste aller Staaten. Cs erledigte ohne weiteres den T a r d i e u - P l a n, der die „kleine Entente" mit Oesterreich und Ungarn unter französischer Führung in einem Dorzugszollsystem zusammenschließen sollte. Diese Vorzugszölle hätten weder Rumänien, noch Südslawien oder Ungarn auch nur das mindeste genutzt. Dafür aber wären d i e politischen Bindungen um so unerträglicher geworden. Italien und Deutschland widersprachen, und der Tardieu-Plan wurde stillschweigend beiseite gelegt.
Wer Deutschland von Südosteuropa ausschalten will treibt die südosteuropäischen Staaten in den Zusammenbruch hinein. Einige Zahlen sollen dies beweisen: 1930 war Deutschland an der Fertigwareneinfuhr Oesterreichs, Serbiens, Ungarns und Rumäniens mit fast 5 0 Prozent beteiligt. 3n sämtlichen Südvst- staaten steht das Reich an erster Stelle der Gesamteinfuhr. Unsere Handelsbilanz war selbst in den Jahren, in denen unsere Gesamtbilanz passiv war, mit den Donaustaaten immer aktiv. Die Zumutung Frankreichs, uns zugunsten der gar nicht wirtschaftlich bedrohten Tschechei verdrängen zu lassen, war also grotesk und scheiterte an den primitivsten wirtschaftlichen Voraussetzungen.
Es ist ein unbestreitbarer Erfolg, daß es gelungen ist, Frankreich zum Verzicht auf die tschechische Dorzugsbehandlung zu bewegen. Allerdings waren es nicht allein die unwiderlegbaren deutschen Argumente, sondern auch das Drängen Rumäniens und Eüdslawiens, dem Prager Außenminister Benesch nicht mehr länger bedingungslos Gefolgschaft zu leisten, sondern end- lich die unverrückbaren Gesetze der Handelspolitik sich frei auswirken zu lassen.
Frankreich weih, dah es durch ein solches freies Auswirken eine engere Verflechtung der deutschen und südofteuropäischen Wirtschaft in Kauf nehmen muh. Aber Frankreich kann nichts anderes, als nachgeben. Es sind allzu viele französische Milliarden in den südosteuropäischen Staaten angelegt, als dah man dieses Geld in Frage stellen dürfte. Das aber würde geschehen, wenn man den einen Staat auf Kosten der anderen unterstützte. Es kommt hinzu, dah die Schuldknechtschaft Südosteuropas sich allmählich 'in eine innere Abkehr von Frankreich verwandelt, und um nicht die letzten politischen Sicherungen zu verlieren, muh Frankreich entgegenkommen.
Die Konferenz von Stresa ist noch nicht zu Ende. Der schwierigere Teil der Aufgabe steht sogar noch bevor. Er besteht in den eigentlichen praktischen Mahnahmen, die ergriffen werden müssen, um die gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusehcn. Immerhin bleibt schon jetzt die Tat- fache übrig, dah Frankreich, wenn auch notgedrungen, in die Linie der wirtschaftlichen Einsicht eingeschwenkt ist. Man hat begriffen, dah man sich einigen muh, soll der europäische Südosten nicht zu einem Brandherd der Revolutionen und des Bolschewismus werden. Deutschland hat an diesem bisherigen Erfolg der Konferenz den Hauptanteil. Wenn der gute Wille vorhält, dürfte auch in den praktischen Fragen eine Einigung auf der Grundlage mög-
Oie Parteien rüsten zum Wahlkampf.
Hitler vor der SA. und SS.
München, 16. Sept. (TTl.) 3m Münchener Zirkus fand am Donnerstagabend ein Gene - ralappell der SA. und SS. statt, auf dem Adolf Hitler sprach und an dem keine zivilen Parteigenossen teilnehmen konnten. Adolf Hitler erklärte in seiner über einstündigen Rede u. a.: Ich denke gar nicht daran, derartiges, wie die Duldung des Papenschen Programms, zu tun, um meine Ruhe zu haben. Dann kämpfe ich lieber. Ich habe für die Abstimmung im Reichstag gesorgt, damit man sieht, wer hinter diesen Herrschaften steht. Dauernde Derfassungsbrüche auf der einen Seite heben auch die Legalität auf der anderen Seite schließ- lich auf, da es nur eine Legalität geben kann. Mit der Garnitur Popen mache ich nicht mit, denn man will auf ihrer Seite letzten Endes nicht die Rettung der Ration, sondern man will eben diese Rettung der Ration verhindern. Ich verkaufe mich und meine Partei nicht um ein Linsengericht. Das Volk wird in drei Wochen wild werden, und wir werden sehen, wer härter ist, die deutschen Grenadiere, oder ein paar Exzellenzen.
Oie Volkspartei für überparteilicheStaatsfuhrung
Dingcldcy fordert einen nationalen Wahlblock.
Berlin, 15. Sept. (TU.) Der Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, sprach am Donnerstag vor einer Vertrauensmänneroersamm- lung der Berliner Parteiorganisation im Saale des Reichswirtschaftsrates. Die Deutsche Dolkspartei begrüße den letzten Versuch, die wirtschaftliche Katastrophe und den Fluch der Arbeitslosigkeit durch einschneidende Maßnahmen zu überwinden, die im Gegensatz zu den früheren Vor- gangen nicht mit einer neuen Schrumpfung der noch vorhandenen Kräfte, sondern durch eine Belebung der Produktion eingeleitet werden sollen. Um so mehr sei es zu be- . klagen, daß die innerpolitische Entwicklung, die zur Auflösung des Reichstages geführt habe, geeignet fei, den erfreulichen Anlauf zu unterbrechen. Aus den Vorfällen der letzten Zeit sei ersichtlich, daß das P a r t e i w e f e n , wie es sich im letzten Reichstage gestaltet habe, nicht die Unabhängigkeit und den Mut habe auf
bringen können, um die nötigen Reformen in Deutschland durchzuführen, die die Voraus- f e tz u n g für einen kraftvollen Staat und für wirtschaftliches Gedeihen seien. Vor Jahresfrist noch hätten Brüning und das Zentrum die Forderung der DVP. auf Heranziehung der Nationalsozialisten zur Mitverantwortung nicht gewollt. Jetzt habe aber gerade diese Partei alle Bedenken über Bord geworfen und wochenlang mit den Nationalsozialisten verhandelt, um einen ihr unbequemen Reichskanzler zu stür.zen. Die DVP. unterstütze einmütig den Ged'anken einer überparteilichen Regierung, die auf das Vertrauen des Reichspräsidenten gegründet sei und die mit starker Hand die Führung auf dem Wege der Reform behalten müsse. Deshalb fordere sie für die nächsten Wahlen die Unterstützung dieser Politik und bei aller Betonung der eigenen Parteigrundsätze den
Darmstadt, 16. Sept. (WSR.) In der Darmstädter Festhalle fand gestern abend eine Kundgebung der RSDAP.. in der die zurück- gekehrten Reichstagsabgeordneten sprachen. Der Kreisleiter Heß leitete die Versammlung. M. d. R. Ringshausen polemisierte scharf gegen die Deutschnationalen, den Kastengeist, den Bildungsdünkel und das Präsidialkabinett. Der „Herrenklub" basiere lediglich auf Paragraphen, während die nationalsozialistische Bewegung den Willen des Volkes darstelle. Die Rationalsozialisten hätten durch den Stimmzettel gesiegt, sie würden aber auch siegen mit der Knarre in der Hand, wenn die anderen es wollten. (Bei dieser Redewendung wurde der Redner von dem überwachenden Polizeibeamten verwarnt.) Der nächste Redner, M. d. R. Wagner, beton'e, das deutsche Volk habe mit dem Stimmzettel instinktmäßig bereits gegen das Kabinett Papen entschieden. Er beleuchtete das Programm Papens von der landwirtschaftlichen Seite aus. M. d.R. Kern bezeichnete den Machtantritt des „Herrenklubs" in Deutschland als Vorstufe für den Bolschewismus. In Deutschland solle es keinem schlecht gehen, aber die Lasten müßten gemeinsam getragen werden.
Der Gauleiter, M. d. R. Lenz, gab dann von den prominenten Mitgliedern des Herren-Klubs ein Bild an Hand der „Stammrollenauszüge".
gemeinsamen Aufmarsch aller Parteien, die sich hinter das P r ä f i d i a l k a b i- nett gestellt hätten und es weiter unterstützen wollten. Der Parteivorstand der DVP. habe sich heute e i n st i m m i g für die Bildung eines solchen nationalen Wahlblocks ausgesprochen und erwarte, daß dieser Ruf im ganzen Vaterlande ein freudiges Echo finde. Die letzten Ereignisse hätten Millionen von Wählern die Augen geöffnet, die bisher Nationalsozialisten und Zentrum gewählt haben. Die Deutsche Volkspartei erwarte mit ihnen, daß alle Deutschen, denen der wirtschaftliche Ausstieg und die staatliche Ordnung am Herzen liegen, die parteipolitischen Eifersüchteleien zurückstcllen, und daß der große einheitliche Aufmarsch alle nationalen Kräjtc in den Kampf für das Programm Hindenburgs führen werde.
Er erklärte, das Gespenst des Bolschewismus tauche in Deutschland immer schärfer auf. Die besten Zuhälter des Bolschewismus entstammten, wie einst in Rußland, jenen Cliquen, die nichts hinzugelernt und nichts vergessen hätten. Der Reichswehrminister v. Schleicher aber möge daran denken, was ihm die mitteldeutschen Kommandeure gesagt hätten: sie zweifelten daran, ob die Reichswehr auf einen Teil des deutschen Volkes schießen werde, der im Rationalsozialismus organisiert sei. Die Tage Hindenburgs als eines 85jährigen Greises dürften immerhin gezählt sein, und dann stehe Herr von Papen allein. Hinter ihm ständen nur d i e Person eines 85jährigen Greises, ein Adelsklub, einige korrupte Bankiers und 42 verkalkte Deutschnationale. Eine Bewegung wie die nationalsozialistische ließe sich weder von diesen noch von einer irregeleiteten Reichswehr an die Wand quetschen. Den alten Rationalsozialisten sei ein Stein vom Herzen gefallen, als man dje Leine los ließ, denn mehr alsden Marxismus, mehr als marxistische Bonzen, mehr als kommunistische Häuptlinge, hätten die Rationalsozialisten- immer die Spießer gehaßt, die 1918 zu feig waren, ihre Köpfe hinzuhalten. — Mit dem Horst-Wessel-Lied wurde die Kundgebung geschlossen.
Kundgebung der ASDAp. in Darmstadt.
lich sein, daß die einen Käuferstaaten Vorzugszölle, die anderen Käufer st aat en, aber auch die Richtkäuferstaaten den Derkäuferländem finanzielle Hilfen gewähren. Die letzte Entscheidung über Südosteuropa wird allerdings, das muß allem allzu weit gespannten Optimismus entgegengehalten werden, nicht dieWirtschaft, sondern die Politik sprechen, ilnb damit wären wir am Anfang: so lange das unnatürliche System des Versailler Diktates besteht, bleiben alle wirtschaftlichen Lösungen nur Aushilfen und Uebergänge.
England und die Einigung in Stresa.
Noch keine Entscheidung.
Stresa, 15. Sept. (TU.) In Stresa herrschte am Donnerstag große Ruhe. Die Entscheidung Englands zu dem deutsch-italienisch- französischen Uebereinkommensent- w u r s sieht noch aus. Doch wird die Möglichkeit einer Einigung mit England nicht mehr so pessimistisch beurteilt, wie bisher, da England am Mittwochabend seine scharfe Stellungnahme dahin ab« geschwächt hat, daß es betonte, gegenwärtig zu den geplanten Fonds nicht beisteuern zu können. Aus dem Worte „gegen- roärtig" wollen Optimisten entnehmen, daß sich ein Umschwung in der englischen Auffassung anbahne und die glauben, diese Meinung noch auf die Tatsache stützen zu können, daß England in den beiden Sonderausschüssen vertreten sein will, die am Donnerstag gebildet wurden, um das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen des Wirtschaftsausschusses und des Finanzausschusses zusammenzufassen und es am Montag der Vollversammlung vorzulegen. Im übrigen hat sich der Wirtschaftsausschuß am Donnerstag darauf beschränkt, allgemeine Fragen zu behandeln. Denn ohne die Kenntnis der endgültigen Stellungnahme der englischen Abordnung sind ja sämtliche Entschließungen von Bedeutung ein Schlag ins Leere, falls es bei der ablehnenden Haltung Englands bleiben sollte. Zu der im Wirtschaftsausschuß vorgebrachten Frage des A b b a u e s der Zoll- und sonstigen Handelsbeschränkungen erklärte Ministerialdirektor Posse, daß bei Anerkennung der Wichtigkeit dieser Dinge diese Fragen ein so starkes allgemein europäisches Interesse hätten, daß er sie lieber von der Weltwirtfchaftskonserenz behandelt wissen wolle. — Wie verlautet, wird die Konferenz Dienstag zu Ende gehen.
Oer Llmsturz in Ehile.
Blanco bildet ein neues Kabinett.
'Santiago d e Chile , 15. Sept. (TU.) Der neue chilenische Präsident, General Blanco, hat
nunmehr sein neues Kabinett zusammen- aestellt. Er hatte am Donnerstag eine längere Konferenz über die politische Lage mit dem abgesetzten Präsidenten Dr. D a v i l a. Die Regierungsstreitkräfte haben die gegenrevolutionäre Bewegung des Fliegerkommandeurs Merino niedergeschlagen, der am Mittwoch infolge Meinungsverschiedenheiten mit Bianco mit 70 Militärflugzeugen spurlos verschwunden war. Bald stellte es sich heraus, daß er sich in Oveille aufhiell und von dort einen Lust- angriff auf b i e Haupt st adt plante. Die Regierung ließ sofort alle Flugplätze besetzen und die dort befindlichen Tankstellen z e r st ö r e n , um Merinos Flugzeugen die Brennstoffzufuhr zu entziehen. Schließlich wurden alle Flugzeuge von den Regierungstruppen beschlagnahmt, während Merino flüchtete. Drei Flieger wurden getötet. In ganz Chile herrscht nunmehr einer amtlichen Mitteilung zufolge Ruhe. Armee und Marine stehen hinter der Regierung.
Anerkennung desmandschurischen Staates durch Zapan.
Tschangtschun, 15. Sept. General Muto übermittelte am Donnerstag dem mandschurischen Präsidenten P u y i die offizielle Erklärung über die Anerkennung des mandschurischen Staatesdurch dasjapanischeKaiser- reich. Darauf fand die Unterzeichnung des japanisch-mandschurischen Protokolls statt. Die mandschurische Regierung bittet Japan, die mandschurischen Interessen beim Völkerbund zu vertreten.
Der japanische Vertreter beim Völkerbund. Savado, überreichte dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Schreiben, in dem die japanische Regierung ersucht, die ileberbrüfung des Lytton-Berichts durch den Völkerbundsrat bis aus den Zeitpunkt zu verschieben, wo Japan sich in der Lage sehe, seine Bemerkungen zum Bericht an- zubringen und einen Sondervertreter nach Genf zu entsenden. Eine Verschiebung um sechs Wochen vom Zeitpunkt der Vorlage des Berichts an werde genügen.
Die Japaner haben jetzt enbgültig beit neuen Staat Mandschukuo anerkannt. Sic glauben, dah sie durch diesen Schachzug den fernöstlichen Konflikt auf eine völlig neue Basis stellen können. Denn von jetzt ab bleiben die Japaner offiziell außerhalb des Spiels, während der neue Staat berufen ist, sich mit der Ranking-Regie- rung auseinanderzusetzen. In Wirklichkeit ist natürlich alles beim alten geblieben. Die Mandschurei ist nach wie vor eine von den Japanern eroberte Provinz, die Scheinregierung, mit der jetzt der Tlnabhängigkeitsvertrag unter» zeichnet worden ist, hat den Befehlen, bie ihr
von Tokio zugehen, unbedingt Folge zu leisten. Mit der Anerkennung des Mandschu-Staates sind aber die Japaner praktisch nicht viel weiter gekommen. Sie müssen nach wie vor mit der Waffe in der Hand ihre Eroberung verteidigen, während zu gleicher Zeit die Beobachtung zu machen ist, daß die angesiedelten Japaner in immer größerer Zahl das Land fluchtartig verlassen. Durch die Abwanderung der japanischen Bevölkerung wird ihre Position untergraben. Wollen sie diese Rückwärtsentwicklung verhindern, dann werden sie schließlich doch gewaltige Streitkräfte in das Land hineinschicken müssen, wobei es immer noch fraglich ist, ob ihnen eines Tages nicht finanziell der Atem ausgeht.
Chinesischer Protest.
Einberufung einer Konferenz verlangt.
Ranking, 15. Sept. (WTB.) Unmittelbar nach der amtlichen Anerkennung des Mandschu- staates durch Japan richtete die chinesische Regierung Protestnoten nach London, Paris, Washington, Rom und Genf, die Japan beschuldigen, die Gebiets- und Verwaltungssouveränität Chinas verletzt zu haben und ein sofortiges internationales Vorgehen verlangen. In einem Telegramm an den Völkerbund erklärte die chinesische Regierung, die Handlungsweise Japans sei mit dem Geiste des Völkerbundspaktes unvereinbar und eine unmittelbare Verletzung der Beschlüsse der Dölkerbundsversammlung. In ähnlichen, an die anderen Unter$eid)ner des Reunmächtevertrages gerichteten Roten wird das Vorgehen Jchmns als eine Verletzung des Vertrages gekennzeichnet und die sofortige Berufung einer Konferenz verlangt. In einer Rote an Japan erklärt die chinesische Regierung die Qlncrfennung des Man- dschustaates könne nur als eine offene Verletzung der territorialen Integrität Chinas angesehen werden.
Am 4. Oktober tritt der Hessische Landtag zusammen.
WSR. Darmstadt, 15. Sept. Am Don- nersta-gnachmittag befaßte sich der Aelte- ft«nrat des Hessischen Landtags mit dem vorliegenden Material. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt: doch ist wahrscheinlich, dah das Plenum des Landtags am Dienstag,4. Oktober vormittags zusannnentreten wird. Auch der sozialdemokratische Antrag auf Auflösung des Landtags wird dann auf der Tagesord^ nung stehen.


