Ausgabe 
16.8.1932 Erstes Blatt
 
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Aus aller Welt

war es, als sähe sie ihn wieder vor sich stehen Skandalgeschichte passiert wäre. Nachdem er sich

35 Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

wie an jenem Tage, da er gekommen um ihr mit- zuteilen, er hätte jetzt erst, nach mehr als drei Jahren, ihren Brief gelesen, den sie vor ihrer Flucht geschrieben und den seine Mutter erklärte, vernichtet zu haben.

S:e sah ihn deutlich vor sich stehen und ihn wieder sagen zu hören: Hätte ich damals den Brief gelesen und die Stelle: Ich habe Werner lieber als alles sonst auf der Welt! wäre ich dem Wanderzirkus nachgeeilt und hätte dich heimgeholt, Lil!

seinen Revolver gezogen und einen Schreckschuß in die Luft abgegeben. Daraufhin fei er sofort niedergeschlagen und schwer verwundet worden. Manche ist tatsächlich erheblich verletzt worden und hat erst vor kurzem das Krankenhaus ver­lassen können.

also nie mehr um dich gekümmert und beinahe eine andere geheiratet hätte, kommt er und dreht dir wieder Augen. Alles, was recht ist, Lil, aber du solltest dich seinetwegen nicht aufregen."

Lil sah ihn groß an.

Ich soll mich seinetwegen nicht aufregen? Weißt du denn, was du redest? Nein, das kannst du nicht wissen. Obwohl du zu wissen glaubst, ich liebe ihn, scheint für dich Liebe doch nur so etwas Aehnliches zu sein wie eine Petroleum­lampe, deren Docht man höher oder tiefer schrau­ben kann."

Die lippische Landesregierung hat angesichts des Rückganges der Reichssteuerein­nahmen beschlossen, eine Gehaltskürzung vom 1. September d. I. ab für das Rechnungs­jahr 1932 durchzuführen. Die Kürzung erfolgt in der Weise, wie sie Preußen bereits feit dem l.Iuli d. I. durchgeführt hat, jedoch mit der Milderung, daß eine Freigrenze von 1000 Mark gesetzt wird.

*

In der Stadtverordnetenversammlung von Bad Doberan wurde auf einen national­sozialistischen Dringlichkeitsantrag hin gegen den Widerspruch der Linken Adolf Hitler das Ehren- bürgerrecht der Stadt Doberan verliehen. Gleich­zeitig wurde «ine Chaussee in Adolf-Hitler- Straße umbenannt.

Die mecklenb. - schwerin. Staats re gie- r u n g hat den Beamten der Landespolizei das Tragen politischer Abzeichen außerhalb der Unterkunft und außerhalb des Dienstes wieder gestattet.

Die Regierungskommisfion des Saarge­biets hat trotz des einmütigen Protestes der Saarbevölkerung und ihrer gewählten Vertre­ter im Landesrat neue Steuererhöhungen verord­net. 60 Millionen fehlen der Kommission zur Ausgleichung ihres Haushaltes. Die Erhöhungen bedeuten eine Mehrbelastung von rund 54 Mil­lionen Franks.

Kleine politische Nachrichten.

Wie dasBerliner Tageblatt" meldet, sind die Direktoren Posse! und Dr. L a u f f e r aus dem Direktorium der Preußenkasse abberu- fen worden.

Emil Maier, der badische Minister des Innern, der bei den letzten Verhandlungen der Länder­regierungen mit dem Reichskanzler eine Rolle spielte, verstarb in dem badischen Kurort Freudenstadt in­folge eines Schlaganfalls.

Badens Innenminister einem Schlag* anfall erlegen.

Oie Ohlauer Siraßenkämpfe vor dem Sondergericht.

Dos UWle itlöüel.

Original-Roman von Anny von panhuyet. Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.

2il, mein« süße Lil! stöhnt« er in grenzenloser Qual Cs gingen Leut« durch die stille Straße, iQui und eine Männerstimme

Ich bin der Fix! Fix! Fix, Das ist der Rix! Rix! Rix, Wir beide machen dumme Tricks!

_ Tricks! Tricks I

_ Werner Sturm schauerte zusammen. Fix' Das toQr Lil, seine schöne, blond« Lil, die er einmal voll Seligkeit geküßt, das war die Lil, die ge­leiert« Lil, die ihn für einen berechnenden Men­schen hielt, die ihm nicht glaubte.

Er fuhr sich über die heiße Stirn und dachte: Wie traurig wie todestraurig konnte doch manch­mal die Liebe sein.

25. Kapitel.

Armer Rix!

Abend für Abend holte sich Lil den gleich starken Beifall wie am ersten Abend ihres Frank- furter Auftretens. Ganz Frankfurt geriet all­mählich in einen Fix- und Nixrausch. Aeberall sang und trällerte man das törichte Derschen: Ich bin der Fix! Fix, Fix! und Lil erhielt Be­such über Besuch. Die meisten ihrer Bekann­ten aus den guten Tagen, da ihr Dater noch der «iche Bankier und sie sein verwöhntes Töchter­chen gewesen, liehen sich bei ihr melden und freu­ten sich, empfangen zu werden. Man fand ihren Beruf interessant, und frühere Freundinnen er­klärten offen, sie zu beneiden. Allerdings nur, toeil sie gehört hatten, Lil verdiene viel Geld, wie sie zugaben. Denn um sich so kornisch zurecht­zuschminken, gestanden sie weiter, dazu gehör« für «in junges Mädchen eine Menge Mut.

Auch Iustizrat Stoll machte seinen Besuch. Gr nahm Lils beide Hände und küßte sie:Sie sind die Königin des Humors, gnädiges Fräu­lein, im Schumanntheater lachen sich jetzt sämt­liche schlechtlaunige Frankfurter mit Ihrer Hilfe in vergnügte Menschen um. Mein Himmel! Habe lch am ersten Abend Ihres Auftretens gekocht. Ich ging gleich nach Ihrer Nummer weg, denn danach mußte einen alles enttäuschen. Dr. Sturm war auch in der Vorstellung"

Er brach ab. Lil Körner interessierte das wohl wenig. J

bot dem Besucher Platz an, ließ Südwein ° S^Vlich belegte Appetitschnittchen bringen. ,^Hat Werner Sturm etwas zu Ihnen über mein

leuten überhaupt nicht geschossen worden sei. Es sei dc>ch überraschend, daß immerhin eine ganze Anzahl von Nationalsozialisten durch Schüsse ver­wundet und zwei sogar getötet worden seien. Der Angeklagte erklärt noch einmal, daß es un­möglich sei, daß seine Leute geschossen hätten.

Teilweise im Gegensatz hierzu, wie der Vor­sitzende feststellt, stehen die Aussagen des Gewcrk- schastssekretärs Strulik, der zugibt, daß die Reichsbannergruppen bereit gewesen seien, natio­nalsozialistische Gruppen, die ihre Freunde an­gegriffen hätten, zu verprügeln.

Der dritte Angeklagte, Verwalter der Ohlauer Ortsgruppe des Reichsbanners Bleck, sagte aus, daß er bereits bei seiner Rückkehr aus Laskowih beim Verlassen eines Lastkraftwagens gehört habe, daß in Ohlauetwas los" sei. Warum die Reichsbannerleute zusammengeblie­ben wären, könne er nicht sagen. Der Vor­sitzende hält dem Angeklagten einen Brief an den Landrat von Ohlau vor, in dem dieser der Behörde mit Selbsthilfe droht, falls die Polizei beim Schutz des Reichsbanners in Zukunft ver­sagen würde. Der Vorsitzende will von dem An­geklagten wissen, was er unter dem Begriff Selbsthilfe verstanden habe, erhält jedoch hierauf keine grundlegende Auskunft.

Die Verhandlung wurde gegen 18 Ufjr auf morgen früh vertagt. Von den Angeklagten wurde als letzter der sozialdemokratische Stadt­rat Manche gehört. Er erklärte zunächst, an den Schlägereien überhaupt nicht beteiligt ge­wesen zu sein. Auf einem Wege durch die Stadt sei er einem Zug Nationalsozialisten begegnet. Plötzlich seien Rufe ertönt:Hier ist der rote Manche, schlagt ihn tot!" Ein Teil der National­sozialisten hätte sich auf ihn gestürzt, so daß er fliehen mußte. Er fei aber eingeholt und ge­schlagen worden, und da auch einige Schüsse abgegeben worden seien, habe er in Bedrängnis

der Berhafteten und nähere Einzelheiten über den Umfang der neuen Devifenaffäre nicht be­kannt gegeben.

(Ein neuer Komet.

Die Potsdamer Sternwarte hat einen Korne- t e n gesichtet, der am 8. August in Amerika ent­deckt worden ist. Der Komet bewegt sich sehr rasch in der Richtung des nördlichen Himmelpols. Er ist schon mit einem kleinen Instrument zu sehen: mit bloßem Auge ist er jedoch noch nicht er­kennbar.

Feuer durch Blitzschlag.

Während eines über Mülheim niederge­gangenen Gewitters setzte ein Blitz das Dach des Thyssenschen Röhrenwerkes in Brand. Das Feuer fand in dem mit Teer­pappe bedeckten Dach reiche Nahrung: nach kurzer Zeit schlugen die Flammen hoch empor. Der Werksfeuerwehr und der Städtischen Feuerwehr gelang es nach angestrengter Tätigkeit, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Das Dach ist in einer Länge von etwa 70 Meter dem Brande zum Opfer gefallen. Der Schaden ist nach An- gaben der Gesellschaft nicht beträchtlich.

Dieder drei Alpinisten abgeskürzl.

Aus Rosenheim bei München wird gemeldet: An einem der "letzten Tage stürzten an der Kampenwand drei Personen ab. Der erste Absturz ereignete sich an der Südwand. Die Leiche dieses Touristen konnte noch nicht ge­funden werden. Es handelt sich vermutlich um

Können geäußert?" fragte sie, nachdem Iustizrat Stoll erklärt hatte, der Malaga wäre überwäl­tigend gut.

Der Besucher zuckte die Achseln.

Er sagte nichts darüber, ob ihm Ihr Können gefallen oder nicht, nein, gar nichts. Wir sahen nämlich, nachdem wir die Vorstellung nach Ihrer Nummer verlassen hatten, noch ein Stündchen in einer gemütlichen Bierkneipe beisammen. Uefcri- genä hat er großes Glück gehabt letzthin. Vor vierzehn Tagen wurde bei mir festgelegt, daß «r von einem unserer reichsten Mitbürger, Balder Gruber, eine halbe Million Mark erhält, aus Dankbarkeit, weil er das Wunder zustande brachte dessen gelähmt« Frau zu heilen, an der schon «in Dutzend Aerzte herumkurierten, ohne sie von der Lähmung befreien zu können. Nun kann er feinen Herzenswunsch, ein Krankenhaus nach sei­nen Angaben einzurichten, endlich erfüllen. Diele Menschen haben Interesse dafür, aber den Geld­beutel macht so leicht keiner auf.

Lil blickte den Iustizrat seltsam an, und er fragte ein wenig befremdet:Habe ich etwas geäußert, was Sie verletzte, gnädiges Fräulein, der Wein machte mich geschwätzig, und Sie wollen sicher nicht von Dr. Sturm hören."

Lil schüttelte den Kopf.

Doch möchte ich von ihm hören. Lieber guter ^err Iustizrat, wiederholen Sie mir, bitte, noch einmal was Sie erzählten. Nicht wahr, ich habe Sie richtig öerftanöen, Werner Sturm hat von dem reichen Balder Gruber eine halbe Million ^halten für sein Krankenhaus und das schon vor vierzehn Tagen?"

Iustizrat Stoll antwortete erstaunt:Sie haben mich ganz richtig verstanden, gnädiges Fräulein."

Lil hatte plötzlich groß« Tränen in den Augen und schluchzte laut auf:Oh, wie schlecht bin ich denn nur, wie abgrundtief schlecht. In Grund

a- muß ich mich ja schämen." Der Iustizrat hatte sich ein zweites Gläschen ein- geschenkt, aber er trank nicht und stellte es auf den Tisch zuruck.

So wahr ich gern und gut frühstücke, gnädiges Fraulein, so wahr begreife ich keine Silbe von Ihrer Selbstanklage." Er fügte hinzu:Kann lch Ihnen irgendwie mit Rat und Tat dienlich sein, dann verfügen Sie, bitte, über mich."

Lil war fest überzeugt gewesen, Werner Sturm war nicht aus dem selbstsüchtigen Grund zu ihr gekommen, den ihm Melchior Stampfer! unter­schob, aber im ersten Augenblick der Anklage, die der alte Clown erhoben, war sie verdutzt gewesen. Ihr Derstand hgtte flüchtig geglaubt, was ihr Herz sofort verneint. Sie hatte ihn dann gerufen. Werner! Werner! war ihre Stimme hinter ihm hergeflogen, doch er war schon zu weit gegangen, und sie war zu feige gewesen, ihm zu schreiben: Ich glaube dir, Werner! Oder noch besser hätte sie ihn aufsuchen müssen. Ihr

einen Bergsteiger aus Rosenheim. Kurz darauf verlor der 18jährige Hilfsarbeiter Andreas Ren­ner das Gleichgewicht am Staffelstein und ver­unglückte ebenfalls tödlich. Auch seine Leiche konnte noch nicht geborgen werden. Das dritte Opfer forderte die Nordwand des Ostgipfels. Dort stürzte der 17 Jahre alte Hilfsarbeiter Siegfried Lemp aus München ab und blieb schwerver­letzt liegen. Eine Rettungsexpedition brachte ihn ins Aschdauer Krankenhaus, wo er noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist.

Drei Arbeiter in einem Brunnen verschüttet.

In Neumünster (Schleswig-Holstein) waren die­ser Tage drei Arbeiter damit beschäftigt, aus einem alten, seit vielen Jahren unbenutzten Brunnen­schacht die Steine herauszuholen. Als die Arbeit größtenteils beendet war, und die drei Männer zum letztenmal in den sieben Meter tiefen Brunnen hinabstiegen, stürzten plötzlich die Wände zusammen und begruben die Arbeiter unter sich. Der Feuerwehr gelang es, durch oorsich- tiges Ausschaufeln der oberen Erdmassen von zweien der Verunglückten die Köpfe freizubekommen. Erst nach angestrengter Arbeit war es möglich, diese beiden Arbeiter noch lebend herauszuholen. Eine Rettung des auf dem Brunnenboden liegenden dritten Arbeiters war von Anfang an aussichtslos. Nach einstündigem Graben fand man seine Leiche.

(Eine ganze Familie an Pilzen vergiftet.

In Neu-Serbitz bei Teplitz hatte der Bergmann. K r a h l selbstgepslückte Pilze mit nach Hause ge­bracht, die seine Familie zum Abendbrot ver­zehrte. In der Nacht zeigten sich bei den Fa­milienangehörigen schwere Vergiftungser­scheinungen, so daß die Aeberführung Ins Krankenhaus notwendig wurde. Drei Personen sind bereits gestorben, drei anbeie ringen mit dem Tode. Verschont blieb nur die 12jährige En­keltochter Krahls, die die Pilze nicht, da sie ihr zm bitter schmeckten.

Schweres Verkehrsunglück in Toulon.

40 verletzte.

2n Toulon geriet «in vollbesetzter Auto­bus zwilchen zwei Straßenbahnwa­gen. Der Zusammenstoß hatte verheerende Fol­gen. Nicht weniger als 40 Personen wurden mehr oder minder schwer verletzt, 12 von ihnen mußten sofort ins Krankenhaus übergeführt wer­den.

Indisches Fährboot gekentert. Etwa 100 Per­sonen ertrunken.

Aus Bombay wird gemeldet: Eine Gift­schlange verursachte bei Niepani in Kolapur das Kentern eines Fährbootes und führte dadurch den TodvonetwalOOMen- s ch e n herbei. Die Fähre stieß bei der Aeber-

B r i e g, 15. Aug. (CNB.) Bor dem Brieger Sondergericht begann heute früh die Verhand­lung wegen der Ohlauer Zusammenstöße zwischen Reichsbannerleuten bzw. Anhän­gern der Eisernen Front und N a t i o n a l - soziali st e n am 9. Juli, bei denen zwei Na­tionalsozialisten getötet und 30 Personen ver­letzt worden waren.

Auf der Anklagebank sitzen 45 Perso-. n e n. Auf Grund der Verordnung über die Son- dergerichte kommt die Angelegenheit, die ur» f£rungndj vor der Großen Strafkammer durch- gefuhrt werden sollte, vor dem Sonderge» r i ch t zur Verhandlung.

Protest der Verteidigung.

Gleich nach Eröffnung der Verhandlung legte Rechtsanwalt Dr. Foerder (Breslau) gegen die Zuständigkeit des Gerichts Protest ein. Es sei einzig dastehend in der deutschen Iustizgeschichte, daß die Angeklagten auf Grund einer Verordnung abgeurteilt werden sollten, die bei Begehung der Straftaten noch nicht bestanden hat. Man müßte größten Wert darauf legen, zu der Verhandlung

ßraienn$ter hinzuzuziehen. Diesem Protest schloß sich der Mitverteidiger, Rechtsanwalt Dr Braun (Magdeburg) an. Der Vorsitzende, Land­gerichtsdirektor Herzog . erklärte, daß die Zu. ständigkeit des Gerichts von Amts wegen nachge- pruft werden würde.

Oie Vernehmung der Angeklagten.

Darauf wurde zunächst der Hauptangeklagte, der Kreisleiter des Ohlauer Reichsban- uers, Dur nick, vernommen. Er schildert die Kundgebung des Reichsbanners und der Eisernen Front in Laskowitz. Bereits dort habe man zu hören bekommen, daß die Nationalsozialisten geplant hät­ten in Ohlauaufzuräumen". Aus diesem Grunde habe man abends in Ohlau eine Zusammenkunft der Ortsgruppenleiter verabredet, um Schutzmaßnahmen für das Gewerkschaftsbüro und den sozialdemokrati- schen Konsumverein zu besprechen. Zwei der ein« geteilten Gruppen seien unterwegs nach ihren Stel­len gewesen und bei dieser Gelegenheit von Natio­nalsozialisten überfallen worden. Er selbst hrbe ver­sucht, seine Leute zurückzuhalten. Diese seien aber 3U aufgeregt gewesen. Am Sportplatz sei es trotz­dem möglich gewesen, Reichsbannerleute, die mit Latten auf die Insassen eines Kraftwagens ein« |u,.agen, zurückzurufen. Auch habe er sich darum beruht, einen nationalsozialistischen Führer in Sicherheit zu bringen. Die Erregung habe sich da« durch gesteigert daß man gewußt habe, sämtliche Zugänge nach Ohlau seien durch die Nationalsozia­lsten besetzt worden. Auf die Frage des Vor­sitzenden, woher er das gewußt habe, konnte der Angeklagte keine Auskunft geben. Inzwischen tei es zu einem Sturm auf ein Wohnhaus durch Nationalsozialisten gekommen, wobei zwei Frauen durch Schüsse verletzt worden seien. Von dieser Schießerei habe das Reichsbanner überhaupt keine Ahnung gehabt. Später habe sich dann eine grö­ßere Schießerei am Schloßplatz entwickelt. Dahin seien nun allerdings die noch vorhandenen 40 Reichsbannerleute gestürmt und hätten die dort an­wesenden etwa 2000 Nationalsozialisten auch an­gegriffen. Er selbst sei hinterhergegangen, um seine Leute wieder zurückzuholen. Seine Leute seien be­reits im Begriff gewesen, die Straße zu verlassen, als das Ueberfallkommando der Landjägerei er chien.

Vorsitzender: Wurden die Polizeibeam- ten nicht von Reichsbannerleuten mit Latten ge­schlagen und von Reichsbannerleuten auf die Po­lizei geschossen?

Angeklagter: Don uns nicht.

Der Vorsitzende hält dem Angeklagten vor, oah seiner Darstellung nach von Reichsbanner- I

Lil preßte di« Handflächen fest gegeneinander und erklärt« Stampf«rl weiter:Ich liebe Werner und habe noch nicht aufgehört ihn zu lieben. Ich kann ihn nicht weniger und nicht mehr lieben. Mühsam beiseite gedrängt habe ich meine Liebe, als ich glaubte, Werners Liebe wäre klein, aber jetzt, seit ich ihn wiedergesehen, weiß ich ganz bestimmt, er ist der einzige Mann auf Erden, ocn ich liebe, und meine Liebe bleibt ihm, solange ich lebe. Ich will ja nichts mehr von ihm, aber es wäre schön gewesen, wenn ich ihn, solang« ich in Frankfurt bleibe, manchmal hatte sehen dür­fen." Sie schluckte heftig.Ein Glück hätte das für mich bedeutet, ein grenzenloses Glück. Unb immer würde er, wenn du das nicht gesagt hättest, gut an mich gedacht haben. Was soll ich jetzt tun? Wie ein Alpdruck quält mich die Frage."

Der alte Clown strich mit seinen Händen über die schwarzseidenen Aufschläge seiner Hausjoppe.

Dann schreibe ihm doch, Lil, schreibe, du glaubst ihm, daß er nicht zu dir gekommen wäre aus selbstsüchtigen Beweggründen"

Lil erwiderte fast heftig:Das kann ich doch nun nicht mehr oder ich müßte wahrheitsgemäß gleich hinzufugen, was ich von Iustizrat Stoll gehört habe. Er ist dann natürlich überzeugt, ich glaube ihm erst, seit ich vom Iustizvat er-

r^ne halbe Million von einem Frankfurter Herrn erhalten und brauchte folg­lich mein Geld gar nicht. Wie soll ich ihm klar machen, daß ich ihm doch geglaubt habe, mit Dm Herzen geglaubt, aber der Kopf ließ sich von deinen Worten einfangen und zögerte und überlegte, wo es für das Herz nichts zu übet» tegen gab. Sie machte eine heftige Bewegung mit ??n .^rnien.Nein, ich kann ihm jetzt nicht mehr Iwreiven. Aber das glaube mir, wie ein Schatten toirD das fortan zwischen uns beiden stehen. Du hast etwas Wunderschönes zerstört.

Melchior Stampfer! blickte ganz hilflos.

. Er stotterte:Aber, Lil, ich habe es doch immer nur gut mit dir gemeint und dir doch nur gut raten wollen." Er seufzte:Jetzt redest mi schon eine ganze Weile mit mir und noch

« r<«n einziges Mal hast du mich wie sonst Onkel genannt ^Fortsetzung folgt.)

Das Drack derJtiobe im Kieler Hafen.

Wie die Marinestation der Ostsee in Kiel mit« teilt, ist der Bergungsdamppfer mit dem noch unter Wasser befindlichen Schiffsrumpf der Niobe" in den Kieler Hafen eingelaufen. Für die Aufrichtung und Hebung des Schiffsrumpfes, sowie für die Bergung der Toten werden drei Tage benötigt werden. Der Bergungsplatz wird aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Ein Zeitpunkt für die Beisetzungsfeierlichkeiten steht noch nicht fest.

Wieder fünf Devisenschieber verhaftet.

Den Beamten der Zollfahndungsstelle Berlin ist es gelungen, eine neue Devisenschie­bungsaffäre aufzudecken und fünf Personen fe st z u n e h m e n. Bei den Festgenommenen handelt es sich um einen Reichsdeutschen und vier Ausländer, und zwar um Litauer und Polen, die deutsche Effekten für ausländische Rechnung verkauft und den Erlös nicht, wie es die Devisen­notverordnung vorschreibt, auf Sperrkonto ange­legt haben. Die Festnahme des einen Schiebers erfolgte, als er gerade in einem Berliner Bank­geschäft Effekten verkauft hatte. Der Erlös der Wertpapiere im Betrag von 29000 Mk. wurde ihm abgenommen und beschlagnahmt. Gegen sämtliche fünf Devisenschieber sind bereits vom Dernehmungsrichter Haftbefehle we­gen Vergehens gegen d i e Devisen­notverordnung und wegen Verdunkelungs­gefahr erlassen worden. Mit Rücksicht auf die weiteren Ermittlungen der Zollsahndungsstelle und der Staatsanwaltschaft werden die Namen

In seinen braunen Augen hatte dabei das wundervolle Licht der Liebe gestrahlt. Er war zu ihr gekommen, weil sein Herz ihm befahl, ihr klarzulegen, warum er sie damals hatte gehen lassen. Er hatte ja nur von seiner Mutter ge­hört, daß sie seine Liebe jämmerlich klein ge­nannt.

Sie senkte tief den feinen Kopf.

Herr Iustizrat, nein, Sie können mir nicht helfen. Verzeihen Sie mein befremdendes Be­nehmen, meine Nerven sind immer ein bißchen in Schwingung, seit ich berühmt wurde."

Sie brachte sogar ein Lächeln zustande, das dem Iustizrat zwar nicht ganz glaubhaft schien, aber er merkte auch zugleich, weitere Fragen von ihm waren unerwünscht.

And so trank er denn sein zweites Gläschen Malaga, schob noch ein Kaviarschnittchen in den sich- Kaum war er gegangen, ließ Lil Melchior Stampferl rufen. Er kam in seiner eleganten damastseidenen Hausjoppe, da er vormittags gern bequem herumllef.

L" stand mitten im Zimmer und sah ihm mit tränen verschleierten Augen entgegen. Sie erzählte mit zitternder Stimm« und sich überstürzenden Worten, was sie soeben vom Iustizrat gehört und schloß:Wie häßlich war ich zu ihm, tote entsetz­lich häßlich! Nicht im entferntesten hat er daran gedacht, irgend etwas von mir zu wollen. O du, warum mußtest du auch so bös« Singe sagen, und ich, tote durfte ich auch nur «ine Sekunde lang zögern, ihm zu beteuern, daß ich ihm glaubte. Ihm und nicht dir!"

Melchior Stampferl seufzte:Wir sind alte Menschen, Lil, ich hab' mich geirrt. Kann er aber, Der sich gar nicht darum gekümmert hat, too du damals geblieben bist und was aus dir wurde, einen riesengroßen starken Glauben von dir ver­langen? Hast du ihm Anrecht getan, gut, er hat schon viel mehr Anrecht gegen dich auf dem Ge­wissen. Hast du in all der Zeit, seit du weg- gelaufen aus dem Hause, das dir seine Mutter verekelte und er dir nicht besonders angenehm 3u machen versuchte, etwa an irgendeinen Mann gedacht außer an ihn? Er aber verlobte sich mit «mer hübschen Frau, weil sie ihm zu seinem Krankenhaus verhelfen wollte, und er wäre heute langft mit ihr verheiratet, wenn nicht plötzlich eine |

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Die Kultur der in bezug auf den 6. risch, sie wächst fow Sonne, es ist nur iMMchen, damit sv W Zuschlägen von Nmg April' Land, je nach bet tief und lbbisU Z 2 st betS oben ju mit altem Kompc und verursacht einzelnen Stenge bunben werben, Die Blütezeit be August bis in i das Laub gelb : dem Joden Herrn dann in einem re 'rostfreien Raum aufbewahrt.

Die Edelwic von wunderbarer stammt von der a Wen wohlriechende We ab. Sie ist !°"ders köstlich u JJ* D'e Man. Joöen unb etwas |u kultivieren. Es dauernde, die Q[$ l äfcrs ter« w ?s*sy: Und in orS toetb *