Vnr Dswr-nmig Anlay geven, daß auch bkeSlraf- gerichke sich zu der Frage der Ungültigkeit und Rechtsunwirksamkeit der Verordnung aussprechen müssen. Auf Anordnung des Führers der Partei soll in dieser Weise mit aller Entschiedenheit der Rechtskampf gegen die Notverordnung burchge- führt werden.
Minister Treviranus über das Verbot der GA.
Essen, 15.April. (CNB.) Reichsverkehrsmini- fter Treviranus äußerte sich auf einer Zusammenkunft mit Vertretern der westdeutschen Presse und der „Jungen Rechten" u. a. zu dem Verbot der LA.- und SS.-Formationen. Ich erinnere daran, sagte der Minister, daß d e u t s ch n at i o n a l e Kreise seinerzeit dem Reichspräsidenten Ebert die Forde- rung gestellt haben, daß er gerade, wenn es sich u m seine eigenen Freunde Hande l e, seine Pflicht als Rcichsoberhaupt ohne Rücksicht auf persönliche Einpfindun- g e n erfüllen und deshalb den Befehl erteilen
müsse, die ReichsexekuNve gegen Gochsen und Thüringen anzuordnen.
Der Minister teilte mit, daß die bayerische ^otaatsrcgierung schon vor geraumer Zeit den Entschluß gefaßt habe, das SA.-Verbot in Bayern d u r ch z u f ü h r e n. Er erklärte auch, daß er bestimmt wisse, daß die n a t i o n a l s o z i a- listische Führung außerordentlich dankbar sei für die Beseitigung dieses Unruheherdes innerhalb der NSDAP. Davon abgesehen erfahren sie durch das Verbot eine große finanzielle Erleichterung. Einen Vergleich der SA. mit dem Reichsbanner hinsichtlich des Charakters als eines Staats im Staate lehnte der Minister ab. Wenn man einen Vergleich ziehen wolle, so könnte man die SA. nur mit dem 1929 verbotenen Rot-Front-Kämpferbund vergleichen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen bezeichnete der Minister die Reichsreform als die dringlichste aller Aufgaben. Der Dualismus Reich- Preußen müsse verschwinden. Mit dem jüngsten Beschluß des Landtages, die Geschäftsordnung zu ändern, erklärte sich der Redner nicht einoer standen.
Listische Kraft sehen wir nunmehr ein für die eine große Aufgabe dieser Zeit: Der Reichsregie- rung und allen, die guten Willens sind, zu helfen, die furchtbare Wirtschaftsnot zu überwinden. Die angeordneten Maßnahmen sind durchzuführen, ungeachtet des Umstandes, daß die beschluhfassenden Körperschaften des Reichsbanners mit Rücksicht auf die Länder- wahlen erst nach dem 24. April zusammen treten können. Wir werden getreu unseren Bundes- satzungen weiterhin unsere Pflicht gegen Volk und Staat erfüllen."
Kein Verbot des Stahlhelms und des Reichsbanners.
Das Reichsbanner beugt vor
Aufgabe des Kampfcharakters.
Reichsbanners gegenüber der SA. betont worden sei. Das Reichsbanner sei nach der Be- weisführung der nationalsozialistischen Leitungen „mit der Kraft der SA." nichtzu vergleichen.
Berlin, 15. April. (TU.) Amtlich, chuaenberg hat in einer Erklärung zu dem Verbot der SA. u. a. gesagt, manche Anzeichen sprächen dafür, daß der Auflösung der SA. auch die Auflösung des Stahlhelms folgen solle. Vom Reichsinnenministerium wird hierzu erklärt, daß eine solche Absicht z u keiner Zeit bestanden habe. Auf die in einem großen Teile der Presse erhobenen Forderungen, nach der SA. nunmehr auch die Reichsbannerorganisationen zu verbieten, wird von dem Reichsinnenministerium erwidert, daß selbst in nationalsozialistischen Zeitungen immer wieder die Unterlegenheit des Reichsbanners gegenüber der SA. be-
Berlin, 15. April. (SH.) Die Bundes- lei tung des Reichsbanners Schwarzrotgold hat an alle Gauvorstände im Reiche ein Rundschreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Kameraden! Durch Verordnung des Herrn Reichspräsidenten ist die Nationalsozialist isch «Partei-Armee aufgelöst worden. Damit fäUt für das Reichsbanner die Notwendigkeit fort, weiter in dem Dereitschaftszu- stand zu bleiben, der uns durch die Angriffsvorbereitungen der Nationalsozialisten aufgc- zwungen war. Die Dundesleitung ordnet demgemäß an: 3m ganzen Reichsgebiet sind alle außerordentlichen Schutzmaßnahmen aufzuheben. Mit dem Fortfall der unmittelbar drohenden Angriffsgefahr hören die-.besonderen Funktionen auf, die der Schupo und den Sonderformationen übertragen wurden. 3n der Handhabung des Saalschutzes ist, wo es die örtlichen Verhältnisse gestatten, das Hauptgewicht auf die propagandistische Ausgestaltung der Versammlungen zu legen. Vertrauen schafft Vertrauen. Das ganze Auftreten des Reichsbanners muh, wie bisher, unmißverständlich zum Ausdruck bringen, daß wir uns dem Staats- willen einordnen, die Staatsautorität stärken und stützen. Mehr noch: Cs kommt darauf an, bis in die Reihen unserer Gegner die Heberzeugung zu tragen, daß das Reichsbanner niemals Staat im Staate sein wollte und sein will, daß wir nie daran gedacht haben und nicht daran denken, gegen Recht und Verfassung unsere Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Hnsere ganze organisatorische und prvpagan-
Die hessische Negierung veröffentlicht weiteres Material.
Darmstadt, 15. April. (WTB. Amtlich.) Die hessische Regierung unterbreitet der Öffentlichkeit weiteres umfangreiches Material, dem wir folgendes entnehmen:
Bei einer ersten Durchsicht des Materials, das im Zusammenhang mit den Haussuchungen bei den SA.- und SS.-Führern beschlagnahmt wurde, haben sich auch einige Dokumente gefunden, die beweisen, wie notwendig und berechtigt das Verbot war. 3n einem* Briefe des Gaufachberaters für Kriegsbeschädigtenfragen in der Gau- leitung der NSDAP. Hessen, Wey g old, an den nationalsozialistischen Führer Oberlindober, Mitglied des Reichstages, München, heißt es unter anderem: „Zurzeit habe ich die Reform- Vorschläge der gewerblichen Hnfall-Berufsgenos- schenschaften vor. Da haben sich unsere M. d. L. von einem Nichtswisser nämlich etwas einbrocken lassen. Schimpfen können sie alle, das kostet ja nichts, aber besser machen, da fehlen die Kenntnisse und Erkenntnisse der Zusammenhänge. Herrgott haben wir da noch eine Erziehungsarbeit vor uns, bis da nur einmal bei den sogenannten Führern die geistigen Grundlagen vorhanden sind, auf denen man einen Staat aufbauen kann. Deren 3dee vorn Staat ist der einfache Standpunkt: Fressen! Saufen! Schlafen! Damit ist alles auf der Welt für sie da! Unterhalten über Dinge, die über das hinausgehen — unmöglich! Höchstens die Antwort: „Heber was für Blödsinn 3hr politischen Schweine Euch den Kopf zerbrecht! Das bißchen wird von uns geschmissen und dann werdet 3hr mit gehängt! Denn Euch brauchen wir doch nicht! SA. macht das alles ganz allein!"
Der Polizei ist ein großes Paket Geheimmaterial der hessischen S S.-F ü h r u n g in die Hände gefallen, in dem sich über ganz Hessen verteilte zahlreiche Geheimadresten und Angaben darüber befinden, wie die SA. in den einzelnen Orten Hessens a l s Gesangvereine S e g e l = klubs,SkatklubsoderBox-un!)Sport- v e reine weiter zu existieren gedenkt. Bei den Aktenstücken eines hohen SS.-Führers wurde ein Brief des Reichstagsabgeordneten Weitzel Oberführer der Gruppe 5 West der. SS. in Düsseldorf gesunden, worin er den SS.-Führern den Wortlaut wichtiger preußischer Polizei- Funksprüch e die nach einem nur wenigen Personen bekannten Geheimschlüssel gefunkt wurden, im Wortlaut übertragen mitteilt. Der Brief lautet: „Anliegend Abschrift eines Telegramms des Ministers Severinq zur Kenntnis. Das gleiche Telegramm sandte ich heute sämtlichen Gauleitungen zur Kenntnis und weiteren Veranlassung. Alles Nähere hierüber am Samstag, gez. Weitzel, der SS.-Grup- penführer West." Es wurde ferner eine Reihe von lebernen Aktentaschen bei den höheren Führern beschlagnahmt. Bei diesen Aktenmappen war kaum eine, aus der nicht bei der Deffnung eine scharf geladene Pistole herausfiel. Außerdem fanden sich in solchen Aktentaschen auch noch andere gefährliche Waffen vor.
Oer „Hessische NS.-Kurier" verboten.
Darmstadt 15. April. (WTB.) Bei seinem Erscheinen am Freitag wurde der „Hessische ^.'Kurier . eine nationalsozialistische Wochen, jchrift, die der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Lenz herausgibt, von der Polizei' beschlag, nahmt. Eine Begründung zu der Beschlagnahme liegt zur Zeit noch nicht vor. — Eine Bezirks-
Versammlung d e r Darmstädter NSDAP, verfiel heute abend der Auflösung, als einer der Redner das Verhalten der Polizei bei der Auf- lösung der SA.-Heime als schamlos bezeichnete. Sieben Versammlungsteilnehmer, die dazu aufforderten, der Polizei nicht zu weichen, wurden fest- genommen. Dem Wolffbureau sind von der Gauleitung der hessischen NSDAP, zwei Artikel über- geben worden, die es nicht verbreiten kann, da nach Mitteilung des Landeskriminalamts Darmstadt Zei- hingen, die diese Artikel bringen, sofort verboten werden.
Einberufung des hessischen Landtags- Plenums für Dienstag.
D a r m ft a b f, 15. April. (WSN.) AufAnlrag der nationalsozialistischen Fraktion hak der Lanblagspräsidenl das Plenum des Landtags auf Dienstag, vormittags 10 Uhr, einberufen mit der Tagesordnung: D i e politische Lage in Hessen, insbesondere Aussprache über das SA.- und SS.- verbot, und Fassung einer Entschließung.
Erfolgreiche Berufung des Oberpräsidenten Aoske.
Celle, 15. April. (SH.) Vor dem dritten Zivilsenat des Oberlandesgerichtes wurde am Freitag die Berufung des Oberpräsidenten N o s k e gegen das Hrteil des Landgerichts Hannover vom 9. April in Sachen der Werbetätigkeit der „Niedersächsischen Sageszeitung" während des Osterfriedens verhandelt, worüber wir bereits gestern in einer Randnote berichteten. Oberpräsident Noske war persönlich erschienen. Auch der preußische Innenminister hatte einen Vertreter entsandt. Das Hrteil des Senats hebt das Hrteil des Landgerichts Hannover auf und legt der Antragstellerin, d. h. dem Verlage der „Niedersächsischen Tageszeitung" die Kosten des Rechtsstreites auf. In einer kurzen Begründung führte der Vorsitzende aus, daß das Gericht den Rechtsweg nicht für zulässig gehalten habe, da über die Rechtmäßigkeit von Staatshoheitsakten nicht vor den bürgerlichen Gerichten gestritten werden könne.
Sprengstoffanschlag in Baden-Baden.
Baden-Baden, 16. April. lWTB. Funkspruch.) Der Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 16. April gegen 3.30 Hhr früh ist gegen öie Polizeiwache der P o l i z e i d i r e k- tion in Baden-Baden ein Sprengkörper geworfen worden, der die Glasscheiben der Eingangstür zertrümmerte. Beamte wurden nicht verletzt. Ein Polizist bemerkte zugleich einen in raschestem Tempo fahrenden Kraftwagen mit mehreren Insassen. Bei dem bestehenden Verdacht der Täterschaft schritt die Polizei zur Sistierung der Personen, des SS.-Führers Michael Huber und zwei weiterer Nationalsozialisten. Ein Vierter versuchte zu flüchten, konnte später aber ebenfalls festgenommen werden. Die Festgenommenen sind dem Gefängnis eingeliefert worden.
Eine Goebbels-Re-e im Berliner Sportpalast.
Berlin, 15. April. (TH.) Die Nationalsozialisten veranstalteten am Freitagabend in dem wegen Heberfüllung polizeilich gesperrten Berliner Sportpalast eine Wahlversammlung. Der Berliner Gauleiter, Dr. Goebbels, bedauerte zunächst, daß der Kanzler seinerzeit den Vorschlag, mit ihm eine öffentliche Aussprache zu veranstalten, abgelehnt habe. Er sei deshalb auf folgenden Gedanken gekommen: „Wir haben die Rede des Herrn Reichskanzlers am vorigen Samstag in Königsberg auf Schall- platten ausgenommen. Hnd legal und objektiv, wie wir sind, werden wir diese Rede jetzt zum Vortrag gelangen lassen. Ich hoffe, daß die Polizei das nicht verbietet. Zuerst also wird Herr Reichskanzler Dr. Brüning das Wort haben und bann werde ich mir gestatten, unsere Antwort daraus zu geben.“ Dr. Goebbels bat, die Schnllplatten-Hebertragung der Königsberger Kanzler-Rede in Ruhe anzuhören. Die Versamlü- lung nahm dann auch die halbstündige Rede des Kanzlers mit voller Ruhe entgegen.
Wenn Dr. Brüning — so erklärte er — über die Form der Agitation klagt, so hat das deutsche Volk diese Form allzu gut und allzu drastisch an den Plakatsäulen kennengelernt. Wir jedenfalls haben unfern Gegner nicht als Henker dar- gestellt. Wir haben nicht gefälschte Hotelrechnun- gen von ihm veröffentlicht. Die Persönlichkeit des Feldmarschalls ist von uns niemals in Zweifel gezogen worden, nur die Persönlichkeit seiner Hingebung, die heute mit ihm Politik machen, die ihn heute dazu überreden, die SA. zu verbieten. Herr Dr. Brüning behauptet, seine zweijährige Amtszeit habe dem deutschen Staat seine innere und äußere Stabilität zurückgegeben. Wie konnten wir bei dieser Stabilität im Juli des vorigen Jahres vor einem Bankerott stehen? Wie war es möglich, daß bei innerer Stabilität in einem Jahre viele SA.-Leute ermordet wurden und ein Operettenstaat, wie Litauen, Deutschland ins Gesicht spucken durfte?
Das Schauspiel der Zerrissenheit in Deutschland ist gewiß bedauernswert, aber wenn der Kanzler bas uns zum Vorwurf macht, so möge er überlegen, daß vor dem Kriege das Schauspiel ber Zerrissenheit von ber Zentrumspartei angefangen worden ist. Das Volk sei gewiß bereit, Opfer zu bringen, aber diese Opfer müßten Bausteine für die deutsche Freiheit sein. Ein wirklicher Außenpoli- tiker hätte mit den 400 000 Aktivisten der SA. an- dcrs operiert, auch wenn er nicht ihre Meinung geteilt hätte. Er hätte in Genf auf diese Leute verweisen können, deren er vielleicht nicht mehr Herr werden würde, wenn man weiterhin mit Deutsch- land Schindluder treibe.
Der Zusammenschluß der hessischen Landeskirchen.
Marburg, 15. April. Zu der Frage des Zusammenschlusses der Landeskirchen Hessen-Kassel, Nassau, Hessen-Darmstadt, Frankfurt und Waldeck teilen die Unterausschüsse der parlamentarischen Kirchenvereinigungs- kommission mit: In einer Reihe von Pressenachrichten aus der letzten Zeit finden sich über die Frage der Hessen - nassauischen Kirchenvereinigung Ungenauigkeiten, die im Interesse des Fortganges der Vereinigungsverhandlungen richtiggestellt werden müssen. Die mit den Arbeiten beauftragten Unterausschüsse haben ihre Aufgaben nicht teilweise, sondern restlos gelöst, indem sie di« Voraussetzungen einer Einheitskircke in verfassungsrechtlicher und finanzieller Hinsicht eingehend geprüft haben. Der Verfassungsausschuß hat einen Verfassungsentwurf ausgestellt. Die Klärung der febmierigen finanziellen und staatsrechtlichen Fragen hängt vonVerhandlungenmit dem Staat ab; ber Finanzausschuß hat bie Wege für eine Lösung bieser Frage aufzuweisen versucht. Die vorläufig abgeschlossenen Arbeiten Yes Finanz- und Verfassungsausschusses sind dem G e - samtausschuß zur weiteren Behandlung vorgelegt worden. Die Frage des Anschlusses an die Evangelische Kirche der altpreußi- schen Union ist von beiden Ausschüssen nicht erörtert worden; ihre Prüfung lag nicht im Auftrage der Unterausschüsse. Die evangelische Oeffentlichkeit darf gewiß fein, daß die Vereinigungsfrage auf Grund der Vorarbeiten weiter gefördert werden wird.
Aus aller Welt.
Neue Kreuger-Fälfchungen.
Die Stockholmer Morgenblätter wollen aus sicherer Quelle wissen, daß man bei der Untersuchung des Kreuger-Schwindels neueUnregelmäßig- ketten aufgedeckt hat. Kreuger soll nämlich H y - potheken auf Grundstücke in Berlin doppelt beliehen haben. Es soll sich um über 100 Millionen Kronen handeln. Er soll in der Weise vorgegangen sein, daß erHypothekenpfand- briefe fälschte, um diese bann in verschiedenen Kreditinstituten doppelt zu beleihen. — „Sven- ska Morgenbladet" will aus wohlunterrichteten Kreisen berichten können, daß die falschen i t cf-- lienischen Obligationen, die sich unter den Aktiven der kreuger & Toll A.-B. befinden sollen, wirklich existieren, und daß der angenommene Betrag von 300 Millionen Kronen eher zu niedrig als zu hoch ist. Für die Obligationen soll schwedisches Papier verwendet worden sein, weshalb man annimmt, daß sie in Schweden her- gestellt worden sind. Gegen diese Annahme spricht jedoch eine Aeußerung des Chefs des schwedischen Lithoaraphietrustes, in der erklärt wird, es gebe eigentlich nur eine Druckerei in Schweden, die diesen Riesenauftrag hätte ausführen können, und in dieser Druckerei seien die Obligationen nicht her gestellt worden. Der Vorsitzende der schwedischen Sozialdemokratischen Partei, P. A. Hans- son, teilt mit, daß Kreuger die in Stockholm er- scheinende kommunistisch gerichtete, aber nicht mehr moskautreue Zeitung „F o l k e t s D a g b l a b" mit 15 000 Kronen unterstützt habe. Die Transaktionen sollen Mitte 1930 angefangen haben. Spät am Freitagabend trat eine sensationelle Wendung in ber Kreuger-Afsäre ein. Nach Anzeige von ber A. B. Kreuger & Toll und der Prüfungskommission verhaftete die Kriminalpolizei drei Direktoren, die be- schuldigt werden, Kreuger beim Schaffen von fik- tivem Einkommen und fiktiven Guthaben behilf- l i ch gewesen zu sein.
verheerendes Grohfeuer in einer Dampfziegelei.
In Gochsheim bei Bretten in Baden brach im Betrieb der Dampfziegelei Bott ein Brand
aus, der sich mit großer Schnelligkeit auf denl langgestreckten, vierstöckigen Fabrikkomplex au8- dehnte und das Gebäude bis auf die H m - fassungsmauern vollständig zerstörte. Die Feuerwehrder Hmgebung und die Motorspritze von Bruchsal waren dem verheerenden Element gegenüber völlig machtlos; die Motorspritze mußte sich lediglich auf den Schuh der benachbarten Bahnhofswirtschaft beschränken. Durch die große Hitze find die umliegenden Felder völlig ausgedörrt.
Brutale Roheit eines Bettlers.
Einen ungeheuerlichen Roheitsakt verübte ein Bettler im Osten Berlins. Er klingelte an einer Wohnung. Als ihm nicht gleich geöffnet wurde, löste er eine Messingstange von der Treppe, und als die Wohnungsinhaberin, eine 26 Jahre alte Frau Zische, an die Tür kam und durch das Guckloch schaute, stieß der Bettler mit der Stange durch das Guckloch. Der Stoß traf die Frau mit voller Wucht ins Auge. Die gellenden Schmerzensrufe der Frau alarmierten die Hausbewohner. Während einige sich um die Frau bemühten, eilten andere dem Bettler, der inzwischen geflüchtet war, nach. Auf der Straße schlossen sich Passanten und Polizeibeamte den Berfolgern an. Verrohe Patron wurde eingeholt und festgenommen. Frau Z. wurde sofort in die Charite gebracht. Da der bedauernswerten Frau durch den Stoß mit der Stange auch Glassplitter- der Guckloch- scheibe ins Auge gedrungen sind, werden die Aerzte das Auge wahrscheinlich entfernen müssen. Das Reichsgericht bestätigt ein dreifaches Todesurteil.
2lm 2. Februar d. I. hatte das Schwurgericht Weiden den Knecht Felix Schieber wegen dreifachen Mordes dreimal zum Tode und zum lebenslänglichen Verlust der bürgerlichen Eh- renrechte verurteilt. Auf 'die Revision hat der l. Strafsenat des Reichsgerichts am Freitag die Revision verworfen mit der Maßgabe, daß der Angeklagte wegen drei in rechtlichem Zusammenhänge stehender Verbrechen des Mordes dreimal zum Tode verurteilt worden sei. denn es liege natürliche Handlungscinheit vor, d. h. also, daß das Todesurteil bestätigt und damit rechtskräftig geworden ist. Die Tat ist am 19. Juli in Wendersreuth begangen worden. Dort hat Schieber seinen Bruder, dessen Ehefrau und das kleine Kind seiner Verwandten mit einem Beil erschlagen.
Acht Jahre Zuchthaus für den „Schrecken des Siegerlandes“.
In Kirchen (Sieg) wurde der berüchtigte Schwerverbrecher und Zuchthäusler Bender vom Schöffengericht wegen schweren Einbruchsbieb- stahls in 13 Fällen zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren Zuchthaus und zehn -Jahren Ehrverlust verurteilt. Dender, der berechti^er- weise den Namen „Schrecken des Siegerlandes" führte, war im verflossenen Jahr gelegentlich eines Besuches bei seinem Bruder in Katzenbach von der Polizei festgenommen worden, aber am 31. Dezember v. I. aus dem Hntersuchungsge- fängnis in Wissen ausgebrochen. Er konnte erst dingfest gemacht werden, als er verschiebens Orte bes Siegerlandes burch ein Dutzend schwere Einbrüche in Schrecken versetzt hatte. Bender, der bereits die Hälfte seines Lebens hinter Zuchthausmauern verbracht hat, nahm die langjährige Zuchthausstrafe ohne Zögern an.
Eine unterbliebene Exmission.
Eine gerichtlich angeordnete Räumung in der Wohnung des Heizers Büttner in Potsdam konnte nicht ausgeführt werden, da ihr ein unerwarteter passiver Widerstand entgegengesetzt wurde. Die Mobeltransporteure nämlich, mit denen der Gerichtsvollzieher gekommen war, erklärten, daß sie „aus Klassensolidarität" mit dem zu Exmittierenden d i e Räumung nicht ausführen würden. Der Gerichtsvollzieher holte andere Möbelträger, die sich jedoch beim Anblick der ärmlichen Wohnung ebenfalls weigerten, die Räumung durchzuführen. Die Exmission mußte daher unterbleiben.
3m Belle verbrannt.
,3n der Steinstraße im Zentrum Berlins wurde die 57 Jahre alte Frau Ulbrich, die schon seit sieben Jahren infolge schwerer Krankheit bettlägerig ist, von einer Nachbarin, die der Kranken das Frühstück zu bringen pflegte, verbrannt in ihrem Bett aufgefunben. Frau Ulbrich hatte ein neben dem Bett stehendes Licht umgeroorf en, das die Kissen in Brand gesetzt hatte.
Folgen des blutigen wahlsonntags in Hamburg.
In Hamburg sind drei Kommunisten, ein 25jähriger Schauermann, dessen 24jähriger Bruder, ein Landarbeiter, und ein 43jähriger Schlosser, im Zusammenhang mit den blutigen Zusammenstößen am Wahlsonntag, bei denen zwei Nationalsozialisten getötet wurden, verhaftet worben. Die in ihren Wohnungen beschlagnahmten Waffen sind z. T. solchen Kalibers, wie sie bei der Schießerei am Sonntag benutzt worden sind. In der Nacht zum Donnerstag erfolgte die Festnahme von drei weiteren Kommunisten, eines 31jährigen Bäckers, eines 18jährigen Arbeiters und eines 32jährigen Chauffeurs. Die drei letzteren Personen scheinen aktiv an der Schießerei beteiligt gewesen zu sein.
Wettervoraussage.
Das Tief über den britischen Inseln ist nach Frankreich weitergezogen, während die Storung über dem Mittelländischen Meer sich nach den Donauländern bewegt hat. Zentraleuropa liegt somit unter dem Einfluß tiefen Druckes, und zwar ist dabei für uns die im Grenzbereich zwischen tiefem und hohem Druck herrschende nordöstliche bis östliche Luft maßgebend. In ihrer Begleitung treten vorerst noch zeitweise Niederschläge auf, die Temperaturen schwanken etwas, zumal sich von Südosten her wärmere Luft einmischt. Jedoch wird dadurch in unserem Gebiet feine wesentliche Erwärmung ftottfinben, vielmehr liegen die Werte im Durchschnitt zu tief.
Aussichten für Sonntag: Zeitweise stärker bewölkt mit Niederschlag, aber auch Neigung zu Aufheiterung, mäßig warm.
Aussichten für Montag: Zunächst noch wenig Veränderung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 15. April: mittags 6 Grad Celsius, abends 4,7 Grad; am 16. April: morgens 4,9 Grad. Maximum 7,3 Grab, Minimum 4 Grab. — Grbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. April: abends 5,8 Grab; am 16. April: morgens 5,2 Grab Celsius. — Niederschläge 1,8 mm. — Sonnenschein- dauer eine Viertelstunde.


