Ausgabe 
16.7.1932 Frühausgabe
 
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Der Wahlkampf.

Batas Flugzeugabsturz.

Hitler spricht in Tilsit.

Volksgemeinschaft durch Nationalismus und Lozialismns.

Tilsit. 15.3uli. (511.) Adolf Hitler be­gann seine große Propagandareise durch Deutschland am Freitag im äußersten Nord- osten des Reiches, in T i l s i t. Hier sprach er vor einer großen Menschenmenge, die von national­sozialistischer Seite mit 40 000 angegeben wird. Die gan^e Stadt Tilsit, die schon vom frühen Morgen im -Zeichen dieser Kundgebung stand, war auf den Deinen. Am Nachmittag hatten Geschäftsleute in erheblicher Zahl ihre Läden geschlossen. Hitler führte in seiner Rede u. a. aus, daß er über die letzten sechs Wochen nicht sprechen wolle, daß überlasse er den Leuten mit dem kurzen Blick.

Man müsse das Verbrechen der letzten 13 Jahre diskutieren.

Während das deutsche Vaterland in Grund und Boden gewirtschaftet worden sei, und während alle Organisationen verschmelzen und verfielen, sei die gewaltige Bewegung der NSDAP, entstanden. Immer hätten die Gegner gehofft, die Bewe­gung würde gleich wieder verfallen. Immer und immer wieder hätten sie betont, der Höhepunkt sei erreicht und doch hätte sich die Bewegung immer wieder verdoppelt. Jetzt wählen wir wieder und auch jetzt werde wieder der Tag kommen, wo die NSDAP, weiter wachse und einst auch der Tag, an dem sie sich verdoppelt habe. Das Wunder der Bewegung liege begründet in der klaren Zielsetzung:

Volksgemeinschaft durch Nationalismus und So­zialismus,

Ehre, Freiheit und Brot seien die Grundpfeiler des neuen Staates, den die NSDAP, wolle. Hit­ler, oft von brausendem Beifall unterbrochen, schloß mit einem Treuebekenntnis zu Volk und Staat.

Um 19 Uhr fuhr er im Kraftwagen von Tilsit nach Gumbinnen.

Or. Goebbels in Köln.

Zur Verantwortung bereit, aber ohne jedes Kompromiß.

Köln, 15. Juli. (ERB.) Die NSDAP, ver­anstaltete am Donnerstagabend auf der Radrenn­bahn in Köln-Riehl eine Wahlkundgebung, an der etwa 3000 Personen teilnahmen. Nach kurzen De- grühungsworten des Gauleiters Grohe führte Dr. Go e b b e l s u. a. aus, daß es jetzt endlich an der Zeit sei, mit dem Novembersystem Schluß zu machen, das deu deutschen Mittelstand zu­grunde gerichtet, den Dauern von seiner Scholle getrieben und die Arbeitslosigkeit ins unge­messene gesteigert habe. Nicht nur die früheren Regierungen hätten mit falschen Methoden gear­beitet, sondern

auch das Kabinett Papen habe enttäuscht, und zwar außenpolitisch durch sein Verhalten in Lausanne. Innenpolitisch sei die Unentschlossen­heit der jetzigen Regierung gegen den blutigen Terror zu tadeln. Zu dem bevorstehenden Wahl­kampf übergehend betonte Dr. Goebbels, daß der 31. Juli zwischen den beiden Fronten, den Na­tionalsozialisten einerseits und allen anderen Par­teien andererseits, eine klare Entscheidung bringen müsse.

Die Nationalsozialisten seien zur Uebernahme der Verantwortung bereit,

aber sie würden eine Politik ohne jedes Kompromiß und nur nach nationalen Grund­sätzen machen.

Zentrumsprotest bei Hindenburg

Berlin, 15. Juli. (TU.) Die Zentrumspartei hat in einem Telegramm an den Reichs­präsidenten Protest gegen denAngriff" erhoben, der in seiner Nummer vom 14. Juli aus

Anlaß der Verweigerung des kirchlichen Degräb- nisses eines SA.-Mannes durch den katholischen Geistlichen in Dernau bei Berlin die katholische Kirche und die Zentrumspartei angegriffen habe. In einem Schreiben an den Reichsinnen­mini st e r wird außerdem

schärfste Verwahrung gegen die Ausartung des politischen Kampfes

eingelegt und die Forderungen, die in dem Tele­gramm an den Reichspräsidenten enthalten sind, wiederholt.

In dem Telegramm wird zunächst festgestellt, daß der Kaplan bei der Verweigerung des kirch­lichen Begräbnisses des SA.-Mannes in Heber» einstimmung mit den Weisungen seiner bischöf­lichen Behörde vollkommen korrekt gehandelt habe. Dann heißt es in dem Telegramm weiter: Gegen diese ungeheuerlichen Beschimpfungen der katholischen Kirche und ihrer Priester durch die Nationalsozialisten erheben wir allerschärfsten Protest. Sie bedeuten

eine ernsthafte Bedrohung der durch die Ver­fassung garantierten Rechte der katholischen

Kirche.

Die Zentrumspartei erwartet von Ihnen, Herr Reichspräsident, derartigen unerhörten Schmä­hungen, die eine ernsthafte Gefährdung des kon­fessionellen Friedens darstellen, ein Ziel zu sehen und die der Kirche verfassungsmäßig verbürgten Rechte zu sichern. Die Zentrumspartei prote­stiert auch gegen die übrigen Anwürfe, die vom Angriff" gegen sie selbst erhoben werden. Der Angriff" behauptet:Die Zentrumspartei kann sich würdig an die Seite der bolschewistischen Henkersknechte und Massenmörder stellen." Diese niedrige und grobe Verleumdung weisen wir auf das schärfste zurück. Die Zentrumspartei hat in jahrzehntelanger, treuer Aufbauarbeit Staat und Volk in aufopfernder Weise gedient. In der Beleidigung der Zentrumspartei er­blicken wir eine Beleidigung auch Ihrer Person, da Sie, hochverehrter Herr Reichspräsident, mit den Stimmen der Zentrumsvartei gewählt find. Sie fordert, daß diesen ehrlosen und verrohen­den Auswüchsen und Methoden des Wahlkampfes ein Ende gesetzt wird."

iRabifolbenwfrofen und SpO.

Berlin, 15. Juli. (END.) Der Radikaldemo­kratische Pressedienst teilt mit, daß die Reichs­leitung derRadikaldemokratischenPar- tei ihre Landesverbände und Ortsgruppen an­gewiesen hat, alle Vorbereitungen zu den Reichs­tagswahlen einzu stellen, bzw. rückgän­gig zu machen. Nachdem die Verhandlungen mit der SPD. wegen qualifizierter Listenverbin­dung gescheitert wären, sei die Parteileitung be­reit gewesen, eigene Kandidaten aufzustellen und ihre Stimmen der Reichsliste der SPD. zuzuführen. Diese Regelung sei aber bei wesentlichen Mitgliederteilen im Lande auf Widerstand gestoßen. Die Reichsparteileitung gebe daher ihren Mitgliedern die Stimme frei und fordere auf, antifaschistisch zu wählen.

Forderungen der polnischen Kohlenindustrie

Warschau, 15. Juli. (CNB.) Der Rückgang der polnischen Kohlenausfuhr nachoen skandinavischen Staaten, der binnen einem Jahr auf die Hälfte gesunken ist, hat das polnische Kohlensyndikat veranlaßt, beim Handels­ministerium eine Reihe grundsätzlicher Sortierungen zu stellen, um diesen Markt für Polen zu erhalten. Das Kohlensyndikat verlangt eine Herabsetzung des Eisenbahntarifes um 1 Zloty 20 Groschen pro Tonne, die A u f h e - b u n g der Arbeiterurlaube, die angesichts der herrschenden Kurzarbeit als Anachronis­mus angesehen werden, Ne Verlängerung der Arbeitswoche von 46 auf 48 Stunden.

Oer Strandphotograph.

Von Charlie Noellinghoff.

Er dreht rasch nochmal am Objektiv und findet, der Apparat steht schief, und dann scheint er endlich zurechtgeseht, und der Photo­graph ruft:Jetzt!"

Er hat aber Herrn Kloppe vergessen, der bei jeder Gruppe dabei ist. Und Herr Kloppe hat auf etwas gesessen, das scheinbar ein rohes Ei ist! (Besser gesagt, sowas A«hn- liches war es, denn Kloppe springt auf, ge­sträubten Haares, und säubert sein Badekostüm persönlich, und findet solche taktlosen Scherze gewöhnlich!!!) Und Mia, die mit Verwegen­heit auf dem Knie eines Grafen Platz genom­men, ist plötzlich auf die Idee gekommen, es gab ein« bessere Sitzgelegenheit, in Gestalt des Strohhuts von Herrn Schulze! Dem schlagen im Zorne sämtliche Pulse, und weit­hin schallt ein heißer Protest. Und endlich scheint die Gruppe richtig, und der Photograph macht sich neuerlich wichtig, dreht rasch noch­mals in seinem Stativ und findet, der Apparat steht immer noch schief!

Inzwischen hat man staunend entdeckt, daß der Legationsrat sein Gesicht versteckt! Nun wär' daS an sich weiter kein Verlust, denn Herr Rat ist kein Adonis, sein Gesicht ist verbufft und leicht angeruht, und, Gott mit dem, der mal sein Sohn is'! ... Aber, immer­hin: Gruppe ist Gruppe, und wenn schon, dann schnuppe!

Und es soll doch schließlich ein Andenken sein, kurz: der Legationsrat muh rein! (Er wird sowieso wegen ew'ger Verneinung von der öffentlichen Bademeinung am ganzen grohen Badestrand der Herr Negationsrat ge­nannt ...) Man nimmt ihm also die Flossen herunter, seine Züge sind alles andere als munter, denn er denkt: wird das Bild mal im Amte gesehen, muh er gehen! ... Nun scheint auch diese Störung vorbei, der Photo­graph sagt, er zahle bis drei, und Erregung auf allen Gesichtern dampft, die älteren Se­mester werden verkrampft. Der Photograph spielt nochmal Vogel Strauß, versteckt den Kopf und kommt wieder raus und schüttelt das Haupt und benimmt sich wie wilde und brüllt: die Frau Lehmfuh sei nicht im Bilde! ... Nun wäre das weiter kein Schaden, das sagt ein Blick auf Frau Lehrnfuhens Waden! Aber

wenn Frau Lehmfuh auch keine Puppe, in diesem Fall ist das wirklich schnuppe, denn: Gruppe ist Gruppe, und es soll doch 'ne schöne Erinnerung sein! Um dieses löbliche Ziel zu erreichen, müssen drei andre vom Platze Wei­chen, und in des Photographen Sinne ist Frau Lehmfuh nun drinne. Nun scheint endlich der grohe Moment gekommen, der Photograph hat wiederum Stellung genommen, alles still, selbst Herrn Geheimrats Bart ist zur Filz, säule erstarrt, da schreit der Photograph er­regt:Der Hund hat sich bewegt!"

Es handelt sich nämlich um Ahoi, so heißt heiht leider Marielous edler Barsoi, ein Stammbäumling von neunzehn Wochen, in bessren KreisenBarfoa" gesprochen. Ahoi wird gestreichelt, gelobt und gekost, nichts nützt Ahoi bleibt erbost, bis endlich jemand ein Mittel weih: man bringt «ine Portion Va­nille-Eis! Die friht er mit Ruhe, so sind Barsois! ...

Und endlich ist das Wunder geschehen: die Gruppe scheint wie aus Stein zu stehen, es rührt sich kein Busen, kein Auge blinzelt, keiner spricht, nicht mal Ahoi winselt ... Der Photograph ist von Glück beseelt und hebt den Gummischlauch und zählt:Eins, zwei ... und ... ach du Schreck---die Sonne ist

weg!!! ...

Liebe, Schlangengift, Geschäft und Polizei.

Wenn man Liebe, Schlangengift, Geschäft und Polizei addiert, ergibt die Summe e i n e n Hei­ratsschwindler. Es ist der 53 Jahre alte Walter Nehm, in der PraxisProfessor Neh- mora", von stattlichem Aeußern, gut konserviert und phantasiebegabt. Jener bessere ältere Herr, der für die Damen, die bereits wissen, daß Lie­besglück nicht gleich Lebensglück ist,richtig" ist. Die verlorene Jugend wird doppelt ausgewogen durch die solide Existenz. Professor Nehmora lernt eine Dame kennen, die Dame lernt ihn schätzen. Er gefiel und wollte nun geliebt werden. Ist man über die Fünfzig, spielt man keine Serenaden mehr unter dem Fenster, protzt nicht mehr mit Jugend und Temperament, sondern mit der Vergangen­heit. Professor Nehmora jedenfalls hielt es so. Die Nüchternheit seiner gegenwärtigen 53 Jahre ersetzte er durch die Romantik seiner Vergangen- heit. Er war einmal in Indien. Was er dort ge­trieben hat, ist nebensächlich. Er kam nach Deutsch-

Die Trümmer des Flugzeuges, mit dem der tschechische Schuhkönig über seinem Privatflugplatz Dtro- kowitz tödlich abstürzte, als er zu einer Geschäftsreise nach der Schweiz aufgestiegen war.

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Schwere Unwetter in Deutschland.

Wolkenbrüche und Lleberschwemmungen. - Allenthalben Blitzschäden.

Nordbayern:

Hof, 15.Juli. (WTB.) Gestern in den frühen Nachmittagsstunden ging ein schweres Unwetter über Hof und Umgebung nieder. Besonders in der Gegend von Hirschberg war das Unwetter sehr hef­tig, wo ein wolkenbruchartiger Regen nie b erging, der die kleinen Bäche zu rei­ßenden Strömen verwandelte. Bäume wur­den entwurzelt und Brücken weggeschwemmt. In Hirschberg brachen einige Betonbrücken zusammen. Die Zugverbindung mit Hof ist unter­brochen. Das Postauto HirschbergHof, das um 12.05 Uhr Hirschberg verließ, hatte gerade eine Brücke passiert, als diese einstürzte. Aus dem Be­zirk Raila wurden nicht weniger als vier Feuer Lurch Blitzschlag gemeldet. Ueber Rehau entlud sich das Gewitter, begleitet von Hagelschlag, über eine Stunde lang. Der Wasserspiegel der Schweßnitz stieg in einer Stunde um 1,30 Meter. Die ganze Stadt Rehau gleicht einem See. Das Pflaster wurde aufgerissen und der Sand fortge­schwemmt. In Siegmundsgrün zündete der Blitz und äscherte Wohnhaus, Scheune und Stallung, so­wie zwei Schuppen ein. Der durch das Unwetter angerichtete Sch ad en ist unermeßlich.

*

Coburg, 15. Juli. (WTB.) Ein schweres Un­wetter entlud sich gestern nachmittag zwei Stun­den lang über Ort und Flur Mechenbach bei Co­burg. Große Wassermengen drangen in die Keller und Ställe ein. Die Einwohnerschaft mußte Dämme bauen, um das Bieh vor dem Ertrinken zu retten. Die Getreideernte h a t schwer gelitten. Gegenüber der Bahnhaltestelle .wurde ein Stück Steilhang ins Rutschen gebracht, so daß durch Erd­massen der Verkehr auf der Landstraße Bamberg Coburg unterbrochen war. Er mußte über den Ladesteg des Bahnhofs gelegt werden. Im benach­barten Steppach riß die Starkstromleitung. Der Unfall wurde jedoch rechtzeitig bemerkt, so daß Menschen und Tiere nicht in Gefahr kamen. Auch in anderen Teilen des Jtzgrundes wurde großer Schaden angerichtet.

Thüringen:

Gera, 15. Juli. (WTB.) In der vergangenen Nacht ging ein heftiges Unwetter über ganz Thü­ringen nieder. Der Schaden an den Grundstücken so­wie der Verlust an weggeschwemmtem Vieh, landwirtschaftlichen Maschinen, Wagen und Hausgeräten ist sehr beträchtlich. Der Bahndamm der Strecke GeraWeimar ist zerstört. Ein Gü­terzug entgleiste.

Lausitz:

Zittau, 15. Juli. (WTB.) Von heftigen Ge­wittern, die von wolkenbruchartigen Regengüssen begleitet waren, wurden gestern abend große Teile der sächsischen und preußischen Lausitz heimgesucht. Die Schäden, die die Wassermassen auf Feldern und Fluren sowie an Gebäuden und Straßen an- gerichtet haben, sind vorläufig noch nicht zu übersehen. Die Staatsstraßen LöbauZittau und LöbauGörlitz mußten wegen der außer­ordentlichen Verwüstungen gesperrt werden. Die Telefon- und Telegrafenverbindun­gen nach zahlreichen Orten waren heute früh u n - terbrodjen. Auch die Bahnverbindung Herrn­hutBernstadt ist unterbrochen. Noch in der Nacht wurden Teile des in Löbau liegenden 'Ausbildungs­bataillons des Infanterieregiments 10 «zu Hilfe­leistungen und Aufräumungsarbeiten eingesetzt.

Zwei Arbeiter vom Blitz erschlagen.

G l o g a u , 15. Juli. (WTB.) Bei den schweren Gewittern, die am Donnerstagabend im Kreise Glo- gau niedergingen, wurden in Altstrunz zwei Arbeiter vom Blitze getötet.

Ostpreußen:

Osterode (Ostpreußen), 15. Juli. (WTB.) Bei einem Gewitter, dessen wolkenbruchartiger Regen in der Stadt Osterode zahlreiche Keller über­schwemmte und im Kreise Ollerode mehrere Brücken wegriß, wurdenüuf dem Lande durch Blitzschlag ein Erwachsener uno zwei Kinder getötet.

land zurück und legte sich auf das lukrative Ge­werbe des Heiratsschwindels. Wenn es gatt, über das Herz der Auserkorenen Zugang zum Porte­monnaie zu gewinnen, ließ er seine indischen Er­lebnisse spielen: Professor in Kalkutta. Spezial­gebiet Erforschung des Schlangengiftes. Gegen­wärtig Urlaubsreife in die Heimat. Sehnsucht nach der deutschen Frau, die trauliches Heim be­reiten kann. Sehnsucht nach deutschem Familien­idyll in tropischen Gluten, traulichen Lampen­stunden hinter Moskitonetzen. Eigentlicher Zweck der llrlaubsreise, ersehnte Lebensgefährtin zu ge­winnen.

Er gewann sie alle, die er für geeignet befand und erwies sich zwar nicht als ein besonderer Kenner der Schlangengifte, aber als ein Kenner jenes süßen Giftes, das spröde Mädchenherzen erweicht. War es so weit, dann geriet der Herr Professor in eine Verlegenheit, die erwarteten Ho­norare von der Universität blieben aus, pumpte, pumpte, pumpte, bis das Portemonnaie der zu­künftigen Frau Professor ausgepumpt war. Dann kam die Polizei. Sollte aber der Professor sich in ein vergittertes Laboratorium zurückziehen, dann litt er an der Wirkung von Schlangenbissen aus früherer Zeit. Er wurde krank und haft- unfähig. Einmal begab er sich ins Krankenhaus, wo Schwestern ihn betreuten. Krankenschwestern haben auch ein Mädchenherz. Und während er sich von den Nachwirkungen des Schlangengiftes kurieren lieh, vergiftete er feine Pflegerinnen, de­nen er von feinen weiten Reisen, seinen über die ganze Erde reichenden Beziehungen erzählte. Ne­benbei ließ er durchblicken, daß in Deutschland immerhin die Gefahr einer neuen Inflation be­stände, er aber in der Lage sei, Geld im Ausland sicher anzulegen. Die Schwestern gaben ihm ihre Ersparnisse und diese Ersparnisse wirkten auf den Patienten heilender als das Serum der Aerzte. Er war sofort gesund und flog ins Weite. Die Polizei hat ihm nun erneut die Flügel beschnitten und ihn festgenommen.

Oie Zulus und der Tonfilm.

Obwohl die Zulus schon seit langem der eng­lischen Verwaltung unterstehen, ist ihre Zivilisie- rung bisher doch nur in beschränktem Maße ge­lungen. Wenn sie auch die gefährlichen Speere vielfach mit der Pflugschar vertauscht haben, so tragen sie doch noch immer ihr Schwirrholz und den mit Kuhhaut bezogenen Schild: sie vertauschen ihr Rindvieh gegen Frauen und zeigen die benei­denswerte Kraft und Schönheit ihres Körpers in

ausgiebiger Weis«<Zndem sie sich nur mit dem Muchi"^-einens'sehr schmalen Lendenschurz, be­kleiden. Jetzt aber ist eine neue Macht in das Leben der Zulus eingedrungen und hat ihre Zäh­mung begonnen. Das Land der Medizinmänner, bösen Geister und der Vielweiberei wird von einer südafrikanischen Filmgesellschaft im Tonfilm fest- gehalten. Einer der Pioniere des südafrikani­schen Films, Joseph Albrecht, hat sich im Her­zen eines weiten Zulu-Schuhgebieles, das von der Kultur noch kaum beleckt ist, häuslich niedergelas­sen. Bisher gab es nur einen Zulu-Tonfilm, der im vorigen Jahr von der großen Parade ausge­nommen wurde, durch die sich die Häuptlinge ihres Volkes mit ihren Scharen von dem scheiden­den englischen Oberkommissar verabschiedeten. Jetzt aber bringt man in die intimeren Einzel­heiten ihrer Welt ein. Der Kamera-Mann im Zulu-Land hat es wahrlich nicht leicht. Er braucht nicht nur geschickte Dolmetscher, die ihm das Ver­trauen des Volkes gewinnen, sondern auch viel Geduld. Keine Aufnahme wäre möglich, ohne daß der mächtigste Mann des Dorfes, der Medizin­mann, seine Einwilligung gegeben hat. Wenn der Geist seiner Ururgroßmutter befiehlt, daß die Filmaufnahme nur während eines Gewitters er­folgen darf, so muß der Weiße seine ganze Heber» zeugungskrafl und daneben größere Werte auf» wenden, um den mächtigen Mann dazu zu bewe­gen, daß er noch einmal bei einem andern Ahnen- geift um Rat fragt, der dem Tonfilm nicht so ah­nungslos gegenübersteht. Doch selbst wenn der Hexendoktor "gewonnen ist, dann gilt es noch, die abergläubische Scheu aller reinrassigen Zulus vor dem Photographieren zu überwinden. Rur schwer gelingt es dem Film-Mann, ihnen zu beweisen, daß dassprechende Auge" ihnen nichts Böses antut. Albrecht sucht besonders eifrig nach einem weiblichen Zulustar: alles, was er von dieser Dame verlangt, ist, daß sie völlig frei von jeder Photographier-Furcht ist. Hm die Zulus an den Tonfilm zu gewöhnen, wurde Urnen kürzlich der erste Tonfilm vorgeführt. Krieger und Frauen aus allen Teilen des Landes waren mach dem Ort Ginginlowu gekommen, um zu sehen, was für eineneueste Medizin" der weiße Mann habe. In den ersten fünf Minuten herrschte tiefes Schweigen, dann loste sich die Spannung in un­ruhigen Ausrufen, und schließlich entstand eine wilde Panik. Das Publikum gab wie ein Mann Fersengeld. Doch die Neugierde siegte endlich: sie kamen zurück! Der Tonfilm machte seine zäh­mende Wirkung geltend.