Ausgabe 
16.9.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 218 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Zreitag, 16. September 1952

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen: Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle

WonatSBejugsprets:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

Kernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Sieben.

Postscheckkonto:

Jranffurt am Main 11686.

Gietzeim Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vrühl'sche Univer^läts-Vllch' und Zteindruckerei K Lange in Gletzen. 8chriftleitung und Geschastrstelle: Schulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.- für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playoorschrist 200/ mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Biehen.

Die Konferenz von Stresa.

Don unserem O-Korrespondenten.

Stresa, den 14.September 1932.

Wie lange ist es her, dah wir im Geleite Strese- manns und Driands von Locarno südwärts fuh­ren, um an einem Septembernachmittag wie jetzt Gaste der italienischen Regierung zu fein? Wirk­lich schon sieben Jahre? Stresemann und Driand sind längst dahingegangen, die Probleme aber, um die es vor sieben Jahren ging, sind d i e gleichen geblieben. And im Hintergrund aller europäischen Röte und wirtschaftlichen Verwick­lungen steht der Schatten des Versail- lerVertrages, jenes aus Siegerübermut uns auf gezwungenen Diktates, das den Krieg nicht be­endete, sondern nur die Drachensaat neuer Kriege fäte. Wieder einmal sitzen die Vertreter aller eu­ropäischen Staaten in dem schönen Orte Stresa am Langen See, um in nicht allzu förmlichen Bespre­chungen über die wirtschaftlichen Mahnahmen zu beraten, Südosteuropa aus der Krise zu er­retten. Duntbcwimpelte Schiffe durchfurchen jeden Rachmittag die unwahrscheinlich klaren und durch­sichtigen Wasser des Sees, bei Kaffee und Kuchen unterhält man sich darüber, wie sich die Konferenz zu einem Erfolg ausgestalten läßt. Die allgemeine Stimmung ist günstig, und während sich in Berlin die innenpolitische Situation Deutschlands außer­ordentlich »uzuspihen scheint, ist es wirklich nicht ausgeschlossen, daß der deutsche Vertreter, Mini­sterialdirektor Posse, den deutschen Ansichten zum Durchbruch verhilft.

Der Holländer Bruyns hat festgestellt:Zu­nächst sind alle Methoden der Vergangenheit zu liquidieren!" Der Engländer Addison ging noch weiter und nannte alle wirtschaftserwürgcn- den Einfuhrbehinderungen der Staaten unterein­ander lächerlich. Der Schweizer S t u ck i nannte diese Bestimmungen zwar nicht lächerlich, sondern sogar unter den gegewärtigen Umständen un­vermeidlich, aber unheilvoll, ilnb ehe die Debatte in die Fragen der hohen Politik ab­gleiten konnte, beschränkte sie der deutsche Ver­treter Posse auf den Grundsatz:D ie wirt­schaftlichen Fragen stehen im Vorder­grund." Man ist also bei den wirtschaftlichen Fra. gen stehengeblieben, und man sucht nach einer be­friedigenden Lösung zwischen Deutschland, Frank­reich und Italien. Das Berliner Auswärtige Amt und das Reichswirtschaftsministerium haben aus­gezeichnet vorgearbeitet. Das Material, mit dem die deutschen Vertreter aufzuwarten haben, ist das stichhaltigste aller Staaten. Cs erledigte ohne weiteres den T a r d i e u - P l a n, der diekleine Entente" mit Oesterreich und Ungarn unter französischer Führung in einem Dorzugszollsystem zusammenschließen sollte. Diese Vorzugszölle hätten weder Rumänien, noch Südslawien oder Ungarn auch nur das min­deste genutzt. Dafür aber wären d i e politischen Bindungen um so uner­träglicher geworden. Italien und Deutschland wi­dersprachen, und der Tardieu-Plan wurde still­schweigend beiseite gelegt.

Wer Deutschland von Südosteuropa aus­schalten will treibt die südosteuropäischen Staaten in den Zusammenbruch hinein. Einige Zahlen sollen dies beweisen: 1930 war Deutsch­land an der Fertigwareneinfuhr Oesterreichs, Ser­biens, Ungarns und Rumäniens mit fast 5 0 Prozent beteiligt. 3n sämtlichen Südvst- staaten steht das Reich an erster Stelle der Gesamteinfuhr. Unsere Handelsbilanz war selbst in den Jahren, in denen unsere Gesamtbilanz pas­siv war, mit den Donaustaaten immer aktiv. Die Zumutung Frankreichs, uns zugunsten der gar nicht wirtschaftlich bedrohten Tschechei verdrängen zu lassen, war also grotesk und scheiterte an den primitivsten wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Es ist ein unbestreitbarer Erfolg, daß es gelun­gen ist, Frankreich zum Verzicht auf die tsche­chische Dorzugsbehandlung zu bewegen. Aller­dings waren es nicht allein die unwiderlegbaren deutschen Argumente, sondern auch das Drängen Rumäniens und Eüdslawiens, dem Prager Außenminister Benesch nicht mehr länger be­dingungslos Gefolgschaft zu leisten, sondern end- lich die unverrückbaren Gesetze der Handelspoli­tik sich frei auswirken zu lassen.

Frankreich weih, dah es durch ein solches freies Auswirken eine engere Verflechtung der deut­schen und südofteuropäischen Wirtschaft in Kauf nehmen muh. Aber Frankreich kann nichts an­deres, als nachgeben. Es sind allzu viele fran­zösische Milliarden in den südosteuropäischen Staa­ten angelegt, als dah man dieses Geld in Frage stellen dürfte. Das aber würde geschehen, wenn man den einen Staat auf Kosten der anderen un­terstützte. Es kommt hinzu, dah die Schuldknecht­schaft Südosteuropas sich allmählich 'in eine innere Abkehr von Frankreich ver­wandelt, und um nicht die letzten politischen Siche­rungen zu verlieren, muh Frankreich entgegen­kommen.

Die Konferenz von Stresa ist noch nicht zu Ende. Der schwierigere Teil der Aufgabe steht sogar noch bevor. Er besteht in den eigentlichen praktischen Mahnahmen, die ergriffen werden müs­sen, um die gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umzusehcn. Immerhin bleibt schon jetzt die Tat- fache übrig, dah Frankreich, wenn auch notge­drungen, in die Linie der wirtschaft­lichen Einsicht eingeschwenkt ist. Man hat begriffen, dah man sich einigen muh, soll der europäische Südosten nicht zu einem Brandherd der Revolutionen und des Bolschewismus wer­den. Deutschland hat an diesem bisherigen Er­folg der Konferenz den Hauptanteil. Wenn der gute Wille vorhält, dürfte auch in den praktischen Fragen eine Einigung auf der Grundlage mög-

Oie Parteien rüsten zum Wahlkampf.

Hitler vor der SA. und SS.

München, 16. Sept. (TTl.) 3m Münchener Zirkus fand am Donnerstagabend ein Gene - ralappell der SA. und SS. statt, auf dem Adolf Hitler sprach und an dem keine zivilen Parteigenossen teilnehmen konnten. Adolf Hitler erklärte in seiner über einstündigen Rede u. a.: Ich denke gar nicht daran, derartiges, wie die Duldung des Papenschen Programms, zu tun, um meine Ruhe zu haben. Dann kämpfe ich lieber. Ich habe für die Abstimmung im Reichs­tag gesorgt, damit man sieht, wer hinter diesen Herrschaften steht. Dauernde Derfassungsbrüche auf der einen Seite heben auch die Lega­lität auf der anderen Seite schließ- lich auf, da es nur eine Legalität geben kann. Mit der Garnitur Popen mache ich nicht mit, denn man will auf ihrer Seite letzten Endes nicht die Rettung der Ration, sondern man will eben diese Rettung der Ration verhindern. Ich verkaufe mich und meine Partei nicht um ein Linsengericht. Das Volk wird in drei Wochen wild werden, und wir werden sehen, wer härter ist, die deutschen Grenadiere, oder ein paar Exzellenzen.

Oie Volkspartei für überparteilicheStaatsfuhrung

Dingcldcy fordert einen nationalen Wahlblock.

Berlin, 15. Sept. (TU.) Der Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, sprach am Donnerstag vor einer Vertrauensmänneroersamm- lung der Berliner Parteiorganisation im Saale des Reichswirtschaftsrates. Die Deutsche Dolkspartei begrüße den letzten Versuch, die wirt­schaftliche Katastrophe und den Fluch der Arbeits­losigkeit durch einschneidende Maßnahmen zu über­winden, die im Gegensatz zu den früheren Vor- gangen nicht mit einer neuen Schrump­fung der noch vorhandenen Kräfte, sondern durch eine Belebung der Produktion eingeleitet werden sollen. Um so mehr sei es zu be- . klagen, daß die innerpolitische Entwicklung, die zur Auflösung des Reichstages geführt habe, geeignet fei, den erfreulichen Anlauf zu unterbrechen. Aus den Vorfällen der letzten Zeit sei ersichtlich, daß das P a r t e i w e f e n , wie es sich im letzten Reichstage gestaltet habe, nicht die Unab­hängigkeit und den Mut habe auf­

bringen können, um die nötigen Reformen in Deutschland durchzuführen, die die Voraus- f e tz u n g für einen kraftvollen Staat und für wirt­schaftliches Gedeihen seien. Vor Jahresfrist noch hät­ten Brüning und das Zentrum die Forderung der DVP. auf Heranziehung der Nationalsozialisten zur Mitverantwortung nicht gewollt. Jetzt habe aber gerade diese Partei alle Bedenken über Bord geworfen und wochenlang mit den Nationalsozia­listen verhandelt, um einen ihr unbequemen Reichs­kanzler zu stür.zen. Die DVP. unterstütze einmütig den Ged'anken einer überparteilichen Regierung, die auf das Vertrauen des Reichs­präsidenten gegründet sei und die mit starker Hand die Führung auf dem Wege der Reform behalten müsse. Deshalb fordere sie für die nächsten Wahlen die Unterstützung dieser Politik und bei aller Betonung der eigenen Parteigrundsätze den

Darmstadt, 16. Sept. (WSR.) In der Darm­städter Festhalle fand gestern abend eine Kund­gebung der RSDAP.. in der die zurück- gekehrten Reichstagsabgeordneten sprachen. Der Kreisleiter Heß leitete die Ver­sammlung. M. d. R. Ringshausen polemi­sierte scharf gegen die Deutschnationalen, den Kastengeist, den Bildungsdünkel und das Prä­sidialkabinett. DerHerrenklub" basiere lediglich auf Paragraphen, während die nationalsoziali­stische Bewegung den Willen des Volkes darstelle. Die Rationalsozialisten hätten durch den Stimmzettel gesiegt, sie würden aber auch siegen mit der Knarre in der Hand, wenn die anderen es wollten. (Bei dieser Rede­wendung wurde der Redner von dem über­wachenden Polizeibeamten verwarnt.) Der nächste Redner, M. d. R. Wagner, beton'e, das deutsche Volk habe mit dem Stimmzettel instinktmäßig be­reits gegen das Kabinett Papen entschieden. Er beleuchtete das Programm Papens von der land­wirtschaftlichen Seite aus. M. d.R. Kern be­zeichnete den Machtantritt desHerrenklubs" in Deutschland als Vorstufe für den Bolschewismus. In Deutschland solle es keinem schlecht gehen, aber die Lasten müßten gemeinsam getra­gen werden.

Der Gauleiter, M. d. R. Lenz, gab dann von den prominenten Mitgliedern des Herren-Klubs ein Bild an Hand derStammrollenauszüge".

gemeinsamen Aufmarsch aller Par­teien, die sich hinter das P r ä f i d i a l k a b i- nett gestellt hätten und es weiter unterstützen wollten. Der Parteivorstand der DVP. habe sich heute e i n st i m m i g für die Bildung eines solchen nationalen Wahlblocks ausge­sprochen und erwarte, daß dieser Ruf im ganzen Vaterlande ein freudiges Echo finde. Die letzten Ereignisse hätten Millionen von Wählern die Augen geöffnet, die bisher National­sozialisten und Zentrum gewählt haben. Die Deutsche Volkspartei erwarte mit ihnen, daß alle Deutschen, denen der wirtschaftliche Ausstieg und die staatliche Ordnung am Herzen liegen, die parteipolitischen Eifersüchteleien zurückstcllen, und daß der große einheitliche Aufmarsch alle nationalen Kräjtc in den Kampf für das Programm Hindenburgs führen werde.

Er erklärte, das Gespenst des Bolschewismus tauche in Deutschland immer schärfer auf. Die besten Zuhälter des Bolschewismus entstammten, wie einst in Rußland, jenen Cli­quen, die nichts hinzugelernt und nichts vergessen hätten. Der Reichswehrminister v. Schleicher aber möge daran denken, was ihm die mittel­deutschen Kommandeure gesagt hätten: sie zwei­felten daran, ob die Reichswehr auf einen Teil des deutschen Volkes schießen werde, der im Rational­sozialismus organisiert sei. Die Tage Hindenburgs als eines 85jährigen Greises dürften immerhin gezählt sein, und dann stehe Herr von Papen allein. Hinter ihm ständen nur d i e Person eines 85jährigen Grei­ses, ein Adelsklub, einige korrupte Bankiers und 42 verkalkte Deutschnationale. Eine Bewe­gung wie die nationalsozialistische ließe sich we­der von diesen noch von einer irre­geleiteten Reichswehr an die Wand quetschen. Den alten Rationalsozialisten sei ein Stein vom Herzen gefallen, als man dje Leine los ließ, denn mehr alsden Marxis­mus, mehr als marxistische Bonzen, mehr als kommunistische Häuptlinge, hätten die Rational­sozialisten- immer die Spießer gehaßt, die 1918 zu feig waren, ihre Köpfe hinzuhalten. Mit dem Horst-Wessel-Lied wurde die Kund­gebung geschlossen.

Kundgebung der ASDAp. in Darmstadt.

lich sein, daß die einen Käuferstaaten Vorzugs­zölle, die anderen Käufer st aat en, aber auch die Richtkäuferstaaten den Derkäuferländem finan­zielle Hilfen gewähren. Die letzte Entscheidung über Südosteuropa wird allerdings, das muß allem allzu weit gespannten Optimismus ent­gegengehalten werden, nicht dieWirtschaft, sondern die Politik sprechen, ilnb damit wären wir am Anfang: so lange das unnatür­liche System des Versailler Diktates besteht, blei­ben alle wirtschaftlichen Lösungen nur Aus­hilfen und Uebergänge.

England und die Einigung in Stresa.

Noch keine Entscheidung.

Stresa, 15. Sept. (TU.) In Stresa herrschte am Donnerstag große Ruhe. Die Entscheidung Englands zu dem deutsch-italienisch- französischen Uebereinkommensent- w u r s sieht noch aus. Doch wird die Möglichkeit einer Einigung mit England nicht mehr so pessi­mistisch beurteilt, wie bisher, da England am Mitt­wochabend seine scharfe Stellungnahme dahin ab« geschwächt hat, daß es betonte, gegenwärtig zu den geplanten Fonds nicht bei­steuern zu können. Aus dem Wortegegen- roärtig" wollen Optimisten entnehmen, daß sich ein Umschwung in der englischen Auffassung anbahne und die glauben, diese Meinung noch auf die Tat­sache stützen zu können, daß England in den beiden Sonderausschüssen vertreten sein will, die am Don­nerstag gebildet wurden, um das Ergebnis der bis­herigen Verhandlungen des Wirtschaftsausschusses und des Finanzausschusses zusammenzufassen und es am Montag der Vollversammlung vorzulegen. Im übrigen hat sich der Wirtschaftsausschuß am Donnerstag darauf beschränkt, allgemeine Fragen zu behandeln. Denn ohne die Kenntnis der end­gültigen Stellungnahme der englischen Abordnung sind ja sämtliche Entschließungen von Bedeutung ein Schlag ins Leere, falls es bei der ablehnenden Haltung Englands bleiben sollte. Zu der im Wirt­schaftsausschuß vorgebrachten Frage des A b b a u e s der Zoll- und sonstigen Handels­beschränkungen erklärte Ministerialdirektor Posse, daß bei Anerkennung der Wichtigkeit die­ser Dinge diese Fragen ein so starkes allgemein euro­päisches Interesse hätten, daß er sie lieber von der Weltwirtfchaftskonserenz behan­delt wissen wolle. Wie verlautet, wird die Kon­ferenz Dienstag zu Ende gehen.

Oer Llmsturz in Ehile.

Blanco bildet ein neues Kabinett.

'Santiago d e Chile , 15. Sept. (TU.) Der neue chilenische Präsident, General Blanco, hat

nunmehr sein neues Kabinett zusammen- aestellt. Er hatte am Donnerstag eine längere Kon­ferenz über die politische Lage mit dem abgesetzten Präsidenten Dr. D a v i l a. Die Regierungsstreit­kräfte haben die gegenrevolutionäre Bewegung des Fliegerkommandeurs Merino niedergeschlagen, der am Mittwoch infolge Meinungsverschiedenheiten mit Bianco mit 70 Militärflugzeugen spurlos verschwun­den war. Bald stellte es sich heraus, daß er sich in Oveille aufhiell und von dort einen Lust- angriff auf b i e Haupt st adt plante. Die Regierung ließ sofort alle Flugplätze besetzen und die dort befindlichen Tankstellen z e r st ö r e n , um Merinos Flugzeugen die Brennstoffzufuhr zu entziehen. Schließlich wurden alle Flugzeuge von den Regierungstruppen beschlagnahmt, wäh­rend Merino flüchtete. Drei Flieger wurden ge­tötet. In ganz Chile herrscht nunmehr einer amt­lichen Mitteilung zufolge Ruhe. Armee und Marine stehen hinter der Regierung.

Anerkennung desmandschurischen Staates durch Zapan.

Tschangtschun, 15. Sept. General Muto übermittelte am Donnerstag dem mandschurischen Präsidenten P u y i die offizielle Erklärung über die Anerkennung des mandschurischen Staatesdurch dasjapanischeKaiser- reich. Darauf fand die Unterzeichnung des japanisch-mandschurischen Pro­tokolls statt. Die mandschurische Regierung bit­tet Japan, die mandschurischen Interessen beim Völkerbund zu vertreten.

Der japanische Vertreter beim Völkerbund. Savado, überreichte dem Generalsekretär des Völkerbundes ein Schreiben, in dem die japa­nische Regierung ersucht, die ileberbrüfung des Lytton-Berichts durch den Völkerbundsrat bis aus den Zeitpunkt zu verschieben, wo Japan sich in der Lage sehe, seine Bemerkungen zum Bericht an- zubringen und einen Sondervertreter nach Genf zu entsenden. Eine Verschiebung um sechs Wochen vom Zeitpunkt der Vorlage des Berichts an werde genügen.

Die Japaner haben jetzt enbgültig beit neuen Staat Mandschukuo anerkannt. Sic glauben, dah sie durch diesen Schachzug den fernöstlichen Kon­flikt auf eine völlig neue Basis stellen können. Denn von jetzt ab bleiben die Japaner offiziell außerhalb des Spiels, während der neue Staat berufen ist, sich mit der Ranking-Regie- rung auseinanderzusetzen. In Wirklichkeit ist na­türlich alles beim alten geblieben. Die Mandschurei ist nach wie vor eine von den Japanern eroberte Provinz, die Scheinregierung, mit der jetzt der Tlnabhängigkeitsvertrag unter» zeichnet worden ist, hat den Befehlen, bie ihr

von Tokio zugehen, unbedingt Folge zu leisten. Mit der Anerkennung des Mandschu-Staates sind aber die Japaner praktisch nicht viel weiter ge­kommen. Sie müssen nach wie vor mit der Waffe in der Hand ihre Eroberung verteidigen, während zu gleicher Zeit die Beobachtung zu machen ist, daß die angesiedel­ten Japaner in immer größerer Zahl das Land fluchtartig verlassen. Durch die Ab­wanderung der japanischen Bevölkerung wird ihre Position untergraben. Wollen sie diese Rück­wärtsentwicklung verhindern, dann werden sie schließlich doch gewaltige Streitkräfte in das Land hineinschicken müssen, wobei es immer noch fraglich ist, ob ihnen eines Tages nicht finanziell der Atem ausgeht.

Chinesischer Protest.

Einberufung einer Konferenz verlangt.

Ranking, 15. Sept. (WTB.) Unmittelbar nach der amtlichen Anerkennung des Mandschu- staates durch Japan richtete die chinesische Regie­rung Protestnoten nach London, Paris, Wa­shington, Rom und Genf, die Japan beschuldigen, die Gebiets- und Verwaltungssou­veränität Chinas verletzt zu haben und ein sofortiges internationales Vorgehen verlan­gen. In einem Telegramm an den Völker­bund erklärte die chinesische Regierung, die Handlungsweise Japans sei mit dem Geiste des Völkerbundspaktes unvereinbar und eine unmittelbare Verletzung der Beschlüsse der Dölkerbundsversammlung. In ähnlichen, an die anderen Unter$eid)ner des Reunmächtevertrages gerichteten Roten wird das Vorgehen Jchmns als eine Verletzung des Vertrages gekennzeichnet und die sofortige Berufung einer Konferenz verlangt. In einer Rote an Japan erklärt die chinesische Regierung die Qlncrfennung des Man- dschustaates könne nur als eine offene Ver­letzung der territorialen Integri­tät Chinas angesehen werden.

Am 4. Oktober tritt der Hessische Landtag zusammen.

WSR. Darmstadt, 15. Sept. Am Don- nersta-gnachmittag befaßte sich der Aelte- ft«nrat des Hessischen Landtags mit dem vor­liegenden Material. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt: doch ist wahrscheinlich, dah das Plenum des Landtags am Dienstag,4. Ok­tober vormittags zusannnentreten wird. Auch der sozialdemokratische Antrag auf Auflösung des Landtags wird dann auf der Tagesord^ nung stehen.